Indiana Tribüne, Volume 29, Number 135, Indianapolis, Marion County, 31 January 1906 — Page 5
Jndlana Tribüne, 3l. Januar 1906
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ter. "r Erzählung von E. Uittcr. (Schluß.) "" Es waren Wochen vergangen. Im fiörflcrljnuS wehte eine schwüle Luft. Der Hausherr ging mit ganz eigenthiimlich flackernden Augen umher, wie verzehrt ten einem inneren Feuer. Flau Berthas rosige Wangen waren blasser geworden, die Kinder, die sonst das ganze Haus mit ihrer lauten Fröh lichkeit erfüllten, wagten nicht mehr, sich wie früher zu geben; nur öra Nordau war unverändert in ihrem Wesen. Älos in ihrem Benehmen der Familie gegenüber hatte sich gleich nach den ersten Tagen ewaS geändert sie zeigte für Bertha und die Kinde? nur noch die oberflächlichste und nicht zu umgehende Theilnahme, während sie den Herrn Förster" ganz mit Beschlag belegte, Gr mußte sie in den Wald führen, er mußte ihr sitzen, sie nahm ihn in einer Weise in Tlnspruch. daß er kaum noch Zeit fand, seinen dienstlichen Pflictiten nachzukommen. Bertha hatte wohl einmal versucht, ihren Mann auf das Zuviel aufmerksam zu machen sie war zwar nur eine schlichte Frau, aber in ihr lebte ein feines Taktgefühl doch da war er je heftig geworden, wie sie ihn noch nie gesehen. Luletzt hatte er sie spöttisch gefragt, ob sie vielleicht eifersüchtig sei, und damit, hatte er ihr den Mund geschlossen. Still that sie ihre Pflicht, erfüllte der Fremden gegenüber alle Obliegenheiten der Hausfrau; nui eins that sie nicht, sie war nicht zu bewegen, der Malerin zu siyen, ebenso wenig gab sie die Kinder dazu her. Sie konnte es nicht. Denn ihr Mann hatte ja recht, sie war eifersüchtig aus die Fremde, sie mußte es sein. Gna Nordau gab sich gar keine Mühe, ihr Wohlgefallen an .dem Franz! zu ver bergen; sobald er in ihre Nähe kam, ließ sie ihre dunkeln Augen spielen, sie schmeichelte ihm auf jede Weise, und Bertha errcthete oft für sie, wenn daS kokette Treiben gar zu arg wurde. Ihrem 7eknen lnn war ein derartiges Benehmen ganz unverständlich, und es würde sie angewidert haben, uch wenn es nicht ihre eigensten Interessen berührt hätte. Sie fühlte, die Malerin machte ihr das Herz des Gatten abwendig; Frau Bertha hatte offene Augen bei Tag und ein feines Gehör bei Nacht. Sie hörte es, wie er, der sonst fest und traumlos schlief, sich jetzt unruhig umherwälzte und oft genug in halbem Phantasiren der Name Cra sich über seine Kippen drängte. Was sollte daraus werden? Cö war ja kein Zweifel mehr, die schöne, unheimlich schöne Fremde hatte eine Neigung zu dem Franzl gefaßt, und der unselige Mann erwiderte sie! Was sollte daraus werden? So fragte sich Bertha bei Tag und bei ?!acht, ohne eine Antwort zu finden. Qualvolle Stunden durch lebte sie; waren die Beiden im Wald, so kam sie nicht zur Ruhe vor innerer Angst, waren sie im Haus an kühlen trüben Abenden, wie sie im Gebirge häufig sind, dann litt sie erst recht Folterqualen, wenn sie ansehen mußte, wie'ihr ihr Franzl nur Augen für die Fremde hatte, wie er dieser Lieder auf dem Waldhorn blies, wie er mit dieser von Dingen sprach, die ihr, der einfachen Frau, unbekannt und Unverstandlich waren. Vor ein paar Tagen, da hatten die Beiden gar eifrig darübe? gesprochen, daß Alles anders werden müsse in Zukunft, daß die Frauen frei sein sollten wie der Mann, daß die Ehe, wie sie jetzt bestehe, eine Thorheit sei, daß kein Mann und lein Weib sich binden solle und dürfe auf Lebens zeit. Das heißt, der Franzl, der hatte mehr zuackört. als Fräulein Lva dieie fteoi vorvraazle, uno ioin war er geworden, das hatte sie wohl gesehen, aber zuletzt hatte er doch gemeint, das habe gewiß etwas für sich, und was so gescheite Leute, die die Zeitung schrie den, für recht hielten, das müjse wohl recht sein. Ihr, der Bertha, graute, wenn sie an das Alles dachte. Wenn das wahr sein könnte, dann hätte sie gar kein 3!echt mehr an den Franzl, ' dann konnte der sagen: Ich hab nun eine Andere lieber als Dich, ich hab mich geirrt, als ich Dich heirathete, wir müssen uns trennen! Ja, daß es eine Ehescheidung gab, das hatte sie gewußt, aber sie hatte gemeint, dazu gehörte erst ein grobes Verschulden des einen Theils, und in ihrem reinen Herzen hatte sie immer das Gefühl gehabt, mit gutem Willen könne man auch über ein solches hinweg sich doch noch wieder zurechtfinden, wenn man sich die Worte amlltar: Was Gott zusammengefügt, das soll der Menfdi nicht cheiden" ln's Gedachtnll; zurück riefe. Aber so, nur weil einem eine Andere besser gefiel als das angetraute Weib, daß mun deshalb einfach von einander gehen solle, das hatte sie nie gedacht. Aber nun scheint s doch so. Und Fräulein Cva hatte so eifrig darüber gesprochen , freie Liebe" hatte sie das genannt, und eine Trennung sei in Zukunft gar nicht mehr nöthig ob wohl etwas Wahres daran war' Dann hätte sie, die Bertha, wohl die Pflicht, den Franzl freizugeben, damit er sein Glück bei der Anderen finde? O Gott, lieber Gott, wie schrecklich! Aber t sah'S ja, er hatte keinen ande . ren Gedanken mehr im Kopf als den an das Fräulein, eS würde nimmer mehr werden, wie es gewesen. Und sie war eben auch gar zu einfach, zu unge lehrt sür den Franzl für den würde es erst ein rechtes Leben werden, wenn er ne Frau hätte, die zu ihm paßte.
.iCet lie ttlnder, die Kinder ! cuu lic auch gehen wollte, Platz rnachen was sollte aus den Kindern werden? Und ob die ö?a auch wirklich so die rechte Lieb sür den Franzl hatte? Das Alles fragte sich die arme, geauälte Frau eben wieder, als sie still mit ihrer Näharbeit auf der Bank vor dem HauS unter der Linde saß. Die Kinder spielten im Garten, aber kein lauter Ton drang zu ihr, Sie hatten ganz den Muth verloren zu lauter Fröhlichkeit, seit Vater immer so streng mit ihnen war und Mutter stets bcttübt und still. Und die fremde Dame ach. die konnten sie nicht ausstehen. Die hat 'n Gesicht,, als wie 'ne Katze," sagte der Hansel immer zu seinem Schwesterchen, obgleich er einmal, als der Vater cö gehört, arge Prügel dafür bekommen datle. Auch in der Umgebung des Hauses war'S still, und eine unangenehme Schwülelag in Ur Luft. Vor einer halben stunde balte der Franzl, aus dem Wald kommend, .unter dem Fenster gerufen : Fräulein Eva, kommen Sie schnell, ich habe einen prächtigen Weg zu machen zu den Köhlern, da waren Sie noch nicht, und vergessen Sie Ihr Skizzenbuch nicht; daS ist was sür Sie uno kaum zwei Minuten später war das Fräulein bereits aus dem Haus getreten, in leichter heller Klei dung, weiß mit seuerrothen Schleifen und einem großen, mit Spitzen bedeckten Hut wunderschön hatte sie aus gesehen, und nachdem sie der Hausfrau zugerufen: Seien Sie nicht zu flei ßig, liebe Frau," nachdem Franzl ihr, seiner Gattin, flüchtig zugewinkt, waren die Beiden im Wald verschwun den. Sonst hatte der Franzl so gern Frau und Kinder mit zu den Köhlern genommen heute hatte er gar nicht daran gedacht, sie aufzusordcrn. Frau Bertha faß scheinbar still, aber in ihr tobte eine furchtbare Unruhe, die sie zu ersticken drohte. Sie sah immer das Paar vor sich, ihren Franzl, ihren schönen, stattlichen Mann, und ihm zur Seite die die ihr sein Herz gestohlen. Ach, es war ja kein Wunder,
wenn sie ihn lieb hatte ; durfte sie ihr denn darum zürnen? Und wenn es sein Glück wär, dem Franzl seins? Muß sie dann Platz machen? Da ist sie. schon wieder bei dem Punkt. Wer ihr Ant wort gäbe auf diefe Fragen! Vielleicht sollte sie einmal zum Herrn Pfarrer gehen und dem chr Herz ausschütten. Aber das widerstrebt ihauch. Wie könnte sie ihren Franzl anklagen! Und das müßte sie doch. Cjiii heftiger Windstoß durchfährt jetzt den Wald und schüttelt die ersten gelben Blätter von der Linde, und noch etwas Anderes flattert durch die Luft und fällt vor ihr nieder, ein weißes Blatt, dicht beschrieben mit reget mäßigen Buchstaben. ie hebt es auf. es ist ein Brief. Ach, der ist sicher oben aus des räulelns Fenster geweht, p, das steht weit offen, und sie weiß, die Dame schreibt stets am Fenster. Besser verwahren sollt sie freilich ihre Briefe. Was mag wohl drin stehen? Vielleicht gar etwas über ihn, über den Franzl I Nun, das kann sie ja erfahren. Sie will den Brief lesen, ist's ja doch gerad, als sollt es so sein, ist er ibr dock aerad zuaelallen. Sie liest: liebste Wally! Nein, was hab' ich gelacht beim kmpsang Deines Briet chenö! Tu bist doch zu komisch, hast Angst, ich könnte mich Ernstlich in den , starken Necken,' den Unterförfler Franzl, verlieben! Nein, Schatz, das hat keine Gefahr. Ich leugne nicht. dcr Mann lntercsnrt mich ungeheuer. er ist erstens bildschön, was für meine Malcrangen nicht zu unterschätzen ist, zweitens ist er so köstlich in seiner hat den Bildung, in seinen halb gereiften. kalb kindlichen Ansichten über Welt und Leben, so ganz anders als unsere Herren. Drittens ist er in mich ver liebt, und Du weiLt ja selbst, wie wohl es uns thut, zu fühlen, welche Macht wir in unseren kleinen Händen haben. Und diese Macht 'mal einem solchen Mann aus dem Volk gegenüber zu erproben, das reizt ! Ich geh' auch nicht eher, bis ich ihn, der jetzt noch scheu und furchtsam ist wie ein ichulknabe, zu meinen Füßen gesehen, bis ich in den blauen Augen die Leidenschaft habe glänze. sehen, eher gehe ich nicht, und wenn die stille Frau sich verzehrt vor Eifersucht die ignortte ich einfach. Aber bevor ich den Mann nicht gesehen, wie ich es will, in voller Leidenschaft, eher kann er mir auch sür mein Bild, das ich auf die Ausstellung bringen will, nichts nützen. Cs wird mein bestes, das fühle ich jetzt schon,aber ich verrathe Dir nichts über das Motiv. Was bin ich froh, daß ick hier in dieser lLinzamkert gefunden, was ich gesucht: Natur! Denn im Grunde ist dieser Franzl doch die reine Natur rn seinem C rL I r m r-v 4 - aeußern, in icinem Innern ! Also, liebstes Herz, sei unbesorgt; ich weiß, was ich zu thun habe, und wenn es mir pa? macht, einmal ein Herz in Brand zu setzen, nun, so laß mir den Spaß. Du wirst mir hoffentlich so viel Verstand zutrauen, mich glatt aus der Affaire zu ziehen. Mein Herz ,st za nicht bethätigt, und seines, nun. das geht sicher nicht daran zu Grunde, das glaub' mir, das ist aus zu qesun dem Stoff. Die Natur, die stößt das ungesunde schon bald wieder aus. Also keine Moralpredigten und keine Angst. Bald sehen wir uns wieder, denn lanae kann'S nicht mehr dauern, bis der ,starke Recke rn vollen Flammen steht. Lev' wohl, kleine Sittenprediger!, und zürne nicht Deiner Cva. S. Die Frau hätt' ich auch gern
aemalt.und die Kinder. Die Frau ist
eine Erscheinung wie eine nordische Göttin. Ich hätt' sie zu gern als Frau
Holde, durch die Fluren schreitend und den FlachS segnend, gemalt. Aber sie thut's Nicht. Uns dle Klnder haben herzige Fratzen. Nun, so verstohlen bad' ich doch ein paar Skizzen von ihnen aufgenommen, die zu einem Genrebild verwendet werden sollen: Im Forsthaus. Weißt Tu, der Vater V v v i - - ä a ? i j. t v.elmlenrenö, cie sanier um cerajui1 sel an den Tisch tretend, die Kinder erwartungsvoll dasitzend ein paar LZehgehLrne an der. Wand, ein paar Teckel das Milieu ist nicht schwierig. Uebligens ein bekanntes Motiv, wir! aber gern gekauft. Nochmals leb' wohl. D. ). Frau Berttia las den Brief, einmal. zweimal, immer wieder, langsam, bedächtig; sie war'S nicht gewöhnt, so etwas zu lesen, und sie mußte dabei nachdenken, nm den Sinn herauszubekommen. Aber zulegt hatte sie ihn erfaßt, gründlich, nur einzelne Ausdrücke blieben ihr unklar. Und ein heiliuer Zorn leuchtete aus ihren hellen Augen. TaSschlechte,' schlechte Weib! Das ihren Franzl nicht einmal lieb hatte, das nur mit ihm spielen wollte, ihn znm Besten haben! Und dann davongehen und sein Bildlauf die Auöstellung bringen. .Das schlechte Weib! O ihre Hände ballten ' sich, ihr war, al5lönne nie niebr die Sonne fcheinen. als könne keine Blume mehr blühen in 'einer Welt, die solche Kreaturen her vorbrachte. In der einfachen Frau lebte so viel gesundes Gefühl; ja. wenn cie Eva den Franzl lieb gehabt hätte, so recht von Herzen, dann hätte man aM End Mitleid mit ihr haben können, aber so Bertha sprang auf, ihre Geitalt richtete flch straff in die Höhe, alle Zweifel, die ihr vorhin so schwer aus dem Herzen gelegen, waren verschwunden. Sie wußte mit einem Mal, was ihr zu thun blieb. Ganz klar war s ihr, wie sie morgen, wo der Franzl. zur Jagd mußte, handeln wurde. O, daß es erst morgen wäre! Der Gedanke, daß noch eine Nacht ver gehen mußte, bis sie ihr Haus reinigen konnte, war ihr fast unerträglich. Aber es war nicht anders zu machen. Mit festen, sicheren Schritten ging Frau Bertha in'S Haus, um daS Abendbrod für die Kinder zu rüsten. Am anderen Morgen in aller Frühe brach der Förster zur Jagd auf. Um sieben Uhr, zur gewohnten Stunde, trat Bertha mit dem Kaffeebrett in das Zimmer des Fräuleins den Frühkaffee nahm die Malerin stets allein. Sie war bereits fertig und schien im Begriff, etwas zu suchen. , Guten Morgen, liebe Frau Försterin, ach, sagen Sie, ich vermisse einen Brief ich begreife nicht er muß zum Fenster hinausgeflogen sein, denn das Zimmer hatte ich abgeschlossen und" Gewiß, der Wind hat den Brief hinausgeweht, mir gerad in die Hand, Fräulein Nordau, das hat so fein leiten.' Ich hab den Brief gelesen, und ich sag Ihnen" mit blitzenden Augen trat sie der Malerin, die plötzlich leichenblaß wurde, näher ich sag Ihnen, Sie sind eine schlechte Person, eine ganz schlechte, und keinen Tag mehr bleiben Sie hier im Haus. Zwei Stunden haben Sie Zeit, Ihren Kram zusam menzupacken 'S ist jetzt sieben Uhr, um neun steht der Wagen vor der Thür, und der Knecht fährt Sie zur Station. Keine Widerred!" rief sie lauter, als die Malerin auffahren wollte, keine Widerred! Sie bleiben keinen Tag mehr im Haus!" Schweigen Sie doch nur, ich habe ja gar nicht die Absicht, zu bleiben und mir Ihre Unverschämtheiten gefallen zu lassen. Ich bin bereit, zu gehen, aber eins muß ich wissen, ob Sie Ihr Mann zu Ihrem Auftreten ermuthigt hat und feig davongegaugen ist, das interessirt mich." Mein Mann, mein Franzl? Ja, was glauben' denn? Glauben's etwa, ich hätt', meinem Mann das Herzleid angethan, ihn den Brief lesen zu las sen, den Brief, in dem Sie seiner spotten, nachdem Sie ihm sein Herz vergift't ' haben mit Ihrer falschen Lieb? Nein, den Brief kriegt er net zu lesen, lieber soll er mich schelten, daß ich in der Eifersucht Sie aus dem Haus getrieben, ich will mir's gefallen lassen, und will mit ihm umgehen, wie mit einem kranken Kind, will ihm nichts übel nehmen, bis er wieder zurechtkommt. Und Sie. nun Sie müssen das Uebrige mit Ihrem Gewissen aus machen, wenn's überhaupt eins haben, Sie schlechte Dirn! Wir sind fertig mit einander." Punkt neun Uhr rollte der leichte Wagen um die Waldecke, und Frau Bertha, die sich bis dahin gewaltsam ausrecht gehalten, brach nun -doch in einen Strom von Thränen aus. Die Hälfte war gethan, die leichtere Hälfte, die schwerere stand noch bevor. Aber so schwer, wie es kam, hatte sie es sich doch nicht vorgestellt. Als der Franzl nach Hause kam, müd und abgetrieben und doch erregt, wie immer in der letzten Zeit, als er suchend sich umsaif und auf seine Frage, wo das Fräulein sei, hörte, daß sie, Bertha, die Malerin aus dem Haus gewiesen, um den Gatten vor einem Treubruch zu bewahren, da ent wickelte sich ein furchtbarer Auftritt. Der Förster tobte förmlich in seinem Zorn, er beschuldigte sein Weib in den härtesten Ausdrücken, er hob die Hand gegen sie, gegen die Mutter seiner Kinder. Aber es kam nicht zum Schlag es blitzte etwas in ihren. Augen auf, was ihn im letzten Moment zurückhielt. Als der Sturm vorüber war, da wurde e unheimlich still. Jin'ter,, schweigsam, doch wie verzehrt von innerem
Feuere ging der Mann umher, Frau! Bertha kam mechanisch ihren Pflichten nach es war wie in einem Trauerhaus aus dem alles fröhliche Leben gewichen ist. Stundenlang saß der Förster und schrieb, lauter Entwürfe zu Briefen.die er dann wieder zerrißt und verbrannte. Er schickte keinen ab. Aber nach ein paar Tagen, da packte er seine Reisetasche und sagte kurz zu sei ner Frau: Ich muß für ein paar Tage fort, ich habe Urlaub, und sonst it nichts weiter zu besprechen." Da trat sie zu ihm, sah ihm fest in die Augen und fragte : Q Wohin willst Du? Ich will's wissen, ich bin Dein Weib und hab ein Recht, zu erfahren, wohin Tu gehst." Nach Berlin,." war die in schwerem Ton gegebene Antwort. Und wenn ich -Dich bitt. Fran;l. k recht von Herzen, thu's net. geh net zu ihr, die Dein Herz vergift't hat mit ihren schwarzen Augen, mit ihren glatten Nede, und die sich im Grund gar nichts macht aus Dir, wenn ich Dich bitt, um Deiner, um meiner, um der Kinder willen, geh net, was sagst dann?Dann sag ich, ich gehe doch, denn Du denkst nicht an sie, an die Eva, die mich lieb hat, so lieb, wie Du es gar nicht verstehen kannst. Sie hat mir's nicht mit Worten gesagt, ich habe sie nicht gefragt, weil ich dachte doch das ist nun vorbei ich fühl's, sie liebt mich, und ich muß zu ihr ich muß ihr sagen, daß ich nicht leben kann ohne sie." Frau Bertha wurde todtenblaß, sie athmete ein paar Mal schwer aus, dann sagte sie : . Armer Mann, armer Franzl ! Es muß sein. , Thut'S weh, thut's auch gut sagte mein Mütterl immer, als sie mir eine Brandwunde auswaschen und verbinden mußte, und unser alter Doktor, der sagte, als mich die Kreuz
otter gebissen und er irnr die Wunde auebrennen mußt: ,Das Gift muß heraus, wenn's auch schmerzt.' 'Ich muß Dir weh thultchjetzt, Franzl"damit nahm sie ein Ariefblatt aus dem Kommodenkasten, zu den, sie den Schlüssel stets in der Tasche trug aber thut's weh, thut'ö auch gut! Net gleich lesen, Franzl, geh in den Wald damit, und da draußen, wo.Niemand um Dich ist als der liebe Gott, da magst den Brief lesen. Und nacher wolln wir net mehr davon sprechen." Damit drückte sie dem verwundert blickenden Mann den Brief in die Hand, nickt: ihm liebevoll zu und ging in die Küche. ' A:ir späten Abend die Kinder waren längst zu Bett, und der Mond warf be reite? seinen Schein durch .das Fenster in die Stube da saß Frau Bertha allein und wartete. Nicht angstvoll sie war nicht nervös, und es kam ihr nicht in den Sinn, daß ihr Franzl sich mözlicher'Äeise eine Kugel vor den Kopf schießen könne aus, verschmähter Liebe' sie wartete in inniger Theil nähme, denn sie wußte, ihr Franz! litt. Aber sie wußte auch, er würde gesunden und zu ihr zurückkehren. Jetzt schlug der Hund an, und jetzt ging die Thür auf. Langsam, ganz langsam trat der Franzl näher, sein Auge suchte das Dämmerlicht zu durchdringen. Er fühlte, Bertha würde auf ihn'gswartet haben. Und ganz demüthig trat er zu ihr, er fiel ihr 'nicht zu Füßen vor Fräulein Eva würde er Vielleicht gekniet haben seinem Weib streckte er zögernd die Hand hin und sagte: Darf ich denn wiederkommen, mein braves Weib? Und Dir sagen, daß ich Alles draußen gelassen hab, was Sünde und Schande war? Und Dir sagen, daß Deiner Mutter Sprüchlein recht hat: ,Thut's weh, thut's auch gut!' Mein Berthel, mein liebes, treues Weib, verzeih mir und glaub, es war wie ein Rausch, der über mich gekommen war. Aber nun ist er verflogen das Gift ist heraus. Nur noch einen bittern Ge j fchmack hab ich auf der Zunge. Ach, ich wollt, ich wär wieder gesund geworden obne die Arznei, aus eigener Kraft es wär mir wohler. Willst Du mir verzeih und mir glauben noch einmal. daß ich nur Dich fortan im Herzen ::agen will?" Ja, Franzl, ich glaub Dir, und ich hab Dich lieb wie ,e. Und guck, wenn Tu Dir nur manchmal mit mir ein bisle Müh geben möchtst und mich theilnehmen lassen an den Sachen, die Du verstehst, und die ich net kenn in meiner Einfalt, dann kann's erst schön werden bei uns, schöner als wie fruner. Mußt nur Geduld nut mir haben." Stumm schließt der Förster sein We,b in die Arme, und die thräne, die sich in sein Auge stiehlt und auf Frau Berlhaö blonde Flechten fällt. die hat nur dcr Mond gesehen, und zu schämen braucht er sich ihrer nicht. Verschalung kalte: Wände im Kälber st alle In kleinen und mit mehreren Kälbern besetzten Laufställen legen 'sich die Thiere oft an die' kalte, feuchte Wand und ziehen sich dadurch Erkältungen zu, oeren Folgen Durchfall, und schlechtes Gedeihen sind. Die feuchten Wände munen mit Brettern vcrscyatl weroen. Es ist auch rathsam, hinter der Stallthür noch eine Bretterwand. anzubr.ingen. um die Thiere vor dem kalten Luftzug beim Oeffnen des Stalles zu schützen. Die Hufe der Fohlen sind wenigstens alle sechs Wochen bezüglich ihres Wachsthums zu untersuchen und entsprechend zu verbessern, um fehlerhaften Stellungen und Gangarten zu begegnen.
Hamburgs politische Stellung. . 2er erste Bürgermeister der Hansestadt und eine kleine Revolution." Der Staat Hamburg, in dessen Hauptstadt Hamburg kürzlich aus Anlaß von Prvtestversammlungen gegen geplante Wahlrechts-Aenderungen eine kleine Revolution" statthatte, nimmt mit Bremen und Lübeck im Range unter den deutschen Bundesstaaten die letzte Stelle ein. Ihrer politischen Bedeutung nach sind diese Freistaaten jedoch ganz anders einzuschätzen. Wenn der Kaiser die Fürsten und Genossen des Reichs um sich versammelt, fehlen nie die drei regierenden Bürgermeister der drei freien Städte Lübeck, Bremen und Hamburg; der von Lübeck im einfachen schwarzen Frack, dcr von Bremen in goldgestickter Uniform und der von Hamburg in seinem prachtvollen, ungemein kleidsamen spanischen Kostüm. Bon den drei Hansastaaten der weitaus größte, steht Hamburg der Einwohnerzahl nach, unter den -deutschen Bundesstaaten an siebenter Stelle. Der Staat Hamburg hatte bei der jüngsten Volkszählung 872.028 Einwohner, die Stadt Hamburg 800.582. Der gegenwärtige erste Bürgermeister Hamburgs ist Dr. I. H, Burchard.
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Dr. I. H. Burchard. Er bekleidete dieses Amt bereits im Jahre 1903. nachdem er vorher VevoNmächtigter des Hamburger Staates im Bundesrathe gewesen war. Die-gesetz-gebende Gewalt üben rn Hamburg der Senat und die Bürgerschaft aus. Der Senat wählt aus seiner Mrtte den ersten und zweiten Bürgermeister auf die Dauer eines Jahres. Länger als zwei Jahre nacheinander darf kein Bürgermeister im Amte bleiben. . Englands Arbeiterpartei. Ihre Erfolge bei den jüngste Parlameniwähle und ,hr Kuyrer. i Wenn schon die Siege der 'Liberalen ber den jüngsten Parlamentswahlcn rn England in weiten Kreisen vorher nicht vermuthet worden waren, so bilden, die Erfolge der Arbeiter-Kandidaten geradezu eine Ueberraschung. Die .Ar beiter-Partei wird unter, 'der Fuhrung von James Keir Hardie.'dem Vorsitzer der .Jndepenoent Labor Party, So zialisten ,-und neugewähltcn Paria mentsmitaliede für Merthyr Tydvil, eine vollständig unabhängige Haltung. einnehmen, so daß alle anderen Iraktionen mit. den Vertretern der Arbeiter im Parlament zu rechnen haben werden. ".. . i Hardie wurde 1836 'als Sohn eines armen schottischen Ehepaares in Wales James Keir Hardie. 0' geboren. Er arbeitete, gleich seinem Vater, in Minen und bildete sich durch Selbststudium fort. Hardie wurde Redakteur der Eumnock News" und dann Besitzer der 'Labor News." Im Jahre 1892 in's Parlament gewählt, erregte er Aufsehen, als er entgegen dem Herkommen in jener Körperschaft, durch Frack und Cylinder- auch äußerlich eine gewisse Würde zu dokumentiren. in Jackett und Arbeitermütze erschien. Im' Jahre 1895 unternahm Hardie zum Studium der amerikanischen. Arbeiterverhältnisse eine Reise nach denVer. Staaten; 1902 wurde ei . von. Neuem in's Parlament entsandt. Die Organisation der unabhängigen Arbeiterpartei Englands ist Hardies eigenstes Werk.
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