Indiana Tribüne, Volume 29, Number 182, Indianapolis, Marion County, 27 March 1906 — Page 4
Jndläna Tribüne, 27. März löuO.
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Hnau,g,a.devde, tb JndwnapoM, Ind. yrifldeat. varry O. Thndiu VeschaftSlocal: Ho, 31 Süd Delaware Straße. TELflPHONE 26. Entcrd at the Post Office ol Indianapolis itcond das matter. Hoffentlich bedeutet die Ruhe in AlgeclraS nicht Sturm. Der März scheint nun doch wie ein Lamin ausgehen zu tvollen. m. . i . nv . . )ti ..UN" oak fstnrncflit mt AN Wandlungen. Sie will die gelbe' Presse auffressen. Zum mnt der lkhle.Kn. öl, sollte dz Lied ng.ftimm. .. 1VIn I,. linkHn. n.tt kVk 4 u I W W W MVM W - W tgain." Vor Gompers braucht das Kapital wohl auch nicht zu zittern. Grobes Vertrauen in ihm kann die Arbeiter schaft nicht haben, denn bislang hat er nichts gethan um eS zu verdienen. ' Der Stadtrath sollte es sich wohl überlegen, ehe er die Straßen in dem schönen WohnungS . Diftrict der 5. Ward einer Bahngesellschaft in die
Hände giebt. DaS Publikum wittert des Landes gilt. jetzt nicht mit 'Unrecht überall Graft. unter den modernen Piraten zählt ' der SchutMarkeN'Grafter", der den Nun in Washington gegen den ehrlichen Geschäftsmann durch Nach. Unfug der Druckverschwendung vorge. bildung von Etiketten übervortheilt gangen werden soll, dürste daö Papier und das Publikum durch Auswerfen billiger werden. Der Unfug, das Laud KöderZ billiger Preise über'S Ohr mit Reden von Congreßmitgliedern zu $aut, zu den ' geriebensten, rückfichtZ. überschwemme, die am besten niemals lofefien und gefährlichsten.- Er gehört gehalten, geschweige denn gedruckt zu a die Kategorie der Grünwaaren. werden verdienten, hatte geradezu rie. Schwindler und Golddrick" Fknan sige Dimensionen angenommen. Da?. zsS. Da die buntscheckigen einschlägi selbe gilt auchZvon den Gesetzvorlagen, ßen Gesetze der Einzelftaaten gegen den deren viele von den zuständigen Comites Unfug keine wirksameRemedur gewähr nicht einmal deS EinberichtenS werth er. Giften, ist jetzt im Kongreß der Erlaß achtet wurden. Patrick Henry'S große eines Bundesgesetzes beantragt worden, Rede wurde damals nicht in Millionen welches die unbesugte Handelsmarken, aufläge durch daS Land verbreitet Verwendung mit einer Geldbuße von und doch kennt sie jeder Schuljunge. S1000. eventuell mit zweijähriger Haft. Damit sollten sich die ehrgeizigen Gesetz, jhasc zu ahnden befürwortet. Wenn macher trösten. t man in fast sämmtlichen europäischen - - Staaten und selbst in China gleich. Aus der Bundeshauptstadt, mäßige und wirksame Verbote dieses Schwindels durchführen kann, warum Jetzt, nachdem man endlich hoffte, sollte eS denn hierzulande unmöglich in der Panamakanal'Frage so weit ge. sein? kommen zu sein, daß man sich zu Gun. Kriegsminister Taft versuchte vor sten deS billigeren SchleufenkanalS ent Kurzem den Vorwurf des Senators schieden habe, kommt John F. Wallace, Hale. daß jeder nach den Philippinen der frühere Chef.Jngenieur der Kom. gesandte amerikanische Soldat von dort Mission, und wirft die erledigt ge als physisches Wrack" zurückkehre, mit - glaubte Frage von Neuem auf. Vor der Bemerkung abzuthun, daran trage dem Zuständigen Senats Ausschusse' nicht das Klima die Schuld sondern redete er letzten Dienstag dem Niveau, der Alkoholmißbrauch, der dort infolge kanal mit großer Entschiedenheit das dS eintönigen Lebens noch zunehme. Wort. Mit Zugrundelegung der bei In der That, ein bewunderungswürdi. dem Suezkanal gemachten Erfahrungen ges Vorbild für die mäßigen Filipinos! könne man annehmen, daß durch den Und daS Gemetzel der Weiber und GinPanama. Kanal jährlich 10,000,000 der im Krater von Dajo wird auch nicht Tonnen Passiren würden, und wenn gerade dazu beitragen, den braunen man von der Tonne nur eine Gebühr Brüdern aus den Philippinen eine hö' von einem Dollar rechne, so komme here Meinung beizubringen von der man schon aus ein annäherndes Iah' Zivilisation, die wir ihnen aufzudrüN' reSelnkommen von H10.000.000, wel gen bestrebt find. Hierzulande betrach. cheS ausreiche, um die Verausgabung tet man die Nachricht der Eroberung von 5300,000,000 für das große Kul der Moroseste, der damit verbundenen turwerk zu rechtfertigen. Die genannte Umstände halder, mit sehr gemischten Summe sei zum Bau eines MeereS Gefühlen. niveau-KanalS vollständig hinreichend. Trotz der Ovation, welche ihm neu. Betreffs der Dauer deS BaueS behaup. lich bei seiner Rückkehr in den Senat tetete Herr Wallace. daß ein MeereS. von seinen Kollegen dargebracht wurde.
niveau.Kanal, sallS dle Arbeit energisch und gelchästZmübig unternommen werde, innerbald 10 oder höchstens 12 Jahre fertig gestellt werden könne, uayreno me Verstellung eines Schien, fenkanalS. wenn auch nur 60 Fuß über dem Meeresspiegel, nur 3 Jahre weni. ger m n,pruq neymen wurde. Wallace sprach sich . hierauf für fc, fc. M nurqiuyrung oes ganzen Zerles ourcy eine einzige Kontraktoren . Firma aus. welche von RegierungSmethoden unbe. läftigt bleiben müsse und wo.möglich zwei Arbeiterschichten von je 10 Stun. den ArbeitZdauer verwenden würde. Hoffentlich würde daS lKomite eS ab. uqnen, irgeno eme ,form ves Kanals zu empfehlen, welche e5 nicht ermög. licht, den Kanal in der Zukunft in einen MeereSniveau.Kanal zu verwan. vem, unv zwar, oyne Störung des Welthandels und allzu hohe Zusatz, louen. er ongreß werde sich wahr, scheinlich hüten, den Bau eines Dam. meS von großen Dimensionen, wie den atum'amm tm lußthal des Eha. greZ. gutzuheißen, welcher eine Wasser. MAST tMM MAtXlia OC AMC .... -T r 7 i " ? V ,? rückzuhalten habe, ohne daß seine Fun.
oameme auf urgeunn von tonu-fte.jlal Mty Bter et? bet mir zu haben.
m Gruno ruhten. Jenn oeiGjioncn Ljltb, einen Schleusenkanal zu bauen-,
- . , 1 rr faatf. Waflace. so muß man ernstlich dorten, dak nur der Typus eines SchleusenkanalZ gebaut wird, welcher mit dem Bau eines ctcjä- dci amooa verbunden ist, wo, wie positiv festge. stellt ist, die primäre FelS.Formation sich nicht tiefer als bis zum Eeespiegel hinab erstreckt, was bei Gatum nicht der Fall ist. Im Congreß zerbricht man sich die Kövfe. was mit den alten Clerks 'der Regierungö Departements geschehen soll, die nicht mehr im Stande Nnö, ihr Arbeitspensum wie früher zu erle. diaen. Sollen sie entlassen oder pen flonltt werden? Vielfach wird die Pen fionirung empfohlen. Das würde na türlich ein großes Loch in die BundeS lasse machen. Das Volk wird sich in hohem Grade wundern, trenn eS für Z"l"iuN n "8! wl'd- Dl 6n sind n ch I"" und haben sich nicht überarbeite müssen. Warum also Pensionen deshalb, weil sie im Bun desdienste stehen? Wer penfionirt denn die vielen andern Clerks und Arbeiter, die angestrengter arbeiten müssen und weniger Einkommen gehabt daben? Warum' eine Klasse zu Pensionären machen, deren einziges Verdienst ist. daß sie in RegierungSdienften stehen? Hier sollte gelten: Sehe Jeder, wie er'S treibe; sehe Jeder, wo er bleibe wie daS auch bei allen übrigen Bürgern sog Chauncey Depew sich doch gar nicht mehr wohl und behaglich in Washing ton fühlen. Sein böses Gewissen do wmentirt sich namentllch darin, daß er den Zeitungsleuten, die einst feine be. pen Funde waren, ängstlich aus dem Wege geht. Früher war er immer be. it. cd interviewen rn lassen, und. wenn die Preßvertreter nicht zu ihm ka. I 1 ' mm$ so machte er eS wie Mahomeo mit dem Berge, das heißt, er lief ihnen ach und ruhte nicht, bis er seine Weis. heit an den Mann gebracht hatte. Jetzt aber schlägt er sich seitwärts in die Büsche, sobald nur ein Zeitungsmann sichtbar wird. Die stereotype Frage: Ist es wahr, daß Sie resigniren wol Uni" scheint ihm nachgerade doch auf die Nerven gefallen zu sein und schon seil Wochen kann sich kein Washingtoner Korrespondent mehr rühmen. Devew auch nur ein Dutzend Worte entlockt zu hghen. Nach den jüngsten Naörl.tten ,ft Depew übrigens ein schwer kranker Mann, und es gilt als sicher, daß er sehr bald abdanken wird. - . . , Geo. A.emmetter. 224 Nord Plne Str. Dunkles und Helles Eapl.
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Miezchen. v,J ZZoocllctte von ?. v. Kapss-Essenther. . Miezchen ist ein kleines, etwa vier jähligeö Mädchen, recht niedlich, aber ein wenig schmutzig. Sie heißt Marie, wird auch von ihrer Mutler sogenannt, aber ihre Gönnerin nannte jie Miez chen. Die Mutter des kleinen Mädchens ist Wäscherin; sie arbeitet außer dem Hause und muß das Kind der Aufsicht einer gefälligen Nachbarin überlassen. Frau Neinicke ist ja nun eine herzensgute Frau, aber sie muZ; ihr bischen Wirthschaft versehen, muü Mittags ihrem Manne, der Omnibuskutscher ist, das (5s fen zum Standplatze tragen, und Nachmittags ist sie auch einige Stunden nicht daheim, weil sie bei einem alten Fräulein aufwartet." So ist denn Mariechen, wie so viele kleine Wesen ihrer Alt und ihres Alters, dem Schutze des bekannten Engels der Kinder unterstellt. Einmal stand Mariechen aus der Straße und weinte ganz bitterlich. Die dicken Thränen kollerten ihr über das troy allen Elends rundliche, frische Gesichtchen, das übrigens in diesem Augenblick einigermaßen verunstaltet war, denn Miezchen hatte sich eine furchtbare Beule geschlagen. Nun heulte die Kleine allein und unbeachtet, während bei glücklicheren Kindern in solchem Falle das ganze Haus zusammenläuft. Da kam das Fräulein aus der Villa drüben vorbei ; sie sah und hörte den Jammer, frug nach der Ursache die Nachbarin kam hinzu und erzählte genug, das Fräulein wurde von Mitleid ergriffen für daS Kind, daS so zu sagen gottverlassen auf der trae aufwuchs. ' Die Szene spielte in einem jener Berliner Villenvororte, die in den letzten Jahren aus ehemaligen Dörfern entstanden sind. Dicht neben hübschen, eleganten Bauten mit blumcngeschmückten Vorgärten steht noch hier und da das baufällige, verschämte Häuschen eines Tagelöhners oder Halbbaucrn, der sich zum Verkauf noch nicht hat entschllezzen wollen. Drüben in der Villa wohnt ein Geheimralh; in dem schmutzigen Häuschen und auch da in einem Hinterjtubchen die Wäscherin. Marie oder Miezchen war icht taglicher Gast im Hause des Geheimraths. Fräulein Melanie nahm sich der Kleinen an, nahte lyr Ziieiomen aus ihren abgelegten Toiletten, spielte mit ihr oder ließ sie im Garten spielen. Mir,; chen war ein stilles, verschüchtertetKind, nicht durch die Strafe verwlldert. wie seinesgleichen. Im Hause des GeheimrathS herrschte keineswegs der uxuS oder auch nur Wohlstand, der sich' sonst an den Begriff Villa" knüpft. Es war eines jener EiNfamillen-Häuser, die jetzt in der Nähe der Großstadt aus dem Aodcn wachsen, gut gepflegt, mit Zierlichen Teppichbeeten' und'- einem Dutzend Nosenstöcken im- Vorgarten. Größcrc Ausschreitungen gestattete daS Budget schon um.' der, vielen Kinder willen nicht. Melanie war die Äelteste mn wußte nicht, wie"alt. sie war; dann folgten mehrere ;SLhne, von denen der eine Offizier war, zwei andere juidir ten und ein dritter eben vor lern Abiturium stand. Endlich Emmi, die Jüngste, ein echter und rechter Ä2ckfisch, fast sechzehn Jahre alt, sehr bestrebt, roß und erwachsen zu erscheinen, und hübfch, ganz besonders hübsch. Was Melam betrifft, so war sie eine Schönheit gewesen, aber man merkte c,ö ihr doch noch deutlich an. Auf den ersten Blick erschien sie noch heute blcu dcnd; bei näherer Betrachtung sah man deutlich, daß diese Rose im Telblühen war. Wo ist Tante Lame?' rief Miez. chen, das soeben ankam. Emmi öffnete die Thür zu dem gemeinsamen Zimmtt der Schwestern. Na, da hast Du Deine Mieze sagte sie, ober weißt Du, an Deiner Stelle möchte ich mich nicht so alt machen und die Tante lanie!" spielen, Me Damit schob der vorlaute Backfisch daö Kind zur Thür hinein. Melanie stand eine Weile ganz betäubt, während das kleine Mädchen schüchtern ihr. Händ chen hinreichte. Unbesonnen und lebhaft, wie Emmi war, hatte sie die Worte hingeworfen. Aber sie hatten getroffen. Alternde Mädchen, die bereits resia nirt haben, nehmen sremde Kinder an. ES ist das Zeichen endgiltigen zichtens. Und es traf sie wie ein Blitz in die scm Augenbila! MN sie yalle an ihn gedacht, an Emil. Man hatte ihr erzählt, dasz er, nach zchnjalulger Ab Wesenheit von der H?imath, zurück gekehlt sei. Emil war ihre eri:e uno einzige Liebe gewesen. Er hatte Philologie studirt, fand aber lange keine Anstel lung und konnte an die Begründung eines HauöitandeS nicht denken. End lich bot sich ihm ein bescheidener Posten an einer höheren deutschen Lehranstalt im Auslande, uud man nahm herz bewegenden Abschied. MelanieS stren ger Vater hatte ihnen auferlegt, daß ie zunächst jeden Verkehr einstellten; der Geheimrath konnte Nicht daran denken, seine Tochter einem kleiner Lehrer in Rumänien zur Frau zu geben. Vor llcm also sollte Erna etwas er reichen, etwas werden, und bis dahin schien dem alten Herrn, eine Art Prii fung für die jungen Leute unerläßlich. In der That hatten sie einander nicht geschrieben. Zwar, Melanie hatt? wohl heimlich gewartet aus tin Lebens
zeicycn; aber eS kam keines.- So ver- . ? er J- ST " . . 4.
eqnc iie ia) in umemram uno war riih gealtert. Nun rezx er zurück. Ob er sie beuchen würde? Tag und Nacht erw?g ie diese Möglichkeit alles Vergäll gene lebte in ihr aus. Er hatte eine zener Helgen, ronian ischen JünglingSleidenschasten für sie empfunden, die so berauschend sind für das Weib. Seine glüyeuden Herzensergiisse, seine schwärmerischen Verse bewahrte s:e wie einen koitdaren Schatz. Wie oft und in allen Fvlmen, mit dem hinreißendsten Ausdruck der Wahrhaftlgkelt iiatte er ihr betheuert, dan er ohne sie nicht leben könne! Und dann HZlte et doch gelebt ohne ie. Wenn er nun wiederkäme, würde sie ihn jetzt noch bezaubern, wie damals? Mit unsäglicher Bitterkeit, mit vernichtcndem Hcrzwch sagte sie sich, daß ie im verblühen se,. Dahin un widerbringlich dahin die goldene Jugend! Täglich saij sie es an der auzblübenden Emmi, wie sehr sie selbst verlor. Zu spät, ZU spat für das Glück! Eben itiirmte Emmi wieder herein und brachte einen Brief. Von wem?" frug die Kleine neugierig. Melanie zitterte. Sie erkannte die Handschrift, die sie so oft mit ihren Thränen begossen, so oft inbrünstig ge küßt hatte. Er schrieb: Darf ich kommen? Darf ich Sie wiedersehen? Ihre verehrten Eltern werden es mir wohl gestatten. Ich wünsche sehnlichst, mich davon zu überzeugen, wie es Ihnen ergangen ist. Fräulein Melanie. Emmichen wird wohl auch recht groß geworden sein" Wer ist das, der Dir so schreibt?quälte Emmi. Wohl gar ein Verchrer von D:r, Lanie?" Und im nächsten Augenblick schrie das grausame Kind das Geheimniß durch's ganze Haus. Melanie schwankte zwischen Furcht und Hoffnung, zwischen süßem Schreck und angstvollem Entzücken. Wie kühl und schlicht diese nüchternen Worte gegen die Sprache von einst ! Vielleicht ein bloßer FreundschaftS oder Höflich keltöbesuch. Dennoch aber, er wollte sie g??ne sehen er wußte ja auch gar nicht, ob sie noch frei wäre. Vielleicht wäre es besser gewesen, zu verzichten, das leuchtende Jugendbilo, das er von ihr im Gedächtnis trug. Nicht zu verdunkeln. Aber das vermochte sie nicht; sehen, sprechen wenigstens wollte sie ihn. Und sie lud ihn mit Zustimmung der Eltern ein, worauf er seinen Besuch für einige Tage später ansagte. Wie wenig eilig er es doch hatte ! Sie dagegen verbrachte unruhige Stunden blö dahin iie hätte nun nicht mehr so lange gewartet. .Im Hause erwachten verfrühte Hoss nungen, fielen allerlei vielsagende An deutungen. Und wenn er sie nun zu alt fand? Wenn er sich kühl verhielt? Es wäre der Tod für sie! freilich, auch bisher halte sich wenig Hoffnung für sie gezeigt. Aber was in ihr noch unerfüllt, unauSgelebt war, das hielt sie ausrecht. Nun endlich sollte die Ent scheidung fallen! Sie wollte Alles versuchen, wollte sich schön machen, zung erscheinen, Iie oenswurolg sein, (sie wählte eine Toilette, die zu ihrem brünetten Teint paßte Hellrosa, wie ihre Schwester. Freilich war das ein Wagniß, aber sie wollte wagen. Heimlich sludirte sie jedes Löckchen an. der Stirn. Aber ach der Teint war welk, das vermochte sie nicht zu übersehen. Und ganz ver stöhlen besorgte sie sich etwas seines Rouge, und einen Krayon, um die Augen zu heben, auch ein wenig Puder. Dergleichen war in dem vor nehm-philiströfen Hause verpönt, und sie selbst erschien sich dadurch verächt lich aber sie wollte es versuchen. Eines Abends legte sie ganz vor sichtig etwas von ihren Verjüngung? Mitteln an man bemerkte es nicht, weil Niemand daran dachte. Und, nun sah sie wirklich viel besser aus. Sie freute sich über den Einfall. Dieser schwache, rothe Hauch war in der That unsichtbar' und kleidete sie ganz vorfüglich. Nun stand ihr auch das rosa Kleid zu Gesicht. Ueberdies Emil wußte ja ihr Alter; er mußte sich nur sagen: Wie jung ist sie geblieben! Miezchen war in diesen Tagen recht vernachlässigt worden. Aber das Kind merkte es Anfangs nicht Kinder sind ja noch nicht so sehr' empfindlich. Nur wenn sie wieder und immer wieder nach Hause geschickt wurde, kamen einige Thränchen. Kümmern Sie sich'um daö Kind,sagt: Melanie zu der Wäscherin ich habe in diesen Tagen so wenig Zeit!" Ach, Fräulein," antwortete die arme Frau, ich habe gerade alle diese Tage besetzt und bin sehr froh da-s.ber! Aber Frau Reinicke wird schon nach dem Mädchen sehen! Fräulein hal.-en sich ja schon so viel bemüht sich mit dem Kinde geplagt. Man dars nicht zn viel verlangen!Ach, MelanieS Herz hatte sich von dem Kinde - abgewendet. Gewiß Emmi hatte vollkommen Recht: Das Adoptivkind machte- sie alt! Sie wollte auch einmal der Neinicke etwas zukommen lassen, damit sie auf Miezchen achtete. Da stand die Kleine betrübt mitten i . - .. i nr i auf der strafe, wayreno eianle m kurzem Gruße ging. Tante- Lanie war gar nicht mehr so gut wie früher aber aar nickt ! Das Kind fühlte unbej vußt, wie ander eS geworden.
Nur. war der große Tag 7.ekommen
Alles im Hause schien heute einwenia verstimmt. Melanie halte zu weinen begouncn, weil man sie neckte Emmi wurde gescholten, weil sie ihren vorlauten Mund nicht hallen konnte. Doktor Emil Kundmann kam gegen Abend, war ein vollendeter Welt mann geworden; sicher und unbefangen, selbstbewuszt und heiter trat er aus. Schon der erste Augenblick war vernichtend für Melanie. CmilS Augen blieben eine ganze. Welle bewundernd an Emmi hängen, die reizend aussah. Ach die kleine Emmi!" rief er mit unverhohlener Freude. .Nein wie Sie schön geworden sind, mein Fräulein so muß ich jetzt sagen,' wenn ich auch gestehe, daß mir'ö schwer wird!" Melanie schüttelte er herzlich die Hand, fand sie brillant aussehend, erkundigte sich sehr lheilnchmend nach ihrem Ergehen, aber kein Blick, keine Anspielung verrieth: Ich gedenke!" Aielanie war wie vernichtet. Nein neben der frischen, anmuthig beweglichen und heute so ganz besonders hübschen Emmi konnte sie ihm nicht gefallen! Und sie gefiel ihm auch nichtdeutlich bemerkte sie es Sein Herz sprach nicht mehr für sie. Sie war auch nicht liebenswürdig, vermochte keinen natürlichen, ungezwungenen Ton zu finden. Er war ja auch so ganz anders geworden, hatte das exzentrische Wesen abgelegt, war ein Äiann geworden, während vor ihrem geistigen Auge noch immer der schwärmerische Jüngling stand. Er erzählte von seinen Erlebnisfen. Wie cr da unten" sich Anfangs so zu sagen unter Wilden befunden, und wie eigentlich erst aus feinen Schülern ein Umgang für ihn sich herausgebildet habe. Nun sei nach und nach der Kreis größer geworden, über er dürfe wohl sagen, daß er sich diesen, ein anderer Robinson, mit eigenen Händen geschaffen habe. Seine ganze Art imponirte den Eltern; sie hörten ihm mit unverkennbarer Antheilnahme zu. Mdarne aber hatte die Empfindung, als sei alles Vergangene nur ein Traum gewesen. Hatte dieser Mann ihr zu Funen gelegen, geweint, gefleht stcr den wollen um ihretwillen? Wie ein vergifteter Pfeil drang es ihr in'ö Herz. Sie hatte einem Traumbild nachgehangen er hatte die Jugend liebe vergessen! Und weil sie nur ihn liebte, nur an ihn dachte und glaubte, hatte sie sich Anderes verscherzt in der langen Reit. Wie hätte sie anders können! Ach er erschien ihr noch immer liebcnswerth! Aber es lagen Abgründe zwischen ihnen Welten! Er war ihr unerreich bar. , Die Tafel war aufgehoben worden, und während die Eltern ein wenig ruhen wollten, promernrten der Gasi und die Schwestern im Garten. Die Sonne ging zur Neige; Emmi blieb absichtslos, am Gitter stehen und sah einem Pferde zu, welches dort vor der Dampsbahn scheute. Und nun waren sie zum ersten Male allein. - Mit einem gewissen Ernst erhob er den Blick zu ihr und sagte schlicht: Ich war überrascht, Si5 noch unver mahlt , zu finden, Fräulein Melanie!'' Noch iMAier Su" und Fraulem! Iwd wie hatte e? Emmi vorhin nachgeblickt, als sie zu dem Zaune sprang! Ja, Melanie mußte sich sagen: Ei liebt mich nicht mehr ihm gefällt daß dumme, kleine Ding! Ein bösex Geist kam über sie. Es fehlte mir nicht an Bewerbern sagte sie mit absichtlicher Nachlässig leit, aber .ich bin zu sehr verwöhnt mache auch vielleicht zu hohe Ansprüche, bin wohl zu sehr sestgewachsen in dem Gesellschaftskreis, in dem ich erzogen bin.Satte sie jetzt nicht so geflissentlich an ihm vorbeigesehen, sie hätte bemer ken müssen, wie sein Blick sich unter ihren Worten verdüsterte. Aber sie hörte nur, wie er, gleichsam um das Gespräch nicht stocken zu lassen, fragte: .Sie würden also Berlin nicht gern verlassen?Nein, gewiß nicht,- lachte sie, höchstens, um in Paris zu leben !- Ihr eigenes Lachen klang ihr fremd, unheimlich: ihr war gar -nicht zum Lachen! Sie wollte ihn nur nicht merken lassen, wie elend ihr zu Muthe war. .Ganz Recht haben sie, Fräulein Melanie,- antwortete er jetzt mit U sem Nachdruck. Für Großstädterinnen, zudem wenn, sie verwöhnte Schönheiten und Sie sind noch immer schön! ist es ein großes Opfer, dem Gatten etwa in eine weltfremde Ferne zu folgen) in ein Land, wo es keine oder doch nur lächerliche Bälle, kein Theater, keine Konzerte und vor Allem nicht einmal eine Gesellschaft' gibt. Nur eine große Liebe wäre dessen sähig !- .Gibt es noch eine solche?- lächelte sie mit blassen Lippen. Ich glaube selbst nein!" sagte er kalt. Sie hätte aufschreien mögen. Es war Alles zu Ende. Da ertönte lautes Schmerzen?geschrei eines Kindes von der Straße her. Melanie zuckte zusammen sie kannte diese Stimme eS war Miezchen. Und diese hilseslehende Stimme des armen Kindes erschien ihr wie eine Offenbarung des Himmels. Mein Miezchen rief sie, waS ist MitDir!" Und sie . stürzte hinaus, durch die Gartenpforte, auf die Straße. Da hockte das kleine Jigürchenmttten im Staube in der wohlbekann
ten, von Melaniens Hand genähten blauen Schürze. Sie weinte schmerz lich; aus einer tiefen Stirnwunde rann Blut. Das Kind war schwer gefallen uud. hatte sich an den spiyigen
Sternen des noch immer dörflichen Pflasters verletzt. Niemand kümmerte sich darum. Nur ein vorübergehender Arbeiter blieb eine Weile stehen und frug die Kleine, .wohin sie gehöre; aber Miezchen konnte vor Schluchzen nicht antworten, und so ging er seines Weges. Dann kam ein großer Hund und schnupperte das Kind schrie nur noch mehr er lies davon. Melanie nahm das Kind aus den Arm; sie fah gar nicht, wie aus dem lichten Grunde ihres blarosa Kleides dunkelrothe Nöslein aufblühten Blutstropfen, die herniedelträufelten. Es thut so weh, und die Jkeinicke ist nicht zu Hause," schluchzte Miezchen es thut so sehr weh, Tante Vanie!" Melanie halte sich rasch überzeugt, daß die Wunde nicht gefährlich: Ader wie leicht hätte es gefährlich werden können solch' kleines Wesen ganz ohne Aufsicht'! Und sie war schuld daran. Wie konnte sie es auch so plöylich von sich stoßen, buchstäblich hinaus auf die Straße! Nur aus thörichter Eitelkeit war es geschehen, uno der Himmel hatte sie-schwer dafür bestraft. Denn die Zukunft bot ihr ja keine andere Hoffnung mehr, keine andere Aussicht, als die Liebe und Dankbarseit dieses armen KindeS. Aber sie wollte das arme Würmchen auch dafür entschädigen, da sie sich seiner geschämt hatte. 'Von nun ab sollte eS nur gute Tage bei ihr haben! Mit leidenschaftlicher Inbrunst drückte sie daS Kind an sich, welches von Blut, Staub und Thränen ganz' entstellt war und in diesem Augenblick nichts weniger als niedlich- aussah. Sie überschüttete es mit Liebesworten und zärtlichen Tröstungen; sie, selbst merkte es kaum, wie die Thränen unaufhörlich über ihre Wangen rannen. Zu viel hatte sie in den letzten Tagen und Stunden gelitten das gepreßte Herz mußte sich Luft machen. Nun aber kam sie plötzlich zum Bewußtsein der vollen Gegenwart. Sie hatte sich mit ihrem Taschentuch die Augen getrocknet, und als sie das Tuch, herabnahm, war es röthlich angefärbt. Tas künstlich aufgetragene Noth und. der ?uder sie hatte Beides gänzlich ' weggewischt. Nun hatte sie sich auch noch lächerlich gemacht vor ihm, vor Emil. Da stand sie ihm gegenüber, als alternde Kokette, die sich die welken Wangen schminkt! Er sah so aufmerksam zu er mußte Alles bemerken. Aber sei es drum. Sie wollte es tragen, wie eine verdiente Buße. Sie brachte daö Kind in's Haus, sich flüchtig bei dem Gaste entschuldigend. Sie wusch die Kleine, verband ihr die Wunde und legte sie auf das Sopha zu einem kleinen Schlummer. Und nun wusch sie sich selbst das Geficht; die letzte Spur der lügnerischen Schminke mußte fort. Freilich, jetzt mit ihren verweinten Augen, sah man ihr reichlich ihre dreißig Jahre an. Aber gleich viel ; sie war ja so alt zu alt für ihn, der sie einst geliebt. Mit voller Kraft, vollem Muthe wollte sie ihr Schicksal tragen. Im Salon traf sie Emil und die Eltern, welche durch' den Zwifchenfall unangenehm berührt schienen. In ruhigen und schlichten Worten entschuldigte sich Melanie bei dem Gaste und erzählte kurz, wie Alles gekommen. Wie sie das Kind an sich ge zogen und nur heute entfernt hatte, weil sie fürchtete, es würde stören.' Und nun mache sie sich die schwersten Vorwürfe, weil sie es vernachlässigt. Und wo ist jetzt die Kleine?" fragte Emu anthellvoll. Ich denke, daß sie jetzt eingeschlafen sein wird,- versetzte Melanie. So können wir wohl, wenn Mama erlaubt, unseren Spaziergang von vorhin fortsetzen?- schlug der Gast vor. O gern,- entgegnete Melanie unbefangen; entschuldigen Sie nur, daß ich ein wenig angegriffen und zerstreut bin.Wieder schritten sie durch die noch etwas spärliche Hauptallee des Garlens. Eine ganze Weile schwiegen sie. Und jetzt sah er sie plötzlich an, groß und voll mit dem zärtlich aufflammenden Blick von einst. Und in einem Tone, den sie heute noch nicht von ihm gehört, sprach er: ES sind nur wenige Worte, die ich Ihnen zu sagen habe, Melanie, aber sie enthalten mein Schicksal. Errathen' Sie, was ich meine?Sie schüttelte abgewendet den Kopf. Leidenschaftlich ausbrechend, rief er: Ich liebe Sie noch immer, habe nicht aufgehört, Sie zu lieben! AllerdingS hatte ich befürchtet, Sie seien ganz und gar Dame und könnten nicht so lieben, wie ich es meine! Vorhin aber habe ich mich überzeugt, daß Sie ein Weib sind, fähig des tiefsten und edelsten Empfindens. - .Tante Lanie! Tante Lanie!- rief ein kleines hohes Stimmchen. Und Miezchen drängte sich zwischen die Beiden mit der vollen Sicherheit eines geliebten Kindes. Willst Du mich zu Deinem Onkel, Miezchen?-fragte Emil. .Ja, wenn ich die Tante auch behalten darf!" antwortete die Kleine. Zu Dreien betraten sie den Salon. Auf Emmis vorlauten Lippen erstarb eine alberne Bemerkung, so leuchtend strahlte das Glück von den Mienen der Kommende. .
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