Indiana Tribüne, Volume 29, Number 176, Indianapolis, Marion County, 20 March 1906 — Page 6

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M I Behandlung. Diejenigen IcOcn fei elch mit NuKerdaulichKit behastet sind; aber bis einfach Behandlung ist Dr. August Koenig's Hamburger Troüfen ju gkdraucken, welche den Sffc gen stärk und denselben wieder in eine gesunde VersaS ung bringen. preis 30c. 5 Rassen, $2XXi. Möbel, Teppiche, Ofen und ausausstattungen. Das neueste und vollständigste Lager der Stadt. Die mäßigsten Preise, welche je fü? Waaren erster Klasse verlangt wurden. Ein Besuch in unserem Ver kaufslokak wird sich für Sie bezahlen. Sie werden zuvorkommende Behandlung erhalten. WILLIQ'S 141 West Washington Str. Beachten Sie unser Schaufenster für Montags oder Freitags Bargainö. EDWAHD W. MESSMER, l02! Madifon Slve. euer Ztt ms.i. Zlllrillizer ?get der berühmten Williams Pumpen N0 TRIX" "T0 FIX". .Sarantirt eine Hol,pumve auZ isen kkmacht. Reparaturen an Pumpen erden prompt uvd btlliz aulgkföhrt. Reparatureu an Häuern w't Einlegen euer Rinnen oder anbringen neuer Zldslukröhren nK Zina Zer galvZNlstrtein Sife werden i übe ZeU gemacht. Aerzte. Dr. LEO HERBERT Wiener Arzt. Haut-, Geschlechts u. Nervenlranlheiten 120 Oft Ohi Ltrahe-2ter jfloor. Neue kel. 44. EgrechftundkZ, 9ll, 2 4. 78 Ideadl. Dr. Paul F. Martin, Praktischer ArztZ nd Chirurg. Sprechstunden: ii.o 12.8 .30 4.00 täglich TonntazZ: Auf Verabredung. WiHoughby Gebäude,' 121 ord Merldin Ttroße. . Tel., Main 441. Wohnung: 1205 Nord New Jersey Str. Ü Telephon: Main.86; New 38. Dr. Carl Q. Winter Deutscher Arzt. handelt alle akute nnd.chrsnilchelSraukheite. Sveziell Nheumatismus. NectnÄund FraueN'Krankheitea. Gfsice: 14 weft Ghio Straße. Ofsice-Stunden : 10 11 Vm. 3-4 Nm. Sonntags : 9.3010.30 Vm. Tel. neu 43. Wohnung: 1220 Madiso Nveuuc Telephone : Alt. 2025. Neu, 9232. 0r. j. A. Sutcliffe, -' ' ' Wundarzt, 's" Keschltchts., Urin- nntecinn llrankheiten. mit : 155 OlZ Market btt. Tel. 541 Ltt(letufs: IU119 rv.;,bi,4 H,

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Eine Rekfegeschkchto aus Kr genlkilien. Aus dem Tsgkbuche rinrs IVeltrnbummlers. von C v. vlllkbo'S.

l-ri löcaiuB.j ff jtr..t w Angenehm war das Aussteigen und Waten durch das Wasser, in dem es von Alligatoren wimmelte, die übri gens nicht so schlimm sind als man ge wd'hnlich glaubt, nicht. Die Schlangen und Pumas auf dem Lanbe sind mehr zu befürchten. Auf beiden Flußseiten war Urwald. Von einem solchen macht man sich eine ganz falsche Borstellung. Er besteht dort meist aus zwei bis fünf Meter hohen Quebrgchobäumen, veren Aeste kaum Schatten geben wurden, wenn der ganze Wald nicht von Lianen dicht durchwachsen wäre, so daß man dadurch schwer vorwärts kommt. Eine der am häufigsten vorkommenden Liane ist die wunderschöne, prachtvoll duftende Passionsblume, die sich leider abge pflückt gar nicht hält, sondern gleich verwelkt. Wir Dre machten uns also auf den Weg, bewaffnet mit Flinte und Nevol Der, versetzen mit Aerteu, Messern und so weiter und die Entdeckungsleise ging los. langsam, unter vielen Schwierigleiten, bahnten wir uns unseren Weg. aber es ging doch bedeutend besser als wir gedacht hatten. Unterwegs wurden zwei Niesenschlangen geschossen, kolossale, braungelb gefleckte, aber den Menschen ungefährliche Reptilien. Ihre Haut wird sehr gesucht und theuer bezahlt, da sie gegerbt faft unverwüstlich ist. Aei furchtbarerHilze kamen wir nach nicht ganz zweitägiger Wanderung doch endlich glücklich, ohne Unfall in Assuncion wieder an. Meine zwei Mitwan derer blieben dort und wollten eine günstigere Gelegenheit abwarten, um doch die Kolonie zu besuchen. Ich gab ihnen Briefe mit und fuhr flußabwärts zurück in die Provinz öntre RioS nach La Paz, von wo ich mich landeinwärts zu Pferde zur .Colonia San Gustavsaufmachte, um doch die Kolonisation genau kennen zu lernen. Dort bin ich fast ständig über zwei Jahre gewesen, abgesehen von einigen kleinen Reisen. Auf einer von diesen es sollten Pferde gekaust werden bin ich auch nach Rueva Germania gekommen, gerade als der Unternehmer, der bekannte Förster, gestorben war. Wie man glaubte, war er vergiftet worden. Nach dieser kleinen Abschweifung komme ich auf die Hauptsache. Geschäfte halber mußte ich öfters über Rosaro de St. Je und Campagna nach Buenos-Ayres, eine dreitägige F'ahrt per Schnelldampfer. Auf meiner ersten Fahrt habe ich. wie jeder Neuling. aber diesmal im wahren Sinn des Wortes, Lehrgeld zahlen müssen. In Campagna ausgestiegen, um mit der Eisenbahn weiter zu fahren, be stellte ich mir Mittagessen, und wie es an's Bezahlen ging nahm der Wirth das Geld als werthlos nicht an. Er behauptete, es wäre Cntre-Rionischeö, auch fehle der Stempel der Ban! Banco National.- Bon der Nichtig, keit. dieser Behauptung überzeugte ich mich nun allerdings durch Augenschein, aber anderes Geld hatte ich nicht bei mir; ich war erstaunt, mit diesem schlechten Geld doch schon bis hierher gekommen zu sein. Ja! Hier wäre die Provincia de Buenos-Ayreö und in jeder Provinz, trotzdem sie die Republik Argentinien bildeten, gelte nur das dort geprägte oder gedruckte Geld, ausgenommen, wenn eS auf der National dank in BuenosAyreS abgestempelt wäre ; er wolle sich aber liebenswürdig erweisen, und mir, da er das Geld wieder loswerden könne, selbiges mit Abzug von zwanzig Prozent wechseln. Ich war froh, mein schlechtes Geld los zu werden und wechselte hundert Pesos. In Buenos-AyreS im Bankhause von Bunge u. Born, denen ich Zahlungen zu leisten hatte, rrsuhr ich, ich wäre einfach geprellt worden. Als ich wieder zurückreiste und den Wirth darüber zur Rede stellte, wollte er natürlich absolut nichts mehr davon wissen. In BuenoS'AyrcS angelangt, auf dem Wege zum Konsulat, begegnete mir ein Mitreisender vom Baltirncre,1 zerrissen, wankend, elend im äußersten Grade. Er wagte cö in dieser Verfassung augenscheinlich'gar nicht, mich anzureden, darum that ich es. Er war b:d nach seiner Ankunft krank geworden und erst seit drei Tagen aus dem Hospital entlassen, hatte seit der Zeit nichts gegessen und nur im Freien geschlafen. Wie ich späterhin erfuhr, war er allerdings ein fauler Mensch, dem eS zwar später ausgezeichnet ging, der aber jede körperlich lästige Arbeit scheute. Damals konnte man, wenn man wollte und keine Mühe scheute, leicht überall ankommen und gegen recht gutes Gehalt. Als die Revolution 1891 auöbrach, war es freilich mit dem Arbeitsinden aus. Mir ist eS immer so gegangen: wenn ich einen Lc.ndömann in weiter Ferne traf, besonders wenn man ihn etwas näher kennen gelernt hat. habe ich mein Möglichstes gethan, um ihm zu helfen. Ich schleppte ihn also zumir in'sHotel und aß mit ihm Table d'hote. Der Mensch war wirklich ausgehungert, denn nachdem er die Speisekarte von A bis I herunlergespeist hatte, war er noch lange nicht satt. Na! er mochte einmal so lange essen, bis er genug hatte. Der arme Kerl that mir wirklich leid, daher versah ich ihn mit Empfehlungen, guten Rathschlagen und Geld, und so trennten wir uns.

Seit einigen Tagen hatte iq

schon unwohl gefühlt. Plötzlich stellte sich starkes Leibweh und Fieber ein. Der Doktor, der gerufen wurde, meinte, die Sache , wäre ernst, ich solle mich lieber gleich in'ö deutsche Hospital schaffen lassen, dort hätte ich Alleö was nöthig wäre, bei guter Behandlung und civilen Preisen, denn er glaubte, ich habe ein typhöses Fieber, herbeigeführt durch den Klimawechsel. Ich fuhr hin und bin dort über einen Monat gewesen. Um nicht allein zu sein, ließ ich mich in einem großen allgemeinen Krankensaal zu elf anderen Kranken betten. Alles war dort deutsch: Aerzte. Wärter, Schwestern, Wärterinnen und so weiter, dabei große Reinlichkeit, kolossale, luftige Räume in verschiede nen Pavillons, in einem wunderbaren Gerten mit prachtvollen Bäumen ge legen, gutes reichliches Essen und ein sehr, mäßiger Preis: nur einen Peso per Tag. Ueber zwei Wochen lag ich unter starken Schmerzen, dann besserte sich meine Gesundheit schnell. Ich mußte mich natürlich streng an die Diät hallen und bekam nur Lkeissuppe und etwas Weißbrod, hatte aber später einen solchen Bärenhunger, daß ich nach Kon sistenterem verlangte und dachte, ich könne es gat nicht mehr so aushalten. Die Klagen bei den Doktoren fruchteten nichts, da erschien als rettender Engel ein davongelaufener, schwedischer Matrose, der eigentlich ganz gesund war, aber fürchterlichen RheumatismuS simulirte. Er sprach sirm platt und unter uns Kranken war es kein Geheimniß, daß er nur wartete, bis sein Schiff w die weite Welt hinaus käre; er wollte eine Stelle auf einem anderen suchen. Die Doktoren hatten wohl auch Gnade für Recht ergehen lassen und ihn kostenfrei im Hospital aufgenommen; dafür mußte er aber Ge schirre reinigen. Abends erzählte er uns die unglaublichstew-Seegeschichten und war ein guter, biederer Kerl von einem Seebären. Dieser Goldmensch versprach .mir, von seinem Mittagoder Abendessen etwas aufzuheben und Abends, .wenn Alles stille und sicher sei, eS mir zuzustecken. In der Nacht kam er auch richtig angewalzt. An der Thüre hörte ich ein Geräusch, ungefähr so als wenn ein Frosch Klatsch! ruf den Erdboden fällt. Ich sehe meinen Matrosen sich bücken, etwas aufheben, in die Tasche gleiten lassen und au mich zu kommen. Unter der Decke steckte et mir etwas in die Hand und entschuldigte sich flüsternd, das Stück Fleisch wäre ihm vorhin heruntergefallen, der Boden wäre aber ganz rein. Seit Mittag habe er es schon in der Tasche herumgetragen, mir aber immer noch nicht zustecken können. Ich fühlte etwas Quabbeliges, Nasses, Kaltes aha ! das Fleisch, und etwas HaUes aha! das Brod. Trotzdem ich in Bezug auf Speisen schon recht abgehärtet war und einen ganz unmenschlichen Hunger hatte, konnte ich eö doch nicht über das Herz bringen, das Fleisch, an dem verschiedene Tabakreste, sowohl von Kau als Rauchtabak, hingen, zu essen. Die Rinde vom Brod schnitt ich ab und das Innere aß ich dann. Hätte mein alter Schwede das gewußt, ich glaube, er wäre tief beleidigt gewesen. Aber ein gutes Herz hatte er doch so Wasserund seifenscheu er auch war. Endlich wurde ich als geheilt entlassen, packte meine Sachen, die ich in mein altes Hotel Universal schickte und machte mich selbst zu Fuß dorthin auf. Unterwegs wollte ich noch einige Besuche abstatten, trat aber erst in eine Restauration ein, ließ mir ein Glaö Wein geben und setzte mich daraus an das Pianino, um nach langer Entbehrung endlich wieder einmal meiner Lei denschaft zu fröhnen. Plötzlich redete mich der Kellner mit meinem Namen an. Ich erkannte meinen alten Reisegefährten, von dem ich schon oben gesprochen habe. Er war seit einigen Tagen Kellner und hakte seine vorherige einträgliche Beschäftigung, wie er mir erzählte, kurz vorher verloren. Er war nämlich von Lokal zu Lokal gezogen und hatte dem Publikum was vorgesungen, wozu ihn ein Anderer auf dem Klavier begleitete. Er hatte wirklich eine recht schöne Stimme und famosen Vortrag. Sein Begleiter war eines Nachts mit der Einnahme verschwunden und einen anderen fand er so leicht nicht. Er war entzückt, mich zu sehen und spielen znören und bat mich inständig, ich solle mich mit ihm zusammenthun; wir wollten Beide öffentlich musiziren. Ich könnte mir gar keinen Begriff machen, wie viel Geld das einbrächte. Mir machte dieser Vorschlag Spaß, und um dem armen Kerl wieder auf die Beine zu helfen, sagte ich: .Topp, ich bin dabei!" Am nächsten Vormittag holte er mich ab und mit der Pferdebahn ging eS hinaus in die Hafenstadt .la boca." Hier sind eigentlich nur Kneipen, in manchen Häusern sogar mehrere. Von dem Verkehr dort macht man sich keine Vorstellung. Hamburg und Bremerhaven sind nicht dagegen. ' Mir traten in die erste etwas besser aussehende Kneipe ein das obligate, verstimmte Pianino stand natürlich an der Wand. Mein Bekannter schlug den Deckel auf und bat mich, ich möchte irgend einen feinen Marsch spielen. Ich that eS. Darauf begleitete ich ihn zu .Denke Dir doch, mein Liebchen Jifcherin, Du kleine,-, und so wester. Ich amüsirte mich großartig And war auf das Weitere außerordentlich gespannt, besonders auf die in Aussicht gestellte große Einnahme. -..

Man denke sich nur die Situation:

Wir gehen einfach in irgend ein Trinklokal, ich setze mich an das Klavier, ohne Jemanden zu fragen, und spiele; ein Andercr singt, darauf stellt er seinen Hut auf das Pianino, die Heffnung nach oben, und eö dauert wirtlich nicht lange, so füllt sich das Lokal mehr und mehr, der Wirth stellt unö ungebeten eine Flasche Wein hin. nach Beendigung eines jeden Stückes wird .Bravo!" gebrüllt, mit Fäusten, Füßen und Stöcken auf dem Boden, den Tischen und Ctüb.!en herumgelärmt. geklatscht, gepfiffen und in den Hut regnet es kupferne und papierene Eentavos. Als Zugabe, so zu sagen, kam NUN ein spanisches Liedchen da geschah etwas ganz Unerwartetes, aber von großer Tragweite. ES erschien neben mir ein ziemlich zerlumptes, etwas verlebtes, ziemlich junges, aber noch passabel hübsches Mädchen, stellte sich mir als .spanische Tänzerin vor und bat, ob sie nicht mit uns ziehen dürfe. Sie habe große Erfolge aufzuweisen und mein Spiel sage ihr wohl zu, es wäre Feuer und Sicherheit drr. Na! das war nun wirklich 'ausgezeichnet, und das Lob über mein 5!önnen mußte mich nicht wenig stolz machen! Ich also eine ernste Miene aufgesetzt und nch kurzer Unterredung mit meincm ersten Sänger sie Probe tanzen lassen. Ich war mit ihren Leistungen zufrieden, und nun gingen einige spanische Nationalsolotänze vom Stapel, die frenetischen Jubel hervorriefen. Das Lokal war zum Brechen voll und unser Sammelhut zum Ueberfließen. Unser Tisch stand voll Bier. Wein, Schnaps und Essen kurz, es ging wirklich brillant! In Amerika, wo man ganz unbekannt ist, kann man sich eben Alles erlauben und unbeanstandet thun. Hätte mich Jemand von meinen Stu diengenossen in dieser Situation gesehen, so hätte er gesagt: Das sieht dem tollen Häring wirklich ähnlich ! Wäre es aber Jemand aus meiner Verwandtschaft gewesen, ich glaube, er hätte die Polizei requirirt. Endlich winkte mir mein Genosse, aufzuhören. Wir wollten ein anderes Lolal besuchen. Der Wirth bedankte sich bei unö, anstatt wir bei ihm, und bat, wir möchten recht bald wieder kommen, er mache sich eine Ehre daraus, uns frei zu bewirthen und so weiter. Und so zogen wir, jetzt zu Dreien, weiter, und zwar in ein spezielt französisches Lokal. Tort dieselbe Geschichte. Diesmal natürlich mit der Marseillaise angefangen, dann französische Lieder und Stücke aus Operetten; dann derselbe sich steigernde Besuch, Radau und so weiter und dann dieselbe Geschichte wie vorher. Eine kleine Französin mit ihrem Kousin stieß zu uns. Beide Koupletsänger und Eharakterkomiker, er außerdem Jongleur und Schlangenmensch. Ich wollte vor Vergnügen bersten! Wer hätte wohl je gedacht, daß ich einmal quasi als Tingeltangeldirektor in BuenosAyres von Matrosenkneipe zu -Kneipe ziehen würde. Die Franzosen kannten ein vesscree Lokal mit einer Art Bühne. Also ans nach Valencia! Diesmal lag die Sache aber anders. Wir kamen als größere Truppe zum Wirth und mußten mit ihm einen Kontrakt machen und Miethe für den Saal zanlen. Geld hatten wir ja rein im Ueberfluß und so wurde diese Angelegenheit schnell in Ordnung gebracht. Abends wollten wir große Borstellung geben, dazu mußte aber ein Programm aufgestellt und geübt werden, denn die Franzosen hatten gar zu unbekannte Sachen und mit der Äcgleitung aus dem Kopfe war eö deswegen nur so-so la-la. Darum machte sich der Franzose auf den Weg, holte seine Noten und nun ging es schnell an'ö Ueben. Abends war der Saal hell erleuchtet, vor der Thüre prangte ein Riesen Programm in Lapidarschrift auf einer schwarzen Tafel, auch die Eintrittspreise und so weiter. Polizeistunde kennt man dort glücklicher oder auch unglücklicher Weise noch nicht. Das Pianino war besser als die anderen, war auch eben gestimmt worden, das Lokal war, feiner." Der Saal war schon lange vor angesagtem Anfang der Vorstellung übervoll. Und nun ging es los. Als Anfang natürlich die argentinische Nationalhymne, die in corpore von Allen mitgesungen wurde, und dann folgte ein Stück dem anderen in steter Abwechselung; ich erinnere mich nicht, daß auch Pausen vorgekommen sein sollten. So ging eö aber die ganze Nacht hindurch bis in den nellen Morgen. Als es zur Theilung kam, stellte es sich heraus, daß die Einnahme ganz kolossal war. Ich hätte mir daö nie träumen lassen. Das Amüsanteste war aber, als ich als Direktor an die Theilung ging und auf meinen Aulheil verzichtete, bis auf ein so schmutziges Fünf-Eentavostück aus Papier, daß man es nur mit Handschuhen anfassen konnte. Ich hebe es als ewiges Erinnerungözeichen an jenen Abend auf. Meine sämmtlichen Akteure brachen ob meiner Gromuth -in einen Ruf des größten-Staunens aus. Sie haben mich entschieden für total verrückt gehalten. Wir wären todtmüde und bekamen im selben Lokal glücklicher Weise auch Betten. Die Freude deö Schlases sollte aber tfcht lange dauern und war speziell mir nur aus ganz kurze Tauer beschicken, denn der Wirth kam, um mich zu wecken. Ich konnte kaum die Augen ausmachen vor Müdigkeit ; aber er erkürte mir, es wäre ein seiner Herr da, der mich durchaus sprechen müsse und dies in einer außerordentlich wichtigen.Sache. ,.

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Wie ich in den Speisesaal eintrete, erblicke ich einen. Herrn vor einem opulenten Frühstück. Auf seine Aufforderung hin setzte ich mich zu ihm und nun kam er mit seinem Vorschlag heraus, der dahin zielte, ob es mir nicht möglich wäre, mit meinem Personal heute Abend bei ihm auf seinem Landgut in der Nähe sein idyllisches Junggesellendasein zu verschönern. Alle Unkosten per Bahn und so weiter wären natürlich seine Sache, mit der Gage sollten wir auch zufrieden sein. Mir war es recht, aber die Anderen mußten auch noch gefragt werden. Sie wurden aufgeweckt und der Plan ihnen mit getheilt. Allgemeine Zustimmung, Frühstück auf seine Kosten und je fünfzig PesoS für jeden von uns als Reisegeld und Spesen. Abends mit der Eisenbahn hinaus nach Palermo, in der Equipage abgeholt, und ein wilder Radau die ganze Nacht durch bei dem alten sehr gemüthlichen Junggesellen, der natürlich noch einige Seinesglei chen geladen hatte. Als ich ihm im Verlaufe des Abends mittheilte, wer ich eigentlich sei, und meine Erlebnisse in meinem neuen Posten erzätzlte, bekam er Lachkrämpfe, umarmte, küßte Tirich, trank in Eham pagner Brüderschaft mit mir (Ehampagncr floß überhaupt in Strömen) und bis auf den heutigen Tag sind wir gute Freunde geblieben. Was die BeZahlung anbelangte, so war sie geradezu fürstlich zu nennen. Für den nächsten Abend sagte ich meiner Truppe meine Mitwirkung noch zu, dann aber mußte ich unbedingt wegfahren. Ta ging aber daö Jammern los! Was sollten sie ohne Klavierspieler machen? Es ginge Alles so schön, würde so viel Geld verdient und was der Gründe noch mehr waren. Ich blieb aber standhaft, auch fing die Sache an, mir lästig zu werden. Abends hatten wir wieder unsere alte Bühne gemiethet und vor Anfang der angesagten Vorstellung stellte ich mich vor die Rampe und erklärte, ich wolle mich nach allen Mühen und Entbehrungen in das Privatleben zurücke ziehen, da ich ein gemachter Mann wäre. Es wäre also heute die letzte Vorstellung, die ich leiten würde und sie würde noch nie Dagewesenes bieten. Zugleich thäte es mir aber leid, von meinem lieben Personal zu scheiden, mit dem ich in den vielen Jahren sroye und traurige Stunden, Hunger und Entbehrung treulich getheilt hätte. Meine Artisten weinten vor Rührung, das Publikum war sichtlich ergriffen urtd diese Gelegenheit wurde zu einer Ertrasammlung benutzt, die auch einen schönen Batzen abwarf. Dann fragte ich, ob nicht unter dem Publikum Einer wäre, der die Klavierbegleitung übernehmen könne. Bon morgen Früh an ginge die Leitung unseres .Artistischen Instituts in die erprobten Hände meines Freundes Don Enrico über. ' Es meldete sich ein langer, blasser Jüngling, der die Probe gut bestand und in den Verband aufgenommen wurde. Er durfte auch gleich Einiges vortragen. Er hat, wie ich später erfuhr, fernen Posten zur vollen Zufrie denheit ausgefüllt. So war ich auch einmal musikalischer Direktor. Lange Zeit nachher ging ich in Montevideo in einen Eirkus. Als ich meine Eintrittskarte lösen trollte, sagte eine bekannte Stimme am Schalter : .Nein, lieber Freund! Du hast freien Ein-tritt!-Wer war cö? Mein aller Kompagnon und Musikgenoffe, der als wohlbestellter Eirkusdirektor durch Südamerika reiste und dem es sehr gut ging ! Das hatte ich also auch werden können. Wir verlebten noch frohe Stunden mit einander und bald darauf fuhr ich nach Teutschland zurück. Vor einiger Zeit erhielt ich die Nachricht, er wäre bei einer Ueberschwemmung in St. Je um'ö Leben gekommen und mit ihm sein ganzer Apparat. Sequenio Ausrede. Vater: .Du wirst ja mit Deinem Studium gar nicht' fertig!" S t ubeut: .Hat auch keine Eile damit: jetzt ist ohnehin schon jeder Beruf überfüllt . yarsdjlsto zur SZiite. Klein-Mzzi sißt am Klavier und übt unter Mamas strenger Aufsicht Etüden. Froh athmet sie auf. als Besuch gemeldet wird, und Frau Müller, eine jungverheirathete Dame, in's Zimmer tritt. Beim Anblick des geöffneten Klaviers sagt diese: .So gern ich sonst spielte, feit meiner . Hochzeit habe ich keine Taste mehr berührt.- Ach, Mama," rief Klein-Mizzi dazwischen, möchtest Du mich nicht auch lieber heirathen lassen!"

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Pretttzen'S Bevölkerung. Das vorläufige Ergebniß der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 für den preußischem Staat, dessen Provinzen, Regierungsbezirke, Kreise bezw. Oberämter und für die Landgemeinden mit über 10,000 Einwohnern sowie für die Fürstenthümer Waldeck und Pyrmont wird jetzt amtlich durch die Statistische Korrespondenz, die im Königlichen Statistischen Landesamt zuBerlin herausgegeben wird, bekanntgegeben. Danach ist die Bevölkerung Preußens auf 37,273.762 Köpfe gestiegen und hat seit dem 1. Dezember 1900 um 8.10 v. H. oder durchschnittlich jährlich um 1.57 v. H. zugenommen. Innerhalb der 38 Jahre von 18fi7 bis 1905 war das. Anwachsen der Bebolkerung Preußen's keineswegs gleichmäßig, denn es betrug in Preußen einschließlich des Qerzogthums Lauenbürg sowie seit 1890 einschließlich der Insel Helgoland: die iävrNA? ?olssunodme.

-am die ?ol!?zahl. Personen. V.H. Die Ursachen der starken Bevölkerungszunahme Preußens in den letzten Jahrfünften sind weniger in der Bermehrung der Geburten, als in dem dauernden Sinken der Sterbeziffer und dem Rückgange der Auswanderungen zu suchen. Im einzelnen zeigt der Osten Preußen's eine verhältnißmäßig sehr schwache Bevölkerungszunabmc. Die östlichen Provinzen bilden bekanntlich vorwiegend die Auswanderung--gebiete für die übrigen Landestheile der preußischen Monarchie. Daher kommt es. daß die Binnenwanderungen im preußischen Staat zurzeit den G:gensatz von Entvölkerung des Ostens und Anhäufung der Bevölkerung im Westen in nicht gesunder Weise verschärfen. ' Weiterhin zeigen die 83 Stadtkreise Preußens sämmtlich eine Zunahme, diese ist am stärksten in Rixdors. 65.90 -v. H., Schöneberz 6.87. Kiel 34.33, Charlotteuburg 26.52. Das Anwachsen der Bevölkerung war am größten in den Kreisen Ruhrort und Teltow. Die 263 Städte Preußens mit 10.000 und mehr Einwohnern haben 13.325.049 Bewohner. Ta TttNN.'lzrheimnifz. Die Detectioes. die von dem französischen Grafen Rochaid beauftragt wurden, Untersuchungen über den Tod der Komtesse Rochard in dem Londoner Crick - Tunnel anzustellen, sind zu der .rsicht gekommen, daß es sich um ein Verbrechen handelt, das in seinen EinzeZheiten dem Morde in demMersthamTunnel vollständig zu entsprechen scheint. Es werden Juwelen vermißt, die Fräulein Rochaid trug. Besonders verdächtig erscheint jedoch die Thatsache, daß der Hut der jungen Dame am Eingange zum Tunnel gefunden wurde, während die Leiche 200 Meter davon entfernt lag. Dazu kommt, daß eine Dame, die in dem benachbarten Abtheil fuhr, ausgesagt hat.daß sie unmittelbar vor der Einfahrt 'des Zuges in den Tunnel, einen Schrei hörte. Alle Bemühungen, den Droschkenlutscher ausfindig zu machen, der die junge Französin von der WaterlooStation nach der,Euston-S!ation fuhr, sind bisher ohne Resultat geblieben. Auf der Euston-Station hatte die junge Dame einen Aufenthalt von etwa einer Stunde. Sie wurde dabei in eifrigem Gespräch mit. einer Französin gesehen. Die Familie behauptet, daß das Mädchen keine Bekannten in London gehabt habe. Ihre Begleiterin, die bis zu ihrer Abreise bei ihr blieb, hat sich bisher nicht gemeldet.- - Der verlorene Sohn Das mysteriöse Verschwinden eines vierzehnjährigen Knaben Stephan Szepsa, eines Adoptiosohnes der Eheleute Mayer in Zell an der Vbbs. der angeblich durch die Lehrerin Friederike Vüchl im April 1901 entführt wurde. beschäftigte vor fünf Jahren das öfterreichrsche Parlament und die Gerichte, ohne daß Licht in die Affäre gebracht werden konnte. Nun ist es aber 'tzelungen, den heute 19-jährigen jungen Mann ausfindig zu machen. Der Wgeordnete Schumeier und der Advokat Karl Ornstein verloren die Sache nicht aus den Augen. Vor einigen Tagen erfuhr Ornstein. daß Szepsa sich in dem Dorfe Nendeln im ürstentbum Liechtenstein aufhalte bei der verarmten Schwester der Buch!, Luise Bologna, unter dem Namen Gaston Dimia. Ornstein fuhr mit dem Ziehvater, May., er nach Nervdeln, wo Szepsa Alles leugnete und einen Fluchtversuchs machte. Vor dem Landrichter gestand er aber, daß ihm die Bückl als 14. jährigen Knaben falsche Dokumente verschaffte und ihn in's Kloster steckte. Er war in verschiedenen Klöstern in Belzien. Jerusalem und Konstantinspel und bat unter Thränen seinenZieh- ' m rr- . vater um erzelyung. isr renne mit diesem nach Wien zurück. Im Parlamente aab der Minister Ko'rber die Versicherung ab,' daß der Knabe in sei n r nem HJoner ict. Galante Ausrede. Aber. Hermann, Du hast heute meinen Eeburtstsa vergessen!" Verzeihe ' ich hab's gar nicht .gemerkt, daß Du um ein Iah? älter geworden bist!-

3. Tezemb. 1P07 24,021.440 1 .rro- nan 3. . 1871 24.fi80.2S2 s ZU 'Z ini 1. . ,75 2.V742.404 ) Shii 7i7 !. - 1380 27,279,111 s kll 1. . 1855 28,318.470 ) 207.8,2 O.lo 1. . 18W 29,9.".7.?,'.7 s i'lkt i oi 2. 1805 31.8'.5.12Z ?70.5M 1.24 i. . 1000 34,472.509 s 23.477 1.59

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