Indiana Tribüne, Volume 29, Number 155, Indianapolis, Marion County, 23 February 1906 — Page 6

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Baroncßchcns Aufsah -Buch S xx nx o v c it c 0311 Holger IX ii 1 t b t rfc fcVVAWWWWWVVVVWWW! Menn der Kandidat der Theologie und Hauslehrer Christian Henriksen an seinem Schreibtisch saß. hatte er einen Aus--blick über den großen, herrlichen Schloßgarten. Da sich das Fenster nur einen viertel Meter über dem Erdboden beand, konnten die Blumen zu ihm hereingucken, und die Frösche in zwei Sprüngen in sein Tmtensaß hupfen; es war ländlich und nervenstärkend, und das war auch der Grund, weshalb er auf's Land gegangen war. Sem Zimmer war cm ganz großer Saal, so tief, daß das Innerste davon immer :m Halvdunkel lag; oaylnem kam die Sonne nie, aber über fernen Schreibtisch strahlte sie fast den ganzen, .. r. i. ? l langen (sommertag und ipiciic rnu allen den blanken Gegenständen, die da aufgestellt standen. Man konnte so recht in Stimmung kommen, wenn man an dem Tisch saß und in den Garten hinaus sah. über den Garten hinweg bis zu dem tiefgrünen Wald und dem blauen Strand, und Stlmmung brauchte der Student eine ganze Menge, denn er war Dichter. Er hatte den Wald und den Strand und die Sonne und die Frösche in Verse gebracht und war bereit, das mit allem so zu machen, was er sonst in der Welt erleben würde. Aber er hatte doch prosaischere Pflichten, und mit einer davon war, er gerade an dem Tage beschäftigt, als wir zu lhm m s Fenster hineinsehen. Er saß mit einem Schreibheft vor sich da und schrieb einen Aussatz über Die Bedeutung der menschlichen Arbeit." Es. glng sehe fließend, aber sobald er eine Seite geschrieben hatte, machte er sich daran, seine eigene Arbeit zu korrigiren. Hier und da wurde ein kleiner mtnbllllgcnder Vlelstntstnch gemacht. hin und wieder setzte er wohl auch zwei dicke empörte Balken unter ein Wort, ein Ausrufungszeichen an den Rand oder eine Bemerkung wie schlechte Sprache! oder mangelhafter Satz bau," und schließlich schrieb er unter den Aufsatz einen Tadel: er hätte ein Nachweis ernster Bedeutung der menschlichen Arbeit für die Entwicklung der Kultur sein sollen. Sjteje Anmerkungen schrieb er mit einer inderen Handschrift, als er sie beim Schielben des Aufsatzes selbst benutzt hatte. indem er die Feder zwischen zwei Frnger legte und dicke, aufrechtstehende Buchstaben malte. Als er diese sonderbare Arbeit beendet hatte, seufzte er tief auf, lehnte sich zurück und sah in den Garten hinaus. Der Diener Rasmus kam durch den Garten stolzirt und näherte sich dem Fenster. Henriksen stieß es auf, damit Rasmus keine Veranlassung haben sollte, in unverschämter Weise zu klopfen und dadurch zu zeigen, daß seiner Rangordnung nach der Hauslehrer zu allerletzt in der Reihenfolge kam. Dieser Rasmus war nicht mit der Zeit fortgeschritten. Wie die Diener zuweilen die abgelegten Kleider ihrer Herr schaft tragen, so trug er mit großem Anstand die etwas verschlissene Verachtung vor Geist und Kenntnissen, mit der sich der Adel vor langen, langen Zeiten zu schmücken Pflegte. Er hatte seit dem allerersten Tage mit dem Kandldaten auf Kriegsfuß gestanden. Herr Kandidat möchten zu der Frau Baronin kommen, und zwar sofortV' Henriksen ging hinauf, und er begegnete oben vor der Thur zum Joudoi dem Baroneßchen." Sie wurde stets mit diesem Diminutiv genannt zum Unterschied von einer älteren Schwester, die in der Hauptstadt weilte; in Wirklichkeit war sie eine große, vollblütige, sechzehnjährige Schönheit mit flotten Manieren und strahlenden Augen. Sie konnte sich gelegentlich mit ihrem kleinen Bruder Prügeln, so daß ihnen der Staub um die Ohren wirbelte, oder mit hochgehobenen Röcken in den Teich hinauswaten, um Barsche zu fischen und sich dann im nächsten Augenblick kühl beherrscht unterhalten oder wenn Gäste kamen, die lebensüberdrüssige Weltdame spielen. Sie war uberhaup ein unlösbares und verwirrendes Räth sel für die reiche Frauenerfahrung des Kandidaten. Als sie an dem Hauslehrer vorüber kam, sah sie ihn mit ein paar verwein ten Augen an und zoa den Mund schief herunter. Das war ein heim liches Signal, und es war gerade nich sehr deutlich, aber Mama stand in der Thür und verhinderte -eine ausführkichere Erklärung. Etwas davon hatte Henriksen begriffen, denn er war ein wenig blaß geworden, als er das Bou doir betrat. Die Baronin wollte ihn nur bitten, einen Brief nach ihrem Diktat zu schreiben, da sie einen Krampf im Arm habe. Ihm zitterte die Hand ein wenig, als er die Feder ergriff, die er zwischen zwei Finger legte. Der Brief, den sie ihm diktirte, war an eine Freundin und enthielt allerlei Betrachtungen über eine schreckliche Mesalliance, die diese der Baronin mitgetheilt hatte. Eine junge Tsdelige

Dame hatte q mn einem jungen Manne von einfach öürgerlichem Stand

verlobt, und die Baronrn konnte, nicht genug sagen, wie überzeugt sie sei, daß alles mögliche Unglück die Betreffenden verfolgen wurde, als Strafe für irren vermessenen Versuch, die einmal bestehende Weltordnuna verrücken zu wollen. Während sie diktirte, beobachtete sie ihn scharf durch ihr Stangenlorgnctt. Er war noch immer ein wenig verwirrt und konnte es nicht verbergen. Tann nahm sie den Brief, indem sie die dicken, aufrechtstehenden Buchstaben betrache:e. Sie schreiben eine feste und schöne Hand, sie hat gar keine Ähnlichkeit mit einer .gelehrten Handschrift,' wie man so zu sagen Pflegt. Wollen Sie mir den Brief jetzt einmal vorlesen." Er las. und sie ließ ihn die Kraftstellen unterstreichen. Da sie annehmen konnte, dan er den Inhalt des Briefes erfaßt haben mußte, selbst wenn seine Begabung nur mäßigster 'Art sein sollte, entließ sie ihn mit dem Bescheid, daß Aaroneß Ludovika am Nachmittag keinen Unterricyt bei ihm haben solle, da sie sich nicht gut befinde. Als er gegangen war, betraltcte sie den Brief abermals sehr genau, schilttelte den Kopf und dachte: Er kann es nicht sein das ist doch sonderbar. Aber jetzt hat er auf alle ' :'e ?rsahren, wie ich über Mesalliancen oznU. Uno Henntsen dachte, indem er die Treppe hinab ging. Da bin ich ja gut davon gekommen; ja, weiß Gott, da bin ich gut davon gekommen!" ie Boraeschichte war in Bezug auf ihn die folgende: Seine pädagogischen Pflichten bestanden in erster Linie darin, daß er den kleinen Baron Tage zu unterrichten hatte. Dieser zungste Schößling an dem alten Stammbaum war zwölf Jahre alt und nährte einen wilden Haß gegen Bücherweisheit, deren Nutzen er nicht einschen konnte. Er glich in dieser Hinsicht sehr vielen seiner Altersgenosssn in allen Rangklassen und außerhalb derselben, aber etwas besonders Eigenthümliches an ihm war der passive Widerstand, den er erfunden hatte. Er versteckte sich. Ein Landauer, eme Kiste auf dem Boden, ein Bort im Kasekeller. ja selbst das unbewohnte Storchennest auf dem Dach des Schweinehauses wa ren geeignete er :cae; und wenn er auch halbtodt fror im Eiskeller, in der Kiste halb erstickt wurde, oder Gefahr lief, sich im Käsekeller ganz zu Tode zu langweilen das alles war ihm doch lieber, als vier lange Morgenstunden Unterricht zu haben. Das System war gut erfunden und versprach ihm für die Zukunft eine schöne diplomatische Laufbabn; es war nämlich begründet auf einer vergleichenden Werthschätzung der seelischen Eigenschaften der Mutter und des Hauslehrers. Das erstemal, als er den Unterricht schwänzte, meldete Henriksen es der La ronin, und der Knabe wurde gesucht und bestraft. Das zweitemal erhielt der Hauslehrer die Anweisung, seinen Unterricht so interessant zu machen, daß der Junge von selbst Lust verspürte, sich einzufinden. und das drittemal erfolgte eine Anspielung, daß er am Ende doch Nicht die geeignete Per sönlichkeit sei, um einen solchen Unterricht zu ertheilen. Aus diesem Grunde suchte er das viertemal persönlich, bis er den Knaben fand, das funftemal suchte er, ohne ihn finden zu können, und das sechstemal suchte er überhaupt nicht mehr. Damit war das Verhältniß in ein ruhiges und angenehmes Stadium getreten. Die Baronin wurde nicht mehr mit Klagen belästigt. Henrilsen erhielt keine Zurechtweisungen, und der Junge bekam nur dann Unterricht, wenn er ausnahmsweise einmül geruhte, sich einzufinden. Richt viel besser gelang ihm der zweite Theil seiner pädagogischen Wirksamkeit: der Unterricht in Literaturgeschichte und Aufsätzen, den er dem Baroneßchen zu ertheilen hatte. Sie eignete sich schnell eine ganz unberechtigte Macht über ihren Lehrer an. Zuerst begnügte sie sich damit, daß sie von ihm verlangte, er solle ihr bei den Aufsätzen helfen, die zuweilen der Mutter zur Durchsicht vorgelegt wurden, dann ließ sie eine Kladde schreiben, die sie in das Schreibheft übertrug, schließlich aber erreichte ihre Frechheit den Gipfel, indem sie ihn selber das Ganze besorgen ließ: die Aufgabe stellen, den Aufsatz in das Heft einschreiben, ihn korrigiren u. f. w..ohne daß sie selbst, das geringste damit zu thun hatte. Sie hatte entdckt. daß seme Schrift der ihren glich, und bei angestrengtem Fleiß gelang es ihm. ein tauschendes Ergebniß zu erreichen. Daraus ergab sich aber, daß er sich für andere Zwecke eine neue Schrift aneignen mußte, deren Buchstaben dick und steif waren und vornübet neigten. Ganz allmälig war er auf der gefährlichen Bahn weiter gelangt; sie imponirte ihm. er fürchtete 'sich vor ihr. ihre Schneidigkeit und Kühnheit hatten es ihm angethan, und natürlich war er ein wenig verliebt in sie. Nicht sehr, wenn es auf der Wagschale der großen Liebe" gewogen wurde. Aber hinreichend, um die Segel seines Dichterschiffes zu füllen, wenn dieses über die Wellen dahinstrich hinreichend, um den Ambrusius" mit wehmüthigem Verständniß lesen zu können und hinreichend, um sich selbst einzureden, daß er diesen Betrug mit den Aufsätzen ausführte, weil er sie liebte,' und nicht, weil er bange vor ihr war. Als er wieder unten in seinem Zimmn saß, beglückwünschte er sich feier-

lich, daß' er so gut davon gekommen .!

war Mit de? Schreibprobe bei der Varonrn. Er war sich keinen Augenblick darüber im Zweifel, daß bei der Mama ern Verdacht in Bezug auf den Ursprang der Aufsätze gedämmert habe. Vielleicht hatte dieser hinterlistige Rasmus, der seine Nase in alles steckte, und der durch geschlossene Thuren hören konnte, wenn nur ein Schlüsselloch da war, etwas ausspionirt. Nun für diesmal war die Gefahr hoffentlich vorüber. Da klopfte es und Baron Tage schlüpfte herein, sein ganzes Gesicht strahlte geheimnißvoll. Er legte den Finger auf den Mund, knöpfte seine Weste auf und zog aus einem lanaen Riß im Futter ein kleines Billett, das. er Henriksen reichte. Darin stand: Ich bin eingeschlossen. Mama kennt Ihre Komödie, glaubt, daß ich sie geschrieben habe. Ist rasend. Ich wagte weder ja, noch nein zu sagen, wir müssen verabreden, was wir thun sollen." Henriksen biß sich auf die Lippe und sah ganz ratlos aus. Ludovika 'ist eingeschlossen," sagte der Junge, aber ich bin an dem Spalier zu ihrem Fenster hinaufgekrochen, und als ich den Zettel hatte, kroch ich durch den Keller und durch ein Loch, das außer mir kein Mensch kennt, und dann die Hintertreppe hinauf, damit mich niemand sehen sollte." Der Hauslehrer schrieb eine Antwort: Sehr unangenehm, darf aber natürlich nicht über S i e hergehen; ich trage die Verantwortung für das. was ich geschrieben habe. Wissen Sie, wer es mir gestohlen hat?" Tage wurde mit der Antwort entsandt er behauptete, diesmal müßte er der Sicherheit halber zum Fenster hinauskriechen. Henriksen fing an. seine Papiere in. nervöser Hast zu durchsuchen, um zu sehen, ob die Komödie wirklich weg war. Und das war sie. Die Baronin saß nämlich gerade da und las sie zum zweitenmal durch. Es war ein kleines Heft von fünfzig Seiten eine kleine Komödie mit einfach erfundener Handlung und schablonenhaften Personen. Aber es war zugleich eine unverschämte Komödie, denn sie selber und ihre nächsten Angehörigen waren die Hauptpersonen. Sie erkannte sich nicht an der seelischen Aehnlichkeit. aber jeder Irrthum war ja ausgeschlossen, da sie eine Stangenlorgnette trug, Vorsitzende des Vereins für Einfachheit in der Kleidung der Damen war, und sich einer Ohnmacht nahe fühlte, sobald sie Katzen sah. Weit schlimmer als das alles war jedoch, daß m der Komödie eine mnge Baroneß vorkam und ein Hauslehrer. der in die Dame verliebt war. und eine unverschämte Schlußszene, in der, sich diese beiden um den Hals fielen ge rade vor der Nase der Baronin mit der Stangenlorgnette. (Schluß folgt.) K a l b e z e i t der Kühe. Für alle Wirthschaften, welche Werth auf Aufzucht legen, ferner für solche, welche auf e:nen hohen Mllchertrag hmarvel ten. und endlich für solche Wirthschaften. in denen :m Sommer Grunfutte runa stattfindet, ist die Kalbezeit der Kübe von Bedeutung. Bei Anwendung des Grünfutters ist es durchaus nicht zweckmäßig, die Kühe etwa im Juli kalben zu lassen, da dieses nicht nur Fehlgeburten hervorruft, sondern auch die zur ersten Ernährung des Kalbes dienende Milch ungünstig beeinflußt. Dazu kommen die Insektenplagen und mancherlei sonstige Umstände. Ganz anders verhalt es sich mit den Kälbern, welche vom Oktober bis Januar geboren werden. In diese? 3eit hat sowohl die Mutter wie das Kalb ein geregeltes Trockenfutter, und das Kalo wird nicht vom Ungeziefer und von der Hitze geplagt. Sobald dann die Weide beginnt, ist das fünf bis sechs Monate alte Thier genug erstärkt, um den Wechsel ertragen zu können. Ai.:ch hinsichtlich der Milch erzeugunz ist die genannte Kalbezeit ebenfalls zweckmäßig, da die im Winter gut gehaltene Kuh. wenn sie im Frühjahre auf die Weide kommt oder auch Grünfutter im Stalle erhalt, neumelkend wird. Die Auffrischung oeMilchertrageS beginnt dann außerdem zu einer ?m. wo die Kuh dem natur lichen Verlauf nach anfängt, eine fettreichere Milch zu geben. Mit einer peinlichenAu gelcgenheit beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft zu Plauen i." V. gegenwärtig. . Sie hat nämlich gegen mehr als zwanzig Firmen im Vcgtlande eine Untersuchung eingeleitet, weu sie unterzä'hlige Stickereischablonen ausgegeben haben sollen. Dieser betrügerisch Unfug wird seit Jahren von dem Verein der Stickereifabrikanten bskämpft, und auf feine Initiative ist auch jetzt das Einschreiten der Behörde zurückzuführen. Natürlich . werden durch derartige unterzählige Schablonen nicht nur die Lohnsticker und die Arbeiter geMdigt. sondern auch die ehrenwerthen Fabrikanten und Zeich ner. Fepkttzirte Neesart. . A. (zu B.. der, nachdem er einePrise genommen, über ein Dutzend Mal laut niest): Jessas. Jessas. was haben Sie für eine empfindliche Nase!" V.: Die war von jeher schon meine Achillesferse!"

Die Schldefler. Von I. Loeniknbkrg. Sie war um drei Jahre älter als er.

Als dr Vater starb, waren sie beide noch so jung, daß sie sich über das schöne Leichenbcgängniß freuten. Und es that so gut, wenn die vielen fremden Menschen sie so mitleidsvoll anguckten und mit sanfter Stimme sagten: Arme Kinder!" Freilich wußten die Kleinen noch nicht, was das zu bedeuten hatte. Von jene? Zeit an war die Mutter,' die fönst so lustig lachen konnte, immer traurig. Sie hatte auch keine Zeit mehr, mit ihnen zu spielen, sie mußte arbeiten. Die Pension des Steuerbeamten war nur klein, so groß auch die Einkommen waren, die er berechnet hatte. Sie arbeitete daher Tag und Nacht. Und als sie meinte, jetzt werde es ohne sie gehen, starb sie. Wieder kamen die vielen fremden Menschen in? Haus, und wieder sagten- sie mit sanfter Stimme: Arme Kinder!" und jetzt wußten sie, was das zu bedeuten hattet Aber Fränzchen ließ den Kopf nicht sinken. Sie war ja schon vierzehn Jahre clt und Ostern konfirmirt worden. Sie setzte eZ durch, daß man sie mit ihrem Heinz beisammen ließ, trat in alle Rechte und Pflichten der Mutter ern und besorgte den kleinen Hausstand gerade so, wie ihn die Mutter besorgt hatte. Tapfer hielt sie alles beisammen, vermietete noch ein Zimmer an eine Lehrerin, strickte und stickte und nähte und bestellte selber den Garten hinter dem Hause. Trotz allem Abreden der klugen Leute ließ sie den Bruder auch ferner auf dem Gtunnasium. Unfer Junge soll studiren," das hatte' erst der Vater und dann die Mutter gesagt, und das sagte sie nun selbstverständlich auch: Unser Junge soll studiren." Und der Junge studirte und sie mit ihm. Sie ließ sich von ihm die Weltgeschichte erzählen und die Gedichte vordeklamiren, sie ging mit ihm den Aufsatz durch und horte ihm die latei Nischen und französischen Vokabeln ab. Als er aber an's Griechische kam. sagte sie nach kurzem .Bemühen: Jetzt wird es zu schwer, dazu hab' ich keine Zeit. Nun hilf Dir selber." Und er half sich auch selber. Bald war er Primus der Klasse. Da wollte er schwächeren Schülern Nachhilfe aeben, aber die Schwester duldete es nicht. Die hat's hoch im Kopf." spotteten die Leute, das hat sie vom Vater. Sie ertrug den Hohn geduldig und labte sich an der Freude, daß ihr Heinz während der ganzen Schulzeit seine rothen Backen behielt und immer der erste blieb. Und eh' die Leut' es sich versahen, hieß es: Störmers Heinz bat das Abitur gemacht, und das Mündliche ist ihm geschenkt worden, Das hat er der Schwester zu verdanken," setzte wohl einer hinzu, die hat ja nicht einmal gelitten, daß er Pri vatstunden gab." In der 'Muluszeit war die Schwe ster ausgelassen und lustig wie noch nie. Es war, als ob sie selber zur Um versität gehen wollte und sich schon im Voraus auf die fröhliche Vurschenzeit freue. Sie fühlte nichts als Freude und Stolz über ihren Jungen, ihren Studenten. Nicht eine einzige Lehre gab sie ihm; das überließ sie dem Vormund. Und wenn der vor den Gefahren des Studentenlebens warnte, dann sagte ihr Blick nur: Mag er doch, er kommt sazon durch! Bei seinem Abschied war sie so heiter und ruhig, - daß er überhaupt mcht merkte, daß es ein Abschied war. Aber während er weiter fuhr in die schöne. weite Welt hinein und mit seinen Kom militonen lustige Vurschenlieder sang, saß sie daheim vor seinem leeren Bücherbrett und weinte bitterlich. Hein studirte viel und vielerlei. Zwei Semester Jura, ein Semester Nationalökosomie, dann Altphilologie, und zuletzt wandte er seine Neigung dem Vlblwthekfache zu. Seme Wech sel kamen pünktlich und nicht zu karg bemessen. Meine Schwester ist ein Tausendsassa, wo sie das nur herbekommen mag? dachte er und nahm alles froh lichen und sorglosen Herzens hin. Daß sie nach und nach das kleine großvater liche Erbtheil, das für ihre Mitgift bestimmt war, sur ihn verwandte. brauchte er nicht zu wissen. Auch flicht, daß sie eines Tages einen Freier abgewiesen hatte, den Bruder der Lehrerin, die bei ihr wohnte: Erst muß der Junge versorgt sein!" und dabei blieb sie trotz allem-Bitten, und Werben. - oauerte freilich noch einige Jahre, aber aus deitf Studenten Stor mer wurde ein Doktor Störmer und dann ein Hilfsbibliothekar an einer kleinen süddeutschen Universität. Nun war er versorgt. Aber sie meinte, es schicke sich nicht, daß er in seiner Stel lung bei anderen Leuten wohne, und wer konnte ihm den Haushalt besser führen als sie? Kurz entschlossen gab sie ihr Helm auf, um dem Bruder ern neues zu. gründen. Bald hatte sie sich in seine Interessen hineingelebt, und die glückliche Jugendzelt fand eme fröhliche Fortsetzung. . So vergingen einige schöne Jahre. Da wurde Heinz Oberbibliothekar, und nun konnte er sich, die langersehnte große Ferienreise gestatten. Erst wollte

sie ihn begleiten, aber da er auf seinem

uege rttschiedene Universitätsfreunde

besuch wollte, fürchtete sie. läsha m fallen und blieb zu Hause. W ein anderer kam er aus den Ferien zurück. Er, der Mittheilsame. wußte fast nichts zu erzählen. Zuweilen leuchtete es fröhlich in seinem Auge auf. aber dann zoa es vlödlicb wieder finster-über sein Antlitz, und die Lip- . pen preßten sich zusammen, als ob sie ein Geheimniß zu verbergen hätten. Am dritten Tage rückte er damit heraus: Fränzchen, ich habe mich verlobt!" Sie sah ihn mit starrem Auge an und wurde todtenblcich. Dann stürzte sie auf ihn zu und umhalste und küßte ihn mit leidenschaftlicher Gluth. als ob sie auf immer von ihm Abschied nehmen sollte. Vergebens wartete er auf ihren Glückwunsch; er war wohl mit dem Schluchzen erstickt, das sie krampfhaft niederzuzwänzen suchte. Nun folgte eme arbeitsvolle Zeit für sie. Mit peinlicher Gewissenhaftigkeit besorgte sie seine Einrichtung, und als alles fertig war. erklärte sie ihm. daß nun ihre Aufgabe hier zu Ende sei und sie sich eine andere suchen wolle. Umsonst wollte er sie überreden, bei ihm zu bleiben. Es thut nicht gut. wenn zwei Frauen in einem Hause regieren," war ihre Antwort, und als er mit der jungen Frau von der Hochzeitsreise zuruckkehrte, zog sie. die alte Jungfer, ' aus, um fern in der alten Heimath eine Stelle als Haushälterin anzunehmen. Alle zwei Jahre kam sie auf einige Tage zum Besuch, freute sich über die in gleicher Regelmäßigkeit kommenden Sprößlinge, drei prächtige Buben, sah aber mit bekümmertem Blicke, daß dem Bruder manches fehlte, was ihm bei der rechten Frau nicht hätte fehlen sollen. Aber sie sagte kein Wort. Eines Tages, der Kleinste war schon fünf Jahre alt, erhielt sie ein Telegramm, daß das ersehnte Töchterchen geboren sei, und einige Stunden später kam eine zweite Nachricht, die Mutter sei gestorben. Unverzüglich reiste sie zu dem Bruder, übernahm ohne weiteres die Pflege und Erziehung der Kinder, sowie alle Sorgen und Mühen des schweren Haushaltes. Das ging alles so ruhig, so leicht, so selbstverständlich, daß der Bruder wie im Traume über die schwere Zeit hinwegkam. Ihm bangte vor dem Erwachen. Was soll ich beginnen, wenn ich wieder allein bin?" Sie las ihm die Frage vom Antlitz: Heinz, wenn Du mich behalten willst.- bleibe ich bei Dir." ' Und Deine Stelle?" Habe ich längst aufgegeben." Er drückte ihr die Hand und ging schweigend in sein Zimmer. Und die Knaben wuchsen heran und zogen in die Welt, und das Mädchen wuchs heran und verheirathete sich an einem fremden Ort, und die beiden Alten blieben allein. Sie waren wieder ganz Bruder und Schwester, und doch wiederum nicht ganz Bruder und Schwester. Sie ergingen sich in den glückseligen Erinnerungen der Kindheit, und sie sprachen von ihren Kindern," von deren Plänen und Hoffnungen. Nun wieder ganz auf sich allein angewiesen, heraus aus dem bunten Sommertreiben der Welt, lernten sie erst sich recht kennen, thaten tiefe Blicke in die geheimsten Seelengründe des anderen, wie man im Herbst, wenn die Blätter schon fallen, weitere Ausblicke in den Wald gewinnt. Die Schwester war die Rüstigere. Sie las ihm vor, sie schrieb, was er diktirte, sie führte ihn, wenn sie spazieren gingen. Und wenn ein Fremder die beiden sah, wenn er bemerkte, wie das Mütterchen dem Greis das Halstuch zurechtrückte, ihn sorgsam die unebenen Wege führte, ihm ein Blümchen am Wege pflückte und in das Knopfloch steckte, und wie der Alte ihr mit zärtlich warmen Blicken dankte, dann dachte er wohl: Ein glückliches altes Paar, bei dem hat die Liebe für ein' ganzes Leben vorgehalten, ein glückliches altes Paar! " Kleiner Irrthum. Die Königin von Dänemark stattete einmal der dänischen Kolonie Island einen Besuch ab, und ein Beamter bemühte sich, ihr alles Sehenswerthe zu zeigen. Die Königin machte dem Führenden lebhafte Komplimente, und- als sie erfuhr, daß er Familienvater war, erkundigte sie sich, wieviel Binder er hätte! Nun ist das dänische Wort für Kinder" jn seinem Klänge dem isländischen Worte für Schafe" fast gleich, so daß der würdige Mann, dessen Kenntniß des Dänischen nicht so bedeutend war. wie sie hätte sein sollen, aus der Frage der Königin heraushörte, wieviel Schafe er besäße, und infolgedessen zur Antwort gab: Zweihundert. Majestät." Zweihundert!" rief die Königin erstaunt. Ja,- wie ist es denn nur möglich. eine solche Anzahl zu erhalten?" Ach. das ist ganz leicht. Majestät," versetzte Itx Mann mit freundlichem Lächeln, im Sommer treibe ich sie auf die Weide, und 'wenn der Winter' kommt, schlachte ich die meisten." Nachgewiesencr Adel. König Franz I. von Frankreich (1515 1647) fragte einst ben berühmten Kanzelredner Pater Duchatel, ob er von Adel sei. Schlagfertig entgcgnete der Pater: Gewiß von sehr altern sogar. Nur weiß ich nicht sicher, von welchem der drei Söhne Noahs, die in der Arche waren, ich abstamme."

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