Indiana Tribüne, Volume 29, Number 132, Indianapolis, Marion County, 27 January 1906 — Page 5
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Eill jciiic. ?rz'.h!unz nch Ära Lcd?i'., von U. Srtmn. rKIiife.l 1 V --.j (iö bedeutete für 2??arrct die irill tcrarnene Erlösung ans einer für sie immer peinlicher werdenden Situation, als eben jeyt iljr Bat er herantrat. Rasch gab sie ihm von Nyströms 2?cr Izaben Kenntniß, und Herr ven Gesternklagen säumte nicht, seinen gefeierten Gast selbst an den Flügel u führen. Flüsternd ging es von Mund zu Mund: Sigsrid Nnsliöm wird spielen! und Lllleö diängte voll gescannter ErWartung nach dem Musilsalon, denn der junge Skandinavier war ja nach dem großen Erfolg seiner Symphonie der eigentliche Held des Tages Mit der etwas lheatratiichen Gebeide, die bereits das Entzücken aller Backsische bildete, warf der Birtuoe die Fülle seines Haares zurück, und mit vollen, weichen Klängen rauschten unter seinen wohlgepflcgten Händen hervor sinnbetlzörend süße Harmonien durch die von andächtiger Stille erfüll, ten Räume. " Es war eine Phantasie über ein schlichtes russisches Volkslied, die c: da spielte, über eines jener wehmüthig innigen iebcsliedchen, deren Weise sc wundersam zu Kerzen Dringt, 'jer' Musiker aber, der diese Phantasie geschrieben hatte, mußte in Wahrheit ein echter Dichter gewesen sein. Alle Empfindungen einer von heißer Liebe und bangem Sehnen erfüllten jungen Menschenseele sprachen sich wundersam ergreisend in diesen Tönen aus, und selbst die Unempfindlichsten unter den Zuhörern vermochten sich dem poetischen Zauber nicht zu entziehen. Margct von Wefternhagen aber stand wieder ganz und gar unter dem Äann des Künstlers. Wohl war ihr reizendes Gesichtchen sehr blaß geworden, doch ihre Augen leuchteten, und das Äeber. ihrer Kippen wie cq3 rasche Athmen ihrer Brust gaben Kunde von ihrer tiefen Bewegung. Sigfrid Nrrnröin brauchte sie nur anzusehen, um seines Erfolges gewiß zu sein, und als er nun wirklich den Blick zu ihr erhob, spielte denn auch wieder das triumphircnde Siegerlächeln um seinen Mund. Laute Zurufe der Bewunderung und des Entzückens ertönten ringsum, als er geendet. Herr von Wefternhagen aber wandte sich an seine Gäste: 'Die Phantasie, die Sie soeben gehört haben, ist das letzte, eben vollendele Werk unseres jungen Meisters, und Sie, meine Damen und Herren, waren die Ersten, denen das Glück zu Theil wurde, es zu hören." :a klang es von der Schwelle des Nebengemachs her mitten in den auf s Neue geweckten Beifallsjubel hinein von einer feierlich ernsten Frauenstimme: Das ist nicht wahr !" Und als unter plötzlich eintretender Todtcnftille die erstaunten Blicke aller Anwesenden sich nach jener Stelle hinwandten, fuhr die Sprecherin, deren Worte den eigenthümlichen Tonfall einer deutsch redenden Slavin hatten, fort : Der Komponist dieses Stückes heit nicht Sigfrid Nyström, sondern Jönß Andersson. Niemand weiß das besser als der Mann, der es Ihnen sccben als sein eigenes Werk vorgetragen hat." Zu ihrer ganzen Größe aufgerichtet, stand die hohe, fast überschlanke Gestalt einer in tiefes Schwarz gekleideten jun gen Dame da zwischen den SammetPortieren, das schmale, düstere, leidvolle Antlig mit den scharfen Zügen und den tiefen, glühenden Augen gegen Sigfrid Nyström gewendet. Keiner hatte bisher etwas von der Anwesenheit dieses seltsamen Gastes wahrgcnommen, und nie war eine heitere, ahnungslese Gesellschaft sonderbarer überrasch! worden. Niemand sprach ein Wort, und Alles blickte erwartungsvoll auf den jungen Künstler, gegen den da eine so schwere Anklage erhoben worden war. 'Nyström aber stand da und starrte aus die geheimnißvolle junge Fremde wie aus eine Erscheinung aus einer anderen Welt.. Er hatte in ihr aus der Stelle ;enes weibliche We?en-wiedererkannt. dem er vor etwa Jahresfrist auf der Treppe des Krankenhauies aintLouis in Paris begegnet war, und wie er damals die herzbeklemmende Empfindnng gehabt hatte, daß es daS Schicksal selbst sei, das ihn aus den brennenden schwarzen Augen dieser Frau ansah, 10 beraubte ihn jet ein namenloses Entsetzen, eine abergläubische Furcht vor der übernatürlicher. Macht dieser räthselhasten Unbekann ten all' der, Geistesgegenwart, deren cr doch nie in seinem Leben so dringend bedurft hatte als gerade in diesem Augenblick. Das ist ein Komplott, ein schändllcheS Komplott!" schrie er plötzlich aus. Man hat mich in eine Falle gelockt. Nicht eine Minute länger bleibe ich in diesem Hau e!" Und als wären alle Furien er Hölle hinter ihm her, stürzte u zum namen losen Erstaunen der Anwesenden aus dem -Zimmer. In dem anstoßenden Gemach aber legte sich eine feste Mannerhand schwer aus seine Schulter. Aus ein Wort unter vier Augen, Herr Nyström," klang iijm Professor Heydens ernste, fast befehlende Stimme tn's Ohr. In Ihrem eigensten In teresse ersuche ich Sie, hier einzutreten und mir auf einige Fragen Antwort zu geben. Er hätte die Thür eines Gemachs geönnet, das nicht zu den Empfang? räumen der. Wohnung gehörte, und
nackdem er auf das ansänaliche ?au
dern des Skandinaviers hin seine Aufforderung in noch dringendcrem Ton wiederholt hatte, leistete ihr der Andere gesenkten Hauptes Folge. Drüben unter den Gästen des Herrn von Wefternhagen aber hatte es nach Nnströms sonderbarer Fluch! natürlich gewaltige Aufregung gegeben. Jeder wünschte zu sauren, wer etc gelzeimnißvolle Anklägerin sei. und was es mit ihrer Beschuldigung auf sich habe. Vorderhand indeß blieb die allgemeine Neagier noch unbefriedigt, denn der Hauslrr, der dem für ihn überaus peinlichen Zwischenfall so schnell wie möglich ein Ende' zu machen wünschte. bot der Fremden seinen Arm, um sie hinwegznführen. ie und die Künstlerin, die Professor Henden in unser Hauö einzuführen wünschte, nicht wahr, mein Fräu lein?" fragte er im artigsten Ton. während er die willenlos Folgendein das Boudoir seiner Frau geleitete. Und sie antwortete mit zuckenden Lip pen: sich Heine Maria Landowska, und ick bin nicbts als eine einfache Klavierkenrerin. Zürnen Sie mir nicht, mein Herr, daß ich Ihre Gastfreundschaft scheinbar so schleckt belohnt und diesen Skandal in Ihrem Hause herausbeschworen habe. Aber der Herr Professor war cö, der mich bestimmte, hierctx zu gehen, und der mich ermächtigte, jenem Elenden die Maske vom Gesicht zn reißen, sobald ich den rechten Augenblick dasür gekommen glaubte, gleich viel wann und vor wem immer es geschchen mochte." Wenn mein rcund Hcyden sie dazu veranlaßt hat, so hatte er ohne Zweifel feine guten Gründe. Und es wirdlm besten sein, wenn ich sie mir von ihm darlegen lasse, während Sie, mein Fräulein, sich darüber Wahlscheinlich lieber gegen meine rau aussprcchen als gegen mich." Die Empfindung, das; hier irgend eine Herzensangelegenheit im Spiel sein Müsse, hatte dem feinfühligen Mann diese letzte Aeußerung cingegeben, und Maria Landowskas dankbarer Blick bewies ihm, daß er das Rechte getroffen. Eben wollte erjich entfernen, um seine Gattin zu holen, als Margots zierliche helle Gestalt in der Thüröffnung erschien. Sie warf erst einen zaghaften, unentschlossenen Blick auf die Fremde, dann aber trat sie muthig auf sie zu. Wollen Sie mir gestatten, einige Fragen an .Sie zu richten, mein Fräulein? Und möchtest Tu mich auf kurze Zeit mit der Dame allein lassen, lieder Bater?" Herr von Wefternhagen zögerte, denn es mochte ihm aus mehr als einem Grund bedenklich erscheinen, diesen Wunsch zu erfüllen Aber wie er noch niemals hatte widerstehen können, wenn die' schönen Augen seines Töchterchens mit flehendem Ausdruck auf ihn gerichtet waren, so fügte er sich auch diesmal ihrem Willen. Gut, mein Kind, ich gehe, um den Professor aufzusuchen. Aber ich warne Dich," fügte er mit leiser Stimme, so daß die Fremde es nicht hören konnte, hinzu, allzu vertrauensselig und vorschnell ein Urtheil zu sällen über Jemand, der nicht da ist, um sich zu vertheidigen." Sobald sich die Thür hinter ihm gcschlössen hatte, eilte Margot auf die Unbekannte zu und erfaßte stürmisch ihre beiden Hände. Ich beschwöre Sie, mein Fräulein, ist cs wahr, was Sie soeben dort drücken sagten? Sigfrid Nyström wäre ein Betrüger? Erhalte das Werk eines Anderen für das seine ausgegeben?" Ja," erwiderte die Gefragte mit harter Stimme. Und nicht dieses allein, sondern auch die Sonate, die cr vor einigen Tagen in dem öffentlichen Konzert, spielte, und die Symphonie, wegen deren ihn alle Welt bewundert." . Aber das ist ja undenkbar, unmöglich! Geben Sie mir irgend einen Beweis, damit ich im Stande bin, Ihnen zu glauben!" Ich bfti ja dazu hier, es zu beweisen." erwiderte Maria Landowska. Aber es ist eine traurige Geschichte, die ich Ihnen da erzählen müßte. Wollen 3ie sie hören?" Margot bejahte und ließ sich aus einen kleinen Sessel zu Füßen der Anderen nieder. Die Brust der Klavierlehrerin hob sich in einem tiefen, schmerzlichen Athemzug, dann. begann sie mit ihrer Erzählung, einer schlich, ten, alltäglichen Geschichte, die bei all' ihrer Einfachheit doch in Wahrheit todcötraurig war und das weiche Herz der jungen Zuhöreritt auf 'S Tiefste erschulterte. Bovier Jahren war Jönß Andersson mit einem kleinen Stipendium aus seiner schwedischen Hcimath nach Paris gekommen, um sich dort in seiner Kunst welter zu bilden. Mit dem Feuereifer brennendsten Ehrgeizes hatte er sich seinen Studien und Arbeiten hingegeben. Nur aus die höchsten Ziele, die menschlicher Kraft und menschlichem Vermögen erreichbar schienen, war sein Streben gerichtet. Und ob er auch rastlos produzirte, war er sich selbst doch ein viel zu strenger Nichter, als daß er versucht hätte, mit einer seiner dielen Kompositionen an die Ocffentlichkeit zu treten. Mühselig hatte er, als das Stipendium verbraucht war, durch die Eltheilung schlecht bezahlten Kla vieruntcnichts .sein Dasein gefristet. In einer armseligen Mansarde unter dem Dache eines Lorstadthauses hatte er gewohnt, nur zu oft der Kälte, dem Hunger und allen erdenklichen anderen Entbehrungen preisgegeben. Die tödt-
Jndiana Tribüne,
liche Krankheit hatte bereits, wenn auch ihm selber noch unbewußt, ihr tückisches Zerstörungswerk in feinern armen, mißhandelten Körper begonnen, als Maria Landowska seine Bekanntschaft machte. Sie unterrichtete in einer Musikschule, wo auch er wöchentlich einige Stunden ertheilte. Auch sie mußte sich kümmerlich durchs.lagen. und sie war weltfremd und weltflüchtig gleich ihm. Die innere Verwandtschaft ihrer Naturen hatte sie zu einander hingezogen, und es hatte sich allgemach ein eigenthümliches Freundschaftsver hältniß zwischen ihnen herausgebildet. Maria war das einzige menschliche Wesen, zn dem er von seinen Arbeiten und Entwürfen, von seinen Plänen und Hoffnungen sprach, ihr allein erschloß er die reichen Schatze, die in seiner Seele verborgen lagen, und während die Anderen ihn als einen armen Hun gerleider bemitleideten oder als einen Narren verlachten, offenbarte cr sich ihr von Tag zu Tag mehr als einer der Auserwädlten. als ein gottbegnadeles Genie. Sie liebten einander, ohne daß sie es jemals jicli gestanden hätten. Wohl mochte Jönß Andersson manchmal in seinen glücklichsten Stunden von einem Tag aeträuml haben, da cr groß und berühmt dastehen und die Geliebte im Triumph heimführen würde; aber wenn er wirklich vermessen genug gewesen war, solche Träume zu hegen, hatte er ihnen dock niemals Ausdruck gegeben, wenigstens nicht in gesprochn nen Worten. Nur seine Tonschöpfungen hatten ihr zuweilen etwas von dem verrathen, was in seinem Herzen vorging. Erröthcnd und verlegen hatte er ihr ein paar Mal peinlich saubere Notcnabschriften mitgebracht mit der Bitte, sie gelegentlich für sich zu spielen, aber sie um Gottes willen keinem Andern zu zeigen. Und wenn sie dann, hingerissen von der Schönheit dieser kleinen Kompositionen, ihn bestürmt hatte, sie an die Oesfentlichkeit zu bringen, war cr jedesmal beinahe trauria geworden, weil sie, wie er meinte, sein Streben doch noch nicht recht verstand, und sie hatte darum bald aufgehört, ihn zu bedrängen. Auch von ferner Symphenie ,Am Tage der Auferftehung jenem Werk, das, wie er meintedie große That seines Lebens werden sollte, hatte er mit ihr und mit ihr allein oftmals gesprochen. Er hatte ihr, wenn sie sicher sein konnten, von Niemand belauscht zu werden, einzelne Stellen daraus vorgespielt, und sie hatte, gleich ihm, unerschütter lich daran geglaubt, daß ihn diese ge waltige Schöpfung mit einem Schlag aus dem Dunkel und der Verborgenheit emporheben müsse auf die sonnigen Höhen des Ruhms. ' Jönß Andersson unterhielt in Paris sonst keinen Verkehr mit seinen Landsleuten, deren es ja immer eine beträchtltche Anzahl in der französischen Hauptstadt gibt. Nur sein Jugendfreund Sigfrid Nyström hatte ihn ein paar Mal in seiner armseligen DachWohnung aufgesucht, und auf sein Drängen hatte sich Andersson auch bereit finden lassen, ihm gegen seine sonstigen Gepflogenheiten diese oder jene von seinen Kompositionen - vorzuspielen. Er bereute es, wie er Maria erzählte, jedesmal sogleich, nachdem er eö gethan; aber er halte es dem Anderen, der so freundlich und herablassend zu ihm war, doch auch wieder unmöglich abschlagen können. Dann war eines Tagest ehe sie Beide sich dessen versehen hatten, die Stunde der Trennung für das seltsame Liebespaar gekommen. Die Musikschule war aus Mangel an Zöglingen eingegangen,' .und Maria hatte froh sein müssen, als ihr eine Stellung als Lehrerin in einem Konservatorium in der Provinz angeboten worden war. Auch bei ihrem Abschied hatten sie zu einander nicht von Liebe gesprochen. Gleich zwei guten Kameraden hatten sie einander die Hände gereicht, und wie auch ihre jungen Herzen zucken und bluten mochten, für das Wort, das einen schwachen Hoffnungsschimmer aus ihren ferneren, einsamen Lebensweg hätte werfen können, hatte doch .. . , . rni .if . lelns von innen mum genug gefunden. Ein paar Monate lang hatte Maria nichts von ihm gehört. Dann war sie eines Tages durch ein Telegramm an das Sterbelager ihrer in Warschau lebenden Mutter gerufen worden. Ihr Weg führte sie über Paris, und sie hatte es. sich nicht versagen können. Jönß Andersson aufzusuchen, da sie ja wußte, daß sie wahrscheinlich niemals nach Frankreich zurückkehren würde. Aber sie hatte ihn in seiner Wohnung Nicht mehr gesunden, und man hatte sie nach dem ranrenyaus arnt-Louls er.i i 1 gewiesen, oei jenem einzigen Vesucy, den sie dem Sterbenden abgestattet, war. sie Sigfrid Nyström begegnet. und so wie die Züge ihres Antlitzes ziji vrc a ä t a z xi s j . a I IU uictm miuuviuujiiu) eingepragl hatten, so hatte auch sie das Gesicht des Klaviervirtuosen seitdem nicht mehr vergessen können, wie wenn ihr eine innere Stimme gesagt hätte, daß er bestimmt sei, eine verhclngnißvolle Bedeutung für ihr Leben zu gewinnen. Ihr unerwartetes Erscheinen war nicht nur die letzte, sondern wohl auch die größte Freude gewesen, die dem armen Jönß Andersson in seinem vom Glück so stiefmütterlich bedachten Dasein widerfahren war. Er hatte auch zu ihr von sei ner felsenfesten Zuversicht einer baldigen Wiederherstellung und von den großen Hoffnungen gesprochen, die er an seine nunmehr fast vollendete Symphonie knüpfte. Sie aber hatte den Tod in seinen Zügen gesehen, und sie hatte alle Kräfte zusammennehmen müssen, um tapfer und standhaft :u
27. Januar 1906
bleiben, so lange' sie an feinem Betle saß. Auch von Sigfrid Nyströms Groß' muth und von dem Liebesdienst, den dieser ihm durch die Auslösung und Aufbewahrung seiner Notenmanuskripte erweisen worne, ijcrne er zu ihr gesprochen. Aber sie hatte in ihrem namenlosen Schmerz'kaum darauf gehört, und .. d ,:f : k " . 1 ii . :'. a. v;. tii um, imi ipmcr ijane sie jitij vieler Miltlieiluncl wieder erinnert. Ter unerbittlichen Nothwendigkeit folgend, oie oiiraj ihre heilige KiNdespsllcht auferlegt wurde, hatte sie nom an demselben Abend Paris verlassen, und l s ff . fui. 1 j f . . v iifcniijc -cuijc ipuier ijaue sie von cer Verwaltung des Krankenhauses, bei der sie darum gebeten hatte, nach Warschau die telegraphische Mittheilung von Jönß Anderssons Tod erhalten. Seitdem war ihr Leben nur uocli ein Kultus seines Andenkens gewesen. le wuree niazt iiuwe, se,ne ihr gewidmeten Komvositionen ;u iuielen. aber sie hütete sie, dem Willen des Todten aetreu. noch immer alö aekeimnißvolle Sckä!?e. die keinem iremden Ohr und keinem fremden Auge jemals . " ; r c . zuganzliai rveroen oursien. or wenigen Tagen erst war sie aus ihrer Hcimath nach Deutschland gekommen, wo sie fortan zu leben gedachte. Sie hatte, Sigfrid 'Nyströms Namen auf der An. küneigung eines Konzerts gelesen, und unwiderstehlich hatte es sie getrieben, dieieS hciuert ;u besuchen, chon der erste Lag der Sumvlzonle hatte sie wie etwas längst Bekanntes nnd Ver'routes anaemutn e länaer und Mit se gespannterer Ausmertsamleit sie aber lauschte, desto gewisser war , ihre Ueberzeugung geworden, daß diese Tondlchtung nichts Anderes sei als Jonß Anderssons großes Lebenswerk, alö seine unvollendet gebliebene Snmphonie Am Tage der Auferstehung." In furchtbarer Erreauna hatte siedieKom Position bis zu Ende angehört; mit cem Aufgebot ihrer ganzen Willenskraft nur hatte sie der mächtigen Versuchung widerstanden, ihre Anklage gegen den schamlosen Betrüger mitten in den Beifallssturm hineinzuschleudern, und einzig das Verlangen, nun auch lieft die Zonale zu hören, die Nr.ström als als sein Werk angekündigt, hatte sie trotz der Qualen, die ihre Seele zerrissen, auf ihrem Platz unter all" den fremden, gleichgiltigen Menschen festgehalten. Was sie gesurchlel, hatte sich ersullt. chon die ersten Akkorde hatten ihr bewiesen, daß diese angebliche Komposition Nyströms Note für Note übereinstimmte mit einer jener Schöpfungen Jönß Anderssons, die z daheim in seiner eigenen Handschrift besaß. Und da hatten Schmer; und Zorn sie endlich überwältigt. Bewußtlos war sie zusammengebrochen, um erst in dem kleinen Nebenzimmer unter den Bemühungen des Professors wieder aus ihrer tiefen Ohnmacht zu erwachen. In ihrer leidenschaftlichen Aufregung hatte sie dem alten, Herrn, dessen ehrwürdige Erscheinung und dessen väterlich mildes Wesen rasch ihr Vertrauen gewonnen, alles erzählt, und mit dem edlen Eifer ves durch jede Schurkerei im innersten Herzen empörten rechtschaffenen Mannes. hatte Heyden die Angelegenheit des armen bestohlenen Jönß Andersson zu der seinigen gemacht. Auch die Phantasie, die Nyström heute Abend gespielt hat, war ein Werk meines unglücklichen Freundes. Ich selbst hte ihm einst die kleine russische Weise vorgespielt, und zwei Tage später brachte er mir die KomPosition das erste und einzige Geständniß seiner Liebe. Begreifen Sie nun. mein Fräulein, daß ich nicht mehr an mich halten konnte, als ich sie vernahm, und werden Sie mir nun meine Handlungsweise verzeihen?" Ob ich sie Ihnen verzeihe? O. mehr als das! Ich werde niemals aufhören. Ihnen dafür zu danken, denn Sie haben mich damit vielleicht vor etwas Entsetzlichem gerettet." Herr von Wefternhagen trat wieder in's Zimmer, diesmal, in Begleitung des Professors Hcyden und mit auffallend ernstem Gesicht. Margot slog auf ihn zu. Nyström ist ein Betrüger! Er darf nie, nie mehr über die Schwelle unseres Hauses, liebster Vater!" Gewiß nicht, mein Kind, und wir brauchen es ihm nicht erst zu verbieten, denn er selbst wird sicherlich nicht den Wunsch hegen, sich noch einmal hier zu zeigen. Professor Heyden. der bei der immerhin elwaö zweifelhaften Aefchaffenheit der gegen Nyström vorliegenden greifbaren Beweise seine Hoffnung, ihn zü überführen, mit gutem Grund auf die verwirrende Wirkung der ersten Ueberraschung gesetzt hatte, besitzt ein schriftliches Bekenntniß des von rym verübten Betrugs, von dem er indeß der.Oeffentlichkeit gegenüber nur dann Gebrauch machen wird, wenn yprom sein Wort brechen Und noch einmal versuchen sollte, eine Komposition Anderssons für seine eigene auszugeben. Er hat versprochen, die noch Vorhändenen Manuskripte des Verstorbenen aus zuliefern und in Bezug auf das Hauptwerk, die Symphonie, ungesäumt eine Erklärung ;u veröffentlichen, die Andersson als den eigentlichen Komponisten und ihn ' selbst nur als den Bearbeiter bezeichnet. Ich denkemein Fräulein, damit könnten auch Sie sich begnügen." Maria Landowska warf einen fragenden Blick auf das Gesicht des Professors, und da sie darin volle Zustimmung zu den Worten des Herrn von Wefternhagen las, neigte sie bejahend das Hauptl Vierzehn Tage später wurde Doktor Fcllners Verlobung mit Margot von
Wefternhagen öffentlich bekannt ge macht. Das junge Mädchen war von seiner Schwärmerei zu gründlich geheilt worden, als daß noch ein Rückfall' zu befürchten gewesen wäre, und sie war die glücklichste Braut, die man sich nur immer vorstellen konnte. Von Sigfrid Nyström hörte man nur noch, daß er das Gebiet feiner künft!clischcn Thätigkeit nach Amerika verlegt habe; aber auch dort zog cr sich bald aus der Öffentlichkeit zurück, nachdem es ihm gelungen war, Herz und Hand einer reichen jungen Amerikanerin' zu gewin-
nen, während man den herrlichen Schöpfungen deö leider zu früh dahin geschiedenen Jönß Andersson sein wirklicher ?!ame konnte aus begreiflichen Gründen hier nicht genannt werden in unseren Konzertsälen ' noch immer mit Andacht und Entzücken lauscht. Gilt Nackitgefecht in TüdnestLfrik.,. In außerordentlich spannender We!se schildert Leutnants von Marschalck vo,m . Südwestafrikanifchen Feldregiment den Verlauf eines Nachtgcfechtes, das ein kleiner Trupp von zweiDutzend deutscher Soldaten mit einer 200 Mann starken Hotientottcntruppe vor wenigen Wochen zu bestehen hatte. Der GefeStsbericht liefert gleichzeitig einen glänzenden Beweis für" die treue kämeradschaftliche Gesinnung zwischen Offizieren und Mannschaften. Leutnant von Marfchalck schreibt: In der Ncicht zum 9. November ging ein Transport von Artilleristen von Warmhad nach S-andfontein; mehrere Offiziere, die zu ihren Kompagnien gelangen wollten, hatten sich ihnen angeschlössen; es waren im Ganzen 22 Mann und fünf Offiziere. Am Abend des 12. November erreichten wir die Naruchas-Schlucht. Das Gelände sah sehr unheimlich aus. die reine Mausefalle. Unsere Spie suchte die Klippen rechts und links ab. Es war dunkel, nur schwacher Mondschein. Ich ritt ganz , vorn, als wir plötzlich l Uhr Morgens auf fünf bis zehnSchritt Entfernung ein wahnsinniges Schnellfeuer bekamen. Ich drehte mich uni und rief: Runter von den Pferden!" Ich hatte aber noch nicht den Fuß aus dem Bügel, da wurde wir schon mein Pferd erschossen, und -dann schrie ich: Kehrt, marsch, marsch!" Wir mußten us diesem höllischen Feuer natürlich, zuerst heraus. Wir liefen zurück und legten uns hinter einem Busch hin. Inzwischen war dasFeuer aus allen Ecken losgegangen. Es war sehr schwierig, eine Schützenlinie zu bilden, wir hatten ja nur Artilleristen, die noch nie ein Schützengefecht geübt hatten. Die Eindrücke des Gefechts, das Stöhnen der Verwundeten und das anhaltende heftige Feuer hatten natürlich auch mächtig gewirkt. Da war Leutnant von Knobelsdorff, der schon länger rn der Schutztruppe ist,' großartig. Er stand auf und sagte:, Vorwärts. Leute, auseiwander, so schlimm ist das nicht, die Schweine treffen ja nicht!" Durch die Kaltblütigkeit des Offiziers wurden dieLeute beruhigt und wir bildeten eine Schützenlinie im Kreise. Wir hatten schon gemerkt daß die Hottentotten uns bei weitem überlegen waren. Es entspann sich jetzt ein Feuerkampf auf etwa zwanzig Schritt Entfernung, gegen dew wir uns vier Stunden lan gewehrt haben. Was Pfeifen der Geschösse war unheimlich.' immer ging es bing". bing" dicht am Ohr vorbei. Dann hörte das Feuer plötzlich ganz auf. Als ich mich ausrichtete, krachte aber sofort ein Schuß. Dann kamen Verstärkungen der Feinde über dieBerge geklettert, auf die wir feste schössen. Sie riefen sich gegenseitig etwas zu; ich fragte einen Eingeborenen, den wir bei uns hatten, was es hieße. Da sagte er: Eben haben sie gesagt, wenn die Sonne aufgeht, machen wir sie kaput." Das wußten wir auch; die Situation war sehr ernst; wenn es hell würd?, schössen sie aus ihren gut gedeckten Stellungen uns paar ungedeckt liegenden Männer einfach zusammen. Wir Offiziere krochen jetzt zusammen und kamen zu d?m Entschluß, daß in solchen verzweifeltenSituationen ein enerqisches Drausgehen der erste Weg zur Rettung ist. Wir beschlossen, die Stellung der Hottentotten dort, wo wir hergekommen waren, im Anlauf zu nehmen und dann durchzubrechen. Bis jetzt hatten wir verhältnißmäßig geringe Verluste. Mir hatte öfter ein Mann zugerufen: Herr Leutnant. ich hab' einen weg", die Schüss: waren. aber nur im Arm oder in der Schulter. Die Schwerverwundeten mit Beinschüssen wollten wir auf jeden Fack mitnehmen. Auf, marsch, marsch!" Die Hottentotten wußten nicht, was wir vorhatten, sie wurden unsicher, es sielen nur zwei Schuß, dann leg.i'.n wir uns wieder hin. Es kam der zweite Sprung. So bin ich noch nie gelaufen! Wir liefen ja um unser Leben! Die Verwundeten liefen schreiend mit gräßlichen Schmerzen mit; wir stützten sie. so gut es gina. Nach einigen' Schritten stolperte ich über einen s,?sallenen Reiter und stürzte lang hin. 'Sofort fielen zehn Schüsse unmittelbar neben mir nieder; ein Geschoß wars mir das ganze Gesicht voll Sand. Ich sprang auf und lies weiter; zum Glück schlössen sie in derMorgendämmerung schlecht. Als wir an ihre Stellung kamen, wichen sie rechts und links vor unserenKlingen aus. Wir brachen dann durch, und' die Hottentotten, welche ja jetzt unsere Absieht erkannt hatten, rannten zu beiden
Seiten mit und schössen wie wild. Ein Mann neben mir rief mit einemmal: ,Au. ich bin angeschossen, nehmt mich mit, laßt mich bloß nicht liegen!" Jöz nahm ihn unter die Axme; er hatte ci- . nen scknveren Oberschenkelschuk. und
es ging weite:, lausen konnte ich nicht mehr. lUfir war zetzt alles gleich: '.ch ging mit dem Verwundeten langsam durch das ??euer, und eine qnädiasan! hat mich hindurchcsührt, volltommrn heil. Ich hattt nicht gesehen, daß die anderen wieoer ,on! qemacht und oa6 fteuer wieder aufgenommen bat ten. T-cr Feind schoß nur noch ganz vereinzelt uns zog dann ad. Wi? sahen ihn aus etwa 1000 Meier vorbeiziehen, etwa 200 Mann Nark. Wir waren aus dieser MmV.iT7nun glücklich heraus und hatten es sclber nicht mehr geglaubt. Die Mannschaften kamen und gcben uns die Hand und bedankten sich, daß wir sie so gut geführt sattem Am meisten freute cs mich, daß wir die Verwundeten mitbekommen wtten. Unsere draven Reiter hatten ihr möglichstes gcthan! 1 prof. ZmickcllWtttti Logik. Professor Zwickclmann stürzte cincö Nachmittags in Allster Freude in faü Wohnzimmer seiner Behausung, in kr Rechten eine kostbar verzierte, cingelegte Reiterpisiolc schwingend. Sieh' da. liebe Emerenzia, was ich hier wieder für eine herrliche Acquisition gemacht halc!" rief er überlaut. Emerenzia, die würdige Gattin de Professors, ließ resignirt ihr Strickzeug sinken und gleichsam den Enthusiasmus ihres Mannes mit einer kalten Touche übergießend erwiderte sie mit verweisender Stimme: Ach, Zwickelmann. Du wirst uns noch an btn Bettelstab bringen mit Deiner unsinnigen Sammelwuth!" Nicht doch, liebe Theure," wehrte Professor Zwickclmann ab. denke Dir, , ich habe dieses' werthvolle Stück für einen wahren Spottpreis gekauft eine wayrc Bagatelle, sage ich Dir! Du selbst hättest nicht widerstehen können!" Was Du eben in Deinem unbegrenzten ' Leichtsinn eine Bagatcllc nennst!" knurrte Frau Emerenzia. Nein, wirklich, mein Herzblatt, es ist so, wie ich sage! Denle Dir, ich habe nicht mehr als baare zwei Mark dafür gegeben!" Jetzt aber kam Leben in die Flau Professorin. Mann. Professor!" schrie sie und sprang mit einem Satz vom Sopha. Zwei Mark, sagst Du Willst Du . uns alle unglücklich machen?... Sog' an. wie bist Du zu dem unseligen Ding gekommen?" Aber Emerenzia." stotterte der Professor ganz verwirrt, ist denn zwei Mark auch noch zu theuer?" O Du großes Kind, Du!" is , Frau Emerenzia außer sich. Sag', wo hast Du die Waffe her?" Aber ja doch, wenn es Dich interessirt!...Jch mäche ja gar kein Geheimniß daraus Du l'äss't einen nur nicht zu Worte kommen!... Also, wic ich eben im Begriff stehe, in's Haus zu treten, begegne ich an der Thüre einem Manne, der diese Waffe in den Händen hält. ,Ein schönes Stück!' sage ich. Denn mein Kennerauge loar natürlich sofort auf das seltene Objekt gefallen. ,Ja. Herr.' erwidert der Mann, .aber wie 's so ist die Noth man hat Kinde? kurz, ich moMt die Pistole verkaufen.'... Na. und so habe -ich sie denn gekauft. Ich habe nicht im mindesten eine Pression auf den Armen ausgeübt! Er bot sie mir aus freien, Stücken zu diesem Spottpreis an." Ach. ich ahnte -es ja!" stöhnte die Frau Professorin. Hast Du dennnicht so viel Verstand, daß Du Dir sagst, wenn ein solches Stück zu einem so auffällig billigen Preise ausgebotci: wird, daß cs unbedingt gestohlen srin muß? Ach, Du großer Gott wir und gestohlenes Gut wir Diel Hehler wir mit einem Fuß im ZuchtHaus !" Professor Zwickelmann stand wir angedonnert. Wie Schuppen fiel es ihn:: von den Augen und centnerschwer senkte sich die Logik seiner klugen Gattin auf sein Gewissen. Gestohlen!" rief er tonlos. Ja. Du kannst recht haben!" Schnell, schnell," drängte Frau Emerenzia. lauf' ihm nach! Du mußt, ihn noch einholen können. Wirf ihm den Raub wieder vor die' Füße und bleib' ein ehrlicher Mann!" Wie der Wind war der Professor zur Thür hinaus. Aufgeregt ging die Frau Professorin im Zimmer auf und ab. Wird er den Mann noch treffen? Der Himmel gebe es!" Nach zet)n Minuten trat der Prosts sor wiederum in's Zimmer. Auf seinen Lippen lag ein überlegenes Lächeln, und seine Rechte hielt triumphirend die Pistole. Starr sah ihn .Frau Emerenzia an. Tu hast unrecht gehabt mit Deinem Verdachte, liebe .Frau!" rief er. Ich traf den Mann an der nächsten Ecke, stellte ihn zur Rede und sagte ihm. die Waffe müsse unbedingt gestohlen sein,., wenn ti sie um zwei Mark verkaufe ' worauf ttim Entschuldigung bat und, vierzig, Mark verlangte. Nun, und-, diese gab ich ihm mit gutem Gewissen . denn vierzig ist sie werth, und darum kann sie nicht gestohlen fein!" '
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