Indiana Tribüne, Volume 29, Number 138, Indianapolis, Marion County, 3 February 1906 — Page 7
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Z Im Hcrrcnhnus von E .. z ANMinuytrn E 3 3 llo ntst tt von - Marie Dicrs. (Fortsetzung.) Er war ' ganz froh und erstaunte aufs höchste, als Herr von Pontow plötzlich heftig aufstand.' Unter keiner Bedingung!" sagte er barsch. Ich Kill keine FrauenZiehung. Ich danke Ihnen für den - gutgemeinten Vorschlag. Herr Pastor, aber er ist nichts für mich." Der Pastor überwand die Empfind lichkeit über dies rauhe Anfahren. Er kannte ja die Wunderlichkeit seines Patrons, hatte oft die Kinder bedauert, die am schwersten davon betroffen wurden. War nicht heute die Stunde gekommen, ihm in's Gewissen zu reden? Einen Augenblick rang er mit der Furcht, sich diesem eigenwilligen, unberechenbaren Mann gegenüber Unannehmlichkeiten auszusetzenDann siegte sein Pflichtgefühl. Er sprach von Gottes Hand, die in Herrn von Pontows Leben ernst und tief eingegriffen habe. Aber wie es uns nicht zukomme, seine Rathschläge in menschlich trotziger Meise auslegen und sie zum Unheil verdrehen zu wollen. Wie wir um das eine, das uns genommen, nicht alles andre verächtlich und zornig fortstoßen dürften So weit war er zur Noth gekommen. Ja. nur zur Noth, denn Herrn von Pontows sich steigend rathendes Gesicht, der wüthende Ausdruck, seiner Augen ließ ihm doch das Herz klopfen. Es war auch wohl nur der Klang der altgewohnten 'Kanzelstimme, die er so lange ertrug. Jetzt ging der Sturm los. Ich danke für Ihre Predigt, Herr Pastor! Sparen Sie sie zum Sonntag auf! Wie ich mit Gott und meiner todten Frau fertig werde, sage ich Ihnen doch nicht. Wir brauchen in der protestantischen Kirche keine Vermittler! Das haben Sie uns selbst erzählt. Und was ich mit meiner Tochter anfange, geht Sie den Henker was an. Sie wollen sie nicht unterrichten. Gut, so unterrichte ich sie selbst. Adieu!" . Als der Pastor-zu seinem Schüler zurückkehrte, zitterte ihm das Auch in der Hand. Philipp Marius sah ihn neugierig an. Warum schimpfte denn der gnädige Herr?" wagte er zu fragen. Der Pastor machte eine abwehrende Bewegung. Dann trat er an's Fenster und sah dem Davonstampfenden nach. Er erinnerte ihn plötzlich an die Bulldogge von Inspektor Marius. die einigemal mit Philipp gelaufen war. Die blieb in beständigem Knurren, und bei dem geringsten Anlaß biß sie um sich. Ueber diesen Vergleich, der ihm äußerst treffend erschien, mußte er lächeln, und der Humor in ihm kam wieder oben auf. Ich will nicht mit ihm maulen, wie ein empfindsames Jüngferchen, dachte er. Mit diesen kantigen Ecken stößt der arme Mensch sich schließlich weit mehr, als er andre je stoßen kann. Und zu Philipp sagte er in gelassen freundlichem Ton: Du kriegst es gut, Junge. In einigen Stunden, in denen Du noch zurück bist, bekommst Du unsern Junker Jürgen zum Mitschüler." Am ersten Morgen, als Anna-Beate und Jürgen mit ihren Vücherranzen froh und erwartungsvoll davontrotteten. holte Herr von Pontow sich Ruth aus der Kinderstube. Armes Rackerchen," brummte er. Von Dir will keiner was wissen. Na. da komm :r." Er klemmte sie zwischen seine Kniee, und sie mukte ihm aus der Fibel ihre Lesekünste vortragen. Das machte ihm niehr.Spaß, als er gedacht hätte. Als sie das bei Anna-Vzate zuletzt Erlernte abgewickelt hatt:, fing er etwas. Neues mit ,yr an. Herrgott 1m Himmel, das ging ja! Wie sie begriff, der kleine Nacker! In hitzigem Vergnügen wollte er immer weiter gehen, da drehte sie ihr Köpfchkn nach ihm um. Aber doch nicht so viel auf einmal, Papa! Nun dasselbe wiederholen!" Ach so, wiederholen!" . Das dünkte ihm erst ein bischen langweilig, aber dann leuchtete es ihm doch ein. Natürlich, es mußte doch festsitzen, was sie bei ihm gelernt hatte. Plötzlich ergriff ihn der Ehrgeiz. Ja! Es sollte fester sitzen als bei Herrn Moller und Anna-Veate zusammengenommen! Und mit sanftmütigster Geduld ging er die Sache von vorn mit ihr durch. ' Er lachte vor sich hin, so vergnüglich war ihm zu Muth. An seinem niedergebeugten Kinn kitzelte ihr weiches Haar. Mit ihren zierlichen Fingerchen hatte sie seinen dicken Zeigefinger erfaßt und tippie damit auf jedes Wort, das sie las... Donnerwetter, war das niedlich! Und solch kluges Balg! Wie es jetzt schon rasch ging! Aber unverzagt frn gen die beiden das dritte Mal an. Nun war es wirklich tadellos. Nuth lachte und klappte mit beiden Händchen die Buchdeckel zusammen. .So, Papa!" Ist es nun schon aus?" fragte tt ganz verblüfft ' .Nein jetzt kommt daZ Schreiben. Soll iÄ mein Qeft bolm?".
.Ja,thu'S. Als er allein war, schlug sich Herr von Pontow aus Vergnügen mit emer Faust auf die andre. Der dumme Paäor! That so groß mit seiner Gelehrsamkeit und konnte das nicht einmal! Es war ihm nicht etwa zu gering, sondern er konnte es nicht! Sein Versuch war ja kläglich gescheitert! Gottfried von Pontow begann sich ordentlich etwas einzubilden. Nun das Schreiben also! Das war ein bischen langweiliger. Prinzeßchen Ruth faß auf seinem Ledersessel und baumelte mit den Beinchen. .Die Katzen haben Tatzen mit spitzen Krallen. Moos wächst im Wald. Der Mensch hat eine lebendige Seele." - Herr von Pontow sah ihr über die Schulter. Ihm kam vor, sie schriebe heute weniger gut als das vorige Mal. .Ruth, das s steht schief!" mahnte er. Ja, Papa, Du mußt immer mitsprechen!" Was soll ich denn mitsprechen?" .Zählen!" Er dachte angestrengt nach. Zählen? Unsinn. Das war nicht nöthig. Bei ihm hatte auch kein Mensch gezählt, das wußte er ganz genau. Er hielt ihr
eine schone Liede über die Selbstständigkeit des Arbeitens. Sie sei jetzt alt und klug genug dafür. Ruth drehte ihr Köpfchen herum und guckte ihm in die Augen. .Kann es nun genug sein, Papa?" Ja!" sagte er erleichtert und schon vollständig autoritativ. .Morgen kommst Du wieder zur Stunde, Ruth." .Ja. Was habe ich denn auf?" Er dachte nach. Am liebsten hätte er sie gefragt. Aber sich nur keine Blöße geben von diesen klugen Madelaugen! .Dasselbe lesen wie heute," entschied er, .und eine Seite schreiben." .Eine ganze Seite? Hu! Papa!" .Eine halbe meinte ich doch." sagte er ganz ärgerlich, als habe sie ihn wirklich nur mißverstanden. .Na? Und jetzt?" .Na und jetzt?" Er sah an ihr herunter. .Balg, kleines. willst Du mit mir auf's Pferd? Geh, laß Dich anzieh'n!" m Judelschrei und ytnaus. Beim Mittag sagte Herr von Pontow zu dem aufwartenden Diener: Ruth sitzt neben mir. Brmg ihr Gedeck herauf. Was steckt Ihr das Wurm da immer an's hinterste Ende?" Diesen unerhört bevorzugten Platz. benutzte Ruth sofort, ihr helles Stimmchen ertöney zu lassen: .Du. Jürgen, ich bis heute mit Papa geritten! In den Wald! Auf Alexander!" Jürgen machte sonst zu Ruths Konversation ein leidlich stumpfes Gesicht. Diesmal aber borchte er auf, ward erst glühend roth, dann blaß. .Auf Alexander " murmelte er stockend nach.' Anna-Beate war die einzige, die ihn verstand. Sie warf ihm einen raschen, mitfühlenden Blick zu, und in ihrer Seele entstand ein heldenhafter Entschluß. .Wie ging es denn bei dem Pastor?" forschte der Vater. Aus beiden Mündern ein gewohnheitsgemäßes: .Gut, Papa!" Dann brummte Jürgen mürrisch: .Er ist strenger als Herr Moller." Das wollte ich mir auch ausbitten, Vengel!"' fuhr ihn Herr von Pontow an. Anna-Veate berichtete schüchtern: .Philipp Marius war auch da, Papa. Er hat einige Stunden mit mir und eine auch mit Jürgen. Er ist sehr nett." Dies interessirte Herrn von Pontow natürlich sehr wenig und blieb unbeantwortet. Und ich hatte die allerfeinsten Stunden." prahlte Ruth. So feine, wie noÄ nie. An Papas Schreibtisch." .Iß jetzt und plappre nicht," befahl der Vater streng. Seine Strenge war aber nicht ti)i. Er war maßlos stolz auf seine kleine Schülerin. Nach Tisch, als er eben hinausgehen wollte, zupfte ton etwas am Rock. Anna-Veate war es. dunkelroth vor Aufregung. Sie konnte kaum sprechen. so ängstigte sie sich. Papa, ich habe eine große Bitte. Laß doch Jürgen auch einmal auf Alexander reiten. Ich weiß, das ist schon seit Monaten sein schönste? Wunsck. Er würde so furchtbar glücke lich sein." Was? Unsinn!" Herr von Pontow schüttelte die bittende kleme Hand unwirsch ab. Ten großen Bengel vor mich auf's Pferd nehmen? Dir ist ja wohl nicht gut! Und allein auf dem Vieh möchtest Du ihn doch wohl auch nicht gern sehen, was? Er hat ja den grauen Pony, damit kann er reiten. Solch eine verrückte Idee!" Anna-Beate sank das Herz. Wie hatte sie auch nur um so etwas Unqe heuerliches bitten können! Was mußte Papa von ihr denken! Gewiß. Ruth war ja so klein! Später ging das mit ihr auch nicht mehr. ' Aber der alte graue Pony, ein aus rangirtes Klepperchen der. Butterfrau, war freilich em sehr schlechter Trost. O Herr von Pontow fing an, sich bei den Stunden zu langweilen. Anna Beate mußte wieder heran. Es war ja auch eigentlich keine Sache für ihn. Nur ab und zu, wenn er gerade in Laune war, nahm er sich das kleme D:ng vom der her, klemmte sie zwischen seine Kniee und ließ seinen Zeigesinger als Wegweiser benutzen.. Aber sonst, in Haus und Hof und bei seinen Ritten,
wollte er das Kind um sich haben. Ihr
dummes kleines Geplapper tonte ihm reizend in alle die gewohnten Tagestone, und er liebte es, wenn er über die Felder oder in feinen Pferdestall ging, sie zu fühlen, wie sie sich mit beiden Händchen an seinen Arm hing und ihr winterkaltes Gesichtchen an seiner Hand wärmte. Kam er Abends noch so spät nach Hause, so mußte Nuth doch da sein und ihm entgegenlaufen,, sonst kam er in schlechte Laune. Daß dem Kind das .unregelmäßige Aufbleiben schaden könnte, sah n nicht ein. .Sie kann ja morgen bis in den hellen Tag schlafen!" Ruth. that das auch, und es glich sich scheinbar aus. Wie an alles, so gewähnte sich der Kindeskorper schließlich auch an diese arge Einrichtung, auf die er erst tn Unmuth und weinerlicher Verdrossenheit rcaqirt hatte. AnnaBeate blieb natürlich immer getreulich mit auf. Sie konnte das Kind nicht bis in die Nacht hinein den Dienst boten überlassen. Ueberdies hatte der Vater das auch sicherlich nicht gewünscht. Die Entrüstung über Herrn von Pontow schlug in der Gegend wieder neue Wellen. Auch der Pastor schüttelte unwillig und schmerzlich den Kopf, wenn er Anna-Veate. die nicht in den hellen Tag hineinschlafen konnte, mit überwachten Augen und abgespannten Zügen in der Stunde sitzen sah. Jürq?n ward auch unter Pastor Roths Fllhmng nicht zum Wissenschaftllchen Licht. Er war und blieb em schwerer Lernkopf. Nur seine gröbsten Untugenden wagten sich unter der liebevollen, sirengen Hand dieses neuen Lehrers nicht hervor. Pastor Roth war von Natur eme tief geduldige Seele, Mangel an geistigem Können reizte ihn nicht, und ein Kind wie Jürgen erregte statt Zorn und Heftigkeit nur sein theilnehmendes Interesse. Armer Bursche, dachte er oft, was soll aus Dir noch werden! Dir fehlt die weiche Sand, die Dir über Deine reichen Backen gestrichen hätte! Ach Dir. Du armer Kerl, fehlt die Mutter wohl am meisten! ' Jörgen hatte einen neuen Lebensreiz in dem Verkehr mit Philipp Marius entdeckt. Früher. als der Jnfpektorjunge, noch m die Dorsichule gmg, lag cm gemeinsames Spielen ganz außer dem Bereich der Möglichkeiten. Auch drückte sich das schüchterne Burschchen stets don dannen, sowie die Kinder aus dem Herrenhaus in feinen Gesichtskreis traten. Jetzt fühlt? er" behend die Ehre, die ihm geschah. Daß er zwei Jahre älter war als Jürgen und ihm in Kenntnissen, ja an Fassungsgabe voraus, anderte nichts an ihrem Verhältniß. Jurgen war und blieb der junge Herr," der zu kommanduen hatte, Philipp der Untergebene. Sie paßten auch jeder in seine Rolle. Jürgen besaß neben oem Bewußtsein semes - blauen Blutes eine tüchtige Portion jungenhaften Eigenwillens und Rechthaberei. Philipp hatte ein weiches, treues Gemüth, das beste Streben von der Welt, aber eine innere Unselbständigkeit, die ihn sich gern einem stärkeren Willen unterwerfen ließ. Wenn die Leute im Dorf die beiden Jungen zusammen beobachteten. stießen sie sich lachend an. Krek blos den Junker Jurgen, de is de gnädige Herr, wo hei leimt und lebt!" Er sah ihm in solchen Momenten auch in den Gesichtszügen sprechend ähnlich. Der arme kleine Philipp MariuS ward jetzt" aber in Konflikte gestoßen, denen fein schwacher Muth nicht gewachsen war. Sein Vater, der Inspektor, war zwar im Verhältniß zu seinem Herrn ein unschätzbarer Beamter, aber im Haus hielt er sich nur zu gern für die mancherlei kleinen und großen. Demüthigungen schadlos, die ihm im Verkehr mit einem Herrn, wie Götz von Pontow war, nicht zu gering erwuchsen. Er gehörte zu jener Sorte von Haustyrannen, die . ihre Stärke nur aus der Schwäche ihrer Umgebung ziehen. Einen wirklichen Willen zu brechen. sind sie nicht im Stande, aber Wehrlose zu knechten und geduckte Geister noch ein bischen tiefer zu ducken, ist die Würze ihrer Tage. Frau Inspektor Marius. ein ängstliches, unselbständiges Gemüth, war vom ersten Tage bei ihm unten durch." Nicht einmal der oft barbarischen, un gleichmäßigen- Erziehungsweise gegenüber, die ihr Söhnchen erfuhr, vermochte ihr unterdrückter Geist sich aufzulehnen, und. so wuchs der kleine Philipp in Furcht und Zittern vor seinem Vater auf. Bis jetzt hatte er sich wenigstens noch vor Uebertretungen direkter Gebote huten können. Was aber nun, da ein neuer Machtfaktor, da Jürgen von Pontow in seinem Leben auftrat und oft dessen Wille mit dem des Vaters zusammenstieß? Zum Beispiel hatte Jürgen nicht die geringste Einsicht für die Thatsache, daß mit dem Schlag Halbeins im Inspektorhaus die Suppe auf dem. Tisch stand und es ein geradezu unerhörtes Verbrechen war, dann nicht, auf den Hausherrn harrend, hinter seinem Swhl zu stehen. , Ebenso scherte er sich den Kuckuck darum, ob in Jnspektors Karten die und die Wege verbötenes Territorium waren, ob jene alte Flinte, die er einmal in einer Ecke deS Wohnzimmers fand, als ein unantast-
bares 'Heiligthum oder als willkomme-
nes Instrument, zum Spatzenschießen galt. Philipp, -der Aermste, verschüchtert und nervös, wie er ohnedies war', hatte nur die lockende Wahl, zwischen dem Spott, seines Kameraden und dessen rüden jungen Fäusten, die sich jetzt zum ersten Male in den prachtvollsten Rippenstöße versuchen konnten oder dem' Zorn des Vaters, dem nur die rohesteu Mittel zur Erhaltung seiner Autorität geläufig waren. Sieger um Philipps Seele blieb meist der junge Aristokrat. In seinem ganzen Auftreten, feinem Herrenton. lag so viel Selbstverständlichkeit, daß der Junge, dem überdies schon der Respekt vor dem Haus Pontow in's Blut übergegangen war, dieser Gewalt wie einem Schicksal verfiel. Daß er dann jedesmal mjt' seinem eigenen Leib die Kosten bezahlen mußte, ohne Abzug, ohne auch nur zu Worte zu kommen ja, daß er für Jürgens alleinige Schulden recht oft mitbezahlen mußte, galt als Naturgesetz für ihn und die verängstigte Mutter. Da erstand ihm unerwartet Rettung. Anna-Veate hatte kaum den Stand der Dinge durchschaut, als ihr das Herz heiß wurde für' den gequälten Jungen. Jürgen zu etwas einsichtsvolleren Handlungsweise zu bringen, versuchte sie erst gar nicht. Dazu kannte sie ihre Leute! . Aber als Philipp einmal wieder reif für des Inspektors Hundepeitsche war, nahm sie ihn ohne viel Gerede an der Hand und ging mit hinüber. Marius. der auf das Klingeln der Hausthür schon herausstürzte, prallte zurück. .Philipp ist schuldlos," sagte sie ganz bestimmt.. Ich muß Ihnen das sagen, damit er nicht etwa ungerecht bestraft wird. Es kann überhaupt noch öfter vorkommen, daß er bei uns, solange er mit Jürgen unterrichtet wird, länger ausbleibt als gewöhnlich. Auch kann er es nicht hindern, wenn sich Jürgen hier Unarten erlaubt. Wenn Ihnen etwas nicht recht ist, müssen .Sie si bitte, an Papa deswegen wenden. Pbiltpp kann in den Sachen gar nichts thun." , - Philipp wagte nicht zu athmen. So hatte er die stille, kleine Anna-Veate noch nie gesehen! Ein kühler Hochmuth thronte aus ihrer klaren Stirn. Das Unerhörte geschah! . Der Inspektor ließ die Hundepeitsche hinter sich niedergleiten und murmelte ein paar verlegene Entschuldigungen und Zugeständnisse. Von dieser Stunde an, da das gnädige Fräulein selbst sich für Philipp verwandt hatte, sah der Inspektor seinen Sohn mit anderen Augen an. Erübertrug im tiefsten Inneren einen Theil seines knechtischen 'Respekts vor dem Herrenhaus nun. auch auf ihn. Allerdings war er bestrebt, dies zu verbergen, und raffte sich noch hm und wieder zu einer väterlichen Schreckensund Machtrolle auf. Aber der Junge hätte nicht den Instinkt des Kindes haben müssen, um nicht zu spuren, daß seine böseste Leidenszeit jetzt hinter ihm laa. Eine überwallende Dankbarkett für seine junge Retterin füllte sein knabenhaft begeisterungsfähiges Herz. Er versuchte, ihr das aus Scyrur uno iritt zu beweisen, sich ihr dienstbar zu zeigen, wo er nur irgend konnte. Und in den Nächten lag er wach und träumte lange Geschichten, wie er ein Mann werden, große Thaten thun und ihr ihre Güte so tausendfach vergelten würde, daß sie und alle Welt, von Staunen übermannt, vor einer uncrhörten Dankes- und Heldenthat stehen solle. 4. Kapitel. V. err von Pontow war jetzt sehr 2j$S mit sich zufrieden, wie er die C Dinge eingerichtet hatte: Erich war gut versorgt. Anna-Veate und Jürgen waren auch wohl aufgehoW itnS NZi.tk seine kleine Nuib. sein lustiger, prächtiger Kamerad na. ob die gut versorgt war! Äwar. bis zu ihrem zehnten Jahr hatte sie weder einen bestimmten Lehrer, noch regelmäßigen Unterricht. Meist war es Anna-Veate. die sich ihrer annahm. st auA her stets bilfsbereite Vbilivv Marius. dann wieder bekam der Papa selbst seme philologijazcn nwanomngen. Aber die Ueberzeugung setzte sich in ibm f?ft dak dies aerade aenua Plage für das arme, kleine Balg" sei. Sie lernte ja'fo schnell, sie wußte ja . .. . i schon so viel! wie.wuiZle uoeryaupi alles don Mfift. Einen Blaustrumpf sollten sie ihm doch etwa nicht aus seinem SpringinsMb macken. Was brauchte denn so eine kleine Dirn überhaupt zu lernen! Wenn sie nur ihre hellen Augen im Kodk hihhü und iht ltdtZ. MNaes fien in der Brust, dann war es schon gut, dann konnte man jedem Mann gratuliren, der sie einmal erringen dürfte. Der liebe Gott hatte dies Wmg icyon o neu gebaut, da sollten die Menschen nur ihre vorwitzigen Finger davon lassen, die verdarben ihm sein schönstes Arbeitstück doch nur. Was, Ruth, wir sind Kameraden in Roth und Tod?" sagte er oft zu ihr, wenn sie mitsammen über die Felder tiMn (Fortsetzung folgt.) Schwierige Aufgabe. Maler (dem eine junge Dame sitzt, für sich): SSenn ich nur nicht so 'ne Unschuld malen sollte... so rft ich binschaue. verfärbt sie sich!"
Europäische Nachrichten.
Vheinpfakz. S p e y e r. Zum'fünften Male ge denkt der 79 Jahre alte frühere Schlffer und nachherige Kieslieferant Peter Kief (nach der Anschlagstafel des hiesigen Standesamts) in, den Stand der Ehe zu treten. Seine Auserwählte ist die. 69 Jahre alte , Wittwe Gertrud Leuthner, geb. Grämlich, von BergHausen. Beide Brautleute sind noch rüstig und erfreuen sich der besten Gesundheit. Bubenheim. Ackerer Philipp Rieser. ein Mann von 52 Jahren, wollte sein Pferd versorgen. Als man ihn nach langer $it suchte, sanv man ihn als Leiche in der Scheuertenne liegen. Der Aermste war beim Abwerfen von Heu und Stroh vom Scheuergerüst gestürzt und hatte das Genick gevrochen. Freckenfeld. Der zehnjährige Sohn des Ackerers Joh. Helck von hier, der die Pferde einer Göpel - DreschMaschine antrieb, wurde von einem der Pferde so an den Hinterkopf geschlaaen, daß die Schädeldecke sprang und eine Gehirnerschütterung eintrat. Kaiserslautern. Letztens feuerte in der Schneiderstrake ein junger Bursche Namens Heinrich Heinrich, gef 11.1.. ooren &yi mer, aus einem iieiniau brigen Revolver einen Schuß ab und traf fahrlässigerweise den in nächster Nähe stehenden 12jährigen Wilhelm Haßler direkt in's Gesicht. Die Kugel blieb im Kinn stecken und der Verletzte wurde m's Krankenhaus verbracht, wo die Kugel auf operativem Wege entfernt wurde. Qberauerbach. Letztens spielte das 4 Jahre alte Töchterchen Hermine des Schuhmachers Valentin Leiner von hier mit einer Perle. Das Kind steckte die Perle in den Mund und verschluckte sie, sie gerieth in die Luftröhre des Mädchens und dieses erlitt den Erstitkungstod. Sofort herbeigerufeneHilfe konnte das Kind nicht mehr retten. Pirmasens. Von einem Neubau in der Lembergerstraße stürzte der 46jährige verheirathete Maurer Jakob Veith von.Battweiler so unglücklich ab, daß er, in das städtische Hospital verbracht, an den erlittenen Verletzungen starb. R am stein. ' Hier erhängte sich der 63 Jahre alte Johann Wenzel in seiner Wohnung. Die Ursache ist unbekannt. Schiersfeld. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten im engsten Familienkreise der Butterhändler Friedrich Wenz und dessen Ehefrau Elisabeth, geb.Schunck. Wenz ist 76 und dessen Ehefrau 79 Jahre alt. An Nachkommen sind zu verzeichnen 7 Kinder, 26 Enkel und 2 Urenkel. rsaß-Lottzringen. Straßburg. Kürzlich wurde der wegen Unterschlagung von Dienstgeldern steckbrieflich verfolgte Oberleutnant Schönenberg vom 15. Trainbataillon in Brüssel verhaftet. Das hier garnisonirende - Infanterieregiment No. 138 wird nach Dieuze verlegt werden. C o l m a r. Eine gepfefferte" Strafe verhängte die Strafkammer über die 27jährige Schneiderin Hiß, die schon wiederholt mit Gefängniß und Zuchthaus Bekanntschaft gemacht hat und erst unlängst hier wegen einer ganzen Reihe von raffinirten Ladendiebstählen zu drei Jahren Zuchthaus verurtheilt wurde. I l l z a ch. Der 20jährige Bäckergeselle Huhn aus Mülhausen schoß mit einem Flobert nach Spatzen; als eine Patron versagte, bemühte er sich, sie aus dem Laufe zu entfernen; er richtete den Lauf gegen sich und hantirte an dem Schloß herum; plötzlich ging der Schuß los, und die Kugel drang dem unglücklichen Menschen mitten ins Herz: er war sofort todt. Metz. Letztens wurde der 39 Jahre alte Anstreichergehilfe Leo Adam unter lvm Verdacht verhaftet, den Raubmord an dem Fräulein Colas in Pont-il Mousson verübt zu haben. Münster. Der hier verstorbene ledige Rentner E. Steinbrenner setzte seine langjährige Dienstmagd zur Universalerbin seines auf 300,000 Mark geschätzten Vermögens ein. Die leiblichen Verwandten Steinbrenners gingen leer aus. Meckrenburg. G n o i e n. Der Kaufmann Karl Langberg beging in voller Rüstigkeit sein fünfzigjähriges Bürgerjubiläum. Dem Jubilar wurden von der hiesigen Stadtkapelle und von dem Gesangverem Frohsinn", dessen Mitglied der Jubilar schon viele Jahre ist, ein Standchen gebracht.' Von Seiten des Magistrats brachte Senator Hoffmann Glückwünsche. - ü l z o iv. Das frühere Erbpächter, jetzt Rentner. Woltersche Ehepaar feierte das Fest seiner goldenen Hochzeit. Der Großherzog erfreute das Ju belpaar durch Zusendung eines huld vollen Glückwunschschreibens und seines Bildnisses tm Rahmen, Lübthen. Auf dem hiesigen Friedrich-Franz - Werke ereignete sich letztens ein Unglückssall. Der Maurer Lammert aus GrebS bei Niendorf stürzte bei dem Fabrikbau ab, schlug mit dem Kopfe auf einen eisernen Traaer und war auf der Stelle todt. Lam mert war 20 Zaire alt. Ferner ttx unglücktk ans Mn .tf:yzt ZZnli t:i Arbeit:? Oauu cus Uv L
dow, welcher unten lm Schächte bei dem Ausbau desselben beschäftigt war. In einem Augenblick, als die Klappe, die die Cchachtölfnunz schließt, gerade geöffnet war, fiel der Hammer eines Zimmermanns in den Schacht. Der fchwere Hammer traf, trotzdem die Wucht des Schlages durch mehrmaliaes Aufschlaaen des Hammers bedeutend verringert war, den Dauck so unglücklich in der Schläfengegend, dah
er Verunglückte bewußtlos zusammensturzte und eine schwere Verletzung am Kopse erlitt. Er mußte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben. Dauck hatte sich erst kurzlich verheirathet. N e u st r e l i tz. Den Tag ihrer aou denen Hochzeit konnten der Aufseher der Orangerie, Müller, nebst Frau begehen. Der Großherzog und die Groß-, Herzogin ließen durch den Oberhofmarschall Frhrn. v. Maltzan, Ezcell.. ihre Gjückwünsche aussprechen ', und ein Geldgeschenk überreichen. - S t a r g a r d. Dieser Tage beging der hiesige Männer. -Gesangverein Concordia" im Deutschen Hausesein 60jährigeö Stiftungsfest durch Vokal- und Instrumental Concert und Auffuhrung des Lrederspiels .Die Zillerthaler". Dem Concert folgte ein Tanzkranzchen. Hldenvurg. Oldenburg. Die Rothe KreuzMedaille 3. Klasse wurde dem Regierungsbeamten Theodor CalmeyerSchmedes hierselbst und dem Major a. D. Kammerherrn und Generaladju tanten des hiesigen Hoftheaters Leo v. Radetzky verliehen. Brake. Der elnahrlge Sohn des Bäckers Buhrmann an der Schulstraße war mit mehreren anderen Jungen zum Spielen nach dem Pier gegangen. Der kleine Buhrmann glitt dabei auZ und fiel so unglücklich ins Getriebe. daß ihm der Hlnterlops gespalten und die Brust gequetscht wurde. Eis sie th. Dem Herrn Gerhard Brau, welcher ununterbrochen 25 Jahre im Geschäfte der Firma I. D. Borgstede hier thätig ist, wurden zu seinem Jubiläumstage von nah und fern Gluckwunsche dargebracht. Ireie Städte. Hamburg. Bor Kurzem begin gen. die Eheleute H. H. Lüthje und Frau, Freiligrathallee Hs. 7 II, den Tag ihrer goldenen Hochzeit. Der Jubilar diente 1848 bis 1851 in der ehemaligen schleswig holsteinischen Armee. Lüthje, der jetzt im 76. Lebenjähre steht, ist seit längerer Zeit arbeitsunfähig. ' Letztens entstand in der Cigarrenfabrik von L. Wolfs, Alte Gro'ninger Straße 26. Feuer. Zwei Züge der Feuerwehr traten in Thätigkeit und gaben aus acht Rohren Wasfer. Nach kurzer Zeit wurde das Feuer auf seinen Herd beschränkt. Der Feuer- und Wasserschaden ist. sehr bedeutend. Das Hauptlager der Fabrik wurde gerettet und nur theilweise vom Wasser beschädigt. Dieser Tage feierte Bauinspektor Witt sein 25iähriges Dienstjubiläum. Am 11.. Februar 1856 hier geboren, ist Witt. nach Be cndigung feiner Studien in Karlsruhe, seit dem Jahre 1879 beim IngenieursWesen der 1. Sektion der Baudeputation thätig. In einem Logishause der Neustadt erschoß sich der Schiffskoch Jeremias Ackermann. Die Leiche wurde ins Hafenkrankenhaus gebracht. Der Beweggrund zu der That ist nicht bekannt. ' :1 Bremen. Ein schwerer Automobilunfall hat sich auf der Chaussee von Lehe nach Waddewarden ereignet. Sechs junge Kaufleute, die bei großeren Bremerhavener Geschäften thätig sind, kamen von einem Ausflug zurück und gingen plaudernd in zwei Gruppen an der einen Seite der Chaussee entlang. Plötzlich bemerkten sie grellen Lichtschein von hinten und fast gleichzeitig wurde ihnen der etwa 30 Jahre alte Kontorist Hemmie durch einen vorbeisausendcn Kraftwagen von der Seite fortgerissen. Der Kraftwagen. der dem jungen. Albert Rickmers von der bekannten Bremerhavener Werftund Rhedereifirma gehört - und von ihm selbst geführt wurde, hielt 100 Meter weiter und nahm den Ueberfahrenen. der bereits verschieden war. nach Bremerhaven mit. L L b eck. Grokausmann Hehke, Seniorchef der Firma Lange & Knuth, ist im Alter von 79 Jahren'gestorben. Schweiz. Genf. Kürzlich ereignete sich in der Rue Blanche in einer Russenwohnung eine Explosion, durch die mehrere Russen verwundet wurden. Gerichtsbehörden begaben sich sofort an Ort und Stelle. Es fanden sich einige Explosivstoffe- vor, ferner eine kleine Sprengbombe, falsche Pässe und eine geheime Druckerei. Mehrere Zimmer der Wohnung waren mit Blut besprengt. Zwei Verletzte wurden dem Spital zugeführt. Dem einen muß wahrscheinlich die Hand amputirt werden. Man glaubt, daß mehrere Verwundete direkt ihre Behausung aufgesucht haben. Die Wohnung war seit längerer Zeit an ejnen gewissen Grünblatt vermZethet' lls die Polizei sofort eintraf, war nur eine Frauensperson da, welche behauptete, erst vor kurzkm angekommen zu sein. Montbarri. Eine Feuersbrunst, deren Ursache nicht ermittelt ist, hat das Landhaus La Marmoite des Schriftstellers Victor Tissot sammt einer bedeutenden Bibliothek und dickn Alterthümern zerstört. Nur einige C :r vz5 c:n Slavin wurden ret-i:t.
