Indiana Tribüne, Volume 29, Number 136, Indianapolis, Marion County, 1 February 1906 — Page 7
Judiana Tribüne, 1 Februar 100G.
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44 44 44 44 44 LlmÄerrenKaus Klckmiihlcn A4 tt 1. St a p x i 1 I. ottfried von Pontow hatte das Glück gehabt, ferne erste und einzige Jugendliebe heirathen zu dürfen. Er hatte überHaupt viel von dein, was man im landläufigen Sinn Glück" nennt. In der Landesresidenz spielte er als vermögender, lebenslustiger junger Leutnant stets und überall die Rolle, die ihm zusagte. Er war allerdings weder schön noch stattlich, denn seine Figur erreichte eben nur die Mittelgröße, und in seinem runden Gesicht mit den unregel. mäßigen Zügen waren die breite, klare Stirn unter dem dicken Blondhaar und der mächtige Schnurrbart das einzige Ansehnliche. Aber er besaß einen selbstsicheren Schneid, eine flotte, sor-gen-und skrupellose Art, das Leben zu nehmen, die ihn über viele kleine Steine, an denen Minderbegünstigte sich wundstoßen, glatt und ungefährdet forttrug. Da kam die Zeit, daß die Ecken seines Charakters: seine Unüberlegtheit, sein Eigenwille, sein Jähzorn, ihm allmälig im Dienst, im Kameradschaftsund Kneipenleben anfingen Streiche zu spielen, und ihm zum ersten Male den geliebten Leutnantsrock beengend erscheinen ließen. Schon blühten ihm wegen allerlei unschöner Vorfälle Unannehmlichkeiten auf, da starb sein Vaier, und die Frage, das Familiengut Luckmühlen, hinten im Moorwinkel, zu übernehmen, trat an ihn heran. Die Ueberlegung war kurz, der Entschluß rasch und kräftig. Gottfried von Pontow zog den bunten Rock aus, heirathete den Gegenstand seiner ersten, wirklich ernsten Neigung 'und wurde Gutsherr auf Luckmühlen. Seine Erwählte war ein verwaistes, nicht vermögensloses Freifräulein von Äubrick. Er hatte ihr schon mehrere Monate hindurch, nicht zart und heimlich, sondern in rasender Heftigkeit den Hof gemacht. Seine Gefühle zu verschleiern und zu dämmen, hielt er für Unsinn. ' . Warum soll ich mir eine Maske aufstülpen?" entgegnete er den Freunden, die ihn warnten, auch der Dame wegen nicht zu weit zu gehen. Er hätte es auch gar nicht gekonnt, .das Ursprüngliche, naiv Rücksichtslose war ihm Natur. Es ging aber,, wider das allgemeine Erwarten, alles glücklich ab. Fräulein von Aubrick erwiderte seine Neigung. Sie war so sanft, schüchtern und verschwiegen, wie er von alledem oas egenlyen war. ?:e war aucy belesen und urtheilsklar in Sachen der Kunst und Literatur, während er davon nur den äußersten Schliff weghatte und über alles, was rein geistige Interessen betraf, ein bischen banausenhaft dachte. Sie waren in. jedem Stück verschieden, und doch hatten sie sich lieb. Und die Leute, die prophezeiten, daß die Liebe, die der tolle Götz" aufbringen könne, immer nur ein Strohfeuer sei, waren falsche Propheten gewesen. Die Verwöhnungen und Verführungen einer allzu leichten, glücklichen Jugend hatten ems in Gottsried von Pontow nicht zu löschen vermocht: bis Ehrfurcht vor dem Heiligen. All seine unbeherrschte Art der Lebensführung, fein unbedachter, jähzorniger Selbsttrotz machte Halt vor der Gegenwart seiner Frau. . . " Er irüstete sich laut damitdie Weiber zu kennen und zu verachten, und seine junge Gattin lächelte nur zu diesen Ergüssen. Sie kannte ihn besser. Sein laules. trotziges Wesen umschloß einen ganz heimlichen, scheu versteckitn Kern, dessen er selbst sich nicht einmal klar bewußt war. So oberflächlich er erschien, so rauh, ja beinahe roh sie fürchtete und entsetzte sich nie vor ihm. Sie wußte es ganz gut: in seinen Grundfesten andern konnte sie diesen Charakter nicht, sie hätte dazu auch nicht einmal Lust gehabt. Aber: ihn lieb behalten ;nd den edlen, scheuen Kern seiner Natur in ihren Händen festzuhalten und ganz heimlich zu pflegen und zu stärken das konnte sie und würde sie können bis an das Ende ihres Lebens. Gerade dieser Mann, der sich selbst nicht kannte in Ursache und Wirkung, der unüberlegt, oft blind für rechts und links durch die Täglichkeiten des Lebens stürmte; der nur zu gut rasches Versündigen und ebenso rasches, geheimes Bereuen kannte der brauchte eine Frau., wie Leonore sie toaür Er erschien. als der unumschränkte Herr und. GcwaNhaber . im Hof und auch im H'aus. Aber, war nur ein Beherrschter! Von der wachen Liebe beherrscht, die. die feinsten Fühlfäden seiner Seele in der Hand hielt und P 4. l I ieiie oaran zuaie, wenn es noioiyai. In . der Residenz fing man an, zu merken, daß in Luckmühlen ein gutes Einvernehmen herrschen müsse, denn der tolle Götz ließ" sich kaum mehr in ,seinen früheren Freundeskreisen sehen. Selbst im längsten Winter nicht. Da!gegm traf nach Jahresfrist die st 'gedruckte Anzeige ein. Haus. Pontow meldete den Stammhalter! Und in
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!5 m R or er n von 31 1 tt r i c Diers Ll 44 44 44 44 wahrlich kurz bemessenen Zwischenräumen folgten, noch weitere Anzeigen. Das alte Herrenhaus fing an, sich zu bevölkern. So that man denn den lustigen Götz zu den Philistern, und allmälig kamen neue Eindrücke und verdrängten ihn' ganz aus dem Gedächtniß der raschlebenden Gesellschaftswelt. Götz von Pontow grämte sich um dies Vergessen nicht sehr. Die bunte Welt dahinten war ihm nur noch wie ein Traum. Seine Welt war in Luckmühlen. Herrgott, das war eine Lust, um die ihn mancher beneiden sollte: heimkehrend von der Jagd, in schmutzigen Reitstiefeln, naß. lendenlahm, halb verhungert und dann am breiten Fenster im Erdgeschoß das Gewimmel kleiner Köpfchen, das ihn mit ungeduldiger Sehnsucht erwartete! Ihm ging es heiß durch die Glieder, wenn er-die plattgedrückten Naschen zahlte! da-der Aetteste. Erich, ein brauner Krauskopf mit den schwarzen Augen der Mama, dann Anna-Beate, ein bischen Heller in Haut und Haar, ein sanftes Engelchen von Geburt an. Dann der blonde Jürgen, echter Pontow'scher Typus mir dem festen Kinn und der leicht aufgeworfenen Nae. Und dahinter noch auf Mutters Arm das Baby, das Kleinste, &r Verzug der Geschwister, die vor lauter Leben zappelnde Prinzessin Ruth. Eine zahlte er schon gar nicht m?nt mit: ei Mutter selbst. Die mußte ja selbstverständlich dabei sein. Und er war sich gar nicht mehr bewußt, daß alle diese plattgedrückten Näschen, dies ganze zappelnde, wartende auf ihn wartende kleine Volk ihm nichts mehr gewesen wäre, wenn dies Gesicht mit semer schlichten Vornehmheit, dem sanftglltigen Lächeln darunter gefehlt hätte. So wie man der Sonne kaum gedenkt, wenn man des Lebens ringsum sich freut, das sie geweckt und geschaffen hat. Selbstverständlich dünkte es ihn, daß Leonore unter dem' Häufchen dort war. Ach das Glück ist ja nie selbstverständlich! Sechs Jahre weilte Gotz von Pon tow jetzt schon auf seinem Landsitz und hatte sich noch zu keiner Stunde m das Weltleben zurückgesehnt. Trotzdem jpar er durchaus nicht für die Landwlrthschaft begeistert. Dazu fehlte ihn? die zähe Geduld, die unerschütterliche Ruhe des echten Landmanns, der zwar nie mit dem lieben Gott zufrieden ist, ihm aber bei Mißernten auch nicht gleich den Himmel stürmen will. Die Landwirthschaft hätte nur Reiz für Gotz gehabt, wenn das, was er heute säte, in acht Tagen in Blüthe stand und in vierzehn geschnitten werden könnte. Wenn es in unwandelbarer Beständigkeit in die sprießende Saat regnete, auf die gemähten Garben . in wolkenloser Gluth niederbrannte, auf die Wintersaat eine weiche Schneedecke legte und sich stets so verhielte, wie man es von einer anstandigen Wetterördnung erwarten kann. Da es sich aber keineswegs so verhielt, dankte Gottfried von Pontow für das Ganze. Er hatte auch einen tadcl losen Inspektor, zwar kaum älter als er. aber aus einer seit Generationen reingehaltenen Jnspektorlinie stammend. Der hieß Marius und wohnte mit Frau und Kind in einem hübschen, massiven Häuschen, etwas seitwärts vom Herrenhaus und direkt am. GutsHof gelegen. Vor. diesem eingefleischten Landmann blamirte sich "Götz von Pontow doch nur durch etwaige Anordnungen und Eingriffe. Damit tröstete er sich selbst schließlich, als r nach einigen Monaten landwirthschaftlicher Abquälerei diesen Zweig menschlicher Thätigkeit, den er trotz aller Kletterversuche nicht erklimmen konnte, mit einem erleichterten Aufathmen fortschnellen ließ. ; Trotzdem hatte er in Luckmühlen noch nie Langeweile empfunden. Die Jagd, dazu die eigene Ueberwachung und Verwaltung seiner Jagdgründe schuf ihm die Arbeit und den Lebensberuf. denr brauchte. Er konnte auch $anz gut einmal ein paar Tage nichts thun', ohne daß er.sich unbehaglich oder unbefriedigt fühlte. - .Tann ritt er übe? seine Felder weg. bis, an die Grenzen seiner Marken, und empfand eine naive Genugthuung darin, daß er in einer bestimmten 'Richtung von Mittag bis Sonnenuntergang reiten konnte, ohne seine Grenze zu erreichen. Allerdings durfte dann di? Sonne nicht im Wendekreis des Krebses, sondern -in dem des Steinbocks stehen. An langen Eommertagen unternahm er diese Stolz- und Machtritte nicht gerade. Seine Vorfahren hatten sich bemüht, durch Landkause und Verdrangung bäuerlicher Existenzen , die Grenzsteine immer weiter zu setzen. Rechten Erfolg hatten sie aber nur nach dieser einen, der Südwestrichtunq. gehabt. und das zumeist aus dem Grunde, weil hier der.Bod:n ziemlich leicht war.uud
oti vzrzmtgen' Äenyer iicy an Den Rand ihrer Kassen gearbeitet hatten. Marius machte aus diesem undankbaren Fetzen immer noch das Möglichsie. Er hatte allerdings auch keinen Gebieter, der ihm bei jedem Ezperiment. das etwas kostete, hemmend in
die Arme fiel. Götz war im Ganzen zufrieden, wenn Marius in seinem Fach möglichst selbstständig auftrat, und zum Knausern fehlte ihm jedwede Veranlagung. Eine ländliche Freude, bei der er besonders etwas draukaeben lieft, bildete ihm sein. Pserdestall. Als Leutnant hatte er sich viel an Rennen betheiligt. das redete ihm jetzt seine Frau unmerklich aus. So unmerklich, daß er sich einbildete, er selbst habe bie. Lust verloren, und es müsse Leonore ordent-j f . , r . r . . r iicy weymuimg i.cin, oa$ er aus oiei.en glanzvollen Sport verzichte. Es war und blieb zedoch eme Freude für jeden Kenner, feinen kleinen, aber auserlesenen Bestand ansehen zu dürfen. Seine Kutscher und Reitknechte bildete er stch selbst aus, es ging nicht ohne wilde Auftritte dabei ab. Die Reitpeitsche spielte ihre. Rolle darin, plötzliche Entlassungen ' nachtliche Fluchtversuche, hin und wieder auch eine Beschwerde beim Amtsgericht waren gewohnte Ereignisse. Aber die Weggelaufenen zogen immer wieder neue Melder heran. Der hohe Lohn und dazu die Ehre, in Herrn von Pontows Pferdestall dienen zu dürfen. wirkten mächtig. Schließlich bekam er em kleines Dienstpersonal zusammen, das wachsam und geschult wie JagdHunde und ebenso dressirt darauf war. einen Fluch und emen Schwips mit der Reitgerte obne moralische Entrüstung hinzunehmen. Frau von Pontows Lebenskummer war dieser Pserdestall mit seinen rassigen Thieren und seinen rasselosen Menschen. Sie bemitleidete die Leute nicht, sie verachtete sie und mißtraute ihnen. Wer sich so an Leib und Seele verkauft, sich so aller Würde begab, wie konnte auf den ein Verlaß sein! Aber sie sah es von erster Stunde an: hier durfte sie keinen Einfluß üben wollen. In' dem Verkehr mit fernen herrlichen Pferden nützte Götz manche brachliegende Kraft seiner Natur aus. Da hatte Frau von Pontow fogar das Reiten erlernt. Es war und blieb ihr ein Opfer, aber sie brachte es ohne Zögern. Seine knabenhafte Freude daran wog ihr jede Beschwerde auf. Sie handelte gut gegen ihn und klug, wie sie meinte. Aber es war die größte Unklugheit ihres jungen Lebens. Götz konnte so leicht in nichts Maß halten, auch nicht im Reiten. Die stundenlangen inneren Schmerzen nach'stürmischen. Galoppaden hätten sie längst be lehren müssen. Aber gewohnt, sich selbst nie in Betracht zu bringen, legte sie auch dem keine Bedeutung bei. Nach Ruths Geburt kränkelte sie lange. Dann, als die Kleine ein Jahr alt war, an einem sonnigen Herbstmorgen, überraschte sie ihren Mann in ihrem weißen Reitkleid, das er ihr selbst ausgesucht hatte, und in dem sie ihn jedesmal von Neuem bezauberte. Sie hatte lange mit sich gerungen. Im Innern saß eine Stimme, die sie warnte. Aber sie fühlte sich heute so wohl, und der Morgen war so leuchtend schön! Wenn sie ruhig ritten, konnte es ihr unmöglich Schaden thun. Ihr alter Doktor aus der nächsten Stadt war zu ängstlich, er brauchte es auch gar nicht zu erfahren. Was sollte ihr denn geschehen? Die ausbrechendeFreude ihres Mannes übertäubte das letzte Warnen ihres Innern. Er küßte ihre Hände und hob sie selbst auf ihr Pferd Mimi." ein wunderschönes braunes Thier mit Gazellenfüßen. Wir reiten aber heute vorsichtig, zum Anfang," sagte er selbst. . Es blieb nicht bei dem Vorsichtigreiten. Das Reiten ist auch eine Leidenschaft, wie Kartenspiel und Liebe. Man kann sich eher ihrer ganz enthalten, als, wenn sie einen erfaßt hat, sie dämmen und zügeln zu wollen. Als Frau von Pontow nach Haus kam. war sie ungewöhnlich blaß. Die Kinder stürmten ihr entgegen, da durchschnitt sie ein jähes Gefühl Von Schreck und Reue. Die Kniee zitterten ihr, und sie mußte sich setzen. Ihr war, als würde es plötzlich dunkel. Was habe ich gethan?" murmelte sie, als die kleinen hilflosen Körperchen sich ihr in den Arm schmiegten, ihren Schooß erkletterten und weiche Aermchen ihren Hals umfingen. . Trotzdem ging der Schwächezustand wieder vorüber. Sie hatte oft voll-. standig schmerzfreie Tage und konnte sich einreden, daß alle ihre Sorge unnütz sei. Als aber ihr inneres Leiden sich Zimmer - wieder bemerklich machte, beichtete sie. blaß vor Furcht, ihrem Arzt das Geschehene. Er tröstete sie: das habe nichts damit zu thun, freilich müsse er jetzt , jeden Ritt auf das. strengste verbieten. Frau von Pontow wußte nicht: war es feine wirkliche Meinung,- oder wollte er sie nur über Sclbstvorwürfe hinausbringen. Sie gab sich jetzt die ängstlichsie Mühe, bis auf die Minute seinen Anordnungen zu genügen. Die Stunde, in der sie vom Ritt kam urd in der sie ihre Kinder sie umdrängten, konnte sie nicht wieder, vergessen. w: ; , - Nach etwa einem Jahr verlor, sie den freien Gebrauch ihrer Füße. Sie
ronnle at nur nocy :ark gestutzt tm Zimmer herumgehen; Gottfried, außer sich, rief einen fremden Arzt nach dem andern, eine Berühmtheit nach der andern in's Haus. Jahrelang bildete fein Heim nur noch eine .Klinik. Aerzte kamen und gingen, Operationen wurden ausgeführt, Diakonissen hantirten Tag und Nacht. Die junge Frau von Pontow rang mit allen Kräften und allem Willen gegen den entsetzlichsten Feind, der sie ihrem Mann, ihren Kindern entreißen wollte. Ach freilich sie war unersetzlich in diesem Haus! ' Dann wieder kamen lange Monate
voller Ruhe und Aufathmen. . Zwar konnte sie nicht aufstehen, aber sie lag in einem weißen, weichen Krankenaewand auf einem Ruhebett, das ihr Mann in das Wobnummer, wo es ihnen allen am traulichsten war. hatte stellen lassen. Da gab es dann noch wunderschöne Tage. Alle Hausgenossen um sie her: das fünfjährige Nesthäkchen, die süße, kleine Ruth, die mit ihren Einfällen und Plaudereien alle erheiterte. Jürgen, der Abc-Schütz, mit seinen winzigen Kenntnissen prahlend. Die stets hilfsbereite, liebevolle Anna-Beate, deren weiche Händchen es schon so gut gelernt hatten, die kranke Mama zu umhegen, und dann der fast elfjährige Erich, der Musterschüler und Kernjunge. In diesem Kreise befanden sich auch auf Leonorens Wunsch meist der Hauslehrer Erichs und die Erzieherin der jüngeren Kinder. Gotz von. Pontow aber, der Vater und Gatte, saß auf dem Diwan, seiner Frau so nah wie möglich. Er war auch heiter und gluaszuversichtlich an diesen sckönen Tagen. " - Das letzte Weihnachten war noch das schönste von allen gewesen. Da drängte stch alle Liebe und alles Gluck noch einmal zusammen. Der Glanz der Wachskerzen ruhte warm auf Frau von Pontows bleichen Zügen. Keiner sah die Schatten, die diese helle Freude warf. und wer sie sah, wollte sie nicht sehen. Die Wissenschaft hatte die Schmerzen und mit ihnen auch viele seelische Qual aus ihrem Leben entfernt. Es durfte still auslöschen, wie ein müde brennendes Licht. Ten ersten Veilchenkranz in diesem Jahr legte die kleine, stille Anna-Beate auf das Grab der sehr geliebten Mutter. 2. K a p i t e l. rsatz für's Unersetzliche! Wem böte es der immer bereite Tag nicht an mit seinem Wechsel von Morgen. Mittag und Nacht, mit seinem Kaleidoskop von Eindrücken!. Aber der Mensch spricht sich seine eigene Werthschätzung, wie er zu diesem Anerbieten steht. Ob er die große Lücke mit den billigen Ersatzlappen von Tageslust und Leid flickt, oder ob er klar und tapfer dem Schicksal in das große Gesicht sieht: das Unersetzliche bleibe unersetzt! Gottfried von Pontow war wahrlich ein irdisch gebauter Mensch, dem die Erdenklumpen nur allzu reich an Leib und Seele hingen. Aber eins konnte er: ohne Betäuben. Beschönigen und Leugnen vor sich selbst eingesehen, daß er das Beste vom Leben für immer und ewig verloren habe. Leonore konnte ihm nie ersetzt wer den und durch niemand und an keiner Stelle seines Empfindens. Ihr Stuhl blieb an seinem Herd ewig leer. Sein erster Schmerz war ein Groll, der gegen das Geschick anstürmte. Eine ungebändigte wilde Verzweiflung. Am Morgen nach der Sterbenacht, in grauer Märzfrühe, ging er in den Pferdestall und schickte die Knechte hina:,s. Dann krachte ein Schuß. Bebend standen die Leute draußen, nicht einmal jetzt, da sie ihn im Geist schon todt vor sich sahen, im stände, sein Verbot zu übertreten. Er kam heraus, .die rauchende Pistole hielt er in der Hand. Mit sahlem 'Gesicht, ohne ein Wort an sie zu verlieren, schritt er ander furchigelähmten Gruppe vorbei. Drinnen lag Mimi" erschossen. )as schöne, werthvolle Reitpferd seiner Frau. Gottfried von Pontow war kein anderer Mensch geworden in seiner zwölfjährigen Ehe. Er wäre es auch wohl in einer fünfzigjährigen nicht geworden. In dem steten heilsamen Zwang, den Leonorens Gegenwart auf ihn ausübte, hatte er allerdings eine edle Kunst gelernt: die Selbstbeherrschung. Sein Gefühl hatte ihm stets befohlen, sich vor ihr zusammenzunehmen, sich nie. auch nicht in Kleidung und MaNieren, nicht in Müdigkeit und schlech-. ter Laune, gehen zu lassen. -Dieser Zwang war nun jählings gelöst.. Er war frei. (Fortsetzung folgt.) Mittel gegen Nasenblut e n. Die vom Nasenbluten befallene Person athme -bei festgeschlossenem Munde durch die Nase tief ein, schließe sodann 'Mittelst der Finger die Nase fest und athme durch den nunmehr geöffneten Mund aus. Die atmospharische. durch die Nase eingeathmete Luft 'bringt bekanntlich das Blut in der Nase zum Gerinnen.. Die auf 95 Grad Fahrenheit geheizte Lungenluft würde die ' Gerinnung wieder beseitigen, wenn sie nicht durch den Mund beseitigt würde. - Man . Probire dieses Mittel. ,'
Europäische Nachrichten.
Provinz gbannovev. Hannover. Eine folgenschwere Explosion fand im Maschinenhause des Metropol - Theaters statt. Zwei Kessel einer Maschine zur Herstellung des im Theater verbrauchten Lichtes zersprangen mit lautem Getöse, und die umherfliegenden Maschinentheile richteten große Verwüstungen an. Der 32jährige Maschinist Reinhold Müller aus der Gustav - Adolfftraße wurde von einer schweren Messingplatte so heftig am Kopfe getroffen, daß er bald an den Folgen der erlittenen Verletzungen starb. Jnfolg-der Explosion entstand eine Panik kn Theater, die zum Glück durch das sofortige Einsetzen der Musisbeim Erlöschen des elektrischen Lichtes beseitigt wurde. Ahrbergen. Der im hiesigen Armenhause wohnende Arbeiter Franz Bertram machte einen Selbstmordversuch. Er brachte sich, nachdem er sich vorher Muth getrunken hatte, zwei große Schnittwunden am Halse bei. Die Wunden sind nicht lebensgefährlich. Burg. Hier ermordete der Geschäftsmann Mook seine Frau, seine Tochter und sich selbst. Das Motiv der That ist unbekannt. E l d a g s e n. In der Gastwirth, schaft von Karl Heise brach Feuer aus. das so schnell um sich griff, daß in kurzer Zeit das Gebäude, sowie das angrenzende Wohnhaus des Raulf eingeäschert -wurde. Große Getreidevorräthe, sowie viel Hen und Stroh sind verbannt. - Von-den Möbeln und Inventar konnte nur wenig gerettet werden. Der Schaden ist groß. Göttingen. Der hiesige Ordinarius für Geographie Prof. Dr. Herm. Wagner, Bruder des bekannten Professors Adolf Wagner in Berlin, ist seit 25 Jahren ordentlicher Lehrer seines Faches an unserer Georgia Augusta. H a m e l n. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich auf dem Stock'schen Neubau an der Gertrudenstraße. Der dortselbst beschäftigte Arbeiter Ludwig stürzte angeblich aus der dritten Etage ab, wobei er einen complizirten Oberschenkelbruch die Knochen waren durch das Fleisch getreten und Verletzungen an der Schulker - und am Kopf erlitt. Norden. Das von unserer und den beiden benachbarten Wahlsynoden (Aurich und Emden) zur 7. Landessynode im Mai d. I. gewählte Mitglied Superintendent Elster-Riepe starb plötzlich ' in Stemmen bei Nordgoltern im Pfarrhause feines Sohnes. P e i n e. In den Anlagen des Holzberges wurde die Leiche eines Mannes in Arbeiterkleidern gefunden, der anscheinend Selbstmord begangen hat. Wie die näheren Feststellungen ergaben, handelt es si$ um den Walzwerkschmied Heise arn Stederdorf, der erst vor kurzem Hoäzeit gehabt hat. Werden. Vor. kurzem entschlief hier nach längerem Kranksein im 86. Lebensjahre der auch in weiteren Kreisen bekannte Landgerichtsrath a. D. Carl Pufendorf. . Provinz Westfaken. Münster. Assistenzarzt Dr. Kel, 1er in der Provinzial - Irrenanstalt Bethest beging Selbstmord, indem' er sich die Pulsadern durchschnitt. Das Motiv der That ist unbekannt. B a r o p. Auf der Zeche Wiendahlsbank erlitt der Bergmann Bohn aus öombruÄ so 'schwere Verlekunaen ourcy yerelnbrechenve Gesteinsmassen, daß er kurze Zeit. nach dem Unglücksfalle verstarb. Bochum. Justizrath Duesberg. der Senior der rheinisch-westiälischen Rechtsanwälte, ist im Alter 'von 83 Jahren hier infolge eines Herzschlages gestorben. Justizrath Duesberg wurde am 15. November 1823 geboren und am 10. September 1843 als Auskultator vereidigt. Herford. Wegen unmenschlicher Mißhandlung seiner beiden Mädchen im Alter von 11 und 9 Jahren wurde gegen den Maurer Bollmann hierfelbst das Strafverfahren eingeleitet. Bei' der ärztlichen Untersuchung der beiden Kinder stellte es sich heraus, daß diese am ganzen Korper von Wunden bedeckt waren, theils waren sie offen und theils blutunterlaufen. Die Kinder, die geistig zurückgeblieben sind, waren mit Holzleisten, Besenstielen u. s. w. auf Kopf und Gnedmaken aeschlaaen. mit den Füßen getreten und mit dem Kops gegen feste Gegenstande gestoßen worden. 'Die armen Geschöpfe wurden in das Waisenhaus gebracht. Minden. Wegen ihrer erfolgreichen Thätigkeit beim Löschen des Brandes in Peckelsheim am 23. August 1905 sind den nachbcnannten Offizieren und Mannfchften 'des hiesigen Feldartillerie-Regiments No. 58 AusZeichnungen verliehen worden, und zwar: dem Hauptmann von Kühlwe.tter der Rothe Adlerorden 4. Klasse, dem Leutnant Wolffgramm der Kronenorden 4. Klasse, den UnteroWe ren der Reserve Meyer zu Hartum und Krey, sowie den Gefreiten Dühlmeyer.' Pannewieck und Grassow der 1. Aarterie das Allgemeine Ehrenzeichen. ' ; -. VHeinprovinz. Köln. AIS - der , Geschäftsmann Mausbach mit seiner Frau und stchZ mttreangehorigen heimlehrtk
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flamme anzünden wöllte. erfolate eine Explosion, die alle Personen bewußtlos uno lyeillveije m:t Brandwunden beveckt an Boden rik. Das Mabitta? und die Fensterscheiben wurden zertrümmert. Aachen. Die Kier in der Keorastraße wohnende Ehefrau des nvaliden Wildert bat ihrem Mann mit ei nem Messer die Kehle durchschnitten, so daß der Tod sofort eintrat. Seitdem ist die srau b:r der Leiche geblieben und hat sogar bei ibr im Bette aeschlafen. Als die Frau in Trauerkleidern dieWohnung verließ und den Mitbewohnern sagte, sie wolle ihren Mann begraben lassen, drana man m iie Wohnunq ein. Die Frau wurde in die Irrenanstalt gebracht. W u sie loor f. Weaen verscbmäb--ter Liebe feuerte der Taalöbner Auaust Malsker auf die Dienstmagd AgneS iorgent. mehrere Revolverschusse ab. die die Lunge trafen und lebensgefähr- . iicye Verletzungen zur Folge hatten. Der Thäter wurde verhaftet. ''Essen.. Durch den Genuß' farbiger Zuckersachen erkrankte das 5 Jahre alte Sohnchen der Etleute Wieder. Trotz sofortiger Behandlung mehrerer Aerzte verstarb das Kinid. Als TodesUrsache wurde eine starke Veraiftuna des Blutes ermittelt. K a l k. In der Wohnung des In-' validen Boury brach während der AbWesenheit der Eltern und der erwachsenen Kinder, die zur Schule gegangen waren. Feuer aus. wöbe: em 19 Monate altes Kind den Tod durch Ersliaen sanv. Mors. Der ebemalia? Stadtverordnete Rentner Rudolf Schloer hat der Stadt sein Vermögen von mehr als 300,000 Mark zur Errichtung einer Anstalt für alte, bedürftiae !Känner evangelischer Konfession vermacht. 'Oberemvt. Der Ackerer Nesse tödtete seinen Bruder durch einen Revolverschuß und entfloh dann. Trier. Als der Raubmörder des erschlagen aufgefundenen Winzers Hennen wurde der 34iährige Arbeiter Peter Schleiner verhaftet. . Froviz LbesseN''FrTssau. Kassel. ' DerL7 Jahre alte Reichsbank - Buchhalter Gustav Groezinger, ein geborener vWürtt?mberger, hat sich Hier in einem Anfalle von Schwermuth erschossen. E s ch w e g e. Tödtlich verunglückt ist in der hiesigen Lederfabrik von Karl Döhle der 18 Jahre alte Arbeiter Mosebach aus Oberdüngebach. Er hatte den Kopf durch die Umfriedung des Fahrstuhls gesteckt, wobei der niedergehende Fahrstuhl ihm. die Schädeldecke zertrümmerte Er war auf der Stelle todt. H a n'a u. Dieser Tage feierte der, Ehrenbürger unserer Stadt,' der jrühere Neichstagsabgeorvnete des Wahlkreises Hanau - Gelnhausen - Orb, Johann Heinrich Nickel, das Fest der goldenen Hochzeit. Beide Ehegatten erfreuen sich noch vollkommener Rüstig keit. In der Nähe des Dorfes Argenstein wurde eine Leiche aus dem Wasser gezogen. Es stellte sich heraus, daß es die Leiche des seit längerer Zeit vermißten Bierkutschers Karl Raun von hier ist. Oberkaufungcn. Dem Ehepaar Ludwig Fischer wurde aus Anlaß seiner goldenen Hochzeit die goldene Ehejubiläumsmedaille verliehen. Die Ueberreichung fand durch Superintendent Schüler statt. S ch w a r z e n b o r n. Unlängst verstarb der Landwirth H. Freund im 36. Lebensjahre an den Folgen einer Blutvergiftung, die er sich beim Säen von Weizen, 'welcher mit Kupfervitriol hier nach Hof verkehrenden LeipzigHofer Eilgüterzug ein bedauerlicher Unfall. Der Wagenrücker Bromnitz. ist beim Besteigen des. langsam anfahrenden ZugeA abgerutscht, dabei an einen auf dem Bahnsteige stehenden Handwagen ' angeprallt und zwischen Bordstein und Gleis geworfen worden. Der Unglückliche, dem hierbei der rechte Arm mehrmals gebrochen war, wurde in., das hiesige Krankenhaus übergeführt, woselbst er nach kurzer Zeit verstarb. T yü rmsdorf. In der Nähe des hiesigen Gasthofes, wo er vorher Einkehr gehalten hatte und in Streitigkeiten gerathen war, schoß sich der aus Erottendorf gebürtige Zimmermann Gottlieb Noak in den Mund. Schwer verletzt wurde der ca. 34 Jahre alte Mann nach dem Krankenhause in Königstein gebracht, wo er bald nach seiner Einlieferung verstarb. ' - Kefren.armstctdt. Darmstadt. Unlängst hat sich der 24 Jahre alte Ledige Kunstglaser Josef Hirsch in seiner Wohnung in der 'Landwehrstraße dahier erschossen. Der Unteroffizier Jäger vom Artillerie - Regiment No. 25 gnicth mit dem Droschkenkutscher Jakob Boos auf der Straße -in Streit, bearbeitete den Boos zunächst mit den Fäusten und schlug ihm schließlich mit dem Säbel zwerso wuchtige Hiebe über den Kopf, daß ider Angegriffene ans' klaffenden Wunden blutete. Gegen den. Unterofftzier ist ein Strafverfahren eingeleitet Karden,' . - Bo.nSweZler. .Vor" Kurzein stürzte .der 7evige, ca. 36 Jahre alte - Y . IT ,4V W xxLQvtazx ouiö oamann aus iuv lnJshafen vom D' des rcuen SchulHauses und zo aus..-? c:ru.:n Kcrl:5u5Nr einen . klizrten Oberschenkelbruch zu... v
