Indiana Tribüne, Volume 29, Number 133, Indianapolis, Marion County, 29 January 1906 — Page 6

jwiiiini uu LLIIM

HONSMVe$tm$ .... von ..... Möbeln, Teppichen, Oefen .... und .... Hausha!tnngsGegenständen WILLIQ'S 141 Wcft Washington Str. H. G.SP0NSEL. ...Bäckerei... 1030 Süd East Straße. Butter Ringe 10c Echter Pumpernickel Feinstes Roggenbrod Marktstand 36 Neues Telephon No. 9361 Kaufen Sie keinen fertig ger machten Anzug oder Ueberzieber wenn Sie solche auf Be stellung nach Maaß erhalten können so niedrig wie $jL5imt$2' Diese sehen schöner aus -und tragen besser. I G. Schneider, 38 W. Monument. -Deutsche Wirthschaft ÖCTX Gus. Amann, r97stAfnTTr nn CS " V VViy 852 Massachusetts Avenue DaZ berühmte Home Brer?" ftetS an Zapf. Die besten Weins, Liquörs und Cigarren. Jeden ag extra fe;nn ttarmen LunS L!?rgens und Abends. Zu einem Besuch ladet freundlichst ein. ' U8. Arnailll, 852 Mass. Ave August Roebeler, Sample und Pool Noon 'Die feinsten Weine, LiquZre und Cigarren und stets ein frische? 3tx Bier. 1201 Madison Avenue, Ecke MorrkA Zttuit. Wm. Stoeif ler Selle)Fl. N). 202 Nord Noble Straße. NeueS Telephon 2991, Aerzte. Dr. Carl Q. Winter Deutscher Arzt. Ledlndelt alle akute' und chron'.se rankjeüt. Speziell Rheumatismus, Rectum und Frauenkrankheiten. Office: 14 West Ohio Straße. Vfstce-Stunden : 10-11 Vm. 3-4 Nm. Sonntags : 9.3010.39 Vm. Tel. neu 43. Wohnung: 1220Madls,n Avenue Telephone: Alt. 2025. Neu, 9232. ör. J. A. Sutclii? Wundarzt, ,v &5iiijUdisilTrin- unt&eeintr -jt"' - - Rra'nkheitsn. 0'5tt ? 155 03 VkarkktStt. Tel. -j

jlct-eumi t li 13 Cir V. ; I Itl 4U

Sein vierzigster Geburtstag; HumorcSke von Franz Balke. Der Gymnastalprofessor Arnold Wesseling war so eifrig in seine Arbeit Goetheliteratur der Gegenwart" vertieft, daß er einen tiefen Seufzer seiner Frau ganz überhörte. Sie überlegte gerade, was sie ihrem Lebensgefährten zum vierzigsten -Ge-burtstag schenken . sollte. Mit keiner Gabe hat sie bisher in sechsjähriger Ehe das Richtige getroffen; immer hatte der Professor, wenn auch gutmüthig scherzend, kleine Ausstellungen gemacht. Dabei war er durchaus nicht' anspruchsvoll, im Gegentheil, er liebte schlichte Aufmerksamkeiten und haßte alle theuren Geburtstagsgeschenke. Im ersten Jahre der Ehe verehrte sie ihm ein echtes sibirisches Wolfssell für achtunddreißig Mark. Er zog die Stirn in Falten und sagte: Was man mit Füßen tritt, soll man billiger kaufcn! Ein Angorafell für den fünften Theil der, Summe leistet dieselben Dienste". Im nächsten Jahre war sie vorsichtiger und wandte nur vierzehn Mark für eine geschmackvolle Neisetasche an. Der Professor bemerkte scherzend: Für meine Bergfahrten ist ein Rucksack zwar praktischer, dafür aber auch sechs Mark billiger!" Und so ging das fort. Es war doch zu ärgerlich, daß er jedesmal Kritik übte, daß er niemals ein. Geschenk mit uneingeschränktem Danke entgegennahm. Was sollte sie nun zum bevorstehenden vierzigsten Geburtstage kaufen? So eine Vierzig" ist doch auch eine Jubiläumszahl da muß man schon mit etwas Gediegenem dienen können. Aber freilich, für theure Sachen war er nicht, und Kleinigkeiten, etwa Krawatten. Manschettenknöpfe. Blumensträußchen wer weiß, was für gutmüthige Spötterei sie da zu hören bekam ach, es war wirklich zum Aergern! Nein, er sollte nicht spötteln sie wollte ihm überHaupt nichts schenken. Durch die fruchtlose Gedankenarbeit in üble Laune versetzt, eröffnete sie dem Herrn Gemahl ein kleines Plänkelfeuer. Aber Arnold, so lauche doch nicht so stark! Wie viele Cigarren magst Du diese Woche wieder in eitel Dunst verwanoelt haben! Uebrigens hat Goethe, wie ich vorhin las, die Behauptung aufgestellt, ein wahrhaft genialer Mann werde gewiß keinen Tabak rauchen. Auch Schiller und Lessing haben nicht geraucht!" Wesseling sah seine Frau prüfend an und stellte im Geheimen Diagnose auf Lenzgewitter", dann entgegnete er bedächtig: Schiller war kein Raucher, da hlast Du recht, desto mehr hat er aber geschnupft. Mit Lessing bist Du aus dem Holzwege. Seine alte Aufwärterin hielt ihn zwar auch nicht für einen genialen Menschen, denn sie äußerte einmal treuherzig: Schmauchen und schreiben konnte der Herr Lessing wohl, aber sonst war er zu nichts zu gebrauchen!" Aber ich glaube nicht, daß Goethe Lessing's Genialität jemals bezweifelt hat." Du bist aber auch nicht Lessing, sondern nur der Herr Wesseling!" Der Professor war von der kleinen entschiedenen Wendung belustigt.

Nur der Herr Wesseling!" wiederholte er mit Humor. Denke nur, welcher Lichtglanz dabei auf Dich fällt! Ich sollte meinen, eine wahrhäft'geniale Frau wird niemals einen geistlosen Mann heirathen!" Es hat jeder einmal eine kleine Anwandlung von Schwäche!" antwortete sie schnippisch. Na. siehst Du.!" lachte er. Da sind wir ja glücklich bei der Friedenseiche angelangt. Deine Ohnmacht ist der Herr Wesseling und meine Schwäche ijt ein Cigärrchen. Uebrigens haben viele geniale Männer geraucht, oder willst Du in Abrede stellen, daß starke Raucher wie Milton. Boß. Walter Scott, Lord Byron, Herder, Kant Geistesgrößen waren?" Meinetwegen! Ich möchte Dich nur bitten, die Stärke Deiner Rauchwölken mit Deiner Geistesgröße in' rechte Verhältniß zu setzen, ich werce dann nicht viel Ursache zu bösen Worten haben!" Damit eilte, sie hinaus, befriedigt von dem kleinen Trumpfe, den sie eben ausgespielt hatte. Wesseling erwiderte nichts. Er zündete sich eine frische Cigarre an und schrieb weiter. Frau Anny überlegte inzwischen in der Küche, ob sie auch nicht zuviel gesagt habe. Wenn ihr Mann nichts mehr entgegnete, so war damit die äußerste Grenze zwischen Krieg und Frieden gegeben. Sie fühlte sich schuldig, den Ehehimmel bewölkt zu haben. Das Schlimmste war, daß sie noch immer nicht wußte, was sie ihrem Gemahl schenken sollte. Oder sollte sie ihm wirklich nichts geben? Am andern Tage besprach sie sich mit einer Freundin, einer sehr klugen Frau.. Sie rieth zum Guten. Das Nörgeln", sagte sie, ist den Männern angeboren, und die Gelehrten" sind erst recht aus lauter Kritik zusammengesetzt. Du mußt Deinen Gatten mit einer Gabe versöhnen, die ihm ge rade in seiner Eigenschaft als Raucher willkommen sein muß!" Anny beschloß, dem Eheherrn einen Cigarrenkasten zu verehren, den sie eigenhändig mit Brandmalerei zieren wolle. Als die Geburtstagsspende nach einigen Tagen fertig war. em- ! Pfand sie eine lebhafte Freude. Sie I hatte jeden Strich und jeoen' Punkt

sorgfältig und gewtjlenyasl ausgeführt. Vielleicht ging es ihm besonders zu Herzen, wenn sie beim Ueberreichen ein paar schlichte Worte in gebundener Rede sprach. Es paßte doch auch ganz gut für sie. Sie war ja erst dreißig Jahre alt, also noch eine junge Vixau. Anna sekte sich an den Schreibtisch und brachte nach einiger Anstrengung und nach vielen Aend?rungen wirklich acht Zeilen zusammen. Wenn mein liebes Männchen raucht, Ist es glücklich und zufrieden; Drum sei ihm zum Ehrentag Dieser Kasten hier beschicken.. Füll' ihn mit den feinsten Sorten, Blase blaue Ringelein; Will mich gern der Wölkchen freuen. Will Dir niemals böse sein!" Sie fand das Gedicht gar nicht so schlecht. Nun wollte sie's noch auZwendig lernen. Es' war die höchste Zeit, denn übermorgen war der Geburtstag. Wenn Arnold diesmal nicht zufrieden war, wenn er diesmal nicht gerührt wurde, dann war ihm nicht zu helfen. Hell strahlte die Morgensonne durch's Fenster, als die Hausfrau dem Geburtstagskinde mit einem künstlerisch verzierten Cigarrenkasten entgeqentrat und mit bewegter Stimme die Worte sprach: Wenn mein liebes Männchen raucht, Ist es glücklich und zufrieden; Drum sei ihm zum Ehrentag' Dieser Kasten hier beschieden. Füll' ihn mit den feinsten Sorten Feinsten Sorten " Hier kam sie plötzlich aus dem Concept. Ihr Mann sah ihr so ruhig und sanft in die Augen. Füll' ihn mit den feinsten Sorten " wiederholtere stotternd. Der Professor nickte aufmunternd und half freundlich ein: Blase blaue Ringelein." Woher weißt Du das?" rief sie hastig. Dann brach sie in Thränen aus. O Arnold das ist schlecht von Dir!" Wesseling war erschrocken. Aber 'liebes Frauchen, ich mein's doch nicht böse. Der Zettel lag gestern auf dem runden Tisch Du hast ihn jedenfalls versehentlich liegen lassen. So weine doch nicht, Anny! Ich freue mich sehr über Deine Aufmerksamkeit. Mir gefällt ja der Kasten mitsammt dem Gedichte außerordentlich!" . Nach langem, freundlichen Zureden beruhigte "sich Anny endlich. Sie ließ sich's aber nicht nehmen, dem Herrn Gemahl gründlich auseinanderzusetzen, wie schwierig es ist, für einen kritischen Gymnasialprofessor ein passendes Geburtstagsgeschenk zu wählen. Sie erläuterte das eingehend an den Beispielen, die sie in sechsjähriger Ehe erfahren hatte. Und wenn ich diesmal nicht mit dem Gedicht verunglückt wäre," sagte sie, wer weiß, was Dir an dem Kasten nicht gefallen hatte!" Aber Kind." entgegnete er lächelnd, so schlimm ist's doch nicht! Der Cigarrenkasien ist ja wunderhübsch. Ich hätte Dich höchstens fragen können, warum Du ihn nicht selbst mit den feinsten Sorten" gcfüllt hast!" Da haben wir's!" eiferte die Gatiin.' Na weißt Du, mein Bester, das nächste Mal zerbreche ich mir den Kopf nicht erst lange! Ich stopfe Watte in die Ohren und schenke Dir einfach ein Paar Frankfurter Würstchen. Aber ohne Verse!" Weil die Würstchen schon poetisch genug sind?" sckerzte der Professor. Wie meinst Du das?" fragte Frau Anny schnell. Nun sie stammen doch aus Goethes Heimath!" Jetzt mußte die Frau Professor lachen. Du kommt das in Deine Goetheliteratur der Gegenwart"?" Das nicht aber Dein Gedicht vom Cigarrenkasten!" Humor in der schult. Ein paar neue Beispiele aus diesem unerschöpflichen Kapitel erzählt Dr. Macnamara in der englischen Zeitschrift The Schoolmasier". Die Lehrerin fragt in der Klasse: Könnt Ihr Eure warmen Mäntel ausziehen?" Ja." Kann der Bär seinen warmen Pelz ablegen?" Nein." Als die Lehrerin nun ach dem Grunde dafür fragt, antwortet ein hoffnungsvollerSchüler: Weil nur der liebe Gott weiß, wo die Knöpfe sind." Der Lehrer erzählt den Kindern, daß der Pfau einen schönen Schwanz hat. während der Schwanz der Pfa. Henne kaum nennenswerth ist." Ein

Kind sollte darauf, etwas vom Pfau wiedererzählen, und es veginni: er Pfau hat einen schönen Schwanz; die Pfauhenne hat auch einen schönen Schwanz, aber man darf nicht darüder reden!" Ein Dorfvolizist. der in seinem ganzen Bezirk durch seinen Eifer, die Missethäter der strafenden Gerechtigkeit zu überliefern, bekannt ist, bringt seinen Sohn in die Schule. In der Reliuionsstunde wird dieGeschichte von Kain und Abel erzählt; der neue Schüler lauscht aufmerksam allen Einzelheiten der biblischen Geschichte.. Als die Lehrerin geendet hat, meldet sich der Kleine eifrig und sagt: Jch.werde es meinem Papa sagen, der wird den Mann schon sinden!" Ganz Stab. Backfisch: Dichten der Herr Leutnant auch?" Leutnant: Aeh. natürlich. Gnädige. Aber nur in Stabreimen."

Ein ("cnsttinci JJcsiicl.

Jach ctnrrn wirklichrn ErciAni5. Robert Ahlers, der einzige Rechtsanwolt im kleinen Städtchen Z., pflegte eines Abends der wohlverdienten Rutz?. Sich im Sessel zurücklehnend, freute er sich der berrschenden Stille um ihn und das Bewußtsein, sein schweres Tagewerk hinter sich zu haben, machte ihm diese Abendstunden besonders lieb. und werth. Es war noch früh im Herbst. Die Sonne war längst untergegangen-, dichter Nebel wallte über Wiesen und Felder, leise vom Winde bewegt, ttx sie zu seltsamen Gebilden formte. Robert AhlerS konnte von seinem Schreibtische aus durch das offene Jenster hinaussehen! es war ihm ein Genuß, die hereinbrechende Nacht zu be obachten, dabei die hinter ihm liegende Arbeit mit dem Gedanken kurz zu sireifen und sich ein Schema zu machen für das, lraö am anderen Tage erledigt werden sollte. Ein für alle Mal hatte er dem ölt. lichen Mädchen, das seinen Junggesel-len-Hausstand leitete, geboten, daß er zu dieser 'Stunde niemals gestört zu sein wünschte. Bis heute war dies auch nicht geschehen. Um so verwunderter war der Notar daher, als das Mädchen in sichtlicher Erregung eintrat und ihm meldete, daß Jemand ihn in, dringender Angelegenheit zu sprechen wünsche. Ich habe Ihnen doch deutlich gesagt, daß ich um diese Zeit keine Ge schäste mehr erledige," sagte Ahlcrs scharf. Gewiß, ich weiß eö und sagte es auch der Dame, aber sie wollte sich nicht abweisen lassen. Sie sieht so seitsam aus, Herr RcchtSanwalt, ich fürchtete mich ordentlich aber, o Gott, da kommt sie ja" Im nächsten Augenblick war der Dienstbote verschwunden. - Leise Schritte im Vorgarten ver anlaßten Ahlers, durch das Fenster zu blicken. Er sah eine Frau auf der Schwelle des Portales stehen. Sie war ungewöhnlich groß und in schwarze Gewänder gekleidet, die ihre ebenmäßige Gestalt besonders vortheilhaft hervortreten ließen. Das Gesicht war von außerordentlicher Schönheit, dennoch lag ein Ausdruck auf demselben, welcher den Rechtsanwalt sonderbar berührte. War es das auffallende Weiß ihrer Haut, der sonderbare Schimmer in ihren Augen oder das Gemessene ihrer Bewegungen? Ihre Züge schienen aus Alabaster gemeißelt, nur ihre dunklen Augen funkelten heiß und leidenschastlich. A!S er sich von seinem Erstaunen erholt hatte, stand die Fremde in seinem Zimmer er hatte ihr Eintreten kaum bemerkt, dasOesfnen undSchlie ßen der Thüre gewiß überhört. Sich gewaltsam bezwingend, sagte er: Bitte, nehmen Sie Platz, gnädige Jrau." Sie schüttelte sanft das Haupt und blieb stehen. Wünschen Sie meinen Rath, meine Hilfe? öcann ich Ihnen irgendwie dienen?" fragte Ahlers, peinlich berührt von ihrem Schweigen. Ja, ich brauche Ihre Hilfe!" erwiderte sie mit so melodischer Stimme, daß sich der Rechtsanwalt fast wider Willen gefesselt fühlte. Dennoch fuhr er geschäftsmäßig fort : fassen Sie mich wissen, um was es sich handelt, ich werde mein Möglichstes thun, um Ihnen beizustehen." Die schwarzgekleidete Dame verbeugte sich leicht und sagte dann mit sichtlichem Kampfe: Ich wünsche, daß Sie sofort mit mir nach Ehlislinenhos kommen" Nach Ehristinenhof,". rief Ahlers, ZU Baron von Sylva?" Ja, der' Äaron verlangt nach Ihnen, es ist keine Zeit zu verlieren selbst in diesem -Augenblicke möchte es schon zu spät sein. Bitte, zögern Sie nicht länger." Sie war von Minute zu Minute unrubiger geworden und ihre langen. weißen Finger schlänge'.: sich nervös ineinander.. Zum ersten Male sah Ahlers, daß sein Besuch einen Ehering trug. Sicher, so dachte er, war sie eine verwittwete Verwandte des Barons. Haben Sie bedacht, daß ChristinenHof nicht eigentlich in meinen Distrikt gehört? Sie haben sich wohl in der Person geirrt," meinte der Jurist mit leichtem Lächeln. Nein, nein!" rief sie rasch. Sie wollte ich holen, sein eigner Anwalt ist krank. Bitte, kommen Sie sofort ! " Ist der Baron krank?" Ja." Er wünscht 'sein Testament zu machen?" Er will ein älteres ändern, aber ich will Ihnen die Einzelheiten unterwegs erzählen, kommen Sie geschwind," drängte, die Dame in großer Unruhe und Hast, während sie von der Thüre, die sie alsbald erreicht hatte, bittend und beschwörend den langsam folgenden Notar anschaute. Nun zögerte er nicht mehr. In aller Eile nadm er die Mappe mit den nöthigen Papieren, griff nach Hut und Paletot und folgte der rastlos dahinschreitenden schwarzen Gestalt zum Bahnhof. Er löste Billets erster Älasse, um mit ihr allein zu sein, denn er war begierig. Nähere über die seltsame Art zu erfahren, mit der man zu so unyewohnter Stunde seine Dienste begehrte. Er betrachtete das scharsgeschnNtene Profil seiner Begleiterin, das ihm in diesem Zwielicht, das im Koupe

yerrMe, noch viel schöner, oder aucu ätherischer erschien wie vorher. . Baron Sylra ist ein sehr, sehr theurer Freund von mir," begann die Fremde mit ihrer leisen melodischen Stimme, der sich in großer Gefahr be sindet und zwar durch eine Person, der er von jeher nur Gutes erwiesen. Sein früberes Testament ist zu Gunsten di. ser Person, eines Nesfen, gemacht. In letzter Zeit jedoch bekam der Baron Kunde von der Existenz eines Kindes seines besten, geliebten Freundes. Zu dessen Gunsten will er das Testament ändern, woran ihn jedoch der )!effe mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln zu hindern sucht. Nun wissen Sie, warum ich Sie nach dem Christinenhof bringen will." Wollen Sie damit sagen, daß dieser Neffe ein Scheusal, ein Schurke schlimmster Sorte ist?" rief Ahlers entsetzt. Ja, er wendet sogar Gift an. Aber ich bitte Gott, daß wir noch zeitig ge nug kommen." Verzeihen Sie, gnädige Frau, meine scheinbare Neugierde, aber woher wissen Sie dies Alles? Waren Sie kürzlich in Christin'enhos?" Ich kam von'dort zu Ihnen," war die Autwort. . Mir scheint, das wäre eher ein Fall für die Polizei, als begann Ahlers die Dame jedoch unterbrach ihn rasch: Jchhabe keine Macht über sie, man wurde , mir nicht glauben. Sie können Alles thun, was ich brauche." Der Rechtsanwalt konnte nichts mehr auf diese sonderbaren Worte erwidern, denn der Zug hielt an, sie stiegen aus und begaben sich zu Fuß nach dem sine halbe Stunde entfernten Christinenhof. Es war fast elf Uhr, als sie dort ankamen. Der Diener, der die Thüre öffnete, starrte, maßlos erstaunt, die Dame au, die an ihm vorüberraufchte. Dem Rechtsanwalt kam seine Verblüffung sehr merkwürdig vor, da sie ihm gesagt hatte, daß sie vorher auf Chri stinenhof gewesen. Zeigen Sie diesem Herrn den Weg zu Ihrem Gebieter," sagte sie hoheitsvoll. Obwohl der Mann schauderte, folgte er sofort ihtfm Befehle. Ahlers hatte noch kaum die letzte Treppenstufe erreicht, als er sich einem jungen Manne von vielleicht dreißig Jahren gegenüber befand, dessen hübsches Gesicht eher abstoßend als anheimelnd wirkte. War es der Neffe, von dem die Dame gesprochen? Da ,cr dem Aufsteigenden den Weg versperrte, sagte Ahlers den Zweck seines Kommens und bat, daß man ihn sofort zu Baron Sylva führe. Sonst nichts, mein Herr?" spottete der junge Mann zornig. Wie kommen Sie dazu, zu dieser Stunde einen Kranken belästigen zu wollen?" Meine Geschäfte sind so dringend, daß Baron Sylva die unbewohnte Zeit wohl entschuldigen wird," , antwortete Ahlerö und suckle an ihm vorüber zu kommen. Ich le'ide es nicht," rief der junge Mann wüthend. Franz, zeigen Sie dem Herrn den Weg aus dem Hause," befahl er dem Dieuer, der ihn hinaufgeleitet hatte. Da Robert Ahlerö nicht der Mann war, so ohne Weiteres sich zurückdrän gen zu lassen, seine Geschäfte aber thatsächlich sehr dringend waren, machte er noch einmal einen Versuch, seinen Vorsatz auszuführen. Aber jener verstellte ihm den Weg. Sie dürfen nicht," zischte er. Lassen Sie ihn vorüber!" Es war die Dame in Schwarz, die diese Worte gesprochen. Sie trat aus dem Schatten, der sie bis jetzt verborgen, hervor. Das helle Licht fiel auf ihr todtenblasses Gesicht. Es schien Ahlcrs, als würde sie, je länger er sie anschaute, um so durchsichtiger. Ihre flammenden Augen richteten sich auf den jungen, zornbebenden Mann, der unter dem bezwingenden Blickzitternd zurückwich, indeß seine fahlen GesichtsZüge sich in Angst und Schrecken ver zerrten. Ahlerö bcnützte diese Gelegenheit, um so rasch wie möglich dem voran eilenden Diener zu folgen. Hier finden Sie den Herrn Baron," sagte er, vor einer verhangenen Thüre stehen bleibend. Aber sagen Sie mir, Herr, ich bitte Sie, wer wer ist sie?" Wie es schien, war der Diener ebenio entsetzt wie der Neffe. Ich verstehe Sie nicht," gab der Rechtsanwalt kurz zurück. Im Begriffe, in das Zimmer einzutreten, fühlte er eine leichte Beruh rung an seinem Arm, die wie elektrisch alle Nerven vibriren ließ. Sich rasch umwendend, sah er die schwarze Dame neben sich stehen. Sagen Sie ihm," flüsterte sie, in der Richtung des Zimmers blickend, daß Christine Si? gesandt hat." Dann glitt sie den Korridor entlang und verlor sich im Schatten. Robert Ahlerö stand in der nächsten Sekunde am Krankenbette des Aaronö. Er hatte die Augen geschlossen, sein Gesicht trug die Zeichen des verheerenden Todes. Herr Bjuon," flüsterte der Rechts, anwalt ihm in'S Ohr, können Sie mich verstehen?" Der Kranke öffnete seine Augen, die er fragend auf den Fremden richtete. Ich bin ein Anwalt und Notar, Herr Baron) und, wurde von einem Freunde veranlaßt, hierher zu kommen. Ich hörte, Sie wollten Ihr Testament ändern. Ist dem so?" fragte Ahl&rs. Während er sprach, vollzog sich auf

dem Gesichte des Kranken eine völlige. Veränderung, in welcher Erleichterung und Erstaunen Siegerin blieben. Ich habe mit Niemand darüber gesprachen, wer konnte Sie benachrichtigt haben?" fragte Baron Eylva, langsam, erschüttert. Christine, nannte sie sich." Der alle Mann starrte den Sprechen den fassungslos an. Christine? Sagten Sie Christine?. Ahlers verbeugte sich zustimmend. O, dann hat sie meine Gebete ge hört, meine schöne Heilige." Die Reihe des Erstaunens war an dem Juristen, aber er erwiderte nichts, glaubte er doch, der Kranke spreche im Fieber. Da wendete sich der Baron plötzlich seinem Besuche zu, umspannte dessen Arm krampfhaft mit seinen magern Fingern und keuchte: Geschwind, geschwind, nehmen Sie Papier und Feder zur Hand und klingeln Sie für Zeugen!" Ahlers that wie er verlangte und so geschah es, daß er zehn Minuten später das neue Testament in der Tasche hatte. Bringen Sie dasselbe ohne Aasent halt .dem Gericht," sagte der Baron, nachdem er mit dem Juristen wieder allein geblieben war. Und auch dies" er zog ein Packet unter seinem Kopfkissen hervor es enthält Briefe mit Adressen, näheren Bestimmungen. Verlieren Sie nichts. Und nun lassen Sie mich Ihnen danken für Ihre recht zeitige Hilfe ich fühle Christine Christine, mein Lieb ich komme!" Seine Stimme klang zärtlich, seine Augen drangen lächelnd in die Ewigkeit. Im nächsten Augenblick sank er todt in seine Kissen zurück. Ahlers verließ hastig das Sterbe zimmer und eilte die Treppe hinab. Seine Gedanken arbeiteten fieberhaft. In der Halle fiel fein Blick auf das lebensgroße Bild einer Dame, die auffallende Aehnlichkeit hatte mit seiner schwarzgekleideten Begleiterin. Das gemalte Gesicht zeigte allerdings mehr Farbe, eö war fast lebensvoller als das des Originals, aber die große Aehnlichkeit war nicht hinwegzuleugnen. Der Diener eilte mit verstörtem Gesicht vorüber. Ahlers hielt ihn an. Was ist denn los?" ,O, Herr," erwiderte er zitternd, Alles ist loö. UnserHerr ist todt, sein Neffe liegt in Krämpfenweit " Nun, weil?" fragte Ahlers. Weil ihr Geist, der Geist der Baronin Christine Ihnen in dies Haus gefolgt ist. Sahen Sie nicht die Dame in Schwarz? Das war es, was den Neffen unseres Gebieters so sehr erschreckte, und" Unsinn!" polterte der Rechtsanwalt ungeduldig. Das war die Dame, die mich hierher führte. Ich wunderte mich gleich, daß alle, auch der junge Herr, so entsetzt waren. Ich vermuthe, es ist des Barons Gemahlin oder sonst eine Verwalte." Sie war es, Herr," stotterte der Mann. - War es?" Ja, denn sie ist bereits seit zwanzig Jahren todt. Ihr Geist brachte sie hierher!" Ahlers lächelte ungläubig. Tann deutete er auf das Bild und fragte, ob dasselbe nicht jene Dame vorstelle. Gewiß, Herr, das ist Baronin Christine, unseres Herrn zweite Ge mahlin. Sie ist seit zwanzig Jahren todt." Ahlers erinnerte sich plötzlich der Worte des Sterbenden: Christine, Christine, mein Lieb, ich komme!" Mit dem Testamente des Baronö in der Tasche, verließ der Rechtsanwalt den Christinenhof, aber in seinem Kopfe jagten sich die Gedanken. Er fühlte sich erleichtert, als die kühle Nachtlust sein Gesicht umfächelte. Am anderen Tage brachte er das Testament auf das (Bericht, dort er klärend, auf welche Weise man ihn so plötzlich an das Sterbebett des Barons gerufen. Von der Baronin Christine jedoch, der schönen, aber geheimnißvollen Botin, sprach er nicht. Sein letztes Wort. Moritz Saphir, der bekannte Satiriker, gerieth in den letzten Jahren seines Lebens, die er in Wien verbrachte, mit einem dortigen Literaten in einen Federkrieg, der mehrere Wochen ganze Spalten zweier Zeitungen füllte. Saphirs Gegner nannte ihn wiederholt einen alten, aus der Mode gekommenen Narren u. f. w., und schließlich erklärte er unter der Ueberschrift: Mein letztes Wort an Herrn Saphir," er selbst und jeder anständige Journalist schreibe für die Ehre, während Saphir nur für Geld schreibe. Darauf erwiderte Saphir ganz kurz als sein letztes Wort an Herrn X. :' Jeder schreibt eben für das, was ihm fehlt ! Diese witzige Antwort zog die Lacher auf seine Seite und dcr Federkrieg war zu Ende. . Irisches. Ein irisches Ausfchußmitglied vertheidigte die Thätigkeit seines Ausschusses wie ftlgt: Sie glauben vielleicht, meine Herren, daß die eine Hälfte von uns alle Arbeit macht und die andere Hälfte nichts thut. In Wahrheit ist aber gerade das Umgekehrte der Fall." Glauben Sie, daß irgend ein Anlaß zu unnöthiger Besorgniß vorhanden ist?" fragte ein erkranNer Ire seinen Arzt. Haben Sie den Herrn X. gekannt?" Leider nicht. Er war schon lange todt, als ich ihn kennen lernte." Von zwei großen Schwätzern berichtete ein Ire: Beide sprachen so ununterbrochen, daß der Andere nicht zu Worte kam."