Indiana Tribüne, Volume 29, Number 183, Indianapolis, Marion County, 28 March 1906 — Page 5
Ind. ans Tribüne,. März 1906
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: Bcs 3Cttiscrs-31ttlsJ0Cöcc Ginc Episode aus der chinesischen Sts schichte.)
Von W. Pikhlmsnn. t . L;ff-3,"Ci? ÄRS ? ' Um die Mittagsstunde eines August tages desJabres 1841 herrschte in den gerade und regelmäßig angelegten Hauptstraßen der chinesischen Kaisersladt Peking wie immer ein lebhaftes Gedränge. Tatarische zweirädrlge Karren und chinesische Halbwagen, blauund grüngefärbte Sänften, je nach Rang oder Würde des Inhabers, gelb livrirte Palastausseher, Kuriere in orangefarbenen und schwarzen Umscr men, lange Reihen von bcladenen Kameelen, geführt von mongolischen Kaufleuten, bewegten sich durch die Gassen, zu deren-Rechten und Linken die reich -dekorirten Läden der Kauf leute, der Antiquare, der Kleidertröd ler, Schuhflickcr, Saldiere und Hühnerc.ugenoperateure, der Köche und Pastetenbäck?7 sich befinden. Auffallend war die große Zahl von Sänften der Würdenträger, die nach der durch hohe Mauern abgeschlossenen Kaiserstadt, die inmitten von Peking gelegen ist und eine Stadt für sich bildet, eilten. Alle diese Sänften, in denen die Würdenträger, die höchsten Beamten des Reickes saßen, nahmen ihren Eintritt in die Kaiserstadt durch das Thor der Hohen Lauterkeit." Nachdem sie dann auf einen großen Platz gekommen waren und einen Graden überschritten hatten, kamen sie durch das Thor der Himmlischen Ruhe" in das Innere der Kaiserstadt hinein, die man fälschlich den Palast des Kaisers von China 'nennt. Dieser sogenannte Palast besteht aber auS mehr als hundert einzelnen Gebäuden, die inmitten eines großen Parkes liegen und zwischen denen sich Flußläuse, Seen, Blumengärten, Baumanlagen, Brücken und wohlgcebnete Wege befinden. Tiese Gebäude dienen den verschiedensten Zwecken. In ihnen wohnen die Prinzen, die Frauen des Kaisers, seine Diener, und für den Person lichen Gebrauch des Herrschers sind mehr als zwei Dutzend Gebäulichkeiten vorbehalten. Die Sänften hielten alle vordem Gebäude, in dem die Berathungen der Würdenträger" stattfinden. Aus den Sänften stiegen die hohen Beam ten, die höchsten Mandarinen des Reiches, das fast vierhundert Millionen Einwohner zahlt, und begaben sicy in den großen Berathungssaal, der mit Malereien und Tapeten geschmückt war, in dem sich aber nur eine Estrade befand, zu der Stufen hinaufführten und auf welcher ein Tisch mit einer Art Thronsessel stand. Anwesend waren unter anderen der damals allmächtige Minister Ke-schen, der . Großmandarin Wangling, die königlichen Prinzen und- Vettern des Monarchen, Ai-schan und Ai-king, ferner die Generäle Ki-rzing und Sin-tsi-tsen sowie der Admiral Sung-wan.. Plötzlich warfen sich alle Anwesenden auf den Boden, denn es war daS Zeichen gegeben, daß der Sohn des Himmelö und der Erde, der an Tugend und Wissen Unendliche, der einzig Erhabene" so lauten einzelne Titel des Kaisers von Ehlna sich nähere. Die Thür hinter der Estrade wurde geöffnet, und herein trat der damals sechzigjährige Kaiser Tau-kuang. Er nahm aus dem Thronsessel Platz, und hinter ihm gruppirten sich die höchsten Personen seiner Dienerschaft und wich sten Umgebung. Einer der Palastaufscher rief einige Worte in den Saal hinunter, und die Würdenträger, die auf dem Bauche lagen, erhoben sich, um sich unzählige Mal vor dem Kaiser zu verneigen. Tau-kuang ergriff hierauf das Wort und sagte: Ich habe Euch hierher, kommen lassen, um mit Euch Maßregeln gegen die Barbaren zu besprechen, die ihr Haupt immer frecher erheben. Ich beauftrage den Minister Ke-schen, die Nachrichten der Statthal ter aus der Provinz vorzulesen." , Dem Minister Keuchen wurde ein in gelbe Seide geschlagenes Schriftstück überreicht, und der Minister las JolgendeS: .Die Barbaren (die Engländer, die wegen des vom Kaiser erlassenen VerboteS der Opiurueinfuhr schon seit 1840. mit Ehina in Streitigkeiten gerathen waren) in Kanton haben wiederholt den Statthalter belästigt, und er hat ihnen daraus folgenden Befehl zu gehen lassen: .Die Gesetze des himm lischen Reiche sind bis zur Härte streng, zeigen aber rnemalS Parteilich seit. Ich werde entschieden nicht die geringste Nachsicht mit lLUch üben. Zittert davor! Ich bin belästigt wor!en von den Wortführern der Barbaren, ungestüm belästigt worden, und es zeigt dies eine Tollheit, welche ihre äußerste Grenze erreicht hat. Von Rechts wegen sollten die Barbaren sogleich armen und bestraft werden. Aus Menschlichkeit lasse ich erst diesen Tadel öffentlich ergehen Dazu schreibt der Gouverneur: .Sollte Jemand es wieder wagen, sich zu widersetzen, so wird es 'unsere Pflicht sein, um des Ansehens Eurer Majestät willen irgend einen Vorwand zu seiner Vertreibung zu ergreifen'und schwere Strafen und Besserungsmittel gegen ihn anzuwenden, ohne im geringsten Grade nach zugeben oder Vergleiche mit ihm einviMtenJ.m .
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Der Minister öffnete ein aweiui
in gelbe Seide geschlagenes Schriftstück undubr.kort : . ) Die jüngsten Ereignisse haben das Rkich der Mitte" dermaßen in den Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerklan keit gerückt, daß das nächst.'!' nd niitgetheiite Kapitel ans seiner reuereil (Zeschichte in diesem Augenblick toix besonderem Interesse sein dürfte. Der Statthalter von Makao mel det: ,Tie Gemüthsart der englischen Barbaren ist wild. Sie vertrauen auf die Stärke ihrer Schiffe und die Willsamkeit ihrer Geschütze ; da aber die inneren Seen nur flaches Wasser mit vielen Sandbänken haben, so können die besagten Aarbarenschifse, wenn sie auch ihre Geschütze abschießen, dies nicht mit voller Wirksamkeit thun. Nachdem das ?lugc der Barbaren sich im Vlüthenmittellalide niedergelassen hat, sind wir im gegenseitigen VerHältnisse wie Wirth und Gäste. Soll ten sie wahnsinnig die Grenze überschreiten zu können glauben, so mögen unsere Truppen dies ruhig abwarten, um dann ihr Werk zu thun und Jenezu vernichten - Ter Minister verbeugte sich dreimal vor dem Kaiser und fuhr dann in freier Rede fort : Die Barbaren haben eS also ge? wagt, dem Reich der Mitte mit Krieg zu drohen, weil ihre unverschämten Forderungen nicht erfüllt worden sind. Der Sohn des Himmels hat seine höchsten Beamten hlcrherberusen, um ihre Meinung zu erfahren, bevor der Krieg mit den Aarbaren beginnt." Der Kaiser winkte, nachdem der Minister seine Rede beendet Halle, dem Vornehmsten der Anwesenden, dem Prinzen Ji-schan, und dieser erklärte: Natürlich Krieg den Barbaren! Ihre Frechheit muß bestraft werden. Ich bin dafür, daß unsere Generäle dreimalhunderttausend Mann Truppen zusammenziehen und mit ihnen bis in das Vand der Barbaren marschiren, um diese dort nach Gebühr zu züchtigen." Als nächster im Range gab Prinz Ii-king seine Meinung ab: Auf unferer Karte ist das Reich der Barbaren nichts als eine kleine Insel. Sie ist nicht den tausendsten Theil so groß wie das Reich der Mitte. Welch' eine Frechheit ist es von diesen Barbaren, mit uns Krieg anfangen zu wollen!" Der Kaiser nahm jetzt selbst das Wort, und seine Rede wurde von allen Anwesenden in gebückter Haltung augehört: Wenn das Reich der Barbaren auch klein ist, so haben sie doch Schiffe und Kanonen, die sehr weit schießen sollen, und sie können unsere Hafenstädte bedrohen. Ich will die Mei nunz des Großadmirals hören." Der Großadmiral Lung-wan verbeugte sich dreimal und erklärte: Die Barbaren haben Schiffe, und sie haben Kanonen. Aber wie wollen sie monatelang unsere Häfen belagern, di sie doch gewiß für so lange Zeit keine NahrungsMittel besitzen; und haben die Aarbaren Schiffe, so können wir selbst auch solche bauen. Die Wälder Chinas sind groß genug, um Material für Schiffe zu geben. Ich will ein großes Schiff bauen, das ich mit sechstausend Mann besetzen werde. Dreitausend von diesen Männern sollen Taucher sein, dreitausend Kanoniere. Mit diesein Riescnschiff will ich der feindlichen Flotte entgegenfahren. Wenn sie in Sicht ist, werden meine dreitausend Taucher in'ö Wasser springen und den Boden der feindlichen Schisse anbohren, damit die Fahrzeuge versinken. Die dreitausend Kanoniere aber werden das Feuer ihrer Kanonen auf die feind lichen Schiffe richten und sie vernich ten, wenn sie nicht versinken sollten." (Historisch wie alle mitgetheilten (Sin zelheilen.) Ein Murmeln des Beifalls ging durch die Versammlung. Auch der Kaiser nickte zustimmend, und der Admiral Lung-wan sah tliumphirend um sich. In ähnlichem Sinne und unter allen Umstände auf eine Züchtigung der Barbaren dringend, sprachen die anderen Großwürdenträger, und nachdem der Kaiser eS vcrnomMen, daß alle seine Vertrauten' und Großwürdenträ ger für den Krieg stimmten, befahl er dem Minister Ke-schen, den Barbaren den Krieg ;u erklären und sich selbst auf den Kriegsschauplatz zu begeben, um dort nach dem Rechten zu sehen. Dann erhob sich der Kaiser. Die anwesenden Großwürdenträger warfen sich zu Boden und erhoben sich erst, nachdem der Monarch daS BerathungS Haus verlassen hatte. Einige Stunden später erscholl durch die Straßen von Pkking die Nachricht, daß der Krieg ausgebrochen sei, und Tod den Barbaren!" Nieder mit den Fremden!" tönte eS aus hunderttausend Kehlen. 2. Die englische Regierung hatte gegen über der Frechheit der chinesischen Mandarinen doch endlich die Geduld verloren. Durch Vertrzg war der eng lischen Regierung Honong abgetreten worden, und englische Kaufleute durf ten dort Handel treiben. Wie dies aber immer in China der Fall war, und wie eS noch heute geschieht, kümmerten sicb die Mandarinen wenig um die Ab machungen ihrer Regierung. Damals wie heute, noch plünderten sie, stahlen und raubten auf eigene Faust, unterschlugen die Gelder deS Staates, ließen sich bestechen und erpreßten von den fremden Kaufleuten, so vic! sie konnten. Nach dem Vertrage mit der chinefischen Regierung hatten die Man darinen dafür einzutreten, wenn die sogenannten Hong-Kaufleute, das heißt
die Chlnesen, die das Privilegium hat
ten, mit den Fremden Handel zu trelden, ihren Zahlungen nicht nachkamen. Die Mandarinen hatten also die Pflicht, die Hong-Kaufleute ur Zahlung ihrer Schuld anzuhalten. Das siel diesen Wilrdeyträgcrn aber gar nicht ein. Sie ließen sich von den Schuldnern Bestechungsgelder zahlen und hielten sie dann nickt zur Zahlung in. Sie verlangten von den fremden Kaufleuten hohe Gebühren, um angeb lieh sofort das Rechtsverfahren gegen die säumigen Zahler zu eröffnen, tha ten aber nichts, sondern speisten alle Welt init leeren Versprechungen ab. England schickte daher eine Flotte nach 5hina, und drohte mit dem Bombardement der Hafenstädte, wenn nickt Wandel in den Verhältnissen geschaf' fen würde. Die AntrIlt war die Kriegserklärung Chinas, und aus der. wahnwitzigen Reden der Großwürden träger, die wir wörtlich und historisch getreu vorgeführt haben, ist zu erfehen, daß in China alle Welt damals größcnwahnsinnig war und die Ueberzeugung halte, die Barbaren würden vernichtet werden, sobald sie es wagten, sich irgendwie feindlich zu zeigen. Die Folgen der Kriegserklärung waren sehr schlimme. Der Pöbel in den Hafenstädten ermordete die Euro pacr, die nicht schon geflüchtet waren, und zerstörte in Kanton die Waaren niedertagen, Magazine und Häuser der Engländer, worauf diese mit einem Bombardement Kantons antworteten. Der Minister Ke-schen kam nach Kanton und sah hier die furchtbaren Verwüstungen, welche das englische Bombardement angerichtet hatte. Er fand die englische' Flotte nicht mehr tor, denn diese war weitergedampft, um andere Hafenstädte ebenfalls zu bombardiren. Der Minister war ein intelligenter Mann. Er begriff, daß er über die Macht der Engländer eine sehr falsche Ansicht gehabt hatte, und daß man am kaiserlichen Hofe durchaus nicht über die G walt der englischen Schiffe und Geschütze unterrichtet war. Die Engländer landeten hier und dort Truppen, und trotzdem sie nur eine Hand voll teilte waren, schlugen sie die größten Heere der Chinesen in die Flucht. Diese chinesischen Heere waren allerdings nur auf dem Papier anß. Sie betrugen nach Angabe der Mandarinen, die sie gebildet hatten und die sie auch führten, dreißig- bis fünfzigtausend Mann. In Wirklichkeit war aber kaum die Hälfte der Soldaten vorhanden, und das Geld für die Bewaffnung, Bekleidung und Vefoldung der nicht vorhandenen Soldaten steckten die Mandarinen in die Tasche. Die Soldaten, die angeblich die tapfersten der Welt waren, liefen davon, sobald eine englische Landungötruppe nur eine Salve abgab, und Ke-schen mußte ununterbrochen an den Hof bcrichten, es seien,. Schiffe nothwendig, es müßten neue Soldaten ausgehoben werden, neue Festungen gebaut werden. Seine Berichte lauteten sehr trübe und waren dem Kaiser sehr unangenehm, denn Ke-schen verlangte Geld. Ter Kaiser Tau-Kuang war aber einer der größten Geizhälse, die jemals auf einem .Thron gesessen 'haben. Er kannte kein- anderes Vergnügen, als Geld zusammenzuraffen, und man behauptete nicht mit Unrecht, daß die meisten seiner Großwürdcnträger und Mandarinen bei ihm in Ungnade sielen, wenn sie sich recht bereichert hatten. Dann sperrte der Kaiser sie ein oder er ließ sie kurzer Hand köpfen, ihr Vermögen aber konfiözirte er, und so war er bei Beginn des Krieges in Wirklichkeit der reichste Mann des Landes geworden, und in seinem Schatz lagen viele, viele Millionen Unzen Silbers. Das Jahr 1841 verging, das folgende aber brachte eine bedeutende Verstärkung der englischen Flotte, und nun gestaltete sich der Krieg 'so ungünstig für die Chinesen, daß Ke-schen einsah, eS bliebe nichts Anderes übrig, als schleunigst Frieden zu schließen. In diesem Sinne . berichtete er nach Peking und erbat die Einwilligung des Kaisers zum Friedensschluß. In unerhörter Weise war aber in der Zwischenzeit von den anderen GroßWürdenträgern gegenK'e-schen intriguirt, die nichtswürdigsien Lügen nach Peking dem Kaiser gemeldet worden. Ein Gouverneur trieb die Frechheit sogar so weit, ein paar Dschonken. (Schisse) verbrennen zu lassen und die halb verbrannten Trümmer durch besondere Voten nach Peking zu senden mit der Meldung, diese Holzstücke seien die Reste der durch idn vernichteten eng lischen Flotte. Siegesnachricht auf Siegesnachricht schickten die Gouverneure an den Hof, Nachrichten, die natürlich mit der pessimistischen Auffassung des Ministers Ke.schen in schroffstem Widerspruch standen. Der Großadmiral Lnng-wan konnte triumphirend melden, daß es ihm gelungen .sei, eben solche Schiffe herzustellen, wie die der englischen.Barbaren seien. Er verschwieg nur bei dieser Meldung einen kleinen Umstand. Er hatte in der That Schiffe bauen lassen, die so aus sahen wie die englischen Kriegsschiffe, aber diese Schiffe konnten sich nicht bewegen, den sie hatten wohl auch Schaufelräder, aber keine DampfMaschinen. Der Großadmiral ließ den Versuch machen, die Schisse dadurch zu bewegen, daß die Schaufelräder von Kulis getreten wurden,-aber auch mit Hilfe von Hunderten von tretenden Kulis brachte man die Schisse nicht aus dem Hafen heraus. . Wieder fand im eiathnngshause
der Kaiserstadt eine Konferenz des Kai-
sers mit "den Großwürdenträgern statt, und in.diescr Besprechung richtete sich der allgemeine Zorn gegen den verrälherischen" Minister Ke-schen, -der zum Frieden rieth, während die Barbaren ja überall geschlagen waren. Die strengsten Strafen wurden gegen den Verräther gefordert, und nur ein einziger Mann, der alte Wang-ling, wagte zu widersprechen. Er meinte, man solle doch erst den mündlichen Bericht Ke-schens abwarlen, denn es sei nicht anzunehmen, daß dieser Mann an den Kaiser Lügen senden würde. Dagegen protestirten aber die anderen Mandarinen, und noch in der Ver sammlung fällte der Kaiser daö Urtheil: daß der Minister Ke-schen seines Amtes entsetzt sei, daß er sein Vermögen konfiö;ire, und daß Ke-schen nach Peking zur Aburtheilung gebracht werden solle. Es wurde außerdem bcscklossen. den englischen Barbaren aufzugeben, das Land für immer zu verlassen, sich nie wieder in Ehina oder dessen Nähe zu zeigen, und eine hochtrabende Proklamation solchen Inhalts wurde noch an demselben Tage ausgefertigt und vom Kaiser unterzeichnet. Ke-schen wurde von den nach ihm ausgesandien Mandarinen ergriffen und wie ein gemeiner Vcrbrecker mit einer Kette um den Hals nach Peking gebracht. Hier erfuhr er, daß sein Vermögen konfiözirk, daß seinHauö, selbst seine Frau und Kinder als Sklaven verkauft waren, und daß ihm der schimpfliche Tod der Erdrosselung bevorstände. Vorläufig wollte der Kaiser aber das Urtheil an dem ehemaligen Minister nicht vollstrecken lassen, sondern befahl, ihn in ein Gefängniß zu werfen, in dem sonst die schwersten Verbrecher schmachteten. (Schluß folgt.) Äab Diamanten mit zur Wäsche. In größter Erregung betrat dieser Tage eine feingekleidete Dame eine Waschanstalt in St. Paul, Minn., und frug, ob ihre Wäsche, die sie kurz vorher dem Kutscher der Waschanstalt übergeben, bereits in die Wäscherei gegangen sei oder nicht. Nachforschungen ergaben, daß das Bündel, welches die Wäsche der Dame enthielt-, sich noch-unter einem Haufen anderer Bündel befand, die in dem Wagen lagen, der sie in die Wäscherei abliefern sollte. Mit nervöser Hast öffnete die Dame das Bündel und durchwühlte die Wäsche und mit einem freudigen 'Ah!" zog , sie ein Säckchen ausGemsenleder zwischen den schmutzigen Wäschestücken' hervor und erzählte freudestrahlend dem Clerk, daß sie ihre Diamanten und Werthsachen, die sich auf über $2000 beliefen, aus Versehen mit zwischen die Wäsche gethan und sie jetzt den Beutel wiedergefunden habe. "Wahnsinniger a l.s Lokojnotivführer. Von plötzsichern Wahnsinne erfaßt sprang jüngst ein Charles Guenther. bis vor Kurzem als Heizer in der Gießerei der American Dteel Foundry" in East S. Louis. Jllj beschäftigt, auf eine neben der Giefzerei stehende Lokomotive und setzte dieselbe in Bewegung. Sie entgleiste, stieß durch eine 14 Zoll starke Backsteinmauer und kam erst vor einer schweren Maschine innerhalb der Werke zum Halt. Unverletzt sprang Guenther auf den Boden, zog einen Revolver und drohte Jeden aus der ihn umgebenden Menge, der sich ihm zu nähern versuchte, zu erschießen. Es wurde schleunigst nach der Polizei geschickt. Ms dieselbe eintraf, hatte man den Wahnsinnigen, wenn auch erst nach schwerem Kampfe, bereits wehrlos gemacht. Eigenthümlicher Schlupf-Winkel.-Wegen Einbruches in einen Eisenbabnwaggön ward seit mehr als einem halben Jahre der 23jährige Philipp Martin in Brooklyn, Ja., von den Behörden gesucht. Dieser Tage wurde er nun in seinem Elternhaus verhaftet, wobei sich herausstellte, daß der Vielgesuchte die ganze Zeit über das Haus seiner Eltern überhaupt nicht verlassen hatte. Vom Keller des Hauses aus war eine Höhlung in den Boden gegraben worden, in welche sich der junge Mann immer flüchtete, wenn Jemand nahte, von dem er einen Verrath zu fürchten hatte. Sein Schlupfwinkel war mit einer Fallthür verschließbar, über die ein Teppich geworfen wurde, so daß eine Entdeckung nur durch sorgfaltigste Untersuchung des Raumes möglich war. . . Fio Köchin des Astronon,en. iir jcgon, njm uucui, iuu soll ich Ihnen denn zur heutigen Mondfinsterniß kochen? Die moderne Köchln. Aber, Emma, Sie können ja noch nicht' einmal Feuer anmachen?" Ist auch kein Wunder.' gna' Frau; ich habe blö fetzt nur elektrische Herd: bedient!" . ca;iL r j! . . cnr.ir.
Europäische Nachrichten.
VlUrttemberg. Stuttgart. Letztens waren es 25 Jahre, daß Joh. Klaußner im Hause des Privatier Theodor Happel als Gärtner ununterbrochen thätig war. Aus diesem Anlasse wurde er von seiner .Herrschast mit einer schönen goldenen Uhr mit Widmung beschenkt. Auch von seinen Freunden wurde er mit Geschenken erfreut. A s ch. Vor kurzem brach in dem Hause des Söldners Gottlieb Aberle hier Feuer aus, dem das ganze Wohnund Oekonomiegebäude zum Opfer fiel. Die Entstehungsursache ist unbekannt. Der Abgebrannte ist der Sohn des Taglöhners Aberle, der vor kurzem in Stuttgart ermordet worden ist. D e n k i.n g e n. .Nach LLjähriger Amtsthätigkeit hat der im 76. Lebensjähre stehende Schultheiß Wilhelm Schnee sein. Amt niedergelegt. E s ch a ch. Vor einiger Zeit wurde der hiesige Ortsvorsteher Schultheiß Sieglitz in Holzhausen beim Schluß der 'Kanzleistunde von dem Gehilsen des Verwaltungsaktuars durch einen Schuß aus dem Revolver schwer verwundet. Der Verletzte begab sich in das Spital nach Gmünd, wo die Kugel entfernt werden konnte. H e i l b r o n n. Letztens ist der in Zweiten Kreisen durch seinen ausgedehnten Wollhandel bekannte Kaufmann Max Stern von einem Aufzug im städtischen Wollhaus abgestürzt und war sofort todt. - Grötzinge.n. Der Taglöhner Karl Bosch von hier wurde von zwei Wilderern angeschossen; gegen die beiden nicht ermittelten Burschen hat die Staatsanwaltschaft Tübingen eine Fahndung erlassen. Plochingen. Der 26 Jahre alte Mühlsteinhauer Christian Heckel, ein braver, fleißiger Mann, wollte einen Mühlstein aufladen, dieser fiel auf ihn und zerdrückte ihm den Brustkorb und Hinterkopf. Heckel war sofort todt. Sulz. Im Alter von 76 Jahren starb dieser Tage hier Kaufmann I. F. Weinheimer. Der Verewigte hatte eine Reihe von Aemtern und Ehrenstellen zu bekleiden, die er sämmtlich über 30 Jahre lang gewissenhaft ausfüllte. 'Nden. B ö h r i n g e n. Vor einiger Zeit gingen die beiden 12. und 13 Jahre alten Knaben von Valentin Buck, Fabrikarbeiter hier, auf das Eis des Böhringersees, um Schlittschuh zu fahren, obwohl die Lehrer den Schullindern das Betreten des EiseL verboten hatten. Die Leichen sind bald darauf aufgefunden . worden. Sie hatten sich einander geklammert und sind so gemeinsam ertrunken Die Kappen lagen unweit der Stelle, wo sie eingesunken waren. Bergalingen. t Kürzlich brach auf unbekannte Weise 'in dem Doppelchause des Fridolin und Friedrich Strittmätter Feuer aus, dem das ganze Anwesen, sowie 12 Stück Vieh und 13 Hühner zum Opfer fielen. Donaueschingen. Der ledige Bahnarbeiter Gebhard Schmied war mit dem Auskehren von Eisenbahnwagen auf dem hiesigen Bahnhofe beschästigt. Als er das Geleise überschreiten wollte, fuhr der von Villingen kommende Personenzug in die hiesige Stationein. Schmied wurde von der Maschine erfaßt und zu Boden geschleudert und ihm der linke Fuß am Knöchel abgefahren. Außerdem erlitt er einen Schädelbruch. Im Karlskrankenhaus mußte Schmied der Fuß amputirt werden. Heidelberg. Kaufmann Julius Karlebach . und dessen Ehefrau Fanny geb. Kalter, eine Mannheimerin, begingen in voller Rüstigkeit das Fest der silbernen Hochzeit. Konstanz. Der treue Hüter der Schätze des Rosgartenmuseums, Kustos Gustav Sulger, feierte die 25jährige Wiederkehr des Tages, an dem ihm von der Stadt diese Stellung übertragen wurde. Anläßlich dieser Feier überreichte Oberbürgermeister Weber in Anwesenheit von Bürgermeister Haulick und. der Stadträthe Delisle, Boehringer und Leiner dem Jubilar unter Worten der Anerkennung für seine langjährigen ersprießlichen Dienste eine wohlverdiente Remuneration. Mannheim.' Letztens wurde die Leiche des Kaufmanns Karl August Pfannstiel, der feit einiger Zeit vermißt wurde, am Wagkndepot der Elektrischen" gelänvet. Der Fundort ist unweit der Stelle, wo der unglückliche Junge sich in den, Neckar stürzte. Ueber das wahrscheinliche Motiv hört man, daß der Knabe, der die Sezta des Realgymnasiums besuchte, eine Rüge, die ihm sein Massenlehrer in sein Heft schrieb, statt von seinem Vater von seiner Großmutter unterschreiben ließ. Dafür wurde er mit Arrest bestraft. Morsch. Von einem ledigen Schreinergesellen aus Bruchhausen wurde in derWirthschaft zum Hirfchein Schuß abgegeben, welcher der Schwester deö.Wirths. der 17jährigen Frieda Neu, in die linkeSchlase drang. Der Schütze wurde verhaftet. Pforzheim. I)aö Tochterchen deS Goldarbeiiers Nupp verbrühte sich mit kochendem Wasser. E5 purb nach kurzer Zeit. "
Byenipfarz. S p e y e r. Vor einiger Zeit hat durch einen Unglücksfall der 23 Jahre alte Xifotter Friedrich Ofer aus dem nahen Dudenhofen, im Betriebe der Pfälzischen Bahnen sein Leben verloren. Er war am Rheinhafen mit Be-
dienen eines Krahnens beschäftigt. Bei Schluß der Arbeit ist er, anschelnenÄ durch einen Fehltritt, in das Wasser gefallen und mußte, da keine Rettung zur Stelle war, ertrinken. Die Leiche wurde aufgefischt und in das LeichenHaus verbracht. Ofer war mcht verheirathet. Altenglan. Vor Kurzem ereignete sich im.Bell'schen Steinbruch ein schwerer Unglücksfall. Der etwa 63 Jahre ölte Theobald' Groß von Oberftaufcnbach und der 40 Jahre alte Jakob Schäfer von Mühlbach am Glan waren auf den Felsen mit Aufbrechen beschäftigt. Da sie an' einer gefährlichen Stelle arbeiteten, wurden sie an Selle gebunden Beide Seile wurden von einem 19 Jahre alten Burschen gehalten und bewacht, da lösten sich plötzlich die Felsen und rollten, die beiden Arbeiter mitreißend, in die Tiefe. Die Arbeiter wurden sehr schwer verletzt und bewußtlos vom Platze getragen. Groß starb bei der Ueberführung in die Klinik. Die Verletzungen des Schäfer sind nicht lebensgefährlich. W i n n w e i l e r. Aaron Tuteur, Kaufmann, und seine Gattin, geb. Dalsheimer, hier, feierten im Kreise ihrer Kinder und Enkel, in voller geistiger und körperlicher Frische, ihr goldenes Hochzeitsfest. Zweibrücken. Der 16 Jahre alte Sägmüllerlehrling K. Reischardt von hier wurde im Blute liegend auf dem kleinen Exercierplatz aufgefunden. Er wurde durch die Sanitätskolonne in das Bürgerhospital verbracht, woselbst festgestellt wurde, daß er eine Schußwunde im Unterleibe hatte. Da bei dem Verletzten ein Revolver vorgefunden wurde, ist anzunehmen, daß Reischardt sich die Verletzung beim Spielen mit demselben wahrscheinlich selbst zuzog. tzksaß-Lotyringen. Straßburg.' Die Volkszählung am 1. Dezember 1903 ergab in Elsaß-Lothringen eine ortsanwesende Bevölkerung von 1.814.626 Personen, gegen 1,719.470 am 1. Dezember 1900. Die Bevölkerung hat sich in der Zählperiode 19001903 d-mnach um 93.156 Personen vermehrt. Die männliche Bevölkerung wuchs um 54.868. die weibliche um 40.288. Von den 90 Landkatonen zeigen 23 eine Abnähme. Die größte Bevölkerungszunähme hat infolge des bedeutendenAufschwunges der Bergwerks- und Eisenindustrie der Bezirk Lothringen zu verzeichnen. ' Metz. Generalleutnant v. Arnim, seitheriger Kommandeur der 2. GardeDivision, -ist zum Gouverneur von Metz ernannt worden an Stelle des jüngst gestorbenen Generals der Kavallerie v. Hagenow. M ü l h a u s e n. Das Landgericht verurtheilte ton Gründer 'der ElsaßLothringischen Industrie - Gesellschaft, Bankier Blumenthal. wegen , Betrugs und Hehlnei zu 18 Monaten Gefängniß und 3000 Mark Geldstrafe, seinen Compagnon Hummel zu 2l2 Jahren Gefängniß. ' Zlreckrett0ttvg. Groß-Bölkow. Dieser Tage beging das Häusler Biemann'sche Ehepaar in großer Rüstigkeit das Fest seiner goldenen Hochzeit. Der Großherzog erfreute das Jubelpaar durch ein huldvolles Glückwunschschreiben nebst seinem Bilde. Pastor Halbach - Buchholz überbrachte seine. Segenswünsche itnH fitst rt 9snhrttfit b. 4 r y v v v Patch rm. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in der Viktoriamühle. Dort waren , Arbeiter beschäftigt.. Hafer abzuladen und mittelst einer' Winde auf höher gelegene Böden zu schaffen. Der Arbeiter Pankow stand dabei auf dem Wagen und schlug die Säcke in die Kette der Winde. Plötzlich stürzte aus der Höhe mehrerer Stockwerke ein voller Sack herab und schlug den' Pankow in das Genick. Unter der Wucht der Last stürzte der Arbeiter vom Wagen, schlug mit dem Kopfe auf das Pflaster und blieb bewußtlos liegen. Der herbeigerufene Arzt stellte eine schwere Verletzung des Schädels und Genickes fest. Pankow ist bald darauf, ohne wieder zum Bewußtsein gekommen zu sein, den Verletzungen :rlegen. T e s s i n. Maurer Schefferling und Frau begingen das Fest der goldenen üochzeit. , HumoristlschcS. . i DerrichtigePrivatier. So, meinen Spaziergang habe ich jetzt gemacht, da brauche ich Nachmittags nichts mehr zu thun!" Entschluß. Ein Sklave seines Berufes muß man nicht sein ich werde eine reiche Frau heirathen, obgleich ich Professor der Aesthetik bin! Erster Gedanke. Dame (welche von einigen Freundinnen eine Vrfr.iPti .-t,ti . cn v:. üiu43ium. ci4;U4ij. Jiu, . . . vic mögen wieder schön über mich hergezogen sein!" Die Hauptsache. Besucher: .Das neuangeschaffte Gemälde ist sehr schön, aber was stellt es vor?- Protz: .Was es. vorstellt? Zejntausend Mark stellt es vor.- - -
