Indiana Tribüne, Volume 29, Number 179, Indianapolis, Marion County, 23 March 1906 — Page 7

Jndkana Tribüne, 2S. März 1006

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Durch Lcid zur Lirbc 1 o m a t von Ida PcisKer (Fortsetzung.) Aber ich habe doch eigentlich nicht gescholten und schelte nicht mehr. Lisa. Laß gut sein, gehe in Dein Zimmer. Agnes verträgt das nicht bei ihrem Kopfweh." Elisabeth ließ die eine Hand von den Augen und preßte sich ihr Taschentuch an die Lippen. So tastete sie sich hinaus. Araei Wurm!" klang es hinter ihr drein. Frau Agnes war weniger zu Mitgefühl geneigt. Sie braucht sich so etwas nur nicht einzubilden es ist doch stark! Wie kann sich ihr unbescheidenes Verlangen bis zu diesem Manne erheben es ist unerhört! ...Ich bin so aufgeregt wenn ich nur wissen könnte, was er ihr gesagt oder gethan hat." 10. K a p i t e l. er nächste Tag bot den beiden der Anregung bedürftigen Frauen Gesprächsstoff genug. Da war vorerst Elisabeth, die sich zum Schutz gegen jedes Ausforschen. jede Anspielung in eine, unerschitterliche, stumme Ergebung verbissen zu haben schien. Tann Frau Lenz. Als sie, wie stets nach Erledigung ihrer Pflichten oben, das Eßgeschirr vom vorigen Abend unten ablieferte, geschah es unier Kopfschütteln und Selbstgesprächen über, die Wunderlichkeit ihres Herrn. Frau Agnes, die selten verfehlte, zu dieser Zeit in der Küche anwesend zu sein, war antheilnehmend und liebenswürdig genug, die Treuherzige äugenblicklich zu einer erleichternden Mittheilung zu veranlassen. Dem Prinzeßchen Ophelia galt die redlich bedauernde Einleitung. Das sonst 'so gesunde, fröhliche und gutgehaltene Kind sei heute fiebernd und fast krank vor einsamem, ungetröstetem Weinen gewesen. Sie habe erzählt, der Papa sei ihr beinahe die ganze Nacht fern geblieben, in jener verschlossenen Stube, in der er sich immer so gräme. Sie ängstige sich so, daß er wieder ganz und gar traurig würde, wie früher. Frau Klein, die von ungefähr mit Ulrich herbei kam, äußerte, es wäre ebenso unheimlich, wie polizeiwidrig, daß ihr Miether einen seiner Räume zu Zwecken benützö'. von denen niemand wisse und wissen solle. Eigentlich brauche sie solches nicht zu dulden. Sie wäre damals schon stutzig gewesen, als er sich bei der Renovirung für das eine Zimmer solch trauermäßige Tapeten bestellt habe, und daß -dies gerade jenes sei, das in der Mitte über den drei unbenützfen Räumen liege, die Agnes' seliger Mann innegehabt habe. Ja. es sei jene Stube, bestätigte Frau Lenz. Dieselbe sei es, die von außen so arg von der Linde beschattet würde, so daß man vom Hof aus nur mit Mühe gewahr würde, ob das Fensier geöffnet sei oder nicht. Und das erstere sie gucke rasch einmal nach wäre öfters der Fall. Hierbei unterbrach Ulrich sie mit einem Luftsprung und einem unmotivirtcn Jauchzer. Junge Kind was ist Dir denn?" verwies ihn die Großmutter. Er sah ein Weilchen aus wie ein bei einem heimlichen Vorhaben Halbertappter; dann behauptete er unbesängen. er grauele sich so gern." Indem kam auch Elisabeth herbei, und das konferirende Trio löste sich auf. Schlag eins verließ Arno Voß. pünktlich wie immer, mit seinem Töchterchen das Haus, und Frau Agneshuschte mit gleicher Präzision hinter die Gardine einer Vorderstube, um ihm nachzusehen. Am Spätnachmittag sah sie" Vater und Kind abermals in's Freie treten, wahrscheinlich des prächtig?:: Wetters wegen, zu einem ausgedehnteren Spaziergang. Wenn er doch nicht immer so unverzeihlich allein in den Tag hinein liefe." dachte sie mißmuthig. Daß er sich gestern von Elisabeth begleiten' ließ, war doch nur eine plötzliche Kaprize oder wollte er damit vielleicht endlich andeuten, daß er jetzt von unserer Seite aus Annäherung wünscht?... Es könnte auch sein." Und wieder erregte sie sich bis in einen sehnsüchtigen Unfrieden hinein. -Ich gehe aus," versuchte sie sich da vor sich zu schützen; tx ist ja auch aus." JEie Mutter, die sich, einiger umsiandlicher Einkäufe entsann, ging bereitwillig mit; doch Ulrich hatte allerlei Einwände, der Betheiligung an dem Ausgang zu entweichen. Er wolle für die' Schule arbeiten, im Robinson lesen und turnen im Hofe, ja, .das wolle er vor allem. ,v Mit braver Miene' gab er Mutter und Großmutter Geleit bis vor das Haus. Ms. er sie außer Sicht wußte, schoß er wie ein losgelassener Kreisel durch die Flur zurück. Unter der Hinterthür blieb er ein LJeilchen stehen pfeifend und hüpfend, und sah nach der imposanten Linde hin. Ein paarmal wiegte sich sein

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kecket Kopf auf die Seite. Schwer,

schwer aber es wird gehen." O, er hatte eme Heldenthat vor!... Sein nächstes Ziel war der unverschlössen? Holzstall. Eilfertig, unter Stöhnen und Prusten, kramte er sich dort eine kleine Leiter zwischen allerHand Gerümpel hervor. Als er sie durch den Hof trug, war er vorsichtig genug, sich dicht an den Fenstern vorbei zu scklelchen, da als da von innen nur sein Kopf zu sehen war. Die Leiter reichte genau bis zu dem ersten starken Ast der Lindenkrone. Mit Wühlen und Stemmen wurde sie in dem Erdreich festgerammt. Nun begann er seine Entdeckungsreise. Als er oben anlangte, flatterte unter ihm ein Regen von Blättern zur Erde; das machte ihn für ein paar Minuten still horchend auf seinem Platz aushalten. Doch da sich im Hause nichts regte, raschelte er sich durch das welkende Laub vollends bis zu dem nächsten, höheren Ast hinan, dessen etwas mißgestaltete Krümmung sich kaum zwei Fuß unter dem Fenstersims der geheimnißvollen Stube hinzog. Ulrich schwang sich rittlings auf den rauhen Sitz und schob sich in kleinen Rucken gegen die Hausmauer vor, dabei immer die ruß- und regenbeschlagenen Scheiben im Auge behaltend, hinter denen ihn der dunkle Vorhang wie eine Warnung andrauete. Ah. ah! Wenn ein einziges Mal hier geöffnet sein möchte, wenn niemand sonst zugegen war! Wie prachtig bequem da ein Einblick, ja ein Einstieg Ware. Er riß einen schwanken Zweig an sich und schwippte mit ihm an das leise erzitternde Glas, einmal, zweimal und immer wieder. Endlich führte er sogar einen wuchtigen Hieb nach dem Rahmen. um in demselben Moment auch schon die Gerte fahren zu lassen und sich feia und erschrocken an die nächsten besten Laubbüschel anzuklammern der eine Fensterflügel war knirschend ein Stuck zurückgewichen. Ulrichs erster Vorsatz, nachdem er die Lähmung der Ueberraschung überwunden hatte, war durchaus nicht der Ruckzuq. Bewahre! Es war ja nun. wie cr es sich gewünscht hatte. Und das Ausbleiben jeden Lautes, jeden Geräusches von da drinnen, bestätigte ihm außerdem, daß dort Nichts vor .Handen war, das ihn noch einmal zu erschrecken vermöchte. Vor gemalten Fratzen oder dergleichen würde er nicht Reißaus nehmen. Und da war er auch schon dabei, rasch und keck zugreifend, sich vollends den Weg frei zu machen. Er stieß das nur angelehnt gewesene Fenstertheil zuruck; es riß die eine Gardine des Zugrouleau mit, den verlockenden Einstieg zur Hälfte bloßlegend. Ulrich hielt den Athem an und lugte hinein, den Oberkörper immer weiter vorbeuqcnd, bis sein Kinn fast den Jnnenstms berührte . . . Puh, hier drinnen war es dunkel!... Und der viele schwarze Flor!... Aber sonst gar nichts zum Gruseln. Bilder Bücher Kränze das ist doch nichts Besonderes!... Und einen solchen Spiegel, in dem man sich bequem vom Kopf bis zu den Füßen sieht, den hatte ja Mama auch . . . Aber dort der breite, große Schrank! Aus dem Spalt seiner klaffenden Thür quoll etwas Goldiges. Glänzendes. Es konnte vor der Dämmerung nur nicht so recht aufgleißen. Ulrich äugte und musterte noch eine Zeit lang. dann überklomm er dreist die Mauerbrüstung und ließ sich sacht in das kleine, geheimnißvolle Reich hineingleiten. Sein erster halbverstohlener Blick galt dem wandhohen Spicgelglase; aber das war harmlos wie jedes andere und warf ihm nur sein eigenes, halb scheues, halb triumphirendes Gesicht entgegen. Ermuthigt nickte er sich zu. vergrub die Hände in den Taschen, um sich erstlich noch vor raschem Anfassen zu sichern, und wppte mit behutsamen Bewegungen von Möbel zu Möbel, von Bild zu Bild. 'Auch vor dem ihm interessantesten. Gegenstand, dem vielbergenden Schrank, hielt er seine vorwitzigen Finger noch im Zaum; doch wagte er, mit dem einen Knie der aufdrängenden Thür sacht zu Hilfe zu kommen. . Run sah er schon, daß das herausschauende, mattglitzernde Etwas die prunkende Bordüre eines faltenreichen Gewandes war herrjeh. eines solchen, wie sie auf einigen seiner Bücherbilder von längst verstorbenen Fürsten getragen wurden. Da griff er auch schon mit Lust zu. Himmel! Hier gab es seltsame Anzüge! Kostbare und unscheinbare. Aber fast alle wie aus anderer Zeit und anderen Landen. Manche lächerlich, wirklich lächerlich, wie für einen Hanswurst... Nein, was sie nur sollten und wozu sie der Sonderbare nur so verbarg? Und plötzlich lachte Ulrich, lachte laut, respektlos und höhnisch in die Stille hinein er hatte daö Geheimniß erfaßt. Der Mann war einfach etwas ähnliches wie ein früherer Schaubudenbesitzer oder Gaukler. Ja. nichts anderes! Solche, die von Jahrmarkt zu Jahrmarkt reisen und' in merkwürdigen, bunten Kleidern mancherlei Vorstellungen geben. Dabei war er ich geworden, und jetzt schämte er sich, weiter zu thun, oder war zu bequem dazu. Aber seinen Staat hatte er behalten und that ihn wahrscheinlich heimlich immer wieder n.al an. weil er ihm stand.- . r

Heidi! Er, Ulrich würde auch gleich einmal sehen, wie er darin aussah. Immer noch leise kichernd, ging er an's Werk. Mit seiner ganzen sorglosen, nie bestraften Dreistigkeit zerrte er sich Stück für Stück der ihm am hübschesten dünkenden Sachen von den Pflöcken und warf sie auf den Sessel neben dem Spiegel. Auch war er genial genug, vor Beginn der Anprobe die Kerzen der vielarmigen Leuchter zu entzünden, wie es Herr Voß gewiß immer zu thun pflegte, denn ein elegantes Etui mit Feuerzeug lag. äugenblicklich in's Auge fallend, auf dem nebenstehenden Tischchen zur Hand. Unter Gesten, allerhand Posen, halblautem Schwatzen und Sichselbstbewundern vertiefte sich der Knabe nun in seine kecke Kurzweil, bis ihn ein plötzliches, leises Unbehaglichkeitsempfinden daran erinnerte, daß es wohl nun an der Zeit sei, wieder zu verschwinden. Halb unschlüssig drehte er sich von seiner Widerspiegelung hinweg zur Seite. Und da lauschte er auf einmal und blieb so ohne Bewegung stehen... es war ihm, als schleiche sich ein leises Ce-

rausch an sein Ohr, aus irgend einem Winkel kommend, vielleicht auch näher seine jäh erweckte Furchtanwandlung ließ ihn nichts Genaues unterIcheioen wie ein Rieseln, Zischen oder Knistern drang es ihm unheimlich nahe. Da schrie er auf. beinahe gellend. eine glühende Faust griff ihm ja nach dem Nacken. Aber blitzschnell erkannte er auch, was es war der sei dene Stoff brannte, mit dem er sich behängen hatte. Unter wildklopfenden Herzschlägen riß er sich die Maskerade von den Schultern und warf sie hin. Er trat mit den Füßen in die Flämmchen und Funken ... es war. als fache sie das munterer, vervielfältigter an... er schlug mit den herumliegenden Kleidungsstücken auf das unverzagende, wie mit höhnischem Leben beseelte Unheil ein. warf alle Stoffe, deren er in der Eile habhaft wuden konnte, darauf, schließlich in alücklichem Instinkt, auch sich selbst da schien es erstickt. Unter erleichterten Schluchzlauten liberstandenen Schreckens raffte er nun alles empor, schleifte es zum Schrank, drückte das Versehrteste zusammengeballt in eine der dunklen Ecken, hob das Uebrige an seine Pflöcke mit dem Ungeschick und der Hast einer immer noch erheblichen Angst, schlug die Thüren zurück und floh. O der abscheuliche Rauch- und Senggeruch, der ihm nachstrebte! Nahezu hätte er vergessen, die Lichter zu löjcken und den Fensterflügel halb zu schließen. Und nun hinab, so rasch es ging, und die verrätherische Leiter geborgen! Ein. wenig erholungsbedürftig schlenderte er zu dem Wässerchen hinüber, räkelte sich auf den trockenen Kies hin und sah zufrieden in die sammetblaue Endlosigkeit über sich. Die Sonnenkuael stand schon tief: dicht über die Erde hin zog ein kühles, anfrösselndes Wehen. Er warf sich herum und blinzelte nach der Linde hin. Sie hob sich Mit dem 'immer noch dichtem Schmuck ihrer Belaubung nicht so trutzlgllch wie sonst von der Hausmauer ab. da der Ansatz ihrer Krone zerzaust aussah. Es werden auch Aestchen unten liegen," sagte sich Ulrich. Wenn ich Lust haben werde, aufzustehen, sehe ich bin und schaffe sie fort." Lust dazu hatte er auch nach einer geraumen Weile nicht, aber den Antrieb verstärkten Willens, sich zu sichern. ayneno gav er ihm nach. Unter dem Baume sog seme bllbsche. gerade Nase einen aualmiaen Geruch ein. Jetzt riecht man es hier unten, da ist es oben damit alle." erwoa er und spähte in die Höhe. Da blieb sein Blick, sich erst im Erstaunen, nachher in Entsetzen erweiternd. oben hängen. Durch die Baumkröne zog es wie leichter Nebel, und . . . und... durch den unseligen Fensterspalt da droben was was... eine dünne Rauchbahn war es, die sich deutlich hervorzwangte. Es es brennt wieder!" stotterte der beängstigte Schuldiae und klammerte sich an den Stamm der Linde an. Elisabeth sah kaum von ibrer Arbeit auf, als Ulrich wie besessen die Tbür zur Küche aufriß und hereinstolperte. -Es brennt!" schrie er tobend. So geh doch! So hilf doch!" Wo denn?" Er zerrte sie vortvärts. Oben in der Stube, in die niemand soll in Herrn Voß seiner Stube! Man kann ja hinein ich yad's gethan. So hilf doch!" .Elisabeth fühlte, wie ein durch ihre Glieder rann. Sie fiten den Knaben von sich und war im Nu binaus und die Treppe hinauf. Minuten schienen ihr zu verrinnen, ehe ihre Fin ger den Drücker fanden, faßten und gebrauchten. Die dunkle Stube seine Stube'sagte sie sich unaufhörlich vor. lind wenn ich nicht hinein kann ?" Welcher der Raume es war. wußte sie. Siemußte durch das rosa Boudoir. wenn sie vom Entree aus nicht in das bedrohte Zimmer konnte. Was Boudoir war unverschlossen. O, wenn nur auch ' Schon erschreckten sich nun ibre

Sinne an dem bläulichen Dunst, der Vn ..'! Jf-.rir rr . r

aumugciaijcncr igarrenraucy uiuw oas einsame, marchenbunte Eelaß schwamm aber mit anderem Duft. V r i & oem null oer Zerstörung. Sie stieß einen fast wilden Ton der Erleichterung aus. als ihr bei dem Zuruckreißen der Portiere auch hier, an r.i. i -... . . . tcgic azeioewano vor oem unheil, der mattblinkende Ring eines Schlüssels entgegensah. Aus uno hinem! Ein beißender, sckier lmhurAdTms? licher Qualmwall setzte sich vor ihr unc: r: jl m , 1 7 ycimum in Bewegung. Da flackerte, durch den leisen. inU standenen Zug entfacht, die erste stamme aus oem sich öffnenden cyranl und erhellte der. Halbbetäub ten das verlorene , Gemack. Sie at wahrte Büsten, die Kranze, den Bücherschatz und das, was dem glimmenden Verderben schon so unrettbar anheim gegeben war... Seine heilig behüteten Andenken an Schaffen. Glück und Ruhm! Sein Bestes!" fchrie es in ihr auf. Wie sinnlos warf sie sich gegen den Schrank vor. mit der einen Hand instmktlv das Gesicht schützend, den anderen Arm aeaen die anwachsende flamme vorstreckend, ihr auf's Geradewohl zu entreißen, was ihr noch zu entreißen war. Wimmernd prallte sie da zurück vor der Gluth. die ihr im Nu den Aermel zu Zunder versengte, die Haut bis an den Oberarm röstete. Weiter! Nur weiter! In die Küche! Unter den brausend hervorschießenden Wasserstrahl- des weitgeöffneten Hahnes alles nur Erreich bare zum Aufsaugen des helfenden Nasses geschoben, und mit dem ersten zur Noth gefüllten Geräth hin. den mitleidslosen Zerstörer zu bekämpfen. zu besiegen. 0 hätte sie nur zehn Hände und die Schnelligkeit ihrer angstbeflügeltm Gedanken! Schwingen haben! Dem Feuer schienen welche zu wachsen. Es flatterte schon wie in scheu versuchendem Spiel neben dem Schrank an tzx Wand hinauf, huschte naschend auf den Tevpich und in überstürzter Hast die weiche Bahn entlang puh! Da vergällte ihm plötzlich ein flacher, breite: Waffersirom den prächtigen Anlauf. Zurück und seitwärts in die Höhe.' Auf Borden und Säulen boten sich noch genug leicht zu ergatternde Anhaltspunkte. H:idi. hinauf!... Und dort, die mäcktigere. herrliche Mutterflamme, von der man stammte, und die mit Flackern und Lodern weit ausgreifend eine Kraft gab, eine Kraft! und einen Ruß und Rauch!... Das armselige, hastende Menschenkind würde schon unverschämt! noch einmal die ekelhafte Nässe auf die flotten Kletterflügel. Schrr! Ganz matt macht das, ganz unlustig. Schaudernd, auf dünnen, versagenden Füßchen wurde nun bis zur nächsten florumwundencn Büste gehüpft, hier noch ein trotzig rasches Laben an dem seidenen Trauerfähnchen, dann nach einem vergeblichen Versuch, die nahe Tapete zu erreichen, das Ende. Und tappend, suchend, zuckend siarden dem kecken Vordringling alle Eefährten nach. Wie sich ihre zischende, knajternde Scndbotin wehrte gegen den unermüdlich auf sie einstürmenden Wassertod! Auch ihre Schwingen waren schon halb gelähmt, unwillig begann sie zu frieren. Da galt es mit den Zahnen, den nagelfestön, sich vorderhand desto unverdrossener in das halbverzehrte Holzwerk 'einzubeißen. Einmal mußten dem bin- und herstürzenden Lebewesen doch Muth und und Kraft versagen überhaupt mit den Armen! Und die Flamme hielt sich mit leisem, schadenfrohem Kichern unverzagend fest. O ja. Elisabeths Wunde, vom rechten Handgelenk bis über den Ellenbogen verlaufend, ließ bei jedem Griff, jedem Schwung des Armes etwas wie die Pein einer immer auss neue zerreißenden Sehne durch den gleichmäßigen. brnmenden Schmerz jagen. Doch darum wurden Griff und Schwung nicht matter. In der Anspannung und Aufregung des Kampfes mit ihrem Versehrer empfand daö Mädchen die Zusammengehörigkeit von Körper und Seele nicht durch die Nerden. Ihr physischer Zustand war ihr wie etwas von ihr Getrenntes, wenn auch Erkanntes. Und jetzt jauchzte sie sogar unterdrückt die Gefahr war vorbei. Der Sieg war der ihre! Erschöpft ließ sie sich an der Mand des Boudoirs niedcrglciten. damit ihre keuchende Brust den Athem wiederfand, der maßlos angestrengte Herzschlag Ruhe. Noch gönnte sie sich das Zurückweichen aus der qualmverdorbenen Luft nicht. Sie mußte das bezwungene Unheil hüten; wie leicht konnte es noch einmal in einem verborgenen Funken oder Flammchen aufleben. t Der Siea war der ibre . I . (Schluß, folgt.) ftür die Qamburaer Sternwarte, die demnächst nach Beraedork verleat wird, stiftete der bekannte Hamburger Großkaufmann Eduard -.. , . e r . ts r Kippen ein pyotograpyiiazes izernroor im Werthe von 50,000 Mark. 5ctfcenfoorf bei fiar bürg traten 43 So5ialdemokra:en au 5- der Landeskirche aus, weil zu Schusvorstehern gewählte Sozialde mokräten wiederholt nicht bestätigt wurden.

VssenerLchrklbtbrlcfdes Philipp Sauerampfer.

Copyright 1906 by th Oerm&ii Pren ir'Iite Co. No. 638 Mein lieber. Herr Redawonar! .Sobald ich mich Widder e wenig in bessere Juhmer gebracht gehabt hen un do is der ganze Dag driwwer hingegange , do hen ich gedenkt, o well, was soll ich mich do viel battere; zehn Dahler is ja die Welt nit, un das is doch ennihau alles, was ich verlöre oehabt hen. Mit den beruhigte Gefühl von en Mensche, wo mit alle Welt in Pies und Friede lewe duht, sin ich zu den Wedesweiler gange. Er is ia doch schließlich nit for zu blehme gewese. Ich hen dort die nämliche Kraut getroffe, 'un auch der Kohntrackter is dabei gewese. Phil," Hot der gesagt, ich fühle arig sarrie,. daß du das schöne Geld verlöre Host, awwer -ich sin doch nit for zu blehme. Well, nemm eins, mit mich". Sehn Se, wann ich en Mann so diesent un gebildet tahke höi, dann kann ich nit ressisie, un do hen ich denn auch en Drink an ihn genomme. Ich hen den Kohntrackter noch nie nit so libberell gesehn. Er Hot den ganze Obend das Haus getrietet, un ich hen gar keine Tschehns gehabt, auch emol ebbes zu spende. Do kann mer doch sehn, hen ich zu mich gesagt, daß er sarrie for mein Lahs ist. Mer hen von alle mögliche Sache getahkt, un die Red is auch auf Kleider komme. Einer von die Gang Hot gesagt, das feinste, was en Mann wehre könnt, un das einzige Ding, wo ihn en Totsch von Ecksklusieviehjonitat gewwe deht, das wär en silk Hätt, wo mer uff deitsch en Stohfj?eip rufe duht. Wann en Mann so eine auf sein Black hätt, dann könnt er sonst wehre, was er wollt, er wär immer en Schentelmann. Die annere hen die nämliche Opinzien eckspreßt, un ich hen bei mich gedenkt: o well, die Eckspenz könne mer schließlich ja auch noch stende. Wie ich genug gehabt hen, sin ich heim, un wie ich die Diehr enaus gehn wollt, do ho: mer der Wedesweile den Wink gewwe. Ich hen Minnlt gestappt, un do sagt er: Seh, Phil, wann .du mich nit ewcg gewwe willst, dann will ich dich, e Siekrett anvertraue. Das Ticket, was dich der Konträckte: verkauft Hot, das war no gut; er Hot deine zehn Dahler eingesteckt, un heut Nacht Hot er se eneigebloht, un das war der Riesen, daß er so libberell war." Ich sin fort, awwer ich hen grad genug gehabt von den fchofele Kunne; do kann mer'widder emol sehn, daß mer seine beste Freunde nit tröste kann. Well, jeder Hund Hot sein Dag, un ich denke, ich wern auch mein Widder emol hen. Am nächste Morgen sin ich in den Hutstohr gange un hen mich e Stohfpeip gekauft. Das Lumpeding Hot acht Dahler gekost awwer es war such e Pietsch. Geglänzt Hot er, als wann er en zehn Cent Schein gehabt hätt, wie e rehgeller Luckengläß, un wie ich ihn uffgesetzt hen, bei Galle, do hen ich awwer schwell geguckt! Ich hen gar nit von den Spiegel fort gehn wolle. Mein alte Teis hen ich rn den Stohr gelosse un sin mit den silk .Hätt losgeschowe. Sie' hätte nor emol sehn solle, wie mich die Piebels angeguckt hen! Jedes Hot for mich gebaut un sein Hut getippt. ich hen arm praut gesuhlt, un m mel Jnseit hen ich den Kohnträckter all' sei Sinns verziehe, mkahs er is es gewese, wo mich angeputt gehabt Hot. Do ls en kleiner Bub an mich vorbeigepäßt, un der Hot gesunge: Wer did juh gett d'at Hätt?" un das. Hot mich keinder mahd gemacht. Ich hen arad gefühlt, als ob ich ihn en Kick in die Pehnts gewwe sollt. E Minnit später sin e paar Buwe komme,' un einer Hot gesagt: Lucket de Spohrt!" un dann hen se alle beide das L:ed gewlsseit. Do sin ich retthatt for Mädneß geworde. Ich hen grad noch ein getäckelt, un wie ich ihn eine hinner die Ohre gewwe wollt, do is mich die verdollte Stohfpeip erunner gefalle. For Fier, daß ebbes dran häppene deht, hen ich den Hut schnell Widder uffgepickt. un in die Zeit sin die. Kids fort ge wese. Jetzt Hot auch die Schul ausgelosse, un ich hen e harte' Zeit mit die Kids gehabt. Se hen mich hardlie gesehn, do hen se auch schon gestart, Fonn zu mache, un das schlimmst? war, daß se. auch noch mit Schnohbahls nach mich gefeiert hen. Ich hen nicks annerschter - duhn könne wie dahtsche, un mehr wie emmol hen se mein Kopp nur. um Haaresbreite'mißt. Ich hen schon mei Haus gesehn un hen gedenkt, daß ich es noch ,esig rietsche könnt fot mich in Sicherheit zu. bringe, awwet ' grad wie ich den letzte Stepp machend is das Unglück gehappend. En Schnohbahl, so groß wie e gutseist Dickworz, kam geflogc,

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ich hen mich t wenig uff die Seit gebent, awtv'er nit genug, btkahs der Schnohbahl Hot mein Blockhut gefirocke, er is erunner gefalle, un ich tyn dabei die Bällenz verlöre un sm auch gefalle, un denke Se nur emcl wie schrecklich, ich hen mich reit schkwehr an den eckspensiefe Hut gesetzt. Die Kids hen mich ausgelacht un hen noch mehr Schnohbahls uff mich gefeiert, un es is e rchgeller Picknick gewese. Wie se endlich gestappt hatte, do hen ich ge guckt wie en Schnohmann alliwwer war ich mit Schnoh - gekowwert, un iehwen mein Kopp, wo doch so wenig Haar sin, daß ich se mitaus Trubel zähle kann, der Hot ausgesehn wie en Kehk mit Frahsting. Wie ich mich uffgepickt hen, do hen ich mich emol mein Silk Hätt angeguckt, un ei tell juh. ich hätt greine könne, un zwar blutige Thräne. Er war so flätt wie en Pännkehk; ich hen ihn zuerscht liege wolle losse, awwer ich hen gedenkt, mebbie ich kann ihn Widder e wenig ufffickse losse. Awwer ich hen e Wuth gehabt, daß ich mich selbst nit mehr gekennt hen. Mir wäre nämlich for den Obend zu den Mister Mebr sein

Haus Znweitet, un do hen ich doch en gute lscyoy mache wolle. Jetzt hen ich keine Stohfpeip gehabt, im mei auter Hut war in den Stohr. Daheim hen ich nur en alte Deis gehabt un mei Föhrkäpp. un so hen ich doch nit zu so en feine Mann in's Haus gehn könne. Ich Yen den Bennie mit den verbroebene Stohfpeip zu den öutmacher aeschickt, for daß er ihn reiteweg riepehre sollt. Wie die ach aus is gange, das saa ich 5kbne in mein nächste Sckreiwebrief. Ich will Jhne nur noch so viel . . t r orr , jage, ociTi en iwann nie nu zu en Spohrt wer'n soll,, wann er's helfe t V I f i w kann, vilays er ouyt iq oocy nur viamrre. Womit ich verbleiwe Jhne Jhrn lieber ' Phil.ippßauerampfer. Erforschung der Schlafkrankheit. Die Norverbandlunaen für die durch das 3ntfsfce Neick ins Merk zu sekende wissenschaftliche Expedition, die unter der Führung Robert Kochs stehen wird, sind unlängst zum Abschluß gelangt. Die im Etat ausgeworfene Summe für die Kosten ist darauf berechnet, dak die Ervedition anderthalb Jahr dauern wird. Koch, den,' auf dieser Reise jeine gemahnn wieoer ixgleiten wird, wird, am 16. AM mit . m - t M V n dem Ostasriladampser urgermeliker von Neavel die Ausreise antreten. Ihn werden als wissenschaftliche Assistenten seine langjährigen Mitarbeiter bei bakteriellen Forschungen. ProfessorDr. Beck und Stabsarzt Kleine, von Europa aus begleiten. In Deutsch-Ostafri-ka wird noch der Stabsarzt r. Panc. der in llbebe Trnvanosomen - Unter suchungen betrieten hat, der Erpedition zugetyeut werden. Als Vorstudien zu der Erforschung der Schlafkrankheit sollen zunächst Beobachtung und Züchtungen von TsethHhatn und Trvvanosomen' Erre ger der Tsetse- und der Schlafkrankheit in den Tsetsegerneten an'ven uoabhängen des Usamvaragernrges vorgenommen werden. Die Theilnehme? der. Expedition-Werden dieses Gebiet so friifi dicken, dak noch während der nächsten Flugzeit der Tsetsefliegen ihre Untersuchungen beginnen können. Spater wird die Expedition unter Bentzung der Ugandabahn das endemische Gebiet der Schlafkrankheit, wo Koch auf seiner letzten Afrikareise sich schon mit ihrer Erforschung beschäftigte, aufsuchen und für längte Zeit von Ent.m.'? Nvitisck-Uaanda aus in den bebVW ll v.-7 -'ZI f, T 1 nachbarten Ufergebieten und Inseln ' n. J f.!S des Biltoria nyani.a-ee. mv w cklafkrankbeit schon zahllose Opfer gefordert hat. thatig sein. Der neryayn des Kaisers Fran Jo,es. Auck Tbiere baben ihre Biographie. 5 wird aus Wien berichtet, daß daselbst ein berühmter und eigenartiger yliierbabn einaeaanaen ist. der sich der besonderen Protektion des Kaisers ?rran, oscf erfreute. Die Lebensge schichte dieses Vogels klingt fast wie ein Roman. Im Jahre 1893 fuhr ein Bauer von Stuhleck nach Mürzzuschlag, als plötzlich ein prächtigerAuerHahn aus dem Bergwalde flog und sich aus den fahrenden Leiterwagen setzte. Er begleitete dessen Besitzer bis zu seinem Gehöft, wo er sich im Hühnerhof häuslich niederließ. Man meldete das Abenteuer einem kaiserlichen Förster, und dieser brachte das Thier nach dem Schallerkogel. Hier verbrachte der Hahn, mehrere Sommer; für die Herbst- und Wintermonate wählte er die Petrulalpe, auf welcher sich . das Rosegger - AlpenhauS befindet. Er wurde die größte Attraktion der Geoend und zog Fremde an, welche den seltsamen Vogel sehen wollten. Der Kaiser Franz Josef ordnete sogar an, daß er nicht abgeschossen werden dürfe, und ließ sich wiederholt den Hahn vorführen. Da bei vorschreitendem Alter des BogelS die' Gefahr, bestand daß er sich , im Freien nicht mehr fort.biingen werde, wurde er nach Schönörünn gebracht und 'dort in einem besonderen großen Raume hinter dem Ententeich . rr n c gevsiegl. !Qzx lag er nunoemang melancholisch auf einem .Aste und kümmerte fick um das Publikum aar nickt. Der Kaiser kam auf seinen Morgen-, rk..:...2... ci .... cnr: : r -, IUaiCllJUHlJCH $Ul JUUCIC UICC5 seltsamen sonst so scheuen und unzuaänalichen Waldvogels. Nunmebr tat er das Zeitliche gesegnet.