Indiana Tribüne, Volume 29, Number 173, Indianapolis, Marion County, 16 March 1906 — Page 7

Durch Leid M Liebe

Bnman (Fortsetzung.) Konrad Treu setzte sein Glas auf den Tisch zurück. Lonny, eine Frage, die mir schon ein paarmal auf die Lippen trat und immer wieder von anderen verdrängt wurde: wer oder was brachte Dich auf meine Spur?" Gisela Hardes. - r Sie war so lieb, auch zu mir zu galten, als ich die Bühne verließ.. Sie besuchte mich oftmals. Ihre Schwester Tony, Du weißt, die hübsche Modistin, hatte das Glück, sich mit einem guten Menschen zu rerhcirathen, dessen Eltern hier wohnen. Sie hat Dich gesehen, als sie mal einige Tage bei ihnen war, und es Gisela gesagt... Und so ist Gisela mein guter Engel gewesen." So, so " sagte er mechanisch und spielte mit seinem langen Schnurrbart. Sie ist so gut. Sie hat es bei ihrer knappen Gage immer noch möglich gemacht,. mir, wenn sie kam, irgend eine kleine Üeberraschung mitzubringen." Verfolgt sie der lange, dämliche Trollheim, mein unvergeßlicher Chef, immer noch mit seiner stummen Verehrunz?" Ach der !" klang es verächtlich zu ihm hinüber. - Verwundert gewahrte er, daß ein leiser Nosaton in das Wachsgesichtchen getreten war und daß eine kleine Flamme verschwiegener- Entrüstung aus dem fieberisch leuchtenden Blick flackerte. Nun r , Sie schüttelte abwehrend den Kopf. Er kniff die dunklen Lider etwas zusammen und gab sich den Anschein, als interessire ihn durchaus nicht, was sie ihm verschwieg. Trinke, 'Lonny," ermunterte er von neuem, Du siehst von den paar Tropfen schon viel wohler aus." Sie griff abermals nach dem für sie doch so gefährlichen, flüchtig wirkencen Verschönerungsmittel und trank es aus. Uh Feuer!" sagte sie mit orollkgem Schauder. Konrad Treu goß beide Gläser wie derum randvoll. Schimmernden Auges starrte Lonny Jordan vor sich hin. Es war gar keine Aesorgniß mehr in. ihr. Sie vergaß auch, daß sie eben noch hatte wollen verschwiegen sein. Sie kicherte Plötzlich lusliz. Ach. der dumme, häßliche, langweiliae Mensch !" Hat er Dich beleioigt?" Ach er er hat ja nie Gisela gemeint mit seiner unverständlichen Anhänglichkeit." Siehe di etwa Dich?" Sie bejahte stumm.. Es war, als wolle unklare Scheu und Unbehagen ihr wieder irgend ein Geständniß zurückhalien. So viel Geschmack hatte ich ihm gar nicht zugetraut," meinte Konrad Treu leichthin. In seinen Zügen drückte sich schlecht verhehlte Unruhe aus. Hat er Dir von mir gesprochen? " forschte er seltsamerweise. Sie schüttelte so überhastet den kleinen, heißen Kopf, daß er diesem verneinenden Zeichen nicht traute. Jawsl," widersprach er scharf. Und Du wirst mir sagen " Sie lächelte beschwichtigend. Ach, es war ja nur er meinte es ja nicht so er hat Dich immer gern gehabt und er ist ja auch nicht nachtragend." Er stand neben ihr und faßte sie rauh an der Schulter vor Ungeduld. So sprich doch klar und vernünftig!" Ach, er hat mich doch nur einschüchtern wollen damit " sie duckte sich furchtsam unter seiner Hand. Schüttele mich nicht mir ist so sonderbar." Einschüchtern wollen womit?" Weil ich ihn fortwies und auslachte," als idJMljn endlich begriff," erklärte sie bedrückt. Da wurde er böse und meinte " Meinte ?" ' Er wäre zwar sehr gutmüthig und mir zuliebe wäre er es erst recht gewesen aber er könne auch hart sein, wenn er wolle, und er könne sich leicht zum Ankläger machen... So dumm! Aber ich ging nicht in die plumpe Falle." Sie verstummte beunruhigt, denn sie fühlte die kräftige Last auf ihrer schwachen Schulter so schwer werden. als brauche der Riese einen Halt. Sie wollte zu ihm emporsehen, doch ihr schwindelte so merkwürdig, daß sie es unterließ. Weiter!" qebot er. Du wirst Dich doch über den albernen Menschen nicht argern, Konrad?" bat sie. Der alberne Mensch scheint klüger geworden zu sein," preßte er durch die Zähne hervor. Er trat einige Schritte von ihr hinweg und verschränkte die Arme, wobei sich seine Fingernägel in die Nockärmel krallten. Rede, Lonny! IQ sage Dir, zch muß alles wissen. Aber Du hast doch nichts Böses getyan es war Dir ja nur em unan genehmes Versehen in den Büchern pas sirt, damals. Da ist doch nichts dabei; und er hat sich doch auch sonst Nicht darum gekümmert... Ich habe ihm das auch gesagt." Und er?" Ach, das ist alles so hZliq! Laß ms oom. " -

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Und'er?" behalte er hitziger. Was

erwiderte er?" Er wisse seit einiger Zeit, daß Dein Versehen so groß gewesen sei, daß es vor vor nein, es beleidigt Dich." Zum Henker, so laß es mich doch beleidigen! Daß es vor ?" Dctt Staatsanwalt gehöre." berichtigte sie empört. Seine Haltung veränderte sich um keine Linie, aber seine Brust arbeitete keuchend und das trotzige, fahl gcwordene Gesicht war herabgesunken. Ich hätte Dir die Schlechtigkeit gewiß nicht gesagt, wenn Du mich nicht gezwungen hättest." entschuldigte sick Lonny Jordan beklommen. Richt gesagt !" Er versuchte zu lachen. "Die sonst so sichere Stimme versagte ihm indeß. Konrad, gönne ihm doch das Vergnügen, mich ein wenig gequält zu haben er hat ja sonst nichts als seinen vollen Beutel. Und wenn er den auch bis zum Grund ausleerte, er kann sich dadurch doch keine Liebe erkaufen." Lonny Jordan schmiegte sich ermattet an die Seitenlehne des Sofas. Er weiß zudem gar nicht, wo Du bist; Du hast ja Deinen jetzigen Aufenthaltsort falsch angegeben in B. Und er kann Dir doch überhaupt nichts anhaben." Deine verwünschte, kindische Ansicht!" rief er wild werdend. Erstürmte im Zimmer umher. Emporgerissen von seiner ausbrechenden Raserei schleppte sich die Erschrockene, auf ihn zu, eine stammelnde Frage auf den Lippen, unfähig sie auszusprechen. Er wehrte ihr ab. noch naher zu kommen. Geh! Verschone mich! Was willst Du noch? Du hast mir heute alles genommen! Sogar die Zukunft!" Ich Dir -?" Ja Du! . . . Begreifst Du nicht? Du hast durch Deine übereilte Weigerung den Pavian auf mich gehetzt!" Ueber eilte Weigerung " stotterte sie ihm mit schwerer Zunge nach. Ihre Hände krampften sich unterhalb der Brust in das dünne Kleid. Es ging plötzlich etwas wie ein tödtlicher Riß durch eines ihre wichtigsten inneren Lebensorgane. So 'schlecht wolltest Du mich haben so schlecht!" Setze Dich! Ich möchte Dich nicht wieder zusammenbrechen sehen ' Du siehst jammervoll aus." Sie schwankte rückwärts zu ihrem Sitz. Rein Du hast nicht gefühlt. was Deine Gedanken soeben verlangt. ? ii X Leise wimmernd war sie auf das un equeme Sofa gesunken. Und er stand über sie ebeuat und sprach mit all seiner bczwmgenoen Vereoljamtttt aus sie ein. Daß er verloren sei, daß er um ihretwillen sich damals hätte hinreißen lassen, das freundschaftliche Vertrauen seines Chefs zu mißbrauchen. Ihre Verschwendung sei schuld ge wesen an seinem Vergehen. Lieber Gott, vergib ihm liebe? Gott, hilf Du ihm." Wie ein abgerissenes Gebet klangen die schwachen Worte in seine unbarmherzige und nur halbwahre Beschuldigung hinein. Er stutzte an der Mühseligkeit ihres Gestammels und ihrem veränderten Aussehen. Mit unsicherer Hand griff er nach dem gefüllten Glase und hielt es an ihre Lippen. Doch die weigerten sich, zu trinken. Warum das, Lonny? Meinst Du. es macht mir Vergnügen, Dich in solchem Zustand zu sehen?" Sie lächelte sierbensweh und trank. Er richtete sich finster auf. stellte das halbleere Glas beiseite, schritt an das Fenster und ließ ihr Zeit, die beklemmende Hinfälligkeit zu überwinden. Seine Finger zuckten vor Ungeduld. Seine Kehle brannte. Ihm war zu Muthe, als werde er wie ein verfolgtes Wild gehetzt, als stehe er fluchtmllde in einem unsicheren Unterschlupf und frage sich mit benommenen Sinnen, ob die feindliche Meute sich nähere und ob es sich verlohne, vor ihr zu flüchten... Lonny!" tUf er erschreckt, als er sich ihr wieder zuwandte. Sie hatte sich lang ausgestreckt, als gedächte sie zu schlafen und die blutlosen, kleinen Finger unter dem Kinn gefaltet. Das einzig Belebte an ihr waren die großen, eigenthümlich glänzenden Augen, die starr und sonderbar friedlich nach oben sahen. Lonny!" Eine wahnsinnige Erregung kam über ihn. Er kniete vor ihr nieder und hob den etwas seitlich geneigten, müden, kindlichen Kopf seinem fahlen Gesicht entgegen. Ihr Blick suchte ihn mcht, erkannte ihn wohl kaum mehr. Still still," raunte sie schwerfällig wie in traumverworrenem Halbschlaf. Die Schwester spricht." Lonny ... So ermanne Dich doch!" Rein, u konnte nicht mehr. Ihr Geist floh weit von ihm weg. Sie lag im Krankenhause, und Schwester Veronika, die Gute, Reine, die sie einst gepflegt hatte, stand neben ihr. fromm und sieghaft lächelnd und betete die Hollenzelster fort, die sich um eine arme, verirrte Seele stritten. ; Er mochte rufen und beschwören wie er wollte seine Stimme richtete Nichts mehr aus. Sie vermochte nur noch den leichten Todeskampf um ein paar Sekünden zu verlängern sonst nichts. Wie ein Schleier legte es sich plötzlich über den Fieberglanz der graublauen Augen... sie drehten sich, nach oben. Daö Herz .feiner einstigen lustig . Lachtaube stand still. . , -

Jndiana Tribüne, l März ,vs.

Konrad Treu wußte nicht mehr, daß er vorhin unter dem Einfluß seines Grimmes und seiner Ratlosigkeit einen Augenblick gewünscht hatte, sie möchte zugleich aus seinem Wege und aus dem Leben gehen. Es war ein häßliches, egoistisches Verlangen gewesen, ohne die Vergegenwärtigung des Sterbens. Und nun, da das undurchdringliche Mysterium sich so ungeahnt vor seinen Augen vollzogen hatte, brach seine Ichsucht und seine trotzige Kraft zusammen. Wie ein reuekranker Feigling vor seinem Opfer, so blieb er vor. dem jungen, starren Körper liegen, den Kopf in das leichte Kleid gedrückt, mit dem sich die Verlassene ihm zuliebe so liebreizend herausstaffirt hatte. Der sonst so unbändige Lebensdrang in ihm, von dem sich seine Genußsucht so manchen Freibrief hatte ausstellen lassen, war wie vernichtet. Woran hätte er sich auch noch halten sollen? Gegenwart. Zukunft. Liebe, Beruf, alles hatte ihm sein Geschick zerstört. Sein Geschick ? Rein, seine Schuld! Seine' verfluchte Schuld, die ihn jahrelang in lächelnder Sicherheit gelassen hatte, als sei sie nicht größer gewesen, als etwa ein übermüthiger Jungenstreich. Und er wußte, wenn sie entdeckt war in ihrem ganzen Umfang, so vermochte sie ihn in's Zuchthaus zu bringen. Es lastete eine so dumpfe Betäubung auf ihm, daß ihn dieser Gedanke nicht einmal in dir Höhe zu jagen vermochte. Das that etwas anderes die unmerkliche Kälte, die von der Todten auszugehen begann. In demselben Moment, da seine Lebenswärme dieses Erkalten 'neben ihm gewahrte, kam jenes unsagbare Grauen vor der" Leiche über ihn, das gerade lebensvolle, kräftige Naturen so heftig anfallen kann. Die offenen, gebrochenen Augen, die ihn doch nicht mehr sehen, .ihm nichts mehr sagen konnten, scheuchten ihn bis zur Thür. Er wollte hinaus, wollte sich Beistand holen man sollte ihn von dem fürchterlichen stummen Gast befreien, dessen stille Gegenwart alle seine Nerden aufstörte. Halb im Hinaustreten fuhr er wieder zurück. Ja, er verschloß und verriegelte den Eingang seiner Wohnung, als wolle er sich selbst einsperren. .Nein, jetzt nickt hinunter!" Er mußte erst versuchen zu überlegen, was zu thun sei. wie er sich zu verhalten habe. Nach seinem jetzigen äußeren und inneren Zustand hatte man iyn schließlich als Mörder verdächtigt. Mit hämmernden Pulsen blied er neben der Schwelle und zwang sich, ruhig blickend, nach der weißen, leblosen Gestalt hinzusehen. Es gelang ihm wohl, aber innerlich schüttelte es ihn vor Leichcnfurcht. Er vermochte sich ja diesem Anblick zu entziehen, wenn er in's Schlafkabinett ging. Doch schien es ihm noch schlimmer, alsdann die Todte nebenan unausgesetzt durch die entstellende Phantasie vor sich zu haben. Nein, sie lieber sehen, sich stählen an ihrem blassen, statuenhaften Bilde, das doch eigentlich gar nichts Grauenvolles an sich hatte. Im Ge.gentheil, lieblich sah sie aus. Allmallg wurden schon Lesinnung und Ruhe wieder über ihn kommen. Ruhe ihm, dem vielleicht schon Gesuchten, Verfolgten...? Stöhnend hielt er sich an den Tisch; die Glaser klirrten. Ah wenn er sich Vergessen tränke. Muth, damit er seiner verwünschten Schwäche Herr würde! Wie ein verdurstender griff er nach Glas und Flasche und trank das unechte, brennende Gemisch bis auf den letzten Tropfen aus. Belebende Gluth durchrann sein Blut und prickelte bis in die Fingerspitzen; auch wurde seine Haltung straffer. Und dennoch immer noch das heimlich: Zittern in ihm, das feige Horchen! Und dazu nun dieses dumpfe, wirbelnde Drehen in seinem überreizten Hirn, das eine tolle Jdeenhatz aebar. ohne fähig zu sein, einen einzigen Gedanken festzuhalten. Aber wohler war ihm doch er .log es sich wenigstens vor. Da... seufzte hinter ihm die Todte Nicht?... Der Schweiß trat ihm aus den Poren. Ohne sich zu regen, lauschte er. Der Ton wiederholte sich. Aus irgend einem Winkel surrte eine verschlasene Flieae. Er lächelte mühsam.. Narr!" schalt er sich. Denke an anderes, lasse die Todte in Frieden. Sie hat ihn, bes seren, als Du ihr hättest aeben kön nen... Und sie hatte ihn gesucht, wenn er nicht kam. Wie war es doch : ick weiß, Du hast em Mittel, von dem man ohne Grauen " er nickte wie bestätigend. Ganz recht. Lonny. ich habe solches Mittel ern.unscheinbares, wohlthätiges Schlafpulver . . . Ein Blödsinniger, wer es nicht nimmt, wenn es noth thut, wer sich lieber Hetzen und martern läßt. Wenn das. Leben keinen Genuß 'mehr bietet, dann fort mit dem schalen Rest!" enke an anderes," mahnte wieder die eintönig ermunternde .Warnerstimme in ihm. Morgen ?" Ein ekler Geschmack stieg ihm im Halse empor. Ein netter Morgen, der da kommen wurde ! .. - Er begann umher zu irren, immer Gesicht und BlKk von der Todten weg gewendet. Morgen morgen keine Personliche Sicherheit mehr zerrissen daö Band, .an dem er Elisabeth schon so $tx zu halten an::inf,. unwiederdringlich verloren für ihn em Wesen.

das seine Sinne so unerklärlich in Fesseln geschlagen hatte. Elisabeth ! Ihm war als könne er sie hassen bis zum Todtschlag für seine vergeblich verschwendete Liebe... Da war feine Lachtaube doch dankbarer gewesen. Und er hatte sie nicht einmal geküßt zum Abschied. Entschlossen schwankte er auf sie zu. kam bis in die Mitte des Zimmers und blieb dann mit schlotternden Knieen, wie eingewurzelt stehen der gebrochene Leichenblick war auf ihn gerichtet. Das schieflehnende, haltlose Haupt war noch tiefer nach der Zimmerseite zu gesunken. So sah es aus, als suchten ihn die verglasten Pupillen. Laß mich -!" ächzte er. Mit einem blöden Ausdruck sinnlosen Entsetzens wich er rückwärts. Ich will Rube haben vor Dir" . . . er tastete sich bis zu dem Schreibtisch hin, um das helle Lampenlicht herabzudrehen. Da... im Dämmer verschlimmerte sich der folternde Spuk ... Die seelenlosen, verschleierten Augäpfel drehten sich ja nach der Richtung, in der er stand, starrten ihn anklagend an und hielten seinen willenlosen Blick in fürchterlicher Hyvnose fest. Ich will Ruhe haben vor Dir!" raunte er noch einmal heiser. Ruhe !" Durch den besinnungslosen Nebel seines berauschten Hirnes zog plötzlich ein triumphirendes, unklares Frohlocken. Er taumelte mit einem Ruck herum, riß ein Schubfach des Schreibtisches auf und suchte sich das wohlthätige Schlafpulver. Ei. da ist inzwischen der Herbst gekommen und bat drüben an der Mauer das MooZpolster gelb verbrämt und in der Gärtnerei ein ganzes Farbenfeld niedriger Siernköpfchen aufblühen lassen... Und das alles hat man gar nicht werden sehen vor all der Unruhe und d:r BanaiZleit, die dieses einsame Haus heimgesucht haben und die nun, Gott sei Dank, wohl überstanden sind." Wedi?.g sprach es. Die Sonne, die wochenlang unsichtbar gewesen' war, lag an diesem Vormittag wieder "mit all ihrer freundlich gemilderten Wärme und Helle' über der Erde und hatte ihren alten, dankbaren Verehrer in's Freie geloät. Vorläufig ruhte er. vom Treppensteigen, auf einer Laubenbank aus und sah von der flüchtig in's Auge gefaßten Fernsicht weg und nach Elisalcth hin.

Ei? saß ihm gegenüber und arbeitete für Ulrichs Spielkasten, indem sie allerhand bübsche Arabesken zum Aussägen auf ein dünnes Holzbrettchen zeichnete. Wedinz bemerkte mit Freude, daß. trotz seiner sondirenden Anspielunq, die fleißigen, geschickten Finger sicher und bei der Sache blieben. Doch hatte er ueerjehcn. daß der ernste, vorgeneiate Kopf leise bestätigend zu seinem Satzschluß genickt hatte, und so forschte er denn freundlich fragend: Nun, Lisa war dieses .Gott sei Dank' noch verfrüht?" Nein, Weding. Vorlage uno Ma terial bekamen einen kleinen Ruck auf dem runden Tischchen. Sie pausirte und spielte mit dem Blaustift. Ihr Blick tauchte unbefangen und ruhig in den klaren, interesstrten oes reiies. Sicht man es mir wirklich noch nicht an, daß ich nun, daß ich still bin innerlich, ganz und gar?" fragte sie beinahe verwundert. Ich wollte es nur auch hören. Lisa." Sie strich sich mechanisch über die weitgeschwungencn, dunklen Augenbrauen, die ihr Helles Gesicht so eigenthümlich verdüsterten. Sie mögen geahnt, haben, und ich mag es wohl auch gezeigt haben, wie schwer ich das Schreckliche nahm." Wie ein Frösteln durchlief es die junge Gestalt. Meine Phantasie tarn ja. im Wochen und im Traum, nicht von den zwei frischen Gräbern da drüben hinweg nicht anders, als habe meine Schuld sie gearaben...Die SÄwä'che ist nun überwunden, seit ich weiß, daß daß des Todte ein steckbrieflich Vcrsolgler war. Ich verstehe. Nein. Lisa alle Achtung von seiner starken Zuneigung für Dich aber allein darum, daß er Dich verlor, hätte er dm letzten verzweifelten Schritt nicht gethan. Das arme Kind muß ihm schlechte Kunde zugetraaen baten." Elisabeths Augen richteten sich mit einem verzeihenden Ausdruck nach dem fernen piressenaebüsch und den st tumpf funkelnden Kreuzen hinüber. Friede sei mit ihnen." flüsterte sie

halblaut und athmete tiefer. Lisa, wenn das schöne, gute, großwüthige Wort den beiden armen Seelen so wohl that, wie eben mir" . ..Nein, nein, nicht loben." wehrte sie hastig. Sie wissen ja nicht, wie es trotzdem noch in mir manchmal' aus sieht, wie zag. verbittert und empfindlich . . . Kousine Agnes gegenüber ist es schwer, einen neuen Menschen anzuziehen." Ach. Lisa. Kind. Du willst nur sprungweise' vorwärts damit," widersprach er d?r leisen Klage. Das ist's. Und. bist dabei doch schon erfreulich weit. Jawohl. Ich hoffe sogar. Du wirst noch lebenslustig, denn Zch weiß, daß jemand in Deiner Nähe ist, um dessentwillen Du jeden Morgen gern erwachst." Die goldbraune Iris ihrer umschatieten Augen schien sich, wie in Angst oder Erregung, zu verdunkeln; ihre Lippen öffneten sich, ohne etwas zu sprechen. (Fortsung folgt.)

Mrjt fllsmarck üdcr das Glück. . Im leipziger Tageblatt" findet sich in einer von Herrn Jahnke ver ösfentlichten Reihe von Erinnerungen an den Fürsten Aisniarck auch eine kleine Episode, welche die Anschauung des eisernen Kanters über das Glück

darlegt. Gelegentlich eines Besuches in Friedrichöruli sagte, Angesichts der heileren Stimmung und des in rüstiger Frische erglänzenden AntllLes des grei sen Helden, einer der Gäste zu dem Fürsten : Durchlaucht sind doch ein glücklicher Äiann.", Glücklich?" er widerte der Fürst nachdenklich. Meine Herren, was nennen Sie glücklich? Ein gluallcher Mann bin ich selten gewesen. Wenn ich die spärlichen Minuten wahren Glückes zusammenzähle, so kommen nicht mehr als vierundzwanzig Stunden im Ganzen heraus." Tie Zuhörer ließen das Wort des Fürsten nicht unwidersprochen, und eö war im höchsten Grade fesselnd, zu hören, wie der Gewaltige, der Jahrzehnte lang auf den Höhen der Menschheit gewandelt, aufführte, was er unter Glück verstehe. Cr sagte: Tie Glückeempsindung dauert immer nur Augenblicke. Minuten höchstens, dann ist sie verrauscht, abgeschält. So besinne ich mich, auf Augenblicke glücklich gewesen zu fein, wie ich als Junge meinen ersten Hasen schoß, dann ferner als ich von meiner Johanna das Jawort erhielt, oder wenn ich als Vand- und Forstwirth meine Niesenwiescn und meine jungen Waldkulluren gedeihen sah, da habe ich mich gefreut, da bin ich oft glücklich gewesen. In der Politik, meine Herren," fuhr der Fürst fort, meinen Sie, hatte ich Glück gehabt? In der Politik gibt es für den, der sie treibt, wie ich sie habe treiben müssen, kein Glück. Der Staatsmann ist wie ein Börsensvieler. Wenn er heute eine Million gewonnen hat, und er denlt, sich darüber zu freuen, so kommt auch schon die Sorge, wie er die gewonnenen Millionen in weiteren Spekulationen anlegen könne. So auch mit meinen Unternehmungen. Wenn mir die eine gelungen, so mußte ich sogleich wieder daraus sinnen, wie der Erfolg festzuhalten und auszunützen fei. Der Staatsmann wirthschaftet mit fremdem vermögen; daö fällt umso schwerer in's Gewicht, je mehr man Ehrgefühl im Leibe hat. Meine politische Laufbahn war ein Hetzen und Jagen, bei dem man zum Genuß nie gekommen ist. Ich habe in meinem Vebcn als Staatsmann nicht einmal Zeit gesunden, ein Konzert oder ein Theater zu besuchen. Erfreut aber habe ich mich oft an der Hausmusik, die mir meine Johanna auf dem ftlii gel bereitete. Zur Glücksempfindüng," hob der Fürst, nach einer Pause das Gesprächsthema weiter verfolgend, wieder an, gehört Naturanlage, das rechte Temperament. Das hatte mein alter kaiserlicher Herr. An ihm habe ich oft wahrgenommen, daß er sich eines Glückes kindlich freuen konnte." Ein unheimliches Zeugniß erhielt vor hundert Jahren, am l! September li98, der Scharfrichter von Tecklenbürg, Jobst Stolle, ausgestellt. Es lautet folgendermaßen: Daß der Schaifrichter Jobst Stolle zu Tecklenbürg. Bruder der Scharfrichterin Maria Jungmann, den für einige Zeit zu Hallenberg inhajtirt gewesenen Heinrich Scheuering wohl und zu meiner besonderen Zufriedenheit enthauptet, 'und auch zu meines Bruders, des Syncicr Zeiten'einen daselbst inhaituten Dieb über die Maßen wohl gehenkt hat, also daß man in dergleichen Fällen von ihm bedleut wird, solches befcheinigt hiermit nach Gebühr Joseph &?:xbc, (Saugraf zu Meesie im Amt Wollbach. Die'Statistik der SchiffsVerluste im Jahre 1904 gibt einen Gesammtverliist von 646 Damvs- xxnb Segelschiffen aller Nationen an. Davon hat die deutsche Handelsmarine 7 Segelschiffe und 21 Dampfer mit insgesammt 49.500 Registertonnen verloren. Sie steht damit an neunter Stelle, während England mit Kolo nien 209, Amerika 110, Norwegen 60. Italien und Nußland je 37, Japan 34. Frankreich 33 undSchweden 31 Schiff verloren haben. Neben Dänemark hat Deutschland rm Verhältniß zum Ge sammtschiffsbestand seiner Handelsmarine den geringsten Prozentsatz an Verlusten, nämlich 0.45. während Amerika den höchsten mit 3.7 Prozent ausweist. Falsch gewähltes Wart e z i m m e r. Eine Anzahl, zu einem Strafprozesse in Hildesheim, Hannover. qeladener Zeugen hatten ihr War tezimmer in eine dem Gericktsgeb'äude nahe Schenke verlegt; Znfolged:ssen.waren sie beim Aufruf im Gerichtssaals nicht zugegen. Es waren zumeist Vankiers und Bankdirektoren: auch em Rechtsanwalt befand sich unter ihnen Das Gericht nahm jeden der Herren in eine Ordnungsstrafe von 60 Mark und legte ihnen außerdem noch die recht betrachtlichen Konen des Termins auf zu dem 17' zumeist auswärtige Zeugen geladen waren. , G l ü ck l i ch e G e m e i n d e. Der Gemeindewald des Dorfes Jversheim, Rheinprovinz. bringt soviel Ueberschüsse. daß die Bewohner keine Gemelndeabaaben zu zahlen brauchen. Obendrein wird ihnen alljährlich eine größere Menge Holz überwiesen Außerdem ist noch soviel erübrigt worden, daß man davon eine Wasserleitung errichten will.

li i n Lebendtq-Toöt er. Nur mit Mühe ist ein James Mulligan in Joga, Wis., dem schrecklichen Schicksal entgangen, lebendig begraben zu werden. Der Leichenzug befand sich eben auf dem Wege zur Kirche, als man im Innern des Wagens menschliche Laute hörte, worauf die Glaswänöc des Wagens zerschlagen wurden. Man öffnete und fand den angeblich todten Mulligan, der sein volles Bewußtsein wiedererlangt hatte und verwundert frug, wo er sich befinde. Er hatte sich drei Tage hindurch in scheinkodtem Zustände befunden. A l t e F e h d e. Die JohnsonMotleyfehde in Cannon County, Tenn.. ist dieser Tage von Neuem ausgebrochen, und das Resultat war. daß ein Sam. Blair vier Schüsse in den Magen und ein Robert Motley zwei Kugeln in den Unterleib erhielt, während einem Richard Johnson die Kehle nahezu durchschnitten wurde. Es ist festgestellt, daß Johnson seine Gegner niederschoß, man weiß aber nicht, wer Johnson verwundete. Die Fehde brach vor zehn Jahren über den Betrieb einer Mondschcin-Destillation aus. und es ist seither häufig zu Zusammenstößen gekommen. Merkwürdiger Selbstm o r d. Nachdem der in der Nähe von Iowa, S. D., wohnhafte Farmer Karl Moser seiner Frau gesagt hatte, daß er sich für " die Sünden der Welt zum Opfer bringen müsse, sirangulirte er sich in der Küche des Hauses. Moser gehörte zu den als .Merkels Band" bekannten religiösen Fanatikern, welche den Behörden durch Brandstiftung und andere auf Fanatismus beruhenden Unthaten viel Trubel gernacht haben. Sonderbar war, wie bedächtig er die That ausführte. Er band sich einen dünnen aber starken Strick um den

Hals, zog das andere Endeiurch einen Ring an der Wand über der Kellerthüre und band es an einem Sack Kartoffeln est, den er die offene Kellerthure hinab'tieß, so daß er dann förmlich an die Wand genagelt wurde. SoolraN. 'Fräulein Laura: ...O, mein Bräutigam ist ein großer, stattlicher Mensch!"-? r e u n d i n : .Ja, ja der hätte sieben Fuß, wenn die Beine gerade wären!" Versriznappt. Hausfrau: Wie Sie fehen, haben alle Küchenschränke bei mir Ventilationslocher!" N e u e K,ö ch i n : Das ist aber auch nothwendig sonst erstickt .Er' mir ja!" Uebertreibung. .Mn llim t . Und, sag einmal, ist Deine neue Gnädige auch wieder so neugierig?" Die? die ist ganz gewiß überHaupt bloß aus Neugierde auf 'die Welt gekommen!" S e u f z e r . Dichterling: Diese Redaktionen müssen aber einen Zorn auf mich haben. .. heute habe ich vt ersten Maikäfer gebracht. . . nicht 'mal den haben sie genommen!" Unangenehmer TransPort. Was Du nicht sagst. . . Als Dein Sckak bei Dir in der Kücbe weilte,' kamen die Möbelpaefer zum Umzug?" Ja, und trugen sofort meinen Xaver im Küchenschrank in die neue Wohnung!" - --Unerklärlich. Köchin: Da schreibt mir mein Bräutigam heute, daß er mich nimmer mag; was dem nur einfällt; (zu den Kindern der C-mTZl Lllo T.. JC - ybiiiu i. yui .uu muyi UUUlct ganz gut geschmeckt,. Kmder? ;

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