Indiana Tribüne, Volume 29, Number 164, Indianapolis, Marion County, 6 March 1906 — Page 5

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Das aste Dorf.

Geschichtliche Erzählung, von Theodor Kabelitz i. Etwa zwei Wegstunden nordwestlich von dem Dorfe Tennewilz, wo 1813 eine der Entscheidungsschlachten des großen FreiheitskampfcS geschlagen wurde, liegt inmitten deS düsteren Kiefernwaldes ein freier Play. Der Äoden ist uneben '."ie auf Stätten ehemaliger Verwiistung. Hier und dort finden sich Sparen von zerbrochenem Mauerweik. Arombeerhecten wuchern üppig darüber hin. Einsam ist's ringsumher. In der Tiefe des Forstes hämmcrt der Specht. Des Hähers Schrei tönt hart aus den Wipfeln zu Häupten des Wanderers. ' Tort war noch am Anfang des JahrHunderts die Wohnstätte glückticher Menschen. Der Plaz heißt noch heute das alte Torf." Der Kriegssiurm 06 hat eö von der Erde hinweggetilgt. Was darüber verlautet, soll in Folgendem erzählt werden. Der kalte Nachtwind strich saufend durch die blattlosen Büsche im Torskirchhof. Machte erathemschöpfend eine Pause, so vernahm man den dumpfen, rucksenden Pendelschlag der großen Thurmuhr. Wenn er daraus mit neuer Kraft einsetzte, dann knarrte die Wettersahne hoch oben im Tunkeln. An der hölzernen Umzäunung fceiJj Begröbnißplatzes hockte verborgen die! dunkle Gestalt eines Mannes. Ein dicker Schafpelz schürte den Körper vor Kälte. Die Augen waren starr und unbeweglich auf das Holundergebüsch gerichtet, welches den dreieckigen Raum zwischen der Kirchenmauer ist der vorspringenden Sakristei ausfüllte. Der Mann rührte sich nicht. Endlich bemerkte er die dunklen Umrisse zweier Menschen. Sie kamen aus dem Äusch in der Ecke. Flüchtig an der Kirchenmauer entlang eilend verschwanden sie in der Nacht. Der Mann im Pel; richtete sich vorsichtig auf. Nach allen Seiten blickte er um sich. Das Dorf lag todt und still in der Dunkelheit. Hastig, halb gebückt, schritt er nach der Sakristei hinüber. Plölich stand er still. Zu seinen Füßen, hart an der Kirchenmauer gähnte ein offenes Grab. Einen Augenblick verharrte er wie erstarrt. Sie wollen einen begraben," murmelte er. Und ich dachte, sie wolltcn ihr Geld verstecken." Vom Thurm herab klangen zwölf dumpfe Schläge. Es war Mitternacht. Von unwillkürlichem Grausen gepackt, eilte der Mann zurück in sein Versteck am Kirchhofszaun. Minuten verstrichen. Sie dauerten dein Lauscher eine Ewigkeit. Nach Lcrlauf einer Viertelstunde bemerkte er die Gestalt einer Frau. Sie kam quer über den Kirchhof. Vorsichtig spähend blickte sie um sich. Bei dem Hoto'.der gebüsch in der Ecke blieb sie stehen. Eine Minute später erschien ein Mann. Auf der Schulter trug er ein langes, unförmliches Packet. Es sah aus wie ein riesiger Sack. Der Träger schritt gebückt unter der Last. Im Buschwerk, das die Ecke füllte, verschwanden der Mann und die Frau. Noch immer hockte der Späher regungslos am Zaun. Nach einiger Zeit tauchten die beiden Gestalten wie der aus dem Dunkel auf. Der Sack war verschwunden. Mit hastigen Schritten eilten sie fort. Bald hatte die Nacht sie verschlungen. Der Beobachter an dem Kirchhofzaun stand aus. Geräuschlos schwang er sich über die hölzerne Einfriedigung und schritt langsam die nächtlich stllle Torfstraße hinab, bis er im Innern eines Bauernhofes verschwand. s Eine fieberhafte Spannung lag auf dem Dorfe. Sett Mittag war es be kannt, daß einer der französischen Ossi ziere, der sein Quartier im Flemming'schen Hause hatte, spurlos verschwunden sei. Tas Haus, die Scheunen, tälle, der Wirthschaftshof, der Garten sogar wurden Schritt für Schritt durchforscht. Nirgends eine Sur von dem Vermißten, nirgends ein Anhalt für seinen Verbleib. Von Stunde zu Stunde wurde die Haltung der Soldaten drohender. Vor der Pfarre, wo der Oberst wohnte, vor dem -Schulzenhof, wo sich die Wache bexand, standen sie in dichten Haufen. Einer erhite sich an den Reden des Anderen. Alle verlangten schnelle und durchgreifende Vergeltung. Die Torsbewohner hielten sich scheu und ängstlich zu Hause. Eine Wolke Unheil schwebte über allen, mißtrauisch sah jeder den Nachbar an. Wohin würde der Blitz sich entladen? Andreas Busjert schlich einsilbig durch's Haus. Das kann eine schöne Geschichte werden," sagte der Bauer im Vorbeigehen. .Wenn sie den Richtigen nicht linden, stecken sie zuletzt das Dorf an allen vier Enden an." Andreas blieb stehen. Meint Ihr, dazz es so schlimm wird, Vater?" Verlaß Dich dranf! Im Krieg sitzen die Kugeln lo)e in der Flinte. Zieh Dich von FlemmingS zurück. Aertha ist zwar Deine Braut, aber laß sie lausen, bis wieder Ruhe ist im Vande!" AndreasVussert ging in den Pferde stall. Seit die Kunde von dem 33er schwinden des feindlichen Offiziers das Dorf durchschwirrte, erwog er einen Gedanken. Sag' ich'ö? Oder sag' -lch'S nicht?- Die Worte des Vater trieben ihn zum Entschluß.

Ueber dem Futterkasten im Stall war ein Brett befestigt. Allerhand Kleinigkeiten lagen darauf. Auch ein alteö Lesebuch aus Andreas' Schulzeit. Er nahm es in die Hand. Unter dem Deckel saß ein weißes Blatt. Er riß es heraus. Anderes Schreibpapier gab's nicht im Hause. Andreas überlegte von Neuent. Wilhelm Flemming trug den todten Franzosen zur Grube. Er ist der Mörder und muß die Strafe leiden, sonst kommt das Unglück über das ganze Tors. Ich gebe ihn an."

Trotz dieses Entschlusses stand An-1 dreas mit dem Papier in der Hand noch immer still. Bcrthz war auch dabei und kommt in Ungelegenheiten," dachte er. Doch schnell verwarf er die ses Bedenken. Wilhelm war immer ein guter 5!erl, er verräth seine Schwe ster nicht. Bertha ist meine Braut. Wenn sie ihren Bruder todtschießen, erbt sie allein den schönen Hof und das baarc Geld. Tann habe ick zwei Güter und bin reicher als der Schulze. Vielleicht nehmen die Franzosen den alten Flemming auch gleich mit, wenn sie Wilhelm holen. Tie alte Frau macht so wie so nicht mehr langes Andreas dachte lange nach wie er sein Vorhaben am besten ausführen könne. Endlich hellte sich sein Gesicht auf. So geht es! Ich schreibe kein Wort. Sie werden'ö schon verstehen. Geschriebenes könnte Mich am Ende verrathen." Er ainq über den Hof ln'S HauS. 3n der Tischschublade begann er zu kramen. Suchst Tu etwas, Andreas?" fragte seine Mutter. .Vaters Bleistift möchte ich haben." Oberst d'Ermont trat auö dem Wacht lokal. Seine Stirn war finster gefaltet. Noch immer keine Spur von dem Verschwundenen! Die Aufregung seiner Mannschaften entging ihm nicht, aber was sollte er thun? Im Quartier des Lieutenants bei Flemming hatte sich nicht der geringste Anhalt gefunden, daß ei:. Verbrechen begangen worden sei. ES war durchaus nicht sicher, daß dem Vermißten etwas zugestoßen.' Er konnte noch immer wieder kommen. Die Nachbardörfer steckten voll Solda ten, vielleicht hatte sich der Ossizier bei einem Kameraden verspätet. Niemand wußte recht, seit, wann er verschwunden war. In seinem Quartier warf sich der Oberst mißmuthig aus einen Sessel. Tas Fenster stand offen, er liebte die frische Luft. Von draußen klangen aufgeregte stimmen herein. Der Obern sprang auf. Er mochte nichts hören und sehen. eine Spur, das geringste Anzeichen eines Verbrechens! Ein Offizier inmitten seiner Leute verschwindet doch nicht spurlos aus der Welt! Aber nichts! Gar nichts! Mit gefurchter Stirn schritt er im Zimmer auf und ab. Unter seinem, Fuß raschelte es. Ein Stück Papier lag am Boden. Unwillig stieß er es zur Seite. So ost der Oberst vorüberging, fiel sein Auge auf den Zettel an der Erde. Es schien ein altes, vergilbtes Blatt, er begann sich darüber zu ärgern, der gelbweizze Fleck am der Diele störte ihn. Endlich bückte er sich darnach. Wo kam es eigentlich her? Vorhin hatte es nicht am Boden gelegen. War es durch's offene Fenster hereingeflogen? Tas wäre jedenfalls auffallend. Ter Oberst nahm das Blatt in die Hand. Seine Augen fanden eine kind lich: Zeichnung. Ein längliches Viereck. Darin drei kleinere. Das sollten wohl Thür und Fenster sein. An einem Ende war ein Dreieck aufgesetzt, das in ein Kreuz auslief. Offenbar ein Thurm. Tie gerade Linie dem Thurm gegenüber hatte in der Mitte eine halbkrelssörmlge Ausbuchtung. Der Oberst schüttelte den Kopf. Woher kam die plumpe Zeichnung? Vielleicht war's gar kein Zufall, daß ihm das Blatt vor Augen kam, viel leicht verbarg sich eine Absicht dahinter ! Aber welche? Hastig trat er mit dem Papier an's Fenster. Jetzt fiel ihm eine weitere Einzelheit aus. Neben der Ausbuchtung am Ende der einen Schmalseite fand sich noch ein längliches Viereck. Es lag außerhalb des Baues und entbehrte der Kreuzstriche zur Abtheilung der Scheiben, sollte also sein Fenster sein. Die Zeichnung, so schlecht sie war, stellte offenbar eine bestimmte Oert lichkeit vor, daran bestand kein Zweifel Vielleicht die Kirche? Immer mehr gerieth der Oberst in Autregung. Standen diese unbeholse nen Bleistiftstriche in Beziehung zu dem Inhalt seiner Gedanken? EntKiel ten sie die Lösung des Räthsels, das ihn seit dem frühen Morgen verfolgte? Vastlg griff er nach der Feldmütze. w mutzte klar jeyen. An der Kirche vorüber schreitend er reichte der Oberst das Halbrund der Sakristei. In dem ersten Winkel. war nichts, das zeigte ein Blick. Oberst -d'Ermont ging um den Anbau herum und stand vor dem Holunderaebüzch. Zwischen der Mauer und den Zweigen V i t ! j. t ! V t. rt .. ... . . vluiigle n iuj ijiiiüuraj. mv er rote der zum Vorschein kam, war sein Ge, ficht geröthet. Auf der Stirn stand eine tiefe Falte.' Zwei Soldaten gingen jenseits der Einfriedigung. Oberst d'Ermont rief sie an. Gern hätte er die Untersuchung im Geheimen vorgenommen,aber das war nicht durchführbar. Mute schon seine Anwesenheit auf dem Kirchhof auffallen, so wuchs die Neugier, als die beiden Soldaten mit Grabschelten anlangten.

Die Vorübergehenden blieben stehen und warteten voll Spännung. In Minuten flog die Kunde durch das Dorf, daß etwas Außergewöhnliches geschehe. Die Soldaten stürzten aus den Häusern, Einer rief eS dem Ande ren zu, im schnellsten Laus eilte Jeder zum Kirchhof, wo die Menge sich sam-melke.

Bertha Flemming saß in der Stube bei einer Flickarbeit. Ihr Herz war schwer. Würde Alles sich zum Guten wenden? Bei jedem lauten Geräusch schrak sie zusammen. So auch jetzt. Ihr argwöhniicheSOhr vernahm das Rufen und Schreien auf der Straße. Sie sah die Soldaten rennen. Mit Entsetzen erkannte sie die Richtung. Schnell warf sie von sich, was sie in der Hand hielt und eilte hinaus. Hinten im Hof traf sie den Bruder. Wilhelm-Wilhelm! Nette Dich! Sie haben ihn gefunden. Der ganze Kirchhof ist voll Soldaten!" Der junge Mann iah die Schwester tödtlich erschrocken an. Eine Antwort fand er nicht. Indessen mehrte sich der Lärm auf der Straße und fcholl näher. Horst Dirs nicht, Wilhelm? Sie ziehen heran. Nette Dich!" Leb' wohl, Bertha! Sag's den Eltern! Ich bleibe im Busch. Tort könnt Ihr mich finden." Durch den Garten eilte er fort. Mit zitternden Beinen erreichte Bertha die Wohnstube. Vom Fenster aus sah s'.e, dan ein Haute Bewaffneter in den Hof zog. Sie sank auf die Knie und streckte die verschlungenen Hände nach oben. Herr Gott und Vater! Schutze die Meinigen!" rr ai r-t : . nin jer uuer tfieimuing ivar im tuu beschäftigt, der wachsende Lärm weckte auch seine Aufmersfamkeit und mit der Mistgabel in der Hand trat er heraus. gerade in dem Moment, als eine Abtheilung Soldaten in den Hos zog. Bevor er noch wußte, um was eö sich handelte, sah er sich umringt. Er wurde zu Boden gerissen, die Schläge sielen hageldicht auf ihn nieder. Niemand sah zu, wohin sie trafen. Flemming war ein Mann von herkulischer Gestalt, aber der Uebelsall kam zn schnell. Und wenn das nicht gewesen wäre, ausrichten konnte er doch nichts, er stand allein gegenüber dem Haufen. Auf der Erde liegend suchte er den Kopf mtt den Armen zu schützen. Endlich gelang es dem Führer des Trupps, sich Geltung zu verschaffen. Blutend und bleich kam Flemming wieder auf die Beine. Er wurde zum Jriedhof geschleppt. Wie erstarrt sah Bertha vom Jenster aus dem Vorgange zu. Erst als ihr Vater fortgeführt wurde, gewann sie die Herrschaft über sich selbst zurück und ein herzzerreißender Schrei entfloh ihrem Munde. Sie stürzte zur Strafe. Vater Vater!" Flemmings hohe Gestalt überragte die Feinde, er hörte den Ruf und winkte abwehrend mit der Hand. Neben der Sakristei stand dte Menge Kopf an Kopf, lauter Soldaten. Flemming wurde in den Kreis gestoßen. Unvermittelt sah er sich dem Todten gegenüber. Ter französische Lieutenant lag ausgestreckt auf der Erde, an der Stirn klaffte die gräßliche Todeswunde. Ter grauenvolle Anblick ließ den Bauer erbeben. Todtenstille herrschte in der Runde, hundert Augen blickten den Gesungenen rachsüchtig an. Aber bevor noch das erste Wort gesprochen wurde, tras Bertha aus dem Schauplatz ein. Gewaltsam brach sie sich Bahn. Ein Schauer ging durch ihren Leib beim Anblick des Todten, aber das Grauen verschwand vor der Angst um den Vater. Mit aufgehobenen Händen sank sie vor d'Ermont ,n die Knie. Er ist unschuldig, Herr Oberst! Bei Gott im Himmel, mein Vater ,st unschuldig! Wir Alle sind eö. Der Todte allein nci daö Verhä'ngmn auf sich herab." Sie umschlang die Knie des Mannes mit . ihren Armen. Lassen Sie meinen Vater frei, Herr Oberst! Er hat nichts gethan!" Von den Feinden verstand keiner ein Wort. Der Ausbruch von Jammer und Schmerz griff den rauhen Kriegern dennoch an'S Herz. Gewaltsam bezwäng der Oberst seine Bewegung. Er durfte nur das Verbrechen sehen, denn in sei-ner-Hand lag die Strafgewalt. Er wendete sich ab.' ' . Macht ein Ende!" befahl er. Bcor man Bertha fortreißen konnte, erschien der greife Geistliche im Kreise der Soldaten. Herr Pfarrer, retten Sie meinen Vater! Er ist unschuldig, er bat nichts gethan !" Bertha rief es mit schrillem Verzweislungston. Mit tiefem Seufzer wendete der Pfarrer seinen Blick von dem Todten zu den Lebendigen. Er wnßte, welche Sühne solche That heischt. Was auch die unselige Hand bewegte, als sie sich gegen den Erschlagenen erhob, der Krieg kennt kein Erbarmen. Sprechen Sie, Herr Pfarrer, was sagt das Mädchen? Doch machen Sie'ö kurz, die Sache muß zu Ende kommen," sagte der Oberst. Der Mann ist unschuldig, Herr Oberst. Die Tochter behauptet es." . Der Oberst zuckte die Achse!. DaS kennen wir. Sie mag den Schuldigen nennen." Mit fliegendem Athem erzählte Bertha, wie Alles gekommen. In der Bodenkammer war es7 Der Lieutenant wollte von mir wissen, wo der Vater sein Geld versteckt habe, und wollte mich erstechen, wenn ich's ihm nicht sagte. Mein Bruder Wilhelm hörte meinen Aus. Er kam mir. zu Hilfe. Der Franzose drang auf ihn

ein. Da schlug ihn Wilhelm mit ver Hacke nieder." Der Geistliche übersetzte die Worte. Als von, dem Angriff auf Bertha die Rede war, legte sich die Stirn des Obersten in finstere Falten, aber er äußerte nichts. Als der Bericht zu Ende war. entschied er: Ich werde den Fsill dem General vorlegen. Bis sein Acfehi eintrifft, bleibt der Ge. saugene in Verwahrung, cr muß haften für sein Haus und für seinen Sohn. Ist der Schuldige morgen zur Stelle, desto besser für den Bauer. JeU führt den Gefangenen ab und sorgt für den Todten!"

Tie große Vorderstube des Schulzenhauscö diente als Wachtlokal. Eine Anzahl frauzösischcr Ehausseurs saß dort beim Kartenspiel um den viereckigen Tisch, Andere hatten sich auf die Kissen und Bettstücke aewonen. welche an den Wänden entlang auf dcr Erde lagen. Draußen schritt der Rosten auf und ab, dcr den gefangenen Flemming bewachte. Man lachte, man trank, man war ausgelassen lustig. Mit neidischer Bewunderung hörten die jüngeren Leute, was alte Graubärte.von den Wundern deS fernen Morgenlandes, von Kriegs- und Heldenthalen berichteten. Ein Fenster ging auf den Hof hinaus. Dort wurde plötzlich an die Scheiben geklopft. Einige -der Ehafseurs sprangen schnell auf und eilten hinzu. Was gibt es?" fragte der Wachthabende. Dcr Raum war dunstig und warm. dicker Schweiß bedeckte die Glaöfckeiben und machte sie undurchsichtig. Eine Hand fuhr darüber hin, um sie abzutrocknen. Der Posten im Hof stand am Zzenster, seine Nasenspitze berührte die Scheibe. Plattgedrückt und schneeweiß gewahrte sie einen drolligen Anblick. Die Soldaten lachten. Nun?" fragte der Wachthabende. Was gibt'ö?" Er hat nichts mehr in dcr Flasche und mochte trinken, ihn friert in Wind und chnee, sagte einer der Soldaten. Nimm diese dort und bringe sie ihm." Einer der jüngeren Leute eilte hinaus. Als er in'ö Freie trat, fuhr ein kräftiger Windstoß daher, die Luft war rabenschwarz, Himmel und Erde nicht von einander zu unterscheiden. An der V)ansecke traf der lunge Soldat mit dem Posten zusammen. Er htelt .ihm die wasche hin. Teuiel! ES ist kalt in Deutschland!" Ter Andere nahm einen tüchtigen Schluck. Und unsereins muß Posten stehen, wegen des dummen Bauern! Weshalb macht man so viel Umstände mit ihm? Hätte man ihn heute Morgen erschossen, brauchte ich jetzt nicht wie ein Narr vor dem Stall herumzulaufen bei diesem Hundewetter." Trink' noch 'mal, Pierre, dann gib mir die Flasche, daß ich wieder hineinkomme! Mich friert." , Ter Posten setzte die Flasche' an den Mund; statt sie jedoch dem Anderen zurückzugeben, versenkte er sie in die Tasche seines Mantels. Sie bleibt bei mir, ihr Anderen habt drinnen genug." . Der Kamerad lachte. Teufel, es fängt stärker zu schneien an. Adieu, Pierre! Ich rette mich." Große, zusammengeballte Schneeflocken wirbelten in dichten Massen durch den Lichtschein vor dem Fenster. Wo sie niederfielen, entstand ein weißer Fleck, der in der nächsten Minute zerrann. Das Wasser sammelte sich in trüben Tümpeln. Fluchend nahm der Posten seinen Gang durch den Hof wieder auf. Ter Schnee peitschte ihm naß und kalt in'ö st r , , . r , , . CtYl i f ! Milyl, uno cr sanug cen .'lulilel IN die Höhe, daß kaum die Nasenspitze frei blieb. Die lange Flinte trug er unter dem Arm, die Hände suchten Zuflucht in den Aermeln, die er zum mu aneinander schob. Von der Wachtstube her drana Lachen und lustiger Gesaug in den Hof, die Mannschaft vertrieb r c ' r. . ;i v I - O . Z k TM lim naaz neuen rasieri oie cn. ir Stimmung des Postens wurde dadurch nicht verbessert. Statt drinnen warm r F & c t ' u. i Ä ver innen ameraoen zu ncen, mußic er in Schnee u.".d Unwetter den Eefangenen bewachen. Ingrimmig stieß er mit dem Kolben seiner Flinte gegen die Thür, hinter welcher Tobias Flemming sein Schicksal erwartete. WilHelm war bis jetzt Nicht gefunden wer den. ... Trotz Schneefalls und eifiger Lnft befand sich Pierre nicht alkein im Hofe. Der oberflächliche Blick bemerkte selbst ln der Nähe nichts, aber an der (scheu nenwand klebten zwei dunkle Schatten die nicht zu derselben gehörten. Es waren Wilhelm und seine chwe,ter. Geräuschlos schoben, sie sich an der Wand entlang, wie der Zeiger der Uhr unmerllich über daö Zissernblatt gleitet. Man unterschied keinerlei Bewegung, aber sie veränderten ihren Platz. Der Soldat, welcher vor dem Stall auf und ab stapfte, sah nichts davon. Sein Ingrimm über den unwillkommenen Aufenthalt in Scünee und Kälte äußerte sich unwillkürlich in seinen Bewegungen. Vor der Thür, welche er zu bewachen hatte, stand er mehrmals still. Er wendete das Ge ficht -dem unsichtbaren Gefangenen zn und stieß Verwünschungen gegen ihn aus. Durch dieses Gebahren verrieth er den Geschwistern, wo sie den wttx suchen mußten, dessen Befreiung ihre Anwesenheit galt. Der Morgen durfte Tobias Flemming nicht mehr in den

yanoen oer öetnet sinoen, zonsl war sein Leben verwirkt oder das seines Sohnes. Bertha und ihr Bruder halten sich bei der Hand gefaßt. Dicht aneinander gedrückt schoben sie sich geräuschlos an dcr Scheunenwand entlang. Die Augen bohrten sich in die Finsterniß und suchte die verschwimmenden. Umrisse des Postens. So oft derselbe an der bewußten Thür vorüberschritt, zuckten die ineinander gelegten Hände dcr Geschwister. Diese Bewegung sprach deutlichcr als Worte: dort weilte cr. . Der Wirthschastöhof des Schulzen bildete ein läulich.S Viereck, dessen Hintere Seite die Scheune abschloß. Gegenüber, an der ?rd?rzeite, schied ein hoher !.m aus Bohle:; mic Latit

Hof d Dc:f strafe. Xi lüt-n: feiten erholen jirfi rech:? Srt3 CrCf.;-.rr. -wLv.jl. hau, liii! tie tallgehiüte. fahrend Pierre seinen durchgesroreren Kc'rser mit dem Inhalt der Flasele zu erwär men suchte, glitten die Geschwistet schemenbast an der Scheune entlang. Sie spürten nichts von der lZälte, die Erregung trieb daö Blut stürmisch durch ihre Adern. Bertha und ihr Bruder waren von gleicher Größe. Um sich freier bewegen zu können, hatte die Schwester einen von HPielm Anzügen angelegt, unter der dunklen Jacke klopfte ihr Herz in gewaltigen Schlä gen. Zwischen Scheune und Stall befand sich ein unbebauter Raum. Diesen galt es jetzt unbemerkt von dem Posten zu passiren. Als Pierre die Flasche zum zweiten Mal an den Mund setzte. eilten die Geschwister schnell über den Platz. Ungesehen erreichten sie den schützenden Giebel des Stallgebäudes. Blö zu diesem Augenblick hatten sie die Bewegungen des Wachtpostens beobachten können. Das war jetzt vorbei. ' Der Giebel des Stalles verbarg sie selbst, aber er entzog auch Pierre ihren Blicken. Die Lage der Geschwister war in Folge dessen viel kritischer. Wilhelm trat bis an die äußerste Kante, der Giebelwand, so daß er um die Ecke herum auf den Hof blicken konnte. Bertha folgte ihm dicht aus den Fersen. Um besser sehen zu können, mußte der junge Bauer den Kopf etwas vorbeugen. Wenn der Posten aus dem Wege hin zu ihm die Augen geradeaus richtete, war die Entdeckung unvermeidlich. Dasselbe war der Fall, wenn Pierre seinen Gang bis zur Stallecke ausdehnte. Tann stand cr Wilhelm Auge in Auge gegenüber. Die Schnelligkeit des Einen oder deö Anderen entschied in diesem Fall über Leben und Tod. Im Hin- und Herschreiten schlug der Wachtposten die Richtung nach der Dorfstraße ein, so daß er den Geschwistern den Rücken zudrehte. Blitzschnell wandte sich Wilhelm zu seiner Schwester. Hast Du daö Messer bereit?" . Die Gefragte preßte den Stiel des scharfen Schlachtmessers fest in die Hand. Sei ohne Sorge, Wilhelm! Mich fängt keiner lebendig. Um mich liegt Vater in Fesseln; er wird frei oder ich sterbe mit ihm." ' . Achte genau auf das, was ich thue. Wenn ich mich auf den Posten stürze. eilst Du zum Vater und zerschneidest die Stricke. Das Andere kümmert Dich nicht. Du darfst keine Sekunde verlieren." Vater wird frei oder ich sterbe mit ihm," wiederholte Bertha. Gut! Bleib hinter mir und gib mir die Hand! Ich mache Dir Zeichen, wenn der Posten hierher kommt. Wilhelm streckte die Linke hinter sich zurück, um die Hand der Schwester zu fassen. Mit der Rechten umklammerte er den kurzen Stiel des Beils, welches er als Waffe mitgebracht hatte. Vor gebeugten auvtes erwartete er regungslos die Entscheidung. Bertha sah nichts von dem, waS im großen "Hos geschah. Ihr Handeln wurde bestimmt durch den Fingerdruck deS Bruders. Von Sekunde zu Sekunde fühlte sie ihre Hand fester umspannt. Sie wußte es, der Posten näherte sich lhrem Versteck. In der Rechten hielt sie den Griff des scharfen Messers. Jeder Muskel in Wilhelms Glie dern zog sich zusammen. Wenn der Soldat jetzt nicht Kehrt, machte, ja wenn er nur die Augen hob, entschied die nächste Minute über das Schicksal deö Gefangenen und seiner Kinder. Die Knie des jungen Bauern beugten sich zum Sprunge, ferne Rechte wog prüfend das Beu. Noch einmal wurde die Entscheidung hinausgeschoben. Bertha fühlte, daß die Hand des Bruders den Druck ver minderte. Der Wachtposten hatte mit kurzer Drehung Kehrt gemacht und bewegte sich in der Richtung nach der Dorsstraße. Der Späher ließ den Soldaten kei nen Augenblick aus den Augen. Bald merkte -Bertha, daß abermals eine Wendung eingetreten war. Unter dem harten Griff von Wilhelms Hand er starrten ihre Finger. Aber das tapfere Madchen zuckte nicht. Ihr Blick bohrte sich in den Nacken deS Bruders, sie verfolgte jede Bewegung seines Haup tes. Als der Wachtposten an der Straßen seile umkehrte und in den Hof zurück schritt, hielt er die Augen geradeaus gelichtet. Er mochte der Ecke des Stall' gebäudes bis auf zehn Schritte nahe gekommen sein, als. er daselbst ein dunkles Etwas bemerkte, das ihm vorer nicht aufgefallen war. Ohne betimmten Argwohn hing sein Blick aran fest. Aber schon nach wenigen Sekunden war jeder Zweifel ausge-

schlössen. Waö er sah, war ein menschliehe? Haupt, und was dasselbe zu die-' f er Stunde an diesem Ort bedeutete, lag aus der Hand. Qui vivo?" hallte der Ruf des Wachtpostens durch die Durelheit. Die Hände suchten sich rasch aus dem LSrmelmuff zu lösen und das Gewehr in Anschlag. zu bringen. Aber noch ehe der Posten rief, hatte Wilhelm aus den lebhafteren Bewegungen desselben schon erkannt, daß er entdeckt war. Er durste keine Sekunoe verlieren. Mi! tigerartigem Sprung stürzte er dem Feiude entgegen. Nocu ehe derselbe daö Basonett erstrecken konnte, sauste daö hochgeschwunFene Beil in wuchtigem Schlage herab. Pierre gehörte zu den alten erprobten Leuten, die schon bei den Pyramiden gefochten halten. Nicht einen Augenblick verlor er die Geistesgegenwart. Als er sich überfallen .sah, svrang cr zurück. Sein erhobener Arm vermochte die Wucht deö Schlages zu mindern, aber, nicht völlig zu brechen. Die scharfe Schneide des Beils grub sich in seine Schulter. Die Flinte ento.!itt seiner Hand und entlud sich im Fallen. (Schluß folgt.)

Allerlei fiir's HauS. ' Metallene Theekannen, die den Theetisch zieren, zeigen oft nur von außen den glänzndn Schimmer, denn innen laufen sie leicht braun an und erhalten auch durch Bürsten und Scheuern nicht wieder die ursprüngliche hslle Farbe. Dazu verhilft man den metallenen Kannen auch den Kaffeekannen übrigens leicht, wenn man ein Stück Soda in die Kannen thut, es in diesen mit kochendem Wasser auslöst und dann einige Stunden darm stehen laßt. Man scheuert darauf den Theetopf innen mit der Lösuna aut um. spült wiederholt mit klarem Wasser nach und wird dann nicht nur auken. nein, aua? mnen eme sauder. glänzende Kanne halxn. UmNostfleckeausVüaeleisen zu entfernen, schmiert man die Bügeleisen, wenn sie recht lzein sind, tüchtig mit Wachs ein und reibt sie mit einem wollenen Lappen ab. Um Blumen zum Blühen zubringen, vermische man 1 Pfd. Pfefferkörner und 1 Pfd. Vitriol mit 1 Gallone Regenwasser. Die Pfefferkorner mnfc man zerquetschen und dann alles zusammen tüchtig lochen. Man hebt diese Mischung in. gut verschlossenen Flaschen auf giebt einmal jede Woche eine Tasse von der Mischung zu vier Tassen Wasser. Damit begießt man die Pflanzen. UmgerollteLä ufer-oder Teppichecken bringt man schnell . c Qja itritr roteoer rn oic in ul. g. wenn man sie auf dem Plattbrett mrr einem heißen Stahl glättet, nachdem man ein in Wasser getauchtes und dann ausgerungenes Tuch uder v Ecken gelegt hat. Glas darf nie geputzt werden, wenn die Sonne daraus scheint, es. wird sonst fleckig, ilretsig und blind. Karaffenreinigt man wcht, wenn man eine rohe, zerschnittene Kartoffel in die mit etwas Wasser gefüllte Karaffe schüttet, wiederholt gut umschüttelt und dann die Karaffe tüchtig nachspült. An Stelle der Kartoffel lassen sich auch zerdrückte Ererschalen mit gleichem Erfolg anwenden. Durch ern kleines Stück Kampher, welches man in das Oelglas der Lampe legt, erhält man ein sehr klares, hellbrennendes Licht. Bindfaden wetterfest zu machen. Bindfaden, der zum Vespannen von freiliegenden Valkonwänd.n uv.s. w. benutzt werden soll, ist nach folgender Anweisung wetterfest ZU machen. V2 bis Tascl guter Leim ist über Nacht in kaltem Wasser aufzuquellen und dann in y2 bis Quart kochendem Wasser, dem man 50 Gramm Glyeerin beisetzen muß. zu lösen. In diese heiße. Lösung legt man den Bindfaden und läßt ihn fo lange darin liegen, bis er von der Flüssigkeit durchzogen ist. Dann nimmt man ihn heraus und läßt ihn trocknen. Nachher wird eine gesättigte Lösung von doppeltchromsaurem Kali zubereitet. Durch, diese Lösung ist der geleimte Bwdfaden zu ziehen. Die Kalilösung muß ihn ringsum durchfeuchten, r wird dann im Freien in der Sonne getrocknet. Die Oberfläche des Bindfadens wird durch diesen Ueberzug für Wasser unempfindlich; um den Bindfaden geschmeidig?? und biegsamer zu machen, hat man ihn noch mit Wachs zu überreiben. Ein Prahlhans. Kann die weibischen Pantoffelhelden nicht leiden. Meine Frau sollte mir mal befehlen, auszugehen!" ' Daö stimmt. A.: .Was ist ern Telephon?" B.: Das Telephon ist eine Einrichtung, vermittelst derer man lügen kann, ohne roth zu werden!" Boshaft. Schrfftsteller: Ha4ben Sie fchon.' meinen letzten Roman geiescnr rnrnicr: Ncinv -dbtx ich will ihn lesen, wenn Sie mir verbllres wirklich Ihr letzter ist!" '.-rr Falsch ? u fgefaßt. Stubenmädchen (für: sich): Ach, was Unsereiner nicht lles verschlucken muß!" Gnädige (welche das. hört): Lifette, Sie haben schon wieder was oe-nascht?"