Indiana Tribüne, Volume 29, Number 168, Indianapolis, Marion County, 10 March 1906 — Page 1

o ri KSjÄUii$cta tfs?Äifscsr Tage, und j S 'Sonntags blatt J lOc Her 2So$c SSL5LLS!DS: Tage und jj c o O o nOi S 5ouutag5blatt SlOotff Wocke. 8 74 V. U IK O VrMxeint feden Nartfmittag. Jahrgang 29. Indianapolis, Ind., Samstag, 10. März 1906. No 168.

. ys ri .lOCV : v

L-r? V n Ir -fP'sl s! 'slfl T11 nO sJ - UyJ M) U 1sx

O

UIW

Grubenkataftrophe.

1800 Bergleute gefährdet. Paris. 10. Marj. Ein furcht bareS Unglück fand in einer Noblengrübe im PaS de Calais Dlstrict. unge führ 18 Meilen von Bethune statt. Eine Explosion töt!te viele Bergleute und ein Theil der tut ftetzt in Flammen. Die Zahl der Umgekom. rnenen ist nicht bekannt; 1800 Berg, leute fuhren am Morgen in die Grube ein. Einzelheiten über das Unglück sind noch nicht eingetroffen. Speeilll-Fonvention der Kohlengröber. Am Donnerstag, den 15.. März, wird die Svecial'National'Convention der ttohlengrüder im Deutschen Hause er. öffnet werden. Die Tomlinson Halle war für den Zweck in Aussicht genom men, doch konnte dieselbe nicht vor dem 19. Marz zur Verfügung geMt wer den. Am 19. findet die Conferenz der Grubenbesiöer und daran anschließend die gemeinschaftliche Eonferenz derselben mit den Kodlengrüdern in der Tomlin son Halle ftatt. Was das Resultat der Convention und der Conferenzen sein wird, ist noch eben so ungewiß, als es vor Wochen nach Abbruch der gemeinsamen Bera thungen war. Sekretär Wilson sagte den Bergleuten gelegentlich der DiftnctZ Convention in Terre Haute vor einigen Tagen, daß man sich auf daZ Schlimmste, den Streik also, vor. bereiten könne und Grubenbesitzer Rob binS versprach eine LobN'Erhödung und erregte dadurch den Unwillen der übrigen Besitzer. Auf Präsident Roosevelt setzen die Kohlengrüder sowohl als die Besitzer ihre Hoffnung und wird erwartet, daß eS ihm in irgend einer Weise möglich sein wird, die bestehenden Differenzen auszugleichen. Präsident. 3?tttchell ist noch in New ork, wird jedoch bis Dienstag hier eintreffen, an welchem Tage das Natto nal'Executiv-Comite der ttohlengrüder zur Berathung vor der Convention zufammentritt. Zur Annectiruug von Sroad Nipple. Am Montag Abend findet im Ber ammlungLzimmer des Stadtraths eine Sitzung des OrdinanZ'ComiteS statt, in welcher Argumente für und gegen die Einverleibunz von Broad Rtpple in das Stadt Gebiet gehört werden sollen. Versammlung beider StaatsComite'. Am nöchsten Montag werden die taatZ'ComiteS der republikanischen und der demokratischen Partei in In dianapolis in Sitzung sein. Beide Comite? find beschäftigt. Vor. bereitungen für die kommenden Staats. Conventionen zu treffen. Unfall. George Davenport, 424 West Ray. mond Straße, wurde gestern in halb ersticktem Zustande zum Dispenfarium gebracht. Beim Effen war ihm ein Stück Fleisch in der Kehle stecken ge blieben, woran er bald erstickt wäre. Im Dispensarium wurde de? Fremdlörper von den Doktoren entfernt und Davenport als gesund entlassen ' D i c Beamten Leet und GunsoleS machten gestern den Flüchtling Sa. muel Webb von Rushville, Ind., dingfest. Webb war den Großge schworenen des KleindiebftadlS der. dächtig übergeben worden. Er war. tete jedoch das Urtheil derselben nicht ab und machte sich aus dem Stäube. Gestern nun wurde er in dem LogirHause der Heilsarmee von der hiesigen Polizei in Haft genommen..'

Phönix. Deutscher Spar und Leih'Verem.

Unter dem Namen Phönix, deut scher Spar und Lcih'Verein- hat sich am 9. März eine neue Gesellschaft mit einem Actien-Capital von 8100.000 tncorvoriren lassen. Vordereitende Ar deiten für die Eröffnung der Geschäfte am Dienstag, den 10. April, find in vollem Gange; Zahlungen werden von diesem Tage ab entgegen genommen. Die Geschäfte werden ganz nach dem Muster der alten Loan und Building Associationen geführt werden. Die Jncorporatoren und Directoren des Vereins find: Jacob Reuter, Henry Brinker. Wm. H. Ostermeyer. John I. Roller. Ad. Emhardt, Aug. Haug. Fred. Grossart, Henry G. Reger, Quirin Bolz, CbaS. D. Emhardt. Die regelmäßigen GeschüftSversamm. langen des Vereins finden an jedem Dienstag in No 301 West Washington Straße ftatt. Folgende Herren nehmen schon jetzt Gesuche für Antheilscheine entgegen und ertheilen bereitwilligst jede gewünschte Auskunft: I. Roller. 301 W. Washington Str. Adolph Emhardt, 805 State Llfe. Fred. Grossart, 225 S. Meridian Straße. Henry Reger, 324 Ost Washington Straße. Charles Emhardt, Germania Halle. Gerechtsame für Eisenbahn bewilligt. Bürgermeister Bookwalter und die Bebörde der öffentlichen Arbeiten baden gestern da? Dokument, durch welches der Chicago, Indianapolis und Evans ville Railroad Co. das Wegerecht durch das Stadtgebiet bewilligt wird, unter, schrieben. Der Stadtrath wird noch seine Genehmigung, vielleicht schon tn einer Spezial Versammlung heute Abend, hierzu zu ertheilen haben. Der Contract. schreibt vor. daß die Bahnesellschaft innerhalb sechs Jahre nach endgültiger Genehmigung befiel den den Bau der Bahn beendigt haben muß, widrigenfalls alle ihr eingeräum ten Rechte verfallen find. otllte d r e u l da e o.Die gerno,dl!ch, GdY Ecke Nobl, md Market Er. Polizeiliches. Der Neger Rußell SimmS. 23 Jahre alt616 West 17. Straße, hatte gestern mit seinem 27-jährigem Rassegenossen, Wm. Foree. 1011 MuSg,n. gam Straße einen Streit. SimmS machte von feinem Messer Gebrauch und brachte Force verschiedene Schnitt wunden bei. Die Beamten McCartts und GaddS pellten die Ruhe wieder her und brachten die Farbigen in separate Zellen der Polizeiftaiion unter. Der Wirth MorriS Kroro. 40 Jahre alt. 901 West Washington Str.. wurde gestern von dem Beamten Crane eingesperrt, weil er seine Waaren an Minderjährige virkauft haben foll. . D i e Radler Hüll und Shine der. bafteten oekern m ßnnnr? 90 Jahre alt. 6"3 Spring Straße, weil er sein Fuhrwerk nicht angebunden hatte. Conrad führt für Frau Mills, 1205 Central . Aoenue Bestellungen in der Stadt herum. .Gestern ließ er fein' Pferd unangebunden auf der Straße, stehen, während er in einem Hzufe eine Bestellung ablieferte. Das Pferd scheute und ging durch. Bei dem rasenden Laus verfing fich das Thier, mit einem Hinter dein in der Deichsel und zerbrach fich das Bein. Das verwundete 'Pferd wurde von dem Polizisten erschossen und der Kutscher eingesteckt. ' Der Polizist "Robert Alexen der Und Kapitän Hyland .nahmen ge per den Restaurateur Harry Wright von No. 1244 Pleasant.Straße. 44 Jahre alt. tn Hast, well er mlnderverthige Milch verkaufte. ' : v

Aus den Gerichten.

Superiorgericht. Gegen die Jndiana Traveler'S Acci den Association wurde von Frau Mathilde Schmid als gesetzliche Vertreterin von Fred und Eugenie Schmid und als Verwalterin des Nachlasses deS ve? storbenen B Frank Schmid Klage auf Zahlung eines SchadenersageS von $6000 eingereicht. Die Verklagte war früher die Eom mercial Traveler'S Accident Association, in welcher Gesellschaft der Ver storbene für eine Summe von $5000 versichert war. Als die Gesellschaft ihren Namen änderte, wurde die Verficherung von der neu organifirten Gesellschast, der Verklagten, Übernommen. Als vor einiger Zeit B. Frank Schmid in Colorado in Folge anstrengenden Treppensteigens an einem Herzschlag starb, verweigerte die Verklagte die AuZ. zahlung der V:rsicherungssumme. Forderungsklagen. Die Eastern Loan Company strengte gegen Robert E Gwin eine Zahlung?, klage in Höhe von $100 an. Der Ver. klagte versprach am 16. Juni 1905. die Summe von $82 80 an den Kläger in Abzahlungen abzutragen. Bi8 zum 9. September 1905 hätte derselbe die Summe biSaus $63 abzuzahlen gehabt, welches jedoch nicht geschah, und jetzt sei der Betrag überfällig. Die Gesellschast fordert nun die Bezahlung von 8100. Eastern Loan Company strengte ge gen Hiram G Johnson eine ZahlungS klage auf $300 an Der Verklagte versprach am 7. Juni 1903 auf Order der Eastern Loan Company die Summe von 262 50 in der gleicher Bank einzuzahlen. Er verfehlte jedoch sein Ver sprechen zu halten und die Summe sei nun überfüllig. Die Gesellschaft,, for dert einschließlich die Kosten und Zinsm die. Summe von $300. Schadenersahklagen. . Edward Payne verklagte die Jndianapolis & MartinSville Rapid Tranfit Company auf $10,000 Schadenersatz. Payne war ein Angestellter der Jndia nopoliS Traction & Terminal Co. Am 22. November 1904 wäre ein Waggon der erstaena.:nten Gesellschaft auf der MorriS'Straße durch Unvorsichtigkeit gegen einen von ihm geführten ange. laufen, wodurch er verletzt worden wäre. Durch diese Verletzungen wäre lhm ein Schadden von $10.000 zugefügt worden. .Er fordert daher die genannte Summe. Tillie E ReevkS strengte gegen die Cleveland, Cincinnati. Chicago & St. Louis Eisenbahn.Gesellschaft eine Scha denersotzklage auf $1200 an. Die Besitzung der Tillie E Reeder liegt in der Nähe der Schienen in der oben er wähnten Eisenbahn. Am 12. Novemder 1905 hatte die Wohnung derselben durch Funken von einer vorbeipassirenden Lokomotive Feuer gefangen und das Haus mit Inhalt war ein Raub der Flammen geworden. Ihr war ein Schaden von $1200 zugefügt. Sie fordert die Bezahlung von $1200. stöbert A. Philpott verklagte seine Frau Lucy Philpott auf Scheidung. Die Ehe wurde im August 1L99 in NobleZville in Hamllton County ge schlössen und die Ebeleute lebten bis zum 5. April 190 zusammen.' Erbegrün der seine Klage auf die Vernachläsftgung der Hausfrauen - Pflichten von Seiten feiner Frau. Sie hätte manches Mal Tage lang das HauS verlaslass,n und wäre spät in der Nacht zu rückaekehrt. ohne Rechenschaft abzulegen wo sie gewesen sei. Sehr häufig wäre sie auch in betrunkenem Zustande nach Hause gekommen. Er fordert vollftändige Scheidung. Der 24-Mrige Joe Schultz von Chicago, Jll . wurde gestern von dem Beamten De Rosette dingfest gemacht, da er sich ziellos auf der Straße herumtrieb Der Beamte Brady brachte gestern den 15'jährigen Neger Peter Blackwell und dessen 25'jührigen Bruder JameS zur Polizei.Station, weil sie sich aus der Straße herumtrieben. M

ttaucht dke BONANZA.

Japanischer Brief. Tokio, im Januar. KoreaZ Unabhängigkeit gehört nun bereits seit Monaten der Vergangenheit an, der Marquis Jto hat sie zu Grabe getragen, ja es wurden ihr nicht einmal viele Thränen nachgeweint. Man kann auch nicht sagen, daß die Aufgabe, die der Marquis zu lösen hatte, sehr schwer gewesen sei. Jedenfalls war sie nicht so schwer wie die Komuras in China. Eigentlich

?a'l norea ja schon lange in ren Augen der übrigen Wc!t als eine Japan verfallene Beute. Niemand hätte und hat auch einen Finger, gerührt, um es zu retten. Warum nun hat Japan seine Absicht, es nach dem Kriege zu annektiren, nicht schon lange offen und ehrlich bekannt? Man kann doch kaum annchmen, daß Furcht vor den armseligen koreanischen Soldaten der Grund gewesen ist. Nein, man wird nicht fehlgehen, wenn man ihn in der tief in der japanischen Volksseele eingenisteten Unaufrichtigkeit sucht. Die. scr Charakterfehler aber ist es. der die Chinesen bei den Verhandlungen mißiranisch gemacht hat. Wie sie es mit Korea gemacht haben, fo werden fie auch mit der Mandschurei verfahren, sagt sich der Chinese. Die Folge davon ist, daß er auch seinem Freunde, dem Japaner gegenüber die altbewährte Politik des passiven Widerstandes aufnimmt. Kein Wunder, wenn Japan, dem allein China die Erhaltung der Mandschurei zu verdanken hat. sich tiefgekränkt zurückzieht und die Rclle des Beschützers mit der eines Fordernden vertauscht. Hatte es sich doch schon seit einiger Zeit in seinen Zukunftsträumcn an der Spitze eines oftasiatischen Staatenbundes gesehen. Unüberbrückbare Gegensätze im Charakter und Wesen dieser beiden rassenverwandten Völker werden stets verhüten, daß im Falle einer gelben Eefahr die einen auf der Seite der anderen stehen. Der Chinese verachtet, die Japaner als Emporkömmlinge und Halbgebildete, und der Japaner die Chinesen als in der Kultur Zurückgebliebene, unter ihm Stehende. Aber auch für die anderen in China interessirten Nationen hat die Peking Konferenz Ueberraschungen gebracht. Die p veränderte Stellung Japans gegenüberChina hat die Nationen mehr , an die Seite Japans und seines Freundes. England gestellt. Der früher von dieser Seite beliebte Vergleich vom habgierigen Wolf im Schafspelz würde nunmehr nur noch auf sie selbst zurückfallen. Unter diesen Umständen muß der letzte Schachzug der deutschen Politik, nämlich die Zurückziehung der Truppen aus Schantung. als ein sehr geschickter bezeichnet werden, wenn auch die unmittelbaren Folgen noch nicht zu bemerken find. In Japan allerdings ' waren die Folgen sofort zu ' bemerken. Die Zeitungen hatten nichts Eiligeres zu thun, als aus die englischen Telegramme hin wieder das alte Mißtrauen in die Ehrlichkeit der deutschen Politik aufzuwärmen. Man fragt sich immer wieder, ob es denn gar kein wirksames Mittel giebt, diesen eng'ischen Hetzern hier an Ort und Stelle das Handwerk zu legen. Unsere drei deutschen Organe thun ja das Möglichste, um alles zu widerlegen, aber doch wohl nicht in der richtigen Weise. Diese drei Zeitungen sind aber auch wieder so recht ein Beweis unserer gerühmten Einigkeit. Warum schafft man nicht an Stelle von zwei Wochenschriften und einer Tageszeitung eine einzige, gut fundirte, womöglich vom Reiche unterstützte große Tageszeitung? Daß eine solche sich vom ersten Tage an bezahlt machen würde, ist nicht anzunehmen. Es giebt aber vielleicht in Japan in den besseren Klassen jetzt schon ebensoviel Leute, die Deutsch verstehen, wie solche, die englisch sprechen. All diese Leute würden die Zeitung halten, schon um sich weiterzubilden und das Deutsche nicht zu vergessen. Und welches bessere Mittel hätten wir denn, um der deutschen Sprache VerbreitUnH zu verschaffen? Würden denn Mittel, für diesen Zweck aufgebracht, sich nicht hundert- und tausendfach verZinsen? 'Giebt es überhaupt etwas Besseres, um dem immer mehr um sich greifenden Engländerthum Konkurrenz zu machen? Um deutsche Ideen, deutsche Kultur, deutsche Waaren, zu verbreiten? Solange wir uns immer nur der englischen Sprache bedienen, fällt ein großer Theil unserer Verdienste den Engländern in den Schoß. Zeigen wir doch, daß wir den Muth haben, unsere Erzeugnisse. Kenntnisse. Ansichten etc. in unserer eigenen Sprach: den Leuten vorzusetzen! Japan ist daS Land, wo die deutsche Sprache neben der englischen aufkommen wird. Sehr viele Japaner haben' in Deutschland stüdirt und deutsche Ideen in sich aus-

genommen. Wenn aber gar nichts geschieht, um ihre Interessen fllrTeutschland wachzuhalten, müssen wir uns nicht wundern, daß so viele ideelle Gi!tcr verloren gehen. Um nochmals auf die hier deutsche Interessen vertretenden Organe zurückzukommen, s ist das älteste die in englischer Sprache wöchentlich einmal erscheinende, von einem Deutschen herausgegebene Eastern World". Sie enthält auch zuweilen deutsch geschriebene Artikel, hat sich aber wegen ihre? persönlich gehässigen, in letzter Zeit besonders gegen den jetzigen deutschen

Gesandten gerichteten Angriffe in deutschen und japanischen Krnsien sehr unbeliebt aemackt. Man kann dem Herausgeber aber nicht absprechen, daß er ln die hiesigen Verhältniße sehr gut eingeweiht ist,' und bei persönliche? Tüchtigkeit unentwegt seiner Ucberzcugung Ausdruck ' giebt. An zweiter Stelle, dem Alter nach, kann die im vierten Jabrgange erscheinende Deutsche Japan Post" wohl als offizielles deutsches Organ bezeichnet werden. Sie ist ebenfalls eine Wochenzeitunz und leidet hauptsächlich an dem Fehler. daß die frisch aus Deutschland verschriebenen Redakteure sich erst wieder in ganz neue, unbekannte Verhältnisse hineinleben müssen. 'Leider hat man sich bei der Gründung dieser Zeitung die Mitwirkung eines sehr tüchtigen Mannes, der lange Jahre in Japan als Universitätslehrer thäti, war, jetzt aber in Deutschland lebt, entgehen lassen. Er wäre die einzige richtige Kraft gewesen; kleinliche pekuniäre Rücksichten auf Seiten der Leitung haben sein Engagement verhindert. Die dritte Zeitung, die allein als Tageszeitung : deutsche Interessen vertritt Japan Herald" ist in englische? Sprache gedruckt und dient hauptsächlich Handelsinteressen. Warum nun nicht eine ganz deutsch gedruckte Tageszeitung an Stelle dieser drei existiren kann, ist nicht recht einzusehen. Man unterschätzt offenbar noch immer die Macht der Presse. Andererseits zweifelt man an der gmügenden Verbreitung der deutschen Sprache, ohne zu bedenken, wie viele Engländer, Amerikaner. Franzosen heutzutage deutsch verstehen. Eine täglich in deutscher Sprache erscheinende Zeitung würden diese von den Japanern gar nicht zu reden mit Freuden begrüßen als bequemes Mittel. ihre deutschen Sprachkenntnisse zu erhalten und zu erweitern. Mit Ver-lusten-muß jedes neue Unternehmen rechnen. Der ideelle Gewinn aber, als da sind Ausbreitung deutscher Sprache, deutschen Denkens und Fühlen und last not least", wirksame Bekämpfung gehässiger Angriffe der englischen Presse wird alle Verluste tausendfältig wieder wett machen. -tIm LöwenlÄflg zrrisse,t. " Der Sckauvlak eines erschütternden Dramas war dieser Tage eine Menagerie in Anray bei Lorient. Whrend einer Vorstellung führte der Thierbändrger seine Nichte, ein hübsches Maochen von 11 Jahren, in den Löwenkafig. Mährens das Mädchen sich vor dem Publikum verneigte, versetzte ein Bauer durch die Gitterstäbe hindurch dem Löwen D'Artagnan einen Schlag mit dem Stock. Das Thier sprang wüthend auf und stürzte sich mit einem Satz auf das in derNähe stehendeMädchen. Vor den Augen des Publikums, das starr vor Entsetzen ar, erfaßte der Löwe das Kind mit in Zähnen und schleuderte es in eine Ecke. Zwei Zuschauer, die ihre Kaltblütigkeit bewahrt hatten, eilten in den Käfig und entrissen .unterstützt von dem Bändiger, dem Löwen seine Beute; er ließ von seinem Opfer jedoch nicht eher ab, als bis man ihm mit eisernen Stangen zu Leibe ging. Ein Arzt lonstatirte an dem Körper des armen Mädchens 22 Bisse. Unter furchtbaren Leiden starb das Kind einige Stunden später im Hospital. Der Bändiger wurde verhaftet. In Gottingen eroß sich der verheirathete Feldwebel Scheele aiw Furcht vor der Strafe, die er we gen einer Schlägerei mit Studenten zu erwarten hatte. - . Der Anarchist Nigelsohn, der an der Beraubung der Kasse in der Brauerei von Schelle zu Warschau betheiligt war, wurde kriegsrechtlich erschossen. ' , - Das Schwurgerichtin Rudolstadt verurtheilte den Landwirth Amende, der den eigenen Sohn durch einen Messerstich in's Herz getödttt hatte,' zu 4fc Jahren Zuchthaus. ' ' .' ÄUperbel. . So, die Kälte war schrecklich? So r d p o I x t s e n der : Ja, r Angstschweiß , stand uns in Form von Eispttlen auf der Stirne!" '

l x.e. eu wünscht? Tie Obstruktions und Verschlep pungstaktik, die die Marokkaner in Algcciras zur Anwendung bringen, wird von Georg Ricou im ..Gil Blassn einer Excellenz wünscht?" . über schricbenenSatire nicht übel perfiflirt: Die, Excellenzen sitzen um den mit der traditionellen grünen Decke bedeckten Diplomatentisch. Die Sitzung soll be ginnncn. Der Präsident erhebt sich mit der ruhigen Würde und den: feierlichen Ernst, die bei so wichtigen Gelogenhcitm üblich sind. Ich kläre die Sitzung für eröffnet!" sagt . er. Nach der in der vorigen Sitzung angenommenen Tagesordnung " Mohammed el Mokri, Chef der ma rokkanischcn Mission, neigt sich zu feinem Sekrtär herab und raunt ihm etwas ins Ohr. Tcr Präsident (sich äußerst liebenswürdig an den Sekre tär wendend): Wünscht Erzellcni Einwände oder Bemerkungen zu machen? ' Der SekretärDolmetscher : Seine Excellenz Mohammed cl Mok ri hat die Gcivoliiihcit, jeden Tag im: diese Zeit seine Naraileh zu rauchen. Excellenz wäre der hohen Versammlung dankbar ..." Der Präsident (zuvorkommend und lebhaft) : Aber natürlich! Excellenz soll nur ruhig während der Sitzungen die Nargilel? rauchen." Die Sitzuiuz wird bis zilm Eintreffen der Nargileh unterbrochen. Der Präsident: Ich erkläre d:e Sitzung für eröffnet. Nach der in der vorigen Sitzung angenommenen Tagesordnung " Mohammed ei Mokri neigt sich zu seinem Sckretär herab und raunt ihm unverständliche ' Worte ins Ohr. Der Pränd?l:t (mit bezaubernder Jovialität) : Wünscht Excellenz Einwendungen oder Bemerkungen zu machen?" Der Sekretär-Dolmetschcr : Excellenz friert und wäre der hohen Versamm . lung äußerst dankbar, wenn eine Wärmflasche ..." Der Präsident: Aber natürlich! Man bringe Erccl' lenz eiien nußsack und einen Kuhlen topf!" Mohammed el Mokri macht es fich mit. Fußsack und Kohlentovf be quem und raucht mit seligem Gesichtsausdruck. .Die bevollmächtigten Gc sandten machen sich mit ihren Schreibmappcn zu schaffen und zeichnen Kar rikturen. Der Präsident (mit srm pethischem Lächeln): Bitte, sagen Sie Excellenz, daß wir die Einwände und Bemerkungeil, die sie etwa zu machen hätte, jetzt gern anhören wnr den ..." Der Sekrtär-Tolmetscher: Excellenz ist gewöhnt, Rosen und Ecdratkoiifekt zu essen, wenn sie sich an den Wonnen der Nargileh crgokt. und ..." Der Präsident (lebhaft unterbrechend): Ja doch! Ja dock! Man bringe Excellenz Nosen- und Ee. dratkonfitüren mit dem dazu gehöri gen Glas und Löffel." Der Sekrc tärDolmetscher: Der Löffel ist un nothig . . . Excellenz hat die Gewohnheit, mit den Fingern zu essen." Nachdom der Wunsch -des Chefs der marokkanischen Mission erfüllt ist, können wohl die Arbeiten der ffonfe renz beginnen. Aber Mobammel cl Mokri gibt Zeichen der größten Nervosität. Der Präsident: Wünscht Excellenz vielleicht jetzt Einwändi oder Bemerkungen zu machen?" Der Sekretär'Tolmctscher : Excellenz möchte die hohe Versammlung nur darauf aufmerksam machen, daß sie ge. wohnt ist, jedeir Tag einige Stunden im Harem zu verbringen ..." Der Präsident (nod lebhater als vorher): Natürlich doch! Nichte ist begreif lichcr als dies! Wir alle wollen Er

cellenz begleiten!" Die Sitzung wird tkntcr freudigster Zustimmung aller aufgehoben. Die Berichterstatter tele graphiren der besorgten Welt da draußen, daß in Algeciras die schön sie Eintracht herrscht. ' Ein harter Kopf. Ein Hufschmied Namens William Murphy in New York zog neulich, während er mit Freunden in einer Wirthschaft kneipte, plötzlich ein Schießeisen aus der Tasche und jagte sich in rascher ' Aufeinanderfolge zwei Kugeln in den Kopf. Ein schleunigst herbeigerufener Ambulanzarzt untersuchte des Huf-' schmieds Schädeldecke und lonstatirte, daß beide Kugeln an der ungewöhnlich starken ' Hirnwand .abgeprallt waren und nur Hautwunden hinterlassen hatten. Der Patient" konnte ohne fremden Beistand" in den Sanitätswagen steigen. M i t t e l g e g e n das Au ssalsen d er Kopfhaare. Man nehme einen.Theil Nizinusöl auf fünf Theile Franzbranntwein. - schüttele tüchtig und reibe mit dieser Flüssizkeit mit einem kleinen Schwämmchen die Haare ein (ein bis zwei Theelöfftl genügen).' Die Wirkung ist vorzüglich. -Z ' . Sprachlich. , . Der Radler Rudcls Nudi aß aus seinem Rade einen rothen Radi. - '

o

t

V v U