Indiana Tribüne, Volume 29, Number 178, Indianapolis, Marion County, 22 March 1906 — Page 6

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Jndiana Tribüne 22. Marz 1906

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alte Mönch und Die alte Mönch Kur sind um ils SIklt gereift. ? lebt kaum irgend körperliche climerzes! elch, ihn lc!,t bewillkommen und segnen wegen einer f?ur. Preis 25c Bild 50c. $&$s h. G. Sponfel, T mirrrrrpi . st'- f r " !' !d 1UJU Süd East Str. Warklyand 6-4 und Columbia Vrocery Co. s , T, s '. '.i. : '-ta , j - '7 ' 7 t i J.6T Neue Telephon 9361 Probirt meinen Pumpernickel ioc per Laib. Bersniien Sie unser Roggen brod. e ist un üb-rtrrsflch. !? 4- w. . ' . - '. 5 vi ' f V . - -r-f ,ft -,. ' -y I i i r A . ij !f i.. KAPSTADT 8. ..Dampf Färberei und chemische Neinigungs-Anstalt. Läden : 248-250 Virainia Av5. 25 West Ohio Straße. 218 Nord Illinois Straße. 2tt', Jndiana Ave. Neuer Phone., 2828. Alt, Main, 4762. 2532. Alt, 3883. Dichmann K Gradhorn .?adrUntn von lete Schnu Käften. 9lai Ladentische Und Cigarren-Tischk. 2 Oft Wasbtnaton Ctwfi. 51: Telephon 5337 Dr. LEO HERBERT Wiener Arzt. $tmU, Geschlechts u. Nervenkrankheiten 120 Oft Ohi, TtraSe-Ster Floor. Neues ?kl. 44. SvrechstitndkF. 9-11,2 4. 7-S bend. Dr. Paul F. Martin, Vraktischer ArztZ und Chirurg. Sprechstunden: 11 .00-12.30 2.30 4.00 täglich 3enntaj8: Bus Verabredung. WiZoughby Gebäude,' ZU Vtott Meridick Ztxt. Tel., Main 4114. Wohnung: 1205 Nord NewZJersey Str. ! Telephon: Main 659; Ne 8882. Dr. Carl Q.Winter Deutscher Arzt. Vehauelt le akute nd'chronische'Irranrheite. Sveziell Nheumatisnus, 5tatanund Frauen'ttrankheiten. Office: 14 weft Ohio Straße. Ofsici'Stunden : 10-11 Vm. 3-4 Nm. Sonntags : 9.3010.30 Vm. Tel. neu 43. Wohnung: ISZv Nadistt Uvenne Telephone : lt. 2025. Neu, 9282. Dr. j. Sutcliffe, Wnnd-Qrzt, eschlechts., Urin. nnÄeetnn 'Urankheiten. Cfifet : 155 OJ ZlztUt Qtu Ztl ii & etn 1 1 5 io t c. i tu 4 . tu

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Der flute Elizian. Erzählung von tt. Msch.

(Schluß.) .Gleich machst, daß Da 'naus kimmst! Troddel, elendiger!- rief sie. .Sonst sel-t's was!Die erhobene Hand konnte ihr Ziel mazl Mtjr erreistjen. wzx tn der offe nen Thiir schleuderte ihr der Na;l noch hohnlachend den letzten Pfeil zu, eh? er verschwand. .Du, dös möcht' ich amal seh'n! Geh, mach' mir's anrol vor, Nandl !" .Das is amal a unverschämter Troddel!" meinte die Bäuerin, .sich in's Zimmer zurnckwendend. .Die Männer sind schon so, dagman ihnen auf dem 5!ops tanzen kann!" sagte Irau Anna bitter, der diese Spott reden das Innerste aufgewühlt hatten. .Na, da grad' net!' Aber sonst aber doch" .Die Zrau soll sich immer unterordnen. - Befehlen und heilschen wollen sie allein!- fuhr Anna fett. .Ja, woll'n woll'n,- versetzte die hübsche junge Bäuerin überlegen. Dcs Vergniig'tt kann man ihnen aber auch lass'n. I lasimein' Manrrimmer kommandir'n. (5s g'schieht nachher aber doch Alles, wie i's will.Anna blickte sie erstaunt an. .Aber wie machen Sie denn das?" .Ja, wissen's, Jrau, darüber könnt' man viel sag'n, wenn man so dir Mannsbilder kennt, wie i's kenn.' Grob sein's, schrei 'n thun's, die Frau tbun's kuionir'n " Jrau Anna nickte zustimmend bei jedem Wort. Das war einmal eine vernünftige Frau, die ihr aus der Seele sprach. Wer hätte so viel verständigen Sinn hinter der einfachen Bäuerin vermuthet! Aber wie staunte sie erst, als nun Nandl schelmisch fortfuhr: Und doch kann'S a jede Frau an der Nas umasühr'n, wenn sie'S gescheit anfangt. Sa einem dolpatscheten Mannsbild sein wir Weibsleut' halt doch noch überleg'n. Mei Muckl i3 grad so einer! Alles soll nach seinem Dickschädel g'schch'n. Na, und da last i ean halt glaub'n, daß er der Herr is, und Wickel' ihn doch um'n kloanen Finger." .Aber wie machen Sie denn das?" fragte Frau Anna gespannt. .Wenn er schreit, bin i stad ganz mausestlll bin i, bis er austobt hat. Tann fang 'i an, ihm recht zu geb'n und a bissel zu karessir'n, bis er zahm wird. Beschreib' kann man das net so. Aber i weiß schon, wie i's angre! fen muß bei'm Muckl." Frau Anna hörte mit stummer Verwunderung zu; und die Bäuerin wäre sicherlich noch auf die Einzelheiten ihrer Nunst gekommen, mit den Mannern umzugehen, wenn nicht plötzlich hinter dem Ofen hervor eine alte, zitterige Stimme gerufen hätte: .Also a so machst's, Nandl?" Zesses, die Mutta!"rief die Bauerin und eilte lacl)end zur Thür hinaus, wo eben die Kuhmagd dringend ihre Gegenwart verlangte. Und hinter dem Ofen hervor kam ein altes, zahnloses Mütterchen, das jetzt vergnügt in sich hineinkicherte: .Schau, schau da hab' i mi doch alleweil g'wundert, daß sie'n Muckl so um'n Finger wickeln kann ! Dös is a Feine a Feine! Aber so muaß eö sein ja, ja, ja so muaß es fein!" .Ich glaube fast auch," sagte Frau Anna nachdenklich, .daß Ihre Tochter die richtige Art gefunden hat, glücklich zu sein." .TeS is net mei Tochter, der Bauer is mei Sohn. Der Muckl war a Wil der, wie er ledig gewesen iö. Den hatt'st sehn müss'n, Frau. Aber auch heut' is er noch gach, und wenn ihm die Nandl so kommen that', wie Du vorhin Deinem Herrn" Sie haben gehört?" fragte die kleine Frau beschämt. .Freili hab' i'ö g'hört," erwiderte die Alke etwas gekränkt, denn die Stadtfrau hatte ganz unabsichtlich ihren wunden Punlt berührt. .I bin doch net taub? Wenn i auch alt bin, hören thu' i noch guat!" Und dabei starrte sie wie hypnotisirt die blaue Kanne an und den Kuchenberg, in den Nazls und Frau Annas vereinte Bemühungen zwar starke Lücken gelegt hatten, der aber noch ganz stattlich und verführerisch ausfah. .Jessaö, der schöne Kaffee und der schöne Kuch'n! Ganz kaltls er word'n. Ja, warum trinkst denn net, Frau? Is ja schad drum!" Diesen zarten Wink mit dem Zaun Pfahl verstand denn auch die junge, in Schmer? und Angst versunkene Frau. Die.Alte ließ sich nicht lange nöthigen und stippte, während Frau Anna entsetzt in die grollende Natur hinaus horchte, behaglich den Kuchen in die braune Flüssigkeit, um ihn dann mit ihrem zahnlosen Munde leichter zermalmen zu können. Zuletzt wischte sie sich vergnügt den Mund, schmatzte und kaute noch einige Augenblicke und sagte dann mii einem befriedigten Seufzer: .Guat is er gelt? Ja, die Nandl kocht guat. Und wie's mit'm Muckl umgeht, dös iS schon zum Lachen.Jch wollte, ich verstände eS auch so!" seufzte Frau Anna. .Aber dazu gehört sehr viel Energie!" .WaS g'hört dazu?" ' Energie Willenskraft und Selbst. b:herrschung!" ' .Das roeib l net,' was das is! Aber daß viel Liab dazu g'hört, das weiß i ! Na, und die hat ja fast a jed'S Weibzu ihrem Mann, wenn'S auch manchmal narrische Teufel san. -Aber 's gibt Weiber g'uug so wieDu die'S Maul

net halten können, und dann iS halt 'S

Unglück schnell m Haus. Da hat unten im Dorf, wie i noch a jung's Madel war, der Hanneshofer a jung'S Weiberl g'hat. Aufgessen haben sich die zwei vor Liab. Er is aber 'n Zornteufel g'wesen; und sie hat denkt, wenn sie im Rech! is, nachher muß sie'S auch behalt'n. Und wenn'S Streit kriegt hab'n mit einander oft Haben's Streit kriegt dann hat ske net's Maul gehalt'n und hat'n so in Wuth 'bracht, bis er vor Brüll'n ganz blau worden is. Mit aufgehobene Händ' hat er sie bitt', sie möcht' dock still sein, sonst gäb'S amal ein Unglück. Sie hat halt auch so a trutziges Gemüath gehabt wie Du! Und amal kimmt's wieder so, und sie is net still und reizt ihn, bis er käsweiß im G'sicht wird, kein Wö'rt'l mehr sagt und außi rennt. In der Nacht is er dann nct heimkommen; und am anderen Morgen Haben's ihn gefund'n. In der Wuth is er in die Berg 'laufen, is ausg'rutscht und abigefall'n. Wie's ihn sei'm Weib 'bracht hab'n, is sie beinah narrisch word'n, weil sie denkt hat, er hat sich um'ö Leben bring' wollen." Frau Anna hatte erbleichend zuge hörl. Jetzt sprang sie mit einem Schreckensruf empor, gulchtbare Ail' der, in denen sie den zerschmetterten Körper ihres abgestürzten Gatten sah, zogen blitzgeschwind durch ihre Seele. Und draußen blitzte und donnerte es noch immer. Ja, sie hatte ihm immer widerspro chen! Die Alte hatte ganz Recht mit ihrer volkstümlichen Weisheit. Ja, sie war ein schlechtes Weib, daö die .Liebe und Nachsicht ihres braven, ibres einzigen Mannes nicht zu würdigen wußte und mit kleinlichem Weibertrotz .belohnte. Und in ihrer verängsteten, weich gewordenen Seele steigerte sich ihr Hans, der ja schließlich auch seine menschlichen und männlichen Schwä chen hatte, zu einem wahren Musterbild, während sie selbst sich recht er bärmlich, kleinlich und schlecht vorkam. Diese Angst, diese verzehrende Angst! Vielleicht war er noch am Leben; vielleicht war eS noch nicht zu spät, vielleicht konnte sie ihn ncch retten, zurückholen! Sie stolperte in den Vauernpantof sein in der Stube umher und rief nach ihren Stiefeln. Die Alte schaute verwundert diesem Treiben zu. Die Stadtleut' waren eben alle narrische Leut. Soeben hatte sie doch noch ganz still neben ihr geses scn und die Geschichte vom Hanneshofer und seinem unfolgsamen Weibe ruhig mit angehört. .Meine Stiefel!" rief die Stadt frau sehr energisch. Bäuerin! Nazi! Wo sind nur meine Stiefeln? .Die Nandl wird beim g'scheckten Kalbl draußen sein," meinte die Alte. .Wenn ihm nur nichts geschehen ist !" O na, Bauchweh hat'S halt a bissei vom frischen Gras fress'n." Ich spreche ja von meinem Mann, nicht vom Kalb!" rief Frau Anna ge. kränkt. Diese Bauersleute hatten eben nichts als ihr Vieh im Kopf. Er isl im Gewitter draußen und kennt nicht Weg und Steg. Wenn ihm was paj sirt wäre" . Die Thür sprang auf, und hereir stürzte der Naz! mit dem Schreckensruf: Abigefall'n is er! Hin is erl" .Allmächtiger Gott!" Ihre Knk wankten, ihre Sinne drohten zu schwinden. Mühsam hielt sie sich am Tisch fest und' abgerissen flies sie die Worte hervor: .Wo?" Drauß'n in der Kuchel liegt er ! rief der Nazl weinerlich. .Aber i kanr nix dafür." '.Wer liegt drauß'n?" fragte dic Alte kaltblütig. .DerMilliküöel! Mit einem Seufzer der Befreiung, der wie ein Stöhnen klang, ließ sich Frau Anna auf die Bank nieder, denr die Kräfte waren ihr ausgegangen. An den Schreck würde sie ihr Leben lano denken! Nur mit halbem Ohr hört! sie, wie die alte Weilhammerin der Nazl über das angerichtete Unglück eiw gehend befragte. Daö Gewitter wurde schwächer z'nur von ferne hörte man noch den Donner dumpf grollen, und der Regen rieselte leise, ganz sanft hernieder, als wollte er für heute Abschied nehmen. Doch sie mußte warten, mußte sich gedulden, bis ihr Mann zurückkam. Wo hätte sie ihn auch suchen und finden sollen? Jetzt ging draußen die Hausthür. Mit einem Freudenlaut sprang sie auf und dem Eintretenden entgegen. Doch eö war nicht der Erwartete,, nur der Bauer, der mit fröhlichem Lachen, während er seine nasse Joppe abstreifte und eine trockene anzog, ihr zurief: .So, da bin i wieder! Das Malefiz. viech iS bis mitten in den Wald eini g'laufen, und auf amal seh' ich auch Ihren Herrn. DeS müssen'S ihm aber nimmer erlaub', so beim G'witter unter die Bäum' umenand zu rennen. " Er lebt also! Sie hätte aufjubeln mögen! .Und wo ist er jetzt?" Er wird gleich da. sein und hat g'sagt. Sie sollten Jhna fertig machen zum Weitergeh'n aus die Aussicht." .Gott sei Dank!.Wo is denn mei Nandl? Hat' Ihnen net G'sellfchaft g'leistet, Frau?" fragte der Muckl höchst überflüssige: Weife, denn draußen hörte man die Stimme der Gesuchten in sehr erregtem Tone. Gleich darauf trat die Bäuerin in die Stube und hatte einige halblaute Worte mit-ihrem. Manne gewechselt, die wohl den Schicksalen und Aden teuern der scheckigen Kuh und des Milchkübels galten.

Aber plötzlich wurden ihre Stimmen

lauter, und Frau Anna Hörte voll Auf merksamkeit zu. Was, jetzt willst aus die Vrantel spitzen? Sift 's net, daß es ganz icyivai; oaerrommt f In der That rauschte der Regen jetzt wieder stärker, und der Heller gewordene Himmel hatte sich von Neuem verfinslert. - . Wegen so a bissel Regen kann ich doch den Wirth oben net mit dem Butter sitz'n lass'n! Und wenn die Stadtleut heut noch 'nauf geh'n, werd' i ixoijl auch keh'n können! Muatter," wendete er sich an die Alte. ,leg' amal den Butter in mei Kraxen nein!" Ob der Wirth heut oder morgen sein' Butter kriegt, iö doch ganz gleich !" ließ sich die Bäuerin vernehmen. .Mach' mi net wild, Nandl! I kann das Dreinreden net leid' ! Bring mir mein' Stock. I geh'!" .Du bist a Grober, aber net gescheit. Da hör', wie'S donnert." Ja, 'S donnert und vielleicht wird'S auch bald einschlagen, wann Du net Tei' Manl hältst'.- rief der Muckl zornig. .Ich muaß auf die Aussicht, weil ich's dem Wirth versproch'n hab', weil er kan Butter hat und nix koch'n kann für seine Gast', und weil er mir nie nix mehr abkaufen thut, wann ich "ketzt net 'nanfkomm!- Heftig mit den Armen fechtend und puttrrolh im Ge ficht rannte er in der Stube umher. Frau Anna war ganz Auge und Ohr. Sie sah da wie in einem Spiegel ihre eigene Ehe, freilich ein volkstümlich vergröbertes Abbild. Gegen diesen Zornnickel von Bauer war ja ihr Mann ein Engel an Sanftmut!). Und bis jetzt hatte die Bäuerin ihre eigenen Lehren noch nicht befolgt. Sie hatte ihm zwar sehr vorsichtig, aber sie hatte -doch widersprochen. Nandl saß jelt schweigend da, mit einer wirthschastlichen Hantirung be schäftigt. .Also so viel Säst' hat er oben?" fragte sie nach einer Weile, während sie eifrig ihren Teig weiter rührte. Na. freilich hat er viel Gäst'. Dummes Gefrag'!" brummte der Bauer, noch immer grollend. .Ja, dann muaß! freilich 'nauf!" sagte sie sanft. .Willst net. eh' Du in die Nässen gehst, noch ein Enzian neh men, damit Dir'ö nix thut?" Und ohne seine Antwort abzuwarten, holte sie aus einem kleinen Wand schränkchcn den Enzian, den sie selbst angesetzt hatte, und ein Gläschen, stellte Beides vor ihn hin, und schenkte ihm ein. . .Der Schulzenbauer drüb'n hat jetzt an Hexenschuß und 'S Reißen, diß er ganz krumm geht. Heut' haben'S nach dem Doktor geschickt." .Woher hat er'S denn?" fragte der Bauer interessirt, wenn auch noch brummig. Er trank trodem daS Gläschen, das ihm seine Frau mit einem freundlichen Lächeln anbot, aus. Na, es is neulich so arg naß word'n, und da hat er sich verkühlt. AlleS kann halt a Bauer a net aushalt'n, und wann er no so jung und stark iS!" fügte sie wie absichtslos hinzu. .So a Wachspuppen, die net amal a bissel Regen vertrag' kann!" lachte der Bauer überlegen. Jessas, jetzt giaßt'S aber!" rief Nandl, während sie ein zweites Gläöchen einschenkte. Das gibt an Wolkenbruch. Da nimm ziur lieber gleich an Schirm mit statt 'm Stock!" Der Muckl sagte vorerst gar nichts; er trank langsam daS zweite Gläschen aus und lehnte sich dann behaglich zurück, seinen Arm um die Schultern der neben ihm sitzenden Gattin schlingend. Den hast guat g'macht, den Enzian! Daö verstehst, Nanderl, das muß man Dir lassen." Gelt ja, guat iö er?" lachte sie verführerisch. Willst 'leicht noch was?" .Na, dank schön, 'S durft' leicht zu viel werd'n. Aber a Busserl hast ver. dient für den Enzian." Und unbekümmert um die Sladtfrau zog er die junge Frau an sich und sagte versöhnt lachend: Na, geh her, Nanderl, da hast einen!" Nandl folgte willig dem ehcherr lichen Gebote, nicht ohne vorher der Stadtfrau einen listigen Blick znzu werfen, als wollle sie sagen : nun paß auf, jetzt kommt's! Der Bauer wischte sich behaglich den Mund. Er war jetzt sehr gut aufgelegt, ja, er machte sogar zum Zeichen dessen einen Witz: Wann mir des nur be kommt, das süße Busserl auf den Bittern da !" Während Beide noch lachten, kam -die Alte mit der Kraxen hereingehumpelt. . So, fertig ! Da hast Dein' Sach.Na, dann geh, Muckl!" meinte die Bäuerin und schickte sich an, ihm die Kraxe aufzuhängen. Er aber schob sie zurück, trat an's Fenster und schaute lange prüfend hinaus. Sackra, gießt das," lautete das Resultat seinerBetrachtungen. Weißt, Nandl, i werd' erst no a bissel ausregnen lass'n!" .So schnell wird'S aber net aufhvr'n!" wandte sie ein. ' .Meinst net? DaS regnet bis auf'n Abend fort, und vielleicht noch die ganze NM, glaub' i." . So, glaubst?" sagte der Muckl und griff nach dem Schni'tzmesser, das noch von vorhin auf dem Tische lag. Na, da kann i net helf'n! Wenn'S net aushört, geh' i halt erst morgen." .So?" machte die Nandl,' und das Lächeln, das über ihr Gesicht glitt, war s? flüchtig und heimlich, daß eö kaum

die Stadtfrau bemerkte, sicher aber nicht der Muckl, der an seinem Griff

herumschnitzelte, ohne die Augen zu erheben. Wenn nur der Wirth net bös wird!" Der? Oho!"' Der Muckl. warf sich .in die Brust. .Der muß froh sein, wann ich ihm unsere Milli und Butter und die Eier verlaus'. Sonst müßt er'S ja Alles aus.'m Dorf auffihol'n." .Aber 's iS doch wegen der Gäst'" .Ach was!" sagte der Muckl über legen; .jetzt sein doch gar keir.e Gäst' drob'n, sonst hätten wir'szoch vorbeikommen sch'n. Geh, Nandl, pack Dein Butter wieder aus! I mag net geh'n in dem schiechcn Wetter. I mag net ! Hörst's!" Hast recht. Muckl, Tu bist doch immer der G'scheitere!" lachte das Nand!, aber diesmal ziemlich laut und ungenirt, und schnell eilte sie davon. .Das muß ich auch prrbiren !. sagte sich Frau Anna, die der Vorgang sichtlich erheitert hatte. Das kann dock wahrhaftig nicht so schwer sein. Ungeduldig harrte sie der Ankunft ihres Hans, um ihre neuen und hart erlernten Erfahrungen auszuprobiren. Endlich trat der Ersehnte in'S Zimmer, und Frau Anna stürzte mit einem Freudenruf an seine Brust. Der Doktor, der offenbar einen anderen Empfang erwartet halte, blickte sie erstaunt an. .Hat Dir der Bauer gesagt, daß wir gleich weiter wollen?" fragte er ernst. Ja," meinte der Muckl, ich hab'S der Frau g'sagt." .Nun, dann wollen wir also gehen!" sagte der Doktor in entschlossenem Tone und mit einer Miene, die keinen Widerspruch zu dulden schien. .Sie kommen also mit?" fragte er den Bauer. .Ja, i wollt' schon mitgeh', meinte der Muckl etwas verlegen, .aber jetzt hab' i mir's anders überlegt, weil 'S net aufhör'n will zu regnen. I bleib' jetzt dahoam." .Wie Sie wollen! Anna, mach' Dich, bitte, fertig." .Ich möchte lieber auch hier bleiben, ich bin müde, und wir können hier ein Zimmer bekommen; und meine Stiefel sind noch naß." .Nein ich wünsche weiter zu gehen !" erwiderte der Doktor schroff, und man merkte diesem Tone an, daß er gewillt war, diesmal und hier seinen Willen auf jeden Fall durchzusetzen. Denn daß es ihm gerade Spaß machen sollte, jetzt auf den Berg hinaufzusteigen, war kaum anzunehmen. Jetzt noch ein letzter Nadelstich des Widerspruches. .Aber cö ist doch wirklich geradezu ein Unsinn, direkt in'S Gewitter hinauszulaufen." .Ich will eS aber!" rief er auffahrend und warf ihr einen drohenden Blick zu. .Nun, dann geh? ich natürlich mit !" erwiderte sie sanft. .Aber Du. armer Hans, Tu hast ja noch gar nichts Warmes bekommen! Ich will gleich den Kaffee wännen.lassen. Und jetzt trinkst Du ein Gläschen Enzian. Der Bauer gibt Dir gewiß eines ab." .Abttfreili-fteili!-Anna nahm die Flasche und schenkte ein. .Bitte, Hans, tnnke, sonst erkältest Tu Dich. Du glaubst gar nicht, was für ein heilkräftiger Schnaps das ist, der hat Wirkungen, die ich nie für möglich gehalten hätte." So? Tavon weiß i ja gar nix," sagte der Muckl verwundert. .Aber für den Magen is er guat, daö is sicher!" Der Doktor blickte seine Frau fichtlich erstaunt an und trank schweigend den Branntwein, der den Durchnäßten mit behaglicher Wärme durchströmte. Sie schenkte ihm ein zweites Gläschen voll : .Der Schulzenbauer drüben hat vom Regen einen fürchterlichen Hexenschuß bekommen, er soll ganz krumm sein." Der Muckl, dem eine dunlle Ahnung aufzusteigen schien, begann zu grinsen, während er auf seine beiden Arme gestützt dem interessanten Vorgang zuschaute. .Was weißt denn Tu vom Schulzenbauer?" fragte der Doktor, schon etwas freundlicher gestimmt, wahrend er auch das zweite Gläschen leerte, das seine erstarrten Glieder wärmte und seine Laune verbesserte. Und die letztere wurde immer freundsicher und milder, als sich jetzt sein Weibchen neben ihn setzte, ihn trotz der Gegenwart des Bauern zärtlich umhalste und ihm liebevoll in'S Ohr slüstertc: .Du armer Kerl, ganz naß bist Du geworden meinetwegen. Bist Du mir noch böse, mein lieber, lieber Hans? Sei doch wieder gut!" .Wenn Du so bist!" rief der Doktor entzückt. . .Aber was ist denn mit Dir vorgegangen? Du schmollst doch sonst immer einen ganzen Tag!" .Es soll nie wieder vorkommen," flüsterte sie. .Ich werde Dir nie mehr widersprechen!" .Aennchefl!" Ei langer, inniger Kuß, aus dem sich die kleine Frau endlich loslöste. .Jetzt will ich mich aber beeilen!" Und rasch wollte sie hinausschlüpfen. Der Doktor hielt sie fest, warf einen langen, mißmuthigen Blick in den Regen hinaus und sagte zögernd: .Na wart' 'mal noch, Aennchen! Wenn wir ein Zimmer bekommen könnten, blei ben wir vielleicht doch da. Was meinst Du?" Wie Du wünschest, Hans!" erwiderte sie mit treuherzig frommen Augen. Indessen" .Wenn Du ohnehin müde bist!" .Ach, so schlimm ist das nicht!" Nein, nein, mit nassen Stieseln kannst Du Dich auch ,ehr erkälten. Also bleiben wir hier! ".fuhr er ent-

schlössen fort. .Bauer, wenn &t na

Unterkunft geben könnten" Is schon recht!" sagte der; und der Nandl, die die letzten Worte mit angehört hatte, flüsterte er zu: Du, mir scheint, der Herr iö net schlecht uuter'm Pantoffel. Erst will er geh'n; über weil sein Weib net will, bleibt er da. Na, so was gibt'S net bei unS tn die Berg!" Ja. ja, ich weiß alleweil, daß i Dir gehorchen muß!" sagte Nandl. Der Doktor ließ sich vom Muckl in die Schlafkammer führen. Frau, Qt hab'n aber guat aufpaßt!" meinte, als sie gegangen waren, lächelnd die junge Bäuerin. Nicht wahr? Und so glücklich bin ich jetzt. Wenn'S mir nun auch so gegangen wäre, wie der armen Hanneshoferin, der sie ihren Mann todt heimgebracht haben?" .Der iS net todt g'wesen!" rief dic zitterige Stimme hinter dem Ofen hervor, aber an Mordsrausch hat er g'habt. Und sie iö später a braves, gehorsameS Weib word'n.". .Das glaubeich nach dem Schreck!" .Na. deswegen net!" meinte die Alte kichernd. .Aber wie er wieder g'sund g'nesen is, und sie hat wieder amal gestritt'n und durchaus net aufhör'n woll'n, da hat er'S recht durchg'haut! Und von der Stund hat sie's Man! gehalt'n." .Ach so!" rief die junge Frau verblufft. Durch die Hintere Thiir, dic zur Küche führte, steckte der Nazl mißmuthig den Kopf herein : .Geh'n m'r jetzt?.Na, die Fremden bleiben bis morgen in der Fruah! Kannst auch blei ben, Nazl, heut' Abend gibt's Speckknödel." .Juhuhuhn !" jauchzte der Nazl, daß die Fensterscheiben klirrten. .Und nachher Zithergespicl und an Enzian!" Und so halte die Einödbäuerin zwei Menschen glücklich gemacht: den Nazl und dic Frau Doktor mit ihrem guten Enzian. ' Ektltäuschlttta eines Tk ergarten Nüttders. Sie hatten ihren besten Freund verloren, die Damen, die im Dcimmer des Abends die Berliner VeLevue-Allee entlang wandern. Nicht mehr ganz jung, die beiden, aber mit einem liebl.nswürdigen Zug in den ncch immer frischen Gesichtern, der jetzt von einem leisen Hauch der Trauer umschattet ist. Sie tragen gemeinsam ein Paket, anscheinend recht gewichtig, zierlich mit einem blauen Bande umwunden. Die profane.Hülle birgt, was sterblich war an dem ehrwürdigen Kater Murr, der im 13. Jahre seines Lebens Infolge Herzverfettung von seinem Erdenfvallen abberufen worden ist. O, Fluch der Großstadt, die keinen hnlrdigen Vegräbnißplatz für die Hausthiere kennt! Wie ein Räuber, der im Dunkel der Nacht auf einen Pompadour im Thiergarten pirscht, also schleichen die ' beiden Frauen auf den stillen Pfad entlang! .Wo ist die Stelle, wo wir unseren liebenswerthen Genossen, den trauten Gesellen unserer einsamen Häuslichkeit hinbetten?" Schon will die jüngere den kleinen Spaten zücken, den sie unter ihrem Mantel verborgen trägt. Da tritt ein Herr heran sehr schneidig,, mit einem eigenen vornehmen Akzent. Die beiden Mädchenherzen beginnen zu klopfen. Der Fremde wünscht in schicklicher Weise einen .guten Abend". Er bittet um die Erlaubniß, die Damen ein Stück zu begleiten. Ein kleines Zögern man sagt weder nein noch ja! Aber schon beginnt der interessante Mann von seinen Reisen zu erzählen. Er berichtet von der Mitternachtssonne, wendet sich dann den Rosen des Südens zu, die seiner schelmischen Versicherung nach keincnVergleich mit den Berlinerinnen aushalten. .Meine verehrten Damen, es ist sür mich als Kavalier geradezu demüthigend, wenn ich sehe, wie Sie sich . beide mit dem Paket bemühen. Es wird für mich ein Vergnügen sein, es zu tragen." Beide, lehnen ab desto dringlicher wird der Fremde! Eben biegt man in die Eharlottenburger Chaussee ein. ein Stra ßebahnwagen in der Richtung nach dem Brandenburger Thor kommt in Sicht. Mit einem gewaltigen Griff hat der Begleiter das Paket an sich g--. rissen, eilt mit Riesenschritten dem Wagen nach, schwingt sich auf den Vorderperron und saust von dannen. . Arme Mädchen! Armer, betrogener lRaunr! Armer, armer Murr! : A e st r a s u n g wegensal scherDenunziation. Der Bergmann Kraushaar aus Steele, Rheinprovinz, hatte, einen Polsterer wegen einer Majestätsbeleidigung angezelgt, deren sich dieser gelegentlich eines Spazierganges mit ihm schuldig gemacht haben sollte. Die Untersuchung ergab jedoch die völlige Haltlosigkeit der Anzeige. Nun wurde der Denunziant selbst unter Anklage gestellt und wegen seiner grenzenlos gemeinen" Handlungsweise zu acht Monaten Gefängniß und drei Jahren Ehrverlust verurtbeilt. Trauriges Ende eineS Veteranen. Bei Großbreitcnbach. Thüringen, wurde der Handelsmann Christian Baumann von Schleusingen erfroren aufgefunden. Seine Leiche wurde der Anatomie in Jena überc,cben. Baumann hatte die Kriege von ' 1866 und 1870 71 mitgemacht. "