Indiana Tribüne, Volume 29, Number 138, Indianapolis, Marion County, 3 February 1906 — Page 6
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Gebrechlichkeit. Riftft ist unangenehmer und ma?I) untauglichzr ali Aücken schmerzen und SöstVeh. Nichts erreicht die Leiden so ad ali St. Jakobs Jckannt auf der refften 23U ali tai T?e:st?r Heilmittel gegen Schmerzen. PmIj 25c and 50c. SeWlch . . . .und. ... haus - Ausstattungen. lia 141 Weft Washington Str. Beachten Sie unser chaufenster für Montags und Freitags . Spezialitäten. m ' Di.chmann K Grabhorn, .ftatttfsnlta ton fei, GchmZ'KäfteNi ijUJ Ladentische und Cigarren-Tisch,. m cn Zaldwaton trotze. Renn Itltvon 5537 Aerzre. Dr- Carl Q, Winter Demscher 'Arzt. Seändelt alle akute und chroniZä. rankhkitk. " speziell Ndeumatismus, Nectumund grauen Krankheiten. Gffice: 14 West Ghio Straße. Ofsice-Stunden : 1011 Vm. 3-4 Nm. EonntazZ : 9.3010.3 Vm. Tel. neu 43. Wohnung: 125OMaolfon Avenne Telephone : Alt, 202Z. Neu, 9232. Dr. Paul F. Martin, Vraktischer Arzt und Chirurg. Sprechstunden: n.oo 12.30 2.30 - 4.00 täglich. Sonntags : Auf Verabredung. Willoughby Gebäude, 221 Skord Meridi Straß,. Tel., Maln 4414. )r. J. A. Sutclifffc, Wundarzt, ZeschZechts-, Urin- unÄectnn Krankheiten. mtt : 155 OS Ttcnket Str. Tel. 942 C't9llt S.Tifl 10 Ult Sau; 81114 vtz. S-Ü,M-,MW 1 I 49 Etunde werde GonarrhSa Lud ukul?au unn VTganra durch Santal'NiBv kgthobe $1.00, li all DraggiNea da v. C Bor SOßU Um Dorf. tmt uftocquenutAttitRi. tirni
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Der erste Kuß.
Skizze von Emil Marriot. Die nieidliche, erst . zivcmzigjahrige Frau des Äezirksrichters hatte ein paar Damen zum Kaffee gebeten. Ein ganz kleiner Kreis war's: mit 'der jugettdlichen Hausfrau blotz vier Personen. Wer sie liebte solche kleine intime $t sellschaften. Da lernte man einander doch ein bißchen kennen, und der Hcmsftau war es möglich, sich um jeden einzelnen Gast zu kummern. Sie wollte, daß sich in ihrem Hause Jedertitonn behaglich und heimisch fühle. Wer soll denn heute wieder kominen?" hatte der Vezirksrichter vor dem Weggehen gefragt.- Er ging immer fort, wenn ein Kaffeekränzchen drohte. Ach, sehr nette Damen,- hatte seine junge ffrau erwidert. Fräulein Meyer. Fräulein Schulze und Fräuiin Behrmann." Alle Achtung!- (Es wurde mit tu er ironischen Verbeugung gesagt.) Keltere Damen hast Du nicht auftreiGen können?" Sie hatte sich ereifert. Wie magst Du bloß, so reden, Ernst! Es sind reizende Dainen!" Geschmacksache. Jedenfalls bist Du die inv'rae, die das Bedürfniß hat, diese alten Mädchen einzuladen." . Weil Ihr Provinzler engherzig und h!7chmüthiq seid. In diesem Nest hält man auf Nang und Stand, und man sondert sich in Kasten ab. Kleinstadtisch, mein Lieber, und gänzlich veraltet. Ich liebe jeden Menschen um seines persönlichen Werthes willen, und alles andere ist mir egal. Ich bin eben eine Grsßstädterin, eine Wienerin." Ich neige mich vor Deiner groß städtischen Überlegenheit, mein. Herz. Was aber kannst Du an (diesen Damen lieben? Das mochte ich wissen." - .Sie sind so vereinsamt!" Ein Beweis mehr, daß Niemand sie mag." gewähre, Ernst. Das trifft nicht immer zu." Na. Fräulem Meyer zum Bnspl. Die ist doch wirklich unausstehlich. Ein Neutrum. Weder Mann noch Frau. Ich kann so enragirte Frauenrechtlerinnen nicht leiden." Und mich amüsiren sie." Na t Aber weiter. Fräulein Schulze. Die gehört überhaupt in keine guie Gesellschaft. Ihr Ruf .ist miserabel!" Aber. Ernst! Ein Dame von sechzig Jahren! Und wer 'weiß denn etwas Schlimmes von ihr? Niemand in dem Nest. Aber sie war einmal Schauspielerin. Das genügt. Nämlich unseren Provinzlern. Schone Schweden wn davon. Gegen die dritte im Wunde habe ich nichts einzuwenden. Sie ist fein und still. Aber bodenlos langweilig." Für Dich. Ernst. Nicht sür mich. Mir ist Fräulein Behrmann interessant.' Ich liebe diesen TypuS. Alle drei interessiren mich Jede in ihrer Arr." Na, gute Unterhaltung denn, Aga ths. Ich gehe und kehre erst wieder. wenn die Luft rein ist." Damit hatte er sich getrollt. Die Zunge Frau lUi hatte den Tisch im Speisezimmer zierlich gedeckt und dann auf ihre Gäste gewartet. Sie waren pünktlich erschienen. Zuerst das stille und feine alte Fräulein Behrmann. als zweite, athemlos undrh'cht, das klpulente Fräulein Schulze und zum Schluß, ein ganz klein wenig später, das dürre Fräulein Meyer. Sie wäre in der Schule aufgehalten worden, sagte sie. Fräulein Meyer unterrichtete an der städtischen Mädchenschule und galt als tüchtige Lehrerin, war iber nicht beliebt. Man fürchtete ibre scharfe Zunge. Die beiden anderen Damen lebten, still und befcheiden, von ihren Renten. Die Unterhaltung beim Kaffee war animirt gewefen. Nur waren Fräulein Meyer und Fräulein Schulze einmal hart aneinander gerathen. Die Lehrerin hatte die Männer angegriffen, die gewesene Schauspielerin sie i f m. a t m. t venyelölgt. "Als Die Moaue unerquicklich zu werden drohte, hatte die junge Hausfrau schnell eingegriffen und dem Gespräch durch ein Scherzwort eine andere Wendung gegeben. Jetzt saß man im Salon und war wieder friedlich. Die Damen Schulze und Meyer rauchten Eigaretten.. Fräulein Behrmann that dabei nicht mit. Sie hätte es nie versucht, sagte sie aus eine Aufforderung der lungen Hausfrau. Fräulein Schulze, dick bis zur Unförmlichkeit. geschnürt, geschminkt und färbt, fühlte sich ungemein wohl. Fräulein Meyer hingegen sah wie im mer geärgert und verdrossen aus. Dafür konnte sie aber nicht. Sie hatte einen Ausdruck im Gesicht, der den Glauben erwecken mußte, daß ihr unbehaglich zumuthe sei. Und dieser Ausdruck verlor sich auch nicht, wenn sie lächelte. Ihr Lächeln hatte etwas Säuerliches. Sie war überhaupt wie m Essig getaucht. Auch ihre Stimme klang scharf. Man meinte immer,. sie streite mit Jemand, wenn man sie reden horte. Hager und starkknochig, sah sie wie ein verkleideter Mann aus! Trug sich auch halb männlich: kurzes Haar , erne . weite Jacke, ein steifer HeMkragen. - Alles glatt. Die ganze Gestalt wie eine Lm. Sre war m rhrer Erscheinung wirklich ein Neu truin. . Sie und Fräulein Schulze führten 4 . C. tYY .X "rV ? . groc iujorx. junge Haus frau warf hin und wieder eine Bemerkuna tn idas Gespracü. ffraulem
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Frauen leiden Qualen durch Schmerzen, von denen Männer keinen Begriff
ist der schreckliche niederdrückende oder ziehende Schmerz der bei manchen Frauen so ost eine Begleiterscheinung der monatlichen Perioden ist und bei anderen von Monat zu Monat, Woche zu Woche, Tag zu Tag andauert, bis selbst der Tod als Erleichterung willkommen sein würde. Was bedeutet das ? Es bedeutet möglicherweise,' daß Ihre Gebarmutter sich verrückt, umgekehrt, verdreht oder gesenkt hat in Folge einer gewissen Schwache.
jener Muskelfasern, welche
Sie keine Zeit verlieren müssen, sondern zur Erleichterung und Eur die eine Medizin
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Myrmann schwleg zumeist, vorle aber mit diskret interessirter Aufmerksam kett zu. Sie hatte ein femes, schmales Gesicht. Einen Leidenszug um den dünnen Mund. Ernste, gütige Augen. Man sah sie gern an. Und irgendwo war schon Jedermann einer Erscheinung begegnet, .die dem anspruchslosen alten Fräulein auf ein Ha.ar geglichen hatt,. Der Typus stirbt zwar allmählich auS, aber man findet ihn noch hier und da unter lden einsamen alten Damen Ein rührender TypuS. Diese alten Damen leben grwöhnlich von schmalen Nentn, izxn Menschenalter lang ha ben sie gearbeitet: für sich uitd mehr noch für andere. Haben aespart. oft gedarbt und sich alles versagt, l Sind niemals Jemand zur Last gefallen und haben bei aller Armuth rmmer noch anderen geholfen. An Krankenbetten kennt man sie und in den Kinlderstuben. Sie haben niemals eigene Kinder und stets nne kleine Schaar von Nichten und Neffen. Sie führen gewissermaßen kern eigenes Leben, und ihrem personlichen Schicksal fragt man wenig nach. Ihre Aufgabe ist, für anvere zu leben, mtt anderen zu leiden und sich zu freuen. Und so gleiten sie durch die Welt! Lautlos, emsig, liebevoll, anspruchslos, nützlich, ja oft unentoeyrllch und doch nicht, sonderlich geschätzt. Eben bloß gebraucht. Und wenn man sie Nicht mehr braucht, laßt man ste gewöhnlich allein S find unaemein bescheiden und dankbar für den gerinafügiastenDienst. Ihre Stimme klingt sanft und leise; und ste treten leise auf. Man bemerkt ste kaum. Und sie wollen auch nicht bemerkt werden. Noch mit weißem Haar und Runzeln im Gesicht haftet chryn Wesen etwas Scheues, Unsicheres, Unberührtes, etwas Mädchenhaftes an, Zu dieser rührenden ??rauensorte aehörte tos alte Fräulein Behrmann. und die zunge Frau Agathe hatte die Empfindung, als ob sie dieses gedrechliche, schüchterne, weltfremd aebliebene Wesen schützen und hätscheln müsse. Sie kam ihr so schutzlos vor und so arm. Verwöhnt hat sie gewiß rn ihrem ganzen Leben kein einziger Mensch," dachte sie, rückte noch an Fräulein Behrmann heran und ergriff ihre schmale Hand. Das alte Fräulein warf einen überraschten Blick auf sie, erröthete und lächelte ihr zu; zaghaft und beglückt zugleich Wie war diese junge Frau schön,'hold und gut! Solcher Unsinn!" rief in diesem Augenblick Fräulein MeyerS scharf klingende Stimme. ' Fräulein Behrmann zuckte bei dem schrillen Laut leicht zusammen. . Gar kein Unsinn!" protestirte die aewesene Schauspielerin Hochrotb im Gesicht. - Bei Ihnen ist alles gleich Unsinn und nur, was Sie selbst sagen, klug!" Ruhe, weine Damen!" bat Frau Agath?. Um was handelt es stch denn?" Fräulein Meyer hob bloß die Schultern in die Höhe und machte eine wegwerfende Handbewegung. Fräulein Schulze aber antwortete: Ich habe ste gefragt, wann und wem sie den ersten Kuß gegeben -hat. Warum soll man nicht auch einmal von solchen Dingen reden? Man kann doch nicht ewig cm der Frauenfrage kleben bleiben !" Ganz richtig," stimmte Frau Agathe belustigt bei. Sprechen wir von Fräulein Meyers erstem Kuß. Sas ist ja interessant!" Finden Sie?" ntgegnete diese gereizt. Und dar ich erfahren,- we& halb?Nun, weil jeder erste Kuß etwa! Interessantes ist. Ich will Ihnen einen Vorschlag machen, meine Damen." Und die junge Frau ließ Fräulein Behnnanns Hand nach einem leisen, letzten Druck fahren und stand aus. Jede soll erzählen, wem. ihr erster Kuß gegolten. Eine nach der anderen. Sind Sie dalnit einverstanden?" Ja!" rief die alte Schauspielerin jubelnd und .klatschte in die Hände, raulein Meöer schnitt ein noch grtm
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dazu dienen sollen, dieselbe ist uud Sie kurirt wie sie
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Vertrauen und theilen 0 migereS Gestcht, und das feine, alte Fräulein Behrmann wurde roth wie ein Backfisch. Fangen Sie denn an, Fräulein Schulze," sagte Frau Agathe heiter und fetzte sich wieder. Das dicke, alte Fräulein räusperte sich nachdrücklich. Dann begann sie mit jenem falschen Pathos, wie er in früherer Zeit auf der Bühne üblich gewesen, ihren Bericht. Der erste Kuß, meine verehrten Damen. Ein Ereigniß im Leben eines jungen Mädchens. -Es versteht stch, daß ich vom ersten bedeutungsvollen Kuß reide. Denn 'die Küsse, die man etwa einem Vetter gegeben hat oder bei etnem Pfänderspiel einem gleichgültigen Menschen kommen naturlich nicht in Betracht. Also mein ersie? bedeutungsvoller Kuß." Sie erhob stch und streckte den rechten Arm vor. Ich weiß es noch so genau, als wenn es erst gestern gewesen wäre. Nach einer Probe war's. Ich zählte kaum sechzehn Jahre, spielte aber schon die größten Rollen." (Daß es auf einer erbärmlichm Schmiere gewesen, verschwieg sie.) Wir hatten eben eine Liebesszene gespielt. Romeo und Julia. Er war 'der Romeo, ich die- Ju-lia.-Und wir liebten uns. Er war erst achtzehn Jahre alt. Zwei Kinder, er und ich. Besonders er. So vnschuldig war er noch und so dumm " Sie hielt, in selige Erinnerungen verkoren, lächelnd inne, Wohl auch, weil ihr der Athem ausging. Sie war zu fest geschnürt, um anders als in Absitzen sprechen zu können. Ich imponirte ihm gewaltig," fuhr sie nach einer kleinen Pause fort. Kaum, daß er mir die Hand zu drücken wagte. Und diese Schüchternheit hat mich eigentlich verdrossen. Ich war eine zärtliche Natur " Neue Pause. Also damals nach der Probe. Er begleitete mich nach Hause. Im Thorweg stand er still und nahm Abschied von mir. Und wieder nichts. ' Kein Händsdruck, kein Liebeöwort. Da nß mir die Geduld. Ich packte ihn einfach beim Kopf, bei seinem süßen, schwarzen Lockenkopf und küßte ihn energisch mitten auf den Mund. Und ldas, meine Damen, war mein erster 5kuß." Sie machte eine Verbeugung urid fetzte sich feierlich auf ihren Fauieuil. Es war wie der Abgang" einer Schauspielerin nach einer effektvollen Szene. Sehr hübsch!" bemerkte Frau Agathe. Fräulein Meyer aber sagte in höhnischem Ztmt: Der erste, hoch nicht der letzte, wie ich vermuthe.". Gewiß nicht," entgegnete Fräulein Schulze und sah sie herausfordernd an. Ich habe ihn, Gott sei Dank, noch oft aeküßt und er mich. Lassen Sie mich in Frieden. Kraulern Mever. 5br Hohn imponirt mir gar nicht. Alle Mädchen küssen gern." . Jetzt müssen'Sie berichten!" beeilte die junge Hausfrau sich zu sagen. S wollte einem möglichen neuen Streit zwischen den beiden beizeiten vorbeugen. Wir sind schon cus's Höchste gespannt. Fräulein Meyer." Die Lehrerin zündete sich eine Cigarette an. ' Sie . werden enttäuscht sein, gnädige Frau. Ich war nie für Küssen und für die Männer eingenommen." Diese Abneigung dürfte aus Gzen seitigkeit beruht haben," dachte die junge Frau, indem sie das reizlose Neutrum" fast mitleidig betrachtete. Ein Kuß von der muß eme fatale Aehnlichleit mit einem Biß oder einem Stich besitzen." Ich weiß wirklich kaum. noch, wann und fA meinen ersten Kuß reaeben babe " subr Fräulein Mever Iww w i i . ' W t verächtlich fort. Diese Mmmyeuen baden eben ans nrrck keinen st starken Eindruck gemacht wie auf Fräulew xyuize. Aber wenn tch mich recht em iinne. sa nva nA rimr ttraiienver sammlung. Das heißi: es waren auch Manner da. Aber um die Rechte der ffrau bat eS.silü damals aebandelt Ein bartloser junger Mensch hatte eine kluge Rede gehalten. Ganz in meinem Shra. Für die Frau. Und. alS die
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gerade und in Stellung zu
schon eine Million von anderen glücklichen, erfreuten' .
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Versammlung aus war, sprach ich mit ihm. Wir verstanden uns ausgezeichnet. Und zum Schluß küßten wir uns, wie mir scheint Es war ein kameradschaftlicher Kuß, kein Liebeskuß, natürlich Wie eben Gesinnungsgenossen nach heißem, verständnißvollem Gespräch stch küssen. Liebesküsse haben mich nie interessirt. Wenn ich Sie enttäuscht habe, bitte ich um Verzeihung," schloß sie kalt und streifte die Asche von ihrer Cigarette. Daß sie den bartlosen jungen Menschen, den Gesinnungsgenossen und Frauenanwalt, mit echter Weibesliebe geliebt, und daß er ihr eine andere vorgezogen behielt sie für sich. Won solchen . Dingen redet man nicht gern. Und am allerwenigsten, wenn man eine wüthende Frauenrechtlerin ist.Nein,' 4vir sind durchaus nicht enttäuscht," sagte die junge Hausfrau zu ihr. 'Dieser Kuß ist charakteristisch und schon deshalb interessant. Ein Seelenkuß, wie er für Sie paßt, Fräulein Meyer " Sie wendete sich dem stillen Fräulein Behrmann zu: Jetzt kommen Sie an die Reihe, liebes Fräulein. Dürfen wir Sie bitten, das Wort zu ergreifen?" Ich lasse Ihnen gern den Vortritt, liebe gnädige Frau," erwiderte das alte Fräulein mit ängstlicher Abwehr. Es schien, als wenn sie Zeit und Auffchub gewinnen wollte. Agathe, faßte es wenigstens so auf und sagte lachend: iJch aber werde Sie gewiß enttäuschen, meine Damen. Won Vettern und Jugendgespielen habe ich mich nie küssen lassen. Ich war ein wenig herb und mit siebzehn Jahren wurde ich schon Braut. Meinen ersten Kuß hat mein Mann gekriegt. Als wir uns verlobten. Und .darauf ist er nicht wenig stolz. Und ich beklage mich auch nicht darüber. Aber interessant ist es nicht. Das gebe ich gern zu." Die anderen jedoch fanden es ganz reizend und rührend. Namentlich die alte Schauspielerin war entzückt, und Fräulein Behrmann drückte der sungen Frau mit Innigkeit die Hand. Und Sie, Fräulein Behrmann?" fragte das dicke Fräulein Schulze. Wollen Sie nicht auch eine kleine Beichte ablegen?" ' Fräulein Behrmann wurde unruhig. Ich habe immer so zurückgezogen gelebt," versetzte sie ausweichend. Vettern und Jugendfreunde hatte ich nicht, und Pfänderfpiele kenne ich bloß vom Hörensagen. Ich weiß wirklich nicht, was ich Ihnen erzählen soll. AlleS, was ich erlebt habe, ist völlig uninteressant." Das Thema schien ihr peinlich zu sein. Frau Agathe kam ihr denn schnell zu Hilfe und fegte abbrechend: Ein andermal vielleicht, Fräulein Behrmann. ES muß ja nicht gerade heute fein." Das alte Fräulein blickte fit dankbar an. Aver ne lay eine geraume Weile still und versonnen da. Ihr ganzes Leben zog an thr vorüber. Arbeit, Entbehren, Kummer aller Art. Kein persönliches Glück, fast kein persönliches Leid. Immer von anderen in Anspruch genommen, von anderen in beren Leiden und Freuden hineingezogen. Dabei schüchtern, zag hast, ohne jedes Selbstvertrauen. Eine arme Trauerblume, die im Verborgenen blüht und verblüht. Sie konnte den Damen hier doch nicht bekennen, daß sie in ihrem ganM langen Leben kein einziges Mal aeküßt hatte. Sie Hätte sich geschämt, solches Geständniß ablegen zu müssen. Vielleicht hätten sie ihr nicht einmal geglaubt. Es klang ja auch so unwahrfcheinlich. Eine Frau, die ihr Leben lanL keinen einzigen Kuß empfangen und gespendet hatte! . Aber eö gibt solche Frauen Vorgebeugt. Bekannter: Gnädige Frau ließen sich von hrem Manne scheiden?: Dame: Jawohl. jetzt bin ich wieder frei." Bekannter: Es lebe die Freiheit!" ' Tau, srimier: ie find foX&nl ! digt, Ihre Frau dreimal mit einer , nm ' r r l m uuüiji aus oen ttops geschlagen zu ha ben!" Angeklagter: Ja, das war doch aber vch Schlagwurst!"
Ich litt an niederziehenden Schmerzen und Borfall der Gciär Mutter, "schreibt Iran Ina BayleS von Sherwood, Tenn. Meine Gesundheit war sehr angegriffen und ick konnte kaum meine Arbeit verricktcn. Cardui kurirte mich."
haben. Eines dieser Leiden halten. Es bedeutet, daß. nehmen, welche mit GeDer statten i Minilleü ! Eine merkwürdige Redensart Am Hungertuch nagen" ist zwar eine allbekannte und sehr gebräuchliche Redensart, die so viel bedeutet wie höchst jämmerlich leben" und am Nothwendigsten Mangel leiden", aber nur Wenige kennen den Ursprung ihrer bildlichen Bedeutung. Unter einem Hungertuche ist zunächst eines jener schwarzen Tücher zu verstehen, mtt denen man' zur Fastenzeit in katholischen Kirchen den Altar zu verhängen pflegt, um dessen Ornamente zu verhüllen und damit die in dieser Zeit übliche Enthaltung von allem Fleische anzudeuten. Dieser Brauch kam im Mittelalter auf. Sodann aber wurden besondere Hungertücher auch zur Erinnerung an große Hungersnöthe gestiftet. Ein solches Hungertuch, das lm - Jahre 1472 vom Gewürzkrämer Jakob Gürtler der St. Johanneskirche in Zittau gestiftet worden, war längere Zeit im Museum des Sächsischen Alterthumsvereins in Dresden auZge stellt, bis es 1875 dem städtischen Museum in Zittau überlassen wurde, wo es stdj noch jetzt befindet, vorläufig aber noch wohl verpackt und für Niemand sichtbar, bis dereinst das geplante Zittauer Museum fertig ist, das hoffentlich einen genügend großen ( Raum gewahren wird,' um es aushan- ' gen zu können. . Denn dieses Hungertuch, welches in Sachsen das einzige der Nachwelt erhaltene sein dürfte, ist 90 Quadratellen groß. In zehn Reihen sind auf der geleimten, oben und unten an Stangen befestigten Leinwand 90 Felder eingetheilt, auf die mit Wasserfarben ebenso viele Bilder aus der biblischen Geschichte gemalt sind. Alle Personen, selbst Adam und Eva, sind in der Tracht der Zeit des j .Stifters dargestellt dieser selbst ebenfalls, wie er vor seinem Sewürzkram steht. Unter jedem Bilde befindet sich ein erklärender Vers, wie z. V.: Hie schafft Himmel und Erde Gott, danach t er die vier Elemente gemacht hat," ! oder: Allda scheidet er den Tag und ' die Nacht, Sonn und Mond danach macht." Auf solche schlechten Reime Wird wahrscheinlich dieRedensart: ES reimpt (reimt) sich eben wie der Teufel und unser Herrgott am Hungertuch" zurückzuführen sein. Theorie und Praxis. Es giebt immer noch junge Frauen, die ihren Beruf mit dem heiligen Ernst auffassen, daß es ihre erste, lie-, benswürUgste und vornehmste Aufgäbe sei, ihren Mann glücklich zu ma.chen. Als Fräulein Schäfer Herrn Knobelbecher heirathete, hatte sie bereits einen Hochschul - Kursus durchgemacht. Sie sagte sich aber, daß ein latter Mann ein zufriedener Mann ist und daß folglich ein Ehegatte erst recht gut gefüttert werden sollte. Folglich nahm sie noch einen weiteren Kursus in der Kochschule. Für dieses Institut war daö fo ungewöhnlich, daß die Leiter einsahen, sie müßten für Frau Knobelbecher etwas Besonderes thun. Sie gaben ihr folglich ein auf schweres Pergament geschriebenes Diplom, in welchem sie als perfekte und selbst für die theuersten Restaurants brauchbare Köchin bezeichnet wurde. Zur Feier dieses freudigen Ereignisses kochte -Frau Knobelbechez geb. Schäfer ihrem Herzallerliebsten eine Hühnerleber - Omelette. Mährend er daran herum schnitt und herum stach, setzte sich die Frau auf seinen Schooß, erzählte ihm von ihrem Erfolge und dem Diplom auf theurem Pergament. Und schmeckt's? Und' merkst Du, t?as ich Dir gebacken habe?" Vielleicht - das' Diplom?' fragte der Gatte, und-volle acht Tage lang lag der Ehehimmel unter schwe ren-Wolken verborgen. Internationaler Con s u m. Der Herr dort in der Ecke muß sehr' international sein?" Warum?" Nun,' erst trank er französischen Rothwein, dann schwedischen Punsch und jetzt dänischen Korn!"
