Indiana Tribüne, Volume 29, Number 153, Indianapolis, Marion County, 21 February 1906 — Page 3
Jndiana Tibüne, 21. Februar 100.
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Magyarische Pläne. In Berlin erwartet man baldigen Schluß zn Algcciras.
Deutsche Neichsfiuanzresorm. Dr. Varth über das Provisorium. Prozeß russischer Meuterer. Amerikanische Matrosen wollen den Papst besuchen. Englische Truppen in Afrika aufgerieben.
Oesterreich'Ungarn. Magyarisch? Pläne. Budapest, 20. Februar. Nach reiflicher Erwägung haben die Mitglie der der Opposition heute Abend be schloffen, morgen nicht nach dem Par lament-gebäude zu gehen. Wenn auch die Gesetzmäßigkeit und Conftitutionalität der gestrigen ParlamentZauflösung nicht zugegeben wird, muß doch die Thatsache der Auflösung anerkannt werden, andernfalls könnten die Mitglieder des HaufeS sich nicht an den nächsten Wahlen betheiligen, oder an den Agitationsversammlungen, die Ende der Woche im ganzen Lande be ginnen werden. Die Opposition will die Regierung nicht zu Gewaltmaßre. geln herausfordern, sondern wird indi viduell agitiren, ohne Rückficht auf die Absichten der Regierung. Heute Abend waren Gerüchte im Umlaufe, daß vielleicht Ungarn einen Boycott gegen österreichische Producte erklären werde. Ungarn kann diese Producte ebenso billig auZ anderen Ländern beziehen, aber Oesterreich muß die landwirthschaftlichen Producte, wenn eS dieselben auf anderen al im garischen Märkten kaust, weit theurer bezahlen. Regierung bleibt fest. B u d a p e st, 20. Feb. DaS Amts blatt veröffentlicht heute eine Bekannt machung des königlichen ttommiffärS, Gen. Hayiri, in welcher die Gefetzmä ßigkeit der gestrigen ParlamentZauf lösung behauptet wird, da dies Dekret in Gegenwart von 3040 Deputirten verlesen worden sei. Jeder Versuch, die auf morgen angesetzte Versamm lung deS Abgeordnetenhauses abzuhalten, wird mit bewaffneter Macht ver hindert werden. Budapest, 20. Februar. Der Schauplatz des Conflictes zwischen der Regierung und der Opposition wird nun von Budapest auf das Land ver legt werden,. und ohne Ruhestörungen wird eS dort nicht abgehen. Die Ab geordneten werden sich nach ihren Wahl diftricten begeben und Versammlungen berufen, um gegen die Auflösung deS Parlaments zu protestlren. Die Regierung wird sich eine solche Kritik nicht gefallen lassen und die Ver sammlungen durch GenSdarmen auf lösen. Die Regierung ist auch ent schloffen, alle politische.! ClubS aufzu lösen, sobald sie deren Bestrebungen für hochverrätherlsch hält. Bon einer Neuwahl ist noch keine Rede. Offenbar will die Krone ab warten, wie die Verhältnisse auf dem Lande sich entwickeln. Deutschland. ZurReichSfinanzreform. Berlin, 20. Feb. Zu den viel erörterten und von der Steuerkommis fion deS Reichstags bereits arg zerzau sten Steuervorlagen des ReichSschatz amtSsekretärS Freiherrn von Stengel wird nun auch der deutsche HandelLtag Stellung nehmen. Diese einflußreiche Körperschaft wird zu einer Sitzung zu sammentreten, in welcher die sämmtlichen Reichssteuervorlagen auf das Eingehendste erörtert und auf ihren Werth geprüft werden sollen. Daß die Beschlüsse dkö deutschen Handels tags nicht ohne Einfluß auf daS even tuelle Schicksal der Vorlagen sein dürf ten, kann wohl mit Sicherheit ange nommen werden, sind doch in dem Handelötag die zur Vertretung von Handel und Industrie gesetzlich einge setzten Körperschaften sowie freien indu ftrlellen und kaufmännischen Vereine mit einander verbunden. Die gemeldete Ablehnung der Fahr kartenfteuer durch die Steuerkommls fion steht in vollständigem Einklang mit den Ansichten der deutschen Ver kehröminifter über diese Steuer. Eine Konferenz der Minister hat eine ableh nende Haltung sämmtlicher Verkehrs Verwaltungen gegen eine Belastung des Verkehrs durch Besteuerung der Fahr karten ergeben. Entschädigung für Laden besitze?. H a m b u r g, 20. Feb. Die Zer störung von Eigenthum und die Plün
derungen von Lüden, in welchen die im veiflossenen Monat hier stattgehabten WahlrechtSkrawalle kulminirten, werden die Hansestadt die hübsche Summe von 55.000 Mark kosten. Diese Summe ist von dem Hamburger Senat zur Schadloshaltung der bei jenen Kra wallen an ihrem Eigenthum geschädig ten Personen bewilligt worden. Der Antrag auf Zahlung von Entschädi gung war von Seite der Bürgerschaft gestellt worden. Dr. Barth und das Pro. v i s o r i u m. Berlin, 20. Feb. Die Blätter aller Schattirungen beschäftigen sich auf das Eingehendste mit der RegierungS Vorlage, welche dem Reichstage schon zugegangen ist und durch welche dem BundeLrath auf ein Jahr die Befugniß zum selbständigen Vorgehen in dieser überaus wichtigen Angelegenheit auf der Basis der Vertragssätze deS neuen deutschen, am 1. März in Kraft treten den Zolltarifs ertheilt werden soll. Auch der bekannte FreihandelSkämpe Dr. Theodor Barth hat zu der bren nenden Frage seine Stimme erhoben. In einer Besprechung in der Frank furter Zeitung" nnterzieht er das Pro visorium einer sehr ernsten Leurthei lung. Seine eingehenden Ausführun gen gipfeln in dem Schluß, daß der Reichsregierung kein berechtigter Vor wurf gemacht werden könnte, wenn sie bei ihren Verhandlungen behufs Ab schlusses eines Handelsvertrages mit
den Ver. Staaten ein schlechtes Resul tat erzielte. Wie Dr. Barth darlegt. stand die Regierung eben vor einer un lösbaren Aufgabe. Die Schuld hieran mißt er der gefammten deutschen Han delZ und Zollpolitik zu. Diese wäre derartig, daß solche Mißerfolge, wie der jetzige, sich ergeben müßten. In den hiesigen Exportkreisen erwar tet man immer noch von amerikanischer Seite Zugeständnisse in der Zollbe. Handlung. Mit solchen Zugeständnis sen wäre man auch zufrieden, da sie als wesentliche Erleichterung deS deutschen Ausfuhrhandels betrachtet werden wür den. AmerikunifcheS Stuben t e n l e b e n. Leipzig 20. Febr. Prof. Wil Helm Oftvald von der hiesigen Uni verfität ist aus den Ver. Staaten, wo er Vorlesungen an der Harvard Uni verfität hielt, hierher zurückgekehrt. In den Leipziger Neuesten Nachrich ten .sagt er von dem amerikanischen Studentenleben: Das persönliche Interesse der Stu denten ist nach ihren Studien, lediglich auf Sport konzentrirt, der ihre Auf. merksamkeit von intellektuellen oder ästhetischen Bestrebungen vollständig abzieht. Fußball ist vor Allem beliebt und eö wird in solcher Weise getrieben, daß akadmische und Staatsbehörden daran find, es vollständig zu verbieten. Im Laufe eines Semesters wurden 19 Studenten Opfer des brutalen Spor teö". Marokko.Conferenz. Berlin, 20. Febr. Die Ab ficht Frankreichs, die privaten Verband lungen zwischen den französischen und den deutschen Delegaten zu AlgeclraS einzustellen und die Streitfragen vor die Conferenz zu bringen, wird hier als Anzeichen der letzten Phase der Con ferenz betrachtet. Die deutsche Regierung beharrt in ihrer Stellung,. die Polizei Marokkos nicht Frankreich auszuliefern. Frankreich. Rede des Präsidenten. P ariö, 20. Feb. Präsident Fal liereS sagte in seiner heutigen Antritts rede vor dem Parlament die Stärke der Republik und der Armee seien nicht eine Bedrohung, sondern eine Siche rung deS Friedens. Ruhige Stimmung. Paris, 20. Feb. Trotz der tu neuten Spannung in . der Marokko Frage bleibt die öffentliche Meinung hier vollständig ruhig. Diese Stimmung gab sich auch heute auf bei Börse kund. .
Spanien. MarokkoKonferenz. A l g e c i r a S, 20. Feb. Frank, ichs und Deutschlands Pläne für eine Staatsbank in Marokko wurden heute der Konferenz vorgelegt. ' Deutschlands Vorschlag machte auch die französischen und britischen Delega ten einen womöglich noch schlechteren Eindruck wie seine gestrige Ablehnung deS französischen VorfchlZgeS bezüglich
der Polizei. Die französischen Delegaten sagen, daß der. deutsche Vorschlag absolut Frankreichs Stellung als größtem und priviligirten Gläubiger keine Rechnung trage, indenr er allen Mächten gleiche 'Rechte in der Verwaltung gewähre. . Da Graf v. Tattenbach wiederholt erklärt hatte, die Bankfrage werde keine Schwierigkeiten bieten, wenn erst die Polizeifrage aus dem Wege geräumt sei, hatten die französischen Delegaten gehofft Deutschland werde in der Bank frage wichtige Konzessionen machen. Sie stellen sich jetzt sehr enttäuscht. Den Muth scheint allein der ameri kanische Delegat Hy. White nicht ver loren zu haben. Rukland. Prozeß der Meuterer. Otchakoff, 20. Feb. Der Prozeß Leut. Schmidt's und der 37 Matrosen vom Kreuzer Otchakoff sowie zweier Studenten begann heute vor dem Militärgericht. Er wird wahrscheinlich 10 Tage dauern. Die Hauptanklage gegen alle Ver hafteten ist Betheiligung an einer Be wegung zum Sturze der Regierung und bewaffneter Widerstand. Leut. Schmidt's Vetheidigung bafirt auf Geistesstörung. Aufrührerische Kossacken. Ekaterinodar, 20. Febr. Die hiesigen Kossacken, welche sich im No vember den Revolutionären anschlössen, zogen sich, als die Ordnung wieder hergestellt wurde, in ihre HeimathSdör fer in die Berge zurück. Die Waffen und Fahnen weigern sie sich abzugeben. Die Gegend ist sehr abgelegen und so weit ist die Regierung nicht im Stande gewesen, eine genügende Truppenmacht zu sammeln, um sie zur Raison zu bringen. GanzeFamilie ermordet. Ashabad, 20. Febr. Während des Bairam.FesteS in der letzten Woche wurden Gen. Dschuravik und alle Mit glieder seines Haushaltes ermordet. Man nimmt an daß eS ein persönlicher Racheakt ist. , Italien. Amerikanische Matrosen zum Papste. Neapel. 20. Feb. Contre.Ad miral SigSdee bat über 100 Matrosen seines Geschwaders Erlaubniß gegeben, am Donnerstag nach Rom zu gehen, wo sie vom Papste empfangen werden. Großbritannien. Explosion. London, 20. Feb Die Eben ing NewS- veröffentlicht eine Depesche von Cairo, nach der sich in den drit! schen Kasernen zu Khartum eine starke Explosion ereignet haben soll. Zahl reiche Personen sollen umgekommen sein. OpferinAfrika. London, 20. Febr. Die Regie rung hat eine Depesche erhalten, daß bei Sokoto im nördlichen Nigeria 5 Offiziere und eine Kompagnie einge borener Truppen von Fanatttern ge tödtet wurden. Eine Depesche von Lagos meldet, daß eine Strafexpeditlon abgegangen ist. Japan. Hosenbandorden über geben. Tokio, 20. Feb. Heute fand die feierliche Uederaabe deS Hosenband ordenS durch den Prinzen Arthur von Connaught an den Mikado statt; 70 hohe javanische Würdenträger, der britische Botschafter mit seinem Stäbe und Andere wohnten der Feierlich keit bei. Eine Stunde nach der Uebergabe stattete der Mikado dem Prinzen einen Besuch ab und sprach seinen Dank für die englische Freundschaft aus. Rumänien. ZviftigkeitenmitGrie ch e n l a n d. Bukarest, 20. Feb. Die griechischrumünischen Differenzen ha den sich weiter zugespitzt, indem Ru mänien den griechischen Konsul zu Conftantza. KapsambelliS aufgefordert hat sofort Rumänien zu vertagen. Der Konsul soll, als er einen aus gewiesenen LandSmann ' nach dem Dampfer begleitete, öffentlich die stärk sten Beleidigungen gegen die rumä nische Regierung geäußert haben.
Französische Cirailleure. Lebe und Treiben in der französischen Bot louialarmec in Nordafrika. Eine Art Elite-Regiment der französischen Kolonialtruppen in Nordafrit'a bildet das dritte Tirailleur-Re-giment in Algerien. Das Offizierkorps des Regimentes besteht wie bei allen arabischen Eingeborenen-Regi-nenteni aus Franzosen, mit Ausnahme weniger vornehmer Araber, die indeß nur bis zum Leutnant avanciren.nie-
mals a:r das selbststandtge Kommando einer Kompagnie führen können. Auch der Feldwebel jeder Kompagnie, die durchschnittlich 1L0 bis 200 Mann zählt, muß Franzose sein. Es :st auch Franzosen m beschrankter Anzahl gestattet., ihrer Dienstpflicht in einem Tirallleur-Reglment , zu genügen. Ein kameradschaftliches Verhältniß zwischen Europäern und Ärabern kommt aber nur rn den seltensten Fällen auf. Der Franzose läßt den arabischen Kameraden bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit seine intellektuelle Ueberlegenheit recht sehr fühlen. Außer Dienst halten sich meist die Europäer des Regiments von den Arabern getrennt. Die Kommando-Sprache ist franzosisch, obgleich bei den neueintretenden Rekruten, die oftmals aus der Wüste wer weiß woher kommen und vordem nie einen Europäer gesehen haben, in der Jnstruktionsstunde, und wohl auch spater, wo die französischen Sprachkenntnisse im Stich lassen, was recht häufig vorkommt, vielfach die arabische und die Vcrber-Sprache gebraucht wird. Die Instrukteure, vornehmlich alte arabische Unteroffiziere, haben mit den zungen. unbändigen Rekruten rmmer ihre liebe Noth und Desertionen sind an der Tagesordnung. Wenn aber der Araber sich einmal in die straffe militärische Zucht gefunden hat, dann ist er Soldat mit Leib und Seele, er ist sehr willig ccten seine Vorgesetzten und tapfer im Kampf. Die Dauer der Dienstpflicht des eingeborenen Tirailleurs währt fünf Jahre. Wie der Soldat in der übrigen französischen Armee, so kann auch der eingeborene Tirailleur, ohne zum Unteroffizier zu avanciren, als qewohnlicher Soldat weiter dienen. Während aber der französische Soldat bereits nach 13 Dienstjahren pensionsberechtigt :st, erreicht der Araber dies Ziel erst nach 25jähriger Dienstzeit. Viele arabische Soldaten vollenden diese Ljährige, an Strapazen und Entbehrungen reiche Dienstzeit und ziehen sich dann. 750 Francs JahresPension in der Tasche, alt, krumm und lahm, in irgendeine Duar der Wüste zurück, wo sie dann womöglich noch ein junges Weib freien und ein beschauliches Dasein führen. Die holländische Tbonpfcifc. In der Stadt Gouda, Holland, hat jüngst eine Pfeifenfabrik das 275jährige Jubiläum ihres Bestehens gefeiert, wobei die seltene Thatsache zu vermelden ist, daß sie vom Tage der Errichtung an bis auf heute in einer und derselben Familie geblieben ist. Die holländische weiße Thonpfeife ist heute noch bei der breiten Masse des Volkes ebenso ausschließlich im Gebrauch, wie vor 300 Jahren. Wann diese Pfeifenindusirie in Gouda entstanden ist. kann nicht festgestellt werden, wahrscheinlich ist sie von England eingeführt worden, worauf noch viele beim Anfertigen dieser Pfeife gebrauchte .Ausdrücke und Worte, die englischer Herkunft sind, weisen. Die einzelnen Fabrikanten versahen die bei ihnen verfertigten Pfeifen bald mit einer besonderen Marke, die meistens in einem oder mehreren Buchstaben bestand. In der Mitte des 17. Jahrhunderts zählte man in Gouda mehr als 300 solcher Fabriken, in denen etwa 4000 Menschen beschäftigt waren. Sie gingen von hier, den Rhein entlang, auch nach Deutschland, und da Köln, wie es schien, der Stapelplatz dieser Waare war, wurden und werden wenigstens in Süddeutschland diese Pfeifen heute noch vom Volk Kölnische Pfeifen" genannt. Bevölkerungsziffern. Soweit die Ergebnisse der letzten Volkszählung bis jetzt bekannt geworden sind, zählte das Königreich Bayern am 1. Dezember 1905: 6,512.824 Einwohner, das heißt 5.5 Prozent mehr als an dem gleichen Tage im Jahre 1O00. Die Einwohnerzahl des Königreichs Sachsen belief, sich am letzten Zähltage auf 4.501.853 Einwohner, was einen Zuwachs von 6.66 Prozent gegen 1900 bedeutet. Im Königreich Württemberg wurden diesmal 2.300.330 Einwohner oder 6 Prozent mehr als 1900 gezählt, im Großherzogthum Baden 2.009.032 oder 7.5 Prozent inehr. im Großherzogthum Hessen 1,210.719 oder 8.1 Prozent mehr, im Großherzogthum Oldenburg 433.195 oder 9.9 Prozent mehr. Sonderbarer Unfa.ll. Luf ganz eigenthümliche Weise wurden kürzlich in St. Louis. Mo., mehrere Arbeiter, welche mit dem Entfernen einer Stahlschiene beschäftigt waren, verletzt. Die Schiene hatte sich in Folge des warmen Wetters, das zur Zelt herrschte,' ausgedehnt und sollte herausgenommen werden, als sie plötzlich heraussprang und alle fünf Arbeiter verletzte. Dem Vormann wurden beide Beme gebrochen und zwer andere Ar better erljten ebenfalls Beinbrüche.
Der Schrecken Javas.
2!e Mordgier de5 Tigers und seine OorNede für B!eschensl,,fth. Eine der verrufensten Tigergegenden auf Java ist der Bezirk Tjaringin. In diesem Bezirke befindet sich auf einem Vorgebirge ein Leuchtthurm, der nach der Landseite zu von thierreichster Wildniß umgeben ist. Allmonatlich fährt ein niederländisch-indischer Regierungsdampfer dahin, um den Wachtern Lebensmittel zuzuführen. Der Kapitän eines solchen Dampfers war einmal bei seiner Anwesenheit am Leuchtthurme Zeuge einer schrecklichen Tigerszene gewesen, die er folgendermaßen schilderte: Wir lagen vor Anker in der dortigen Bucht, vielleicht 100 Schritt vom Wall. Es war Mitlag. Einen Theil unserer Ladung hatten wir geloscht. Meine Leute waren an Bord und aßen zu Mittag. Wir hatten das Sonnendach aufgespannt, und alles war an Deck. Am Lande, dicht an der See, gerade unserm Ankerplatz gegenüber, lagerten fünf javanische Strafgefangene, sogenannte Kettengänger, die alZ Diener und Kulis des holländischen Leuchtthurmpersonals ihre Strafe verbüßen. Sie hatten die Löscharbeit auf dem Lande besorgt und verzehrten ihr frugales, hauptsächlich aus Reis und Lombok lrothem Pfeffer) bestehendes Mittagsmahl. Da plötzlich sehe ich, -wie ein gewaltiger Königstiger lautlos, ganz nach Katzenart, mit einem Riesensatze aus dem benachbarten Dickicht in die Eingeborenengruppe hineinspringt, einen Javanen faßt und in einem mächtigen Satze mit ihm verschwindet. Wie eine Katze die Maus, so hatte er den Mann im Nachen, der wohl allein aus Schreck sofort todt gewesen ist. von dem Schlag mit der Pranke und dem gierigen Biß ganzlbgesehen. Es war das absolut lautlose Werk von einigen Sekunden. Die Eingeborenen waren wie versteinert. Uns blieben die Bissen im Halse stecken, und das Blut erstarrte uns in den Adern. Eine ganze Weile rührte sich kein Mensch, weder hüben noch drüben. Tann kam mit einem Ruck Leben in uns und in die armen kaffeebraunen Gesellen. Wir stürzten in die Boote, und sie schrieen, als ob sie am Spieß steckten. Wss war da zu machen? Gar nichts. Der Tiger war jetzt schon über alle Berge, sein Opfer todt und halb verzehrt. Wir hatten das Nachsehen an der Fährte und an der großen Blutspur. Die Fährte eines solchen Königstigers hat die Größe einer gespreizten Männerhand. Man muß sie gesehen haben, um von ihr auf die Größe des Thieres schließen zu können. Eine derartige Verwegenheit des Raubthieres am helllichten Tage, angesichts des großen Dampfers und der vielen Menschen, die er doch alle beäugt hatte, ehe er den frechen Sprung that, ist wohl noch nicht dagewesen; er muß entsetzlichen Hunger gehabt haben, fönst hätte er's nicht riskirt." Was Herrscher rauchen. Ueber den Tabakgenuß gekrönte? Häupter enthält ein englisches Blatt folgende Schilderung: Abgesehen von der Königin Wilhelmina von Holland, dem kranken König Otto von Bayern und dem Sultan Abdul Hamid gibt es in Europa keinen regierenden Herrscher, der nicht ein tüchtiger Raucher wäre. Kaiser WilHelm raucht angeblich Cigaretten, die außergewöhnlich groß sind und besonders für ihn angefertigt werden. Auch ' König Eduard rauchte früher mit großer Vorliebe Cigaretten, von denen er täglich ganz bedeutende Mengen verbrauchte; aber in den letzten Jahren wurden sie immer mehr durch Cigarren ersetzt, und heute sieht man ihn selten, ohne daß er eine dicke schwarze Havanna in den Händen hielte. Ebenso ist Kaiser Franz Josef ein starker Raucher; er bevorzugt die langen österreichischen Virginiacigarren. König Leopold von Belgien ist sein Leben lang Raucher gewesen; er begnügt sich jedoch mit einer Cigcrrette, wenn er nicht eine seiner geliebten Pfeifen aus Heideholz haben kann, von denen er eine große Sammlung besitzt. Ter stärkste Raucher unter den gekrönten Häuptern der alten Welt ist der dicke und stets vergnügte König Karl von Portugal. Man sieht ihn selten ohne Cigarren, und es heißt, daß er täglich 40 Cigarren rauche. Selbst der Papst raucht; allerdings ist Pius X. der erste 'Papst der römisch-katholi-schen Kirche, der Cigarren raucht; seine Vorgänger, besonders Leo XIII. und Pius IX., begnügten sich mit Schnupftabak. Merkwürdigerweise ist bei den mohammedanischen Herrschern auch der Rauchtabak verpönt; wenigstens halten sie ihn ängstlich 1?on sich fern. - ' Keine Frage. Der Frankische Kurier" erzählt folgende Schnurre: In einem Verein wurde ein Frage-kästen-eingeführt; vor jeder Sitzung sollte der Kasten entleert und die darin enthaltenen Fragen beantwortet werden. Bei der ersten Oeffnung des Kastens entfaltete der Vorsitzende den einliegenden Zettel und las mit lauter Stimme den Inhalt dieses Zettels vor: Oes seid's alle die größten Rindvieeher Lbereinand!" stand darauf. Entrüstet fügte der Vorsitzende daran die 'klassischen Worte: Das ist doch keine Frage, meine Herren!-
