Indiana Tribüne, Volume 29, Number 161, Indianapolis, Marion County, 2 March 1906 — Page 7
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Durch hstid zur Liebe AJk V V 44 4 44 1. Kapitel. in heiterer Juninachmittag über regenfeuchter Erde. D:e zerrisfer.e Gewölkbildung wurde zufehends'durchstchnger uno.reiner, bis sie am Horizont wie zerfließende Schneeberge verging. Was nun noch an milchweißen, bauschigen Wölkchen über das tiefe Blau des Himmels zog. ließ das immer wieder anhebende Sonnenlächeln nur um so strahlender erscheinen. Gerade wieder tauchte dieses Leuchten den rosenüberblühten Kirchhof in lachende Helle, übersprang hastend die steinerne Umfriedigung, huschte jenseits dieser über das frisch gewaschene liebliche Vunt einer Blumengärtnerei, glitt über ein armdünnes, trübes Wässerchen und ließ einen kiesbestreuten Weg grell aufschimmern, um schließlich in einen freundlichen, von drei Seiten offenen Hof hineinzufunkeln und an die Hinterfront eines einstöckigen, hochziebeligen Geoaudes anzuprallen. Es stand etwas verlassen in einer : wenig bebauten Vorortstraße einer Kleinstadt. Die glänzenden Augen des Hauses, seine blanken Fenster, sahen theilweise recht verschlafen aus, denn die Jalousien des ersten Stockwerkes waren sämmtlich geschlossen, da es unbewohnt war. Bei der linken Hälfte des Parterres war dies, seit dem Tode des Besitzers, übrigens dauernd der Fall. Das freundliche Sonnenlächeln hatte sich noch ein paarmal flüchtig vcrscheuchen lassen, doch nun lag es anhaltend auf der Rückseite des nett getünchten Baues. - Ei, da wird es gar noch schön," sagte drinnen in der einen Kellerwoh nung eine Greisenstimme. Nun kann die pfotenlahme Unk' sich sonnen gehen." Der Alte, der Noten abschreibend hinter den zwei mäßig hohen Scheiben gehockt hatte, tappte sich die Treppe hinauf, in den Hof hinaus und hinkte mit der Miene eines Beschenkten seinem Sonnensch zu einem außer Dienst gestellten Kaninchenstall, dessen betheertes Dach zum Lüften der Betten diente und auf das man ihm gutmüthig einen invaliden Küchenschemel gestiftet hatte. Die zweifelhaft haltbaren Stufen einer alten, verstoßenen Blumentreppe bildeten den Anfang. Uff - machte der Alte in anfliegender Aengstlichkeit. Lisa, komm doch.Sein Ruf war gar nicht nöthig, denn die kräftigen Arme der Verlangten waren ihm schon nahe und streckten sich aus, ihn zu stützen. Es war ein junges Mädchen, das zum Haushalte der Wirthin gehörte und ihm jetzt behilflich war, einen sich?ren Sitz zu gewinnen. Wie flink und lautlos Du bist . . . danke schon. Nun, Weding. wenn man Sie vom Küchenfenster aus vorüberkommen sieht, braucht es, Sie einzuholen, keiner besonderen Eile." Der Ton der vierundzwanzigjährigen Stimme war unlustig und abweisend: m dem von welligem Rothhaar umgebenen, scharfgezeichneten Gesicht lag ein störender., verbitterter Ernst. Die treuherzigen, intelligenten Züge des Alten überschattete für einen Augenblick ein ehrliches Bekümmertsem. Sfc wandte sich ab, um in das Haus zurückzugehen. Da entsann sie sich, daß in ihrer Tasche noch die aufgehobene Zeitung für ihren alten Freund stecke. Unter einem unlrebenswürdigen da haben Sie." warf sie ihm das zusammengesaltete Blatt bin. Wedings Finger glätteten den zerdrückten Bogen. Willst Du nicht erst hören, was draußen im Leben vorgeht?" fragte er, mit den Augen die Spalten absuchend. Sie stieß einen leisen Laut aus. Es interessirt mich nicht." Ihre ungepflegten Hände machten eine verzweifelt un lustige Geberde, als wolle sie etwas Werthloses von sich schieben. Ach wegen dem dummen Leben ! Der Alte ließ erschrocken vom Lesen ab und verwies dem jungen Mädchen yi ernsten Worten ihren Mißmuth 'Wie darfst Tu so etwas sagen! DaLeben ist uns gegeben, damit wir es durch unser Thun erst werthvoll gestalten. Wenn man das erkannt hat. gewinnt man auch das Leben, und sei es noch so arm und scheinbar trübe. lieb." Das junge Mädchen zuckte die schma gebauten Schultern und sah mit dunk lem, leerem Ausdruck vor sich hin. .Ich vermag das nicht." Es kann kommen, daß Du das nich mehr sagen möchtest." Es war, als durchrieselte sie ein lei ses. inneres Erschrecken. Ihr jäh sich belebender Blick flimmerte unsicher über oen Alten hin. 'Waö kann kommen?' ftagte sie halblaut. - Eine Lebenswendung ein Schick ,salverbesserer." - ! Elisabeth Matis Linke, die schlaf an dem schlichten, taubenblauen Lei'nenkleide herabgehangen hatte, hob sich, I Betroffen sah er auf die ihm schlössen entgegengestreckte Hand, an
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o m a n von Oöa jlctssicr .a --.. .-.. j 5? 55 j$ . deren viertem Finger ein goldener vtiw saß. Das ist doch nicht " er kam Nicht weiter vor Erstaunen Halb verächtlich, halb resignirt lächelnd, ließ sie den Arm wieder fallen. Ich bin Braut seit gestern." Sie wollte davonschlendern. fciia: lue t,a " Nas war nicht Neugier, der Ton flehte beinahe, wer denn?" Wer denn wie das klingt. Als hätte ich mindestens ein halbes Dutzend Verehrer." Sie lachte freudlos. Wer denn?" fragte Weding noch einmal dringlicher. . Konrad Treu." Dachte ich's doch." Sie fuhr mit einer herben Eeberde zu ihm herum. So gratuliren Sie mir doch." Freilich, freilich." Beeilt haschte er nach ihrer Rechten. Viel Glück, Lisa." Glück " streute sie wegwerfenden, matten Tones ein. Segen Frieden alles Gute." Er drückte und streichelte die etwas ungeduldig aushaltende Hand. Armes Ding! Da sind weder Vater, noch Mutter, noch Geschwister, die Dir Liebes sagen konnten zu Deinem Verlobniß, die Dir hätten rathen können." Elisabeth hob ihm die Zeituna auf. die sein vierbeiniger 'Gefährte, ein chwarzer Kater, zu sich herabgezerrt hatte. Da! Lesen Sie und beruhigen Sie sich." Wie kam es denn. Lisa?" Sie lächelte kühl. Sonderbar kam es . . . Kousine Agnes hatte mich in die Bodenkammer geschickt. Ulrich mußte durchaus sein Halmaspiel haben. Es steckte zu unterst in einer der vollgestapelten Riesenkisten; und ich hatte Kopfweh, jenes unbarmherzige, das Schlafen und Augen wie mit Nadeln durchbohrt. Es .war sehr angenehm, zur Mittagszeit, unter dem erhitzten Dache. Ich fiel einfach mal um .bei dem Bücken Heben und Wiederaufrichten," sprach sie an ihm vorbei. Er seine Zwölfuhrfreistunde zufallig wieder einmal daheim verbringend vernahm den albernen Falk und kam mir zu helfen. Glücklicherweise fand ich eben von selbst meme Kraft und mein Gleichgewicht wieder . . . Doch sehen Sie. was hatte es mir nun genutzt, daß ich unh'orbar oben an seinem Zimmer vorübergeschlichen und ihm ausgewichen war, immer und immer? Ich hatte mir nämlich zugeschworen, ihm kein .Nein' zu fernen. im Fall er im Stande Ware, tin unge störtes Beisammensein herbeizuführen und auszunutzen, und war von da an auf steter Flucht vor ihm. Was half das nun? ... Er war nicht taktvoll genug, meinen jämmerlichen Zustand zu schonen. Er warf mir mein Versteckspiel vor, mahnte mich an mein liebeleeres Leren und war mit großen, sturmenden Worten seiner Leidenschaft Fürsprecher . . ." Sie sah starr in den ab und zu aufblitzenden Faden des un reinen Wässerchens hinüber. Ich hielt Mir mem Wort ich sagte Nicht .nein.' Leider schreckte ihn auch meine OffenHeu mcht ad, die ihm bedeutete, wie fremd er mir innerlich sei. Der Einwano macote ihn nur noch beredter. Mein armer Kopf ... ich wa'r schwach vor Elend. Was sollte ich noch entgegnen? Ich bat ihn nur immer wieder. daß er mich verlassen solle. Als er gegangen, war ich vor Vern m meinen Schläfen fast von Sinnen. Viel später erst habe ich den Ring an meinem Finger bemerkt." Sie faßte ihn und spielte Mit. ihm. Ein unglücklicher, bitterer Zug verschüttete ihr ernstes, herbeS Ge Ncdt. er Alte hatte unzufrieden und koprschüttelnd ihr Bekenntniß angehört. Und das ist also Dein Verlöbniß! entgegnete er bekümmert. O, wer Dir helfen konnte. Dich selbst zu finden. Wer Deine letzte Thorheit ungeschehen machen konnte! Ihre goldbraunen Augen" warfen ihm einen verletzten, gequälten Blick zu. Muß es denn durchaus eine sem? Was haben Sie gegen ihn?" Da wurde er beredt. Er ist ein Unzufriedener." platzte er heraus. Einer, in dem es stetig brennt vor Groll auf das, was die Gesetze aeschaffen haben. Er sieht überall ihre Fesseln, ihren Segen sieht er nicht. Er hat eine heiße, ungesunde Seele, viel Kraft zum Y1 . . 1 egeyren, aoer reine zum Ent aoen. Was Sie für ein Menschenkenner sind." sagte Elisabeth May mit unruhigem Spott. Das reizte ihn nicht. Ich habe so viel Zeit nachzudenken." erklärte er qelassen. Und daß ich das thue und meinem Urtheil etwas zutrauen darf, ist mein Stolz. Sie wenigstens sollten mich in Ruhe lassen, Weding. Das errecite Mäd chen preßte die rauhen, blassen Hände an die Schläfe, als besinne es,binter ihnen schmerzhaft zu wühlen. Ich habe wenig genug Vertrauen m meine Zukunft. Und daß ich mein Leben der Dienstbarkeit, der Enge atzn vertäu schen möchte gegen ein besseres, ein ich gebe es zu, vielleicht. nur eingebildet besseres können Sie LZ mir verden-
xtnr Wie ein Schrei wollte es aus ihr heraus. O Gott, frei sein, selbstftänigl. . . Ich hätte den Ausgang ja auch änderZgewollt aber wo soll ich
hin? Ich habe so wenig Talent zur Fügsamkeit. Mich würden auch anders qeartete. wie Tante und Koustnc Agnes nicht leiden mögen. Und er er bringt mir doch wenigstens ein starkes. uneiqennutzia.es Gefühl entgegen. Ist das nicht genug? . . . Wer bin ich denn?" Was sagen denn Deine Quälgeister dazu?" fragte der Alte, als ihr gedämpftes. leidenschaftliches Sprechen plötzlich abbrach, wie erstickt durch aufauellende Bitterkeit. Vorderhand sind sie noch ziemlich sprachlos, erhaben über meine Anmaßung." .Wann wann holt er Dich denn? Das weiß ich nicht. Er kann davon gesprochen haben, ich habe es vielleicht überhört. Vorläufig ist es mir ein Trost, zu wissen, daß überhaupt eine Veränderung kommt." Sie sah ihren Freund herausfordernd an. Ich bm ihm dankbar dafür." Bewache Dich gut, Lisa," rieth Weding. Ein schwaches Roth uberhuschte ihr blasses Gesicht. Sie hatte ein paar scharfe, wehrende Worte auf den Lippen . . . Da rief von einem der Parterrefenster aus eine muthwillige Knabenstimme nach ihr. Lisa! Li sa!" scholl das kindliche Organ herrisch über den Hof. Hereinkommen! Ich wm Vesper haben." Groll und Wlderwmen zuckten über das Gesicht der Gerufenen: gleichwohl wandte sie sich mechanisch, um zu gehen. Elisabeth May trat mit möglichst gleichmüthigem Gesicht in die helle, freundliche Küche, aus welcher der Knabe gerufen hatte. Er saß wartend auf dem Anrichtetisch, schlenkerte absichtlich mit den Beinen, wobei er unaufhörlich die schmutzigen Stiefel an das weiß gescheuerte Holz der Tischsäulen rieb und lächelte hämisch, in der angenehmen Spannung aus den heraufbcschworenen Skandal. Auf dem schmalen Fußboden hatte er sich vermittelst nassen Aufwaschsandes und kleiner Kohlenstucken ersichtlich im Entwerfen verschiedenartiger Muster geübt. Elisabeth wies, außer sich gerathend. auf die empörende Mosaik. Ulrich! Was ist das wieder, Du abscheulicher Junge!" Gespielt habe ich, erklärte er mit gut gemachter Harmlosigkeit. Kannst es ja liegen lassen, bis heute Abend Frau Lenz kommt, wenn Du zu beauem bist." Sie preßte die Lippen zusammen und versagte ihrem heißen Unmuth jede weitere Wort. Geh herab da und hinaus," befahl sie kurz. Was fallt Dir denn ein meinte Ulrich hochmüthig. Du hast mir das gar nicht zu heißen. Ich will überhaupt Vesper." Elisabeth hielt an sich und sah nach der Uhr. In einer Viertelstunde ist Kaneezeit' Aber ich will etzt etwas essen." Und der liebenswürdige Junge trommelte mit seinen Absätzen einen zornigen Marsch an dem Tisch. Tu tottßt, wo das Gebäck liegt, so geh und nimm Dir selbst. Nein. Ich will getheilte Hornchen und vestnchen. Mit etwas angestrengter Energie un terdrückte Elisabeth ihre Gereiztheit. umschritt'das Schmutzgräuel auf den Steinfließen und lanzte in den drahtbeflochtenen Spind nach Honigdose und Frühstückskorb. Butter will ich darauf." begehrte hinter ihrem Rücken der durch ihre scheinbare Ruhe in seiner Erwartung Getauschte. Langsam schob Elisabeth die Dose beiseite und besirich das Gebäck mit dem Gewünschten. Ohne den lieblosen, kleinen Wider sacher auch nur anzusehen, reichte sie ihm den Imbiß. Ulrich schlug aufgebracht nach ihrer Hand. So nehm' ich's nicht. Das ist kern Anstand. Gieb s auf einem Teller." , Du wärest werth, bis zur Qual hungern zu müssen," sagte das qerei?te Mädchen heftig. Immerhin wurde auch dem eigenstnnig ertrotzten Verlangen Folge geleistet. Sa? ags oer Grotzmama. wie schlecht Du zu mir bist," drohte der Junge und brach das. aufgeklappte Hörnchen an seine hübsch geformteNase. Etsch! Wie das Zeug riecht!" fand er neues auszusetzen, ib. es selber . , jetzt will ich lieber Honig haben." Meinetwegen. Aber von mir bekommst Du nichts anderes," bedeutete ihn Elisabeth fest. Sie nahm rasch em feuchtes Tuch Lur Hand und fing einen der baumelnden Missethäter, um ihn z säubern. Ulrich versuchte, ihr den fest gehaltenen Fuß zu entwinden. Du läßt mich! Du kannst warten! Ich will das jetz nicht!" Als ihm t? Befteiungsversuch nicht gleich glückte. . sprang seine trotzige Quauust zu wirklicher Wuth über Sein schön geschnittenes, unkindliches Gesicht entstellte ich und er führte mi dem freien Fuß einen heftigen Stoß c . . r . v- äTi . " , nacy oem opse oer eouaren. Elisabsth ließ iah fallen, was sie hielt, ohne sich jedoch die auaenblicklich blutende Stirn zu halten Sie richtete sich auf, riß den jugendlichen Unhold vom Tische herab und schob den sich V Vt." t- rv 5slraul?enoen zur .yur yinaus. vcurt
erst drückte sie ein Tuch an ihr Gesicht, über das ein unglückliches Zucken lief, als bräche sie am liebsten in Thränen aus. Wie häßlich! Pfui, wie häßlich!" flüsterten ihre verzogenen Lippen. Nun kommt also doch wieder die gewohnte Szene." Und sie kam. Eine volle Frauenstimme rief mit deutlichen Anzeichen heftigen Unwillens j ihren Namen. Auf einer- bequemen Chaiselongue, unter ihrem eigenen fast lebensgroßen Porträt, lag Ulrichs Mutter, die verwittwete Frau Agnes von Salden. Ihre großen, blauen Augen sahen der Eintretenden anklagend und verschlafen entgegen. Doch war sie zu schlaff oder zu fanft irgend etwas zu sagen. Ihr runder Arm legte sich nur mit einer schmachtenden, leidenden Bewegung über die Stirn, als verursache der Anblick des Mädchens ihr Unbehagen. Ulrich stand neben seiner Großmutter, der gleichfalls verwittweten Frau Klein.
und ließ unter ihren tröstenden und schmeichelnden Händen noch nachträglich ein paar unechte Schluchztöne laut werden. Frau Klein, eine mehr korpulente als iattliche Dame mit derben, regelmäßigen Gesichtszügen, befand sich offenbar in Erregung. Ihre Strickarbeit hatte sie auf das Fenstersims neben sich gewarfen, daß das zugehörende Knäuel weit in , die Stube hinein gerollt war. Sie sah erhitzt uiid aufgebracht aus. Vorderhand vergaß sie jedoch für einen Augenblick ihre gekränkten Großmuterge suhle. Warum haltst Du Dir denn die Stirn? Was ist denn?" forschte sie betreten. Nichts." anwortete Elisabeth schroff. ,Ws wünschen Sie, Tante?" Daß Du auf meine Frage vernünfig antwortest." Es lohnt nicht ein Stoß von Ulrichs Fuß." Ei Ulli Du wurdest böse?" Nein, Großmama. Der Fuß fuhr mir ab. weil sie mich so fest.hielt. daß es mir weh that. Sie ließ mich nicht los, sie wollte durchaus wieder ihren Willen haben. Sie ist immer so schlimm." Lugner!" sagte Elisabeth mit der Klangfarbe unverhüllten Hasses. Abscheulich!" rief Frau Klein. Erst bringst Du das Kind außer sich durch Ungeduld und Härte jawohl, er hat schon erzahlt! und dann wird ihm auch noch eine zufällige, unwillkürliche Bewegung als Bosheit ausgelegt. Und selbst wäre es Zorn gewesen, er war alsdann im Recht. Du hattest ihn gereizt." Wir wollen das dahingestellt sem lassen. Doch bitte, sehen Sie sich einmal die Küche an, Tante." O, ich weiß; Ulli hat schon gestanden. Er hat ein bischen Unordnung geschaffen. Das war nicht brav von ihm. läßt sich aber schon ertragen, wenn man nur ein Funkchen Nachsicht sur kindliche Spielgelüsie hat." , Elisabeth war vor den Spiegel getreten, der kokett drapirt in einem Eck neben der Fensterwand hmg. Sie zog sich vorsichtig einige Strähne ihres vollen Stirnhaares über die heftig schwellende Wunde. Dabei streifte ihr dunkler, schwerer Blick verächtlich ihr finsteres Ich. Ist die erbärmliche Sache solch unglückliches Aussehen denn werth? fragte sie sich bitter. Braut Du ? Ihr Gesichtsausdruck wurde noch muthloser. Thut es weh?" forschte die junge Wittwe mit herablassender Theilnahme. rr - f r i c r 1 M V! 125 laßi NO) elttugctl, iuui ine gleichgiltig kalte Antwort. Ueber die Maßen beleidigt wieder. bemerkte Frau Klein streitsüchtig. Und ri . r- rt . Y V- i t C I - ml oocy IMS tVl an au vzm Unfrieden schuld. Deine UnWeiblichkeit und Hoffart und Deine letzte Undankbarkeit " Elisabeth fuhr aufhorchend herum. .Bitte, welche?" Nun. Du verlobtest Dich doch nur. um Dich einst von uns lossagen' zu können." Eine allerdings zutreffende Auffas sung." Also. Ich dächte. Du wärest es uns schuldig gewesen, uns vorher zu befragen. Hier, wo Du seit Jahren die Wohlthaten einer zweiten Heimath genossen " Diese fraglichen Wohlthaten ver Pflichten mich zu nichts. Ich habe sie . , c . . cvrc:i . leoerzeii ourcy willige vciuujc zahlt." Ah! Also bist Du auch aus Hochmuth so tüchtig . . ." Ach. Mammi." bat Frau Agnes lassig. bitte errege Dich doch nicht so. Die ganze Sache ist so häßlich. Laß doch das unglückliche Mädchen." . Eine Blutwelle schoß in Elisabeths Gestcht. (Fortsetzung folgt.) ÄeitverluN. Mp777 Sie sehen wirklich allerliebst aus zum Küssen!" Und , . ., ..na" warum lagen toic mir w i" Der icrr Feldwebel. Ein zur Neserveübuna eingezogener Doktor htr Nbilosovbie macht beim Turnen ,kn? unaesckickte Uebung, worüber einige Soldaten eine spöttische Miene aufsetzen. Wie könn! Ihr da lachen, Ihr Schafsköpfe!" bemerkt der nestren? ???Idwebel. der öerr Doktor treibt das doch nicht jeden Tag wie br. Wenn ick beute beispielsweise ein Doktor sein müßte, ich fände mich auch Nicht gleich damit zurecyr.
250111 MlNUe.
Der Chefingenieur fiit die Bewässerungsanlagen der Regie rung im Nordwesten, H. N. Savage. l rjr. " t... (v. ir mi e1.r. cr qai icg uoer .oen oririir oieer rdenen dahin geäußert, daß die unter einer Leitung erfolgenden Arbeiten befriedigende Fortschritte machen. Die Arbeiten werden ununterbrochen seit Oktober betrieben. Plätze für die Huntley-Anlage sind bereits fertig getellt und es soll ein Pumpwerk ernchet werden, das Wasser aus dem Hauptkanal 50 Fuß hoch hebt; von dort aus wird es dann zur Bewässerung von 5000 Acres Land verwandt werden. Auch die Arbeiten am Aellowtone - Proiekt, ..das für das ostliche Montana und für den westlichen Theil von Nord-Dakota wichtig ist. schreiten rüstig vorwärts. Der. Sekretär . des Innern hat neuerlich Z450,000 für die Anlage von Bewässerungsanlagen in Nord Dakota bewilligt, . und man glaubt daß in der kommenden Saisons wenigstens an zwei Projekten die Art. I Y. . . . I ' oeiien begonnen weroen. Zwei Arbeiter in Brookyn, der fünfundfünfzigjährige Wiliam Bond und der dreiundfünfzigäbriae Cornelius Kennon. kielten im Zimmer de'sErsteren eine freundschaftlche Kneiperei. Als der Stoss" ausgegangen war. nahm Bovd eine anscheinend mit Whiskey gefüllte Masche. die in einem Wandschrank nano. Beide tranken das Zeug, wobei sie aber bemerkten, der Stoff schmetke abscheulich. Bald darauf wurde es Beiden übel und Kennon begab sich nach Hause. Boyd' blieb in feinem 'Zimmer allein liegen und nach einigen Stunden wurde die Entdeckung gemacht, daß er wie todt dalag. Eine Ambulanz des Hospitals wurde requirirt und der Begleitarzt konstatirte. daß Boyd todt sei. Inzwischen hatte sich auch Kennon's Zustand verjcynmmert und er mußte nach dem Hojpnal aebrackt werden. Er erzählte die Geschickte von dem Gelage in Boyd's Zimmer, und die polizeilichen Nachsorschungen ergaben, daß die Flasche, aus der die beiden Männer getrunken hatten, Einbalsamirungs - Flüssigkeit - -v enthalten hatte, die ein x:elchenvestailer vor längerer Zeit in der Wohnung zu rückließ. Ueber einen nächtlichen Katzenschrecken in einer New Yorker Mietbskaserne wird berichtet: Die 83 Jahre alte Frau Clara Greenberg, die im dritten Stockwerk eines großen New Yorker Miethshauses mit ihrer Tochter, der Wittwe Litrowich, und zwei Kostgänger wohnt, stand in der Frühe auf und ging in die Küche. Im Dunkeln trat sie dabei aus emes oer jungen Kätzchen, denen ihre Hauskatze iünast das Leben geschenkt hatte. Wüthend biß die Katzenmutter die alte Frau m's Fußgelenk. Das Geyem des wüthenden Thieres und der Sckmerzensschrei der Mutter weckte die Tochter, die herbeieilte und gerade herzukam, als die Katze wieoeryoil ihre Mutter in den Arm biß. Jetzt war auch schon eine große Zahl der vielen Bewohner des Hauses, in der Meinung, ein Feuer sei ausgebrochen, auf. den Beinen und in nothdürftigster Bekleidung auf die Straße geflüchtet. Der Janitor feuerte . einen Revolverschuß ab, um die Polizei heranzuziehen. Ein Polizist fand die alte Frau Greenberg, hinter der die Thür in's Schloß gefallen war, im Hausflur und ( , I cn.. j Y W .!.m! a. 0ie itagc Mil llllel Uttv gnttttt u' sträubtem Haar fauchend vor ihr, zu neuem Angriff bereit, der sich jetzt gegen den mit dem Knüppel nach ihr schlagenden Polizisten richtete. Der Knüppel brach ihr das Rückgrat und ein Revolverschuß tödtete sie. Ein Ambulanzarzt vom Hospital nahm sich der Frau Greenberg an,-welche tapfer das Ausbrennen und Verbinden ihrer Wunden ertrug. Die Studentenkapelle des St. Olafs - College in Northfield. Minn., beabsichtigt im Laufe des Iahles eine Tour nach Norwegen zu unternehmen. Das College hat seit Iahren eine Musikkapelle für Blechmusik, die gegenwärtig unter Leitung des Professors Melius Christianson steht. Als im letzten Sommer der Studentenchor der Universität von Christiania Northfield besuchte, wurde er dort am Bahnhöfe von der Musikkapelle des St. Olofs-Colleges mit der norwegischen Nationalhymne empfangen. Damals ist der Plan zu einem Besuche Norwegens' das erstemal aufgetaucht und jetzt wuden bereits die Details für die Tour ausgearbeitet. Die Abreise wird von New Fort aus am 21. Juni an Bord des Dampfers Oscar der Zweite" der SkandinavischAmerikanischen Linie angetreten werden; das erste Concert soll wenn möglich in Christiania am 4. Juli gegeben werden. Die Reise wird von dort per Bahn nach Tronthjem gehen über Eidsvold und Hamar. In Tronthjem wird ein gemietheter Dampfer die Reisegesellschaft erwarten uni sie längs der Küste befördern. Es follen dabei folgende Städte besucht wer. den: Christianssund, Aalesund, Mol. de. Bergen, Stavanger, Arendal. Skien, Horten, Frederikshaid, Frederiksstadt, Drammen und dann wird die Tour in Christiania enden. Mög licherweise wird vor der Rückreise, dit am 26. Juli an Bord des Dampfers Heilig Olaf" angetreten werden wird, ein Besuch in Kopenhagen eingeschal tet. .' "' '
Bm Auslande.
Kürzlich verließ um Mitternacht eine Straßenschönheit eine Kneipe des Boulevard de Clichy in Paris. Zu gleicher Zeit brachen vier junge Leute aus dem Restaurant auf. Kaum' aber hatten sie einige Schritte gethan, als einer der jungen Leute unVersehens vier Revolverschüsse auf sie abfeuerte, so daß sie schwer verletzt. zusammenbrach. Den Bemühungen der Polizei gelang es, des Thäters habhaft zu werden. Durch Verhöre der Betheiligten wurde zunächst festgestellt, daß der Mörder sein Opfer nie zuvor gesehen hatte. Das Räthsel löste sich endlich, als die Polizei entdeckte, daß er seit längerer Zeit . mit einer Apachengesellschaft in Beziehung stand, und daß diese Gesellschaft nur solche Herren als volle Mitglieder annimmt, die schon ein Menschenleben auf dem Gewissen haben. Um diesem Paragraphen der Stywten zu genügen, hat der hoffnungsvolle junge' Mann seine Patronen verknallt; seiner Aufnahme als ordentliches, Mitglied steht nun nichts mehr entgegen, falls ihn die Correctionelle" nicht etwa nach Cayenne fendet, was ziemlich wahrscheinlich sein dürfte. Im Hafen von Durban wurde beim Baden der 14jährige Sohn Erich des in Magdeburg anfässigen Schlächtermeisters Hannemann getödtet. Ueber den schrecklichen Vorfall werden folgende Einzelheiten gemeldet: Der junge Hannemann, der seit dem 3. Juli v. I. Schiffsjunge auf einem Handelsschiffe ist und vor Kurzem in Durban eingetroffen war, ging in Begleitung eines Landsmannes am dortigen Hafen spazieren, als gerade eine größere Anzahl Matrosen sich unweit des Hafens im Wasser tummelte. Dies veranlaßte die beiden Spaziergänger, sich ihrer Kleider zu entledigen und ebenfalls ein erfrischendes Bad zu nehmen. Als sie aber etwa zehn Meter vom Lande abgeschwömmen waren, wurde Hannemann von einem plötzlich auftauchenden Haifisch an der Brust gepackt. Dem Gefährten des Unglücklichen gelang es zwar, dem gefräßigen Räuber sein Opfer zu entreißen doch konnte er es nicht verhindern, daß das Ungethüm dem jungen Manne ein Bein und einen Arm abbiß. An Land gebracht, gab der so furchtbar Zugerichtete nach wenigen Minuten seinen Geist auf. I in 23 eethoven -Saal in Berlin conzertirte unlängst der deutsch -amerikanische Pianist Theodor Spiering. Ein Berliner Blatt sagt über sein Spiel: Spiering hatte das Beethoven - Conzert, Schumann's heikle, aber bei jedesmaligem Hören tiefer wirkende Fantasie und das AMoll - Conzert von Vieuxtemps auf sein Programm gesetzt und dadurch von vornherein gezeigt, nach wie hohen Zielen sein Sireben sich richtet. Alle drei Werke gab er technisch ausgezeichnet wieder und auch mit vollkommen geistiger Beherrschung; aber ihm haftete eine nervöse Unruhe an, die ihn verleitete, alle Tempi zu überhasten und selbst in der Kantilene mehr einer schönen Tongebung nachzugeben, als die eigene Seele ganz zu entfalten. Der Künstler hat viele Jahre in Ame-' rika gelebt und dort unermüdlich, vor allem auch als Quartettspieler, für ! deutsche Kunst gewirkt; er wird zweifellos auch bei uns zu dem verdienten Ansehen, das er in Amerika genießt, gelangen, sobald ihm deutsche Art erst ganz wieder in Fleisch und Blut übergegangen ist. Wer so die SchumannPhantasie spielen kann, wie er sie gespielt hat, darf sich getrost immer wieder hören lassen. EinrührendesBild im Gerichtsfaale entrollte sich den Besuchern einer Verhandlung in Mailand, die gegen den Akrobaten Ferdinando Zavatta gerichtet war. Zavatta hatte in der Nothwehr einen seiner Angestell, ten. Namens Mantovani, erschlagen. Seine Aussichten waren anfangs ziemlich ungünstig, da einige Zeugen die Nothwehr bei Zavatta 'bestritten, dann wurden die Zeugenaussagen immer erfreulicher für den Angeklagten. Die Frau und das achtjährige Töchterchen Nina des Akrobaten wohnten der VerHandlung bei. Die Kleine, ein , bildschönes, lebhaftes Kind, unterbrach die Zeugen -'fortwäh-rend. durch ängstliche Zwischenrufe, so daß der Vorsitzende sie. freundlich zur Ruhe mahnte. Das half eine Weile. Als .aber der Staatsanwalt eine schwere Freiheitsstrafe beantragte, brach die Kleine in laute Schmerzensschreie aus, die-erst aufhörten, als der Vertheidiger seine Rede begann. Da rief die niedliche Kleine, ohne daß die Mahnungen des Vorsitzenden etwas fruchteten, nach jedem Satze stürmisch Bravo. Nach langer Berathung sprachen die Ge schworenen endlich den Akrobaten frei. Mit einem Satze ist die Kleine bei ihnen, küßt jedem einzelnen die Hände, nimmt den Schlüssel zum Anklagekäfig (in Italien sitzt der Angeklagte in der Gabbia, einem Holzkäfig) vom Tifche. schließt, von den hilfsbereiten .Gendarmen unterstützt, den . Kasten auf unt wirft sich jubelnd rnrts schluchzend dem Vater an den Hals. Die Wirkung die. seö Austrittes war unbeschreiblich. Alles wemte: der Freigesprochene, sein Frau,, die Zuhörer, die Geschworenen, die Richter, die Karabinieri ja, einek kühnen Behauptung zufolge, sogar de: Staatsanwaltl
