Indiana Tribüne, Volume 29, Number 184, Indianapolis, Marion County, 29 March 1906 — Page 7
Jndiana Tribüne, 29. März ROVS.
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o -K o -K o o -c O o -fc 0 -K o Biebcttschlafcr Vornan von Agnes Harder o 000000000000 ' (FortsetzunA.) Und Meta wartete. Sie ging in das Wohnzimmer, setzte sich mit einer Handarbeit an das Fenster, während ihre Mutter an ihrem Schreibtisch die Wirthschaftsbücher durchsah, und blickte über die Nadel herunter auf den Domplatz. Die L'öwenjungfrau auf der Dachfahne hatte sie nie interessirt. obgleich sie sie von klein auf kannte, auch die großen Linden hatten sie nie aus dem Schlaf geweckt, wenn sie im Sommer ihre Blüthen öffneten. Das war nicht einmal der Liebe gelungen. Leutnant von Petexs, der eben unten an dem breiten, gutgehaltenen Vorgarten vorbeiging, grüßte Meta mit so viel Vertraulichkeit, als die Straße eben gestattete.- Sie dankte und -sah ihm lächelnd nach. Sie rothete nicht einmal. Sie würde ihn hcirathen. In Papas ewigen Vereinen, Ausschüssen, Sitzungen mußte man sich eben an den adligen Verlobten der Tochter gew'öhnen. Illusionen hatte, sie keine. Die Tante ihres Zukünftigen, die in einem der vielen adligen Stifte der Stadt ein Schattenleben führte, würde wöchentlich einmal bei ihrer Mutter zum Kaffee sein. Beide Damen würden sehr liebenswürdig gegeneinander sein, und der Justizräthin würde es ebenso qlatt heruntergehn, ihren Gast als Freifräulein vorzustellen, wie jener die berühmten Schmandwaffeln. Eine Hand wusch die andere. Wo hätte Meta. Meyhöfer wohl Illusionen herbekommen sollen? Sie saß hier auch durchaus nicht einer romantischen Grille zuliebe, sondern weil sie die Sache mit Jmmanuel satt hatte. Heute Abend schrieb sie an Tante Storchen. Da sah sie den Vetter schnell, vorsichtig, ' als würde er verfolgt, in's Haus schlüpfen. Er benutzte die Hintertreppe. Oben, im Flur, traf sie ihn. Schnell, Meta, meine Handtasche. Aber schnell." Was ist denn geschehn? Du bist ja unverwundet. -Hast Du den Gegner abgeführt?Er schüttelte den Kopf, eine unbestimmte Hast in jeder Bewegung, dazwischen doch ein fast wildes Freiheitsgefühl. - Fortgelassen bin ich. Entwischt. Nun ist es aus. Aber rasch, Meta. rasch. Nur ein wenig Wäsche. So. Leb wohl. Und sag dem Onkel, an Vater schriebe ich selbst, heute noch. Leb wohl." i2z hatte heftig das Band von der Brust gerissen und auf die . Erde, gewarfen, die Couleurmütze . dazu und nach dem Strohhut gegriffen, der noch aus seiner Schülerzeit im Schrank lag. Sie sah vom Fenster, wie er in einen Wagen der Elektrischen sprang, die nach dem OftbcSnM führte. Dann siürmte auch schon Erich in's Zimmer. Er warf nur einen Blick auf das zerrissene Band. .Wo?" Meta zuckte die Achseln. Nach Scheschitten gefahren," sagte sie kalt. Er nahm eine Droschke." Die Schande! Sich einfach gedrückt, wie eine feige Memme. Kann kein Blut sehn. Ha. ha, ha!" Wissen es die andern schon? Fiel er r3 öffentlich ab, Mann gegen Mann?" Er kam heute früh zu mir rüber. er wolle vorangehn, noch etwas frische Luft schöpfen. Da blieb ich liegen und ricktete micö so ein. dak ick erst tu sei ner Mensur an Ort und Stelle war.j Es waren ein paar prachtvolle Gange gemacht worden, alles in bester Stimmung. ,Na, wo ist denn der Siebenschläfer?' fragte mich der Unparteiische. ,Heute sollte er doch wenigstens pünktlich am Platz sein.' Ich werde schon mißtrauisch. . Wir warten und warten. Eine andere Mensur wird vorgerückt. Ich nehme eine der Droschken, die draußen stehn da liegt die Bescherung." Er stieß die Mütze mit. dem Fuß in die Ecke. . , Aber das soll er mir büßen." Das laß jetzt. Denke, wer eigentlich die Schuld hat, Du oder er. Fahr zurück und sage, er sei krank geworden. Es könnte beinah wahr sein. Und dann biete Deinen viel gerühmten Emfluß auf, die Dinge friedlich zu lösen. Hier m Königsberg tritt er Euch schwerlich wieder entgegen. Du könntest Nutzen ziehn aus dieser Ersahrung, Erich, sie war Dir recht vonNöthen . Er richtete sich spöttisch auf. .Schon ganz Frau von Petersen .in spe.' In diesem. Fall wirst Du mich aber doch wohl nach meinem Ermessen handeln lassen." J Ohne ein Wort zu sagen, ging sie herunter in das Bureau des Vaters, wartete in dessen Privatzimmer, bis der Mandant, mit dem er gerade sprach, hinausging, und trat dann zu dem Justizrath. Er wußte, daß seine Aelteste nie wegen unnöthiger Dinge störte, und hatte darum stets Zeit für Als Erich fünf Minuten später wieder in den Wagen steigen wollte, kam der Bureaudiener und bat. ihn zu sei-
nem Vater. Man beschloß im Fami-
lieninteresse, das freie Recht der Persönlichkeit diesmal auch auf Jmmanuel auszudehnen. Erich hatte guten Grund, sich zu fügen und die Dinge nicht zum äußersten zu treiben. Jmmanuel hatte den ersten Zug genommen, der nach Westen gwg, einen langsamen Bummler, der ihn nur bis Marienburg brachte. Er entschloß sich, hier aus den Nachtzug nach Berlin zu warten, ließ sich m einem Gasthos ein Zimmer geben und schlief wie ein Todter. Als er aufwachte und nach der Uhr sah, war es sechs. Die Sonne stand schon tief. Rasch kleidete er sich an, ging über die Schiffbrücke und lagerte sich am jenseitigen Ufer im Gras. Nur durch den Fluß getrennt, stieg die Marienburg vor ihm auf. Die ehemaligen mächtigen Brückenthürme traten fast in s Wasser, dahinter ragte das Hochschloß auf, zur Lmken Hochmeisters Palast mit den zierlichen Säulenstellungen der Front. Wohl eme Stunde lag Jmmanuel unbeweglich und ließ kein Auge von dem stolzen Bau. Er sah hinüber, als stunde dort die Gralsburg, und er fände den Weg nicht zu ihr, und es gäbe keine Brücken. Auf dem träge dahinziehenden Strom lag der Widerschein der Burg, deren rothe Ziegel in der Abendsonne glühten, und es schien, sie werfe ihm ihr Bild herüber über die trügerische, glitzernde Fluth. Das Bild aber traf ihn mitten m's Herz. Ein Feigling! Er fand keine Entschuldigung in seinen. Nerven. Was waren dem Dorfklnd Nerven? Und dann dachte er an die Morgenstunden, da er auf den Hufen umhergeirrt war, wo sich in einer Seitenstraße das Pauklokal semes Korps befand. Den wertesten Weg hatte er -genommen; den durch die Bürgergärten. In der Schlucht hatte ein riesiger Weißdorn in voller Blüthe standen. Als . er um die Ecke bog und ihn sah, hatte er einen Ruf des Schreckens ausgestoßen. als sahe er ein Gespenst. Hinter einen Gartenzaun hatte zx sich geduckt, als das Haus in Sicht war. Die Apselbäume blühten, und der kühle Maiwind strich ihm die trockenen, sahlen Wangen. Er fühlte nichts. - Die Droschenkutscher, die ein gutes Geschäft machten, wenn sie die Abgeführten nach Hause brachten und wohl auch vor einem scyutzmann warnten, oen )e von ihrem hohen Sitz leichter erspähten, plauderten Miteinander. Einige Kommilitonen gingen im Garten umher. auch sein Gegner, ein kleines, gewandtes Kerlchen mit losem Handgelenk und sicheren Augen. Und plötzlich packte ihn eine sinnlose Angst und rüttelte ihn, daß seine Knochen krachten. Nicht nur die Angst vor dem dort und vor den Komnrntonen und vor Tiras, dem bei solchen Gelegenheiten die edle Rolle zufiel, das Blut zu lecken nein, die Angst vor diesem Leben, das mit seinem Selbst gar nichts zu thun hatte, daß ihm zu Muthe war, als hätte er eine plötzliche Wandlung erfahren, und seine Seele sei in einen ihm ganz fremden Körper gefahren, mit dem sie nicht das letzte geheimnißvolle Band verknüpfte, daß sie mit ihm in Zwiespalt läge von Morgens bis in die Nacht. Da lief er davon. Wären Reihen von blitzenden Schlägern ihm entgegenFewesen, er hätte sie sich in die Brust gebohrt, ein geistiger Winkelried, und sich eine Gasse gebahnt. An dem. weißen, frühlingsfrischen Dorn lief er vorbei, durch das Steindammerthor und dann links um den Wall, die Stadt meidend, bis er sich in den Straßen zu einem Laufschritt zwang und das Pochen seines Herzens beruhigte. Frei! Er rechnete nicht mit ihnen. Andere Art mochte sich anders bethätigen. Aber'er war wieder frei! Und hier empfand er's,. an der Schwelle des Deutschthums, wie sein Vater die Marienburg nannte. Es war ihm, ein weißer Mantel decke sich über ihn und verberge ihn vor seinen Verfolgern. Ich muß mich ja selbst erst suchen gehn, ich habe mich noch nicht gefunden. Es wird eine mühselige Wanderschaft sein, meine ich, und niemand wird mir helfen." Niemand? Er lauschte in die Ferne. Aber sie gab ihm keine Antwort. Da zog Jmmanuel einen Bogen und eine Vriefdecke aus der Tasche, die er sich vorhin im Vorübergehen in einem Laden gekaust hatte, und schrieb: Lieber Vater! Ich habe Königsberg rerlassen. weiß aber noch nicht, wohin ich gehe. Laß mich meinen Weg allein machen. Ich werde Dir von Zeit zu Zeit Nachricht geben. Ich suche das moralische Gesetz in mir. Du weißt schon dort fand ich eS nicht. Grüße Tante Rorchen.. Ich bleibe ' Euer treuer Sobn." - Nun stand er schwerfällig aul und., rjL-zu ::c ir icyiui uv tue vsajiyjoruae in oie Stadt zurück. Die Augen hielt er ncch immer fest auf die Burg gerichtet. Das Bild im Wasser verkürzte sich, je näher er dem Ufer kam. Nun war der Schein verschwunden. An dem ungeheuren Glasmosaik "der Maria vorbei ging er längs des Wallgrabens zurück. Er trug nun den Kopf ganz hoch. Im Gasthof ließ er sich ein kräftiges Essen auftragen. Mit dem Nachtzug fuhr er nach Berlin. ' , ' ' 5. Kapitel. r war in Freiburg im Breisgan hängen geblieben. Eines Abends war er angekommen. Als er so j fut!i V.r u. ywi ' nocg jpai vuraz oie sirayen schlich, denn er ging immer unsicher wie ein Verfolgter, grüßten ibn von
ükerallbie Tlfn&eirten", Hellen Wasser der Dreisam. In breiten, offenen Grä-
den schössen sie durch die Straßen, in beständigem Gefälle, sich überstürzend, mit schnellen, lustigen Wellen. Bedachtsamer Burgersinn begann - sie zu vedecken, daß nichs immer wieder unachtsame Nachtschwärmer durch ein kühles Bad zur - Besinnung, vielleicht auch. wenn der Heurige gut gerathen war. zur Aucyternyett gevracyt wuroen; aber , immer wieder schoben, sie unter den Brücken und Stegen hervor, wie Kinder, denen man den Mund verboten hat, wieder zu plaudern anfangen, wenn der Lehrer kaum den Rücken gewendet hat.' Dazu an allen Ecken und unten auf den breiten Hauptstraßen die Röhrenbrunnen, die gothische Figuren der Heiligen bewachen, als müßte ein Trunk aus ihnen heilen von allen Leiden und Schmerzen. Jmmanuel trank. Aus zedem Brunnen der Stadt hätte er trinken mögen, seinen brennenden Durst zu loschen. Er kam auf den Münsterplatz. Da legte der Mondschein den Schatten des Domes vor seine Füße, den deutsches Herz, wenn, schon mcht deutsche Forschung Erwin von Steinbach zuschreibt, und als er stillstand, weil er nicht wagte, seinen Fuß auf die Spitzen zu fetzen, die deutsche Verqanqenbeit ihm wie einen Teppich unterbreitete, stand die Stunde an der Nogat vor seiner Seele. Zwei Fäden knüpften sich' zu festem Knoten, und er sagte leise: Hier, in der &iam der lebenden Wasser, will ich bleiben." Viel weiter konnte er auch nicht mehr. Er war nahe am Wall der Alpen. Als er am nächsten Morgen sich im Sonnenschein umsah, fühlte er noch deutlicher, daß er das Rechte getroffen hatte. Es war Markt. In allen Slraßen sah man die Schwarzwalder in ihren verschiedenen Trachten, deren jedes Thal ia seine eigene hat. Unter den Hauben und breiten schwarzen Schleifen der Mädchen, unter den FilzHuten und Barenmutzen der Manner lachten ihn so viel Lebensfrische und Zuversicht an, daß sich ein Abglanz davon auch in sein Herz schlich. - Schüchtern, denn der Dialekt berntete Jmmanuel fast unüberwindliche Schwierigkeiten, machte er einen dreifachen Einkauf: einen Strauß Maiglocken und eine irdene Schale in der einfachen schwarzwälder Art, die er sich dann mit Walderdbeeren füllen ließ. Er zog sich auf eine Bank am Abhang des Schloßbergs zurück und tafelte wie ein Märchenkönig, und als ihm beim Heimweg ein Zettel auffiel, der eine möblirte Stube anzeigte, miethete er sie und ließ den Maiblumenstrauß als Eigenthumstitel auf dem Tisch zurück. Es war eine glückliche Wahl. Zwar, die heilige Themis behielt für dieses Semester noch die Binde um, und er rührte nicht an ihr. Dafür durchstreifte er das Vreisgau und den Schwarzwald zu Fuß, das Ränzel auf dem Rücken, als sei er das von Jugend auf nicht anders gewohnt. Wandergenossen traf er überall; hinter jeder Bergecke, aus jedem Tannendickicht tönte ihm ein deutsches Lied entgegen. Ein Sommersemester in Freiburg! Das heißt einen Sommer lang Tannenduft und Bcrgespoesie genießen und in seiner Erinnerung bewahren, wie eins der alten Riechbüchchen den Duft durch Menschenalter fest hielt. Auch in's ärgste Pbilisterthum kann plötzlich, bei einer Erinnerung, ein Hauch davon strömen. Jmmanuel söhnte sich in diesem Sommer mit deutschem StudentenWesen wieder aus. obgleich er sich niemand näherte. Als-der Winter kam und die meisten gen Norden zogen, fing er mit der leichten Pedanterie, die ihm trotz seiner Träumerei eigen und wohl ein Erbtheil vom Vater war, seine Studien an. Doch lockte der winterliehe Schwarzwald wieder zu neuen Freuden. Als er sah. daß hier, wo das Skilaufen fast mit dem gleichen Eifer betrieben wird, wie im Norden, fogar das Bauernmädchen sich die praktischen Schneeschuhe unterschnallte, um zur Schule zu gelangen, wollte er nicht rückständiger sein als jene. Und wenn er so den Fcldberg erstiegen und über das Hochplateau sauste, als triebe ihn Boreas selbst und bliese mit vollen Backen hinter ihm her. fühlte er dankbar, wie Kraft und Mark in den Körper zurückgekehrt waren, und schüttelte seinen blonden Krauskopf und machte dem Thal und seinen Nebeln eine Faust. Die begehrlichen Mädchenäugen, die ihm folgten, sah er nicht. Jene schwüle Zeit der letzten Schuljähre, die ihn mit Anohrte auf den Lindenberg geführt hatte, war vergangen. Da machte ihm der nächste. Frühling ,noch.ein besonders köstliches Geschenk. Er fand einen Freund.. Fand ihn im eigentlichen Sinne des Worts, denn sein Fuß hätte sich fast an ihn gestoßen. als er vcmHöllenthal aus einmal planlos in die Wälder drang. Hanns Fselitz lag auf einem Vorsprung ausgestreckt, wie Hütejungen zu liegen pflegen, hatte die Ellenbogen aufgestützt, das Kinn in die Hände gelehnt und fah hinunter in's Breisgau, als hätte man ihm . befohlen, die-Flecken und Dörfer dort unten zu zählen. Jmmanuel, der guten Grund hatte, die Träume anderer zu achten, woüte vorsichtig um ihn herum gehn. Da sah Fielitz sich um und sprang auf. Verzeihen Sie den preußischen Schlagbaum. Aber ich bin erst acht Tage hier. Da geht's noch mit einem durch, wenn mandaS da peht. ,Er
zeigte auf das Bild zu seinen Tranen.
Die feine, schlanke Nadel des Münsterthurms stand still in der blauen Luft. Am Abend dieses Tags waren sie Freunde. Hanns Fielitz schien das selbstverständlich zu finden, und das Du ging ihm geläufig von den Lippen. Jmmanuels Zunge stieß sich mehr daran, als sein Herz. Er hatte noch nie einen Freund besessen. Aber es schien ihm doch eigentlich das Schönste . r.! i o t ? -1 . . zu lein, was lym oie siaor oer umgenden Wasser bisher geschenkt, und es klang und sang auch in seinem Herzen, als er an diesem Abend in's Quartier kam. Sie tauschten nun zunächst ihre 2c benserfahrungen gegeneinander aus, Fielitz gab das gute Beispiel. Er war Marker. Kleinstädter, aus der kinderreichen Familie eines Arztes zu Landsberg an der Warte. Er studirte Medizin, mit heißem Bemühn, wie er sagte, denn er wollte seinem Alten nicht so lange auf der Tasche liegen. Seine älteste Schwester war schon vier Jahre mit einem Oberlehrer verlobt, die zweite studirte in Berlin Musik, eine dritte besuchte das Seminar. Es waren auskömmliche, aber nicht reichliche Verhaltnlsse, Jmmanuel merkte bald, daß er pekuniär günstiger gestellt sei. Tante Rorchen legte monatlich das Ihrige zu dem Wechsel des Vaters. Seine Mittheilung: flössen spärlicher. bis er. einmal in Fluß gekommen. sein ganzes Herz dem andern in die Hände gab. Der sah ihn mit seinen lustigen, braunen Augen ganz erstaunt an. Und seither warst Du nicht daheim?" Wie sollte ich wohl? Die Scham schnürt mir die Kehle zusammen, wenn ich nur daran denke. Vater würde ja nichts sagen. Der sieht von einer zu hohen Warte auf die. irdischen Eitelkeiten hernieder. Aber wie wird sich Tante Rorchen gekränkt haben! Ich konnte nicht anders, Hanns. Du weißt nicht, was das für Wochen waren." Kann's mir denken. Bin zwar nur simpler Burschenschafter gewesen im feuchtfröhlichen Jena und hänge an allem, ivas die weiße Germanenmütze trägt, als wäre es mir blutsverwandt. Aber ich denke, für Dich. Siebenschläfer, wäre es die gleiche Sache in Weiß gewesen, und das Lichtenhainer hättest Du auch nicht vertragen. Es ist nur gut, daß Du einen Theil der Schuld auf DiaT' nimmst. Dein Alter scheint ein Sterngucker zu sein. Der gestirnte Himmel über Dir! Sehr schön, aber wenn man nicht gerade Amerika zu entdecken hat, nützt einem die Betrachtung des Firmaments herzlich weniq. Das Korps ist als Gängelband für die ersten Laufversuch? des sogenannten freien Menschen gerade so gut, wie jede andere Verbindung, das heißt, wenn der Betreffende hineinpaßt, nicht nur mit seiner augenblicklichen Gemüthsstimmung, sondern auch mit seinen sväteren Lebensplänen. Der schöne Erich berechtigt zu den schönsten Hoffnungen und den höchsten Ehrenämtern, nur daß aus der Leiter, die ihn tragen wird, nicht gerade die Engel auf- und nlederzusteigen pflegen. Dich hätte man lieber in eine Klosterschule stecken sollen, als an den Skattisch. Siebenschläfer. Himmel, mag es in Deiner fchönen Seele ausgesehn haben!" Spotte nur." sagte der andere. Aber an die zehn Minuten hinter dem Zaun des Pauklokals auf den Hufen inKönigsberg werde ich noch denken" Wenn Du alter Amtsgerichtsrath in Goldap oder Heydekrug bist! Denn mehr wirst Du nie. Siebenschläfer. Karriere ist Dir ein Wort mit sieben Siegeln. Freue Dich, wenn Du überhaupt soweit in sicheren Penstons genuß kommst. Für Dich hat auch die glatteste Rennbahn Hindernisse, und selbst im Futter der Staatskrippe kann Giftweizen liegen. Aber gerade darum mußt Du die Erinnerung los sein. Ich habe Dich noch nie auf dem Fechtboden gesehn " Das wirst Du auch nicht." -, Das werde ich doch. Von morgen an sollst Du mich begleiten, schon weil ich eitel bin und mich Dir in meinem höchsten Glanz vorstellen möchte. Du ahnst nicht, was für ein Relief mir der Schläger gibt. Du mußt übrigens ein famoser Gegner sein, wenn Du zufällig wach bist. Na, laß mich nur sorgen, ich werde Dick in Athem halten. Und noch eins, hast Du nie Lust gehabt, ein wenig in die Medizin hineinzuriechen? Zeit habt ihr Juristen doch, und auf der Anatomie wimmelt es meist von Euch." Jmmanuel sah den kleinen Märker zanz erstaunt an. Der lachte aus volsem Hals. Ach. daß ich Dich nie mehr sehn werde, wie der Korpshund Dich hinter sich herschleifi: Ein verblüffteres Gesteht hättest Du übrigens damals auch nicht machen können. Komm, iß heut mit mir bescheiden im .Grünen Baum.' Der Name wird Dich entschädigen. Den Appetit habe ich Dir jq so wie so verdorben." Von nun an gab es in Freiburg eins der ungleichen Freundespaare mehr, die sich an jeder Universität finden und, für die das Alterthum die Vorbilder und auch die Namen geliefert hat. ' Mit d:n antiken Bezeichnungen begnügte man sich hier nicht und nannte sie den kleinen und den großen Bären. Der' kleine Bär, auch am Himmel durch den Besitz des Polarsterns ausgezeichnet, war der aktivere' Theil, zugleich auch das Verbindungsglied mit der Menschheit. Der große hielt sich meistens in seiner Höhle. (Fortseung folgt.)
Europäische Nachrichten.
Schweiz. Bern. Dieser Tage ist nach längerem Leiden im Alter von 78 Iahren Duc, seit nahezu 31 Jahren Weibel, im Nationalrathe, gestorben. Während dieser langen Zeit hat er in seiner dienstlichen Stellung manches Mitglied der Bundesversammlung zur letzten Ruhestätte begleitet. Base l. Professor )r. F. Fleiner ist an die Tübinger Hochschule als Ordinarius .für Staats- und Ver waltungsrecht berufen. . Professor Fleiner hat dem an ihn ergangenen Ruf Folge geleistet. Genf. Der Besitzer des hiesigen Kursaales Durel wurde im Eisen bahnwagen auf der Strecke zwischen Rossillon und Virierx le Grand vor der hiesigen Station ermordet. Dure! hatte 350.000 Francs bei sich, dieaus Terrainverkäufen in Nizza herrühr ten. Der Mörder durchschnitt Durel die Kehle und warf den Leichnam auf das Geleise. Als Mörder sind hier bald dararuf zwei junge Leute, Namens Marzo und Georges, verhaftet worden. Grindelwald. Arnold Weber, Konfiseur Hierselbst, erhielt von der bernischen Regierung die silberne Rettungsmedaille mit der Inschrift: .Dem muthigen Retter eines Klndeö aus den Wellen der wüthenden uschine, Arnold Webers von Ebnat, Karton St. Gallen, 6. November 1905." Kreuzlingen. Die beiden hier wohnenden weiblichen Offiziere der Heilsarmee, Verene Grieber, 27 Jahre alt, aus Thürnen in Bafelland gebür tig, und Luise Krohn aus Potsdam, 20 Jahre alt, wurden todt in ihren Betten aufgefunden. Die Sektion der Leichen ergab Tod durch ein schnellwirkendes Gift, das die Beiden genommen hatten. ' ' L u z e r n. Ein 32mhriger, verheiratheter Angestellter des hiesigen Elektrizitätswerkes, Namens Schmidt, wurde beim Spannen von Drähten durch einen zerschnellenden Draht fo unglücklich an die Schläse getroffen, daß er auf dem Transport nach dem Spital den Geist ausgab. L u c e n s: Hier starb nach langer Krankheit Louis Edouard Junod, geboren 1827, ein bedeutender Uhren fabrikant. Rapperswll. Im nahen Elektrizitätswerk wurde der Monteur Schneider durch Berührung mit dem Starkstrom getödtet. Hesterreich Ungarn. Budapest. Gustav Lihotzky, Disponent der Hof - Schriftgießerei Karl Brendler und Söhne hiersclbst, feierte sein 25jähriges Dienstjubiläum in der Firma. Er wurde von den Chefs sowohl als dem gesammten Beamtenpersonal durch Ansprachen, und werthvolle Geschenke geehrt. In der Landesirrenanstält ist in geistiger Umnachtung Johann Hartl, einer der po pulärsten Fechtmeister der alten deutsehen Schule in unserer Stadt, gestorben. Er hat ein Alter von 58 Jahren erreicht. Bei der Reichsbrücke wurde der 25jährige Ulan Georg Miklasch, zugetheilt dem Militär - ThierarzneiInstitute, mit einer Einschußöffnung in der rechten Schlyfengegend. auf dem Boden liegend von einem Sicherheits wachmanne aufgefunden. Miklasch wurde sogleich in die Wachstube bei der Kronprinz Rudolf - Brücke transportirt. dort von dem telephonisch requirirten Jnspektionsarzte der Freiwilligen Rettungsgesellschaft verbunden und sodann in das Garnisonsspital No. 2 gebracht. Der Ulane hat sich aus dem Dienstrevolver eine Kugel in den Kopf gejagt. MißHelligkeiten mit einem Assistenzarzte gab Miklasch als Motiv der That an. Der 60jährige Kupferstecher Otto Viribom, Währing, Gentzgasse No. 118 wohnhaft, ist auf dem Schottenring von einem Motorw'agen der städtischen Straßenbahn niedergestoßen worden. Er gerieth unter die Schutzvorrichtung und erlitt Wunden am Hinterhaupt, an der Schulter, am Brustkorb und am rechten Knie. Aerzte der Freiwilligen Rettungsgesellschaft leisteten ihm erste Hilfe und brachten ihn in's Spital der Barmherzigen Brüder. Letztens hat sich in seiner Wohnung in der Unteren Augartenstraße der Centralinspektor der Kaiser Ferdinands - Nordbahn i. P. Rath Karl Schwarz durch einen Revolverfchuß getödtet. Der Kassa oeamte Dworschak wurde infolge eines Nervenleidens lebensüberdrüssig, verletzte seinen 2jährigen Sohn tödtlich und tödtete sich selbst durch einen Revolverschuß in die rechte Schläfe. Brünn. Dieser Tage beging Frau Marie Baugsberger, Magazineurin und Sortirmeisterin bei der Fabrikfirma Sal. Strakoschs Söhne, ihr 40jähriges Berufsjubiläum. Cavareno. Hier sind von 93 Häusern 18 abgebrannt... Ueber 40 Familien sind obdachlos. Der Scha den beträgt 120,000 Kronen. Gösting. Unlängst entstand in der Glasfabrik Hanich, Hildebrand u. Co. infolge Einsturzes der Decke des Gasofens ein großes Schadenfeuer, welches einen Teil der Fabrik einäscherte. Der angestrengten Arbeit der Neuerwebr ist es Leluren. btn
Brand zu lökalisiren. 'Der 'Schaden
wird auf 100,000 Kronen geschätzt. - G r a z. Die Schwester des HerrenHausmitgliedes Moriz Ritter von Schreiner, Fräulein KloNlde von Schreiner, ist in ihrer Wohnung ver, brannt. Es war ein Feuer entstanden. und ebe die bocbbetaate Dame Zick zu retten vermochte, wurde j?e ein Opfer der Flammen. L i e n z. Hier hat sich Major Franz Gebert, Commandant des hiesigen böhmischen Feldjäger -Bat. No. 2, erschossen. Salzburg. Kaiser Franz Josef hat für die Errichtung eines MozartHauses Hierselbst 20,000 Kronen, Erzherzog Erugen 5000 Kronen gespendet. Außerdem wurde dem Comite die Erlaubniß zur Veranstaltung einer Mozarthaus -Vaulottcrie ertheilt. Luxemburg. Diekirch. Letztens entstand auf dem Gute -des Gutsbesitzers Kurth Feuer, das schnell um sich griff. Ein Theil der Oekonomiegebäude wurde eingeäschert. Grebenmacher. Der 14jährige Sohn des Schneiders Karl Wolf ist beim Schlittschuhlaufen ertrunken. Ettelbrück. Ein Schüler der hiesigen Ackerbauschule, Franz SchönHof mit Namen, hat durch einen Fall aus einem Fenster des Elternhauses schwere Verletzungen erlitten. Einen qualvollen Tod erlitt ein Maschinist der elektrischen Industriebahn beim Basaltwerk in Witzenhausen bei Kassel. Als er Abends im Maschinenhause den Treibriemen abwerfen wollte, wurden seine Kleider von der Transmissionsmaschine ersaßt und er selbst herumgeschleudert, wobei ihm das rechte Bein nebst s i ff eaeninochen aus oem sve gerben und der Brustkasten zerbrochen wurde. Diesen schweren Verletzungen ist er bald darauf erlegen. In China beschäftigen sich jetzt die Schüler mit Sportspielen nach Art der englischen Spiele. In Canton versammelten sich zu diesem Zweck 3000 Studenten von 47 Schulen. Mitten auf dem Sportplatze war ein großes Lazarethzelt aufgeschlagen. Die Doktoren und Krankenträger trugen das Zeichen des Rothen Kreuzest Sie hatten viel zu thun, da die Schüler bei ihren Spielen und Wettkämpsen sehr leidenschaftlich wurden. Während der Veranstaltung concertirte eine Militärkapelle, die zwei Lieder spielen konnte, die sie mit gewaltigem Getose immer wiederholte. Den Zuschauern fiel an den jungen Leuten vor allen Dingen die Muskelentwickelung auf. DerMajordes23. Feldjägerbataillons Rudolf Edler v. Milic in Budapest hatte sich vor zwanzig Jahren als Leutnant mit einer jungen Bürgerstochter, Etelka Müller, verlobt und hatte sie nicht heirathen können, da die Kaution fehlte. Jetzt ist er zum Major avancirt und während der ganzen Zeit dauerte das Verlobniß fort. Nunmehr beschloß der Offizier, sich an den obersten Kriegsherrn zu wenden, damit dieser ihm ermögliche. endlich die Braut zum Altar zu führen. ' Kürzlich bat er in einer Audienz den Kaiser Franz Joseph um die Erlaubniß, ohne Kaution zu heirathen. Diese Erlaubniß wurde ihm gewährt und in Pilis - Csaba fand die Trauung des Paares statt, das so lange treu auf seine eheliche Löereinigung gewartet hatte. Die englische Admiralität hat für die Arbeiter auf ihren Werften ein Vrämiensystem eingeführt, das bezweckt, rne Angestellten für zweckentsprechende Verbesserungsvorschlüge zu belohnen. Ein Comite von Werftoffizieren tritt monatlich einmal zusammen, um Vorschläge betreffs Ersparnisse oder Erweiterungen im Betriebe, Verbesserungen an Werkzeugen oder Maschinen, Aenderungen in der Produktionsweise, Ersparnisse an Abfällen und an Rohmaterial fowie Ausdehnung der Maßregeln zur Verhütung von Unfällen entgegenzünehmen. Falls die Vorschläge annehmenswerth erscheinen, werden' Prämien bis zu 200 Mark vertheilt. In besonderen Fällen wird an die Admiralität weiterberichtet, und größere Summen gelangen als Belohnung zu? Auszahlung. Eine Schilderung des Kölner Carnevals wirst ein recht trübes Licht auf diese bisher mit einem gewissen Nimbus umgebene Äeranftaltung. Danach haben sich im Verlaufe der beiden letzten Carnevalstage derart viele Rohheiten, Mißhandlungen und Diebstähle ereignet wie nie zuvor. rcz ors&f K-it flTrrvttJk V 'P J 7 rmm-mj I " und Schußwunden verletzter Personen mußten den - Hospitälern zugeführt werden. Vermummte drangen in eine verschlossene Wohnung ein und brachten den im Schlafe befindlichen Eheleuten schwere Verletzungen bei. Ein halbwüchsiger Bursche setzte die Lockenperücke eines Maslirten in Brand, wodurch' dieser schwere Brandwunden im Hinterkopf und Rücken erlitt. Infolge dieser Ausschreitungen wirb beabsichtigt eine Einschiänlung des ffslTnPhslt'au fnTfccrn lsfth ahviT TntV ' u i ' " . .r.f y. . ritt jr r.r ' "-k " c gccucgajxucDc Acriamm..ngkn nur innerhalb von vier Wochen, Aufzüge nur an zwei Tagen abgehalten werden.
