Indiana Tribüne, Volume 29, Number 137, Indianapolis, Marion County, 2 February 1906 — Page 7
Indlana Tribüne, 2. Februar is6.
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k Im HcrmihlNis vun Luckmuhlcn l Q o man i Marie Dicrs YYYYTT7VYYYYVYYYYVTT77Y (Fortsetzung.) - Ula) beut Begräbniß ritt er tagelang in Regen und Schlamm auf den Feldern umher. Dann kam er -nach Haus; ohne wie er es gewohnt war, die Kleidung zu wechseln, ging er mit den hohen, schmutzbespritztin Reitstiesein in'Z Kinderzimmer. Hier blieb tt stehen und sah finster auf die mutterlose kleine Heerde. Sie waren alle verstummt und sahen ihn bang und furchtsam an. Die Erzieherin von Anna-Veate und Jürgen, die bisher am Fenster gesessen hatte, stond jetzt auf und kam heran. Sie war ein hübsches, junges Ding, tüchti? in ihrem Fach und voller Hingäbe für dieses Haus. Auch ste war in tiefe Trauer gekleidet. Ihre Augen standen voller Thränen. Herr von Pontow," sagte ste leise und warm, vertrauen Sie mir! Ich will mich mit allen Kcäften und meinem ganzen Herzen bemühen, den Kindern die Mutter zu ersetzen." Das war ein böses Wort!. Herr von Pontow wurde blaß und in nächster Minute jählings roth. Das kann keiner!" fuhr er auf. Weder Sie noch sonst ein Mensch. Und es soll es auch keiner! Die Kinder stnd mutterlos und sollen es bleiben! Und sollen es wissen und ewig wissen, daß sie es stnd. Nur kein Surrogat, Fräulein! Lassen Sie mir die Hand davon. Von heute an kommen mir nur noch männliche Erzieher in's Haus, denn für diese Kinder gab es nur eine Frau auf der Welt, und die ist todt!" Das letzte Wort hatte einen Klang von Rohheit. So wuthvoll, so unbändig. so verzweifelter Erbitterung voll schrie sein Schmerz aus ihm. Da!! Fräulein war zurückgewichen, ihre stammelnde Entgegnung, daß er sie initzverstebe. hörte er nicht mehr. Er setzte seinen Willen durch, trotzdem Freunde und Bekannte ihm zuzureden versuchten. Seine eigene Schwe ster, die Negierungsräthm Chlodwig aus der Residenz, schrieb ihm bogenlange Briefe, stellte ihm eindringlich vor, daß er sich an der Entwicklung, der Zukunft seiner Töchter versündige, wenn er ihnen eine so vom Herkommen abweichende Erziehung gebe. Er las die Briefe kaum, beantwortete ste nie. Pädagogische Erwägungen lagen ihm weltenfern, der Aufwand von Eefühlserregungen, den andre um diese Angelegenheit machten, erschien ihm beinahe lächerlich. Er wollte nur das eine:, kein Frauengestcht in der Kinderstube sehen. Nicht den verhaßten Anblick erdulden, daß die Arme seiner Kinde? stch um einen fremden Frauennacken schlängen, daß ein leichte? Tritt in diesen Räumen erklänge daß schließlich alles wieder in's Geleise käme. Ja: er warf alle Scherben seines zerschlagenen Lebens, alles, was wieder leise als friedliches Hausglück aufblühen wollte, der Todten in die Grube nach. Das Fräulein mußte das HauS verlassen. Der junge Philologe, der bisher ErichZ Unterricht geleitet hatte, erhielt jetzt auch Anna-Veate. Für Jürgen ward ein Elementarlehrer genommen, und die kleine Ruth blieb, kaum sechsjährig, ohne jegliche Bewachung. Wenn der Seminarist stch ihrer annahm, außerhalb der Stunden, die Jürgens Unterricht freiließ, mit ihr und dem kleinen Bruder Spaziergänge machte oder in der Dämmerung ihnen Geschichtchen erzählte, so war das fein freier Wille. Es verlangte dies niemand von ihm und dankte ihm auch niemand. . Nur das Dienstmädchen, das die Wäsche der beiden Jüngsten zu besorgen, ihnen ihr Essen anzurichten hatte und für ihre körperliche Sauberkeit verantwortlich war, stellte das einzige weibliche Wesen vor, das mit ihnen in nähere Beziehung trat. Was Götz von Pontow in , wilder Schmerzenswuth gewollt hatte, war ihm allzu gutgelungen. Leonorens Verlust blieb unersetzlich. Ja, er ward zum Unglück für dieses Haus.'. Wenn befreundete Besucher kamen und die vier' Kinder sahen, wurden ihnen oft die Augen naß. Aus. ihren ganzen Erscheinungen sprach die Hilflostgkeit. die mutterlose Verlassenheit.. Hsrr von Pontow,wenn oas Ihre Frau sehen könnte!" rief einer der Freunde schmerzlich aus. Um ihret willen müßten Sie den armen Kindern mehr Liebe und Wärme geben!" . Er war taub bei solchen Reden. Woher die Liebe nehmen, die man ihm in den Sarg eingehämmert hatte? . Ich wundere mich nur." zürnte eine benachbarte Baronin, daß er sein Kinder nicht auch erschossen hat wie daö Reitpferd! Ein so maßws selbstsüchtiger Gram ist mir in meinem Leben noch nicht begegnet." Mochten sie alle, 'die ihn verurtheikten, recht haben er hatte das Recht. Kein Richter auf Erden konnte ihm einen andern Weg aufzwingen als den, der er stch erwählt chatte. Wenn ihmmanchmal. Zn ganz stillen Stunden die Erkennwik kam:
Leonore würde dies auch mißbilligen, sie würde sagen und er vertiefte stch darin, den Klang der Stimme, die Worte sich zu vergegenwärtigen dann
stieß er trotzig und wild alles vvn stch. Warum bist Du todt?" zürnte er mit ihr. - ' Die Lebende hatte die Fühlfäden seiner Seele in Händen halten können d:e Todte nicht mehr. Hier war Leonorens Macht zu Ende. Ihr Wesen und Wollen verlosch ihm mit ihrem Leben. Seine Phantasie, sein eigener Wille führte nicht das Werk ihres Lebens fort. Auch an dieser Stelle ewig unersetzlich. Jahre gingen vorüber und die Kinder wuchsen heran. Die einzelnen EntWicklungen dieser jungen Seelen gingen dem Vater verloren, der hatte nicht die Fähigkeit, dem mit offenen Augen zuzuschauen.. Er sah immer nur vor sich, was der Tag bot, und was sich vom gestrigen Tag- nicht allzusehr abhob. Daß Erich gut lernte und ein zuverlässtgkr, geradstnniger Junge war. erzählte ihm hin und wieder der Kandidat.' Daß Jürgen schlechter als schlecht lernte, me ume Ausgaaoen regelrecht und sauber ausführte, jeden Tadel von stch ablaufen ließ wie der Hühnerhund das Wasser, und allzeit zu ungezogenen Widerreden bereit war das aber verschwic.z ötr Seminarist. Denn Herr von Pontow war kein Prinzipal, mit dem sich möglicherweise so etwas gut verhandeln ließ. Man konnte ja nie wissen, wie solche Eröffnungen aufgenommen .wurden. Da fraß der junge Mann lieber den taglichen Aerger in sich hinein und log sich vor seinem pädagogischen Gewissen l?on einer Stunde zur andern durch. Es war ein Elend mit dem Vengel, man mochte es angreifen, wie man wollte, er hatte Interesse für nichts. was den Unterricht betraf. Wenn Herr Möller ihm von Alexander dem Großen erzählte, saß er mit aufgerissenen Auaen da und dachte an Alerander Papas braunen Reithengst, auf dem einmal ach nur einmal zu reiten der Traum seiner Tage und Nächte war. Ihm waren immer nur die Arbeitsgäule auf d:m Gutshof zugänglich. Daß Anna-Beate ein blasses, stilles Dingelchen war, immer das that, was man von ihr verlangte, und stets darauf bedacht, für andre: den Papa, den Lehrer, die-Geschwister zu sorgen, das hatte stch so in das tägliche Dasein eingelebt, daß es zur Selbstverständlichkeit geworden war. Herr von Pontow dachte darüber ebensowenig nach, wie er über die Luft nachdachte, die er einathmete. Der Begriff Anna-Veate verband stch gleichzeitig mit dem Begriff des sanften Hausgeistchcns, das nur für andere schaffen durfte und nicht für stch selbst da war. Ein . ganz andres Menschengebilde aber war die kleine Ruth. Da, wo Anna-Veate. auch vor Fremden, stets unbeachtet durchgeschlüpft war, zog sie von erstem Anfang an alle Blicke auf stch. Sie war von einer kraftvollen, gesunden Schönheit, ihre mattweiße Haut war sanft durchleuchtet,' die großen. grauen Augen hatten Feuer und einen stets wechselnden Ausdruck. Ungemein lieblich fiel das röthlich-braune Haar dem SVmb in die schimmernde Stirn und in den Nacken. In' jeder Bewegung laa federnde Krakt -' Mütterhand' hätte das Kind wohl anders geleitet, als es jetzt von verhätschelnden Fremden, von einem unfertigen langen Seminaristen, von Geschwiste'.n, die in ihr nur das Nestkü'ken. Muüer. Kleinstes,, sahen, ge-. schah. Wäre nicht Jürgen gewesen, der dickköpfige. blonde Bube, der keine Gefühlsrücksichten kannte und mit dem es manchmal Tatzen gab Prinzeßchen Ruth wäre wie ein leibhaftiges Engelchen auf Wolken über die Jahre ihrer Kindheit dahingeschifst. Allerdings wer die Kosten jedes Zanks unweigerlich trug, war Jürgen, das fchwarze Schaf der Familie. Er nahm die Rolle des schwarzen Schafs auch mit leidlichem Gleichmuth hin und machte keine allzu großen Anstrengungen, je seine Schuldlosigkeit zu bcweisen. . Eines sonnigen Junivormittags sah Herr von Pontow Ruth an der Einfahrt mit einem seiner jungen JagdHunde herumtollen. Daß es sein JagdHund war, dem er das Spielen verboten hatte, zog zuerst seine Aufmerksamkeit auf die Gruppe. Er polterte einen Fluch und stieß das Fenster auf. Ueber den weiten Platz schrillte sein Psiff. Der, Hund stutzte,' dann jagte er in langen Sätzen heran. Doch plötzlich schien ihm das Bewußtsein seines Vergehens zu kommen. Er begann zu winseln, und mit eingeklemmtem Schwanz kroch er zur Erde, ein ausdrucksvolles Bild von hündischer Angst. Aber da stand schon Ruth neben ihm. Ihre Augen blitzten vor Muth. Papa! Du sollst ihm nichts thun! Ich hab' ihn gerufen. Es war so schrecklich langweilig! Alle . andern haben Schule!" - . Er sah auf das kleine, lebensvolle Ding nieder. Ja, warum hast Du denn keine Schule?" Ich? Ach, Papa. Herr Möller wollte mir ja welche geben,- aber da mußte ich so über ihn lachen. Er . ist so schrecklich komisch. Papa! Ehe er redet, macht er schon immer den Mund weit auf so .und da wollte ich ihm den' Fderhalter 'reinpieken. Da
wurde er aber böse, Papa! Und 'da hat er mich eggejagt." So," sazte Herr von Pontow und warf das Fester zu. Nein, zum Donnerwetter, das geht doch aber nicht! Das Ding muß doch etwas lernet?! Er gab sich einen Ruck und stampfte in den oberen- Stock. Ohne anzuklopfen trat er in das Schulzimmer der Kleineren. Das gab einen jähen Schreck! Der arme Herr Möller wurde geisterblaß. von wegen schlecht bestellten Gewissens. Anna-Beate mit artig geflochteten Zöpfchen saß zwar still und tadellos vor ihrem Lesebuch, aber o, eine Tarnkappe her, um Jürgen, in dessen Gestcht von einer jüngst stattgehabten Heulszene her noch zehn Tintenfinger die Gestchtshaut zierten, zu verbergen mitsammi dem unglückseligen Schreibheft, das den, der hineinsah, eine volle Stunde um allen Lebensgenuß bringen konnte! Und Herr von Pontow sah' hinein! Der erste von seinen Blicken fiel gerade auf dies traurigste aller menschlichen Erzeugnisse. Er war zwar kein Anbeter pädagogi scher Formeln Von seinen Kindheits rrinnerungen waren me icyonllen me, wie er seine Lehrer geärgert hatte. Vielleicht waren seine ersten Hefte auch nicht schöneren Ansehens gewesen als das vorliegende. Aber das war jetzt alles vergessen
und nie gewesen. Jetzt war er der gestrenge Vater, und dies war sein Syhn, und dies war das wissenschaftliche Erzeugniß seines Sohnes, und dies war der Lehrer seines Sohnes, der berufen war, ihn in die Hallen menschlicher Weisheit einzuführen und alles dies zusammengenommen ergab ein' Gesammtbild, das unabwendbar nach einem Donnerwetter schrie, wie es nur unter deutschem Himmel tobt! Ganz langsam, mit einer Stimme, in der der Sturm schlief, sagte er: Da soll doch Gott den Teufel todtschlagen!" Herr von Pontow " stotterte Herr Möller, natürlich stehenden Fußes, mit Umklammerung der Stuhllehne. Ihm schössen allerhand Ideen durch den Kopf, wie das Vorliegende zu erklären, zu beschönigen wäre oder wie er, um stch selbst zu retten. Jürgen preiZgäbe. Aber der Ausführung auch nur einer Idee kam Herr von Pontow zuvor. Der klappte das Schreibheft zusammen und schlug es Jürgen ein paarmal nachdrücklich um die Ohren. Dem Jungen, den sonst niemand zu schlagen wagte, mußte die Phantasie dies sausende Pfeifen um sein Gesicht fürchterlich vergrößern, denn er brach in ein jämmerliches Weinen aus. So!" sagte Herr von Pontow und sah den Lehrer triumphirend an, als wollte er sagen: Siehst Du, mein Lieber! Ich habe nicht Schulmeister gelernt und kann 's doch besser als Du Dann warf er das Heft auf den Tisch, steckte die Hände in die Joppentasch'en und fragte grob: Warum bekommt Ruth keine Schule?" Ich habe es versucht, Herr von Pontow " Ich weiß!" unterbrach ihn der barsch. Er schwieg einen Moment, ein Ueberdruß wallte langsam in ihm auf. Nun hatte er Männererziehung im Hause, und trotzdem ging alles schief! Er sah über den Schultisch hin, eine beklemmende Pause trat ein. Von nebenan tönte die dozirende Stimme des Kandidaten. Es packte ihn plötzlich vor die Brust, wie eine Faust, die ihn schüttelte. Das ging nicht so weiter, daß er feine Kinder auf's Gerathewohl Fremden überließ. Das sah er ja schon an seinen Pferden! Keine Stunde dürfen die Leute vor Kontrolle sicher sein. Und wie es im Pferdestall ist. so wird's auch in der Schulstube sein. Er zog die Stirn zusammen, wie eine abscheuliche Last wälzte stch diese Erkenntniß auf ihn. Da fiel sein Blick auf Anna-Beate, die ihn ernst und groß aus ihren ehrlichen Augen ansah. ES war ihm plötzlich ein Trost, diesen Augen zu begegnen. ' Du, Anna-Veate," sagte er holpernd. Kannst Du Dich nicht ein bischen um Ruth bekümmern? Vorläufig, bis ich sehe, wie alles wird?" ' Ja, Papa," sagte Anna-Beate unter hohem Errothen. Ihr junger, feiner Fraueninstinkt litt . unter dem Schlag, der' hierdurch dem armen Herrn Möller ertheilt ward. Aber zu gleicher Zeit erfüllte ste Stolz über "diese Aufgabe. Jurgen soll letzt alle Sonnabend seine Hefte auf meinen Schreibtisch legen," herrschte Herr von Pontow den Lehrer an. dann ging er und warf die Thür hinter sich zu.' Herr von Pontow befand sich in greulicher Laune, solange alles in der Schwebe hing. Was war, zum Kuckuck auch, nun zu thun? Jürgen dem Kandidaten aufhalsen? Für die Mädchen einen neuen Seminaristen nehmen? Die) letztere besonders dünkte ihm widerwärtig.' Und plötzlich hegte er den lebhaften Wunsch, fo recht von Herzen: ach was. nur keine fremden Lenk mehr im Hause! Und von dem S?stchtspunkt aus faßte er nun daS Ding an ' Natürlich, Erich konnte 'fort. ' WaS saß ihm der große Junge auch noch zu Hause herum! Dummes Zeug, so ein Benael muß stch andre Luft um die Ohren blasen lassen. Immer daS'Gehocke Ui den Ccchn?m rncichtc ihn
ja ganz weichmüthig. . Raus mit ihm:
Ein flotter Leutnant werden, wie sein Vater gewesen war! Herr von Pontow hatte keine Seelenkunde fiudirt. aber daß mit diesem Entschluß ein Riß durch die kleine Familie ging, merkte er doch. Doppelt fest hatten sich seine Kinder aneinander .geschlossen, weil ihnen die Welt äußerhalb ihres engsten Kreises kalt und fremd deuchte. ' ' Im herbstlichen Morgenwind stand der Wagen vor der Thür, der Erich nach der nächsten Stadt. Ra'mbin, bringen sollte. Von dort führte ihn der Zug weit in's Land, bis nach Berlin. in deren benachbarter Kadettenanstatt der junge Pontow angemeldet war. Erich war blaß, als er Abschied nahm. Es ging dem Jungen tiefer, als er um die Welt hätte merken lassen, besonders dem Vater gegenüber. Aber er konnte das Gefühl nicht loswerden, als sei er verantwortlich für seine Geschwister und handle schlecht an ihnen, indem er sie verließ. Ruth in ihrer ungebändigten junger, Kraft war die einzige, die lauten Schmerz äußerte. Jürgen stand blasirt. Anna-Beate gefaßt -daneben. Aber die Kleine hing stch mit Thränen dem Bruder an den Hals. . Mühsam löste er die Fingerchen von seinem Nacken und küßte hastig das kleine Gestcht. Er hätte ihr noch eine Menge sagen mögen, aber so jung er war, kaum dreizehnjährig, empfand er doch schon in lebendiger Schärfe, daß in Lebenslagen, wie der seinen, zurückgelassene Worte nichts bedeuten, daß jeder Einfluß durch die Ferne zerschnitten wird und daß Wünschen und Lieben nicht stark genug stnd. um gegen die Alltäglichkeiten und Zufälligkeiten des Lebens, den ganzen Schwärm flatternder und unberechenbarer Geister aufzukommen. Ein stiller Ort, dort oben neben der Kirche, in dunklem, hallendem Erbbegräbniß hatte ihn, den Knaben, die schlimme Alltagsweisheit gelehrt: nur das Gegenwärtige hat recht! 3. K a p i t e l. etzt kam alles anders. Die Verhältnisse selbst arbeiteten dabei auch Herrn von Pontow in die . Hände: der Philologe nahm seine Entlassung, um in's Examen zu steigen.. Herr Möller hatte sich als unmöglich bewiesen, und jeder fragte sich: Was nun?" Herr von Pontow nahm Hut und Knotensiock, und wie er stand und ging, in Jagdjoppe und Reitstie.feln, begab er stch in's Torf hinunter. Im Schatten des Kirchbergs stand das freundliche Pfarrhaus. Entblätterte Weinranken umgaben die Front, eine Pfeifenkrautlaube überschattete die kleine Veranda ..mit ihren rohgezimmerten Seitenbänken. Die Pastorin kam dem PatronatsHerrn in dem ungeheizten Flur entgegen. Sie war ein stilles Wesen voll vornehmer Schlichtheit. Zwei Kindergräber da oben, auf zugiger Höhe, hatten ihr sonst lebhaftes, frohes Interesse für die Außenwelt mit hinabgezogen. Sie klagte und trauerte nicht mehr um begrabenes Glück, aber ste strengte sich auch nicht mehr an. vom Leben jetzt noch etwas Zu erwarten. Ich werde meinen Mann rufen." Herr von Pontow." sagte sie. Er gib! im Konfirmandenzimmer gerade dem kleinen Marius Unterricht." Der Pastor, ein Fünfziger, war frischer und elastischer als seine Frau. In dem verräucherten Studirzimmer legte ihm Herr von Pontow seine Nöthe vor. Durch die halboffene Thür zum Nebenzimmer sah man einen kleinen Schultisch und Bänke. Ein braunlockiger Knabenkopf spähte ab und zu vorsichtig um die Ecke und zuckte immer wieder schnell zurück. Die Sache war mit Klipp und Klapp erledigt. Ter Pastor suchte Trost für den Verlust der eigenen Kinder in dem Unterrichten fremder. Es war seine Liebhaberei, und er hatte es zu schönen Erfolgen gebracht. Philipp D!arius. der Sohn des Inspektors, den er ganz ungeschliffen von der Dorfschule übernommen hatte und der jetzt elf Jahre war, wollte er in anderthalb Jahren für die Tertia reif machen. Anna-Veate und Jürgen zu unterrichten, würde ihm eine Freude sein, erklärte er. Aber von der kleinen Ruth wollte er nichts wissen. Er verstände es nicht, die Elementarkenntnisse beizubringen, meinte er. Das sei eine Lücke bei ihm. Herr von -Pontows naiv vorgebrachte Meinung. Anna-Beate solle dies Amt übernehmen, konnte er nicht ernst nehmen. Er mußte stch Mühe geben, seine Belustigung darüber nicht zu verrathen. Ach. daß ich daran nicht dachte!" rief er plötzlich aus. Meine Frau hat ja ihre Lehrerinnenprüfung abgelegt. Die kann das thun! Es wird auch ihr selbst gut thun! Und für die kleine Ruth ist prächtig gesorgt. Herr von Vontow!" (Fortsetzung folgt.) Aon Indiens 294,000,000 Einwohnern wohnen 265.000.000 auf dem Land und 192.000.000 leien rein von der Landwirthschaft. Der Kleewuchs auf einem Felde träaj zu dessen. Fruchtbarmachung für eine andere Ernte mehr bei. als der Anbau irgend welcher anderen Nutzpflanze. .
Die Scesischerei 'der Mlt. Ter Werth der Ausbeute und die theilahm der einzelne Länder. Nach einem in der Deutschen Wirthschaftszeitung" veröffentlichten Artikel von Max Eckert beläuft stch der Iahresertrag der Seefischerei der Welt auf etwa 1,000,000.000 Mark, wovon nicht ganz 7-10 auf den Atlantischen Ozean, nicht ganz 3-10 aus den Großen Ozean und ein kleiner Vruchtheil, der vielleicht kaum 1-100 erreichen dürfte, auf den Indischen Ozean entfallen; die Nordsee ergibt 1-5 bis des Werthes der Fischerei im Atlantischen Ozean. Der anscheinend so stattliche Betrag von 1,000,000,000 Mark kann indessen noch nicht als gar hoch betrachtet werden, wenn man ' die ungeheure Größe des ozeanischen Wirthschaftsgebietes bedenkt und erwägt, daß sowohl auf hoher See, so z. B. in den südamerikanischen und australischen Gewässern, wie auch an manchen Küsten, z. V. denen des Kaplands und Marokkos, viele Fischgründe noch gar nicht erschlossen stnd; zweifellos ist dem Meere noch ein ungeheurer Schatz Ton Fischen zu entnehmen. Die Menge des gesammten Ertrags der heutigen Fischere! glaubt Eckert mit rund 4.000.000 Tonnen richtig ansetzen zu können, wovon 23 Prozent auf die Ver. Staaten. 22 Prozent auf Großbritannien. je 13 Prozent auf Kanada und Norwegen, 6 Prozent auf Rußland, 4 Prozent auf Frankreich. 3 Prozent auf Holland, etwa 2j Prozent auf Deutschland, Spanien und Portugal. 1 Prozent auf Italien und 10z Prozent auf Japan entfallen. Deutschland sieht, wie man steht, unter den Ländern, die in der Ausbeutung der Meeresschätze einen wichtigen Zweig ihres Wirthschaftslebens erblicken, noch recht bescheiden im Hintergründ. Die deutsche Hochseefischerei hat zwar in den letzten 15 Jahren ihren Ertrag um das Zehnfache gesteigert seit 1900 überstieg dieser Ertrag jährlich 10.000.000 Mark aber doch bezahlt das Deutsche Reich noch jedes Jahr an das Ausland für FischereiProdukte, ohne gesalzene Heringe 30,000.000 bis 40.000.000 Mark und für Salzheringe 35,000,000 bis 50.000,000 Mark, während feine Ausfuhr in diesem werthvollen Artikel nur zwischen 6.000.000 und 7.000.000 Mark beträgt. Von wesentlicher Bedeutung für den Aufschwung der deutschen Hochseefischerei ist der ausgezeichnete FischereiHafen in Geestemünde, der vollkommensie seiner Art in Europa, auf dem im Jahre 1903 allein 50.400.000 Pfund Fische im Gesammtwerth von reichlich 5.000.000 Mark zur Verfielgerung gelangten; mit den Verkäufen von Bremerhaven und Nordtehan erhöhte, stch dieser Werth auf 7.400.000 Mark, während die Auktionsverkäufe von Hamburg, Kuxhaven und Altona 6,700.000 Mark ergaben. Fliegenscvnäpper" im Wasser. Ebenso geschickte Fliegenfänger wie unter den Vögeln gibt's auch unter den Fischen, deren originelle Ernährungsweise schon seit der Mitte des 18. JahrHunderts das Interesse der Naturforscher erweckt hat. Das ist zunächst der an bewaldeten Küsten und in FlußMündungen von Java häufig vorkommende Spritzfisch, der, wenn er auf einem Blatte oberhalb des Wassers ein Insekt sitzen sieht, seine rüsselförmige Schnauze über die Oberfläche streckt und oft mehr als fußhoch einen Wassertropfen mit so unfehlbarer Geschicklichkeit auf die Beute schleudert, daß sie stets herunterfällt und er sie bequem verschlucken kann. Ebenfalls auf Java lebt der Schützenfisch, dessen Unterlippe die obere überragt.. Auch er lebt fast ausschließlich von Fliegen und anderen geflügelten Insekten. Gewahrt er einen solchen Braten an einem über dem Wasser hängenden Zweige, so schwimmt er behutsam heran, bis er gerade darunter steht. .Dann faßt der Schütze ihn einen Augenblick in's Auge und schießt aus seinem emporgestreckten Röhrenmaul einige Tropfen Wasser so kräftig und gewandt nach dem Thiere, daß er es. mag es selbst fünf oder sechs Fuß hoch in der Luft schweben, nur höchst selten verfehlt. Er schleudert es dadurch in's Wasser herunter, wo es ihm sofort zur Beute wird. Die Pariser Untergrundbahn. Die Pariser Untergrundbahn, welche nach ihrer Fertigstellung zwölf verschiedene Linien umfassen soll,, von denen drei bereits im Betriebe sind, scheint ein verpfuschtes Machwerk zu sein. Ventilation ist ein unbekannter Luxus, die Wagen federn so gut wie gar nicht, alle Thüren und Fenster halten es für nothig,' infolgedessen ein Gerassel zu erheben, das selbst die stärksten Nerven erbeben macht. . An Unterhaltung ist nicht zu denken, es sei denn, daß man schreit. Da bei den neuen Limen der Beton von minderwerthigcr Qualität ist und die Mauern statt der ausb'edungenen 19.8 Zoll nur 2.3 Zoll dick sind, müssen manche Strecken der Bahn neugebaut werden und der Unternehmer sollen infolgedessen schwere Strafen harren. Ein vortreffliches DLngungsmittel.ist Ammoniak. Man vermische davon einen Eßlöfelvoll mit drei Liter Wasser und begieße die Pflanzen damit tüchtig, einmal in der Woche, sechZ Qschen hinter tfasnttt.
tw ,t-f,t Air Inland i . t-T-t, mlj, . .f f, 1s D i e Kinder des Trun k e n b o l d s. In Chicago stnd den Kindern eines Trunkenboldes von den Geschworenen $17,500 Schadenersatz zugesprochen worden und zwar sollen die Wirthe diese Summe bezahlen, welche den Mann zum Trinker gemacht haben. Veranlaßt wurde der Prozeß durch eine Dame, welche die Kinder in total vernachlsssstgtem Zustande vorfand. Wunderbare Heilung. In Royalton, Minn.. begab sich ein R. Chapmän, den die Doktoren für einen unheilbaren Krüppel erklärten, aus Krücken in die Kirche zu einer Erweckungsrersammlung und konnte ohne dieselben heimgehen. Er sagte, daß er plötzlich eine Stimme hörte, -er sei ge heilt, er hatte auch ein solches Gefühl in seinem Körper und fand, daß er wirklich ohne Krücken gehen konnte. Zog Tod der Ehe vor. Im Kreise seiner intimsten Freunde, die er zu einem Junggesellendiner eingeladen hatte, beging kürzlich ein gewisser Jsidor Schweißer in Buffalo, N. L)., welcher sich in Bälde zu verhei-rathen-gedachte. Selbstmord. Nach der Mahlzeit führte Schweißer seine Gäste mit den Worten: Ich werdeEuch einen großen Spaß bereiten" in ein anderes Zimmer. Dann zog er ein mit Karbolsäure gefülltes Fläschchen aus der Tasche und verschluckte den Inhalt. Er starb, ehe der zur Hilfe gerufene Arzt erschien. Schlief vier Tage. In Fond du Lac. Wis., erwachte dieser Tage ein Fräulein Ella Dick aus einem viertägigen Schlafe, während dessen alle Versuche, sie zu erwecken, vergeblich blieben. Als sie zu sich kam, erklärte sie. daß sie sich an nichts erinnere, was während der letzten vier Tage mit ihr passirt sei. Man fürchtete, daß sie während ihres Schlafzustandes sterben würde. Derselbe wird von den Aerzten auf ein Geschwür im Gehirn zurückaeführt. Es wird befürchtet, daß die Schlafsucht auf eine dauernde Gehirnstörung zurückzuführen ist. und schließlich doch zu einem schlimmen Ende führen wird. Näthselhafte Krankh e i t. Kürzlich starb in einem Hospital in Philadelphia ein gewisser Charles H. Conrad an einer Krankheit, welche den Aerzten ein bis jetzt noch nicht gelöstes Räthsel aufgab. Der Mann litt anfangs an einem Leiden, das die Aerzte als Gelenkrheumatismus diagnosticirten. Im Verlaufe dieser Krankheit wurden sämmtliche Gelenke so steif, daß der Patient ste nicht mehr biegen konnte; zugleich trat Gefühllostgkeit einzelner Körpertheile ein. Diese Krankheit erregte die größte Aufmerksamkeit nicht nur in den medizinischen, sondern auch in anderen Kreisen, und der arme Mann bekam Trostschreiben und Grüße von vielen angesehenen Männern. Friedhof ohne Leichen. Nicht eine einzige Leiche wurde auf einem alten Friedhofe in St. Louis County. Mo., gefunden. Ein St. Louiser Rechtsanwalt, welcher das Eigenthum kürzlich erwarb, um stch eine Villa auf demselben zu erbauen, war angewiesen . worden, die Leichen aus dem alten Friedhofe zu entfernen und auf einem anderen Gottesacker unterbringen zu 'lassen. Beim Oeffnen der Gräber stieß man wohl hier und da auf Metallsiücke von Särgen, aber auf keine Leichenüberreste. Ter Friedhof ist 40 Jahre lang nicht benutzt worden und die vorher beigesetzten Leichen müssen nicht einbalfamirt worden sein, andernfalls wenigstens einige derselben nicht in Staub verwandelt worden wären. HungerndeJndianer. Die Indianer der Leech Lake-Reserva-tion in Minnesota waren letzten Herbst nicht im Stande, das nöthige Quan-, turn Reis für den Winter einzusammein, oder genügend Fische zu fangerl und zu trocknen, um Existenzmittel während der kalten Jahreszeit zu haben, und ste stehen somit vor einer Hungersnoth, wenn die Regierung nicht helfend eingreift. Ihr 'Häuptling, FlatMouth." erklärte, daß viele Mitglieder seines Stammes jetzt schon Hunger leiden. Er macht geltend, daß das Forstbureau den Indianern Geld für Bauholz schulde, welches auf der Reservation gefällt und zum Nutzen der Regierung verkauft wurde. Wenn das Geld nicht bezahlt wird, will er beim Präsidenten Beschwerde führen. Ein rother Freund der Weißen. Der älteste Häuptling der Sioux-Jndianer. Big Eagle," ist unlängst auf seinem Wohnsitz bei Granite Falls, Minn., gestörten. In dem Aufstand von 1 862 erwies er stch im GeHeimen als ein Freund der Weißen und viele Ansiedler sollen seiner Warnung ihr Leben verdankt haben. Ein Fall ist bekannt geworden: In der Nähe von New Ulm, Minn., wohnte eine Fomilie Namens Alvin. Vater und Sohn waren auf dem Felde, als Big Eagle" auf seinem .Pony angesprengt kam und sie warnte, so rasch wie möglich nach New Ulm zu fliehen. .Die Alvins. fuhren mit ihrem Ochsengespann sofort nach Hause, luden rasch, was sie von ihren Habseligkeiten zusammenraffen konnten, auf den Wagen und fort gittgö, auf New Ulm au. Sie wurden zwar von-Indianern verfolgt,: kamen aber glücklich in die Stadt. :
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