Indiana Tribüne, Volume 29, Number 133, Indianapolis, Marion County, 29 January 1906 — Page 4

Hndiana Tribüne. Cenul2t:et(ttten der Sutenderg Es. Indianapolis, Ind. gany O.THndlum Präsident. WeschäftSloealt !to; 31 Süd Delaware Straße. telcphone sos.

Enter! at the Foit ' Office oi Indianapolis as sccond dass matter. Abgeschmacktes Sensattönd)ttt. Die Nachricht, daß die Anwälte der Fleischpacker, denen jetzt in Chicago der Prozeß gemacht wird, vor Bestechung nicht zurückfcheuen um die öffentliche Meinung durch die Presse zu ihren Gunsten zu beeinflussen ist schon glaub lich, aber daß solch geriebene Leute die durch die Bestechung eines Berichter ftatterZ erzielen, zu können glauben ist Thorheit. EZ gehört wohl nicht zu den Unmög llchketten, daß ein Berichterstatter,' an dessen Pfade nicht lauter Rosen blühen, der' Versuchung unterliegen mag und BestechungZgelder annimmt um dasür eine gewisse Sache, über die er zu be richten hat. nach dem Wunsche deZ BeftecherS zu färben. Daß dies erfolgreich in einem ttei nen Orte in welchem nur eine Zeitung besteht geschehen kann ist auch zuge standen. Aber unmöglich ist dies in einer, die große Oeffentlichkeit angehenden Sache, die . öffentlich in einer Großstadt der handelt wirdzu thun.Bei einer öffentlichen Verhandlung von solcher Wichtigkeit, wie eZ der Pro zeß gegen? lden Fleischtruft in Chicago ist, .stnd sämmtliche Zeitungen durch Berichterstatter vertreten. Jeder derselben sucht natürlich für seine Zeitung den möglichst vollständigen Bericht und zwar womöglich ietvaS sensationeller, wie sein Kollege von einem Konkur renzblatt, zu liefern. Sollte der Bericht eines Reporters über die' Angelegenheit schwächer aus fallen, wieder in einer anderen Zei tung, oder sollten sogar wichtige Punkte daran fehlen, so würde dies seiniedakteur beim Lesen der anderen Zeitungen sofortmerken und den be treffenden Berichterstatter durch einen anderen sofort ersetzen. AnderS'würde sich natürlich die Sache verhalten, wenn der betreffende Bericht erstalter im Besitze eines exklusiven JtemS, weichenden Berichterstattern der .anderen Zeitungen entgangen, dessen Veröffentlichung diePacker gerne un terdrücken wollten, war und den Berichterftatter7'bestachen, dasselbe zu unterschlagen. Aber exklusive JtemS in einer solchen Prozeßverhandlung fliegen auch in Chicago nicht frei in der Lust umher. Der Berichterstatter, dm Präsident Roosevelt in einem Handschreiben an Bund:-. Generalanwalt Moody als der Bestechung zugänglich bezeichnete, wurde von seiner Zeitung prompt entlassen, obwohl er sden !BeweiS erbrachte, daß seine Berichte über den Prozeß alle Einzelhetten der Verhandlungen so genau und sachlich beschrieben, wie die der Konkurrenzblütter. Er gab aber zu, ein Geschenk von $100 von Anwalt Brown angenom men zu haben und deshalb hörte seine Brauchbarkeit als Berichterstatter auf. Wohl mögen einige Angestellte von Zeitungen für Bestechungen zugänglich fein, daß aber d'e Zeitungen selbst nicht käuflich find, daß beweift diese kleine Episode besonder markig. . Die Fleischpacker hätten jedensallS gerne Riesensummen, hergegeben, um die'össentliche Meinung durch die Presse zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Die vorliegendelCpisode ist ein Beweis da für, daßlihnen dies nicht möglich war. Die Chicagoer Abendpoft schreibt über den Fall: ES war nahe' daran, daß der große Fleischtrustprozeß so völlig ergebnißloS verlaufen würde wie der große Santa Fe.Prozeß; jetzt hat.man aber doch noch ein! Opfer erwischt und das hat seine Strafelbereitö gefunden. Einer der großen! Fünf" ist eö Mr nicht; auch nichtleiner der hohen Beamten des FleifchtrustS sondern nur ein Re porter. Man hat ihn auch nicht hün gen" können, denn eZ stellte sich heraus, daß fein.Vergehen zu einer gerichtlichen Verfolgung keinen Anhalt gab, aber man hat.ihn bloSgepellt und er verlor seinen Job-. Gerechtigkeit und Tu. gend triumphiren ! .Zu der Freude, ldie jeder Verechte ob dieses schönen' Sieges über das Böse

empfinden muß, gesellt fich noch ein

ganz besonders patriotisches Stolzge sühl. denn wir haben ihn unmittelbar und wohl einzig und allein ihm, dem Präsidenten, dem Oberhaupt der Na tion. auf das wir so gern stolz sind, zu danken. Die aufsehenerregende Gnt hüllung, der die prompte Entlassung des ungetreuen Reporters zu danken ist. wurde ganz unmittelbar don dem Präsidenten durch den Brief an Moody veranlaßt. DerPrüsident soll heißen die strenge Gerechtigkeit und dünnhäutige Moral hat sein Opfer. Man kann auch sagen, der Sazein erhielt sein Opfer. Denn eö ist doch wohl wahr, daß die Bestechung- viel schlimmer scheint als sie ist. Der Herausgeber des Jnter Ocean" hat angedeutet, daß ihm die Annahme, ein einfacher Reporter könne die Politik seine? Blattes bestimmen und, im Besitze solcher Macht, für $100 gekaust werden, geradezu lächerlicher scheint. Er wird Gesinnungsgenossen finden. Unfeine Leute werden vielleicht sogar von deS Präsidenten Enthüllung sagen, er hat die LauS am Strick" und auch denen wird'S an Beifall nicht fehlen; ebensowenig wie dritten, die meinen werden, eS zeige doch von etwas kindlicher Einschätzung deS großen Trustanwalts, wenn man glaube. Ex Richter Brown hätte kein besseres Mit tel Günstiges über den Fleischtruft in'S Publikum zu bringen, "finden können. als solch plumpe kleinlicheBestechung". Ehrlich gesagt die ganze Sache ist furchtbar kleinlich; die gezeigte große Entrüstung lächerlich und über alle Maßen abgeschmackt. Wenn eS deS Präsidenten Absicht war, unter die Ge schichte deS Fleischtruft.ProzesseS als abschließendes Urtbeil das Wort Posse" zu schreiben, so hat er'S mit dieser Enthüllung" erreicht. Ein un verantwortlicher Reporter ließ sich hun dert Dollars schenken. DaS bringt den Präsidenten in heiligen Zorn und der anlaßt ihn, die Veröffentlichung von Briesen und Dokumenten anzubefehlen er hat die Bazille am Strick, möcht man da sagen. Gerichtet. Ueber das schon von unS berichtete Ergebniß deS Revolverblatt-ProzesseS schreibt die New Yorker Staats Zeitung " : . Indem die Jury ohne Besinnen den Wahrspruch abgab, der Redakteur von Collier'S Weekly" sei unschuldig und habe also Richter Deuel nicht verleum det, stimmte sie auch den Bemerkungen zu, die in dem Artikel enthalten waren, welcher der Anklage zu Grunde lag. Und darin hieß eS, jeder Tag, an dem Richter Deuel seines Amtes walte, häufe neue Schande auf den Staat. Und DlftrictSanwalt Jerome accen Wirte dielSachlage noch, indem er den Geschworenen sagte, sie müßten den Angeklagten freisprechen, wenn sie die in dem Artikel ausgesprochenen Be hauptungen für wahr hielten. Die Jury hat also die Ueberzeugung gewon nen, daß das Verbleiben Richter Deuel'S auf der Richterbank eine Schande sür den Staat bilde. Nach dem vorgelegten Bewel-mate riale konnte eine andere Entscheidung nicht getroffen werden. ES ist ib allen ZmeisellhinauS bewiesen worien. daß der Eigenthümer von Town TopicS" von Erpressung lebte und daß Richter Deuel ihm bei der Ausübung seiner Gemeinheiten mit Rath und That zur Seite stand. DiftriktZanwalt Jerome befand sich in einer unangeneh men Lage, indem er die gegen den Re dakteur von Collier's Weekly erhobene Anklage vertreten, mußte, trotzdem er von Town TopicS" und den damit verbundenen Persönlichkeiten äugen scheinlich genaustieselbe Meinung hatte, wie der Angeklagte; denn er bezeichnete in dem Plaidoyer das Blatt wiederholt als einen schmutzigen Wisch und gab selbst zu, daß Richter Deuel ohne allen Zweisel das Gesetz übertreten habe. Der unsauberen Bande, die unter Oberst Mann'S Führung seit Jahren im Dunkeln gearbeitet hat, ist vorder Hand das Handwerk gelegt. Das un befirittme Verdienst, diese Wendung herbeigesührt zu haben, gebührt Col. lier'S Weekly". Damit haben wir un? bereits beschäftigt. ES gehört sich aber, daß der. Fall welter verfolgt wird. DiftriktSanvalt Jerome hat genug Material zur Verfügung, um gegen Mann und Deuel Anklagen wegen Erpressung erheben zu lassen. ES ist fer. ner seine Pflicht Schritte einzuleiten, die Richter Deuel'S Verbleiben auf der Richterbank unmöglich machen. Außer dem ist eS an der Zeit, daß Jerome die

Namen der Richter nennt, auf die er

auch diesmal wieder hinwies, und die, nach feinen Behauptungen, unerlaubte und unlautere Nebengeschäfte betreiben. Sie müssen entfernt werden; denn die Richterbank muß rein erhalten werden. Ist sie eö nicht, so ist eS an der Zeit, die Reinigung in der rücksichtslosesten Weise vorzunehmen. Jerome hült den Schlüssel zur Situation in der Hand. Der Zeitpunkt ist geeignet, die Behauptungen, die er auf. gestellt hat, wahr zu machen. Er sollte eS sofort thun. Aber er. hat bis jetzto wenig von dem gethan, das er thun sollte, und so wenige seiner Ver sprechungen wahr gemacht, daß man sich kaum auf ihn verlassen kann. Indessen, wir wollen ihm noch Zeit lassen, aber er müßte eigentlich selbst einsehen, daß er sich nicht viel länger auf Phrasen, Behauptungen, Drohun gen und Versprechungen beschränken kann. Auch seine treueften Freunde werden den Glanden an ihn verlieren, wenn er nicht bald handelt." Um die Säuglingssterblichkeit durch Verwerthung wissenschaftlicher Beobachtungen wesentlich herabzumln dern, geht man soeben daran, in Char lottenburg eine eigenartige Anstalt zu begründen. Zuverlässige Erfahrungen auf dem Gebiete und der Durchfüh rung deS StillgefchäfteS liegen den Aerzten noch nicht vor; Diesem Man gel soll die ein: Abtheilung der neuen Anstalt abhelfen. Sie nimmt schwan gere Frauen auf, um die physiologischen Veränderungen zu beobachten, die für das spätere Stillen von Bedeutung sind, und behält sie nach der Entbin dung mit ihren Kindern noch drei Mo nate, um die verschiedenen Einflüsse auf die natürliche Ernährung der Säuglinge vergleichend zu beobachten. In diesem Mutterheim erwartet man Erfahrungsmaßregeln zu finden, die fich als Vorschriften sür stillende Müt ter in Bezug auf Nahrung, Zeitein theilung u. f. w. allgemein verwerthen lassen. Eben so wichtig ist die zweite Abtheilung, die fich mit den Fragen der künstlichen Ernährung beschäftigen soll. In einem unter veterinärer und chemi scher Kontrolle stehenden Stalle sollen einige Kühe und Ziegen gehalten wer den, um die rationellste Art der Fütterung sür die Erzielung guter Kinder mich herauszubekommen. Dann soll dieFrage der Kühlung, Aufbewahrung) Mischung und Quantitatöbestimmung der Nährmilch gelöst werden. Sorg fällige Beobachtungen an gesunden und kranken Säuglingen werden auch für andere Fragen der Kinderpflege einige allgemein anwendbare ErsahrungSsäxe gewinnen lassen. Die Deutsche Kaiserin bringt diesem Plane das lebhafteste Interesse entge gen. Ihr ist eS zu danken, daß auch der Kaiser einen namhaften Betrag aus seinem Dispositionsfonds zur Bei Hilfe gewährt hat. Die Stadt Charlottenburg wird den Grund und Boden für die neue Anstalt als HuldigungSgäbe zur silbernen Hochzeit deS Kaiser paareS hergeben. Dem Komite sind bereits hochangesehene Vertreter, der medizinischen Wissenschast und Persön lichkeiten aus hohen Beamten und Ge sellschastskreisen beigetreten. Deutschen Kinder und Frauenärzten soll die An statt zum Studium der Kinderernäh rungösrage jederzeit offen stehen. ' Die gesammelten Erfahrungen werden na türlich zum Gemeingut der ganzen Kul turwelt gemacht werden. Böse hineingefallen ist mit einem Geschäftskniff zu. Neujähr ein Bäckermeister in Berlin. Um seinen Pfannkuchen zur Sylvesterfeier einen möglichst großen Absatz zu sichern, hatte er unter die Arbeiterbevölkerung der Gegend Zettel vertheilen lassen, in denen angekündigt war: Außerdem backe ich in einen Pfannkuchen 'ein Zehn-Mark-stück, und her glückliche Finder erhält bei Vorzeigung außerdem noch sechs Dutzend gratis zu." Die verlockende Ankündigung verfehlte ihre Wirkung nicht, und das Pfannkuchengeschäft ging am Sylvestersonntag glänzend. Das Verhängniß aber kam hintennach. Am Neujahrsmorgen in aller Frü?e war das Geschäft des Bäcker. Meisters von Frauen und Männern füllt, die sämmtlich je sechs Dutzend Pfannkuchen gratis verlangten und dies Verlangen durch die Vorzeigung eines Zehnmarkstücks begründeten, das jeder in seinem Pfannkuchen gefunden haben wollte. Gefunden hatte es natürlich nur einer; ' die anderen Inhaber eines Zehnmarkstücks wollten wenigstens die sechs Nutzend Pfannkuchen herausschlagen. Dem Bäckermeist ist " der Goldstück-Kniff zeitlebens verleidet! Naucht die Tish I HinSo.

Das Tlieaterkind. on Otto Heim. Noch immer nicht fertig, Belti?" ' Gleich! Nur nicht fo ungeduldig. Der Regisseur kann aber jeden Augenblick kommen und uns auf die Bühne rufen." Karla Brett zog schmollend die Lippen zusammen. . So, jetzt., nur noch hier diese Haarfpange und dann kannst Du den Spiegel benutzen." Friede, Friede!- sagte da mit komischem Ernst eine volltönende Männerstimme. Kurt Marxen, der erste Liebhaber des Vorstadttheaters. - näherte sich den beiden jungen Schauspielerinnen. Es war in der Ankleideloge Betti Rothers. Märzen hatte beim Eintritt die Thür halb offen gelassen. In dem Halbdunkel des Artistenfoyers sah, man die Silhouette einer eleganten Frauengestalt, die, ihren langen Mantel leicht über den rechten Aermel geschlungen, soeben mit flüchtigem Schritt die Nebenloge erreicht hatte. Ach, unsere sonst so pflichtgetreue Hilbrandt hat sich heute verspätet?" Karla hatte beim. Ordnen ihres Haares Zeit gefunden, einen neugierigen Blick in's Foyer zu werfen. Ja, sie und ihr unvermeidlicher Mantel." scherzte Märzen. Was mag sie eigentlich darunter haben? Es sieht beinahe aus wie ein Packet schmutziger Wäsche," Aber was habt Ihr denn nur immer mit Emmi Hilbrandt! Laßt sie doch zufrieden," mischte sich jetzt Vetti Rother in's Gespräch. Ah! Sie übernehmen die Berthe:digung der Abwesenden." Gewiß, weil Emmi eine gute, treue Seele ist." Vetti war ernst geworden. Weshalb zieht sie sich denn aber so auffällig von uns zurück und meidet uns?" Mit unwilliger Gebärde warf Karla ihr Köpfchen in den Nacken. . Du lieber Gott, das arme Kind Hai großen Hummer gehabt: Es ist kaum ein Jahr her, daß ihr Mann gestorben ist. Das kann einen schon niederdrücken. Es soll übrigens eine wahr?, aufrichtige LiebeZehe gewesen sein." Wenn's nur der Kummer wäre! Aber mir kann diese Geheimnißthuerci nicht behagen. Wieso hält sie ihre Loge stets so ängstlich verschlossen? Das mußt Du mal ergründen, Betti." Auf die Bühne, meine Damen und Herren, der erste Akt beginnt." Der alte, grauköpfige Regisseur war im Thürrahmen erschienen und hatte das Gespräch plötzlich unterbrochen. Während Karla und Maxen hurtig die Treppe erstiegen, blieb Betti, in Gedanken versunken, noch einen Augenblick in ihrer Loge. Ihr Stichwort fiel erst in etwa zehn Minuten. Sie hatte also jicü) Zeit. Eigentlich entfachte das sonderbare Benehmen Emmi's doch mehr ihreNeugier, als sie es vor den anderen cingestehen wollte. Seit vierzehn Tagen wirkte Emmi Hilbrandt nun schon in dem Ensemble mit, ohne daß die Freundschüft, die ehemals Betti und Emmi verband, auf's Neue in eine glatte, vertrauensvolle Bahn gelenkt wäre. Geheimnißthuerei hatte die lebhafte, kleine Karla' das Verhalten Emmi's genannt. War das aber nicht doch das rechte Wort? Warum verschloß sie denn stets so sorgsam ihre Loge vor den andern? Das ganze Theaterpersonal sprach schon davon. Einigemal versuchte Betti. mit List das Geheimniß der Loge zu ergründen. Durch die Thür des Ankleideraums bat sie Emmi, ihr mit einer Agraffe, einer Nadel oder einer Schleife auszuhelfen. Geh in Deine Loge, ich komme gleich herüber," hatte Emmi nur geantwortet. Damit war es also auch nichts. Und dann dieser geheimnißvolle Mantel auf dem Arm Emmi's. . . Sollte der Schleier dieses Mysteriums denn gar nicht zu lüften sein? Nach der Pause des zweiten Aktes hatte Emmi die Gewohnheit, ihre Loge auf kurze Zeit aufzusuchen. So war es auch heute. Betti folgte ihr. Aber war es keine Täuschung? Hatte Emmi nicht vergessen, den Schlüssel im Schloß herumzudrehen? Die Logenthür mußte also offen sein. Sie drückte auf die Klinke. Die Thür gab nach Betti! Es klang wie der unterdrückte Schrei eines Raubthieres, dem man sein Liebstes entreißen will. Die Augen Emmi's blitzten in zorniger Erregung. Wie schützend hielt sie mit beiden Armen ein niedliches Kindchen umschlungen, das an ihrer Brust ruhte und jetzt mit erschreckten Blicken den fremden Eindringling maß. Betti! Pfui, 5as ist häßlich von Dir. Du bist mir nachgeschlichen und hast Dir einen Augenblick der Vergeßlichkeit zunutze gemacht. Geh fort, geh!" Aber so beruhige Dich doch, Emmi. Ich bitte Dich. Ich bin doch Deine Freundin." Betti hatte die Logenthür hinter sich geschlossen und war einge-. treten. Gehört dieses kleine Puppchen wirklich Dir? So laß doch sehen.' Wie reizend der kleine Kerl daliegt. Und jetzt lacht er mich auch schon an. Sag, Emmi, es ist doch ein Junge?" .Ja. Fred heißt er!" Ein Strahl lauteren Mutterglücks brach aus den traurigen Augen Emmi's. Aber, hörst hörst Du, Betti," setzte sie leise hinzu, Du darfst mich nicht verrathen. Ich glaube, der Direktor-kündigt mir, wenn er das erfährt. Das wäre schrecklich, besonders jetzt, wo ich es doch so

noly.wenolg yave, zu aroenen, rnei zu arbeiten, um für Fred zu sorgen." Sei darüber beruhigt. Aber jetzt verstehe ich auch, was es mit dem Mantel für eine Bcwandtniß hat." Ein schwaches Lächeln erhellte die bleicken üae Emmi's. Meine Erfindung! O, er mmmt ja so wenig Platz weg, der kleine Bengel. Erst zwei Monate ist er alt und so artig. Niemals schreit oder weint er. Es ist fast so, als wüte er, oafe er sich hier in der Loge ruhig verhalten mutz." Warum hältst Du Dir aber keine Amme?" Bei 160 Mark Monatsgehalt? Unmöglich! Aber es acht auch so. Vormittags, bei der Probe, giebt meine Aufwärterin auf Fred Ächt. Und Abends nehme ich ihn dann in's Theater. So komme ich aus. Meine alten Kostüme habe ich ein wenig auffrischen lassen. Bis zur nächsten Saison bin ich versorgt. Und dann ist das Gröbste überstanden. Wenn nicht der Kleine gewesen wäre, ich glaube, ich hätte den Schlag nicht überlebt!" Emmi hatte den kleinen Fred Vetti überlassen müssen, die ihn zärtlich in ihren Armen wiegte und mit Küssen bedeckte. Ein Klingelzeichen schrillte durch das Theater. Die beiden Frauen erhoben sich. Arme, liebe Emmi!" Eine Thräne stahl sich in's .Auge Vetti's .... Einige Tage später feierte man die 25. Aufführung des Lustspiels, das sich bisher als ausgezeichnetes Kassenstück erwiesen hatte. Die Schauspieler wollten sich nach der Jubiläumsvorstellung, die wiederum ein volles Haus brachte, zu einem gemüthlichen Abendessen vereinigen. Emmi hatte aber die Aufforderung, daran theilzunehmen, mit Dank abgelehnt. Sie war nach Schluß des letzten Aktes mit dem Umkleiden beschäftigt, als Betti plötzlich an ihre' Logenthür klopfte. Ich möchte Dir etwas sagen, Emmi. Du wirst mir aber auch nicht böse sein?" So sprich doch, Närrchen!" Ja, weißt Du, Emmi ich habe' das Geheimniß nicht wahrett können. .Ich konnte nicht wirklich nicht." O Betti!" . . Du brauchst Dich aber nicht zu ängstigen.. Nein, gar nicht! Wir wollen heute Abend doch das Lustspieljubiläum feiern, und da fiel es doch wieder sehr' auf, daß Du nicht daran theilnimmst. Einige begannen schon wieder dumme Witze über Dich zu machen. Und da konnte ich nicht anders; ich mußte es ihnen erzählen, wasDich zurückhält da hat keiner mehr gelacht. Und als dann der alte Regisseur Du weißt, er hat erst vor einigen Monaten seinen einzigen Enkel durch den Tod verloren den Vor--schlag machte. Dir zu helfen, waren sie alle bereit. Ich soll es Dir überbringen. Es ist leider nicht viel. Jeder gab nach seinen Mitteln. Hier sind 40 Mark, Emmi.... 'Wie, Du zögerst, und weißt doch, daß es aus gutem Herzen kommt?" Verzeih, Betti, ich wollte Dir nicht wehe thun .... Danke!" Emmi brachte die Worte stockend hiervor. Die Kehle war ihr wie zugeschnürt. Aber nun noch eins, Emmi. Ich habe allen versprechen müssen, - ihnen Fred zweigen. Sie freuen sich schon so darauf. Nicht wahr, Du giebst mir Fred einen Augenblick?" - Sie wartete Emmi's Antwort nicht ab. Fred in den Armen, eilte sie dem Künstlerfoyer zu. Langsam folgte ihr die junge Mutter. Sie weinte ..... Das war ein lustiges Lachen und Scherzen, als der kleine Fred von einem Arm in den andern wanderte. Zuerst blickte der kleine Mann ganz verwundert auf die vielen fremden Menschen, dann ballte er die Fäustchen und strampelte ganz vergnügt in seinem Stechkissen. Jemand tupfte Emmi leicht tauf die Schulter. Sie wandte sich um. Es war der. Direktor. Ich habe auch etwas für den Kleinen, unser Adoptivkind, thun wollen." Der Direktor zeigte auf ein Plakat, das an der Wand befestigt war' darauf las man: Die Strafgelder für Zuspätkommen werden von heute ab sämmtlich Frau Emmi Hilbrandt als Erziehungsbeitrag für ihren Fred überwicsen." Da können wir ruhig die Anfangszeit für die Proben auf eine frühere Stunde legen." meinte der Regisseur lachend. Ich glaube, jetzt werden sie sich alle verspäten." Nicht ganz so. Willie," sagte die jugendliche Mutter belehrend zu ihrem ältesten Sprößling, weißt Du, was der' Unterschied ist zwischen. Seele und Leib? Die Seele, mein Junge, ist das. womit Du liebst und fühlst; der Leib ist das. was Dich gehen und essen und umherbewegen läßt. Siehst Du, das hier," die Mutter tupfte dem Kleinen auf die Schulter, das hier ist Dein Körper, aber da ist noch etwas tiefer drinnen, Du kannst's jetzt fühlen. Was ist das?" Oh, ich weiß,- Mama," antwortete Willie mit einem Aufleuchten des Verständnisses auf. seinem Gesichtchen, das ist mein Flannellhemdchen." Schwierige Lage. Wa2 soll der Studiosus Süffel feinem Alten schreiben, wenn ihm einmal wirklich der Winterrock gestohlen würde?

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