Indiana Tribüne, Volume 29, Number 151, Indianapolis, Marion County, 19 February 1906 — Page 7
Jndiana Tribüne, 19 Februar lOOG.
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Im Hrrrcnhilns von Luckmühlm R & tn et tt von Marie Diers t 3 WfTVfTTTVTTf f f fTTY7yVVV (Fortsetzung.) Ja ein bischen doll ist es." gab Eötz von Pontow zu. Frechheit, was? Ein bürgerlicher Pastor, ein Jung von dem alten Marius! Sa hab' ich's mir auch erst angesehen. Aber man muß schließlich den Zeiten Rechnung tragen. Er ist doch kein Spekulant, der Junge. Steht gut mit seinen Behörden. Wird -schon roas vor sich bringen und AnnaBeate nicht in die Tinte setzen." So viel hintereinander hatte er lange nicht gesprochen. Ruth zog ihn weiter. Ja. Papa, es ist auch das, Ratürlichste von der Welt. Anna-Beate hat ihn wobl immer gern gehabt." Herr von Pontow entgegnete nichts. Run die Sache fertig war. fing sie doch wieder an. ihn zu verdrießen. Schließlich war's und blieb's doch immer sein Inspektoren! Dem seine älteste Tochter zu geben! Das blaue Blut setzte sich in Revolte. Er machte nun die ganze Zeit von Philipps Aufenthalt über einen rech! unleidlichen Schwiegerpapa. Ter alte Marius. im Innersten fast erdrückt von der Ehre, wagte kaum ihm gegenübe: dies neue Verhältniß anzuerkennen, das ihn mit seinem gnädigen Herrn in so gleiche Linie stellte. Ter arme Bräutigam hatte jetzt zwei in diesem Haus, denen er aus dem Weg gehen mußte, denn sich Ruth zu nahen, schien ihm eine Unmöglichkeit. Er konnte sich selbst gar nicht mehr in seiner wahnsinnigen Tollkühnheit verstehen. Wenn er Anna-Beatens Lippen küßte, fub? es ihm oft in die Glieder. daß er dies bei Ruth auch nur hatte für denkbar halten können. Und jede? Wünschen erstarb vor dem Gefühl unendlicher Weiten und Klüfte, die ihn von diesem Traumgebilde trennten. Ta ward ihm Anna-Beate wieder die, die sie ihm in seinen Knabenjahren gewesen war: die Helferin, die Rctterin in dunklen Nöthen. Sie wußte nichts davon, welchen wunderbaren Umweg er zu ihr hatte machen müssen. Sie wußte auch jetzt nicht, daß er sich in Reue und Selbstanklagen zerqu'älte. Aber ihr ganzes Wesen wirkte mit seiner versöhnenden Klarheit und Harinonie wunde:thätig auf seine ringenden Empfindungen. Ueberstar!, wurde oft die Dankbarkeit in seinem Herzen, so daß er vor ihr knieen . und ihre Hände küssen mußte. Ja, er nur wußte, wie sie ihm alles war! An dem Abgrund dunkler Gewalten, die vielleicht ihn und all sein Empfinden und Wollen all feine Berufskraft und Berufstreue verschlungen hätten, führte ihre Hand ihn still vorüber. Und in dem Licht, das von ihr strömte starben alle die Geister und Gefühle verwirrender Leidenschaften. Und 'wohl ihm. daß ihm verwehrt war. in Ruths Inneres zu schauen. Tenn Täuschungen wären aus Täuschungen geboren. Ruth litt unter der Verlobung. Es. waren Tage voll zerfressender Qual. In ihrem geklärten Bewußtsein sah sie, wie niedrig ihre Roth, wie schmachtend ihr Leiden war. Von jenen Tagen der Kindheit an. da man sie geputzt und geUebkost und ihre Schwester übersehen hatte, die ganze Jugendzeit hindurch, da jeder Tag. jede Stunde ihr mit des Vaters Augen gesagt hatte: Du bist Ruth! und die andern kommen alle nur nebenhe? in Betracht! war die Erkenntniß ihrer bevorzugten , Stellung mit ihr verwachsen. Und jetzt stand sie. vor Trümmern. Sie wußte, sie hätte den jungen Pasio? erhört. Und er ging und nahm ihre Schwester. Hatte nie an sie gedacht, während sie glaubte, ihn in sich aufgegangen zu sehen! Da nahm sie. ihre alten Ausritte wieder auf. Das Brautpaar beständig zu sehen, war ihr unerträglich, und Philipps Ausweichen legte ihr befangener Sinn als Gleichgiltigkeit aus. Aber auf ihren Ritten mußte sie lerncn. daß auch die Äußerlichkeiten des Lebens sich verändern, wenn die Quelle sich verändert hat. Sie brachte es nicht mehr zu dem naturwilden, gedankenlosen Reiten, das ein Fest für Körper und Sinne ist. In dem alle Gedankennöthe, Sorgen und Mühsale zerflattern wie die Spinngewebe, die sich über die Wiese spannen, und durch die hindurch der ,'Ritt geht! In dem nur die Kraft lebt kachende Kraft! Jetzt, schlichen sich die Gedanken hinterhcr, -warfen sich vor die Füße ihres Pferdes, hingen sich an die Schleppe des Reitkleids. Es hilft nichts, ihnen mit der Gerte in's Gesicht zu schlagen und eine Jagd über Gräben und Hecken zu forciren. Auch diese Lust läßt sich nicht heranzwingen, wie Liebe und Haß es nicht läßt. Entweder Du kannst es, oder Du kannst es nicht!. Todmüde von kurzen Ausritten kam Ruth jetzt heim. ' ES war aber an dieser Verlobungsgeschichte nun nichts mehr zu. ändern. Anna-Beate war die slücklich-stille
Braut, wie sie die glücklich-stille Liebende gewesen war. Von all den Wogen und Stürmen, die rechts und links bis nahe an ihren eigenen Lebenspfad getost waren, hatte sie nichts zu spüren brauchen. Und der himmelsreinen Ruhe, die von ihr ausging, gehorchten auch die wilden Wellen in fremder Seele. Ihre Sorgen bezogen sich auf ganz andere Dinge: was wird hier aus dem Haus werden, wenn ich fort bin? Papa darf mich nicht vermissen! Und RuthSie hatte Ruth in all den Entwicklungskämpfen nähergestanden, als diese ahnte. Aber es war ihr nicht gegeben, sich mit Trost und Verstehenwollen aufzudrängen. Sie hätte es auch nicht einmal in Worte zu fassen gewußt. Sie sah nur eins: aus dem gedankenlosen, in's Innerste verzogenen Kind ward langsam, ein Mensch, der sich seiner lebendigen Seele, der sich des Lebens Weite und Ernst bewußt ward. Aber die bange Frage quälte sie zu Zeiten bei Tag und Nacht: mußte erst Jürgen sterben, damit Ruths Persönlichkeit gerettet wurde? Jene bängste Frage, wie sie in gleicher Art wieder und wieder auftaucht in dem harten Konfliktenkampf der gequälten, gefangenen Kreatur, die noch
dem Sonnenaufgang der inneren Erlösung, der Lebensharmome entgegenharrt. Von dieser letzten Seelennoth ihrer Schwester aber wußte sie nichts. Im Fabelland lag die Annahme, daß Ruth Ruth von Pontow auch nur einen ernsthaften Gedanken dem Philipp Marius widmen könne. Ja. daß sie ihn als ibren Schwager anerkannte, schien bei ihrer Art schon Herablassung und Güte genug. Allzulang ließ die Hochzeit nicht auf sich warten. Im Nachwinter fand sie in kleinem Familien- und Freundeskreis statt. Wenn auch Herr von Pontow seit dem Unglück mit Jürgen die Meinung der Menschen zum Pappenstiel geworden war, so fühlte er es doch als eine Ehrenpflicht, Anna-Beate nicht so, als schäme er sich fürderhin ihrer, verstohlen aus dem Haus zu schieben. Den engen Kreis, den er geladen hatte, ließ er eine würdige und standesgemäße Zurichtung sehen. Daß der alte Marius und sogar, seine Frau bei Tisch sitzen mußten, hielt er selbst mit aller Entschiedenheit aufrecht und widmete ihnen sogar das erste Glas. Das Brautpaar'selbst fand die allgemeine Sympathie. Ter junge, schön: Prediger und die vornehme Braut boten ein Bild, das viele im 'Herzen rührte. Man dachte der todten Mutter. Nach langen Jahren, nach sehr schweren Jahren der erste Ehrentag eins ihrer Kinder. Keine? brachte einen lauten, lustigen Ton in diese Hochzeit. Es stand eine Erinnerung zwischen dem Gestern und dem Heut, die ihr düsteres Recht hoischte. 16. Kapitel. rich von Pontow. der Oberleutnant, hatte auch der Hochzeit beigewohnt. Als das junge Paar und die letzten Gäste das Haus verlassen hatten, war es Abend. Ter Februar stürmte um das Haus. Es war ein wildes Schneetreiben. Ruth stand am Fenster des Wohnzimmers. Sie werden jetzt 'hoffentlich sicher im Koupe sitzen." sagte sie. Erich antwortete nicht. Das war ersiaunlich an dem Bruder, der nie die rücksichtsvollen Formen außer acht ließ. Sie wandte sich zu ihm herum.' Aber er war nicht vertieft in ein Buch oder eine sonstige Beschäftigung. Er sah sie geradeswegs an, allerdings mit Augen, die es verriethen, daß er ihre Bemerkung wohl kaum vernommen habe. Von Hans Wilhelm habt auch Ihr nie wieder etwas gehört?" fraate er. Hans Wilhelm?" Sie lächelte. Ach. lieber Erich, das sind alte vergessene Sachen. Wie kommst Du auf den?" Er blickte ernst. Ich i?eiß es nicht. Ruth, mich beunruhigt sein Untertauchen. So plötzlich löscht man sich selbst doch nicht bei seinen Freunden aus. Wo er ist, habe ich herausbekommen: er hat eine Anstellung an der russischen Grenze. Ich habe an ihn geschrieben, aber ohne Antwort." Er wird jetzt andere Interessen haben," sagte Ruth ermüdet. So laß ihn doch." Ruth, ich kann das Gefühl nicht loswerden, als ob wir eine Verschuldung gegen ihn hätten. Ich weiß nicht wie oder wo, aber sie muß da sein." Sie trat vom Fenster fort. Verschuldung!" wiederholte sie. In Stimme und Blick lag Hohn. Ich mache Dir doch 'keinen Vorwurf, Ruth!" sagte ihr Bruder schnell. Wie käme ich dazu? Ueberhaupt niemand, auch ihm nicht. Höchstens mir selbst." .Dir?" Er antwortete nicht gleich und sah zur Seite. Es hing damals mit meiner Versetzung an den Rhein zusammen. Kaum war ich dort, so waren alle meine Gedanken dort gebunden, und ich muß mich anklagen, daß ich alles, was hinter mir blieb, auch den Freund, vernachlässigte. Er ist ja auch kein Mensch, der sich einem wieder in's Gedächtniß eindrängt. Man muß ihn suchen, wenn man ihn haben will. Und das ibat ich nichts So kam er mir abj Handen.".
Sein bärtiges, leicht gebräuntes Gesicht hatte sich geröthet. Ruth bewegte ungeduldig die Schultern. Ich verstehe die Wichtigkeit nicht, die Du alten Erinnerungen gibst," sagte sie verdrossen. Laß uns lieber zur Ruhe gehen, es war heute ein anstrengender Tag." - Erich faßte nach ihrer Hand. Bleib noch," bat er. Wir beide sind jetzt noch allein übrig und ich muß mich so wie so heute Abend noch mit Papa auseinandersetzen. Da bitte ich Dich, kleine Schwester, nimm auch Du theil." Er war so bewegt, daß er kaum sprechen konnte. Erich! Was ist geschehen? Sprich doch!" Nichts zum Erschrecken. Uschi, Ich bin verlobt, siehst Du." Du? Tu auch?" rief sie. Schon jahrelang. Das war's, was mir gleich Leib und Seele band, als ich die neue Garnison bezog. Und heute muß ich es zum Austrag bringen. Ich habe es ihr versprochen. Wir haben Gott weiß es! lange genug gewartet!" Er blickte immer noch ein bischen quer und verlegen, als koste ihm sein Geständniß Mühe. Aber ganz unversehens war während seiner Worte ein Leuchten in seinen Augen erwacht. Und das sagst Du erst jetzt?" rief Ruth. Wann sollte ich denn. Uschi? Denn sieh, es ist mit der Veröffentlichung meiner Verlobung noch etwas anderes verbunden. Ich muß Papa bitten, mir mein Erbtheil auszuzahlen, denn Eva ist arm." Eva heißt sie?" Eva von Hofer. Ihr Vater ist mein Oberst." Ach! Und sie ist arm?" Ja, siehst arm inmitten einer großen, reichen Familie. Die Frau des Obersten ist ihre Stiefmutter und hat vier Kinder. Eine Millionärin mit den Ansprüchen und den Allüren einer Millionärin. Und ihre Kinder, darunter zwei erwachsene Töchter, wissen recht gut Bescheid über diese Millionen. Evas Mutter aber war ganz mittellos, und auch der Vater hat wohl wenig mehr cls sein Gehalt. Zwischen all diesem Glänzen und Gleißen, dieser Jagd nach dem Schein, kommt mir meine Eva immer vor wie eine stille, reine Blume, die aus Versehen zwischen lauter Kunstblumen gesetzt ist. Aber wenn es das nur wäre! Wenn man sie nur in ihrer stillen Weise ließe! Aber sie hat keinen schönen Stand unter den Verwandten. Und der Oberst, ein schneidiger Vorgesetzter im Dienst, besitzt in der Familie nicht einmal die Autorität, um sein Kind aus erster Ehe vor Demüthigungen zu schützen!" RuthS Augen waren groß und glänzend geworden. Wie gut, daß Eva Dich hat!" rief sie. Er lächelte über ihre' Begeisterung. Ja, ich habe ihr manchesmal ein Hatt sein können in diesen bösen Stürmen." sagte er weich, doch ich glaube, Uschi, ich kann ebensogut sagen: wie schön, daß ich Eva habe. Es ist eine alt verbrauchte Redensart, aber ich fühle sie wieder als lebendige Wirklichkeit in mir. daß die Erde mir leer sein würde ohne meinen Liebling." Erich!" Ihr müßt vereint werden!" forderte Ruth. Sie erfaßte seine beiden Hände. Er zog sie an sich heran. Ich sagte Dir schon, kleine Schwester. daß unsere Verheirathung von Papas Einwilligung, mir mein Erbtheil auszuzahlen, abhängt." O. wenn es nur das ist!" Sie lachte. Da hättest Du eher kommen können. Du dummer, großer Bruder!" Ich weiß nicht " sagte er langsam, und dann mit einem seufzenden Aufathmen noch einmal: Ich weiß es nicht, Ruth.. Aber ich will mir jetzt Klarheit holen, nach der ich schon längst verlange." Als er hinaus war, setzte sich Ruth nieder und sah sinnend in's Licht. In ihr war eine stille, warme Freude. Sie empfand es als ein Geschenk nach all den bitteren Kämpfen mit ihren dunkelsten Instinkten, daß sie doch noch im stände war, sich zu freuen noch von ganzem Herzen theilzunchmen an anderer Glück und anderer Leid. Und sie lauschte, als müsse sie durch die dicken Wände und Thüren hindurch vernehmen, was drüben in des Vaters Zimmer vor sich ging. " Plötzlich flog ein Schatten durch die Helle in ihrem Herzen. War sie schon so weit, daß sie aus natürlichen, guten Empfindungen , sich ein Verdienst baute? War ihre Seele schon so erfroren in Eigensucht, daß sie sich an der Flamme dieses einfachen Mitgefühls zu wärmen strebte ? In der Hast dieses Gedankensturzes stand sie unwillkürlich, auf. Dabei stieß sie an den Tisch, auf dem noch die herumstehenden Gläser klirrten. Und da, wie eine Vision, 'schoß ein längst vergessenes Bild vor ihr empor. Dasselbe Zimmer, dieselbe Lampe, der Tisch mit geleerten und halbgeleerten Gläsern besetzt in dem Raum derselbe unbestimmte Dunst von Wein und vielen Menschen, die dies Zimmer erfüllt hatten und sie auf demselben Stichl, auf demselben Platz Waren das lange, lange Jahre her oder war das vor einer Viertelstunde gewesen? . Ein Mensch vor ihr, an diesem Tisch da, auf dieser Stelle und der hatte sie angeblickt Was hatte er gesagt? Sie sann und wußte es nicht mehr Aber wie ein glühender Strom schoß ihr plötzlich die Erinnerung durch Sinn und Nxrvcn:
sie hatte ihn gehaßt! Lodernde Flammen um sie her! Sie stand auf. und ihr Gesicht begann zu glühen. O. noch einmal, diese Stunde mit ihrem Haß, mit ihrer wilden, jauchzenden Lebenskraft! ' Drüben sah Herr von Pontow feinem ältesten Sohn befremdet in die Augen. Nur die eine grün beschirmte Lampe brannte hier. Streifiger Cigarrenrauch hing noch im Raum, hierher hatten sich zeitweilig einige der Herren zurückgezogen, um ihres Wirthes guten Cigarrensorten alle Ehre anzuthun. Auch auf diesem Sofatische standen Gläser und halbgelerte Flaschen, auch einige Mokkatäßchen. Herr von Pontow zog nervös an seinem dicken, ergrauten Schnurrbart. Zum Henker nochmal! War denn das Heirathsfieber ansteckend? Er hätte sonst, weiß Gott, nichts dagegen gehabt. Wenn der Junge Lust hatte nun seinetwegen konnte der sich in's Haus hcirathen, wen er wollte, wenn es nur halbwegs standesgemäß blieb. Aber der Haken war das Erbtheil dabei das kreuzdämliche Erbtheil. Lieber Gott, der alte Pontow war kein Geizhals. Er hätte Erich von Herzen gern einen ganzen Geldsack vor die Füße geschüttet. Da nimm's. Junge, und sei vergnügt und komme mir nicht erst lange mit Deiner Herzallerliebsten in die Quer. Aber aber er mußte es sich schon geradezu eingestehen: er war ein schlechter Wirthschafter gewesen. Verwünscht schlecht! Bei Anna-Beatens Auszahlung hatte sich ihm das in unbarmherziger Klarheit vor die Augen gedrängt. Zum Donner auch, wo war all das Geld geblieben? Der alte Marius zog nur ein trübes Gesicht auf die wüthenden Fragen des alten Herrn. Ihm war das nichts Neues, die Berechnungen waren ja auch alle sonmnklar. Immer haben! Haben! hatte es geheißen. Und die Landwirthschaft ging auch herunter gegen frühere Zeiten. Sie hielt sich soeben selbst, das war ihre ganz: Kunst. Bin ich denn ein Verschwender ge Wesen?" tobte Götz von Pontow. Der alte Marius verneinte hastig, aber, die Zahlen bejahten es. Es ist solch eine wunderkomische Sache, um das Geld: es bat seine eigenen ftiifce. auf denen es davonläuft, selbst wenn man es gar nicht jagt. Ständig festbinden'und überwachen muß man es, sonst bereitet es einem Ueberraschungen, die man lieber nicht hätte. Aber nun war doch Jürgen nicht mehr? Ja. bei Jürgen war auf das Gut gerechnet. Wer sollte das jetzt als Erbe übernehmen? Und verkaufen, das alte Familiengut? Na, damit hätte man Herrn von Pontow kommen sollen! Anna-Beate hatte freilich um ihr stark beschnittenes Erbtheil keinen einzigen Gedanken verloren. Er hatte sich auch weiter darum den Kopf nicht nxtra gemacht. Sie wäre auch ohne Mitgift wohlversorgt gewesen. Ueberhaupt hatten sich in seinem optimistischen Kopf die Sachen fchon wieder rangirt. Er blieb mit Ruth auf dem Gut, und wenn er einmal starb, fiel ihr das Gut zu. Er würde schon, falls Marius abgängig würde, für einen neuen, ebenso tüchtigen Inspektor sorgen. Heirathspartieen würden sich dann auch immer noch in Menge für sie finden. Erich erhielt nach wie vor seine schöne Zulage, und falls er Ehepläne spann, wartete er gefälligst ' bis zum Hauptmann, wie es andre auch thatert. Aber mußte ihm doch jedesmal, wenn er sich eben erst wieder recht bequem im Sattel zurechtgesetzt hatte, solch ein halunkischer Querstrich an der Nase vorbeifahren!. Das Dümmste an der Sache war? er hatte Erich, als der mündig wurde, die Höhe seines Erbtheils angegeben und ihm auch versprochen, es ihm bei seiner Vermählung auszuzahlen. Mit dem Auszahlen hätte es ja schließlich noch seine Wege gehen können. wenn es ihm auch ein tüchtiger Schnitt in's Fleisch war. die ganze Summe auf einmal abzuheben und die Zinsen zu entbehren. Aber dem Sohn in's Gesicht zu bekennen: es ist um fast ein Drittel geringer geworden im Lauf der Jahre das biß ihn doch schändlich in's Herz und Gewissen. Und aus Verlegenheit und Schuldbewußtsein sah er grimmig drein wie nie und riß gefährlich an seinem Schnurrbakt. Geht es nicht. Papa?" fragte Erich beklommen, als er das geröthete drohende Gesicht des Vaters sah. Der drehte sich kurz herum und schnaubte ihn an. .Geht es nicht? Geht es nicht?" wiederholte er lärmend. Ihr Jungen macht es Euch bequem! Wenn Euch die Lust anwandelt, setzt Ihr Euch dem Alten auf den Nacken und zieht ihm den Rock vom Leib. Und wagt der nur einmal, sich einen Augenblick zu besinnen. sich einen Ueberschlag zu machen gleich rückt 3H? mit Peitsche und Spo-
sren'auf ihn los: geht es nicht? Geht es nicht?" -Ericht hütete sich, ein Wort zu seiner Vertheidigung zu sagen. Er war ein viel zu guter Soldat, .um .nicht zu wissen, daß man seinen übellaunigen Vorgesetzten klüglich auIpoltern lassen muß und ihm nicht mit der edlen Logik über den Mund fahren. . (Fdrtseung folgt.)
Snelk Vavcrsaal'g ?l!irewevries.
.432. Seohrier Mister Editbor! , In mein letzte Schreibebrief hen ich Jhne e Stimmungsbild -bon mein Fieling gcwwe, 'das war e Pietsch. 'Awwer man kann doch sehn, '.'"was der Mensch alles stende kann!' Noch nit das. allerkleinste Knöchelch.war mich gekrackt worde; off Kohrs Hot's mich, e arige Schehkopp gewwe, awwer so ebbes duhn! ich nit meinde. 'Ich hen die Nacht un den nächste Dag' in's Bett zugebracht un bo sin ich Widder gesund gewese. Wie ich daunstehrs sin komme, Hot die Selma gesagt: Christ, es sin fünf Schentelmänner da gewese, wo idich hen sehn wolle. Ich hen se kaum los wer'n könne. Un dann hen ich auch in den Pehper ebbes schönes von frier) gelese. Schiewiß wie kannst du alter Esel nur so fuhlisch sein un in en Balluhn gehn. Awwer wann's den Esel zu wohl is, barnt geht . er ;Ws Eis danze. Das is e alte Stone." Den Weg Hot fe mich .noch for e ganze Weil ausgebahlt, bis mich die Geschicht doch zu viel geworde is. Do hen ich gesagt: Selma, ich will dich emol ebbes sage, in die erschte Lein, kann ich duhn was ich will un -in die zweite Lein, is das dorchin un dorchaus mt von dein: Bißneß. So, jetzt weißt du, wie ich in die Sach denke un wann du mich sonst nicks mehr zu sage Host, dann- schokt ebb." Ich denke, dasis ziemlich plehn gewese un se Hot mich auch deutlich genug verstanne,' bikahs se Hot gleich en annere Ton angeschlage. Mets." Hot, se gesagt, du Host dich doch nit weh gedahn? Du besser gehst emol en Dackter sehn" im so fort. Ich hen mei Breckfest gehabt un sin bann nach die Zittiehahl gange un do is der Danz los gange. Wie ich mei Sehf ufflacke will, do war se schon uff. das meint, se war uffgebroche un alles Geld, . was der Mister Mehr drin .eingelackt gehabt Hot, das war fort.' ' Ich hen gleich Alarm gewwe. wwer was gut Hot das gedahn, 'die fufzehn Hunnert Dahler wäre sort. Ich hen gleich so en Eidie kriegt, daß der Jnwenter sich meine Aebsenz zu Nutze gewacht gehabt Hot, awwer ich hen kein Wort von meine Sußpischen gesagt. Es Hot nit lang genomme, do sin meine. Freunde komme, wo mit mich in das EhrschippBißnetz gange wäre un .hen von mich ihr Geld Widder, hawwe wolle. Se hen gesagt, das ganze Bißneß wär en Fehl un das wär all was es wär. Well, ich hen mei Trubel mit die'Fkger .gehabt. Ich hen gesagt, daß tch ihr Geld un meins dabei den Jnwenter gewwe hätt un er wär doch nit for zu blehme, daß sei Ehrschipp obb de' Spautz gange wär; sell wär t Mißfohrtschen un er müßt Widder e neues baue un 'das wär all. Jehs, neues baue,, hen se gesagt, der Feller.is iwwer alle Berge un nach den könne mer wissele. Mir hen schon die ganze Taun abgesucht, awwer er is fort. Well, do sin ich in t schöne Ficks gewese. Se hen sogar angedeut. als wann ich gewüßt hätt, daß es en Humbuck wär un ich hätt sie nur ihr Geld abknöppe wolle. Do sin ich awwer doch so'mähd geworde. daß ich die Lumpe am allerliebste gegliche hätt, in Fetze zu xrreiße. Ich hen 'den Mister Mehr herbei gerufe un der Hot mit die Schohlders' gezuckt un'hot gesagt, die Sach deht ennihau nit arig in mei Fehwer ausgucke. ' Er hätt kein Daut, daß ich selbst behumbuckt worde wär, awwer wann die Schentelmänner jetzt ihr Geld Widder hawwe wollte, dann könnt er sie nit for blehme. . Das Dumme war, ich hen auch noch nit em-ol t Ressiet uffschohe könne. O, ei tell juh, ich denke, ich sin doch dummer, wie ich gedenkt hen..Awwer so iesig duhn. ich doch kein Geld uffgewwe. Zch hen den Christ seine janze 'Bollesfohrs antrete lofse un hen die Mannschaft alle" Peuntersch gewwe, wo ich gewußt hen; ich hen sie. auch e arig klohse Deßkrippschen von den Gauner gewwe - un - hen gesagt: Nau luckehier Beus: Der Feller muß befohr heut ?jacht ' errestet sein. Sonst werd die ganzi Fohrs inkluding den Thiereckter gefeuert; ich meine, was ich sage. -Wer awwer' den 'Feller ketsche duht, der kriegt von mich hunnert Dahler un die Zittie legt noch e annere hunnert Dahler druff. ..Jetzt, gitt, un kommt nit Widder mitaus daß Ihr den Feger habt." Do hen se lange Fehfes gemacht, awwer se, sin losgeschowe un ich denke, seihen auch Bißneß. gemeint. Ich sin 'bis um.schS Uhr.m Äe .Affis gestanne, ttkahs ich hen se jede' Minnit eckspecktet, awwer dann frn ich heim gange, hen Soppek gehabt un dann sin ich in mei Ruhm un hen t wenig gesickert. Ich hen all. die Emaunt5, wo ich den Gauner, gewwe gehabt hen, zusamme gesickert, 'hen' daS Geld, was aus die Sehf dißeppiert war, dazu ge ädded un dann 'hen ich noch neme ge speulte RevpMhschen mit Mi Dahler un e halb dazu gerechnet un ei tell juh, do is en Emaunt erauskomme, wo e ariaes Loch in nlein Bank CEfcnrni
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grnji e rMk. Ich hen noch emol rwwer gesickert un do is noch mehr eraus komme. Ich sin so mähd gewese, daß ich aus denFenster enaus hätt tschumpe könne. Wie ich so bis um zehn Uhr gesoffe hen un hen imnier noch nia gehört, do sin ich in, mei Bett gange un ben oedenkt. wann ich schlofe. dann f vergeh ich wenigstens mein Trubel bis morge. Awwer denke Se, ich hätt schlofe könne? Nicks kummeraus. Ich. hen mich in mei Bett erum gerohlt, als ob ich dafor 'bezahlt deht wern. Und grad wie die -Klack zwölf Uhr gestrocke Hot, do hen. ich mei Auge zugemqcht un sin schubr, ich hätt schlofe könne. Aw
wer. do Hot's uff eemol e Neus in Front von das Haus gewwe, daß ich mit gleichene Füß aus den Bett getschumpt sin. Ich sin in mei Pehnties geschluppt un sin daunstehrs un do is die Boliesfohrs gewese un Hot den Feller schuhr genug gehabt un 'was das beste war, er Hot noch alles Geld bei sich gehabt. Do sin ich awwer so froh gewese. wie alles. Ich hen die eirische, Boliesmänner jedem en Kiß gewwe un hen jedem e Battel Wein geschenkt un hen biseids das jedem noch en 'Scheck von fünf Dahler ausgemacht. Morge," hen ich gesagt, will ich enwestigehte, wer zu den Priemium inteitelt is." Dann sin ich Widder jn's Bett un hen geschlofe wie en Prinz. Mit allerhand Achtung Juhrs riespektfullie Meik Habersaö, Eskweier un Scheriff von Appel Jäck, Holie Terrer Kauntie. Der arabische TintenSpiegel. Die Benutzung des Tinten-Spiegels ist am besten von den Arabern her bekannt, wird aber auch von den indisehen Eingeborenen namentlich zur Entdeckung von Dieben ausgeübt. Die Tinte wird dazu auf ein grünes Bananenblatt gegossen' wo sie in Kugelform wie ein großer Thautropfen stehen bleibt. Dann wird ein Kind von der Straße geholt, das nöthigenfalls von seinen Spielgefährten mit Süßigleiten fizrtgelockt wird, um als Medium zu dienen. Das Geschlecht des Mediums spielt keine Rolle, doch darf es nicht über 8 Jahre alt sein. Die Engländerin Fanny Penny erzählt ein eigenes Erlebniß aus In dien, das die Anwendung des TintenSpiegels veranschaulicht. Eines Tages war einer englischen Dame ein Schmuckgegenstand gestohlen worden. Sämmtliche Bedienstete. 19 an der Zahl, wurden durch den Haushofmeister zusammengerufen. Es wurde dann ein Medium besorgt und vor den schnell hergerichteten Tinten-Spiegel gestellt. Es folgte eine Pause athemlosen Schweigens, das nur von der ernsten Ermahnung an das Kind unterbrochen wurde, genau zu sagen, was es in dem Zauberspiegel sähe. Sogleich begann das Kind einen Raum zu beschreiben, worin sich ein Tisch und ein Spiegel befänden, beide mit weißem Musselin drapirt. Die Diener tauschten geheime Blicke aus, da sie aus der Schilderung das Ankleidezimmer ihrer Herrin erkannten. Angeblich hatte der kleine Seher noch nie in in das Innere eines englischen Damenzimmers geblickt, da er eben nur em Straßenkind war. Mit wachsender Erregung beschrieb nun das Medium, wie in das Zimmer ein eingeborener Diener eintrat, auf den Tisch zuging und sich dann vor den Spiegel stellte, um sich darin zu bewundern. Weiterhin besah er die verschiedenen Gegenstände auf dem Tisch und nahm einen in die Hand, der besonders funkelte. An dieser Stelle seiner dramatisch vorgetragenen Erzählung wurde das Medium unterbrochen, denn einer der Diener begann, an allen Gliedern zitternd, zu wimmern und bekannteauf strenges Befragen, daß er den. Diebstahl begangen hätte. Unter den Eingeborenen von Süd-" indien wird auch Kristallglas zum Weissagen benutzt, und zwar gläserne Briefbeschwerer, Kristallprismen von Lampen oder auch einfache Bruchstücke von klarem Quarzkristall. Auch hier muß das Medium, wie beim Tinten-Spiegel-Orakel, unter allen Umständen ein erstgeborenes Kind, möglichst ein Knabe von 8 bis 10 Jahren und' ohne jeden körperlichen Fehl sein. Ein Erwachsener wird höchstens zugelassen, wenn er unverheirathet und auch frei von allen Liebesgedanken ist. weil solche den' Blick verdunkeln l) und die Wahrnehmung übernatürlicher Borgänge verhindern. Bei den Arabern werden auch Frauen, die sich vor nicht langer Zeit verheirathet haben, als Spiegel-Seherinnen benutzt. Bei den Hindus und den Mohammedanern in Südindien werden auch Zahlenquedrate, die in jeder Richtung addirt. immer die gleiche Summe ergeben, als Zaubermittel und Amulette verwandt, auch als Mittel gegen Krankheit, gegen Besessenheit von bösen Geistern, gegen die Ranke eines Feindes, gegen Verzauberung, als Diebesfänger, als Orakel für die Zukunft, kurz gegen alle bösen Zufälle des Lebens. Die schrankenlose Leichtgläubigkeit des gewöhnlichen Volks der Araber und Inder eröffnet dabei allerhand Betrügereien ein weites Feld, die natürlich immer darauf, hinauskommen, dem Zrniberer" die Tasche oder wenigstens den Magen zu füllen. V V O- Syi 1 l flT .! -v fc vy v v v ß, r v . -ib haben an einem Freirag geheirathet?! 3 sind also nicht abergläubisch?" B.: .O doch seitdem!"
