Indiana Tribüne, Volume 29, Number 184, Indianapolis, Marion County, 29 March 1906 — Page 6

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Der Jlafls öcö 4ouuenicurs.

Von Tjmrn (.OrcDÜlc. Fürst Kamuyin war ein:r der glan zendsten Offiziere am Petersburger Hofe. Seit sieben bis acht Jahren paradirte er bet den J?zt!,chkelten. be, den Empfängen und offiziellen Ballen, hatte es troydem aber nur bis zum Hauptmannsrange gebracht. Wegen allzu toller Streiche war er bereits zweimal verbannt worden und hatte jetzt von allerhöchster Stelle die Er Mahnung bekommen, sich gefälligst ein wenig vernünftig zu benehmen. Fürst Kamuyin befolgte diesen Rath so gut, daß der aiser Nikolaus, der Spaß nicht gut vertragen konnte, ihm eines schönen Mozgens den Befehl schickte, einen Monat aus feinen Gütern zuzubringen, um ihm Zeit zum Nachdenken zu lassen," wie es in dem kaiserlichen priese ausdrücklich lautete. Kamutzin halte noch drei Tage, um seine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, um dann auf seine Besitzung zu fahren, letztere lag für die Berbin dung mit der Post von der Hauptstadt ungefähr vierundzwanzig Stunden entfernt. Zwei Tage brachte er damit zu, seinen Freunden Lebewohl zu sagen. So zu sagen als Ehrenqarde hatte man ihm vier Gendarmen beigegeben; die früheren Streiche des jungen Fürsten rechtfertigten diese anscheinend beleidigende Borsichtsmaßregel einiger maßen, denn die vorige Berbannung hatte er bei einem Restaurateur ats Kellner zugebracht, mit Wissen der ganzen Garde, die darüber- gelacht und die Affäre bis zum Ablauf der Strafzeit geheim gehalten hatte. Kamutzin ging nun von HauS zu Haus und nahm die ironischen Glück wünsche und heiteren Kondolenzen seiner Freunde entgegen. Gegen Abend deS zweiten Tages besuchte er, um Abschied zu nehmen, die Gräfin Tamerow, eine der - schönsten Damen des Hofes. Sie bleiben nicht zum Diner?fragte die schöne Gräfin, als sie sah, wie er sich schon nach wenigen Minuten erhob. , Unmöglich, Gräfin. Sie müßten denn auch meine Gendarmen einladen." .Ihre Gendarmen?" Ja. meine Leibgarde! Sie erwarten mich in meiner Behausung. In einer Stunde fahren wir alle Fünf nach Kamutzka, dem Stammschloß meiner Väter. Allzu lange wird die Reise nicht dauern, morgen zum Diner bin ich zu Hause." Armer Fürst," sagte Die Grafin lachend, es ist nicht gerade geschickt von Ihnen, sich in der Ballsaison verbannen zu lassen. Der Ball des GouverneurS der Festung wird also ohne Sie stattfinden." Ach, der Ball, richtig, den hatte ich ganz vergessen! Morgen, findet er statt?Morgen Abend. Wir werden ohne Sie tanzen," fügte die Gräfin lachend hinzu. Kamutzin zwirbelte nachdenklich an seinem Schnurrbart und fragte dann plötzlich: Sie gehen doch auch hin?" Diese Frage! Ganz Petersburg wird da sein! Der neue Gouverneur gibt seinen ersten Ball, er kommt von Jrkutök, und die Feste, die er dort veranstaltet, sind berühmt ; auch die kaiserliche Familie wird erscheinen." Gräfin," sagte Kamutzin leise, sich zu ihr neigend, wollen Sie mir den ersten Walzer bewilligen?" Sind Sie toll?- erwiderte die Gräfin, ein wenig zurückweichend. Nicht mehr als gewöhnlich! Ich wiederhole meine Bitte, denn Sie haben . mir noch nicht geantwortet. Wollen Sie mir die Ehre erweisen?" Aber, mein Lieber, morgen sind Sie ja schon auf Ihrer Besitzung." Das ist eine falsche Voraussetzung. Gräfin! Also noch einmal : Wenn ich auf dem Ball des GeneralGouverneurö der Festung erscheine, werden sie mir dann oen ersten Walzer bewilligen?" Die Gräfin sah den Fürsten entsetzt an, denn sie bemerkte, daß Kamutzin ernst sprach. Nach längerem Nachden ken erwiderte sie: Nun gut, ich willige ein." Wohlan, Gräfin, beim ersten Gcigenstrich werdeich die Einlösung Jhreö Versprechens fordern.." PnV sagte die junge Frau, Sie spielen um ihren Kopf." Ich werde mich überreich belohnt wissen," murmelte Kamutzin urd erhob sich, wenn Sie Ihr Versprechen halten." . Ich hoffe, Sie scherzen nur," sagte die Gräfin mit unruhigen Blicken. Wollen Sie wetten, daß ich da sein werde?" fragte der junge Mann, sich verneigend. Nein doch ich weiß nicht bei Ihnen kann man nie sagen" Nun denn, Sie sollen den Einsatz bestimmen, und ich hoffe, Eiz werden die Wette halten. Aus. Wiedersehen morgen!" Kamutzin küßte der Grafin die Hand und verschwand, bevor diese noch.Zeit zur Erwiderung gefunden. Wie er gesagt hatte, erwarteten ihn die Gendarmen in seiner Behausung. Vor der Thür hielt eine Neise-Kibilka. Ohne' den Repräsentanten der bewasfneten Macht eit zur Mahlzeit zu las. sen, stieg er ein, und fort ging es. ' Die Reise war in . ihrem ersten Theile von allerlei wunderbaren Unfällen begleitet; der Kammerdiener Kamutzins, der ' als Kurler voraus-

geschickt werden war, mußte sich betrunken haben, denn auf den ersten Stativ nen standen keine Pferde bereit, die Postillone fanden sich nichtmit einem Wort, es fehlte an Allem. Endlich erhielt die ewige Frage: Haben Sie etwas zu essen?" eine bejahende Antwort. niinun der bis dahin in seinem Wagen geschlafen hatte, rieb sich die Augen, stieg aus und lud die Gendarmen ein, mit ihm zu speisen. Nach dem Mahle gab Kamutzin seinen Wächtern zwei Flaschen Branntwein zum Besten,. und nach zwanzig Minuten waren die Hüter des Gesetzes total betrunken und schnarchten unter und auf dem Tische. Kamutzin nahm seinen Mantel, verließ das Zimmer und fand vor der Thür einen Bauernwagen flehen. Trotzdem das Pferd nur mager aussah, so ging es doch ziemlich schnell vorwärtö. Auf allen Stationen standen Extrapferde bereit, und gegen ach! Uhr Morgens betrat unser Held die Hauvtstadl, aus der er so schmählich verbannt worden war. Vor der Tkür des Restaurants, in dem er einst als Kellner sungirt, stand eine prächtige Reise-Kibilka. Kamutzin ging in das Haus, vertauschte seine Uniform gegen einen Eivilanzug, den man bereit hielt, verließ das Haus wieder und stieg in die Kibltka. Sein treuer Kammerdiener, der ihn nicht verlassen, nahm die Zügel und fuhr im wahnsinnigen Galopp nach dem Palais Seiner Excellenz, des Gener.rlGouverneurs der Festung. Die Dienerschaft kam herbeigelaufen und empfing ihn wie einen längst erwarteten Gast. Melden Sie den Neffur Seiner Ercellcnz," sagte Kamutzin mit größter Seelenruhe." Nach wenigen Minuten erschien auch der Gouverneur und rief, ihn lebhaft umarmend : Mein lieber Neffe, sei willkommen, ich erwarte Dich schon seit acht Tagen." Ich bitte um Verzeihung, lieber Onkel, ich hatte Verzögerung ur.d werde Ihnen das nachher erklären." Ja, ja, ich begreife Wie Du Dich verändcr: hast, ich hätte Dich nicht wiedererkannt Du bist müde was?" Jch habe drei Nächte im Wagen zugebracht, nur um schneller anzukommcn!" 'Armer Junge, na komm, nimm eine Tasse Thee. Ich wollte gerade frühstücken. Deine Tante schläft noch Du weißt doch, wir geben heute Abend einen Ball." Einen Ball? Davon wußte ich nichts, aber in Reisekleidung damit kann ich doch nicht" Du hast Deinen Frack nicht mitgebracht?" Ja, aber er ist unter meinem Gepack, und daS ist noch nicht angekom men." Nun, so werde ich meinen Schneider zu Dir schicken. Jetzt komm aber " Der General-Gouverneur zog seinen Neffen in den Speisesaal und richtete, während diese? es sich schmecken ließ, tausend Fragen an ihn, die Kamutzin mit unerschütterlicher Kaltblütigkeit beantwortete. Mein Gott," rief der Gouverneur plötzlich, wie Du Dich verändert hast, ich hätte Dich nicht wiedererkannt Und dabei hast 'Du doch Aehnlichkeit mit Deiner Mutter." Man sagt es, lieber Onkel," erwiderte der junge Mann, ich kann eö nicht recht beurtheilen." Du warst so groß," sagte der Gouverneur und zeigte auf den Tisch, ich glaubeDu -warst damals fünf Jahre alt." Vier Jahre und acht Monate, lieder Onkel." Ja, ganz recht, ein wunderbares Gedächtniß. Und sage 'mal Deine Tante Elisabeth" Entschuldigen Sie, lieber Onkel, ich falle vor Müdigkeit um. Ich glaube, ich sagte Ihnen bereits, daß ich eine dreitägige Reise hinter mir habe." Du hast Recht, lege Dich ein wenig nieder, bei Deiner Tante werde ich Dich entschuldigen." Kamutzin ließ sich in sein Zimmer führen, legte sich in'ö Bett und zog aus seiner Brusttasche einen Brief, den- er vor zwei Tagen empfangen hatte. Wir haben vorgestern viel gelacht," schrieb ihm einer seiner Kameraden, der sich in Moskau auf Urlaub befand : der Neffe unseres neuen GeneralGouverneurs ist eben aus Odessa angekommen und ist im ,Ecarte' vollständiq

ausgeplündert worden. Da er mehr verloren hatte, als er besaß, so ist er Gefangener auf Ehrenwort geblieben, bis seine Gelder aus Odessa anlangen. Das Beste dabei aber ist, er hat eine höllische Furcht vor seinem Onkel in St. Petersburg. Weshalb weiß er vielleicht selbst nicht, denn er hat diesen Onkel seit seiner frühesten Kindheit nicht mehr gesehen, aber er will lieber sterben, als ihm seinen Verlust eingestehen. Bei der schlechten Verbin dung kann die freiwillige Haft immerhin zehn bis elf Tage dauern." - In zehn Tagen," sagte, Kamutzin, den Brief zusammenfaltend wo werde ich dann sein? Vielleicht auf dem Wege nach Sibirien." Er legte sich auf die Seite und schlief ein. Als die Stunde des Diners ge kommen' war, ließ er sich unter dem Verwände, er sei zu müde, auf seinem Zimmer senken, dann zog er den Frack an, den man ihm gebracht hatte, und der ihm ziemlich gut saß. Punkt zehn Ukr erschien ein Die und sagte:

Gnädiger Herr, Excellenz lassen

bitten." Ohne sich zu beeilen, stieg er die mit rothen Teppichen belegte Treppe hinunter. Die Klänge der Nationalhymne zeigte an, daß der 5!aiser soeben erschienen war. Kamutzin mischte sich unter die Menge und betrat den Saal. Schnell überflog er die Anwesenden und erkannte bald die hübsche Gräsin Damerow, die ein wenig blaß und aufgeregt nach der Eingangsthür blickte. Er ließ sich ihr durch seinen Onkel vorfiel len; die Gräfin sah den jungen Provinzialen kaum an, sie suchte mit den Augen ein? Gardeuniform. Die letzten Akkorde der NationalHymne waren verklungen und sogleich begann ein Walzer von Strauß. Gräfin," sagte Kamutzin plötzlich. Die junge Frau zitterte und sah ihn an. Gestatten Sie dem Neffen des General-Gouverneurs, Sie an Ihr Versprechen zu erinnern." Er sührte die Gräsin in die Mitte deö Saales und tanzte mit ihr ab. Bei jeder Tour um den weiten Saal bemerkte Kamutzin ein bekanntes Gesicht, und bevor er uoch den Tanz beendet hatte, hatten ihn trotz seiner Verklcidung mindestens dreißig Personen erkannt. Als er die Gräfin nach ihrem Platz zurückführte, drückte er ihr leise die Hand und sagte: Ich habe meine Wette gewonnen, den Einsatz werde ich mir später einfordern." Die Gräfin erröthete leicht, antwortcte aber nichts. Wie Sie gestern zu bemerken mir die Ehre erwiesen, habe ich meinen Kopf gewagt. Wollen Sie dessen eingedenk sein?" Ich will's versuchen," erwiderte sie. Nun, wir werden sehen," fuhr er lächelnd fort, auf Wiedersehen." Als er sich anschickte, den Saal zu verlassen, hielt ihn der Gouverneur am Arm fest ur.d zog ihn zu dem Justizminister. Gestatten Sie mir," sagte er, Ihnen meinen Neffeö vorzustellen, der eben aus Odessa kommt. Ich empfehle ihn Ihrem Wohlwollen" Sehr erfreut," murmelte der Justizminister zerstreut, ' erhob dann die Augen, um den ihm so lebhaft Empfohlenen anzusehen, aber Kamutzin war schon verschwunden. Er ist noch ein wenig wild," murmelte der Gouverneur entschuldigend, er kommt aus der Provinz." In demselben Augenblick erschien ein Adjutant und sagte, sich an den Minister wendend, mit aufgeregter Stimme: Ter Kaiser verlangt nach Ihnen, Excellenz, Seine Majestät sind wüthend !" Was gibt'S denn?" fragte die Excel lenz ganz bestürzt und folgte dem Aoju tauten. Kamutzin ist hier," sagte der Kaiser unwirsch. . Ist's möglich, Majestät?" Er ist hier, sage ich Ihnen, lassen Sie ihn auf der Stelle verhaften, und suchen Sie zu erfahren, wer ihn hergebracht hat." Der Minister beeilte sich, den HausHerrn auszusuchen. Kamutzin ist hier, lassen Sie ihn verhaftenl" Kamutzin? Wer ist daö?" Der junge Mann, der verbannt worden ist. Beeilen Sie sich der Kai' ser ist wüthend." Aber mein Gott," rief der Gouverneur, die Hände zum Himmel erhebend. Sogleich. Kamutzin ist hier," sagte er zu seinem Sekretär, lassen Sie ihn verhaften, und suchen Sie zu erfahren, wer ihn hergebracht hat." Der Sekretär gab den Befehl weiter. Man fing an, Kamutzin überall zu suchen. Haben Sie Kamutzin gesehen?" fragte man sich. Parbleu," sagte Jemand, er hat ia mit der Gräfin Damerow getanzt!" Madame," sagte man zur Gräsin Damerow, Sie haben mit Kamutzin getanzt, der Kaiser ist wüthend, er will wissen, wer ihn hergebracht hat." .Nun, ich doch nicht?" erwiderte sie, ich habe nur einen Walzer getanzt, und zwar mit dem Nesfen deö Gouver neurs." Der Gouverneur trat auf die Gräfin zu, und diese fragte ihn: Nicht wahr, Gouverneur, Sie haben mir doch Ihren Neffen vorge stellt?" Gewiß, Gräfin, aber eö handelt sich nicht um ihn, sondern um Kamutzin, der Kaiser ist wüthend, er will wissen, wer ihn hergebracht hat." Die Gräfin wandte ihm den Rücken. In demselben Augenblick stürzte der Justizminister auf den verzweifelte Gastgeber zu und rief: Der Kaiser ist wüthend!" DaS weiß ich ja," schrie der Gouverneur. Und Sie schämen sich nicht, mich in diese Mystifikation zu verstricken." Aber, Excellenz, ich begreife nicht" ' Seine Majestät ist wüthend, sage ich," rief derMinistermit zornfunkelnden Augen und entfernte sich. Ein junger Adjutant näherte sich plötzlich dem Gouverneur und flüsterte ihm zu : . . Excellenz, Sie selbst haben Kamutzin hergebracht!" . ' Ich? Warum nicht gar!" Gewiß, Sie haben ihn ja der Gräfin Damerow vorgestellt."

Ich? Unsinn, das war ja mein Neffe." Ihr Neffe ist nicht Ihr Neffe, es ist Kamutzin, jetzt werden Sie begrc! fen, weshalb der Kaiser so wüthend ist." Der General-Gouverneur ließ sich in einen Sessel fallen und stöhnte: Ich Tölpel! tlnd daoei sznd ich noch, daß er seiner Mutter ähnlich sah." Kamutzin hatte die Mcßmuty beses jen, aus seinem Zimmer einen Brief liegen zu planen, welcher den Unglücklien Gou?crneur vollständig rchabilltirte. Dieser Brief wurde dem Kaiser gebracht, der zu lachen geruhte. Dennoch wurde der Flüchtling nach allen Richtungen der- Windrose verfolgt. Ihn auf seiner Besitzung aufzusuchen, daran dachte man natürlich zuletzt. So gingen vicrundzwanzigStunden verloren. Als die Polizei schließlich auch Kamutzins Schloß durchsuchte, fand sie ihn gerade, wie er Kaffce trank und eine ausländische Zeitung laö. Sie haben dem B?fchl seiner Majestät zuwidergehandelt," sagte der Polizeilieutenant z ihm. Ich? In wie fern?" Indem Sie den Ball des Gouverneurs besuchten." Sie wollen sich wohl über mich lustig machen. Ich bin seit vierundzwanzig Stunden hier, und gehorche dem über mich ausgesprochenen Verbannungsbcfehl." Sie haben Ihre Gendarmen betrunken gemacht. Welche Verleumdung. Sie haben sich selbst betrunken." .Sie haben sie betrunken gemacht, um zu entfliehen." Das ist wieder Verleumdung. Als ich sah. daß sie fest schliefen, bin ich selbst hierher gekommen. ES war mir zu demüthigend, mich von Gendarmen geleiten zu lassen." Sie sind in da? HauS deö GeneralGouverneurs gedrungen." Wer hat Ihnen diese Geschichte erzählt?" Dreißig Personen haben Sie erkonnt!" Dreißig Personen? Ihre dreißig Personen sind daö Opfer einer Täuschung, denn Sie sehen selbst, daß ich das Haus seit zwei Tagen nicht verlassen habe." Das ist möglich," sagte der Polizeilicutcnant, der bereits zu zweifeln begann, aber ich habe den Befehl, Sie nach St. Petersburg zu bringen." Kamutzin sah den Sprecher kaltblütig an und erwiderte: Das ist ein Scherz, aber kein guter, und ich muß wohl gehorchen." Während der ganzen Rückreise trug er eine so vollständige Kaltblütigkeit zur Schau, daß seine Begleiter von seiner Unschuld vollkommen überzeugt waren. , Der Kaiser hatte gelacht. Kamutzin kam mit drei Monaten Festung davon, die er aber diesmal nicht in dem Palais des General-Gouverneurs absaß, der ihm sein ganzes Leben hindurch bitteren Groll bewahrte. Die Gräfin Damerow zahlte den Preis der Wette, indem sie dem Fürsten Kamutzin ein Jahr nach jenem denkwürdigen Balle die Hand reichte. Ein rrnllcr Fall.

Der bekannte englische Arzt Dr. Spalding saß in seinem Sprechzimmer, als eins tief verschleierte Dame in elegantem Kostüme eintrat, die auf des Toltorö Aufforderung sich setzte. Vergeblich bemühte er sich, ihre Züge zu erkennen und sagte schließlich: WaS fehlt Ihnen, gnädige Frau?" Die Dame stotterte einige Worte mit schwacher Stimme. Verzeihung; ich verstehe nicht eine Silbe!" Die Dame zeigte auf ihren Hals. Ach so, Sie sind heiser; haben sich erkältet. Nun, ich will sehen, daß ich Sie wenigstens verstehen kann!" Mit diesen 'Worten legte er daö Ohr an ihr Gesicht und die Dame sprach weiter. Ich habe auch entsetzliche Kopfschmerzen; außerdem bin ich so nervös, daß ich NachtS nicht schlafen kann." Darf ich um ihren Puls bitten?" Die Dame zog den langen grauen Handschuh aus und streckte eine feine kleine Hand aus. Hm! hm! ein sehr ernster Fall!" Außerdem habe ich meinen ganzen Appetit eingebüßt. Wenn das so weiter geht, werde ich in den nächsten Tagen sterben." Und ohne eine Aufforderung abzuwarten, zeigte sie ihre Zunge. Sie war allem Anscheine nach vollkommen gesund, doch der Doktor wußte, wie er weidliche Patienten zu behandeln hatte. Hm! schlimm! sehr schlimm ! Sie brauchen vor Allem Luftveränderung' und müssen in'S Bad gehen !" Wohl an die. See?" Ganz recht, das wäre das Beste!" Ja, aber mein Gatte will nicht !" DaS ist aber im höchsten Grade grausam!" . Kaum hatte Spalding diese Worte gesprochen, als die' Dame von ihrem Stuhle aufsprang, ihren Schleier zurückschlüg und in merkwürdig lautem Tone sagte: - Und dieser grausame Mann ist niemand Anders, als der Doktor Spalding! Was hast Du jetzt zu erwidern. Du Barbar?" Der Doktor sagte , gar nichts, er dachte sich nur sein Theil, und acht Tage später war seine ftrirn im Bade-

Wettfahrt mit eint n Erdrutsch. Aus einer Wettfahrt mit einem Erdrutsch ging dieser Tage ein von Philadelphia nach Reading. Pa., fahrender Passagierzug als Sieger hervor. Als der Zug die Station Moselem passirt hatte, sah der Lokomotivführer. daß sich eine Schiefermasse an einem Bergabhange losgelöst hatte und auf die Geleise zustürzte. Er rief seinen Heizer, der sich auf dem Tender befand, zu sich in die Kabine, gab Volldampf und kam glücklich an der Absturzstelle vorbei. Hinrichtung im Gericht. Ein zum Tode verurtheilter farbiger Mörder Namens Barth Tompkins wird demnächst im Gerichtssaale zu Madisonville, Ky., gehängt werden. Die Countybehörde hatte die Verfügung getroffen, daß die Hinrichtung des Delinquenten auf einem 'leeren Platze zwischen dem Gefängniß und dem Rathhause erfolgen solle. Die Stadtbehörden, welche Ausschreitungen des Pöbels bei dieser Gelegenheit fürchteten, legten sich jedoch in's Mittel und erwirkten einen richterlichen Erlaß, demzufolge die Exekution im Gerichtssaal vollzogen werden muß. Der Willensbestimmung beraubt scheint ein 18jährige'r Jüngling Namens Arthur Merger in Virginia City. Mont., zu sein. Seit Kurzem führte er, einem unwidersiehlichen Zwange gehorchend. Handlungen aus, die seinem Wesen sonst fern lagen. Er sagte, er wisse wohl, was er thue, aber er sei gezwungen, gewisse Handlungen gegen seinen eigentlichen Willen auszuführen. Es scheint, daß der junge Mann in einem Zustande von Selbst-Hypnose handelte. Er hat verschiedene Bücher über Hypnose gelesen und soll auch in letzter- Zeit mit einem Hypnotiseur zusammen gekommen sein. Vor Kurzem war er in einem solchen Anfalle 30 Metten weit gewandert und in völlig erschöpftem Zustande wieder zu Hause angelangt. Lebendig begraben. Auf der Reservation der Krähen-Jndianer unweit Villings. Mont.. wurde unlängst ein junger Mann Namens Big Rock, lebendig begraben. Nachdem der Medizinmann des Stammes den Tod des Mannes konstatirt hatte, begann hrt? 9(Wrnfint& mif h.ert iifTtrfi?n s5r

IJ W. rMV. rV" monien und nach der Beerdigung blieb die Wittwe des Verstorbenen wehklagend auf dem Grabhügel sitzen. Plötzlich hatte sie das Gefühl, als ob die Erde unter ihr sich zu heben begann, sie lief im höchsten Schrecken davon, alarmirte den Stamm und das Grab wurde geöffnet. Man fand, daß Vig Rock" den Deckel des Sarges gehoben, sich in schrecklicher Weise das Gesicht zerkratzt und sich die Haare ansgerissen hatte. Sein Leben war aber entflohen, als man ihn ausgrub. Eifersucht führt zu Mord.. Eine Frau Standifer in Atlanta, Ga., hat unlängst ihre 18 Jahre alte Schwester, ein Fräulein Whisenant, erschossen, angeblich weil ihr Mann ihrer Schwester zu große Aufmerksamkeiten erwiesen haben soll. Das ermordete Mädchen stand im Begriff, sich zu verheirathen. Frau Standifer begab sich früh Morgens nach der Wohnung, ihres Schwagers D. P. Dunham, bei dem Frl. Whisenant wohnte, und eilte alsbald in's Schlafzimmer ihrer Schwester. Gleich darauf ertönten vier Schusse und das junge Mädchen, das von allen vier Kugeln getroffen wurde, gab nach einer halben Stunde den Geist auf. ohne noch ein Wort gesprochen zu haben. Frau Standifer, ilt nicht das geringste Bedauern über ihre That bekundete, stellte sich selbst der Polizei. Seltsames Zusammentreffen. Innerhalb dreier Stunden starben in Syracuse. N. N-, Zwei hochbetagte Brüder, der 81 Jahre alte John Winter und der 73 Jahre alte Peter I. Winter. Sie waren zwei von den vielen deutschen Männern, die nach dem Mißlingen der deutschen Nevolution von 1848, gleich Karl Schurz, in Amerika eine neue Heimath fanden. Die beiden Brüder Winter kamen schon 1849 nach Amerika. j. ü. Fi Der Kohlenmann, verkauft die besten Kohlen aller Sorte im arktt. Office u. Jardö 800-900 Beecher Str. Tel. neu, 9394; alt, Nain 1130 Dlchmann O Orabhoeu, Fabrikanten vo frtitu. Schau-Köfieu. 1lal Ladentische nnd Ciearren-Tisö'. CZ2 C3 Otötecte Cteafce. euer elepho u7 Wm. Stocff ler Zw. 202 Nord Noble StraZ

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