Indiana Tribüne, Volume 29, Number 165, Indianapolis, Marion County, 7 March 1906 — Page 7
Jndlana Tribüne, 7. März Ivoo.
Durch Leid zur Liebe
1 o tu st st von Ida P c i s !: c r (Fortsetzung.) Unbeeilt schritt Elisabeth nach oben. Je näher sie der grellen Mittagshelle kam, die zur Laube hereinflimmerte, um so unverwischbarer schien sich ein Schatten über die klar gezeichneten Züge zu legen. Tie Wimpern gesenkt haltend, strebte sie an ihrem Verlobten vorüber. Er hielt sie auf. Ich wartete nur, um mich zu verabschieden Sie neigte den Kopf ein wenig. Tu fühlst Dich verletzt. Es thut mir leid. Anderntheils gibt es mir die Genugthuung, Dich, wenn ich fern, wenigstens in Gedanken mit mir beschäftigt zu wissen." Ob das Friedensgedanken sein werden? " Kaum. In sechs Wochen " fugte er mit Bedeutung hinzu, indem er sie frei gab. Schallenden Schrittes verschwand .seine Riesengestalt durch die Vorderthür. Sechs Wochen " flüsterte Elisabeth ihm nach. Ihr Athem flog. Mechanisch strich ihre Rechte über die kleinen, halbmondförmigen Wundmale an ihrem linken Handgelenk. Schs Wochen noch dann war sie sein im bestreitbares Eigenthum... Und in ihrer Seele lag noch so viel Fremdheit, so viel Widerstand und unerobertes Sehnen. O Gott was habe ich gethan!" stieß si: plötzlich in verzweifelnder Reue aus. Es wird keine Erlösung es wird ein Martyrium!" 3. K a p i t e l. onntagsstille ringsum. Arno Voß saß unthätig vor seinem Schreibtisch, den Blick in'Z Leere gerichtet. Geist und Phantasie lehnten sich wieder einmal rebellisch in ihm auf gegen, den tagtäglichen Zwang, sich als Diener der Erinnerung herzugeben. Sie versagten. Der matte Wille allein richtete da nichts aus. Der in silberne Hülle eingeschraubte Faberstist lag unbenützt neben einem Stoß loser Blätter. Den geschriebenen Bildern auf ihnen wollte sich kein neues anreihen aus der Vergangenheit seines Lebens. Ein verloreneZ Paradies, das da in Worte gebannt vor ihm lag. Wenn seine genossenen, überschätzten, nie zurückzuerkaufenden Wonnen alle nachgeträumt waren dann blieb den hungernden Sinnen das jähe Hinübergleiten in eine Hölle . . . Los von ihr! Aber wohin? In die Gegenwart, die nichts bot, als eine, ach. nur zu thörichte, immer wieder brechende Hoffnung auf Genesung? In die Zukunft? In diese Wüste voller ' Leere und Einsamkeit? Denn er hatte ja gebroäzen mit Freunden und Bekannten, mit Heimath und Beruf. Sollte er nun in der Fremde Menschen suchen, da seine wunde Seele sich von denen geschieden, die ihm doch nahe ge iranoen yattenk...i)cein, me, me: Seinz kleine, zärtliche Ophelia durfte allein noch Endzweck seines Levens sein, Anker seines Herzens. Ich habe keine Lust am Manne mehr, auch nicht am Weibe!" Das daseinsmüde Bekenntniß des zerrütteten Hamlet war es nicht auch das seine?... Aber etwas besaß er noch den Glauben an, das mo. Sem Kmö! O daß er dies sagen durfte, zweifellos, daß ihm wenigstens diese Zuversicht geblieben war in dem ausgeraubten Versehrten Leden!... Aber schon war er wieder Mit zwei Eedankensprüngen an der Pforte der Hölle. Los von ihr! Er drückte die Faust an die Stirn. Geh und stähle Dich," rieth er sich hart. Versuche wieder, wie weit Deine Kraft der Ueberwindung, des Vergessens schon reicht." Wie unter dem Banne eines unbesieglichen. krankhaften Wollens erhob er sich, schritt durch zwer Zimmer und er schloß sich die Thür zu einem Boudoir. Die Arme verschränkt blieb er dicht vor der Portiere stehen und sah in den ro sigen Raum, dem halbgeschlossene Jalousien eine schwüle, unerträgliche Dämmerung gaben und dem die Seele fehlte, jener Hauch von Frauenhaar und Modeparfum, von kapriziöser Un ordnung und koketter Stimmung. Richt die diskreteste Spur von Benutzung: Die Herrin ist todt, sagte jedes Stück der Einrichtung. Die Herrin ist todt! Den einsamen Mann überkamen keine Empfindungen der Trauer. Mit Wehmuth hatte der kalte, hohnvolle Ausdruck seines Gesichtes noch viel we niger gemein. Sein Hierweilen bezweckte Selbstpeinigung, seelische AbHärtung. Von Pein regte sich nichts in ihm; nur ein starkes, wlderwilliges Unbehagen an der Umgebung, ein ver stecktes Eelhstverspotten. Wurde schon zur Komödie, das. was eine Art Buße sein sollte, Buße für an eine Lüge ver schwendete Jugendkraft? Oder vermochte dieser. Raum nicht zu wirken, weil er nur eine nachlässige, unvollkommene Nachahmung war? Gleichviel. Gut, wenn es immer so todt in ihm blieb bei dem Erblicken dieser ewig stummen und doch so beredten Zeugen. Vielleicht, daß dann auch seine Gedanken allmälig zur Ruhe kamen.' Es blieb so wie so noch genug, waö ihm daS
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Leben vergällte, unerträglich machte zu Zeiten. Sein Blick hing erloschen an der nächsten weiterführenden Thür; es war, als zöge es ihn hinüber. Doch schüttelte er den Kopf. Rein, nicht Ophelia könnte sonst nicht Einlaß sinden. Er wandte sich, entfloh der Versuchung und kehrte in das Wohnzimmer zurück. Unstät bewegte er sich hin und her. Er suchte Ablenkung zu sinden, indem er Ophelias Fortschritte in den täglichen Schreibübungen prüfte und ihr ein neues Kleidchen aus ihrem Ausgehstaat zurechtlegte. Er war seinem Liebling Vater und Mutter zugleich, 'hoffend, daß durch solche Hingäbe an sein Kind das verpfuschte Dasein auszufüllen wäre. Zeitweise war ja auch Frieden in ihm und Genügen an seiner selbstgewollten Verbannung. Er verspielte den Tag mit Lia, verbrachte sinnend, schreibend, lesend die halbe Nacht. Doch die wahnsinnige Unruhe, die ihn mitunter von Wand zu Wand trieb; in der er nach der früheren Thätigkeit dürstete, nach verstehender Theilnahme, nach Glück ein Zustand, so qualvoll, daß es ihm oft Erleichterung dünkte, wild aufschreien zu dürfen wie ein krankes Thier, das sich in der Wüste vor der Stille und dem Sterben fürchtet. Aber der Schrei wäre nur ein ersticktes Aechzen geworden, und er wollte ja seine Stimme schonen. Wenn die schlimmen Stunden nur immer rascher überstanden waren. Auch Ophelia litt darunter, denn er - überließ sie' da oft sich selbst, und sie mochte sich nach ihm sehnen. Nicht allein lassen!" das war ihre stehende Bitie. Die kleine Liebeverwöhnte war eifersüchtig auf die unverständliche, dunke Macht, die ihn ihrem Einfluß mitunter entzog. Heute hatte sie ihn nun allein gelassen und blieb, uneingedenk ihrer zärtlichen Versicherung. pünktlich wiederzukommen, über die bewilligte Frist. Die Versäumniß zählte erst nach Minuten, doch wurde er schon ungedul dig. Wieder nach Minuten sorgenvoll. Er machte sich Vorwürfe. Wie konnte er seine einzige Freude an andere, Fremde verborgen, und war es auch auf die kürzeste Dauer nur! Wer weiß, ob sie da unten nicht schädlichen Einflössen ausgesetzt war nein, das nicht, er that dem freundlichen, intelligenten Alten' mit dem Kindesblick Unrecht. Aber ihr zart organisirter Körper konnte in der Kellerluft Schaden nehmen. Sie konnte auf den dunklen Stufen gleiten, stürzen, sich verletzen.. .Einige Sekunden lauschte er noch mit jedem Nerv auf das erwartete Klopfzeichen der kleinen Fingerchen an der Entreethür dann überwand er
das Mißbehagen an seinem Entschluß und ging, um sich Ophelia zu holen. Um die Treppenwand biegend, sah er Elisabeth May in der Laube. ' Ihre abwesende Haltung, das nach dem Hos zugewandte Gesicht verriethen, dan sie sein Herannahen überhörte. Er hätte sie gern gedeten, ihm sein Kind zuzuführen, doch im nächsten Augenblick nahm er von solcher Bitte Abstand. Einen Leidenden behelligt man nicht mit eigenen Angelegenheiten. Und sie litt es war nicht nur ein Nachgeben an eine dunkle, unzufriedene Stimmung. Ihm, dem'Kenner. dem Studirenden fremden Seelenlebens, entging das nicht. Ein paar .Sekunden hielt ihn noch ein antheilnehmendes, grübelndes Zögern an der Stelle fest, dann schritt er in seiner lautlosen, lässigen Weise weiter.' Unten im Halbdunkel wies ihm Ophelias zwitscherndes Lachen den Weg. Er klopfte an die rechte Thür, trat ein und war von dem Odem einer behaglichen, zufriedenen, ja glücklichen Armuth umgeben. Das alte und das junge Kind saßen fröhlich nebeneinander aus dem Fenster tritt. Lia hatte die mitgebrachten Weinbeeren von den Stengeln in ein irdenes Schüsselchen gepflückt und die Traubengerippe in die klaffende Wasserrinne des Fensterbordes, gesteckt. Eben ließen- sie berdeeine drollige Me nagerie au Korken geschnitzter Thier chen durch diesen eingebildeten Wald spazieren und erstaunliche Abenteuer erleben, als Arno Voß, vortretend und grüßend, d Vertieften ihrem Phantasievergnua.en entriß. O der Papa " sagte Ophelia schuldbewußt und erfreut zugleich. Ich dachte, Frau Lenz klopfe an. äußerte Weding betreten und verlegen und wollte sich erheben. Arno Voß wehrte dieser mühseligen Aufmerksamk.it. Nicht doch. Schomn Sie die kranken Füße. Ich beabsichtige keine Störung, will mir nur mein vergeßliches Tochterchen holen Weding hat keine Uhr, Papa. Und wir haben heute so schön gespielt, daß wir die Thurmglocke mcht hörten."Verzeihlich." Ophelia hüpfte zu ihrem Vater herab und drückte schmeichelnd ihr Kopschen an seinen Arm. Bleibe mit Mir noch em bischen hier, Papa. We ding hat mich so gern... Du brauchst ja nicht-zu sprechen. Arno Voß wandte sich an den Alten. Gestatten Sie mir wenigstens. Ihnen Dank zu sage! für die öfteren Wohlthaten, von denen diese da die größte ist " und Weding wies auf seine kleine Freundin, ie unter den reichen Wimpern hervor schelmisch zu t r tym ausvllnzeile. Ich glaube es... Lia hat ein freundliches Herz. Die Kleine legte dankbar seine me derhängende Rechte an . ihre Wange. Uebermüthig ftoh.nickte sie ihrera alten
Freunde zu. Nicht währ, einen solchen Papa möchtest Du auch haben?" vermuthete sie kindlich stolz. Weding lächelte sein gutes,, gewinnendes Lächeln etwas wehmüthiger denn sonst. Da müßte ich mir schon lieber einen solchen Sohn wünschen, Klein-Lia." In den Mundwinkeln seines Gastes zuckte es leicht, als gratulirte er im Geist dem Alten, daß er solchen Sohn nicht besitze. Sein Blick wich den treuherzigen Augen aus und glitt wie in selbstvergessenem Suchen rundum. Plötzlich, stutzte er, und sein müdes Gesicht belebte sich an einem jäh aufflammenden, fragenden Interesse. An der einen hellblau übertünchten Wand hing ein Bild, nein, eine Zusammenstellung verschiedener Porträts, Bühnengrößen längst erloschene Sterne darunter, aber auch mehrere lebende, die noch im Vollbesitz ihrer Gaben die Mitwelt entzückten. Dies Durcheinander charakteristischer hochmüthiger und anmuthiger Köpfe war ersichtlich von einer kundigen Hand pietätvoll zu einem Ganzen geordnet und unter Glas und Rahmen gebracht. Eine Erinnerung an meine Vergangenheit, Herr Voß," sagte Wedings bescheidene, klare Stimme vom Fenster her. Sie gehörten der Bühne an?" Unter der raschen, spröden Frage verbarg sich die Gluth einer verhaltenen Erregung. Der Alte nickte bejahend. Nicht wahr, es sieht so unglaubhaft aus? Jetzt eine halbe Mumie, die zufrieden ist. wenn sie mit einer Großmutterbeschäftigung in der Sonne hocken kann und einst ein Jünger der Kunst und was für ein begeisterter! Jedoch das dort soll mich nicht etwa an Triumphe erinnern die ich übrigens nie erlebte nein, an meine Jugendschmerzen und Jugendthorheiten und an meine Gesundung." Warum verließen Sie Ihren Beruf?" Weding sah von seiner kleinen Gönnerin. die zu dem besprochenen Bild hingetrippelt - war, auf ihren Vater. Er stieß mich aus, Herr Voß. Von Versuch zu Versuch hieß es: Kein Talent; stehen Sie ab davon . . . Jetzt kann ich darüber lächeln doch damals ! Wenn ich an die Zeit denke an das überstolze Hoffen, das heiße Ringen, an die Begeisterung ohnegleichen! Ich glaubte mich auserwählt war vielleicht nicht einmal berufen. Vor mir selbst war ich ein Riese an Können und Zuversicht vor dem Publikum wurde ich abwechselnd befangen, verschlössen, störrisch." Seine Sprache wurde fließend und beredt unter dem Vanne des lauschenden, sympathischen Gesichtes. Alles für die Kunst nichts für die Zuschauer!" Ich weiß nicht mehr, welcher unbarmherzige Witzbold mir das nicht unzutreffende Motto an gedichtet hatt: aber es blieb mir und wurde mein Lerhängniß. Und ich tont so thöricht, ich kämpfte so lange. M ich vollständig am Boden lag, von jeder Hoffnung verlassen. Ich besaß nicht einmal mehr Ezistenzmittel. Die Eltern waren todt. Mein kleines Erbe hatte ich meinen Träumen geopfert. Wahre Freunde besaß ich nicht. Da da rettete mich das Weib." Ein ungläubiges, schwach verächtliches Lächeln seines Zuhörers verschüchterte 'ihn etwas. ließ ihn jedoch nicht lange innehalten. Jawohl, ein kleines, bescheidenes, kaum je von mir beachtetes Mädchen fand den Muth und den Willen, mich vor mir selbst zu retten und freilich auch für steh. Die Tochter meiner Zimmervermietherin. Ich hatte, vor Trotz und Qual, verhungern wollen; aber ich wurde krank über den Entschluß. Sie pflegte mich. Als ich gesundete, hatte ihre unermüdliche Geduld. ihre frische, gläubige Art den Lebensmüden zum Lebens billigen umgewandelt. An ihrer Hand habe ich mick nicht mehr aufgelehnt gegen mein Schicksal, auch gegen das bescheidenste Loos, die ernüchterndste Arbeit nicht. Sie war gut und blieb gut bis zu ihrem Ende." . Arno Voß strich sich das weiche. dunkle Haar aus der Stirn, so daß für einen Augenblick ihre strenge, imposante Form völlig frei lag. Es war eine Geberde tiefer Unruhe. Protest und Unglaube sprachen aus seinem Wesen. Dann aber verabschiedete er sich schnell mit Lia. Gräßlich, diese schwülen SonntagNachmittage, an denen man nicht ausgehen kann!" Agnes von Salden suchte durch anmuthiges Strecken und Dehnen der weichen, üppigen Glieder ihre Schlaffheit zu überwinden, die ihr eine dreistündige Siesta eingetragen hatte. Sie ließ sich zurücksinken und bequemte sich, nachlässig mit dem einen feindestrumpften Fuß nach ihren koketten Pantöffelchen zu suchen. Lisa! So stelle mir doch die dummen Dinger zurecht." Apathisch willig kam Elisabeth heran und nahm ohne Heftigkeit die absichtlich zurückgeschobenen, kleinen Galoschen unter dem Rocksaum der jungen Frau hervor. Agnes von Salden zog die schmalen Brauen in die Höhe und spitzte den vollen Mund, dessen Roth, im Gegensatz zu dem wundervollen Karmin der Wangen, etwas bläßlich ausfiel. Es sah aus, als wolle sie einen überrasch, ten, pfeifenden Laut hören lassen. Sie unterließ es jedoch und gab ihrer Verwunderung nur durch einen Augenwink nach der Mferjfchi DCirul .
. Frau Klein fing das Zeichen auf und nickte wichtig. Ja, ja. Einsicht foll mitunter bitter schmecken," äußerte sie halblaut. Lisa" .Bitte." So monoton dies bitte" klang, es war doch abermals ein Genuß für die stattliche Frau, die sich immer auf der Lauer nach Respekts- und Höflichkeitsbezeugungen befand. Was ist Dir?" Elisabeth stutzte, erröthete flüchtig und biß sich auf die Lippe. Mir fehlt nichts, Tante." Hm . . . Sollte mich freuen." Aber ich habe Ihnen etwas mitzutheilen. Ich- sie stand zur Seite, ihr Blick glitt am Boden hin. als könnte man sonst versuchen, in ihrer unruhigen Seele zu lesen in sechs Wochen ist meine Hochzeit." Unvernunft!" stieß Frau Klein erschrocken und ungläubig aus. Nun, das heißt denn doch die Rückstchtslosigkcit ans die Spitze treiben!". Die empörte Frau schlug gegen ihr Zeitungsblatt. daß es zerriß. Sechs Wochen... und man hat sich noch kaum mit dem Gedanken vertraut gemacht, dann jemand anderes um sich haben zu müssen... Und er. Dein unheimlieber Riese, hat noch nicht einmal für nöthig gehalten, sich bei uns sehen zu lassen. Es ist unglaublich!" Er will es so, Tante... Wie kann ich es ändern?" 'Jcden Tag, wenn Du willst Du brauchst einfach nur Deine Uebereilung einzugesiehen und Dich loszusagen." Aus Feigheit ein freiwillig gegebenes Wort brechen nein, lieber" sie brach ab und suchte ihren raschen Athem zu meistern. Die amüsirten Vlauaugen der Kcusine 'erbitterten sie. Ich werde den selbstgewählten Weg gehen, ob er mir auch dunkel vorkäme... Es ist kein Verdienst, nach einem Glück zu greifen. Sich selbst zu opfern, um ein übernommenes Vertrauen einzulösen, ist. wenigstens muthig." Wenn der Muth nur anhält " Tante!" Der mehr bittende als gereizte Ton 'cschwichtigte die geärgerte Frau etwas. Meinetwegen, laß Dich morgen schon trauen ... Aber halte uns auch nicht fiir Unmenschen, wenn wir der ganzen A"gelegenheit etwas fern bleiben werden. Ich habe mich Dir gegenüber stets als Pflegemutter gefühlt und ge-zci-7t, aber ich kann zu Deiner letzten Eigenmächtigkeit nicht anders als eine völlig Fremde stehen. Und ich will keine Hochzeitsunruhe im Hause." fi ..iMti ilnS n T rfA X3 t&4
v, li IlIVUlib lUlU IUUIIUJL uityi an5:?5. mnarely nricy stcy urer oie brennenden Lider. Warum auch?" Warum auch?" wiederholte sie noch bit lerer, noch müder in ihrem Jammer. Sie würde von hier gehen, wie man aus einem Joch in's andere geht. Das eine hatte ihr das Schicksal aufgezwungen; das andere sie sich selbst. Nein, der trotzige, gewagte Tausch brauchte keine Feier, auch keine Theilnahme. Mit vibrirenden Händen deckte sie oen 211$. Sie war q tibt gram in ihrer bangen, weichen Stimmung. Standhaftigkeit und Selbstverleugnung schienen heute fortwährend auf der Flucht vor ihr. Irgend ein dumpfeö, nagendes Verlangen beherrschte ihre Seele; ein unbewußtes Suchen nach einer Stätte, wo sie hinflüchten konnte, vor der eignen inneren Unrast, die wie eine beginnende Krankheit auf ihren Nerven lastete. Sie sagte sich ein paarmal wie zum Trost vor. daß es nur die Gewitterluft sei. von der sie gepeinigt werde. Aber warum stand unaufhörlich der kleine, unabweisbare Sah vor ihrer Seele: in sechs Wochen ? Frau Agnes spielte mit ihren Ringen, ließ das junge Mädckzen dabei nicht aus den Augen und lächelte ihr sanftes, wohlwollendes, herablassendes Lächeln. Wie wirst Du Dir das Brautkleid wählen. Lisa?" .Bitte, laßt mich." Das war ein unvermutheter Rückfall in die frühere verschlossene, herbe Art. die kurz und kühl ein Interesse abwies, das nicht aus dem Herzen kam. Frau Klein notirte sich innerlich diese jüngste Lieblosigkeit. Ihre Tochter belustigte stch daran, denn sie begriff. Mit ihrem leicht wiegenden Gang an Elisabeth vorüber streichend, sprach sie verstellt bedauernd. Du hast Angst, meine Liebe. Die Fessel drückt schon und ist doch noch nicht zugezogen." Ich bewundere Ihren Scharfsinn, Kousme." Doch Elisabeths unsreundliche Lippen zuckten, und aus ihren Augen brach ein Jammerblick. Mein Gott, ich wünsche Dir ja Glück." meinte die schöne Frau lässig. !.Doch wie gesagt, man muß in der Wahl seines Zukünftigen vorsichtig sein." Danke für Belehrung." D bitte. eS war keine... Ich wollte nur vorsichtig mein Beileid ausdrücken." Schämen Sie sich. Kousine." t w n s r & Ich verbitte mir den Ton," gebot die junge Wittwe hoheitsvoll. Ich habe ein weiches Herz gewiß. Doch hier die Gefühlvolle spielen, das kann ich nicht. Wenn Du Deinen Schritt bereust, oder zu bereuen haben wirst, so ist das nur eine verdiente Folge, die Dir nicht schaden kann. Nicht wahr, Mama?... Lächle doch nicht so hochmüthig, das schickt sich gar , nicht für Dich." Sie schob sich mit sanfter Bewegung ihre leise klirrenden Armbänder zurecht. Ich wünsche Dir, zu Deinem Heil, daß Du klein wirst, recht klein, daß Dich die gefinchtete Hand
jawohl die gefürchtet?! mit unnachgiebiger Strenge zur Demuth dressirt." Pfui!" Im und hole Ulli," befahl Frau Klein barsch. Schweigend willfahrte Elisabeth. Kerzengerade lief sie hinaus. Draußen hielt sie die verschlungenen Hände gegen den halb geöffneten, heißen Mund, sich keinen Laut des Unmuthes gestattend, nicht einmal das leise, unglückliche Lachen, das ihr in der Kehle empor quoll. Warum kann ich mich nicht freuen auf den Wechsel? Warum nicht?" fragte sie sich leidenschaftlich. Und ich sollte doch es wäre doch so natürlich . . . O Gott, ich bin nicht mehr ich selbst!" ... Und das nennt stch verlobt " äußerte drinnen die Hausfrau, erbittert über Elisabeths letzten Ausruf. Wo bleibt da die Poesie des Brautstandes?" Ach Mama ein Mädchen von Lisas unsympathischer Art " Die junge Frau endete nicht. Sie senkte nur in unglaublicher Weise die weichen Mundwinkel; eine Mimik, in welcher sie geradezu Virtuosität besaß. Der ihr so oft und leicht zur Verfügung stehende Ausdruck war auch keine Maske. Sie fühlte sich allzeit fo erhaben in der Würde ihrer jungen Wittwen- und Mutterschaft, ihrer Schönheit und ihres verhätschelten, unthätigen Lebens. Am Tisch war sie nun von einer liebenswürdigen Unbefangenheit. Sie ließ alsda nie Unbehagen oder gar Streit aufkommen. Aufregungen während einer Mahlzeit schienen plebejisch und nicht bekömmlich. So war es denn auch etwas anderes, als Zwist und gereizte Worte, das dem sonntäglichen Vesperhalbstündchen seine Beschaulichkeit nahm, das heranziehende Gewitter. (Fortsetzung folgt.) Anekdotisches aus oeu: Leben des DSnenkönigS. Ueber den verstorbenen Dänenkönig Christian werden unter anderem solgende hübsche Geschichten erzählt: Bis zum Tode seiner von ihm innig geliebten Gemahlin im Jahre 1893 zeigte König Christian nicht die geringsten Altecsbeschwerden und unternahm täglich sebr weite Spaziergänge. Dabei traf er häufig einen alten Mann, mit dem er sich öfters unterhielt, und den er einmal nach seinem Ergehen fragte. O. ich danke sehr. Majestät," sagte dieser; ein so alter Mann wie ich darf nicht klagen, wenn er sich noch so fort-' hilft." Reden Sie nicht so dummes Zeug von Ihrem Alter," sagte der König ganz ärgerlich; ich bin 15 Jahre älter als Sie und spüre noch nichts davon, daß das Alter herannaht. Sehen Sie, ich komme eben von einem strammen Marsch aus Klampenborg." Klampenborg liegt über 1 Meilen von Kopenhagen entfernt. Als er dann später doch hin und wieder den Arzt zu Rathe ziehen mußte, ging er eines Tages zu seinem Leibmedikus Professor Studsgaard. um ihn um Rath zu fragen. Er steigt die Treppe hinauf und klingelt an der Thür. Ein bäuerisch aussehendes Dienstmädchen, dem man es ansah, daß es direkt vom Lande gekommen war, macht ihm auf. Ist der Herr Professor zu Hause?" fragt der König. Ja,, aber nicht für Sie und jetzt überhaupt für niemanden." Er wird aber vielleicht mit mir eine Ausnahme machen, wenn Sie ihm sagen, daß der König da wär?," meinte Christian. - -Sie wollen der König sein? Haben Sie andere Leute zum Narren ! Der König kommt nicht so dahergegangen," und damit wirft sie ihm die Thür vor der Nase zu. Als Studsgaard am folgenden Tage dem König seine Aufwartung machte, sagte dieser: ..Bringen Sie doch, mein lic ber Professor, diese meine Photographie Ihrem Dienstmädchen, damit sie mich das nächste Mal erkennt, wenn ich zu Ihnen komme, und mich nicht wegschickt, und hier geben Sie ihr 20 Kronen von mir!" In seiner Gut müthigkeit verausgabte et sich biswei len fo, daß er kein Geld in der Tasche hatte. Einst ging er mit General Moltke spazieren und bat ihn: Go bcn Sie mir doch ein paar' Pfennige für die beiden Kinder dort, Moltke!" worauf dieser ruhig erwiderte: Ich habe leider nicht einen Pfennig bei mir, Majestät." Von dem Kranprin' zen aber ließ er sich häufig aushelfeik. wenn seine eigene Börse erschöpft war. Borg' mir doch etwas Geld!" sagte er dann. Da hat mich eine alte Fron um ein Almosen angegangen, und ich habe nichts rnerjr' Ein Kinderorden. Ein eigenartiger Orden, der ausschließlich an Kinder verliehen wurde, war der Orden der Fahne (Ordre du Pavillon).. Man machte dem achtjährigen Prinzen Lud wig, dem nachherigen König Ludwig dem Fünfzehnten, das Vergnügen, die. fen Orden im Jahre 17 18 zu stiften, und. dekorirle damit dessen Gespielen, sowie sonstige Kinder von Hofpersonen. Das Ord:nSzeichen war ein goldenes emaillirteö Kreuz. In dc; Mitte der Vorderseite war eine Fahne, auf der Rückseite ein .Anneau lournant" (eine Alt Kreisel), daS Lieblingsspiel des königlichen Knaben. Das Ordensband war blau und weiß gestreift. Der Orden ging schon 1723 wieder ein. Vorschlag zur Güte. Doktor: So Sie wollen die Rechnung bezah len?" Bauer: Ja, wissen S', Herr Doktor, für die MeUzieh da zahl' i recht gerne, aber für die B'suach, do b'suach i Jhna nieder.
Europaische Rachrichten. Zlyeinpralz. Speyer. Ein größeres Schaden feue? ist im landwirthschaftlichen An Wesen von Ackerer Jakob Werle in der Frschergasse jaw Ausbruch gekommen. Bei reich vorhaiwenen Erntevorrätln hatt das fkuer reicklick Ncckrun.
und es brannten Haus und Scheune, puppen rmo Stauung nieder. DaS Großvieh konnte mit knapper Noth -rettet werden. Kaiserslautern. Eine im genannte Dame bestimmte, wie in einer Stcrdtrathssikuna bekannt atathen wurde, 20,000 Mark für eine RekonvaiesZenren - Stiftung. Es soll daraus bedürftiaen und leidenden in wohmrinnen der Städt ein zur HerIttuung lyrer öesunMt arztlich verordneter Aufenthalt an Kurorten ode? Heilstätten durch 'Gewährung geeigneter Zuschüsse, nöthrgenfalls. durch Uebernahme der gesammten Aufwendung ermöglicht werden. Ludwigs Hafen. Das 2 Jahre alte Kind des BahnarbeiterS Fried in der westlichen Hafenstraße fiel in einen Topf siedenden Wassers und erlag nach kurzer Zeit im Krankenhäufe seinen furchtbaren Leiden. 'S ta mb a ch. Die 43 Jahre alte Ehefrau des Schuhmachers Georg Struer von hier wollte ihre Tischlampe durch Aufblasen löschen. Dabei schlug die Flamme in den Petroleum,, behält, welcher erplovirte. Der Inhalt ergoß sich über Frau Steuer, die fofort in hellen Flammen stand. Trotzdem ihr Ehemann' alsbald zur Hilfe eilte, erlitt die Bedauernswerthe folch' schwere Brandwunden, daß sie alsbald unter den schrecklichsten Schmerzen starb. Z w e i b r ü ck e n. Der am 15. Dezember v. I. wegen Raubmordes, verübt an der Altsitzerswittwe Anna Stolz, zum Tode verurtheilie FabrikSchuhmacher Franz Hirtz aus Pirmafens wurde im Hofe des hiesigen Landgerichts hingerichtet. Klsaß'Lottzringen. Straßburg. Der o. Prof. Dr. Meinecke von hier ist zum o. Professor für neuere Geschichte an der Universität Freiburg i. B. ernannt worden. Vor einiger Zeit wurde an dem in Verny bei Metz wohnenden Arzt Dr. v. Westphalen, dem Grenzaufscher Lüdke in Liocourt und an einer 60jährigen Frau in Eraincourt ein Mordversuch ausgeübt. Der Thäter ist jetzt in der Person eines Soldaten der 8. Eomp. des Infanterie - Regiments No. 18 in Metz, Heinrich LitgeS aus Solingen, ermittelt worden. Er diente im zweiten Jahre und entfernte sich vor längerer Zeit vom Schießstände mit Gewehr und Patronen. Letztens trat er in 'eine Wirthschaft jenseits der Grenze auf der Straße Nomeny - Nancy und verlangte zu logiren. Das Gewehr hatte er weggewarfen einige Schritte vor der Wirthschaft. Der Wirth fand es gleich. Nachdem der Deserteur gegessen hatte, putzte er das Gewehr ordentlich durch und ging schlafen. Später erschienen zwei Gendarmen, verhafteten ihn und brachten ihn nach Nancy. Allem Anschein nach ist Litges irrsinnig geworden. Bolchen. Auf dem hiesigen Bahnhof wurde Bremser Schweickhardt auS Sablon bei Metz von einem Zuae überfahren und sofort getödtet. Hag enau. In geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit beging die unter dem Schriftstellernamen Rebe weit über die Grenzen des Elsasses hinaus bekannte Frau Pfarrer Michel, ihren 80. Geburtstag. Ihre Schriften, die so manchen gestärkt und erquickt haben, sind im vollen Sinne des Wortes Gemeingut des elsässischen namentlich evangelischen Volkes geworden. Zlleckrenburg. V ü tz o w. Der Kriminalaktuar a. D. Bühring und Frau hierfelbst feierten das Fest der goldenen Hochzeit. Von dem Großherzog ging dem Jubelpaar neben einem Glückwunschschreiben sein Bildniß im Rahmen zu. Dallwitz. Auf dem hiesigen Rittergut wurde der Nachtwächter Fritz Laas todt aufgefunden. Die gerichtliche Untersuchung hat,' unter HinZuziehung des Kreisphysikus, ergeben, daß der Gestorbene einem Schlaganfall erlegen ist. Friedland. 'Kürzlich brannte das HcmS des Ackerbürgers Otto Mohrmann in der Mühlenstraße. In der Oderwohnung, wo der Arbeiter Schröder wohnte, ist das Feuer entstanden. Die Ehefrau, die Wäsche ge habt hatte, war um diese Zeit in der Nachbarschaft, wohin ihr der Menrn, der noch kurz zuvor in der Wohnung gewesen, nachgekommen ist. ' Als darauf der Feuerlärm' erscholl, hat er, ohne etwas zu sehen, plötzlich ausgeruftn: Dcrt is bi uns!" Da die Frcru ihren eigenen Mann der Brandstiftung bezichtigte, wurde er sofort verhaftet. Während ugem$rr abgenommen wurde, daß die -'bc'en Schröder'fchen Kinder, Knaben im Alter von 6!ünd 4 Jahren, gerettet- seien, entd?ckte . die Feuerwehr, nachdem der Vordergiebel iveagerissen war. 'die verkohlten Leichen auf dem . verbrannten Bette liegend.' Da du Frrm sich während des Verhörs theilnMnsloS benahm, lenkte auch fit den Verdacht 'auf sich und ' sie wurde glnchfallS verhaftet. -
