Indiana Tribüne, Volume 29, Number 179, Indianapolis, Marion County, 23 March 1906 — Page 6

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ZlilderllZra!len.

von Charles ?olcy. Die heiß: Mittagssonne wirft gtti hende Strahlen auf das träge daliegende Gefänqniß. Im Hofe 'spielt Liline, das Töchterchen des Wärters. Ihr scheint es ein Garten. uitd sie findet ihn schön, weil'hinter den finsteren Mauern h der schwarzen Erde drei dunkelrothe Geranien blühen.' Sorglos, heiter, nichts ahnend von den Verbrechen, die hier gesühnt werden, tummelt sie sich in der Sonne.- ' Da ein leises Knistern hinter der Mauer läßt sie einen Augenblick 'ihr Spiel unterbrechen. Ihre blauen Kinderauaen haften auf der halbangelehnten Thür. Mit der Behendigkeit einer Katze bückt sich ein Mann nach rechts, dann nach links, späht lauernd um sich und springt geräuschlos in den Garten. Hastig schiebt er den.fchweren Niegel vor die Garten thür und athmet befreit auf. Mit einigen harmlosen Verbrechern vertraut,, blickt Liline diesen ohne Erstaunen an, obwohl sie ihn nicht kennt. Sie findet ihn häßlich mit seinem mit Ruß beschmutzten Kittel. dem fahlen abgemagerten Gesicht und den grünlich schillernden Augen. . Jetzt hindert ihn nur noch das zarte Wesen vor ihm, und angesichts derherbeigesehnten Freiheit dehnt er sich bchaglich und lacht in sich hinein. , Liline beachtet ihn schon qar nicht mehr und spielt fröhlich .ihr Hüpfspiel weiter. Der Mann qebt auf sie zu. Liline sieht auf einem Fuße, und in der Angst, sie könne mit dem anderen Fuße austreten und müßte das Spiel von Neuem beginnen, klammert sie sich an semen Kittel. Er hebt die Hände, zwei häßliche, grobe Hände, und greift damit an den Hals des Klndes. Fragend sieht sie zu ihm auf und bittet mit ihrer füßen Stimme: ..Geh' doch ein bischen fort. Meinen Stein muß ich jetzt hinter Deinen Fuß werfen, und Du hast doch nichts an auf dem Fuße, dann thu' ich Dir weh!" Die Hände des Mannes sinken herab. Er weicht zurück. Liline wirft ihr Steinchen über den letzten Strich und klatscht fröhlich in die Hände. Das Spiel hab' ich gewonnen. Jetzt sollst Du mitspielen. Hast Du Lust?" Sie brmgt, ihm ihre Schaufel. So, nun fang an. Wir wollen eine Burg bauen." Der Mann stammelt heiser: Ich kann nicht spielen." , Das find' ich aar nicht nett von Dir. die anderen spielen alle qern mit mir. die thun alles, was ich will. Vielleicht mochtest Du lieber mit der Gießkanne spielen? Schöpf' Tu das Wasser aus dem Brunnen, ja? Ich kann das noch nicht." Sie faßt seine Hand und neigt sich über das Wasser. Guck' Du auch hinem, dann kannst Du Dich auch sehen . . . Deine Augen sehen im Wasser ganz bose aus . . ." Der Mann reißt sie so hefhq zurück, daß zwei große Thränen in die Kinderaugen treten. Du hast mir weh gethan, die anderen sind alle viel besser zu mir . . ." Als er sie weinen steht, redet er ihr mit mühsam verhaltener Stimme zu: Wem' nicht, Kindchen, ich wollte Dir nicht weh thun. Aber Du solltest Dich nicht so über den Brunnen neigen." Gleich getröstet, lacht sie unter Thränen: Aber wenn Du, dabei bist, kann ich doch nicht hineinfallen. Nun pflück' mir die Blumen!" Er pflückt die Geranien und gibt sie ihr. Gefallen sie Dir? Die sind hübsch, was? Noth wie Blut.? Steck' die Blumen fort." stößt er gequält hervor. Liline läßt sie erschreckt fallen. Ihre Augen füllen sich wieder mit Thränen. Er neigt sich zu ihr und versucht zu lächeln. Wein' doch nicht. Ich werde jetzt gut zu Dir sein und mit Dir spielen, wie die anderen! Ich will nicht, daß Du weinst ..." Behutsam streichelt er die goldblcnden Locken der Kleinen. Da. verzweifeltes. Rütteln an der Thür, eine Stimme ruft: Liline. bist Du da?" Ja. Papa." . Mach' aus, mach' schnell auf!" Ich kann doch nicht ranreichen." Wie hast Du denn die Tbür geschlössen?" - Ich war das nicht, Papa! Das hat er gemacht." Wer?" schreit der Wärter angstvoll auf. Ich weiß ja nicht, wie er heißt.- . Liline' erfaßt die Hand des Mannes. Seine. Augen glühen, er ergreift die Echanfel ' Flehend. sehe,n die Kinderaugen ?u ihm auf. und er sieht Thränen darin schimmern. Er stöhnt auf wie ein berwundeteZ Thier. Schmeichelnd bittet sie: Mach' doch dem Papa auf'. . . Du wolltest, doch gut zu mir sein . . . Und gib mir meine. Schaufel wieder jetzt km ich damlt spielen .-. . Er gibt ihr die Schaufel. Liline zieht ihn zur Thür. Sieh mal. ich bin doch zu klein. mach' Dn doch dem Papa auf.Er zögert einen Augenblick, dann mit einem Ruck schiebt er den Rieael

beiseite. Drei Wörler stürzen sich auf

ihn und fesseln ihn, während der Vater Liline ergreift und stürmisch an sich preßt. Doch als Liline sieht, daß die Wärter den Gefesselten mit Fußtritten vor sich herstoßen, ruft sie schluchzend: Papa, sie sollen ihm nicht weh thun. Wir haben so hübsch zusammen gcspielt. Er ist nicht schlecht, ganz sicher nicht . . . Papa, sag ihnen doch, sie sollen ihm nichts thun, bitte, bitte nicht" Der Wärter zuckt mit den Achseln: Laß nur, Du kleine Närrin, der Mann ist ein Mörder!" König als Bcttcldricslchrribkr. Unter den Thontafelfunden von ElAmarna. die sich als ein Theil des egyptischen Staatsarchivs aus der Zeit um 1400 v. Ehr. erwiesen haben, finden sich eine Anzahl von Briefen des Königs Tuschratta von Mitani (d.' h. Mesopotamien), der ein wahrer Virtuos im Bettelbriefschreiben genannt werden muß. Tuschratta war mit dem mächtigen EgYPterkönig Amenophis III.. der seinem eigenen Bilde übrigens göttliche Ehren erwies, indem er es anbetete, verschwägert, und auf diese Schwagerschaft hin bettelte der brave Tuschratta oft in meterlangen Ke'lschriftbriefcn den EgYPter, den er nur bei seinem Vornamen Nimmuria" nennt, auf das unverschämteste an. Einer dieser Briefe lautet: An Nimmuria. den großen König, den König von Egypten, meinen Bruder, meinen Schwager, der mich liebt und den ich liebe: Tuschratta. der große König von Mitani, der Dich liebt, er ist Dein Bruder. Mi? geht es gut. Dir möge es gut gehc. Deinem Hause, meiner Schwester und Deinen übrigen Frauen, Deinen Söhnen, Deinen Streitwagen, Deinen Pferden, Deinen Großen, Deinem Lande und allem, was Dein ist. möge es gut. sehr gut gehen!" Der Vettelbriefvirtuos ergeht sich dann noch eine ganze Weile in überschwenglichen Freundschaftsbetheuerungen. die die Pille etwas überzuckern sollen, und fährt dann fort: Nun will ich Gold von meinem Bruder, und ich darf es aus zweierlei Ursachen verlanaen: erstens für Feldzeuq. zweitens für Mitgift. So wolle also mein Bruder mir Gold schicken in gewaltiger Menge, die keine Zahl hat, mehr als meinem Vater. Denn im Lande meines Bruders ist Gold soviel wie Erdenstaub. Die Götter mögen es fügen, daß mein Vruder, da jetzt schon soviel Gold in seinem Lande ist. noch zehnmal mehr Gold schicke als sonst." Alle Briefe Tuschrattas an Amenophis, mit Ausnahme der ersten, sind von solchen unverschämten Betteleien erfüllt. Diese merkwürdige Art, sich anzubiedern, scheint aber dem EgYPterkönige vielen Spaß gemacht zu' haben; denn er erfüllte seinem Schwager thatsächlich ..stets die Bitte und gab noch neue Versprechungen dazu. ZZkstrastcr Kahn. . Im Jahre 1504 wurde die Burgfeste Kufsiein in Tirol, die damals den Bayern gehörte, durch den deutschen Kaiser Maximilian I. belagert. Ter tapfere Ritter Hans v. Pienzenau vertheidigte die Burg mit wahrem Löwenmuthe gegen den an Zahl und Bewaffnung weit überlegenen Feind. Aber er vertraute der Festigkeit der Felsenmaurn doch wohl mit allzu großer Zuverficht. Sonst hätte er sich wahrscheinlich gehütet, den Zorn des Belagerers, dessen Geschosse lange Zeit hindurch den Werken wenig anzuhaben vermochten, auch noch durch grimmigen Hohn zu reizen. Er ließ die nur leicht beschädizten Stellen der Mauer täglich vor den Augen der Feinde mit Besen abkehren, ein Gebühren, das den Kaiser auf's Aeußerste aufbrachte. Von Innsbruck her ließ dieser sich die beiden größten Geschütze kommen, die zu jener Zeit überhaupt existirten. Ihre gewaltigen Steinkugeln brachen denn auch wirklich den Widerstand der Vertheidiger, und der allzu dreiste Pienzenauer erlitt mit siebzehn seiner Leute auf Bcf:hl des unversöhnlichen Kaisers den Tod durch Henkershand. Der Züneburgtr HunÄertbürgcrball." Im Jahre' 1813o zur Zeit der napoleonischen' Gewaltherrschaft, ließ der zum Oberbefehlshaber in' Westdeutschland ernannte französische Marschall Tavoust furchtbare Strafgerichte über deutsche Städte und Landschaften ergehen, in denen sich Erhebunysversuche gezeigt hatten. Auch in Lüneburg. Hannover, wurden' hundert anzesehene Bürger anfänglich eingezogen und ihnen angekündigt,' daß immer der Mnte von Ihnen wegen Aufruhrs gegen den Landesherrn Napoleon den Tod erleiden sollte. Da drohte tr. preußische General Dörnberg aber, der in seinen Händen befindlichen fran?rsischen Gefangenen das gleiche Cchicksa! zu bereiten, und so wurden die ängstigten denn wieder loslassen. Um aefäh? ein halbes Jahrhundert hindurch wurde nachher in Lüneburg zum Gedächtniß daran noch alljährlich am O. April der sogenannte Hundertbürgerball" gefeiert. As eine,n Ron,Sn. ' Die tiefe Verstimmung des Grafen war unverkennbar, stumm .ließ er sich an der Seite der Gräfin nieder, und e: verzehrte die sechs Gänge des Diners. ohne den Mund auszumachen.

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Looping llze oop. u von Scmelle. Er war weder -boshaft, noablutdürstig. Er hatte nur eine sehr eigenthümliche Auffassung von den Genüssen des täglichen Lebens. Vielleicht, weil er sie alle durchprobirt und an keinem mehr einen besondern Reiz fand. Er ging in's Theater, nicht um daö Schauspiel zu verfolgen oder im Zuschauerraum nach links und rechts zu lorgnettiren, sondern in der einzigen Hoffnung, eines Tages Zeuge eines Brandes zu sein. Auf dem Jahrmarkt zu Neuilly folgte er allen Menagerien in der Erwartung einer Katastrophe, er hoffte, der Bändiger würde von seinen Raubthieren zerfleischt werden. Er hatte es mit den Stiergefechten versucht. , war" aber dieser Schaustellung schnell überdrüssig geworden, denn dieSchläch-; terei nahm hier einen zu regelmäßigen, zu natürlichen Charakter an. und eö widerstrebte ihm, einer Metzelei, einem Massaker beizuwohnen und leiden zu sehen. Er suchte einzig und allein die sckireckliche und fürchterliche Angst des ,Nie da gewesenen." Am Theater oder. an den Menagerien hatte er fast die Lust verloren, denn er war beim Brande der Komischen Oder" dabei gewesen und hatte das Gebäude, ohne Schaden zu nehmen, verlassen. Er war zwei Schritte von dem Raubthierkäfig entfernt gewesen an .dem Tage, an welchem Fred von seinen Löwen verschlungen wurde, und die Sache interessirte ihn infolgedessen nicht mehr. Seinen Freunden, die sich über diese Veränderung seines Geschmackes wunderten, erwiderte er einfach: Das habe ich jetzt gesehen, das würde keine Wirkung mehr aus Mich ausüben. Ich wollte mich ist eben überzeugen, welchen Eindruck die Sache auf mich und auf die anderen macht." Als er so seiner beiden Lieblingsvergnügen beraubt war denn zehn Jahre seines Lebens waren .dahingegangen, bevor er zu ihrer Verwirklichung gelangt war lebte er, monatelang in tiefer Niedergeschlagenheit, ging wenig aus, sah fast keinen Menschen an und lebte müßig dahin. Eines Morgens klebten an den Mauern von Paris bunte Plakate, die auf einem himmelblauen Hintergründe eine seltsam geneigte Fahrbahn darsiellf V c ren, oie itcn wie ein vreues ano zusammenrollte und nach unten auslief. Oben saß ein Radfahrer wie ein ganz kleiner Punkt und schien auf ein Zeichen zu warten, um die schwinde!erregende Fahrt nach unten zu beginnen. Gleichzeitig las man in den Zeitungen den Bericht über ein merkwürdiges Kunststück, das die Erklärung dieser seltsamen Affiche bildete. Es handelte sich für den Radfahrer darum, in aller Schnelligkeit über die schmale Bahn zu fahren und an der Schleife herauf und herunter zu schießen. so daß der Akrobat bei dieser phantastischen Fahrt einen Augenblick mit dem Kopfe nach unten und den Beinen in der Luft schwebte. Der Künstler ersuchte die Presse, sich seinen Apparat anzusehen und sich seine Maschine genau zu betrachten, damit jeder sich darüber klar werden konnte, daß es sich um ein offenes, ehrliches Kraftstück handelte, bei dem jeder Betrug ausgeschlossen war, und bei dem es sich einzig und allein um eine Berechnung größter Präzision handelte, die bei der nöthigen Kaltblütigkeit nie versagen konnte. Doch sobald das Leben eines Menschen mit dem Worte Kaltblütigkeit verknüpft ist. ist es auch mehr oder weniger dem Zufall anheimgegeben. Unser Mann war seit der Ankündigung des Schauspiels wieder einigermaßen in guter Laune. Als er den ersten Vorführungen und Erklärungen beigewohnt, hatte er die Ueberzeugung gewonnen, daß hierin eine neue Sensation für ihn lag, und am Abend der Premiere saß er auf einem der ersten Plätze, um dem Looping the Loop" beizuwohnen. Er hatte eine ganze Loge gemiethet, die sich in der Verlängerung der Fahrbahn befand, und da er niemand bei sich dulden wollte, der seine Aufmerksamkeit hätte ablenken können, so konnte er von hier aus allein der schwindelhaften Fahrt mit vollem Behagen folgen. Das Ganze dauerte kaum einige Sekünden. Er hatte gerade Zeit zu sehen, wie der schwarze Fleck sich von der weißen Fahrbahn abhob, ein furchtbarer Spurt, ein Niedertauchen, ein riefenhafter Sprung, das war alles. Diesmal hatte er eine Angst ausgestanden, die blitzschnell in ihm funktionirt hatte. Als er aber den Cirkus verließ und jich unter die Cirkusmenge mischte, überlegte er. daß ihm selbst dieses Schauspiel zwei- oder dreimal einen Schauder entreißen könnte, dann würde er dagegen so abgestumpft werden wie gegen alles andere. Er kehrte also etwas' gelangweilt nach Hause zurück und sagte zu sich: Das ist noch nicht das Richtige!" Dann aber fiel ihm ein, daß die Kaltblütigkeit eines Menschen ihre Grenzen hat, daß die Solidität eines Fahrrades auch nur schließlich etwas Relatives ist, und daß es keine so widerstandsfähige Fahrbahn gibt, daß sie nicht in einem bestimmten Augenblick nachgeben könnte. Er kam also zu der Schlußfolgerung. daß ein Unfall nothgedrungen früher oder später eintreffen müßte.

Von da ab bis zu dem Entschluß, auf diesen Unfall warten zu wollen, war nur ein Schritt. Ich werde," sagte er sich, dem .Looping the loop' allabendlich beiwohnen, bis der Mann sich eines Abends den Hals brickt. Und wenn das in den drei Monaten, die er in Paris zubringt, nicht der Fall ist. so werde ich es eben anderswo sehen." Zwei Monate lang betrat er jeden Abend zur selben Stunde dieselbe Loge und setzte sich auf denselben Platz. Der Unfall wollte noch immer nicht vor sich gehen. Schließlich wurde der ständige Besuche? den Kontrolleuren bekannt. Er hatte übrigens 'die Loge für die ganze Reihe der Vorstellungen gemiethet, und man fragte sich nach dem Grunde dieser kostspieligen Laune, ohne ihn entdecken zu können. Eines Abends, als die Nummer des Artisten früher als gewöhnlich an die Reihe gekommen war. begegnete er ihm auf einem 55orridor und trat auf ihn zu. Er brauchte sich ihm nicht erst lange vorzustellen. Ich weiß, mein Herr." versetzte der Artist, daß Sie . ständiger Besucher des Etablissements sind. Sie kommen jeden Abend hierher." Er schien überrascht und sagte: Ich interessire mich allerdings lebhaft für Ihre Arbeit, aber wer konnte Ihnen sagen...?" Oh niemand, ich sehe Sie nur einfach!" ?)as ist überraschend; in einer solchen Höhe, in einem solchen Augenblick... Sie müssen recht kaltblütig sein, um sich die Zuschauer im Saale ansehen zu können." Oh Pardon; ich sehe mir die Zuschauer im Saale nicht an. Das wäre zu gefährlich für mich, und ich bedarf zu sehr meiner ganzen Geistesgegenwart, als daß ich in dieser sich bewegenden und plaudernden Menschenmenge Gesichter suchen sollte. In allen Dingen, die sich auf unseren Beruf beziehen, gibt es neben der Arbeit selbst, ihrer Theorie und ihrer Praxis, ein Verfahren, einen Trick." Der andere zuckte zusammen. Einen Trick?" Verstehen wir uns recht; es ist nicht etwa ein Schwindel, was ich mit dem Wort bezeichnen will. Ich verstehe darunter etwas, was das Publikum nicht ahnt, und was gerade den heikelsten Punkt unserer Arbeit bildet. Folgen Sie mir genau. Ich nehme als-be-wiesene Thatsache an. daß es unmöglich ist, sich das Hirn derartig zu entleeren, daß es keinen einzigen Gedanken mehr fassen kann, und es ist undankbar, daß der Wille, wenn ich so sagen darf, sich völlig zersplittert. Sehen Sie, ich wähle mir in dem ganzen Zuschauerraum einen Gegenstand, einen festen Punkt, auf den ich meine Blicke richte. Ich sehe nur diesen einzigen Punkt,' diesen einzigen Gegenstand. Von der Sekunde an, wo er in meine Augen aufgenommen ist, ezistirt etwas anderes nicht mehr für mich. Ich besteige also mein Rad. Meine Hände ruhen auf der Lenkstange, ich kümmere mich um nichts mehr. Weder um das Gleichgewicht, noch um die Richtung. Auf meine Muskeln kann ich mich verlassen, sie sind fest wie der Stahl. Nur vor einem Theile meines Körpers muß ich auf der Hut sein, und das sind meine Augen. Haben sie sich aber einmal auf etwas gerichtet, so flößen sie mir auch keine Furcht mehr ein. An dem Abend, an welchem ich debütirte, fielen nun meine Blicke, ich weiß nicht, aus welchem Grunde.' auf Ihre Loge. Ich habe Sie gesehen, kch habe überHaupt nichts weiter gesehen als Sie. Sie waren der Gegenstand, von dem ich Ihnen eben erzählte. Am zweiten Tage suchte ich sie bereits an demselben Platze. Sie sind, ohne daß Sie es selbst wissen, der wertvolle, unbedingt nothwendige Assistent meiner Nummer." Am nächsten Tage saß der Sensationslüsterne wie sonst in seiner Loge. Im Zuschauerraum herrschte plötzlich tiefes Schweigen. Der Künstler' war auf der Plattform auf seine Maschine gestiegen, die zwei Mann hielten, und warteten auf sein Zeichen. Er war augenscheinlich in guter Form, hielt die Fäuste fest auf die Lenkstange, den Kopf gerade und aufrecht und blickte starr vor sich hin. Dann rief er hopp!" und die beiden Männer gaben ihm einen kleinen Stoß. Doch in demselben Augenblick erhob sich der allabendliche Zuschauer in der natürlichsten Weise von der Welt, stieß seinen Sessel zurück und setzte sich auf die andere Seite der Loge.- Nun sah man etwas Fürchterliches. Der Artist zuckte heftig zusammen. Seine Maschine, die im Laufen war, .machte eine fürchterliche Drehung, sprang aus der Fahrbahn und stürzte unter dem Entsetzensgeschrei der Zuschauer zu Boden. Der Radfahrer war todt. Mit großter Seelenruhe zog sich der Zuschauer ht der Loge seinen Paletot an. und verließ den Cirkus. 5ön Handschuh wird schon in der Bibel erwähnt; in ver That scheint er bei den alten Jsraeliten zu einer Standestracht gehört zu haben. Die W a l h a u t kann nicht zu Leder verarbeitet werden, weil ihr jene Schicht anderer Säugethiere, . die zu Leder verarbeitet wird, vollständig fehlt. Zum Oeffnen jeder Temp e l t h ü r in der Tempelstadt Jehol. China, sind drei verschiedene Lamas mit drei verschiedenen Schlüsseln nöthig.' '

Die Dörfer aus Sumatra. Wie sich die Singeboreneu der Insel feinden zu schützen suchen. Außergewöhnliche Sorgfalt haben die Eingeborenen Sumatras angewandt, um sich in ihren Kampongs (Dörfern) vor feindlichen Ueberfällen zu fchützen. Die im Urwalde hausenden Bewohner haben den zu ihren Dörfern führenden, meist bequemen Weg künstlich verlängert und so gelegt, daß er durch theils natürliche, theils künstliche Hindernisse, wie Hohlwege und Thore führt, also leicht vertheidigt werden kann. Bei der Dichtigkeit der tropischen Urwälder ist aber ein Eindringen durch den Waldgürtel ohne Weg ausgeschlossen oder aber unendlich zeitraubend und lärmend, da ein Weg gekappt werden muß. Nachdem man noch einige, hohe Palissaden, die allerdings nur in Kriegszeiten geschlossen werden, durchschritten hat, kommt man zur Dorfhecke; ste besteht, halb Zaun, halb Hecke, aus kräftsgen Dornbüschen. Ein Eingang, nur meterbreit und oft zwei bis drei Fuß über der Erde gelegen, so daß nur ein Mensch zur Zeit ihn passiren kann, führt hindurch' So ist jedes Torf eine kleine, leicht zu vertheidigende Festung. Das Dorf selbst ist innerhalb des Zaunes ziemlich unregelmäßig gebaut: um einen Platz, auf dem häufig ein dicker Pfahl zum Ziehen des Silberdrahtes steht, liegen unregelmäßig vertheilt die Häuser, nach den'Himmelsrichtungen von Norden nach Süden bezw. von Osten nach Westen orientirt. Dicht am Platze, in der Mitte des Dorfes, steht das Reisstampfhaus, ebenso wie auch die Reisspeicher mit Vorliebe dem Platze nahe gerückt sind. Die Wohnhäuser selbst liegen oft an oder in einem vernachlässigten, mit niedriger, unordentlicher Hecke umgebenen Gärtchen. Vom Dorse führt meist ein recht breiter, oft laufgrabenartig versenkter Weg sehr steil zum Flusse hinab, oft durch festgelegte Stämmchen treppenartig angelegt. Die Kampongs des Seestrandes liegen nicht versteckt im Inneren eines Urwaldes, sondern so im Walde, daß derselbe, . kaum viel größer als das Dorf, nur die Häuser der Sicht entzieht. Eine hohe, aus unbehauenen Steinblöcken roh geschichtete Mauer und Hecke umgibt das ganze Dorf; nur wenige Eingänge führen hindurch und führen auf breite, beiderseits durch hohe Mauern eingefaßte Wege, die das Dorf durchschneiden. Jedes Haus liegt für sich mit Mauer und Hecke umgeben, aus denen nur schmale Pforten sich auf die Kampongwege öffnen. So bildet jedes Haus eine Festung für sich. Zwischen den Häusern, an den Wegen und wo sonst noch Platz ist. stehen zahlreiche Bäume und dichtes Buschwerk, das dem Ganzen, von weitem gesehen, ein waldartiges Aussehen verleiht. Rings um die Kampongmauer vertheilt, nahe den Eingängen, liegen Sitzplattformen, aus Steinen geschichtet. Hier halten sich die Männer in den Mußestunden auf und vertreiben 'stch die Zeit mit Plaudern und Spielen. Gleichzeitig find es auch Veobachtungsposten; denn von hier aus können sie ihre Felder, können sie den See überschauen, und niemand kann sich ungesehen nähern. Eine derartige Wachsamkeit aber war dringend erforderlich, als noch Menschenraub eine Haupteinnahmequelle der Seeanwohner bildete und räuberische Ueberfälle mittelst der großen Kriegskähne auf der Tagesordnung standen. Veunstjlvanische Eisenindustrie. In den Schmelzwerken der Kohlenregion Pennsylvaniens konnte man im Jahre 1905 durch den Gebrauch der Kohlen 7.411.300 Tonnen Pig Jron (Roheisen) gewinnen, gegen 4.026.300 Tonnen im Jahre 1896. Die Kosten des Materials für diese Eisenmengen während des Jahres 1905 betrugen 554.664.808. während der Marktpreis des Produktes sich auf Z101.830.467 belief. Die Menge des im Kohlenbezirke des Keystone"-Staates gewönnenen Roheisens beträgt beinahe 30 Prozent der Gesammtproduktion an diesem Material in den Ver. Staaten. In der pennsylvanischen Pig Jron-Jndu-strie waren im Jahre 1905 14.087 Personen beschäftigt, gegen 11.580 im Jahre 1896. Der an die Leute im Jahre 1905 ausgezahlte Lohn betrug Z7.752.861. Verglichen mit 1896 betrug die Zunahme in ausbezahlten LLHnen Z3.320.170. An Stahl und Gußeisen wurden m den Schmelzwerken der pennsylvanischen Kohlenregion im Jahre 1905 8.056,306 Tonnen fabrizirt; hierbei beschäftigt waren 91.146 Personen. Die an diese Leute im Jahre 1905 bezahlten Gesammtlöhne betrugen 555.932.427. und der Werth der gewonnenen Produkte belief sich auf 5360.638.150. Der durchschnittliche Jahresverdienst eines Mannes betrug 5613.66. Die Gesammtzahl der Kohlen benöthigenden Betriebe des Staates Pennsylvanien beträgt 552.170. und der Werth der Produkte bezifferte sich während des Jahres 1905 auf Z1.720.108.250. Für s e i n e F l'o t t e gab England im Jahre 1893 291.000.000 Mark. 1903 734.000.000 Mark aus.In Frankreich stellten sich die entsprechenden Beträge auf 203.000.000 und 251,000.000 Mark, in Rußland auf 110.000.000 und 254.000,000 Mark, in den Ver. Staaten auf 123.000.000 bezw. 349.000.000, in Deutschland auf 81.000.000 bezw. 210.000.000 Mark.

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