Indiana Tribüne, Volume 29, Number 157, Indianapolis, Marion County, 26 February 1906 — Page 6

Jndiana Tribuns 6. Februar 1906.

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Dr. J. A. Sutcliffe, Wundarzt, Qefchlechts., Urin, nnlAtctant , Ärankheitsn. cmt : 155 Og Haltt Qtu Tel. n Emttl II 29 8 Ca. SIMM VVt

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o v - o Drmltctt licgss k -fc o o o O O Eine Novelle vom Rhein von C. S a r O O 000- 00000000-0 ibt es eine Liebe auf den ersten Blick? Wir fuhren den Rhein hinunter. Am Pfingsten keim Sonnenschein! Was das beißt, welÄ eine Welt von Lebenslust und Frühling)srcue di:se beiden Woite uinsckkeßcN,,krelß nur der. der auc.) einmal imWonuemondauf dui glitzern den Wellen dahinsuhr und. mit wett aufgeknöpftem Herzen den Zauber des alten Rheins und jener welncergqerahmten, ruinengekrönten Ufer aus s) wirken ließ. Wlr waren ausgeitanden, um zur Rechten die Insel Äonnen:rerth und zur Linken bin auf hohem Fels ragenden Rolandsbogen zu besichtigen da rauschte es neben uns auf. Fahnen flatterten im Wind, und aus vielen Jünglingskehlen scholl das Rheinlied mächtig herüber. Ein Dampfer, glitt an dem unsern vorüber, schmückt mit Maiengrün und bunten, wehenden Wimpeln. Auf Deck eine Schaar Bonner Studenten in festlichem Wichs. Sie standen, saßen rittlings auf Klappstühlen oder mit baumelnden Beinen auf den Tischen, schwenkten die bunten Mützen, hielten ihr Weinglas empor und sangen zu uns herüber. Es ist merkwürdig, wie so etwas elektrisirt. Wir waren außer uns, schwenkten wie toll mit Hüten und Tüchern und Glasern, schrien .hoch- und hurra und sanaen dazwischen mit. Und schwenkten und schrien und fangen noch, als sie gen Remagen zu kaum noch sichtbar waren. Dann kehrten alle auf ihre Plätze zurück und nahmen die Unterhaltung wieder auf. Man stritt über die Frage: gibt es eine Liebe auf den ersten Blick? Einer sagte: nein, das gäbe es nur in Romanen. Ein ganz junger Dachs behauptete das Gegentheil, obwohl ihm im jeder von fern ansah, daß er rn die ser Sache nicht die geringste Erfahrung hatte. Oder doch? Die Menschen ver bergen ja immer ihr wahres Gesicht und gerade die jungstn sind die empfindlichsten. Wer weiß, was unter diesen banalen, lebenslustigen Zügen gährt? Heinz! Sein innerstes Wesen war mir ja auch bis vor einigen Wochen verschlos sen gewesen, obwohl ich ihn von Jugend auf zu kennen glaubte. Zu kennen! Wir können hundert Jahre lang zusammen sein und uns im Innersten fremd bleiben und eine Sekunde, ein Blick können genügen, uns dies Innerste blitzähnlich zu erschließen. Heinz stand in diesem Augenblick wahrscheinlich, unsern Dampfer erwartend, in Königswinter am Rheinufer und dachte an die Liebe auf den ersten Blick Und doch würde er, wenn er jetzt unter .uns gewesen wäre, stumm und oberflächlich lächelnd dabei sitzen, obwohl sein ganzes Wesen innerlich geglüht und gezittert hätte. Achtung! Unser Klubpräsident wir machten eine Rheinfahrt von den Erträgnissen der Klubkasse erhob sich, strich sich mit gewohnter Wichtigkeit den Vollbart und erklärte mit seiner intim-eindringlichen Predigerstimme: Sich verlieben auf den ersten Blick? Ja. sogar meistens. Aber lieben? Rein, niemals. Die wahre, tiefe Liebe entsteht ja durch das Sichkennenlernen, das Jneinanderaufgehen. Und das sollte in einigen Minuten möglich sein? Pah, der reine Nonsens, einfach unmöglich!" Sela! Er hatte gesprochen und setzte sich befriedigt nieder. Allgemeine lärmende und ach! wie gedankenlose Zustimmung. Es wurde angestoßen und getrunken. Ob sie dich verstanden hatten, Heinz, wenn du ihnen erzähltest, was du mir vor einiger Zeit anvertrautest? Vor jener Zeit hatte ich ihn immer für eine durchaus unkomplizirte Natur gehalten. Er war ein vorzüglicher, allgemein beliebter Kamerad, heiter, anspruchslos und nicht besonders geistreich. Ich hielt ihn, den Zlebenswürdigen Schwerenöther in Damengesellschaft. sogar für etwas oberflächlich und leichtsinnig. Das einzige tiefergehende Interesse bei ihm war eine große Vorliebe und ein feines Verstandniß für Musik. Der nun kam eines Tags von der Reise und schien meinen an Beobachtung gewöhnten Schriftstelleraugen verändert, ob die andern mir's auch abstritten. Er hatte oft etwas Unruhiges. Zerfahrenes, was gegen seine sonstige heitere Gleichmäßigkeit abstieß; in lustiger Gesellschaft verfiel er oft in Stillschweigen, wobei seine Züge einen seltsam gespannten Ausdruck annahmen. Ob ihn die geheime Last seiner Seele drückte, ob er von mir Verständniß für seinen .Zustand erwartete genug, eines Abends, als wir auf feiner Bude saßen, wurde er erst melancholisch und dann mittheklsam. Wir waren im Hochgebirge an der italienisch-schweizerischen Grenze festgeregnet erzählte er. Da fand sich in dem am. Berg hängenden Schwei-

zerhus, wo man einiges trinken nnd Släse essen konnte, eine bunt zusammengewürfelte Tourisiengesellschaft zusam-

men. Es war zuerst eine öde Sacke: die Stube war klein und niedrig, Stiefel und nasjes 3113 hingen und standen um den Ofen herum. Man saß da zusammengepfercht, stierte zum Fenster hinaus in öen Utegen uno tzatte noch nickt einmal mehr so viel Humor, um sich übereinander zu mokiren. In der einen Ecke stand -ein schauderhaftes Klavier, und daß sich zetzt einer daran setzte und einen Ehopin'schen Walzer ....J'Ia ' lirrl tTttt.rt , iyClUlUt llUUll, IVtlilll 4lWltlfc VlUtl' mung Nicht verbessern. Darauf sang eine Dame mit einem piepsenden Sopran ein französisches Lied. In der andern Ecke wurde es lebenbig. .Sing doch was, Lux!' drängte eine deutsche Stimme. .Luz' schien sich nicht lange zu zieren; denn bald nahm ein-junges Mädchen den Platz am Klavier ein und stimmte das wunderbare Lied an: ,Tie Lotosblume ängstigt Sich vor der Sonne Pracht ' .Na siehst Du, Freund, wie die sang, wie die sang! Beschreiben kann ich das nicht, da hört mal wieder die Kraft der Worte auf. So was gibt's einfach nicht wieder. Schön? Gar nicht. Geschult? Keine Spur. Bei der ersten Zeile hatte ich weg. daß sie niemals eine Gesangstunde genossen hatte. Aber so merkwürdig, so- so innerlich! Sie sang gleichsam verschwommen und die Silben so ineinanderziehend. daß man fast nur noch die Vokale hörte. .Uebertrieben war mein erster Eindruck; aber der einfache, ursprüngliche, reinseelenvolle Hauch, der über all diesem schwebte, die Selbstverständlichkeit und Natürlichkeit,' mit der es gebracht wurde, hoben diesen Eindruck vollständig auf. So war der Gesang ganz Leidenschaft, ganz Tiefe und doch so unglaublich naiv und kindlich. Es wurde allmälig mäuschenstill im Zimmer. Bisher hatte ich nur ein weiches, dunkelblaues Kleid und zwei schlanke, nervöse Hände sehen können, die ganz lmprovisirt Mit einigen ein fachen Akkorden den Gesang begleiteten. Nun erhob ich mich und sah ihr Profil. Sie hielt den Kopf etwas zur Seite geneigt, und als sie jetzt gerade den Satz saug: ,Und duftet und weinet und zittert Vor Liebe und Liebeswch ' da erschrak ich fast über die wunderbare Mischung von Kind und Weib, die sich rn diesem Moment m ihrem Gesicht widerspiegelte. Zum Schluß ging sie ohne weiteres in einen Walzer über, wobei sie lächelte und mit dem Kopf lcift wiegte. Selbstverstandlich dauerte es keine zwei Mlnuten, da schwankten die rohen Fußbodenbretter unter den vielen tanzenden Füßen. Mit einem Schlag war alle Langeweile "verschwunden und an ihre Stelle das lustigste Leben getreten. Du kennst meine Leidenschaft für den Tanz: trotzdem bneo ich m met ner Ecke stehen und lauerte- auf den Moment, wo ein anderer sie ablösen wurde. Das geschah denn auch bald; aber ehe ich mich zu ihr durchwinden konnte, tanzte sie mit einem andern mnaen Madchm daher. War ich nun vorher hingerissen, so wurde ich letzt entzückt. Sie tanzte genau, wie sie sang: leicht wie ein Kind und leidenschaftlich wie ein Weib. Nur mit dem Unterschied, daß es hier keine Unebenheit, keine Ungeschultheit gab: jede Bewegung war vollkom men. Die beiden tanzten auf die bekannte Walzermelodie einen mir unbekannten, merkwürdigen Tanz, bei dem sie sich immer wieder voneinander entfernten und wieder vereinigten. Dabei war sie ganz Grazie, vom Kopf bis zur Hüfte und bis in die Fußspitze hinein von einer Grazie, die anmuthig und manchmal wnah wuö zugleich war, immer aber edel blieb. Kaum war die Runde zu Ende. stürzte ich auf sie zu. Sie sah mich etwas erstaunt an, nahm aber die Aufforderung an. Leicht wie eine Feder lag sie in mei nem Arm, und doch ging ein süßer. betäubender Reiz von ihr aus ah! Ich kann nicht davon sprechen! Ich darf nicht einmal dran denken! Sonst meine ich. ich mußte wahnsinnig wer den!" Er preßte die Hand gegen die Stirn und rannte im Zimmer aus und ab. Erstaunt, ja fassungslos ob solch plötzlich ausbrechender Leidenschaft saß ich da und starrte ihn an wie einen Fremden. Dieses verborgen lodernde Feuer, das jetzt plötzlich die Decke durchbrach und über mir zusammenschlu?. war neben mir hergegangen. wochenlang, ohne daß ich seine Existenz bemerkt hatte. Denn das waren Töne, so aus der innersten Tiefe heraufquel lend. wie ich sie nie von, ihm gehört, nie bei ihm vermuthet hatte. Es ist nicht auszudenken!" rief er. Da hielt zch sie rn diesen meinen Ar men. so nah ihr Athem, so nah ihre wunderbaren Augen den meinigen und nun soll sie mir ewig fern fein, und nun 'soll ich sie aus immer verloren haben! Wir sprachen , kaum zwei Worte mitemander, uber's Wetter, glaube ich Es ist auch nebensächlich; denn da war was, wasMch u iyr mnzog oyne Wo:te,fojn geheiMlßvolles Fluidum

- ach, Zch kann es. nicht erklären! Ob

sie das gleiche empfunden hat manchmal meine ich, es könnte nicht anders sein aber dann kommen wieder die peinigenden Zweifel. Wenn ich sie wirklich wiederfinde womöglich ist sie verliebt verlobt indeß ich mich in Sehnsucht nach ihr verzehre es ist zum Lerrücktwerden!" Weißt Du denn gar nichts Näheres von ihr?" Das Wetter hatte sich aufgeklärt: die Musik brach ab, sie . wurde aerufen und verschwand mit einer Gesellschaft aus oem lmmer. 'Mit kam es merk würdigerweise zuerst .gar flicht zum Bewunliein, u.av im em kuij m mein Leben geschlagen-war; sonst hätte ich sofort ihre Spvr verfolgt. So wenig sind wir un3 des Wesens unserer Gefühle bewußt, daß ich in den ersten Stunden zu mir sagen konnte: .Junge. Du hast Dich wieder mal gründlich verschössen!' Herrgott! Was wußte ich bisder von Liebe! Ich verliebte Mich, ich genoß oder litt, und ich vergaß. Aber jetzt? Ich liebe, liebte auf den ersten Blick, ich leide, leide und vergesse Niemals, siehst Du. meine Liebe ist Sehnsucht, ungestillte, wilde, nagend;. rufende Sehnsucht. Und ich habe keme Ruhe mehr öör ihr." Sie war Norddeutsche und hieß Lux." das war alles, was er von ihr wußte. Es saß tief bei ihm; ich wartete und beobachtete, aber so sehr ick mich auch darüber verwunderte: es saß tief und ließ ihn nicht mehr los. Außer seiner Mutter und mir ahnte niemand etwas von seinem Seelenzustand. Wir Pflegen uns ja so trefflich Komcme vorzuspielen. Wir müssen es, denn das Seelische kann nur mit dem Seelischen verkehren. Unsere Seele ist wie eine Mimosa, die sich bei jed:r rauhen Berührung schließt. Wie eine Lotosblume ist die Seele, die bei dem lauten, aufs Aeußerlicye gerichteten Treiben des Tags schläft; aber des Nachts, wenn sie mit sich und ihren Erinnerungen und ihren tiefinnerlichen Freuden und Leiden allein ist, dann wacht sie auf und duftet und weint und zittert vor Liebe und Liebesweh." Da saßen sie alle auf dem weiten, freien Rhein um den goldenen Wein geschaart, der in dzn Gläsern sonnfunfeite und leise schaukelte und redeten. , Reden blaue Worte in die blaue Luft und hüten sich wohl, ihre eigensten Gedanken den neugierig-gleichgil-tigen Ohren preiszugeben. Hüten sich oder verstehen es nicht, sie auszudrücken. Verstehen und behorchen sich selbst noch nicht einmal! Und reden was von Liebe auf den ersten Blick." was sich überhaupt nicht bereden läßt betasten und untersuchen und definiren Dinge, an denen das Wort abgleitet wie der Regen am Stein. Die Kette rasselt, und mit einem Ruck stößt der Dampfer an. - Königswinter! Mit erhabenem Stolz grüßt der Drachenfels über den Rhein. Im Hintergrund wird zu seiner Linken der flache Kegel des Petersberges sichtbar.' das Ziel unserer Fahrt, wo wir auf luftiger Höhe einige Tage verbringen wollen. (rnt Leben und Wogen unter den Bäumen der Uferpromenade! Die Fröhlichkeit, die der glitzernde Rhein gibt, liegt auf allen Gesichtern. Die Holzbrücke wird angelegt, und die Touristen strömen mit Koffern, Taschen und Fahrrädern darüber hin. Etwas abseits, vom Gewühl steht Heinz und schwenkt den Hut; ein vielstimmiFes Klub-Hurrah begrüßte ihn vom Schiff aus. Heinz muß zu seinem Aerger den Cicerone der Gattin und Tochter eines Geschäftsfreundes machen, die eigens von Schlesien gekommen sind, um den Rhein kennen zu lernen. Er begrüßte uns lärmend und erklärte, sich uns leider heute noch nicht anschließen zu können, da die beiden Damen noch mit ihm nach Godesberg wollten. So werde er denn morgen nachkommen. Allgemeines Bedauern; gerade heute sei Konzert oben. Weißt Du was, nimm Deine beiden Schzflein mit herauf." Beileibe nicht," sagte er, dazu seid Ihr Mir zu lieb! Die Alte reist nach dem Bädeker. Was da drin steht, muß sie gesehen haben, damit sie später andern Leuten verkünden kann, das; sie dagewesen ist. Im übrigen hat sie nicht das aeringste Verständniß für unsern Rhein. Die Tochter ist ganz hübsch, aber unangenehm entgegenkammend." Alles lachte, während in sein Gesicht vorübergehend ein Ausdruck von geheime? Qual trat. Dann lachte er schleunigst mit. Drückt Euch, zum nächsten Dampfer stellen sie sich hier ein." Die Gesellschaft zog ab. während ich noch einmal zu ihm trat. Er sah mit einem merkwürdig verlangenden Blick gegen die Berge und athmete tief aus. Ich ginge so gern mit da hinauf." sagte er. Hier unten ist mir's zum Ersticken. Wenn ich mcht bestimmte Weisung von meinem Alten hätte, ließc ich die beiden Weiber im Stich !" Noch keine Spur?" fragte ich. Er wendete sich und ließ die, Augen mit einem Ausdruck verlorener Sehnsucht Lber's Wasser schweifen, wobei sich seine Lippen wie begierig öffneten. Dann biß er die Zähne aufeinander, daß die Backenknochen heraustraten. Nein nichts!" Zwei Damen kamen in einiger Entfernung auf uns zu, worauf ich mich

mit einem Auf morgen denn und Kopf I hoch!" von Heinz verabschiedete. Ich! ging an den Damen vorüber; die jüngere war. wie man gemeinhin zu sagen pflegt, eine auffallende Schönheit, brünett, von stolzer Gestalt, mit Feueräugen. Meine Freunde standen auf einem Trupp und blickten ihr unifono" nach. ! Donnerwetter!' Dieser Kerl! Das nennt der ,ganz hübsch!' So ein Filou! Darum wollte er sie nicht mit heraufbringen! So ein niederträchtiger Egoist! Allein wollte, sie für sich haben! Na, dem werden wir's morgen schon eintränken!" ' Solche und ähnliche freundschaftliche Schmeicheleien für Heinz schwirrten durcheinander. Wenn sie gewußt hatten, wie wenig Ursache sie hatten, neidisch auf ihn zu sein! Zunächst fuhren wir zum Drachenfels hinauf und schauten den Rhein von Remagen bis Köln mit seinen frühlingsgrünen und frühlingsfrohen Ufern. Nach kurzer Rast setzten wir auf waldiger Straße den Weg nach der hochragenden Löwenburg fort. Der Drachenfels drängt sich keck vor. und schaut siegesgewiß über den Strom Du aber. Du alte Löwenburg. stehst schweigend im Hintergrund, schweigend im Dunkel Deines majestätischen Hochwaldes. Mit einem Schauer betritt ihn der Wanderer und läßt das fröhliche Leben am Ufer des Rheins

hinter sich zurück. Aber gerade dieser Gegensatz und diese Nähe bringen seinen Schauer hervor. Im Forsthaus" ließen wir uns Wein geben; dann stiegen die andern zur Ruine hinauf. Ich blieb zurück, um die Herrlichkeit des Hochwaldes recht auf mich wirken zu lassen, und setzte mich auf eine Bank unter die im Frllhlingswind rauschenden Baumriefen. Eine kleine Gesellschaft kam daher: 5wei ältere Damen, ein junges Mädchen und ein Student.' Sie bestellten Wein und Milch und setzten sich auf eine Bank vor's Forsthaus. Die Damen unterhielten sich von den Hoielpreisen in der Schweiz und am Rhein; der Student machte faule, sehr faule Witze, und das Mädchen lachte oberflächlich dazu. Keinem fiel es ein, auch nur einen Blick in den Wald zu werfen. Dann ging der Student in's Haus; das Mädchen hörte eine Weile dem Gesprach der Damen zu, stand auf und wandelte langsam den Weg entlang. Im Vorbeigehen warf sie mir einen gleickgiltigen Blick zu. Eine hübsche, biegsame Gestalt; im Gesicht nichts Außergewöhnliches, nur schimmerten die Oberzähne etwas hervor. In meiner Nähe lag ein Baumstumpf. Darauf . setzte sie sich und blickte zu den Baumkronen empor. Ich war überrascht, da sie nun doch das Interesse zeigte, das ich ihr soeben noch abgesprochen halte. Ihr Blick beseelte sich und wanderte langsam über die Bäume in die Ferne. Unwillkürlich erinnerte er mich an den Blick meines Freundes Heinz, als er am Rhein stand v v v . c: rrc rri. unu zu vzn bergen i;iuuuui;. lc trägt auch an einer Sehnsucht!" dachte ich. .Offenbar hatte sie mein Anstarren bemerkt. Sie erröthete plötzlich, setzte eine abweisende Miene auf und ging fort, den Weg hinunter. Die älteren Damen waren schon vorher gegangen. da3 helle Kleid der Unbekannten verschwand hinter dem Forsthaus, von oben her wurden die Stimmen meiner wiederkehrenden Gesellschaft laut da hörte ich aus der Tiefe die Stimme des Studenten: Lux! Wo bleibst Du?" - Lux! Einen Augenblick stand ich erstarrt; dann raste ich hinter dem Mädchen her. an meinen Freunden vorbei. Ist der Kerl verrückt geworden?" hörte ich einen von ihnen sagen. Unten ging Lux" eiligst hinter den andern her; sie wandte sich erstaunt und verdoppelte bei meinem Anblick ihre Eile. Das brachte mich augenblicks zur Besinnung. Da war unser Poet und Schriftsteller mal wieder im Begriff, sich unsterblich zu blamiren! Was wollte ich denn eigentlich! Etwa aus' das Mädchen zustürzen: Bitte schnell um Namen und Adresse!" Als ob'sie nichts tHligeres zu thun hätte, ls die jedem Unbekannten aufzuhängen! Oder Heinz in's Feld zu führen? Heinz, an den sie wahrscheinlich längst nicht mehr dachte, und dem ich damit den allerschlechtesten Gefallen that? Und am Ende war ste es nicht einmal! Lux" wurde schließlich noch mehr als ein Mädchen genannt, das den schönen Namen Lucie" bei der Taufe erhalten hatt: unb von dem Glorienschein, mit dem die Schilderungen Heinzens sie umgeben hatten, hatte ich nichts bemerkt. Hurrah! Hatte nicht die eine Dame, die das junge Mädchen mit Mutter" angeredet hatte, im Lauf des Gesprächs zu der andern gesagt: Mo?gen fahren wir noch für acht Tage nach Köln und steigen im Domhotel ab?" Hurrah. Freund Heinz! Wenn sie's ist, dann, umarme mich; denn dann ha, ich sie Dir gefunden! M:V (Schluß folgt.) Sehr tyatrrscheinlittf. Gattin (einem Besuch erzahlend: ...Ich konnte die Person nie leiden, und als sie sich damals so unverschämt gegen mich benahm, war ich so verblüfft, daß ich kein Wort erwidern konnte!" G a t t e (für sich): DaS muß bor unfern Verheirathung gewesen sein!" ..

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0erfI)ts l Herfiel! metallischer keranuZcher Gcgeltk. Unter Schwcnkguß- oder Stürzgußstücken versteht man Gegenstände von Metall, die durch Einfüllen flüssigen Metalls in eine Metallform ohne Kern und bald darauf erfolgendes Ausgießen hergestellt werden. In der kurzen

Zeit, während das heiße Metall mit der kalten Formwand in Berührung war, hat sich eine zu festem Metall erstarrte Kruste gebildet, die den herzu- V stellenden Gegenstand abgibt, während der flüssig gebliebene Kern durch Abgießen entfernt wird. Durch gewisse Hilfsmittel hat man es in der Hand, den auf diese Weise erzeugten Gußgegenständen an gewissen Stellen eine dünnere, an andern eine stärkere Wandung zu-ertheilen. Belegt man nämlich die Form an einzelnen Stellen mit Wärmeschutzmitteln, z. B. mit Kieselguhr. Asbest oder ähnlichen Stoffen, dann wird sich das Eingußmetall an diesen Stellen länger flüssig erhalten als an den andern und infolgedessen dort eine dünne Kruste bilden. Das Entgegengesetzte ist der Fall, wenn Kühlmittel angewendet werden, die eine schnellere und weiter in die Tiefe gehende Erstarrung des Metalls herbeiführen. Durch Stürzguß kann man auch Theile von Gegenständen bilden, die mit dem Ganzen. durch Angießen fest vereinigt sind. So stellt man beispielsweise hohle Metallhefte für Gabeln und Messer her. Auch spielt der Stürzguß, wenn auch in einer anderen Ausführung, in der keramischen Industrie eine wichtige Rolle. Man rührt rohe Thon- oder .Porzellanmasse mit so viel Wasser an, daß ein gießbarer Schlicker entsteht,, und füllt mit ihm die aus Gips Hergestellten, vorher gut getrockneten Formen -an. Der Gips hat das gierige Bestreben, Wasser anzusaugen. Die Porzellanmasse verdickt sich daher an den Stellen, wo sie mit dem Gips in Berührung steht, und es bildet sich allmälig eine Kruste, während das Innere der Masse flüssig bleibt. Ist die Kruste genügend stark, dann stürzt man die Form um und entleert den flüssigen Theil. Die verdickte Schale bleibt -zunächst an der Form haften, läßt sich aber, da sie durch Trocknen etwas schwindet, leicht ablösen und gibt dann einen getreuen Abdruck der Form wieder. Mit Hilfe dieses Ber, fahrens vermag man auch reich gestaltete Gegenstände in einem Guß zu erzeugen, die sonst aus mehreren Theilen geformt und dann zusammengesetzt werden müssen. Das Gießverfahren ist weit einfacher und billiger als jedes andere Formverfahren von Hand oder Maschine. neverwinterung des Igels. Der Igel verfügt über ein eigenthümliches Organ, das ihm bei der Ueberwinterung besondere Dienste leistet und daher auch als Ueberwinterungsdrüse bezeichnet wird. Der In-

halt der Druse besteht, wie man schon nach ihrem Zweck vermuthen kann, zum großen Theil, nämlich zu zwei Fünftel aus Fett, und von diesem Stoff wird auch der größte Theil während des Winters aufgebraucht. Außerdem sind Einweißstoffe darin enthalten, die gleichfalls bis auf eine ganz geringe Menge vom übrigen Körper verzehrt werden." Es ist merkwürdig und erscheint als weise Einrichtung der Natur. daß der Igel im Winterschlaf den Fettgehalt der Ueberwinterungsdrüse gleich im ersten Monat etwa zur Hälfte aufbraucht und dann erst von dem Fett seines übrigen Körpers lebt. Ende März muß dann 'die Drüse wieder heran, deren Leistungsfähigkeit somit bis Ende Mai vollständig erschöpft wird,. so daß sie nur noch aussieht wie eine faserige Sehne. Kohle gegen Vergiftung. Als eine neue Entdeckung wurde vom jüngsten Kriegsschauplatz berichtet, daß die Javaner, sobald sie sich eine Vergiftung zugezogen hatten, Holzkohle ßttt- Damit sollen die Japaner eine alte französische Erfindung aufgefrischt haben. In Wirklichkeit handelt es sich um ein Mittel, das dem Hausschatz vieler Völker angehört, ja sogar von den Negern angewendet wird. Am besten nimmt man die Holzkohle pulverisirt mit etwas Wasser ein. Sie sieht silberglänzend wie geschmolzenes Zinn aus. Ihre Wirkung beruht auf ' der desinfizirenden Kraft der unzähligen Atome; deshalb wird sie auch mit gutem Erfolg bei Magenverstimmungengen. namentlich zur Beseitigung des vonüberschüsstger Magensäure herruhrenden Sodbrennens eingenommen. Bei Vergiftungen wirkt sie natürlich nurfolange der Giftstoff sich noch im Magen befindet und noch nicht in den Blutkreislauf gelangt ist. Dann pflegen. auch alle anderen Mittel vergeblich zu sein. . Das größte Fernsprechnetz der Welt dürfte jetzt ohne Zweifel Bertin besitzen. Nach der Aufnähme beim letzten Jahreswechsel, die für die Bestimmungen der Bauschgeoühren für daö kommende Rechnungsjähr maßgebend ist, zahlt der Oberpostdirektionsbezirk Berlin nicht weniger als 92.669 Fernsprechanschlüsse. Auf ' die Fernsprechamter von Berlin selbst entfallen davon 72.886 Sprechstellen. Die beiden Zahlen haben sich in dK letzten fünf Jahren ungefähr vttdopdelt. "V

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