Indiana Tribüne, Volume 29, Number 153, Indianapolis, Marion County, 21 February 1906 — Page 5

Jndiana Tribüne, 21. Februar

5

C6030hq$o ca 00 . I Aus der Snndiimil: 8 -

0 v o o 0 Acwcllctte voil 4I o & x c r O 05 050iCiOiO?CO0;ü;0OjO0 a drei Jahre smd das jetzt her. Damals verbrachte ich den Somrcer auf dem Vilm, und damals war es, daß mir mein Freund Peter Garsten die fchwermüthige Eeschichte seiner Liebe erzählte. In Charlottenburg war er mir im Winter vorher gelegentlich eines Fachtongresses in ' der Technischen Hochschule begegnet, nachdem ich ihn durch Jahre beinah völlig aus den Augen verloren hatte. Nur daß er sich in dieser Zeit dem Wasserbau gewidmet hatte, und daß er praktisch bei den neuen Hafernlagen in Hamburg und Amsterdam thätig gewesen war mir bekannt. Nun erzählte er mir mit kurzen, hingeworfenen Worten, daß er schon in den nächsten Tagen fort wollte auf Jahre. Er hätte als Ingenieur die Leitung der Befestigungsarbeiten auf einer Lootsenstation in der Ostsee auf Nunholt übernommen. Nunhoü?" Er nickte. Ja eine Sandbank nicht viel mehr unweit von Usedom. Und dahin willstTu für Jahre Ja. Drei Jahre, etwa wird der Bau in AnsrruÄ nehmen." Aber Mensch, das heißt doch, sich verkriechen das ist doch " Er machte eine abwehrende Bewegung mit der Hand, und dabei saßen ihm die Muskeln so seltsam straff und ziehend um die scharfen, hellen Augen und um den schmalen Mund, daß ich verwundert aufblickte. Darauf hatte ich ihn wohl ein halbes Jahr nicht mehr gesehen, und daß ich dann im Sommer auf dem Lilm seiner gedachte, war mehi auf einen Zufall als auf einen inneren Trieb zurückzuführen. Als ich eines Tags ein Sonnabend war es mit dem Schiffer Johann Subkleef, meinem treuen Begleiter bei den Segelfahrten, das Ziel einer neuen Fahrt verabredete, da schlug der Alte mit dem rothgrauen Seemännsbart, der ausrastrten Oberlippe und den klugen Augen di Insel Runholt vor. ' Ich dachte gar mcht daran, daß dies die Wirkungsstätte meines alten Studiengenossen war. Und wieder wie damals, als mir der Name zum ersten Mal an das Ohr gedrungen war, mußte ich fragen: Nunholt?" Und erst, als Johann mir in seiner breiten, vorpommerschen Art von einer kahlen Sandbank sprach, auf der man früher, namentlich im Herbst und Winter. noch manchen guten Seehund schießen konnte, die aber jetzt als Lootsen4 Ti am . Z n ! a 1 1 i!Sit a m 4 füic:: uqc;ui iumi'c uu iuiiu iuu einem Mal das Bild des alten Kameraden Peier Carsten wiederum vor mir. Um zwei Uhr Nachmittags gingen wir dann mit der Bilma," dem festen Segelboot Johanns, in See. Nach einigen Stunden wuchs die flache Jnzel Runholt vor uns aus dem Waier. Langsam kamen wir zwischen den hier dicht gesetzten -Bojen, die warnend Untiefe an Untiefe wiesen, der Insel nahe. Als wir an den Booten vorüberzogen, hörten wir noch das grelle Klingen einer Glocke, dann war es still Feierabend war eingelautet. Als wir Anker warfen, löste sich drüben von der mit dürrem Tang be spülten Böschung ein kleiner Kahn. Ein halbwüchsiger Junge stieß mit eine? Stange, die er gegen den seichten Grund drückte, das alte, morsche Ding zu uns heran. Auf meine Frage nach dem Jnge n:eu? Peter Carsten nickte er langsam. Ja ja. der wäre auf der Insel;, in seiner Wohnung bei-dem Oberlootsen oder in der Föhrenschonung drüben auf der anderen Seite, da würde ich ihn wohl treffen. Bor einer Hecke zeigte der Junge auf den kaum mannoreiten Eingang. Das war das Haus des Oberlootsen. Dann schritt er mir voran, den schmalen Heckenganz dessen Wall sich eng um das ganze Haus zog, hinein. Einen Blick warf er durch eins der Fenster in das dunkel umschattete Haus, dann wies er mich weiter zwischen Heckenwänden nach einem gleichfalls hoch umpflanzten Platz, kaum größer als ein mittelgroßes Zimmer dem Garten Und hier saß Peter Carsten. Auf emer Holzbank, die hinter emem Lat tentisch stand, saß er, hatte eine kurze Shagpfeife im Mund und schaute blicklos stnnnend und doch zugleich so unbewegt und mit gelösten Gliedern sitzend, als wäre er ermattet von der Tagesarbeit, auf ein paar kümmerliche Bohnenranken, die sich zwischen dem halben Dutzend Kohlköpfen und den paar Rechen sandiger Kartoffelpflanzen um ihre Stangen klammerten. Ick, rief ihn an. Da sah er auf und ichuttelte den Kopf und nahm etc Pfeife aus dem Mund Du?" Er stand auf. Ja ich!" Jetzt hielt er meine Hand. Wie braun er war! Wie Bronze war dieses magere Gesicht. Du " sagte er nur wieder, und dabei fühlte ich, wie seine Hand knochig und hart um meine Finger lag. Und dann nach einer Weile rückte er jäh den Kopf und fragte: Aber wie kommst Du denn hierher auf die SandbankDa erzählte ich ihm mit wenigen

Worten von meinem Aufenthalt auf dem Tilm und von der Segelfahrt, die ich hierher zu ihm gemacht, hatte.

Ich kann Dir hier Nichts bieten, sagte er dann Du hast Dir eine solche Sandbank vielleicht anders vorresiellt r Daß ich auch Deinetwegen hergekommen wäre um Dich zu sehen, um ein paar Stunden mit Dir zu plaudern das willst Du gar nicht glauben?" Ich ?" Er zuckte mit den Achseln. Plötzlich griff er noch einmal nach meiner Hand und drückte sie und schritt mir dann voraus den Heckengang entlang: Komm, ich will Dir mein Reich doch einmal zeigen." So' schritten wir denn um die kleine Insel, auf die der späte Nachmittag sein Flimmerlicht in müder Gluth ergoß, und Peter Garsten zeigte mir seine Arbeit und seine Stätte. Ja das wäre es. Viel mehr ist nicht zu holen hier höchstens das Sumpffeld dort den schmalen Hacken hinaus." Er wies mit der Hand nach einem Streifen Landes, der sich grün überwuchert gleich einer sich verjungenden Mole in die See hinauszog, bis er dort draunen sandig im Wafer verlier. Da brüten Enten zwischen d:n Kalmusöüscheln, dem Tanggewölle und den Linsensiauden. Wenn Äu später cmmal dort etwas schießen willst?" Nein, danke." Jetzt sah er mit den schmalen, blauen Augen, die nur ganz selten blinzelten und seltsam lang den Blick in's Helle, Gliernde ertrugen, Humus aus s Meer. Das dort ist .das Segelboot, mit dem Du hergekommen bist?" .Ja." - Er nickte. Ein schmuckes Ding daS mag gut gehen." Da faßte ich ihn am Arm und fand die Worte für das, was schon die ganze Zeit in mir nach Ausdruck such. Du ich mache Dir einen Borschlag: komm und fahre mit mir über den Sonntag nach dem Vilm! Montag früh bringe ich Dich wieder auf Deine Enteninsel hier!" Eir e Viertelstunde später stiegen wir in die Vilma" ein, auf der uns Johann Subkleef mit bedenklichem Gesicht empfing. Nach seiner Meinung hatte ich schon zu lange auf der Insel verweilt, denn es bestand Gefahr, daß uns der Wind völlig abfallen würde, ehe wir wiederum zu Hause waren. Ueber dem Meer, dem wir entgegenfuhren, staub die Sonne. Purpurn glühend stand sie über der See, und ihre Strahlen züngelten nach oben und griffen leuchtend in die Weiten und flössen nieder in die Wellen, zitternde Flammenzungen, von Millionen silberner Funken durchrieselt. So schön war das, daß wir in unsenn Schauen nicht Sinn für Boot und Fahrt und Wind und Segel hatten und erst aufschreckten, als Johann am Steuer sich erhob und meinte: So, jetzt ist der Wind beinah völlig alle! Neun Uhr und wenn wir tüchtig rudern, so können wir nach Mitternacht wieder auf dem Vilm sein." Nach Mitternacht?" Früher nicht." Jetzt rudern? dachtö ich. Drei Stunden an den Riemen ziehen? Da fraate ich auch schon: Macht es Dir etwas, die Nacht im Boot zu bleiben?" Er schüttelte den Kopf. Die Nacht ist warm und schon. Johann, wie lange brauchen wir. wenn wir uns von dem Restchen Wind da treiben lassen, und wenn wir damit fachte nach Hause kreuzen?" Drei Uhr wird es sicher." Dann wollen wir die Riemen ruhig lieaen lassen." Die Nacht kam. Wir trieben und schauten in die Weite und sprachen kaum. Nur hier und da ein Wort, das sickernd niederfiel. Da mit einem Mal sah ich, daß Peter Carsten den Kopf ein wenig hob. Daß Du gerade heute gekommen bist" Ich schwieg', und nur in meinem Blick mag eine Frage gestanden haben. Das sah er wohl, denn als er dann wieder hinaus in die milde Ruhe schaute, sagte er leise: Ein Jahr ist es eben heute, daß ich von ihr gegangen bin" Von ihr?" Nun ja. von Anna Schwind Du hast sie ja gekannt m München da mals Du hast mir ja in diesem Winter, als wir damals zusammen waren, von ihr gesprochen." 4 .. m. uno ienl war'S wieoer ttlll aanz still, daß man zeitweilig das helle Glucksen einer Silberwelle hörte, durch die der Kiel des Bootes 30a. Und dann begann die Stimme neben mir wieder zu reden. Als. ob sie nur vor sich hin die Worte sagte, so klangen sie. Leise kam Satz um Satz von seincn Kippen. ..Ja r so lange habe ich die Be ziehunq unterhalten!" Er hielt inne noch schmaler schienen mir die eng zusammengekniffenen Lippen, noch härter dis Linien des Gesichtes, daS so nahe neben mir im Dunkel stand. Ich habe nie viel geredet darüber ich habe Nichts versprochen und habe nichts gelobt und wie es zwischen ihr und mir damals so weit gekommen ist ich weiß das kaum. Ich war so viel .... r o t i . f zu öllv uci ver nroeii vleimeyr ms Ihr mir war ja jeder Groschen, den lch verbrauchen durfte, angstlich vor

gereaznet. Jcy stammte aus demselben

kleinbürgerlichen Kreis, oa siel von vornherein die Schranke weg, man hat mich weniger als den zur Miethe wohnenden .Doktor' mehr als einen Freund und Zugehörigen reranocit. Wenn mein Geld zu Ende war. hat die Mutter hat die. Frau Schwund geliehen, was ich brauchte das war wie selbstverständlich: sie hat meine Wäsche besorgt, meine kleinen Sorgen cekannt, und im Winter des Abends habe ich mich oft zu ihr und dem Mädel hinubergesetzt. Die Anna hat damals zu Haus für ein Geschäft aearbeitet sur ein LuruLpapiergcaft. das irgendwo beim Hofgart?n gelegen war: sie hat gepraate Monogramme und Vignetten auf Briefbogen, Menüs. Einladungskarten und dergleichen bunt ausgemalt, und daoei habe ich ihr manchmal, wenn ich so mit am Tisch saß, geholfen es war ja leine Kunst. die Zeit ging darüber h:n, man sprach dabei von diesem und jenem, und ste war stets so dankbar. Und dann hab ich die Anna lieb gehabt das ist wahr. Ich habe ja auch keinen Menschen sonst gehabt und irgendjemand muß man doch haben mir wenigstens ist's damals so gegangen. Ich weisz nicht, wie ich das sagen soll: ein anderer küßt die seine und sagt 'ihr, daß er ohne sie nicht 'mehr leben kann und sie weiß doch dabei: in acht Tagen, wenn er Dir aus den Augen ist, denkt er nicht mehr an Dich! Ich habe die kleine Anna nur still und fest bei der Hand gehalten bei diesen schmalen Fingern die sie gepflegt hat. daß sie weiß und weich waren trotz aller Hausarbeit, die sie verrichten mußten, und habe doch gewußt, das Mäd:I fühlt: das ist ein Versprechen. das mehr als alle Worte sagt und bindet. Dann war die Zeit in München um, und ich bin weggegangen. Sie haben mich zum Bahnhof gebracht sie und die Mutter. Und die alternde Frau mit dem vergrämten, aber guten Gesicht hatte Thränen in den Augen, wie wir da auf dem Bahnsteig standen, und wie ich ihre Hand noch einmal drückte, und wandte nur wehmüthig den Kopf von uns, als ich zum erstenmal das Mädel in den Armen hie!!. Viel später erst habe ich dann verstanden, was damals aus ihrem Gesicht gesprochen. Ich habe mich dann in die Praxis gestellt und bin nach Hamburg gegangen. Bei den Hafenanlagen hat man mir eine Anstellung geboten erst ganz bescheiden, daß es ein täglicher Kampf mit der Sorge gewesen ist, dann bin ich rasch aufgestiegen. Mit Anna bin ich in Briefwechsel geblieben. Ich habe ihr alles geschrieben, was ich erlebt habe, und sie hat geantwortet. mit langen, ausführlichen Briefen, die primitiv und unorthographlsch waren Aber ihre stillen Augen habe ich bei jedem ihrer Briefe vor mir gesehen. Beinah ein Jahr lang ist das so geWesen. Dann ist der Umschwung in mein Leben getreten; man hat mich zu oeoeutungsvouen Arbeiten zugezogen, mein Einkommen ist gestiegen man ist aufmerksam geworden auf mich. Uno man hat mich auch aus meinem zurückgezogenen Leben herausaebolt ich meine: man hat mich eingeladen, ich bin eigentlich zum erstenmal in meinem Leben in Familien und unter Menschen gekommen und habe da zum erstenmal gefühlt: die alle, die Tu bisher immer wie höherstehende, wie eine 5Iaste über Dir genommen bast. die sehen diesen Abstand nicht, die nehmen Dich als ihresgleichen. Nun ja und dann habe ich. die andere rennen gelernt Bei einem kleinen Früblinasfest war das. daß ich sie zuerst gesehen habe. Ter Rheder, dessen Schiff ihr Vater als Kapitän geführt hat, der hat das Fest in seiner Villa veranstaltet. Und sie wa? Gast da draußen an der Alster, wie ich und ein Dutzend anderer junger Menschen Gäste waren Aber das alles ist ja gleichgiltig und hat mit dem, was mich betroffen hat, nichts zu thun! Wen sie zum Vater hatte, und wo ich sie gesehen hatte das ist ja so nebensächlich. Nur daß ich sie gesehen habe und näher kennen lernte das war's. Denn damals durch sie und ihre Art habe ich zum erstenmal versiehe gelernt. was es heißt: freudig leben in all dem vielen, was uns jede Stunde bringt, zuerst das Frohe sehen. Eine so wunderbare Frohheit war in ibr. Etwas, das sonnig war und Sonne gab und mcht erkalten konnte. Nichts Jubelndes ich habe sie eigentlich niemals laut lachen hören. Wie eine milde Hand, die das Drückende und Trübe, das wie ein Erbtheil meines Elternhauses in mir war, hinwegstrich, so waren ihre wemgen Worte, die sie in meine Schilderungen streute, wenn ich ihr von den harten Zeiten erzählte. Und redete ich von der Arbeit, in der ich stand, und von den Plänen, die vor mir lagen, dann wuchsen aus den Worten, die sie sprach, ganz neue Ziele für mein Thun und Wollen. Und doch habe ich mich gequält in dieser Zeit so sehr, daß ich selbst körperlich verfiel. Ich habe nicht mehr schlafen können und keine Ruhe mehr gekannt und habe mir den wahren Grund des Zustandes doch nicht eingestehen wollen. Ich war nervös und ungerecht in meinen Briefen, die ich Anna schrieb ich warf ihr. die doch unverändert dasselbe stille Mädel voll

k.Ai&.u & x r i m. ben 'war. Mangel an Interesse und an Theilnahme an meinem Schaffen oor und schrieb dann wieder Briefe voll von einer mir sonst fremden gesteigerten 0..U.f.:i SI- .r.in r.rti . uuuucu, uic auL'uicn louien, was ich immer klarer fühlte und niederrang und doch nicht schweiaen machen konnte. Ich wußte es ja doch, daß ich über dieses gute blasse Mädel, das jetzt vielleicht mit müden Augen geprägte Osierkarten kolorirte und dabei meiner dachte, hinausgewachsen war. und daß mich eine Sehnsucht ohnegleichen zu dieser andern zog. ..Ich habe mir in langen Nächten mit fest geschlossenen Augen und mit geballten Handen die Bilder aus der Zeit zurückgerufen, in der mir Anna Schwind so viel gewesen war. Ich wollte vor der neuen Sehnsucht, die jetzt in mir nicht Ruhe fand, in diese alten Bilder fliehen sie sollten mir beistehen in meinem Kamvf. In dieser Zeit war eS mir dann wie eine Erlösung, wie eine Fügung, die mir Klarheit bringen sollte, als ich den Antrag nach Amsterdam bekam; ich sollte dort die Bauleitung eincs Theils der neuen Hafenanlagen übernehmen. Beinah überhastet hatte ich angenommen ich wollte fort von Hamburg ich mußte fort von der, die mich bei Tag und Nacht beschäftigte, und mußte sehen, ob ich dort mein Gleichgewicht nicht wiederfinden konnte denn ich wollte mein Wort halten, wenn es auch nur ein ungesprochenes Wort gewesen ist Von meiner Freundin habe ich Abschied genommen ich sehe sie vor mir, wie sie- gewesen ist in dieser Stunde. Ich kann nicht sagen, ob, sie etwas wußte von dem, was in mir vorgegangen ist ich selbst habe ihr nie vcn Anna oder von dem Kampf gesprochen, der in mir war. Aber mir ist es jetzt mit einemmal gewesen, als hätte ich kein Geheimniß vor ihr, als läge mein ganzes Leben von Anbeginn als ein offenes Buch vor ihren klaren, gütigen Augen. Sie hat mich nicht gefragt, warum ich gehe, und hat es nicht gesehen, daß meine Hand gezittert hat, und daß ich kaum die Worte fand, ihr Lebewohl zu sagen. Aber ein Verstehen war in ihrem Wesen das war wie Stärkung und wie Trost zugleich. Und sie hat meine Hand in festem Druck gehalten: ,MLgen Sie Freude und innere Klarheit finden bei Ihrem neuen Schaffen, Peter Carsten das ist ja doch so schön und reich, was da vor Ihnen liegt daran wollen Sie immer denken!' " Und schnell, als müßte er zu Ende kommen, sprach er dann weiter: Ich bin in Amsterdam gewesen Hambürg und München waren fern von mir. Ich habe gearbeitet vom frühen Morgen bis in die tiefe Nacht. Im Hafen unten und am Zeichentisch habe ich mehr geschafft, als ich versprochen hatte ich habe anfangs in der Arbeil alleö ersticken wollen Zeit sollte hingehen, ich wollte diese letzten Eindrücke vernarben lassen.- Aber die Sehnsucht ist nicht still geworden, und der Klang der tiefen Stimme ist nicht verstimmt. Und immer mehr hat sich in mir 'der Glaube an mein Recht dabei befestigt Ich konnte nicht mein ganzes Leben der Uebereilung jener längst vergangenen Zeit zum Opfer bringen ich hatte viel zu lange gezogen, micy loszumachen so wie die Dinge sich entwickelt hatten, paßten wir nicht zueinander, Anna und ich, auch sie mußte das ja erkennen! Ich hatte ein Recht auf Glück ein Recht auf ein Stück Freudigkeit und Schönheit in meinem Arbeitsleben, und die fand ich allein bei der andern. Ich beschloß, nach München zu sahren und mich mit Anna auszusprechen drei Tage nachdem ich mir hierüber , V, " klar geworden war. lam icy m ,lun chen an. Mein Herz schlug heftig, als ich das Hotel verließ und zu ihr ging. Ich hatte eins Stunde gewählt, in der die Mutter meistens nicht zu Haus war, ich wollte allein mit ihr sprechen. Aus mein Läuten hat sie selbst geöffnet ich weiß noch jetzt, daß es mir wie ent kaltes Fieber im ganzen Körper lag. als ich den dumpfen, dunklen Korridor betrat. .Du bist es ' sagte sie. Sie sah mich an wie damals war's: die stillen und vertrauenden und guten Augen und griff nach meiner Hand Und dann war sie mit einem Mal bleich wie ich. und ihre Finger wurden kalt und zitterten wie meine. So standen wir, und keines sprach. Ich nickte nur und fühlte, wie es mir die Kehle schnürte. Und wie von selbst sind dann unsere Hände voneinander gefallen, und sie ist zu dem Wohnzimmer geschritten und hat die Thur ausgemacht. Was alles war. wie ich es stets vor mir geseyen hatte so eng und klein uno gramvoll und so grau! Ein Dunst von aufgewärmten Speisen und auf dem Tisch ein Stoß von Ansichtskarten, an deren Kolorlrung sie gearbeitet hatte .Vor diese halbfertigen Blatter setzte sie sich wieder hin und sah mich noch einmal so rathlos suchend an und legte dann fc? Arme auf den Tisch, den Kopf darein und weinte. ! Und ich stand neben ihr und konnte doch nur schweigen und muhte bei dem Schmerz und Mitleid denken: so wie wir wortlos unö versprochen haben, so gehen wir jetzt wortlos voneinander. Ich sah. wie ihre Thränen aus die dunten Karten fielen, und wie die Farben

ucuci mwcrnwcner rmmaicii aeone-

ca zerstoben und strich der Anna' über's Haar und schob di: Ansichlskar.

ten weg von ihr. .Es mul; sein sazleich. Da hat sie nur genickt und still ge weint. Dann ist die Tbür hinter mir ge gangen, die Mutter war zurückgzkommen. (still hat ste oagestanoen,,uno ich habe nur schweigen können auch zu ihr. Aber die Zahne habe ich zusammenbeißen müssen, wie dann die alte Frau mit dem vergrämten, aber guten Gesicht die Thränen in den ugen hatte. Das wa? die Trennung. . Und dann bin ich wieder fortgefahren nach Amsterdam zu meiner Arbeit. Ich habe Hamburg auf. der Reise nicht berührt und wollte es nicht sehen. ' In mir war alles noch wie wund und blutig von diesem Leid, das ich dem armen Madel habe schlagen müssen das sollte ruhiger werden und vernarben. Erst wenn ich dann der andern gerade in die Augen scyauen konnte, wenn ich ihr sägen konnte gib mir von Deiner Freude, ich kann ihr allen Raum in meinem Herzen geben dann wollte ich sie wiedersehen. Zwei Wochen lang etwa habe ich sc aearbeitet und immer aelauscbt. ob denn das Mitleid in mir noch nicht stiller werden wollte. Und dann an einem Morgen hielt ich einen Brief in Händen die altmodische, schwerfallige Schrift der Frau Joseph Schwind die Schrift, mit der sie mrr früher, als ich noch bei ihr wohnte, die Forderungen, die sie an mich hatte, stets aufgeschrieben. Seit damals hatte ich die Schrift nicht mehr vor mir gesehen, und wie ich zetzt den Umschlag öffnete, zu-, terten meine Finger. Und da stand denn die letzte Forderung der Frau an mich ich kann den Wortlaut auswendig,, so oft habe ich dieses Blatt gelesen: .Ich will Ihnen doch die Nachricht geben, daß wir mein armes Kind, die Anna, gestern zur letzten Ruh auf dem Südlichen Friedhof gebettet haben. Es war ein Blutsturz, und sie war ja immer schwächlich auf der Brust, auch früher schon, und auch mein seliger Mann ist ja daran gestorben und eine meinige Schwägerin. Einen andern Trost, wenn Sie einen brauchen, kann ich Ihnen nicht sagen. Wittwe Joseph Schwind.' " Peter Carstens Lippen preßten sich wieder fest aufeinander, und straff, gezerrt schienen die Muskeln seines hageren Gesichts. Wortlos, in meiner zitternden Ergriffenheit tastete ich 'nach der Hand des Freundes und sah mit ihm nach ' jenen bleichen Fernen, die seine Augen so im Banne hielten. Dort aber wuchs, wie wir so schauten, ein dunkles Etwas .aus der See der Vilm. Wir sprachen nur mehr wenig auf der Fahrt, doch unsere Gedanken gingen schweigend Hand in Hand.' Ein einziges Mal noch kam er dann auf das zurück, was er erlitten hatte; seine Stimme war still dabei und seltsam ruhig, und mir war es zumuthe, als spräche er da nicht von sich und von dem, was er erlebte, als gäbe er Bericht von einem Todten. Ja das ist jetzt ein Jahr her, sagte er, und hundertmal in dieser Zeit nein, öfter! habe ich es durch grübelt und durchlitten in der Erinne rung. Aber mein Herz ist nicht mehr frei geworden. Von Amsterdam bm ich schon wemg Monate daraus geschie den ich habe es gefühlt, daß ich dort nicht zur Ruhe 'kommen konnte. Dann war ich Monate auf Reisen nun ja auch bei dem Grab in München war ich in der Zeit. Nicht aus Sentimentalität. Aber das alles hat nichts gebessert. Und im Winter, da mals, als wir uns in Berlin getroffen haben da war ich mürbe geworden, da hatte ich soeben den Vertrag, der mir die Arbeit auf der Sandbank übe? trug, auf mich genommen. Und ich weiß: es war gut. daß ich hierher gegangen bin. Ja still ist's in mir geworden, seit ich hier auf der Sand bank bin. Ich ringe nicht mehr um Klarheit 'darüber, ob ich schuldig bin, oder ob ich mich frei von einer Schuld der Todten gegenüber fühlen darf. Wenn es jetzt noch hin und wieder an Mir zerrt, dann ist es wie der Seewind, der den Sand von einer Düne auf die andere weht wachsen wird da nichts mehr das fühle ich. Was aus der andern geworden ist, von der ich mir das Glück erhoffte und die Freude? Ich weiß es nicht ich habe sie nicht mehr gesehen und habe nie von ihr gehört. Aber ich glaube, daß sie wohl ein Gluck gefunden hat oder noch finden wird denn in ihr war das Frohe, wie in mir das Schwere war." Er schwieg. Heller war es um uns geworden, und das dunkle Gehock der Eichen auf dem Vilm hob sich jetzt deutlich vor uns aus .dem Morgendämmer. , Es war Tag. als wir das Land betraten ein Tag voll Schönheit wie die hingegangene Nacht. . Wir haben von dem Schweren, das in Peter Carsten ruhte, nicht mehr gesprochen, so- oft ich ihn auch noch gesehen habe seit jener Zeit, aber wie eine unsichtbare Brücke zwischen ihm und mir und wie ein Schlüssel zu den Tiesen seines Wesens ist die Erinnerung an jene Nacht geworden. . Und kürzlich habe ich, erschüttert bis in'ö Tiefste, in einer Zeitung die Notiz gefunden,.daß er bei. einem vorzeitig gelosten Sprengschuß verunglückt ist.

t HilllSi Hof und Kuld

T , , u m Zvettflecke aus PaPier zu entfernen, rührt man kohlensaure Magnesia- mit Wasser 'zu einem dicken Brei, legt diesen auf den Fleck, läßt trocknen und reibt vorsichtig ab. ' I 0 d t i n k t u r f l e ck e. Aus weißer Leinwand entfernt man die Flecke, wenn man die Stellen in einer Auflösung von Antichlör (unterschwefligsaures Natron) aufweicht und dann den Stoff rein auswäscht. '.Wachstuch st offe zu rein i g e n. Auf ein wollenes Fleckchen träufelt man etwas Petroleum und reibt die Stoffe damit ab. Sie werden davon sehr schön rein und glänzend, während sie bei Anwendung anderer Flüssigkeiten meist fleckig und streifig werden. Wasserflaschen zu rein i g e n. Eine kleine rohe Kartoffel wird in feine Stückchen geschnitten, diese mit nur wenig Wasser in die Flasche gethan und tüchtig umgeschüt- , telt. Schon nach wenigen Augenblicken wird man den guten Erfolg sehen und nach gehörigem Nachspülen vollständig klares Glas haben. Schlechte Luft aus Krankenziinmern zu entfernen. Zur Auffrischung der Luft werden kleine Flanellstücken benutzt, welche in der Krankenstube aufgehängt werden. Auf diese Flanellstücke gießt man täglich je zwei oder drei Tropfen gereinigtes Terpentinöl. Die Wirkung ist sicher; die Luft wird dadurch besser und daher gesünder. Um das Brüchigwerden des Leders beim Cchuhwerk zu verhindern, wird empfohlen, von Zeit zu Zeit dem Leder den verlorengegangenen Lohstoff auf's Neue zuzuführen. Zu diesem Zwecke macht man eine starke Abkochung von Eichenrinde, weicht die Stiesel oder Schuhe darin ein und schmiert sie vor dem Trockenwerden mit Ricinusöl ein. Wenn sich ein Kindverschluckt, wenn ihm etwas in die falsche Kehle kommt," so soll man es nicht auf den Rücken klopfen, da dies zwecklos ist. Es gibt vielmehr ein einfaches Mittel, welches in der Regel sofort hilft. Man faßt die beiden Hände des Kindes und hält die Arme gestreckt nach oben. Dadurch weitet sich die Brust so. daß das Uebel meist äugenblicklich schwindet. Englische Mehlspeise. Eine Porzellanform bestreicht man mit Butter, füllt sie zur Hälfte schichtweise mit guten, in Scheiben geschnittenen Semmeln, welche man mit Korinthen, Rosinen, etwas Cilronat und mit But.terflöckchen bestreut, quirlt in guter Milch drei Eier, sechs Eßlöffel voll Zucker und ein halbzs Weinglas Rum, gießt dies über die Semmeln und läßt die Speise eine Stunde in der heißen Röhre backen. F a st e n g e b ä ck. Ein großer Tassenkopf saurer Milch, vier Eier, zwei Löffel Zucker, etwas Gewürz, nach Belieben einige Tropfen Citronenöl und ein paar geriebene bittere Mandeln werden mit etwas mehr Mehl als zu einem dicken Eierkuchen und einem Theelöffel Natron zu Teig verrührt, von dem mit dem Löffel Klöße abgestochen, in kochender Butter hellbraun gebacken und mit Zucker' und Zimmt bestreut aufgetragen werden. Konservirung von G u. m m i s ch l ä u ch e n. Ein gutesMittel, um Gummischläuche vor dem Rissig- und Hartwerden zu bewahren ist das Glycerin. Tie damit eingerie--benen Schläuche werden nicht leicht von der Luft angegriffen und ersetzt. Da sich das Glycerin im Wasser löft.' s? müssen die Schläuche nach dem Ge brauche auf's Neue eingerieben werden. Oel, Petroleuirs. überhaupt alle Fette, sind vom Gummi fernzuhalten, da sie ihn auflösen. Grünspan in Essigoder Pfeffergurken zu entdecken. Um den Essig- oder Pfeffergurken eine recht schöne grüne Farbe zu geben, werden dieselben von Kaufleuten in kupfernen, unverzinnten Gefäßen zubereitet, wodurch eine Grünspanfärbung erzeugt wird. Das BorHandensein dieser der Gesundheit so nachteiligen Substanz zu entdecken, stecke man eine blinke Stecknadel in die Gurke, enthält dieselbe Grünspan, so wird man die Nadel nach kurzer Zeit mit einer Kupferfarbe überzogen sehen. A u st e r n s,ch a l e n zu f ü l -l e n. Man beschmiert den Boden lici ner, gut gereinigter Ausiernschalen mit einem Stückchen kalier Butter, dann legt man in jede Schale ein Stückchen rohe Kalbsmilch und gießt etwas Brühe darauf, welche aus Heringsmilch besteht, die, nachdem sie gewässert wurde, in weißem Wein gut verquirlt und dann durch einen Durchschlag gerührt worden ist. Nun kommt gerie. ' bene Semmel darüber und . man setzt die gefüllten Aüsternschalen auf einem Bleche auf die heiße Platte und läßt sie einigemal kochen. Dann werden sie auf eine Schüssel gelegt, und mit Citronensaft stark besprengt.. Dies muß kurz 'vor dem Essen geschehen und die Austern recht heiß gehalten werden, damit sie ja nicht kalt zu Tische kommm. Man gibt in Viertel geschnit-' tene Citronen dazu herum.