Indiana Tribüne, Volume 29, Number 182, Indianapolis, Marion County, 27 March 1906 — Page 6

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Ein Schreckensmayl.

Humoreske von H. S. ES hat unleugbar etwas für sich, in einer großen Eeestadl aufzuwachsen. Man fühlt von früh auf einen gewissen Zusammenhang mit der weiten Welt da draußen ; jedcs ausländische schiff. das ankommt, it cm wirkliches Stuck ausländischen Bodens. Und so viele Leute sind selbst weit herumgewesen, man kann jeden Tag einen Augenzeugen von den fernsten Welttheilcn erzählen hören. So ein großer überseeilchcr Tampfer, der in so behäbiger zahrt in den .Vasen gleitet, was der Alles erlebt und gesehen hat! Und die Schiffer daraus können genug darüber berichten; freilich, ist's immer gut. deren erste Räusche vorübergehen zu lassen, denn da lügen die Kerle zu furchtbar und werden noch obendrein hinterher ungemuthlich und hauen sogar. Man mun auch nicht glauben, daß alle Seefahrer gar so viel erzählen könnten oder wollten. Gar nicht selten läuft ihr Bericht auf jenen berühmten eines Marineoffiziers hinaus: Waren Sie in Ceylon? D ja. eine sehr merkwürdige Gegend. Ta haben wir die englischen Kameraden von I. M. 2. Thunderer gründlich unter den Tisch getrunken." Waren Sie auch in Zjokohama?" D ja, eine sehr eigenthümliche Gegend. Ta haben uns die russischen Kameraden von S. M. S. Wladimir schauderhaft unter den Tisch getrunken." Und so fort mit Grazie und belebendstem Wechsel. Aber es gibt doch wieder andere ichiffer, die sehr viel mehr erlebt haben und es auch von sich zu geben wissen. Ein Meister freilich in dieser Kunst, wie mein Freund Richard Rohleder, war weit und breit so leicht nicht wieder zu finden. Was der auf seinen Reisen Alles beobachtet, erlebt und erlitten hatte, das ging in die afci graue Pechhütte. Ja, wenn man die Augen aufthut, so sieht man etwas, und wenn man flott d'rauf geht, erlebt man so Sachen! Ich kannte ihn auö meiner Kindheit, seine Mutter war eine Nachbarin meiner Großmutter in dem kleinen Hasfnest, wo diese wohnte, und es war eine rechte Freude, als ich ihn in meiner Vaterstadt eines Tages als fertigen Seemann wiederfand. Er war woi'.l ehn Jahre älter als ich, der ich damals Tertianer war, und gar an Erfahrungen stand er neben mir als eln Rieje neben einem Zwerge; aber etwas wog immerhin meine wissenschaftliche Bildung doch auch, das bellum gallicum liest man nicht umsonst, und jedenfalls verkehrteer mit mir wie mit einem gleichberechtigten Menschen. Und das war doch sehr viel von einem Manne, der in so jungen Jahren thatsächlich sämmtliche Meere vom Aequator bis zu den äußersten Polarregionen befahren und geradezu alle ihre Winkel ausgekehrt hatte. Und wie viel Länder er auö eigener Anschauung kannte und zwar bis in's tiefste Innere der ödesten Welttheile hinein, das war mehr als staunenswerth. Und noch viel staunenswerther, wie er überall die Augen aufgethan und wie er seine Hände und andere Körpertheile gebraucht hatte und seinen Geist natürlich erst recht. Allerdings verbreiteten seine Neider und Feinde, dies soll nicht verhehlt werden, das seltsame Gerücht, er. sei überhaupt nur einmal zur See gefahren und zwar als Schiffsjunge bis Amstcr oam; da habe er die Prügel und die Krankheit so satt gehabt, dan er auögerissen sei und fortan als Küchenjunge auf einem Rheindampfer zwischen Köln und Mainz sein ehrliches Brod verdient habe. Von diesen schwankenden Ge rüchten erfuhr ich aber erst viel später. Doch ich würde auch, wenn ich sie ge kannt hätte, kein Sterbenswörtchen davon geglaubt haben. . ' . Sicher war nur, daß er augenblicklich als Koch auf dem kleinen Klapperkasten zwischen Stettin und Franksurt fuhr; aber das war, wie er selbst aussagte, nur vorübergehend zu seiner Erholung. Daß er als Matrose die Kochkunst so nebenher erlernt habe, und zwar durchaus grundlich, betonte er mit Stolz. Und ich glaubte das gern; denn wenn er diese Kunst nur halb so be. herrschte wie jene andere, von allerlei merkwürdigen Leibgerichten fremder Völkerschaften so zu erzählen, daß einem das Wasier im Munde zukam menlief, dann verdiente er königlicher Leibkoch zu ' werden. Ein Wunder ji; vernehmen war eö, wie er sogar die Ratten fr Blutegel der Chinesen oder die vorgetuuten Reiöklöne von Neger stammen oder die Thranspeiscn der Eskimos und zahlrelche ähnliche Greuel dem Zuhörer so appetitlich mit Worten herzurichten wußte, daß Mancher in Gedanken schon einen fetten Blutegel anstach. Aber wenn er dann gar zu civilisir teren Genüssen überging. Schildkröten suppe oder Clephantenrüssel oder Aüf felhöcker oder Bananenscholen odcr indianische Vogelnester oder Eisbären laßen vor unseren Augen briet, buk oder kochte, da war man geneigt, alle Brücken hinter sich abzubrechen und zu jenen gesegneten Landern zu fliehen, wo solche Dlnge billig zu haben sind. Allemal aber, wenn er solcherart recht aus dem Vollen gewirthschaftet halte, gab er zuletzt so nebenher zu ver stehen, daß er noch etwas im Hinter gründe habe, das alle die genannten köstlichen Leaerbls en noch bei Weitem übertreffe. Niemals zwar erklärte er

sich naher oder gav auch nur deulsamere ;".;;r,;i0 ihr kiek trmnhprTisir Be

richt, doch der geheimnißvoll tief' sinnige Ausdruckseiner Züge, besonders der Augen, die dann weit aufgerissen in eine süßlockende Ferne zu starren schienen, wirkte doch auf die kulinarische Phantasie der Hörer seltsam erregend und stachelnd. Und man ertappte sich wohl auf einem langwierigen begehrlichen Grübeln, welche räthselhajte Frucht oder welch' Wildprot er meinen könne. Aber es war noch Keinem gelungen, ihm das Gcheimniß zu entreißen. Wenn aber Jemand Aussicht hatte, allenfalls dies ersehnte Ziel zu erreichen, so waren es mein Schulfreund Hahnemann und ich, seine erklärten Günstlinge. Vorläufig allerdings war es doch auch uns nicht gelungen. Da faßten wir eines TageS einen großen Entschluß. Wir thaten alle unsere Taschengelder zusammen und kauften eine ansehnliche Flasche besten dänischen Korn, um sie Richard Rohleder zum Geschenk zu machen, denn wir wußten, daß er dieses starke Getränk sehr liebte, eS in solcher Güte aber selbst nicht erschwingen konnte. Wir hofften ihn durch diese freiwillige Ehrengabe so weich zu stimmen, daß er uns als Gegenleistung daS große Geheimniß entsiegelte. Ganz so ohne Weiteres aber gelang dieser Plan doch nicht, und wir kamen schon in große Sorge, unser Einsatz, der uns eine Fülle unerlaubter Freuden bedeutete, könne einfach verloren sein. Er empfing das Geschenk zwar mit übersckwänglichem Dank und machte sich sofort an die Arbeit, es werkthätig zu würdigen, aber auf unsere bittende Frage antwortete er nur mit einem ernsten Kopsschütteln und einem Augenschlag, in dem eine Welt von Wehmuth leg. ,. Allmälig aber, als er in der werkthätigen Würdigkeit des trefflichen alten Korns schon soweit vorgeschritten war, wie wir in unserer Unschuld eS wohl von dem durstigen Gotte Thor, aber nicht von einem sterblichen Man, selbst nicht von einem Seefahrer für möglich gehalten hätten, begann er umgänglich zu werden und uns Hosf nung zu machen, er wolle uns entgegenkommen. Allerdings machte er dann doch wieder Winketzüge, doch da wir ausharrten, er im Würdigen und wir im Andringen, so kam dre stunde, wo er endlich den Widerstand aufgab, aber auch dann erst, nachdem wir ihm noch eine zweite Flasche vom gleichen Korn mit den heiligsten Eiden versprochen hatten. Ich sehe sein fettes Gesicht noch vor mir, die aufgerissenen Augen, die kummervolle Miene, den bis in's Tragische verzogenen Mund, als er endlich das verhängnißvolle Wort herausZischte: Menschenfleisch." Wir fuhren schaudernd zurück. Auf eine so grauenvolle Lösung waren wir denn doch nicht gefaßt gewesen. Wir brauchten eine ganze Weile, bis wir uns von dem Schrecken erholten. Tann aber entsannen wir uns eines Freiligrath'schen Gedichtes, in welchem ein Sklave seinen reichen Herrn beklagt, daß er sich mit allen seinen Schätzen doch nicht die höchste aller Erdenfreuden erkaufen könne : den Genuß von Menschenfleisch. Das war eine wunderbare Bestätigung jener Aussage. Und nun begann allmälig dre Reugter dre Ober band !lu gewinnen. Aber Du, Richard,- fragten wir schüchtern, Du kannst doch noch kein Menschensleisch gegessen haben.Er nickte mit todestrauriger Miene. Doch, flüsterte er, .sehr viel, sehr viel." Wir entsetzten uns noch einmal, aber nicht mehr so lange, denn unsere Neugler war.letzt übermächtig erregt. Erzähle! Erzähle! drängten wir beinahe flehend. Noch eine dritte Flasche Korn, dann thu' rch's." entgegnete er ernst. Wir versprachen sie ohne Weiteres, obwohl wir nicht entfernt wußten, wovon wir in absehbarer Zeit sie bezahlen sollten. Und nun erzählte er wirklich: Wir hatten von Frisco wohl zwanzig Tage lang sehr gute Fahrt gehabt ; da geriethen wir gerade in so einen gottverfluchten Taifun, und knicks, knacks, krach, bums, gingen unsere Raaen hin und dann das Bugspriet und die Masten und zuletzt das Ruder, und wir liefen immer Zickzack hin wie ein. Hund, der seinen Herrn verloren hat. Und eS dauerte denn auch nicht sehr lange, da saßen wir auf; es war so ein verdammtes Korallenriff, das unS festhakte. Das war bei Nacht ; und als der Morgen kam, flaute der Wind ab, und wir sahen? dicht vor. uns 'ne schöne Insel. Aber nutzen konnt' uns die gar nichts? denn unsere Boote waren alle über Bord, und zum Schwimmen war'S viel zu weit 'rüber. Unser Schiff aber war so leck, daß es jeden Augenblick auseinander gehen konnte, denn die See ging noch hohl und stieß uns gehörig. Da sehen wir auf einmal cm Strand ein Gewimmel, von schwarzen Karlen; und die steigen in ihre Kanoeö und fahren gerad' auf uns los. Na, was sollten wir machen? Ersaufen und todt geschlagen werden ist schließlich in der Hauptsache dasselbe. Darein also wollten zoir uns schon ergeben. Blos daß die Halunken uns vielleicht auffressen könnten, war unS unangenehm, denn das ist immer was Anderes als ein christliches Begräbniß. .Aber wie sie näher kamen, winkten

i sehr sreundliai und machten uns

Friedenszelchen. Ich will nicht sagen, daß wir der Sache so ganz trauten; aber was sollten wir machen? Ein Begräbniß erster Klasse kriegten wir am Ende im Wasser auch nicht, und eö war doch immer noch 'ne Möglichkeit, daß die Kerle anständig, waren, wie man das manchmal jo findet. Also wir steigen denn sachte in die Kanoes, natürlich vereinzelt, weil das ja nicht anders ging, denn die Dinger sind nicht groß. Aber die braunen Schlingel waren immer noch gut, und etliche Weiber, die dabei waren, tätschelten uns sonor sehr lieblich auf die Backen. Ich ließ mich zwar hierdurch erst recht nicht täuschen, denn die Augen der süßen Kröten glitzerten dabei höllisch nach gutem Appetit, so ungefähr als wenn bei uns eine junge Diln vor'm Konditorladen steht; aber da half nun kein Strampeln mehr. Und richtig, kaum stießen wir an den Strand, da rackten sie uns von hinten, und im Handumdrehen lagen wir an Händen und Füßen gebunden da neben einander wie bei uns die Stockfische am Bollwerk. Und da war nun kein Zweifel, daß wir sollten gefressen werden. Und wir' wurden auch gefressen, nämlich die Meisten von uns ; blos ich und ein paar Kameraden konnten sich retten. Öder genauer, ich rettete uns, und zwar auf eine sehr listige Manier. Die Wilden hatten unser Wrack ge plündert und hatten mitgeschleppt, was sich mitschleppen ließ. Und wir sahen mit Betrübniß, wie sie mit unseren guten Sachen hantirtcn und daran herumrissen und mit den meisten gar nichts anzufangen wußten. Und eö waren darunter eine Menge Konscrvenbüchsen; daran schnüffelten sie herum und wußten nicht, was es war und wie sie die aufkriegen sollten. Halt! dachte ich, daS ist 'ne Gelegenheit, sich bei ihnen lieb Kind zu machen ! Und ich sing an, mit dem Kopse und besonders mit den Augen ihnen Winke zu geben, daß ich ihnen zeigen wollte, was in den Büchsen wäre, und eS wäre was sehr Schönes. Das verstanden "sie denn wirtlich am Ende und banden mich los und gaben mir etliche Büchsen zum Aufmachen. Das that ich denn auch kunstgerecht, nachdem ich sie gehörig angewärmt hatte, und gab ihnen zu kosten, was drin war, alle möglichen guten Fleischsorten, vom gewöhnlichen Ham mel bis zum feinsten Fasan und RedHuhn und der Waldschnepfe. Und da merkt' ich denn gleich, daß ihnen die Saucen und alle sonstigen Zuthaten ausgezeichnet schmeckten, denn sie schnalzten mit den Zungen und leckten sich die Lippen: aber das Fleisch selbst spuckten sie aus und schnitten Gesichter und gaben mir mit Geberdev, worunter auch Prügel waren, deutlich zu verstehen, das Zeug schmecke ihnen nicht, sei viel zu hart und zäh und hätte kein Aroma und sei gar nicht zu vergleichen mit dem Braten, den sie gewohnt wären: und dabei wiesen sie auf mich und meine Gefährten. Da hatt' ich auf einmal wieder einen ganz großen Gedanken. 'Ich gab ihnen zu verstehen, und daS war gar nicht so schwer: wenn sie denen, die von unS noch übrig waren, das Leben ließen, wollte ich ihnen ihren Braten, den sie gewohnt wären, in diese Büchsen einmachen mit eben solchen Saucen und Zuthaten, und sie könnten sie dann aufbewahren, so lange sie wollten; und eine Hungersnoth könnte dann so leicht nicht mehr eintreten, selbst wenn sie 'mal ein bischen sehr lange Frieden hatten und auch keine Schiffe mit Weitzen abringen.' Sobald sie meine Meinung begrif fen halten, erhoben' sie ein ' Jubel gcheul und tanzten wie wahnsinnig um uns herum; und sie schnitten auch mel neu Kameraden die Stricke los, und wir waren gerettet. Wir wurden zwar noch in einen Käfig gesteckt und da scharf bewacht, aber das war schon lange so schlimm nicht, wie in Stricken zu liegen. Und nachher wurde es immer besser. Am anderen Morgen unter nahm unser Volksstamm einen großen Kriegszug nach einer benachbarten Insel; und als ne Abends wieder kamen, kriegten wir mächtige Arbeit mit den Konservenbüchsen, mehrere Tage und Nachte lang ununterbrochen. Das war nun nicht schlimm, denn ich verstand meine ache, und dle An deren waren auch anstellig und arbei teten gut. Das Schlimme aber war. daß wir doch auch essen mußten, denn sonst wären wir verhungert: und da hatten wir's bequemer gehabt zu ersau fen oder uns schlachten zulassen; zu essen aber kriegten wir nicht einen Bissen anderes als diese von uns selbst zubereiteten Fleischkonserven. Denn die von uns mitgebrachten Fleischsorten hatten sie alle sortge schüttet. Anfangs natürlich ekelten wir uns und wollten nicht 'ranaehen. Wlr hat ten Jeder so ein bischen ein Gefühl, als ob er ein Stück von sich selber äße. Und das ist nun 'ne naturgeschichtliche Merkwürdigkeit, die ich da entdeckt habe: leder Mensch sieht sich gern, zum Mindesten im Spiegel, und hört sich gern reden und riecht sich auch gern und befühlt sich ganz mollig; blos wenn er um selbst schmecken soll, roh oder gebraten, da hat' er keine Lust daran. Als aber der richtige Hunger kam. da sagten wir uns tröstend: Lebendig machen können wir diese armen Kerle ja doch nicht wieder, und ihrer unsterb lichen Seele thun wir keinen Schaden.

Was wir essen, ist schließlich nur ihre irdische Hülle, die ihnen doch nichts mehr nützt. Und übrigens sind es doch nur Wilde gewesen, und die können noch stolz darauf sein, in den Magen

eines anstandigen Zelkzen zu czclannen. Das ist doch für sie so eine Art Begräbnis; erster Klasse. Vor Allein aber : In der Noth sllszt der Teufel Fliegen. und so singen wir den vorsichtig ein bischen an zu knuspern. Aber, weiß der Teufel, das blieb nicht lange beim Knuspern, denn daS Zeug schmeckte schmeckte Herr du meine Güte, so waö Köstlich hatte keiner von unS all' seine Lebenslage ge gessen. ' DaS ist gar nicht zu beschrei den, wle zart das Flehchchen war, und wie lieblich dabei und gcwürzig; wißt Ihr, so etwa in der Mitte zwischen Waldschnepfe und wildem Frischling, blos viel seiner als Beides zusammen. Ich möchte Euch wohl wünschen, daß Ihr so was 'mal zu schmecken kriegtet" Wir bekreuzigten uns natürlich vor diesem Gedanken; aber sein verzückteS, in Erinnerung schwelgendes Gesicht zu sehen, war doch ein Vergnügen. Seine Augen wurden unterdessen immer größer und seine Mienen immer geheimnißvoller und tiefsinniger, und während wir unö im Stillen etwas bänglich fragten, was er wohl.hzben möge, platzte er auf einmal los: Wenn Ihr mir noch eine Flasche dazu versprecht, lass' ich Euch 'mal kosten." Wir starrten ihn an, als ob cr nicht recht klug wäre. DaS Anerbieten war wirklich so dumm, dan ich nur ironisch die Antwort gab: Sehr gern, aber erst müssen wir den Wilden sehen, den Du abstechen willst, ob cr fett genug ist." . Er war mir aber doch über. Tummkopf," sagte er, ich meine 'ne Konservenbüchse. Es ist aber die allerletzte. Als wir durch das englische Schisf von der Insel befreit wurden, habe ich ein Dutzend zum Andenken mitgenommen; natürlich durfte kein Mensch wissen, was drin ist. Und dann hab' ich immer am Allerseelentage und am Todtcnfest und am Büßtag je eine Büchse verzehrt Herrgott, schmeckte das schön! und eine einzige ist nun noch übrig. Ganz richtiger Bußtag ist zwar heute nicht, für mich aber doch so was Aehnliches, weil ich die Wache hier auf dem alten Kasten habe und ganz aller , wäre und mlch sehr langweilen würde ohne Cure Gesellschaft; außerdem hat's den Vortheil, daß uns Niemand beobachten kann, wenn wir in der Kajüte uns was Gutes anthun. Also, wenn Ihr wollt ich mein' das mit dem Schnaps will ich die Buchse gerne ausmachen ; ich gönne Anderen auch 'mal was Gutes." Wir waren empört über den frevelhaften Vorschlag; er aber lächelte nur gleichmuthlg über unsere slttllche lntrüstung. Na ja," sagte er schnalzend, Ihr wißt eben noch nicht, wie's schmeckt." Auf einmal kam unS ein neuer Ge danke. Interessant war'S doch, daS Zeug 'mal zu sehen sagte Hahnemann zu mir, und zum zweiten Mal wird sich solche Gelegenheit im Leben schwerlich bleten." Das leuchtete mir einigermaßen ein. Ja," sagte ich, und nicht Jeder hat so etwas gesehen, der nicht gerade Afrlkarelsender oder Sudseesorscher ist." Wir versuchten nun den Preis für daö bloße Besehen auf eine halbe Flasche herunter zu handeln, aber Richard Rohleder ließ sich , aus nichts ein, sondern beharrte auf seiner Forderuna. Ob Ihr blos beseht oder auch .kostet, ist für mich ganz dasselbe; die Büchse ljt dann doch hin," sagte er, und eine Wehmuth überzog sein fettes Antlitz. Endlich gaben wir nach und leisteten das Versprechen, denn die Neugier beZwang uns. Er stieg nun mit einer gewissen Feierlichkeit in den Raum hinab und verschwand da irgendwo im Dunkeln. Unsere Herzen klopften heftig; wir zitterten doch förmlich vor dem arasz lichen Anblick. Nach ziemlich langer Zeit kam er wieder herauf, mit einer der bekannten Blechbüchsen in der Hand. Stumm begab er sich in die Küche, von .uns begleitet, -und legte die Buchse in eine Kasserolle mit hei lern Wasser. Indeß wir leise ver ängstigt den Vorgang des Aufwärmens beobachteten, hatte er ln der Kazute den Tisch gedeckt, und nun führte er unö dorthin, nachdem er die Büchse herausgesucht hatte. "Und jetzt öffnete er sie mit der Blechscheere; es war ein unheimlicher Augenblick, fast bereuten wir unser Vorhaben. . Schon über stieg unSein sehr ueblrcher Bratendust in die Nase, und das Gefäß that unseren Augen sich aus. Der Anblick des Inhalts war ganz und gar nicht schrecklich. Ein sauberes Fleischgericht ziemlich unbestimmten Charakters bot slch dem Auge dar, eine Anzahl zugeschnittener Stücke eng zu sammengepreßt. Richards Augen leuch teten verklärt, und wir konnten das jetzt wohl ein wenig mitfühlen, denn das Gericht sah ebenso harmlos wie wahrhast appetitlich aus. Cr stach nun mit der Gabel hinein und holte sich ein bräunliche Stück heraus wie ein kleines Kotelett oder so etwas. Cr schnitt es und kostete; seine Verklarung erstleg den Gip el. ' Na, bitte es ist gut,- sagte er treuncrzig und schob uns die Buchse binuber. . 3n uns regte sich neuer Ab

scheu, aber zugleich doch auch Appetit

und Neugier neben einander. Könnte man s wieder lebendig machen, ich würd' es nicht anrühren," bemerkte Richard, aber das kann man doch nicht." Da hatte cr a ganz Recht, und wir waren unschuldig an dem Blute dieses unglücklichen Wilden; und wem schade!e es elg?ntllch, wenn man davon kostete? Ob Richard Alles allein auzan oder wir einen Theil abbekamen, war für die sittliche Wcltordnung doch ein und dasselbe. Blos einmal kosten es war doch zu interessant. Und eS war sicher die einzige Gelegenheit im Leden! Hahnemann zeigte sich als der verwegenere Charakter; cr stach plötzlich zu und langte sich ein Stück auf seinen Teller. Da wäre es Feigheit gewesen zurückzubleiben: ich that das nämliche. Cr schnitt es auch an aber dann zauderte er doch wieder. Es war doch eine gar zu unheimliche Sache. Jetzt aber ergriff mich der Ehrgeiz,' den größeren Muth zu zeigen; und mit geschlossenen Augen schob ich ein Stück in den Mund. Und da folgte anch Hahnemann denr. Beispiel. Mit einem aewlsl''n arausendcn Bewundern blickten wir einander an. Und die Blicke gestanden gleichzeitig: es schmeckt vorzüglich. Na?" fragte Richard mit triumphirender Miene. Wir nickten, nur stummen Beifall und schoben noch ein paar Stücke nach ; eö schmeckte immer besser. Merkwürdig," sagte Hahnemann; es wurde ihm sauer, so etwas zu sagen, das merkte ich wohl, aber er wollte zeigen, was cr für ein Kerl sei, merk würdig, wie solch' wilder Bursche inwendig so zart sein kann." Wilder Bursche?" erwiderte Richard ernsthaft, das stimmt diesmal nicht. Diese Büchse ist von einem Mädchen." Ach?" riefen wir mit einem kleinen Schreck. Ja," bestätigte er mit einer grüßlichen Gemüthsruhe, und zwar von einem weißen. Es ist eine englische Mlssionärstochter gewesen." Wir ließen voll Entsetzen unsere Gabeln fallen. Es war ein süßeö Geschöpf," fuhr Richard träumerisch fort, ich habe sie sehr geliebt, und sie war mir auch gut. Sie wurde mehrere Wochen lang bei uns gefüttert. Sie trug ihr LooS mit himmlischer Ergebung. Ein holdseliges Gesichtchen, wie Milch und Blut. Und Hals und Arme so rosig zart. Das Herz drehte sich mir im Leibe herum" Mir und Hahnemann aber auch. Dieser sprang jählings von seinem Sitz, schwankte ein wenig hin und her, spähte angstvoll nach irgend etwas, fand endlich einen Ledereimer, neigte sich darüber, und die Seekrankheit brach los mit allen ihren Schrecken. Die Flußkrantheit, müßte man eigentlich sagen; aber die Sache blieb dieselbe. Ich zauderte nun nicht lange, dem Beispiel zu folgen; ich neigte mich ebenfalls, und brüderlich aneinander geschmiegt litten wir gemeinsam. Richard that, als ob er nichts sähe, offenbar um uns nicht zu beschämen, und kaute mit vollen Backen; dabei preßte ihm die Erinnerung manch' wehmuthvollen Seufzer ab. Nach gethanem Werke wurde uns leichter; wir versuchten .so zu thun, als ob nichts geschehen wäre, schlichen still wieder an den Tisch und sahen bewundernd seinen Leistungen zu. Auf einmal entdeckte ich in der Büchse unter den noch gebliebenen geringen Fleischresten einen seltsamen Gegenstand, der meine Aufmerksamkeit fesselte; er sah aus wie ein feingegliedertes, leicht geringeltes Knochen - gebllde, vielleicht wie ein gebogener Finger mit viel mehr als der gewöhn lichen Zahl von Gliedern nein, wie ein Schwänzchen, ein Ningelschwänzchen Hastig griff ich darnach und zog es auf meinen Teller. Zum Teufel, wenn das kein Ferkelschwänzchen war,hatte ich nie eins gesehen ! Hahne mann und ich sahen uns in'S Gesicht. Zwei Seelen und ein Gedanke. Aufspringen und über Richard Rohleder von beiden Seiten herfallen war das Werk einer Sekunde, Abgeschüttelt' werden das einer zweiten, Prügeln das einer dritten, und Geprügeltwerden das einer vierten und ziemlich vieler folgenden Sekunden. Richard halte wahrhaftig Riesenkräfte; das mußte an der guten Nahrung liegen. Als er uns so weit weich hatte, daß wir zur Versöhnung geneigt waren, schenkte er unö zum Abschied die leere Konservenbüchse. Sie enthielt die deutliche Aufschrist: Spanferkel." Die vier Flaschen dänischen Korn aber mußten wir beschaffen, wohl oder übel ; denn wir hatten ja erfahren, wie riefen stark Richard Rohleder war, und es gelüstete uns nicht nach weiteren Ersahrungen. Ein Mann ein Wort !" blieb darum unser Grundsatz. ' Man erlebt eben in großen See fladten mehr als im Ainnenlande; man muß uur die Augen aufmachen. Frankreichs letztjährrge Hans delsbilanz ist die beste, seitdem das Land, ezistirt. Die Ausfuhr betrug 1905 tz742.930.000, gegen $676,930, 000 im Vorjahre. Der. Ortsmarschall .von Girard, Pa., ist mit einem Jahresgehalt von $1 besoldet, wovon er 50 Cents als Gebühr für seine Beeidigung zu entrichten hat.