Indiana Tribüne, Volume 29, Number 168, Indianapolis, Marion County, 10 March 1906 — Page 4
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garry O. Thnötu yrSfldent. ' GeschäftSlocal: jRo 31 Süd Delaware Straße. sELßPHONE 09. terc .he Post Office ol Indianapolis as sccond dass matter. (in europäisÄcS Eol)lattd. Von einem neuentdeckten" wenn auch schon im Alterthum bekannten Goldlande berichtet Dr. Körnig-Salo-niki im Prometheus". Wir entnehmen seinen Ausführungen das folgende: Zs war seit längerer Zeit betannt geworden, daß unweit vom großen Hafen Saloniki slawische Bauern insgeheim Goldwäsche betrieben. Der Sultan Abdul Hamid, der sich eifrig bemüht, die Hilfsmittel seines Reiches zu heben, war auf diese Dinge kaum aufmerksam gemacht worden, als er seinem Privatingenieur Herrn GroHköpf, einem erfahrenen Geologen, der eben noch in den letzten Jahren ganz Kleinasien geologisch erforscht hat, den Auftrag ertheilte, Mazedonien auf seinen Mineralreichthum hin zu prüfen. Herr Großkopf hat nach mühseligen Reisen und Ritten, quer durch das fast wegelose Land, seine Untersuchung soeben beendet; das Ergebniß seiner' Forschungen lautet: Mazedonien ist ein sehr reiches Goldland." Wie im Ural, diesem so reichen mineralischen Gebirgszuge, hat auch im Balkan der Kontakt der alten kristallinischen Schiefer mit dem Kalke eine sehr starke Mineralisirung aufzuweisen. Hier die Stätten der im Alterthume so berühmten Goldlager zu vermuthen, lag nahe, und die Forschling hat die Annahme bestätigt. Zwischen dem Karasu (Strymon) und Wardar (Azios) zieht sich ein 600 bis 900 Meter hoher Bergzug hin, der Kruscha-Balkan. Hier müssen sich die primären Lager der goldführenden Gänge vorfinden, und eine schon in Angriff genommene Untersuchung, die freilich größere Zeit und besonders die Anwendung neuer Maschinen nöthig macht, wird sie feststellen. Daß diese Urlager sehr reich sind, zeigen -die ergiebigen Massen des Schwemmgoldes der Flüsse, die aus jenen Bergen hervorstro'men. Besonders, ergiebig hat sich bis jetzt das Stromgebiet der Flüsse Galliko und Aleria erwiesen nebst deren Zuflüssen. Die Goldfelder dieses Gebietes haben eine Länge von 60 Kilometer, eine Breite von 40 Kilometer. Das Delta des Gallikoflusses. der wenige Wegstunden westlich von Saloniki in den Thermaischen Golf mündet, ist ein großes Goldfeld. Das Vorkommen des Edelmetalkes ist aber auf jene Strecke keineswegs beschränkt: östlich von Saloniki, unweit des großen Sees von Langasa, an dessen Ufer heiße Schwefelquellen sind, findet es sich auch in allen. Durchbrüchen der Tonschiefer berge' Das Gold zeigt sich im Schwemmlande der Flüsse in kleinen dicken Plättchen und feinen Drahtstiften. 3 Zentimeter lang. 1 Milimetör dick. Die Stifte sind manchmal durch das Rollen zwischen dem Flußgesteine seltsam schraubenartig gedreht und verbogen. Größere Stücke findet man selten, manchmal solche von -zehn Gramm. Eine'. Tonne Sand liefert bis 1 Gramm, an einigen Stesten bis 3 Gramm Gold. Zurzeit genügt es, ohne kostspieligere Veranstaltungen das Alluvialgold zu gewinnen, das sich in ganz Südmazedonien vorfindet. Hier liegen viele Hunderte von Millionen Kubikmeter goldfllhrenden Erdreichs, und das sind eben so viele Hunderte von Millionen Mark. Mazedonien ist, das hat diejetzt erfolgte Untersuchung auch noch ergeben.eöenso wie der Ural ein Mineralland ersten Ranges. WaS das Meer verschlingt. Nach der soeben veröffentlichten Statistik sind im Jahre 190-1 von Dampf und Segelschiffen unter deut scher Flagge 28 mit einem Gesammt Gehalt von 49,500 Tonnen untergegangen oder gescheitert.- England mit seinen Kolonien hat den Verlust von 209 Schissen mit 225,000 Tonnen zu beklagen. Im Verhältniß zu seinem Schlffsbcstand hat es 1.49 v. H., Teutschland 0.45 v. H. verloren. An zweiter Stelle kommen die Verci nigten, Staaten von Amerika mit ei. nem Verlust von 110 Schiffen mit 54,000, Tonnen und dem höchsten Prozentsatz von 3,7 v. H. ihresSchiffs bestände. Weiter folgen Norwcaci! mit 60, Rußland und Italien mit ze 37, Japan mit 34, Frankreich mir 33, Schweden mit 31 Schiffsverlusten. Bemerkenswcrth ist, daß Deutschland neben Dänemark den geringsten Pro zentsatz von Verlusten hat, ein gutes Zeichen für dieTLchtigkeit der deutschen Seeleute. Die Handelsflotte Deutsch, lands bestand Ende 1904 aus 4003 Segel, und 2133 Dampfschiffen mit einem Gesammtgehalt von 3.9 Millio nen Registertonnen und 71,600 Mann Besatzung. ' . . - Infolge einer. Unvo rsichtigkeit .erschoß der Handelsschüler Lambke in Bremen seinen Mitschüler Hübenähal. Der jugendliche Thäter wurde verhaftet.
" mtlich? SZIblüten. Ueber die Bocksprünge des guten aU ten Amtsschimmels plaudert einSchalk im N. W. Tageblatt. Aus der Fülle der unsreiwilligenKomik. die derAmtsstil hervorbringt, seien einige kleine Proben mitgetheilt. In einer amtlichen Statistik wurde einmal gesagt: Vei 36 Verstorbenen wurden Neubildungen (meist Krebs) festgestellt. 79 derselben erlebten den Tod aus Altersschwäche Ein Marktbericht aus Dresden verräth tiefes Gefühl für ein sehr schmackhaftes und daher beliebtes Geflllgelthier. Es heißt da: .Während der jüngst verflossenen acht Tage hatten junge BratHühner recht bcmcrkenswerthe Umsätze aufzuweisen. Junge Gänse hatten sich von dem großen Festtagsbedarfe noch nicht vollständig wieder erholt, blieben aber auch ohne dies von privater Seite vernachlässigt." In einer Wiener Zeitung war einmal folgende amtliche Nachricht zu lesen: Zum Schaden der Stadt Fldkirch wurden von einer Dampfmaschine aus einem versperrten Lokal der außer Betrieb gesetzten und unbewohnten Fabrik in F. Maschinenbestandtheile im Werthe von mehr als 3000 Kronen gestohlen." Von einer Verhaftung der diebischen Dampfmaschine hat man leider nichts gehört. Das BrünnerOberlandcsgericht schrieb einmal: Die zur Begründung eines Verschuldens des Beklagten aus noch gar nicht verbotswidrig gewesenenVcrsuchsverhandlungen durch Herbeischaffung der bösen Absicht aus den letztern und Anstellung von Handlungen der Vollendung seitens des Beklagten durch diese Absicht ist nicht durchsühr- und nachweisbar." Ein Küster leistete sich folgendes Gesuch an seine vorgesetzte Behörde: Ich bin durchVerheirathung in den Besitz eines Rindviehs gekommen. Die Gemeinde will mir aber dazu keinen Stall bewilligen. Ich bitte daher ein erbarmungswürdiges Konsistorium, sich da mal 'reinzulegen In tiefster Achtung: N. N., Küster." Was falsche Wortstellung für Unheil anrich ten kann, zeigt der Amtsbescheid des Obergerichtes in Eelle (Hannover), indem es beschloß: Das Beschwerdegericht hat die Identität des gepfänd-Zten Schweines mit dem Richter der ersten Instanz als erwiesen angenommen." Hätte nämlich das Obergericht verkündigt, daß es mit dem ersten Richter die Identität des gepfändeten Schweines angenommen habe, so wäre der ersten Instanz die kränkende Ehrendleidigung erspart geblieben.
Von einer Löwin attgegrissen. In einer Mustkhalle in London eni sianö kürzlich eine wild: Aufregung durch den Angriff, den ein Löwe auf eine Bändigerin machte. Ein Herr Prinz führt dort, gemeinsam mit einer Bändigerin, 14 Löwen vor, die eine ganze Reihe erstaunlicher Dressurstückchen zum Besten gaben. Herr Prinz betrat wie gewöhnlich in Begleitung des Mädchens den Käfig. Einer der großen Löwen faßte plötzlich das Kleid der Bändigerin mit den Zähnen. Diese behielt ih:e Geistesgegenwart und versuchte, indem ste ein Stück Frisch von einem Teller nahm, den Löwen abzulocken. Es gelang, aber ein anderer Löwe wurde offenbar durch diese Bevorzung seines Kameraden gereizt und sprang , mit wildem Aufbrüllen von hinten auf die Bändigerin, die laut aufschreiend zusammenbrach. Das Publikum gerieth in furchtbare Erregung. Frauen wurden ohnmächtig und Alles drängte nach dem Msgange zu. Das letzte, was man von den Vorgängen auf der Bühne sehen konnte, ehe der Vorhang sich senkte, war der Löwe, der mit aufgesperrtem Rachen, auf der Brust seines Opfers stand und grimmig Herrn Prinz anfletschte, der ihn mit wuchtigen Hieben von seinem Opfer wegzutreiben versuchte. Dies ist ihm offenbar oelungen, aber die Bändigerin wurde durch Tatzenhiebe des wüthenden Thieres schwer verletzt. In Missieffy bei Xonion brach unter .den Soldaten des achtelt Kolonial 'Infanterieregiments eine Meuterei aus.- Eine Anzahl mit Arrest bestrafter Leute verbarrikadirten sich in den Zellen und erwiderte b;? Ermahnungen des Obersten mit Be schimpfungen. Der Oberst ließ bi Thüren sprengen und die Meuterer gefesselt nach den Kasematten der be nack)barten Forts bringen. . Vor dem S chw.u r g e r i ch t zu Brüssel ist in diesen. Tagen ein Vatermordprozeß verhandelt worden, der viel Aufsehen erregt hat. Unter Anklage standen die 50jährige Frau Bauwens und ihre Söhne Karl und Leo. Ihre Töchter Justine und Luise wären wegen Schwachsinns außer Klage gestellt. Die Eheleute Bauwens, Pächter in Herinnes. Vrabant. hatten 14 Kinder; das Familienleben war sehr unglücklich, weil Bauwens Frau und Kinder unmenschlich tyrannisirte und mißhandelte. Schließlich kam man gemeinsam überein,den rohen Mann zu tödten. Die That führte der. älteste Sohn Karl, der Soldat, ist. aus. Nach dem Morde betete die Familie vor der Leiche für das Seelenheil des. Todten. Die Wittwe .Bauwens' und ihr ältester Sohn Karl wurden zum Tode derurtheilt; den 16jährigen. Sohn Leo überwies das. Gericht den staatlichen Behörden, die ihn bis zum 22.' Jahre in einer Besserungsanstalt unterbringen werden. ' ......
Llebeöprobe.
Novellette von 23. Rittweg er. Der Gutsbesitzer und Leutnant der Reserve Arnim von Kröger verfolgt mit ganz außerordentlich?rTheilnahme die Vorgänge in Südwestafrika. Täglich stürzt er begierig auf die Zeitungen und studirt an der Hand der besten Karten die Bewegungen der streitenden Parteien. Als es sich herausgestellt, daß der Kampf mit den Herero nicht so schnell beendet sein wird, als hoffnungsfreudige Gemüther es prophezeit haben, da reift ein Entschluß in ihm. und er trifft in aller Stille seine Vorbereitungen. Wenn sein Entschluß zur Ausführung kommt, dann wird er, Arnim von Kröger, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: feinem Vaterland dienen, das er liebt mit der heißen Liebe eines echt deutschen Mannes, und zugleich wird ihm Gelegenheit, zur Klarheit über sich selbst zu kommen. Denn dieses Hin und Her wird ihn noch aufreiben, dieser Kampf mit einer Doppelliebe. Es ist ganz unbegreiflich, daß einMann so schwankend. so unentschlossen sein kann. Wie mit dämonischer Gewalt packt ihn in der Nähe der schönen Marlene von Walden stets auf's Neue eine Leidenschaft, die er vergebens zu bekämpfen sucht. Denn er fühlt, es wäre ein Wagestück, dieses Mädchen für die Dauer eines ganzen Lebens an sich zu fesseln. Er kann nicht in ihrem Innern lesen, kann nicht entscheiden, ob die Freundlichkeit.. mit rer sie seine Aufmerksamkeiten entgegennimmt, Liebe oder Berechnung ist. Aber er ist in Marlenens Bann, ihre dunklen Augen haben eine Gewalt über ihn, der er sich nicht entziehen kann. Nur wenn Annemarie Weilbrecht , in der Nähe ist, dann gelingt's ihm, sich von diesem Banne etwas befreit zu fühlen. Ihre Gegenwart wirkt auf ihn wie besänftigendes Oel auf erregte Wogen. Wie mildes Mondlicht erscheint ihm das liebe Geschöpf mit den klaren blauen Augen, während Marlene die strahlende Sonne in seinem Leben ist. Soll er sich die Sonne zu gewinnen suchender soll der sanfteMondenstrahl über seinm Dasein glänzen? Wer ihm das sagen könnte! Diesem quälenden Zweifel zu entgehen, sich wenigstens eine Zeitlang zu befreien von der Qual der Wahl, vielleicht in der Ferne, eine schwere Aufgabe erfüllend, zur Klarheit'zu gelangen, bietet ihm der Kampf in Südwestafrika endlich ein Mittel. "' ' Bei Waloens . in Meg'zenstedt ist heute Abend Gartenfeste wie alljährlich im Hochsommer. Arnim von Kröger hat natürlich zugesagt, und er beschließt. Marlene von seinem Plane zu unterrichten. Annemarie Weilbrecht,' die Tochter des Pfarres von Meggen-, steot, wird auch anwesend sein. Er sieht sie fast immer zusammen, die öeiden weiblichen Wesen, um die sich schon lange sein ganzes Denken dreht.' ' Ehe er sich zu der Fahrt auf das Nachbargut rüstet, setzt er ein Schreiben an d'as Bezirkscommando der Kreisstadt auf, durch' daS er sich für die Truppe in Südwestafrika zur Verfügung stellt. Ein Reitknecht wird beordert, es sofort direkt an die Adresse zu befördern. Wie befreit von schwcrer Last, athmet Arnim von Kröger auf, als der Mann den Hof verlassen hat. Nun ist's entschieden. Im Herrenhaus zu Meggenstedt und in dem es umgebenden großen Park herrscht munteres Leben und Treiben. Es ist ein wundervoller Tag, die Rosen blühen und erfüllen mit ihrem berauschenden Duft die Luft. Man hat Kaffee im Freien getrunken; dann haben sich die älteren Herrschaften zu behaglichem Geplauder in der Veranda niedergelassen, während die Jugend sich am Tennisspiel vergnügt. Nun schlendern die einzelnen Paare in den verschlungenen Wegen hin und her, sich die Zeit bis zum Souper nach Belieben vertreibend. Später- soll getanzt werden. Die Feste in Meggensiedt pflegen immer recht spät zu endigen. Die. Mehrzahl der jungen Herren sind Offiziere des in der Kreisstadt garnisonirenden Ulanen - Regiments. Die Uniform herrscht vor gute Aussichten für die tanzlustrZen jungen Mädchen. Unter ihnen steht, was Schönheit anbelangt, die Tochtcr des Hauses obenan. Eine stolze, königliche Erscheinung! Sie- ist umschwärmt von allen Seiten, und sie hat für jeden ein freundliches Wort. Neben ihr verblaßt Annemarie Weilbrecht vollständig, und doch trotz Marlenen'5 Nähe schweift das Auge des jungen Gutsbesitzers immer wieder zu dem zarten Mädchen im schlichten weißen Mullkleid, und ein warmes Gefühl quillt in ihm auf, wenn ihre blauen Äugen den seinen begegnen. Gott sei Dank, daß dieser Zwiespalt nun bald endigen muß. Er kann ihn nicht länger ertragen! , Gedankenverloren sieht er vor einem prächtigen Teppichbeet, scheinbar die einzelnen Pflanzen aufmerksam betrachtend, als Marlenen's Stimme an sein Ohr schlägt: So einsam, Herr Nachbar, so in Gedanken? Da darf man Sie wohl gar nicht zu einer kleinen Promenade auffordern?" Aber, mein gnädiges Fräulein. Sie machen mich glücklich. Ich ersehne ein Alleinsein mit Ihnen, denn ich habt Ihnen eine große mich betreffende Neuiakeit mitzutheilen." . Marlene wirkt einen ; forsckendiit
Blick auf den vor ihr Stehenden, dann
legt sie lhren Arm m den seinen.- - So kommen Sie, Herr von Kröger, ich bin furchtbar gespannt Sie sehen ja ordentlich feierlich aus." Es handelt sich auch um eine ernste Sache. Ich habe mich heute dem Bezirkscommando für Südwestafrika zur Verfügung gestellt und um mognazn baldige Order gebeten." Ach das ist ja das ist ja Herrlich, Herr. von Kröger! Ich bewundere Sie! Alle Welt wird Ihren Entschluß loben. Wie interessant das ist! Und wie sind-Sie so plötzlich zu dem Ent(chluß gekommen?" Nicht plötzlich, nach reiflicher Ueberlegung, gnädiges Fräulein! Ich stehe allein, bin vollkommen unabhängig. Ich habe einen vorzüglichen Inspektor, dem ich meine Angelegenheiten unbesorgt anvertrauen kann. Also hält mich nichts, meine Pflicht gegen das Vaterland zu erfüllen. Und wenn ich glücklich heimkehre, dann " Dann sind Sie ein berühmter Mann, von dem Jeder spricht, dann sind wir alle stolz auf Sie " Und wenn ich nicht heimkehre?" ..Ach" Marlene lachte hell und klingend daran müssen Sie gar nicht denken, eine jede Kugel, die trifft ja nicht. Heißt's nicht so in irgend einem alten -Soldatenliede?" - Ja, gnädiges Fräulein, aber dort spricht's der Soldat zu seinem Schatz, um ihn zu trösten." Marlene stutzt und wirft einen Blick auf Arnim's tiefernstes Antlitz. Sie fühlt, daß sie sich im Ton vergriffen hat. daß sie unbedacht gewesen. Das muß sie wieder gut machen. Sie dürfen mich nicht mißverstehen, lieber Nachbar. Sie wissen, Niemand kann innigeren Antheil nehmen an Ihrem Ergehen, als ich es thue, aber das Gefühl freudigen Stolzes auf Sie läßt noch keine Sorge in mir aufkommen. Denken Sie an die Spartanerinnen, die ihre Söhne und Brüder, ihre Geliebten selbst hinaustrieben in den Kampf für's Vaterland, ohne Klagen und Thränen. Sollen deutsche Frauen und Mädchen kleiner sein?" Er erwiderte den Blick nicht, sondern spricht kühlen Tones: Ich habe mich für diese Spartanerinnen nie erwärmen können; sie schienen mir gerade das zu entbehren, was ich am Weibe besonders schätze und suche, das Gemüth und die Herzenswärme. Es mag dies klein gedacht sein, ich gebe es gern, zu .... Wo darf ich Sie hinführen?" Marlene, beißt sich auf die Lippen. Ich muß mich als Tochter des Hauses nothwendig noch etwas um . die alten Damen kümmern. Bitte, begleiten Sie mich nach der Veranda." In gleichgiltigem Gespräch erreicht das, Paar sein Ziel, und Arnim verab. schiedet sich mit einer Verbeugung von seiner schönen Gefährtin. Er begreift sich selbst nicht. Müßte die lebhafte Bewunderung, die seine Absicht bei Marlene gefunden, ihn nicht befriedigen? Was verlangt er eigentlich von ihr? Thränen und Klagen .Dazu hat er ihr noch gar kein Recht gegeben. Unmuthig auf sich selbst. sucht, er den einsamsten Theil des Parks auf und ist nicht wenig erstaunt, an einem stillen Plätzchen inmitten ernster, dunkler Tannen ein weißes Kleid schimmern zu sehen. Es ist Annemarie, die verwirrt von der Moosbank aufspringt, als er grüßend auf sie zukommt. Sie hier, Fräulein Weilbrecht? In dieser Abgeschiedenheit?" Ja, ich es war so laut unter, all den Menschen. Ich konn.'e das nicht mehr ertragen. - Es geht mir oft so mitten im fröhlichsten Treiben. Ich bekomme dann solche -Sehnsucht nach Stille, nack Alleinfein. Aber nun geh' ich gleich. Es wird wohl bald getanzt, und es ist auch gar nicht recht von mir. so fortzulaufen." Bleiben Sie noch, bitte, Fräulein Weilbrecht. Sie fürchten sich doch nicht vor mir?" Fürchten? Nein, warum sollt' ich mich fürchten? ,216er ich muß " Sie müssen gar nichts als mich anhören. Ich habe Ihnen etwas zu erzählen, was Sie vielleicht interessiren wird." Und mit kurzen Worten be richtet er ihr seinen Entschluß, aegen d!e Herero zu kämpfen. Todtenblässe überzieht das feine Gesicht des Mädchens. Die blauen- Augen füllen sich mit Thränen, die sie vergebens zu UNterdrücken sucht. Sie weinen, Annemarie? Um mich, weil ich fortgehe, für die Macht unseres l'Zaterlandes zu streiten? Sie sollten W4) dock des Gedankens freuen, van lch vielleicht Getegeny:it stnve, mich auszuzeichnen." Ach Gott, Herr von Kröger eZ ist so furchtbar gefährlich. Wen:i Sie nicht wiederkehrten! Das Fieber, die feindlichen Kugeln ach es ist furchtbar!" . Aber Kind, denken Sie doch an bis Spartanerinnen, die ihre Gatten und Söhne, ihre Brüder und ihre Geliebten hinaustrieben in den Kampf, die nicht klagten um die Gefallenen, nur um die ruhmlos Heimkehrenden." - Was gehen mich die Spartanerinnen an? Ich bin keine Spartanerm, ich hasse den 'Krieg, ich bin ein " sie "X L jl j "IC - qau innz uno oeoear lyr qocqcirinycji deö Antlitz mit beiden Händen. Sie sind nun, " Annemarie? Wollen Sie. mir'ö nicht sagen?' Muß iches thun, muß tch Dir sagen, was Du bist? ßin liebendes. Mädchen, das
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um den Mann feines Herzens bangt. Bist Du das? Und bin ich der Mannder dreimal glückliche Mann?" Arnim breitet seine Arme aus und das zarte blonde Geschöpfchen legt, am ganzen Körper zitternd, sein Haupt an die Brust des Geliebten. . Dann hebt sie den Blick ihm auf mit flehender Bitte: Und nun bleibst Du hier, nicht wahr, nun gehst Du nicht zu den garstigen Schwarzen?" . Doch. Lieb, das muß ich. 'Ich kann nicht mehr zurück. Wir wollen unserm guten Stern vertrauen und auf glücklickes Wiedersebn hoffen." Vielleicht nehmen Sie Dich nicht, Arnim. Vielleicht bist Du nicht tropenfähig." O, über das kluge kleine Mädchen! Was es nitht alles weiß! Das müssen wir allerdings erst abwarten, ob sie mich nehmen. Wir wollen heute auch gar nicht an's Scheiden denken, wir wollen uns unseres Glückes freuen." Damit küßt Arnim seine kleine Braut mit heißer Zärtlichkeit. Nach einer Weile macht sich Annemarie los. Ich möchte allein zu den anderen zurückkehren, Arnim. Es ist besser so. Heute soll es noch keiner wissen. Erst müssen es meine Eltern erfahren." Du hast recht, wie immer, meine kleine Weisheit, ich füge mich. So, noch einen Abschiedskuß." Annemarie verschwindet zwischen den Bäumen und Arnim nimmt seinen Weg nach der anderen Seite. Er fühlt sich namenlos beglückt. Aller Zwiefpalt ist vorüber, und er segnet den .Entschluß, der ihm Klarheit . gebracht hat. Nur ein leiser Vorwurf mischt sich m seme frohe Stimmung. Hat e nW Marlene durch fortgesetzte Aus merksamkeiten das Recht gegeben, von ihm zu fordern, was nun für mit Zei ten Annemarie gehört? Der Gedanke drückt ihn. Er wird heute noch offen mit Marlene reden und sie bitten, ihm nicht zu zürnen. Wenn sie ihn auch nicht liebt mit der großen Liebe, die er verlangt, so fühlt sie sich doch wohl verletzt, wenn er eine andere wählt. Er muß sich von diesem Vorwurf durch eine Aussprache befreien. . Unhörbar auf weichem Pfad schrei tet er weiter, als er gedämpfte (5tim men vernimmt: unwillkürlich bleibt t stehen. Ein rother Kragen und blanke Knöpfe schimmern durch's Gebüsch und daneben ein gelbes Kleid Marlene ist's mit einem der Ulanen. Er will sich eben bemerklich machen, da schlägt sein Name an sein Ohr, und nun ist's zu spät. Regungslos bleibt er stehen und hört auf Marlenen's Worte: Ar nim von Kröger hat sich für Südwest? afrika gemeldet, Kurt. Ich bin so froh! Wir gewinnen dadurch Zeit. Papa und Mama müssen, wenn er fort ist, aus hören, mich zu quälen.. Päpa stellt mir's förmlich als Pflicht vor. ihn, zu beicathen. Er könne uns nicht mehr lange ernähren, mich und die Brüder. An eine öelrath mit einem armen Of
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esustssealeii, foflcn, üeretncn MMal-Mnm zur gefälligen Nvtiznahme, daß durch die Office dieses Blattes
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in deutscher und englischer Sprache zu beziehen sind.
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seh' ich ja ein, und wenn er wieder kommt, der gute Arnim, dann wird' mir wohl nichts anderes übrig bleiben, als Frau von Kröger zu werden. Aber bis' dahin, mein Herzenskurt, wollen wir uns' noch unseres Lebens freuen. Ich glaube übrigens, Arnim hat gemerkt, daß ich ganz erbaut war von seiner Idee, nach Afrika zu gehen er war höchst froschig. Aber das scha det nichts er kann mich doch niai entbehren, der liebe Nachbar, und ich habe mich ganz geschickt herausgezogen mit einigen Redensarten. Nun aber qenug von der Sache. Küsse mich, Liebster! ach Gott, warum bist Du nicht reich wir könnten so glücklich sein!" Arnim hat genug gehört. Leise entfernt er sich, wie befreit aufathmend. Nun braucht er sich keinen Vorwurf mehr zu 'machen. Selige Tage verlebt der junge Guts-b-sitzer von diesem Abend an im Pfarr-, hause zu Meggenstedt. Wenn auch der drohende Abschied seinen Schatten dämpfend über das Glück breitet, sa genießt doch das liebende Paar den Augenblick in dankbarer Freude. Und dann zeigt sich's, daß Annemarie nicht so unrecht hatte mit ihrem Einwurf, Bei der ärztlichen Untersuchung stellt es sich zu ihrer Freude heraus, daß' Arnim nicht tropenfähig ist. So kann denn eine baldige Hochzeit geplant wer den. Unter den jetzigen Umständen empfindet Arnim von Kröger seine Tropenunfähigkeit nicht allzu ' bitter, wie sich denken läßt. Aber er bereut es nicht, den Plan überhaupt gefaßt zu haben. Der wurde zur Liebesprobe, und ihm verdankt er schließlich sein Glück. HnropäischcS eparteeÄ Wechsel, Creditbriesc, Postanweisungen, auf alle Städte Europas, SchiffsscheiNÄ von und nach Europ V. A Cfa und Verkauf auslSn5Z schen Geldes. fr No. 35 Süd Meridian Str. Älerekant National Bank.
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