Indiana Tribüne, Volume 29, Number 150, Indianapolis, Marion County, 17 February 1906 — Page 7
Jndlana Tribuns 17 Februar
Ini Hcrrcnl)lnis von Luckmühlcn
Vornan ro'i M a r i c Dicrs 9 TT7TTT7VTT7VTT7TTTTTTTVT (Fortsetzung.) Es gelang ihm nur mit Anstrengunq. So viel lieber hätte er geschwiegen, ihrer süßen Stimn;s gelauscht. Oder auck, in aller Stille gewartet auf das Große, Wunderbare, das jetzt kommen mußte aus Busch oder Stein aus dem Himmelsblau hernieder, aus den Sonnenfünkchen Aber sie hatte geboten, da mußte er reden. Er sprach abgerissen, stockend, fand oft kaum die Satzfüße, auf die er seine Worte zu stellen hatte. Nicht wie ein rübmlich Ausgezeichneter, dem durch Fleiß und Glück die glänzende LausIahn sich eröffnet, saß er neben ihr. sondern wie ein armseliger Tropf, der nühsam versuchen muß, vor der Kritik zu l::siehen. Aber Ruth hatte so lange, lange keinen Menschen mehr gesehen. Ter Schrecken und Jammer um des Bruders bösen Tod war in der Alltagsbandhabung zum Gewohnheitsdruck geworden. Auch über solche Lücken wächst das junge treibende Gras. Doch ihr. die nie die Hand eines Lehrmeisters über sich geduldet hatte, war Jürgen, der Mißachtete, der Familientölpel, zum härtesten Lehrmeister des Lebens geworden. Ter Erde bunte Bilder verlieren alle, alle ihre Farbe, wenn ein Schein aus der Ewigkeit über sie dabinstreickt. Ruth hatte nicht'Mens'chen und Menschentreiben vermißt in diesen achtzehn Monaten. Sie hatte eine seltsam: Bekanntschast gemacht: sich selbst. Ueber des Tages abgegrenzten KreiS war ihr die Weite des Lebens aufgegangen. Nicht hier ist der Gipfel, nicht dort. Tein Horizont ist nicht die Grenze. Sie stand und staunte. Ein banges Staunen. Ein Entsetzen vor sich selbst in ihrer Kleinheit, in ihrer Blindheit. Aus Jürgens Grab heraus streckte sich ihr eine unsichtbare Faust. Wehe! Warum lebst Tu? Wehe wohin gehst du? Und im eigenen Herzen ward neugeboren das bange Menschheitsrufen nach dem Sinn des Daseins. Ties ist ein Leid, das in junger Seele ohne Worte geht. Und es soll so gehen! Das Heil kommt nicht in Fragen und Antworten, in ja und nein, in zugeschnittenen Flicken, die auf alle Risse passen es erwächst langsam und voll lebendiger Kraft aus eines jeden Menschen selbsteigener EntWicklung. Nicht an dieser Ecke und nicht an jener steht ein Prophet, der dir hilft. Da hatte Ruth durch das Grauengefühl innerlicher Einsamkeit die Hand des Lebens gespürt, die sie aufwärtszog. Aber die Menschen waren ihr fremd geworden. Nun stand wieder einer vor ihr. und um sie war es Sommer Wie erwachend sah sie dem rn's Gesicht, staunend. Ter junge Prediger war schön, des ward sie plötzlich gewahr. Und seine Stimme war voller Klang und seine Augen voller Licht. Sie dachte nichts, sie sah ihn immer nur an, immer und immer, wie man ein wundervolles Kunstwerk betrachtet. Was er sprach, hatte kein Interesse für sie, sie hörte es kaum. Aber sie hatte den Wunsch, er möge doch nicht so bald aufhören, zu reden, wie er es that: träumerisch, stockend, mit seiner musskalischen Stimme. Er hörte aber doch auf. weil er zu End: war, und er wagte sie anzusehen. Ihr Blick, der gerade auf ihm ruhte. verwirrte ihm alle Sinne. Er wandte die Augen ab, weil er ihn nicht ertrug. Und er fühlte: werde ich je ihr gegenüber den Muth meiner Wünsche finden? Je zu ihr sprechen können, wie ich mochte? Wie ein Riesengroßes. Ungeheuerliches erhob sich das vor ihm, das ein menschliches, stürmisches Verlangen seine Schritte hergeleitet hatte. Er druckte die Hände ineinander. We war-er denn gewesen, daß er solche vermessenen Gedanken in sich hatte nähren dürfen? Ueber ihnen zwitscherten die Vögel. Ein lauer Mittagswind kam durch die sonncnbeschienenen Zweige. Betäubend duftete em Lmdenbaum ihnen zur Rechten. Si: das verwohnte Freifräulein. der Sproß aus edlem Blut, das KöNigskind. Und er ein bürgerlicher Prediger, em Jnspektorsoyn. Woher hatte er die Schwungkraft ge ' nommen zu diesem Flua in die Wol ken? Hatte ihm seine gute Brotstelle den Smn verwirrt? Wir haben nicht so viel erlebt hier in Luckmühlen sagte 'sie langsam und weich. .Seit Sie zuletzt hie? waten tt-&3 k,.?: r.n jcip - mioyii-, wußtmuy . Ui yut uiuyi. Nun sah er sie doch an.' In ihrer Stimme klang das gequälte Beben ihres Herzens. Ein Mitfühlen ihrer Schmerzen, fast körperlich in seiner Starke, erfaßte ihn. .Ich habe viel täglich daran -ge dacht " saate er stockend.
Sie nickte rmr, als sei das selbstver-
ständlich. Dann sagte sie leise, mit dem Ausdruck ringend: Es war ja nicht nur Schmerz und Leid, was ich in dieser Zeit empfunden habe. Auch anderes. Nichts Lustiges aber Besseres " i Sie schwieg. Ihr war, als müsse er ihr einhelfen. Als stehe doch plötzlich vor ihr einer, der ihres Herzens Wege mit ihr gehen könne Wieder wandte er den Blick zur Seite. Ihr Anschauen blendete ihn wie allzu helles Licht, das auf die Wimpern fällt. Sie ist ja eine Heilige! dachte er mit stockendem Athem. Ich möchte vor ihr knieen dürfen und mein Gesicht in ihres Kleides Saum verhüllen Sie aber sah ihn an und wartete auf seine Antwort. Das kam ihm zum Bewußtsein mit einem wunderlichen Gemisch von Schreck und Freude. In alter Gewöhnheit flo rZv.z theologische Wendung an semem Mund vorbei er ließ sie fliegen. Sie anpredigen? Er mußte lächeln. Predigt man auch Engel an? Die Antwort, die sie von seinen Liv pen vermißte, erhielt sie nun doch von seinen Augen. Wie warm, wie glänzend, wie kroh war plötzlich sein Blick! Sie staunte darüber. Er versteht micht ja! dachte sie. Still war es rinas um sie. Nur Busch und Baum und Sonne waren um sie her. Nur der Sommer lebte mit ihnen in dieser Stunde. Da kam es wie eine heiße Welle über Philipps zagendes Gemüth. Du bist von Fleisch und Blut wie ich! dachte er. Und vom Rausch dieser Minute glühte ihm Kopf und Herz. Hufschläge ertönten von vorn her. Da kommt Papa zurück," sagte Ruth'. Ich will zu ihm. er hat es gern. Oder wollen Sie lieber erst Papa begrüßen?" sagte sie plötzlich, wie sich erinnernd, und blieb stehen. Dann bleibe ich noch ein Weilchen hier, und wir treffen uns dann wohl am Frühstuckstisch. Anna-Beate wird Sie schwerlich fortlassen, ehe Sie etwas gegessen haben. Er bebte, als sie sicb so unerwartet ihm wieder zuwandte, in seine tiefsten Gedanken hinein. Zz hat die goldenen Äugen Ter Jlvcslönigin dachte er mit feliger Wonne wie im Traum. Ja! Ich will hineingehen!" rief er plötzlich. Die Worte klangen wie ein Kriegs- und Siegesruf. Ich will hineingehen!" wiederholte er. Dann beugte er sich auf ihre Hand und küßte sie, ohne daß sie sie ihm gereicht hatte. Und wie ein Knabe, trunken von seinen Empfindungen und Plänen, stürmte er davon. Sie sah ihm nach. Langsam stieg eine seltsame Ahnung in ihrem Herzen auf. Sie lehnte sich an einen Buchenstamm. Ein Zweig streifte ihr Gesicht, sie spürt: es kaum. Ein Verwundern und Bangen, ein stilles Freuen bewegte ihr das Herz. Na. Philipp." sagte Herr von Pontow. das ist ja alles recht schön. Hast Dich brav gehalten, mein Junge." Er behandelte den hochgewachsenen jungen Geistlichen noch immer als den Jnspektorjungen, der ihm für fein Thun und Treiben Rechenschaft schuldig sei. Aber so empfand es Philipp nicht. Unter, der vertraulichen Anrede des alten Herrn stärkte sich sein Zugehörigkeitsgefühl. So nahe stand er diesem Hause wie ein Sohn. Götz von Pontow hatte ietzt das Wesentliche gehört und wartete, daß der jung:' Marius gehen werde. Dies geschah aber nicht, er blieb neben dem Schreibtisch sitzen. Na?" sagte Her? von Pontow.' Sein Geduldsfadm war schon wieder einmal durch. Was willst Du denn och? sagte er gerade heraus. Philipp wurde blutroth, er machte den Mund auf und wieder zu. Aber er rührt: sich nicht vom Fleck. Herr von Pontows Gesicht wurde gefährlich. Ich will nicht hoffen, daß Du etwas auf dem Kerbholz hast!" fuhr er ihn an. Und mich etwa mit Deinem Vertrauen beehrst! Dafür möchte ich danken. Laß Dir gesagt sein, mein Sohn: ich helfe Dir nicht aus mit keinem Pfennig und wenn Dir zehn Messer an der Kehle sitzen. Ich habe meine eigene Noth zu Hause. Lauf Du zu Deinem Alten, das will ich Dir nur gerathen haben." Philipp kam gar nicht zu Wort über dem grimmbeißigen Poltern. Von Schulden ist a gar keine Rede. Herr von Pontow!" brachte er endlich heraus. Und meine neue Stellung ist auch derart, daß etwaige Verpflichtungen mit Leichtigkeit " Na also! Was willst Du denn noch von mir? fuhr der Gutsherr ungerührt durch seinen Fehlgriff fort. Halt mich nicht so lange auf, junger Mann." - . - - Jetzt stand Philipp auf. sein Athem ging mühsam. Ich habe eine große Bitte, Herr von Pontow oder vielmehr eine große Frage " . Er stockte und kniff gleichsam innerlich die Augen zu. Jetzt nicht bange werden, nicht nachdenken! Jetzt vorwärts, blind drauf los komme, was da wolle! Ach!! Ach so!" sagte plötzlich Herr von Pontow. Er hatte einen hellseherischen Augenblick. Ein junger Mensch, soeben in'ö
Am! gerückt, mit glänzenden Aussichten und dabei solch ein rothes, todtverlegenes Gesicht. Donner und Doria. der Junge lief auf Freiersfüßen! Die Anna-Beate! Ja. richtig! Da war ja immer von jeher solch dicke Freundschaft zwischen den beiden gewesen. Früher hatte er auch, im Scherz, selbst so etwas gesagt oder gedacht. Aber es wollte ihm noch nicht in den Kopf. Hatte der Bengel eine Dreißigkeit! Er war aufgefahren und blitzte ihn mit seinen blausten Augen an. Dem Philipp ward es angst und bange. Er fing an, schnell zu sprechen, um seine Furcht zu übertönen. . Ich weiß, Herr von Pontow, es ist tollkühn von mir, vielleicht vermessen. Nur das tiese Verlangen meines Herzens ist das einzige Recht, das ich in die Wagschale werfe. Ich habe keinen edlen Namen zu bieten, aber auf den Händen will ich Ihre Tochter tragen. Was ich bin und habe, gehört ihr, und was ich arbeite, arbeite ich in erster Linie für sie!" Ja. ja " unterbrach ihn Herr von Pontow trocken. Dieselbe Leier schlägt jeder Freier. Von ,auf den Händen tragen' hab: ich. glaube ich. auch bei meiner Werbung phantasirt. Das nüchterne Leben lacht nachher solchen Wahnbildern in's Gesicht." Bei mir nicht!" rief Philipp begeistert. Der Spott ermuthigte ihn. Es lag doch ein Eingehen darin. . Ich nehme an, daß Du weißt, um was Tu bittest," fuhr Herr von Pontow fort, immer noch höhnisch und zurückhaltend. Daß meine Tochter Dir ein Recht gegeben hat, mir mit Deinem tollen Plan zu kommen " Nein " sagte Philipp betreten. Das noch nicht. Ich wußte nicht ich dachte Herr von Pontow grinste jetzt formlich. Das war ja ein schneidiger Bräutigam! Bravo!" höhnte er. Ehre Vater und Mutter, auf daß Dir's wohlgehe nicht wahr, Herr- Prediger? Eine Braut muß man sich heranbeten. Lernt Jhr's nicht so?" Des jungen Mannes Gesicht flammte jählings auf. Ich weiß, daß Geburt und Name mich unter Sie 'stellen, Herr
von Pontow. Aber das gibt Ihnen noch kein Recht, mein Amt zu verhöhn nen." Gott bewahre," fagte Herr von Pontow trocken. Dies Aufbrausen war das erste, was ihm an dem Burschen gefiel. Wollen wir uns über dies Thema noch weiter zanken?" Ich möchte Antwort von Ihnen," sagte Philipp. Herr, von Pontow kraute, sich den Kopf. Anna-Beate. dummes Zeug! Die konnte man zu Haus ja gar nicht entbehren. Er erinnerte sich noch des einen Jahres, -wo sie in der Residenz gewesen war. Dummes Zeug! Dummes Zeug, diese Heiratherei! Er verfiel in unruhiges Sinnen. Schließlich ging das doch wohl nicht fo: einfach feine Mädels festhalten, weil ihm das besser paßte. Ein schwarzer Schatten huschte über seine Gedanken. Jürgen Mit einer verlorenen Geberde fuhr er sich über Stirn und Augen. ' Nein, nein! Nicht wieder in die Sünde fallen. seiner Kinder Wünsche und Eigenarten zu übersehen. Das rächt sich ja so schrecklich! Sei doch gefälligst erst mit ihr einig!" rief er aus dem inneren Zwiespalt heraus dem wunderlichen Freier zu. Dieser ward roth und blaß. Es es kommt mir als etwas so Ungeheuerliches vor. Herr von Pontow. Wenn Sie mir helfen würden! Ein gutes Wort einlegen!" Der alte Herr lächelte spöttisch unter seinem Schnurrbart hervor. Aber im Grunde war's ihm recht, daß der Junge mit solchem heillosen Respekt an die Sache ging. Und übrigens, er war schließlich doch kein allzu lumpiger Bewerber. Hatte glänzende Begabung, glänzende Aussichten. Na, kurz und gut. nicht langes Gefackle darüber. Er wollte seiner Tochter die Sache überlassen. War der Bengel ihr gut genug, mochte sie ihn seinetwegen morgen schon heirathen. Er stand in seiner schwerfälligen Art auf. Ich werde Dir na-Beate herschicken." sagte er, ein wenig freundlicher. Magst ihr dann selbst erzählen, was Du für sie auf dem Herzen hast." Philipp starrte ihn,- jäh verstummend. mit aufgerissenen Augen an. Er mißverstand den Ausdruck, hielt ihn für Angst und wollte dem Furchtsamen ein bischen auf die Füße helfen. Nu. nu." sagte er. Anna-Beate wird schon wollen. Ist ja immer Deine beste Freundin gewesen. Und da Du Dich brav gehalten hast bisher " Dem armen Jungen ward's bunt vor den Augen. Wollte Herr von Pontow ihn narren? Leicht wird mir ja die ganze Geschichte nicht, mein Junge." fuhr er fort. Das Mädel ist mir doch an's Herz gewachsen. Aergerliche Einrichtung ist's und bleibt's, sich so die Töchter von dummen, hergelaufenen Schlin geln wegnehmen zu lassen!" Das dumm und hergelaufen" war ein wohlwollender Scherz, für den Philipp in seiner Verwirrung und Herzensangst mit einem verzerrten Lei cheln quittirte. .Aber was bleibt unS Alten übrig, als die Sachen ihren Weg gehen zu lassen. Ruth wird sich übrigens freuen.
Der t'leine Racker hat Dich schon immer halb und halb als seinen Schwager betrachtet." Hat sie das?" brachte der Gequälte etwas unverständlich hervor. Aber Herr von Pontow hatte keine Ahnung von dem Unterton in diesem leisen Aufschrei. Gewiß, lieber Junge, sie hat sogcr davon gesprochen. Ich sollte es Dir wohl nicht sagen, daß Du hier so gut angeschrieben bist, aber Du stehst mir hier als solch trübseliger Angstmeier, daß ich Dich ein bischen aufmuntern wollte. Muth. Junge! Wer eine Pontow kriegt, braucht nicht die Ohren hängen zu lassen. Verstanden?" Ja, Herr von Pontow. Na. dann will ich fogar gehen und Dir Anna-Beate 'ranholen. Sie muß ja mittlerweile aus der Kirche heraus sein." Sprach's und stolperte hinaus mit seinen rheumasieifen Beinen. Philipp stand auf der Stelle, auf der der Alte ihn verlassen hatte. AnnaBeate! lir hotte das Gefühl, als drehe sich das Zimmer im Kreis um ihn herum. Eine dumpfe Unklarheit umfing ihm Blick und Empfindung, und tiefinnen saß ihm etwas Rathloses. Willenloses, daß er die Arme schlaff heruntirhän. gen ließ und vor sich niederstarrte. Und einem Gesicht gleich, auf weiten, weiten Wogen schwand eine Erscheinung immer ferner ' Die Thür ging auf, Herr von Pontow kam und hinter ihm. ein stilles Erglühen, auf den Wangen, AnnaBeate seine Braut. Na so schwierig war's ja gar nicht," fagte der Vater in lachendem Polterton. Ist ja schon alles gut und nun kann ich adieu sagen, bin in meiner eigenen Stube überflüssig." Keiner antwortete ihm. Als er hinaus war. trat Anna-Beate näher. Es war nichts von Scheu, kaum von Befangenheit an ihrem Wesen. Für sie war heute nur die Stunde erfüllt, zu der sie längst in stillem Warten ausgesehen hatte. Es hatte sie erstaunt, daß erst der Vater sie rufen mußte, und doch hatte es sie erfreut, daß Philipp gerade in dieser Sache so klaren Weg ging. Sie lächelte ihn an, nicht überwältigt, überstürmt. Aber mit jener klaren. ewigen Liebe in den Augen, aus denen echtes Frauenthum mit seiner ganzen Bereitschaft zum Dienen und Dulden und seiner grenzenlosen Hingebung so sicher geboren wird, wie der Tag aus dem Morgen. Und als er ihre beiden kühlen Hände in seinen heißen, zitternden fühlte, da wich langsam der dumpfe Druck aus seinem Gehirn. Er sah sie an, und plötzlich fühlte er: nie, nie hatte es anders kommen können. Anna-Beate war es, der sein Leben und all sein Thun von Rechts wegen gehörte. Seine Knabenträume flogen an ihm vorüber, in denen Heldenthum und Ritterschaft geblüht hatte für sie. die ihm in dunklen und hellen Tagen alles gewesen war. Alles!. Nur das eine nicht! Ein letzter dunkler Gedanke, er schloß die Augen. Ach nach den Sternen greift man nicht! Das waren ver
messene Träume und nichts für die Tage der Wirklichkeit. So fern lag das, daß Herr von Pontow ihn nicht einmal begriffen .hatte. Und Gott fei Dank dafür! Was hätte er sonst gesagt? Und hier, hier stand sein wirkliches irdisches Gluck, das ihn nie verlassen wurde! Endlich fand er die ersten schwachen Worte. Anna-Beate. ich will Dir mit meinem Leben danken für Deine Güte in dieser Stunde!" 15. Kapitel. ottfried von Pontow trabte durch die Gartenwege, bis er Ruth fand. Wo steckst Du denn?" rief er sie an. 3ch renne, steiaauf. steiaab nach Dir!" Was soll ich denn, Papa?" fragte sie aufschreckend. 5ibr Ton klang bebend. unter kämpfenden Instinkten. Sie meinte zu wissen, weshalb er kam. Unwillkürlich setzte ihr Inneres sich zur Webr. Nein, nein! nicht ietzt! noch nicht! hätte sie rufen mögen und doch empfand sie dunkel, daß sie nachgeben werde. Herr von Pontow schob seinen Arm in ihren, um .sich stützen zu lassen, wie er in den letzten Jahren gern that. Uschi. wir haben ein Brautpaar im Hause. Anna-Beate und Philipp. Na? cmi. r jr , -p ? 194 v sx. ;u5ic iHeiiii Jju vasz mm iu,)v,'. aeahnt. was?" Ruth antwortete nicht. Es fuhr ihr in's Gesicht hinein, wie ein Stoß. Eine Enttäuschung, eine Beleidigung? Sie wußte es nicht. Mitten im Steig blieb fit Netzen. (Fortsetzung folgt.) Recht gemüthlich. Was ist denn in Deiner Küche für ein Getöse ?"-H auöfrau: Mein Mann rauft mit dem Soldaten um unser Nachtmahl!lmgettekrtr? Grkvlg. . A.: Mensch, Du kriegst ja einen unheimlichen Umfang!" -SB.: Ja, weiht Du. ich habe kürzlich eine Ent ftttungskur durchgemacht und die ist schiefgegangen!" -
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Vom Ausianve.
JndemdänischenLandsiädtchen ' Stevnstrup bei Rauders ist in einem Bauernhof ein junger Knecht. Namens Christian Bundgaard, in Diensten, der in seinen Mußestunden mit großer Gewandtheit die Feder führt. Er hat dem großen Gyldendals Verlag eine Sammlung Erzählungen eingesandt, die, wie es heißt, einen Volksschilderer ersten Ranges erkennen lassen und dem Verlag den. Wunsch nahegelegt haben, mit dem vielversprechenden jungen Bauern in dauernde Verbindung zu treten. Als Sohn ganz armer Leute hat er nur einen sehr mäfeigen Schulunterricht erhalten,, dessen Lücken jedoch seine glänzende Begabung die Wage hält. Er ist un Uebrigen in seiner Arbeit sehr tüchtig und pflegt sie mit seinem hellen Gesang zu begleiten. Unter welchen Deckmänteln in Holland Spielclubs gegründet werden, beweisen die Cirkulare, die ein Club International de Bienfaisance, Amsterdam, an Deutsche versendet. Der Club ist durch königliches Dekret in Holland genehmigt. Nach Artikel 2 feiner in mangelhaftes Deutsch übersetzten Statuten ist sein Zweck, Ausländern in Amsterdam angenehmen Aufenthalt zu gewähren und allen Ausländern im Lande. Hilfe zu leisten, welche derselben bedürfen." Wie es in Wahrheit um den Club International de Biensaisance bestellt ist, sagt ein Zettelchen mit der Ueberschrift: Roulette. Minimum 2 Frank, Mazimum 6000 Frank. Man sieht, die Wohlthätigkeit dieses Clubs besteht darin, die Taschen der ehrenwerthen Vorstandsmitglieder zu füllen. . Gerade re tzt hält man in Frankreich die Zeit für gekommen, eine Forschungsreise nach Marokko zu veranstalten. Wie die vom Colonialminister herausgegebene Revue Colomale" berichtet, ist Professor Gruvel mit der Ausführung einer Reise an die atlantische Küste von Marokko betraut worden. Gruvel ist Professor an der Fakultät für Naturwissenschaften in Bordeaux und trägt außerdem den Titel eines Chefs der Mission für die Erforschung der Fischerei an der Westküste Afrikas". Das Ziel der Reise ist das Gebiet im äußersten Süden, wo am Cali Blanco mauretanisches Gebiet gegen französisches Gebiet grenzt.. Es soll zunächst in der Bahia del Galgo, die von den Franzosen als Baie de Levrier bezeichnet wird, ein geeigneter Platz für die Anlagen einer Station für die Untersuchung der fischcreikundlichen Verhältnisse ' des benachbarten Meeres ausgekundschaftet werden. Dies Unternehmen steht ohne Zweifel in Zusammenhang mit der Nachricht, daß in jenem Theil der westafrikanischen Küste unlängst besonders wichtige Fischgründe entdeckt worden seien. Zu einem, aus Deutschland berichteten räthselhaften Vorfall auf der Ostbahn, wo zwei Kinder in der Nähe von Frankfurt a. O. aus dem Pofener Schnellzuge stürzten, wird jetzt mitgetheilt, daß trotz der Nachforschungen der traurige Vorgang noch immer nicht aufgeklärt ist. Die Annahme, daß die Kinder von ihren Eltern aus dem Zuge gestoßen worden seien, ist unwahrscheinlich geworden.' da sich nicht die geringste Veranlassung zu einer solchen That hat ermitkeln lassen; vielmehr scheint ein ganz eigenartiger, unglückli,cher Zufall vorzuliegen.' Die Jungen haben im Wagenabtheil herumgespielt und es ist nicht unmöglich, daß sie dabei den Drücker der Wagenthür geöffnet haben. Nachdem der eine. Knabe herausgefallen war. wurde der Zug zum Stehen gebracht. Es ist nun leicht möglich, daß in der herrschenden allgemeinen Aufregung die Wagenthür nicht ordentlich geschlossen wurde und infolgedessen auch der andere Knabe, als er sich eine halbe Stunde später, von den Eltern unbeachtet, an die Thür lehnte, hinausstürzte. Die Unterfuchung mußte mit dieser Annahme abgeschlossen werden. Vor einigen Monaten entfloh aus Hamburg der Kaufmann Kassen, der große Betrügereien um Zehntausende verübt hatte. Er wurde glücklich in Monte Carlo festgenommen und dann durch Gendarmerietransport bis an die deutsche Grenze geschafft. Ein Beamter der, Hamburger Polizeibehörde fuhr darauf nach Mühlhausen, um den Arrestanten zu übernehmen. Der Hamburger ' Beamte war sehr überrascht, als ihm in Mülhausen Klassen vorgeführt ' wurde, , denn das war ja gar nicht Klassen. In ein scharfes Verhör genommen, gestand der Arrestant, daß er ein deutscher Steward Stark sei. Er war in Genua von einem Dampfer desertirt. . beim Vagabundiren abgefaßt und. ins Gefängniß von Dijon geschafft worden. Im selben Gefängniß' saß -bereits Klassen. Beide sollten nun gemeinsam an die Grenze geschafft. Stark dort in Freiheit gesedt, Klassen xaltx nach Hamburg ausgeliefert werden. Klassen hat dann den Stark, der 'gern nach Hamburg wollte,' durch große Versprejungen zu einem Rollentausch dewogen. So wurde denn der vermeintliche Klassen an kerndeutsch französischen Grenze den deutschen. Behörden unter Wahrung aller Formalitäten Lbergeben; . der richtige Klassen aber erhielt als vermeintlichen Landstreicher ; einen Tritt, daß' tt über die Öxtrt flog.' Nun baten die franzosls:nO:;ird:2 ihn loö! Gleichzeitig cttt V deutschen!
Der Geizhals.
V"sXii'lI tfis fl lU (1 mm'' 'h wuJJ
. Schwerkranker: Sagen Sie mir aufrichtig, Herr Doktor, werde ich Neujahr noch erleben?" Arzt: schwerlich, ganz offen gestanden." Schwerkranker: Um so besser, dann spare ich doch 'ne Menge Ncujahrsgelder." Protzenheim. Ihre neue Villa soll ja sehr groß uud geräumig sein, Herr Commercienrath?" Und ob! Ohne Kompaß find' ich mer gar nicht drin zurech't!" i ' . Kleine Verwechslung. Frau (zärtlich): Hektar! Hektor!" Mann: Warum nennst Du mich Hektor? Ich heiße ja nicht so!" Frau: Hektor heißt doch: Mein Lieber"!" Mnn: Aber warum nicht gar! Mein Lieber heißt doch mio caro"!" Frau: Ach richtig, Karo! . . . Entschuldige, ich habe nur die Namen verwechselt; ich wußte doch, daß es Hektor, Karo oder Cäsar heißt!" T r o st. Dichterling (welcher seine Gedichte in aller Herren Länder schickt, die Couverts der zurückgekommenen Sendungen betrachtend): Na, wenn sie schon keine Gedichte nehme?... eine nette Briesmarkensamm-, lung bringe ich doch zusammen!" V Schön gesagt. Willst Du, daß ich ein Automobil anschaffe, Geliebte? . . . O, sprich nur ein Wort, und ich stink' nach Benzin ! Gut gegeben. Lebemann (zum Bankier, welchem er sechzigtausend Mark schuldet): Damit wir endlich 'mal mit meiner Schuld in's Reine kommen, bitte ich um die Hand Jhrer ältesten Tochter." Bankier: Die gehört Ihnen schon seit einem Jahre! V Enfant t e r r i b l e. Freier (um die Tochter des Hauses anhal-. tend, die bereits öfter verlobt war): Die Mitgift ist, mir zu wenig." Vater: Das könnte Jeder sagen!" Der kleine Otto:. Es hat's auch bisher Jeder gesagt." Enfant tcrrible". Onkel: Nun, Fritzchen, zeige mir doch 'mal Deine euen Schlittschuhe, die Dir der Weihnachtsmann bescbeert hat. Frischen (zögernd): Aber nicht wahr, Onkel, Du ißt sie mir nicht auf?!" ... , . ., .Onkel: Aber Kind, wie. kommst Du denn auf diese Idee?" . Fritzche n: .Ja, Vater hat gesagt. Du warft so'n -rter Eisenfresser." ' I n ersten Semester. QaZ siudirt . eigentlich Ihr - QspV .Vorläufig nur die S:Zs:k2rt:n.1
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