Indiana Tribüne, Volume 29, Number 183, Indianapolis, Marion County, 28 March 1906 — Page 7

Jndiana Tribüne, 23. März ROV.

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o Siebcttschlafcr I X o -X o -x 5 t o xxx a x $ o $ 2 Agnes Darder Soooooooooooo? (Fortsetzung.) " Käsewurm fragte an Sie m'öchten eine Hypothek haben auf Scheschitten." Das dachte ich mir. Unmöglich. Bei einer etwaigen Subhastation fiele sie doch aus. Und Jmmanuel hat vorläufig weder die Absicht. Karriere zu machen, noch Geld zu verdienen. Weißt Tu nun endlich, was er werden soll?" Ich? Nein, das muß er allein entscheiden." Er wird es wahrscheinlich an den Knöpfen abzählen, während er zur Immatrikulation geht. Wenn jemand übrigens absolut nicht weiß, was er werden soll, so wird er Jurist." O o Ter Pfarrer seufzte. JSBarirni nicht? Justiman gibt Ehren, Galenus Reichthümer. UebrigenZ, zum Mediziner wäre er sowieso verdorben. Er bat Nerven wie ein Mädchen," fügte der Justizrath bei. , Sie trafen die Damen und schlössen sich ihnen an. Fräulein Schwabe hatte j der Frau Justizrath soeben erzählt, ton glücklich sie sich hier in dem idealen Familienleben fühle, und wie rührend Herr von Var um seine Frau besorgt sei. Neulich hatte er ihr einen kost baren Ning mitgebracht. Die Krank verlöre ihn immer von ihren mageren Fingern. Aber tx bestände darauf, daß sie ihn trüge. Schade nur, daß ihn Geschäfte so oft in die Stadt riefen. Frau Meyhöfer lächelte überlegen und sah sich nach Tante Rorchen um. in der Absicht, einen verständnißvollen Blick mit ihr zu wechseln. Aber die war mit ihrem Kleid in den Stachel beerbüschen hängen geblieben. JmJn nern nannte sie die Schwabe dit dümmste Gans, die je über den Rhein geflogen und als Giggack wieder heim gekehrt sei. Aber zu irgendeinem Zugeständniß an die Justizräthin," wit sie sie nannte, war sie nicht zu hwegen. Die Kinder tanzten. Es war er stickend heiß auf dem Speicher. Die Pfosten waren mit Guirlanden umbunden. Ute und Anohrte hatten am Tag vorher geholfen, die Blumen zuzu reichen, immer eine Georgine und ein Büschel Gilken abwechselnd. Hin uni wieder hingen Stalllaternen von bet Decke herab. Wer nicht geschickt war. stieß beim Tanzen dagegen. Aber Vu Leute waren gewandte Führer, auck gut eingetanzt, denn sie ließen ihn Partnerin immer erst los. wenn bis Musik aufhörte. Nur mit den Herrschaften" machten sie eine Ausnahme und brachten sie. nach einem Herumtanzen wieder auf ihren Platz, eine Gartenbank, die man ebenfalls bekränzt hatte, und über der einige Lamvions schwankten." Man fah deutlich, wie Anohrte ihrem Stand entfremdet was und ganz zu den Herrschaften gezählt wurde, obgleich sie, wie immer, litauische Tracht trug, einen grün und . lila gestreiften Rock mit großer Schürze, ein fchwarzes Mieder mit Achseln über dem weißen, bauschigen Hemd, die Zipfel des dreieckigcnHalstuchs vorn eingesteckt, grüne Bänder in den braunen Haaren. Niemand von den Knechten tanzte anders mit ihr, wie mit Ute. jeder hielt sie ebenso vorslchtiq, wie das Herrenkind. Dafür wollte sich der schöne Erich an sie Heranmacken. Sie wich ihm aber geschickt aus und wußte es so einzurichten, daß er immer neben Ute saß, wenn die Musik aufhörte. So tanzte sie fast immer mit Jmmanuel,- der freilich leicht aus dem Takt kam, daß sie die Führung übernehmen mußte, sich fest an ihn lehnte und ihren Kopf gerade an sein schnell slagendes Herz drückte. Die Hitze, der Staub, der Dunst, den die Menschen ausströmten, betäubten ihn fast. Wenn ste an einer der offeneu Luken vorbeitanzten, sah er den Mond, der in röthlichem Licht gerade über den Horizont stieg, dann war es wieder die große Stalllaterne, die wie durch Nebel zu ihm herabsah. Ihn schwindelte. Hör auf, Anohrte, ich kann nicht mehr." Sie hielt sogleich an. Aber ihren Kopf ließ sie noch eine Weile an seinem Herzen, und ihre Arme gaben ihn noch nicht frei. Die Leute hoben jetzt den alten Käsewurm auf ihren Schultern bis zur Decke und ließen ihn hochleben.' Es war das der Gipfelpunkt des Festes. Die älteren Herrschaften hatten sich lange zurückgezogen, nur Fräulein Schwabe saß noch m der Ecke der Honoratwrendank, über die Brille nach den Mädchen spähend, die mit ihr zusammen nach der Polonaise das Fest verlassen sollten. Zu dieser ordnete man sich jetzt. Käsewurm forderte Fräulein Schwabe aus und nahm eme der La iernen mit. Dann stieg man herab in den Garten. Ute. die von Erich geführt wurde. sah 'sich um. Hinter ihnen gingen Anohrte und Jmmanuel. Als sie m die verwachsenen Theile des Gartens kamen, zog Erich mit. plötzlichem. Ruck ihren Arm an sich. Su machte sich ruhig frei und hob mit beiden Handen ib? weißes Kleid hoch, das noch kurz war und die schmalen Füß: seZl ließ.

Es streifs sonst an die Büsche, es thaut schon." Als sie wieder in lichtere Theile kamen, hörte sie, daß hinter ihr Plattdeutsch gesprochen wurde. Sie dachte zuerst, die Zusammensetzung des Zugs hätte sich zufällig geändert. Da merkte sie, daß Anohrte und Jmmanuel fehlten. Unten an? Speicher verabschiedete sie sich von dem Studenten und ging mit Fräulein Schwabe über den Hof nach dem Gutshaus. Der schöne Erich machte sofort einen Kopfsprung von der H'onoratiorenbank zu den ScharWerkerinnen, unter denen das Kichern dann nicht aufhören wollte, Fräulein Schwabe aber fragte, ob Anohrte schon nach Hause gegangen sei. Sie schlief bei der Krottinschen. Ich denke ja. Sie wird müde sein." Sie hat auch so wild getanzt, wie eine Zigeunerin." Das ist so ftre Art," entschuldigte Ute. Fraulein Schwabe öffnete die Haken an Utes Taille und zog vorsichtig den Rock über den Kopf de Mähens. Das stand da, feingliedrig und zart, aber dürftia in den Uebergangsiahren

einer sich spät entwickelnden Rasse. Plötzlich schlug Ute die mageren Arme zusammen und drückte sie gegen die Brust. Ein Schauer lief über sie. Ist Dir kalt? Geh schnell schlafen. Du wirst auch müde sein." Ute schüttelte den schwarzen Kopf. Die Roggenmuhme," sagte sie leise, mit geschlossenen. Augen. Sie nannte seit ihrer Kindheit so jenes Gefühl plötzlichen Erschreckens, bei dem es ihr immer schien, ein Unbekanntes. Grausiges drücke sie an eine eherne Brust. Unsinn. Ute. Die Krottinsche sollte auch endlich aufhören, Euch Kindergeschichten zu erzählen. Uebrigens bast Du Dein Kleid geschont. Kein Fleck. Das ist die größte Kunst. Man muß manchmal durch den. Schmutz gehn, aber den Saum seines Kleides muß man rein halten." Es war eine der wenigen französischen Erinnerungen, und sie sagte die Worte ohne Doppelsinn. Ute hatte die Augen ' geöffnet und sah Fraulein Schwabe an. Vielleicht wollte sie sie etwas fragen. Als sie aber sah. daßl sich die Erzieherin wirklich nur mit dem Kleid beschäftigte, schwieg sie und begann, ihre Zöpfe aufzuflechten. Anohrte hatte Jmmanuel durch die Büsche nach der Oeffnung im Gartenzaun gezogen, durch die man zum Lindenberg gelangte. Er war ihr noch halb unbewußt gefolgt. Dann nahm die kühle. Nachtluft den schweren Druck von seinen Augen. Deutlich sah er sie nun vor sich Hergleiten. Sie blieb kleiner, als Ute. Aber ihre Gestalt hatte schon weiche, schwellende Linien, dik schienen sich dem hohen Gras anzu schmiegen, das sich jetzt vor ihr neigte, so geschmeidig glitt sie hindurch. Del Thau mßte ihr gleich sein, denn als Jmmanuel oben, nach ihrer Hand faßte. war sie feucht, und auch auf dem schweren Gewirk ihres vioaes ruhue er oxz Tropfen, die von den Büschen gefallen waren, als er sie nun aushob und zum Kreuz trug. .Du darfst mcht nasse Fuße bekommen. Anohrte." Sie hielt ganz still und sagte kein Wort. Erst als er sie dann am Fuß des Kreuzes niedersetzte und den Arm um sie legte, athmete sie tief auf. Ich bin ja keine Prinzessin, Immenuel, nur die Anohrte. Ich dank D'.r aber, daß Du mitgekommen bist. Einmal wollte ich Dich gern allein für mich haben, so wie Du immer allein in meinem Herzen bist. Wenn Du erst einmal einen Schatz hast, mag ich Dich nicht mehr.' Aber noch hast Du keinen, das hab ich gefühlt, wie ich mit Dir tanzte. Du bist nicht wie der schöne Erich." Sie lachte ein kleines, zitterndes Lachen. das klang wie das Girren von wilden Tauben. Ich werde nie einen Schatz haben. Anohrte." Da lachte sie wieder. Ach Du! Was siehst mich denn so IN?" Er sah nach ihrem Hals, der schlank und fein aus dem Brusttuch hervorsah. Eine Bernsteinkette trug sie herumgelegt, die v Großmutter sagte, das bewahre vor Fieber. . Sie sagen, Ihr litauischen Frauen zleicht den Griechinnen, schmale Stirnen und gerade Nasen und einen lanzen, feinen Kopf.' Sie haben recht." Er wollte hinaussehen in die Welt, die seine Heimath war und über die der Mond nun, da die Erdennähe ihn nicht mehr roth und drohend machte, ein milchiges, reines Licht goß. Aber !s zog ihn wieder zu den begehrlichen braunen Augen nieder. , Sie sagen aber auch. Ihr seid meineidig und falsch. ' Ihr nehmt Euch, was Ihr haben wollt, wie du Elster sich den silbernen Pathenlöffe! holt." " Sie hatte sich nun ganz dicht an ihn geschmiegt. Die Nachtviolen dufteten um sie. Am Tage sieht sie , niemand. Und Nachts sind sie die schönsten von allen." Sie sprach wie im Traum. Dann "warf sie den Kopf jäh zurück. .Und was sagst Du von den Litauerinnen?" Da zog er sie in die Arme, und küßte sie, Lippen und Augen und auck das Bernstcinkettchen. Er küßte Ungestüm und linkisch, erste Küsse, wie 'sie die Natur fordert. Sie mochten dem Mädchen wehe thun, denn plötzlich wand es sich aus seinen Armen, und sprang' hinter die Linden, in den tiefen Schatten. Er folgte, und sie drückte . sich dicht an den . Stamm, ,daß. noch

Platz für ihn wurde neben ihr. Dann hörte er heftiges Weinen und grobes Schelten, und dann kam Adam mit der blonden Hanne auf den Berg. Das Mädchen bat ihn weinend, doch wieder gut zu fein. Er riß ihr aber die Hände vom Gesicht, daß sie fchrie vor Schmerz. Noch einen Tanz mit dem Schmied, Hanna, und mit uns beiden ist es aus. Und dem Inspektor werd ich auch meine Meinung sagen. Das ist keine Ordnung, daß .sie aus dem Nachbardorf kommen dürfen, einem die Marjeen wegnehmen. Ist genug, daß wir nicht mucksen dürfen, wenn die Herrschaft sich herabläßt. Ich bin keiner, der alles in , sich hereinschluckt. Willst Du mich, dann Hand wea. jeder andere." Aber ich will ja. Adam. Ich hab ja solche Angst vor Dir " Sie schwieg erschrocken still, denn er hatte so mit den Zähnen geknirscht, daß man es durch die Nacht hörte. Da bleib man bei. Für Euch WeibZleut ist Angst besser als Liebe. Bleib, man bei, auch wenn ich zum Militär muß. Und nun komm. . Und gerad vor seiner Nase will ich Dich abküssen. Feilspäne in seinen Hals, wenn er ein schiefes Maul dazu zieht." Er riß sie mit den Berg herunter. Unten warf er den Arm um sie. Im Mondlicht sah man, daß sie sich nicht wehrte und still mit ihm ging. Jmmanuel und Anohrte traten aus dem Schatten und sahen sich an. Aber in seinen Augen war das Licht ersiorben. Komm." sagte er. und es klang wie Scham aus seiner Stimme, wir müssen gehen." Sie antwortete nicht. Hinter ihm stieg sie den Hügel herab, und er sah nicht, wie ihre Fäuste sich ballten. Ein Rebhuhn, das sie wohl aus dem Schlaf gestört, lief ängstlich über ihren Weg und taumelte dann wieder in's Feld zurück. Am 'Gartenzaun trennten sie sich. Ohne sich umzusehen, ging ein jeder seines Wegs. 4. Kapitel.

r trug nun schon wochenlang die Farben, sang das gaudeamus," bis er heiser wurde. trank täglich Bier bis zur Uebelkeit. die sehr bald eintrat, da sein Magen überhaupt nicht mehr zur Ruhe kam und die Aufnahme jeder gesunden Nahrung verweigerte, durfte den Korpshund an der Leine über den Paradeplatz führen und sollte freundlich lächeln, wenn ein Dutzend derber Jungen mit geistlosen Späßen auf ihm herumritten. Gelegenheit dazu fand sich beständig. Das Söhnchen des Philosophen" und der Siebenschl'äfer" seit Menschengedenken waren auf der Korpskneipe ähnlich geistvolle Wendungen nicht mehr vorgekommen. Der schöne Erich fübrt? das Korvs der Rache, und die Horde folgte johlend. D.aß der junge Fuchs sich widersetze, schloffen einmal schon die Kommentregeln aus, dann aber schien auch keine Natur dazu weniger geeignet. Jmmanuel ließ den Kopf auf die Brust hängen und schwieg. Seine Haltung hatte sich in dieser Zeit geändert und war schlaff geworden. Das stand schlecht zu dem mächtigen Knochenbau. Seine Farbe war aschgrau, seine Haut unrein. Zuweilen, wenn Tiras, die mächtige Dogge, in Laune war und einen Anlauf nahm, vielleicht gereizt durch den heimlichen Jagdhieb eines Kommilitonen, zerrte sie den großen Jungen eine Strecke hinter sich her, eine immer neue Quelle der Heiterkeit. Meta hatte eine dieser Szenen im Vorübergehen beobachtet und berichtete bei Tisch darüber. Ein lächerlicher Anblick. Mama. Es .war mir nur peinlich, daß Leutnant von Peters gerade vorbeiging und grüßte. Er kennt Dich doch, Jmmanuel, von unserm letzten Ball im Winter, weißt Du. als Du in unserm Karree in der Quadrille tanztest und mir die Garnitur vom Rock tratest. Ich begreife Erich überhaupt nicht. ' Wenn Du nun einmal .nicht zum Korpsstudenten paßt, sö soll er Dich doch laufen lassen. Dazu sind wir doch nicht in einer freisinnigen Familie groß geworden, um alle nach einer Fasson selig gemacht zu werden."' Der Justizrath nickte beifällig. Meta war das Kind seines Herzens. Erich aber, zuckte überlegen die Achseln. Er kam sich beständig erhaben über seine Umgebung vor. Als man aber von Tisch aufstand und die Familienglieder sich trennten, ging er herüber auf Immanuels Bude. Der zuckte zusammen, als er seinen Schritt hörte. Er datte sich gerade auf das Sofa geworfen und wollte emen Augenblick schlafen, sein Kopf war so schwer wie Blei, und um drei Uhr mußte er auf dem 5dranzer Bahnhof sein, ein Nachmittagsausflug an oie ee.itano aus dem Tagesprogramm'.' Er war sofort aufaefabren. als Erich eintrat. Seit der sein Leibbursche war, hatte er den Vetter in die Reserve gestellt. Das fehlt ja auch noch, daß ich Deinetwegen Vorwürfe erhalte. Du Kalb Mose. Das ist der Dank dafür, daß ich mich nun schon seit drei Jahren bemühe, einen, Menschen aus Dir zu machen. Na, Du siehst hoffentlich ein. daß das ein Ende haben muß. Auf dem Fechtboöen stehst Du auch nicht Deinen Mann. - Ich war heute da und sah zu. Das war eine Abfuhr!. Wenn die blutig gewesen wäre, drei Wochen hattest Du im Korb liegen können. Du freust Dich wohl schon auf Delne Renommirschmisse, wie? ' Nächste Woche gehst Du übrigens los, das wollte ich

Dtr noch sagen. Und benimm Dich heute auf dem Bummel. Ich hab die

Sache letzt satt." Er ging. Jmmanuel blieb still sitzen. Dann hob er den Köpf und sah zu der Löweniunafrau auf dem Kirchthurm empor. Und plötzlich flossen bittere Thränen über sein Gesicht. Gaudeamus lgitur." sangen sie ieden Tag. War das die Jugendfröhlichkeit, die er von seinen Swdenteniabren erhofft hatte? Der Frllhlingswind trieb die Wogen der Ostsee gegen den Kai des Badeorts. Dunkelgrau waren sie und sähen so kalt aus, als thaue tn ihnen noch das Wintereis. In der weiten Bucht. zwischen der Nordküste des Samlandes auf der einen und der kurischen Nehrung auf der andern Seite, prallten sie am stärksten an, oft in wildem Aufrühr, mit dem kühlen. nordischenAthem der schwedischen Küste über dem weißen Gischt das baltische Meer, das der Vorzeit Thränen wie eine ewige Mahnung den Nachkommen vor die Füße wirft. Aus einem der Hotels, die dicht am Steg sich entlangziehn. stürzte Jmmanuel. Er klammert seine Sände um das Geländer und stiert hinab in die Wogen. Es ist ganz einsam um ihn. Die Saison hat noch nicht begonnen. und wer vielleicht zum Kaffee herauskam, hat einen der früheren Zuge zur Rückfahrt benutzt. Nur nicht die Studenten, die ihren Frühjahrsbummel machen. Sind sie denn wirklich über den Steg gegangen, bis hin zu dem Wäldchen, um das der Frühling noch wirbt mit bittender Sonne und das in jeder kalten Nacht dem Frost in die Arme zurücksinkt? Ach ja, einmal, nach der Ankunft. Der Schmidt hat sogar ein Renommirbad genommen. Und unten, auf dem Anlegeplatz der Schiffer. hat man den Tiras apportiren lassen. Seitdem dreschen sie innen Skat, Stunde um Stunde. Die Lust ist von dem Cigarrenrauch schon dick zum Durchschneiden. Da seine Reihe war, zu geben, ist er-hinausgestürmt. Luft, nur fünf Minuten Luft! Der Gischt fpritzt herauf und in sein Gesieht. Er öffnet die Lippen und schlürft das Salzwasser ein. wie eine Arznei. Er sucht mit seinen Augen, die so traurig geworden sind und doch nicht wach, drüben, über dem Wasser, wo die blassen Abendschatten jagen, den alten Traum sich selbst. Und er findet sich nicht. Nichts als Ekel. Leibfuchs! Möchtest Du Dich zum Donnerwetter hereinbemühn? Du bist dran." Und drin, in dem stickigen Qualm, in dem sauren Geruch der Kleinfinderstube, wie die alten Herren mit Rücksich! auf die Füchse sagen, spielt er Skat. Er.-der vor einem Bierteliab? die Karten noch nicht kannte und gar nicht begriff, was ihn diese zweiunddreißig Blätter angehn. Er spielt jetzt täglich stundenlang Skat, ohne die hohe Kunst je zu lernen. Er nimmt seine Stiche ein und sieht zu. wie die Gegner die ihrigen einstreichen, und begreift nicht ihr Grinsen und heimliches Zeichenmachen. Es gibt natürlich wieder einen höllischen Wik, er ist die Zielscheibe, ja. ja aber was. was denn?' Da belehrt ihn nicht endenwollendes Gelächter. Er hat vergessen zu drücken. Müde legt er die beiden Karten, die ihm in der Hand geblieben sind, auf den Tisch. Sogar der Kellner kichert vernehmlich, als er die Seidel wechselt. Ja. Söhnchen des Philosophen. und Deiner zartbesaiteten Natur sollte doch der Maibummel gerade entsprcchen! Dein Pathe Kant ist ja in seinem ganzen langen Leben nie bis nach Kranz herausgekommen, das weißt Du doch? Dem genügte die Stadt der reinen Vernunft. Aber Deinen Horizont wollten wir gern erweitern. Und nun vergißt Du zu drücken!" In der Nacht vor der Mensur schloß Jmmanuel kein Auge. Er hatte Furcht. Furcht, daß ihm die Zähne zusammenschlugen. Es war kein Menschenleben. das er geführt hatte in diesen Wochen. Seine Knabenjahre, der Lindenberg, bis an dessen Fuß die wogenden Kornfelder stiegen, schienen ihm einem andern Leben anzuzchören.. Er hörte das Kreischen der Wetterfahne vom Domthurm, aber sie schien ihn nur zu höhnen. Halb Löwe, halb Mensch und er zitterte v"r der Klinge des Gegners. Als er endlich in einen wüsten Halbschlaf fiel, sah er sich auf der Mensur, im weichen Hemd, mit Herzblech und rechter und linker Achselaris ausgerüstet, aber die Hand in dem schweren, gepolsterten Handschuh, die den Schl'ager hielt, zitterte. ?er- Sekundant sagte: bindet die Klingen, sind gebunden, los der Stahl zuckte auf ihn zu. verwirrt bog er den Kopf zur Seite da fiel die Morqensonne auf sein Vett. Meta hatte eben den , Vorhang zurückgeschlagen und stellte nun eine Tasse starken Kaffee und ein tüchtiges Schinkenbrot auf den Nachttisch. Meta ja. weißt Du denn V . Von Deiner weißen Nase habe ich es gestern mühelos abgelesen, Jmmanuel. Das war übrigens nicht schwer. Bangbüchsen sind nicht mein Fall Aber ich saae Dir noch einmal, gehe Deiner Wege und laß Dich nicht von (Mch Zn'ö Schlepptau nehmen.' Das ist mir zu dumm. Königsberg ist doch mcht die einziae .Universität m der Welt. Und nun steh auf und gieß' Dir - i - i im . er . ' ? C eine anne kaltes a er uocr oen

Kopf. Ich werde warten, bis Du 'zu ruckkommst. Gutes ahnt mir nicht ge rade." ; . ;: : - (FortstZung folgt.)

ZNaky. der Zkriegssjund.

Eine militärische Tragikomödie von 11. Gozdovic Er war ein Lumen, unser Moly, k. u. k. Kriegshund der sechzehnten Kom, pagnie des... ten Jnfanterierezimentes sozusagen der Generalstäbler unter der Kriegkmeute der übrigen fünfzehn Kompagnien und deshalb der Augapfel seines Kapitäns, der ihn heiliger hielt, als eingyptischer Hohepriester seinen Apis! Tambour Dums war kommandirt.ihn zu hüten und zu pfleoen, widrigenfalls . . . ! ! Dums, der das lnmge Verhaltmß zwischen dem Kompagnie-Komman-danten und dem Kriegshunde sah, Heuchelte denn auch stets, solange der Kapltan zugegen war, die größte Juneigung für Moky, entschädigte sich aber für die aufgewandte Mühe in Momenten stiller Abgeschiedenheit damit, daß er das scheanglete Rabenviech" nach allen Regeln der Technik sekkirte. Mit desto gronerer Aufmerksamkeit hingegen behandelten ihn die Herren Leutenants. Denn die Künste des intelligenten Hundes machten ihnen nicht nur Spaß, sondern sie wußten bald genug feine Talente in ihren persönlichen Dienst zu stellen. Der KriegsHund war nämlich im Ueberbringen von schriftlichen Meldungen zum und vom Hauptposten" bereits vollständig firm, und es war somit nicht schwierig. ihn durch eifrige, wenn auch geheim betriebene Unterrichtsstunden so weit zu bringen, daß er vorübergehenden Damen natürlich nur reizenden in artiger Weise Vriefchen, die ihm zu diesem Zwecke m's Maul gesteckt wurden, überbringen konnte. Hatte er seine Aufgabe m zufrieden stellender Weise ausgeführt, so , bekam er, zurückgekehrt, auch stets seine Apportel." . . Mokys Verstand reifte infolge dieser vielseitigen Ausbildung überaus schnell, und so kam er aus eigenem Antriebe zu der Variante, dem Absender, falls dieser sich zur Spende des wohlverdienten Apportels nicht bequemen wollte, die Kappe vom Kopf zu fchnappen, mit dieser durchzubrennen und die gefährdete Kopfbedeckung erst dann wieder abzuliefern, wenn die Auslosung durch das vorenthaltene Apportel" stattfand. Doch auch Moky war, trotz seiner hervorragenden Verstandeseigenschaften der Natur tributpflichtig. Als militärischer Hochtory war er zwar jedem Verkehre mit Civilhunden abhold, verfiel, aber dennoch seinem Verhängnisse und dies war die reizende Fokl-Hündin Thysbe. ' Moky gerieth immer mehr und mehr in die Rosenfesseln seiner Herzenskönigin, und da die Liebe selten befruchtend auf den Gcst einwirkt, verlotterte Moky moralisch derart, daß er in seiner immer auffälliger werdenden Zerstreutheit ein Gegenstand schweren Kummers für feinen väterlichen Kommandanten wurde. In dieser Periode nun geschah es, daß der Brigadekommandant die Inspizirung der Kriegshunde vornahm. Als der Ort derselben war der große Exerzierplatz bestimmt worden. Zur festgesetzten Tagesstunde standen sechzehn Kriegshunde von ihren Pflegern an der Leine gehalten und nach ihren Kompagnienummern schnürgerade ausgerichtet, bereit. Vor jedem derselben der zugehörige Hauptmann mit seinen Offizieren, vor dem rechten Flügel der Oberst mit den Bataillonskommandanten. Es währte nicht lange, so erschien am nördlichen Eingange des Exerzierplatzks der General in Begleitung des Brigadegeneralstabsoffiziers. der sich nach Kräften bemühte, in sein Gesicht einen möglichst bedeutenden Ausdruck zu bringen. Alles fuhr in Positur; der Haupt mann der sechzehnten warf mit bewölkter Stirne noch einen sorgenvollen Blick auf Moky. der gerade heute besonders einen mit Frechheit gepaarten Leichtsinn in seinen Mienen zur Schau trug. Mit huldvollem Gruße trat der Vrigadiervor die Front der Kriegshunde, nahm deren schöne Richtung sowie die Meldung des Regimentskommandanten mit zufriedenem Lächeln zur Kenntniß und begann nach einigen, an den Obersten gerichteten Worten, die Jnspizirung. Und just Moky war es. mit dem er den Reigen des Festspieles eröffnete. Vorerst wurde ein Spielmann auf fünfhundert Schritte Entfernung als Haupkposten- aufgestellt, worauf der General höchst eigenhändig geruhte, Moky einen für den Hauptposten" bestimmten Zettel zu übergeben. Und da wollte es der Zufall, daß im gleichen Moment ein hübsches Kind bh Straße daherkam Moky wurde unruhig, es riß ihn hin und her, er drehte sich wie ein Kreisel und, wie von einer Feder geschnellt, flog der unselige Krieqsbundlina plötzlich dahin und ließ der Holden die ihm von seinem General ubergebene Meldung vor die Füße fallm. Der gewissenhafte Theil -der Zuschauer kämpfte mit einem loyalen Ohnmachtsanfalle, die leichtsinnigen Leutnants mit der Lachlust. Und schon sprang Moky!fröhlich bellend wieder an, pflanzte sich vor dem Brigadegewaltigen in -bittender Stellung auf, um fern Apporkl zu er halten. . Und weil der Oeneral siZ vsa sei?

Erstarrung noch nicht ermannen konnte.

sprang Moky kurz entschlossen an ihm empor, riß . ihm die Feldkappe vom Kopfe und raste mit derselben en carriere in der Richtung zum Hauptposten davon. Sein Apportel- hat der brave Moky vom General zwar niemals erhalten. dafür wurde er aber bereits am nächsten Tage aus der erhabenen Reihe der k. u. I. Kriegshunde m s schnöde Civil gestoßen. wo r als Karrenhund bei einem Gemüsehändler ein minder angenehmes Dasein fuhrt. Da er aber hier keine Gelegenheit hat, zierliche Briefchen an schöne Damen zu überbringen, so hat er auch seitdem keine Dummheiten mehr gemacht. - Sem Herr aber kam. statt mit einem blauen Bogen, mit einem blauen Auge davon. Cnstnt tcrrible. Endlich hatte Fritzchen als Ceburtstagsgeschcnk den so oft gewünschten Kodak bekommen und nun lag er damit überall auf der Lauer und kmpsie, was ihm nur in den Weg lief, Vater, Mutter, Brüderlein und Schwesterlein. das Dienstmädchen und alles, was sonst im Hause ein- und ausging, war seinem Apparate mehr oder weniger oft schon zum Opfer gefallen, so daß er bereits eine stattliche Anzahl Photographien auszuweisen hatte. Dabei berührte es ihn recht schmerzlich, daß niemand von seinen Bildern etwas wissen wollte, und auch Mama und Papa hielten es nicht für werth, sich die photographischen Arbeiten ihres Söhnchens einmal näher anzusehen. Aber dennoch war Fritzchen auf seine Leistungen sehr stolz und als eines Tags anläßlich einer Familienfeier viel Besuch angekommen war, konnte es Fritzchen kaum erwarten, bis man sich zu Tische setzte, um dann die angefertigten Bilder anstaunen zu lassen und sich mit seiner Kunst wlcktia thun zu können. Besonderes Vertrauen hatte er zu Onkel Karl, gefaßt, dem er seme KunstProdukte zur ersten Begutachtung vorlegte und siehe da, Onkel Karl zeigte sofort großes Interesse dafür. Vergnügt betrachtete er die Photographien eine nach der anderen, sie dann mit schmunzelnder . Geberde weitergebend und bald amüsirte sich darob die ganze Tafelrunde. Besonderen Beifall aber fanden folgende Aufnahmen: Mama am Küchenherd; Mama vor dem Toilettespiegel; Mama im Zwiegespräch mit dem Papa nach einem langen Abendschoppen; Papa, Karlchen die Hosen straffziehend; erbauliche Szenen aus der Kinderstube; das Dienstmädchen Anna mit der zerbrochenen Kaffeekanne;' dasselbe im Sonntagsstaate; dasselbe unter vier Augen mit ihrem Unteroffizier. . Die Heiterkeit wuchs mehr und mehr und Fritzchen saß voll stolzer Genugthuung dabei und baumelte mit den Beinen. Da plötzlich wird die fröhliche Stimmung durch einen kurzen Aufschrei unterbrochen und Fritzchens Mama, die in der Nähe des Onkels saß. machte Anstalten, vom Stuhle zu sinken, wobei sie mit zitternden Händen nach den Bildern griff, die Onkel Karl in dem Augenblicke betrachtete. Voll Neugier war dieser sofort von der ganzen Gesellschaft umringt, denn Zweifellos mußten es recht interessante" Bilder sein, die er in der Hand hielt ein uniformirter Herr in mehrmaligen Aufnahmen. Hm. Hm Fritzchen war, erstaunt ob der Aufregung, auf einen Stuhl gestiegen, um besser sehen zu können, und nach einem kurzen Blicke auf die Bilder warf er erklärend ein: Ach. das ist ja nur der Herr Ge-richtsvollzieher!-Ahntlictie Sckanntmakizunge aus Sriitldvurgkxausett. Es ist uns zu Ohren gekommen, daß das Vieh in den Ställen mit brennenden Cigarren gefüttert worden ist, was hiermit in empfehlende Erinnerung gebracht wird." Es ist in den letzten Nächten viel Larm beobachtet worden, der die Ruhe der Einwohner störte, was hiermit in Folge der Unzulässigkeit desselben als strafwidrig nachmals zu unterlassen ausdrücklich angeordnet wird." Die Versteigerung der Wittwe Müller findet am nächsten Mittwoch statt.Hiermit wird die. Hundesperre, die seit vier Wochen über die hiesigen Einwohner verhängt worden ist, wieder aufgehoben." Es ist streng verboten, Schalen auf den Fußweg zu werfen, da das Ausrutschm derselben sehr gefahrlich ist. Jeder, der dabei betroffen wird, ist verpflichtet, Anzeige zu machen." Ein Hund ist ohne Maulkorb eingefangen worden, der sich herrenlos itm4rtfc imH VntrS M'sTfi rtfltt ltf 44UUIWf UIIV IViV Vk.jVIVV vvv.w.t, pvt ZU melden, da er sonst getödtei wird." ASsiste Protzerei. B a n k direkt o,r Salomon (zu seiner Frau, die in einer Gesellschaft die unsinnigsten Behauptungen Mit einem enormenWortschwall zu vertheidigen .sucht) i Aber Sara, Du wirfst wieder einmal :mit Worten um Dich, als wenn's .Tausendmarkr . m ' scheine waren." r,. Schlau. ; Gast: Auf das Essen muß man hier aber lange warten!" Land Wirth: Ja. da müssen S' halt fleißig trinken, damit Ihnen die Zeit rgebt!-