Indiana Tribüne, Volume 29, Number 132, Indianapolis, Marion County, 27 January 1906 — Page 4
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Jndlana Tribüne, 27. Januar wve
Indiana Tribüne. HnauIgeCeden von der SutebS Vs. Indianapolis, Ind. Harr) O. Thndin .... yräfident. Vesckiäfts localt No. 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 269.
brtcred t the Post Office ot Indianapolis as tecond dass matter. Town Topicö. Die Geschworenen in dem vom Frie denZrichter Deul, einem der Besitzer des Revolverblattes Tovn Top!cZ-, gegen Herrn Hapgood Redaktenr eines MagazineS angestrengten VerläumdungS Processe haben in ihrem Wahrspruch erklärt, daß keine Verleumdung statt "gefunden habe. Sie indossiren also damit alle was Hapgood in seinem MagazinArtikel über, Town TopicS" geschrieben hatte. Jeder anständige Mensch wird dem Urtheil zustimmen. Mit unglaublicher Unverschämtheit haben die EigenthS mer von Town TopicS" die Schwächen der reichen New Vorker Familien in baare, Münze umzusetzen verstanden. Sie betrieben ihre Erpressungen mit wissenschaftlicher Gründlichkeit. Wer einmal in ihren Händen war wurde immer aufs Neue, geschröpft. Jedes Skelett in den zahlungsfähigen Familien erspähte ihr gieriges Auge um Geld daraus zu münzen. Riefige Summen, weit über eine Million gat terten siie auf diese Weise ein. Jeden Besitzenden betrachteten sie als legitimes Opfer. Herr Hapgood hatte den moralischen Muth, da? schurkische Treiben in seinem Magazin zu enthüllen. - Er nannte die Dinge beim rechten Namen und die Klage folgte. ES war keine Verläumdung, sagten die Geschworenen, denn waS Hapgood publizirte ist wahr. Die Geschworenen haben in diesem Falle das Richtige getroffen. Der Town Topic" kann nicht verläumdet werden. Im "großen Ganzen hat Town Topic nur da? gethan, waS in Eam pagnezeiten viele als hoch moralisch geltende Zeitungen thun. Ein guter Name ist ihnen nichts. Den politischen Einfluß zu erringen wird der Charakter eines mißliebigen Kandidaten in gemeinster Weise ange griffen. Selbst sein Privatleben wird nicht geschont. Gemeine Jnsinuatio nen muß der Kandidat über sich er gehen lassen auch Anklagen die gänzlich aus der lLuft gegriffen sind und nur um ihn zu schädigen, erfunden wurden. Wenn auch diese amerikanischen Zei hingen- die bloße Jumuthung. daß sie zur selben Klasse wie Town Topicö" gehören, mit der größten Entrüstung zurückweisen würden, so ist dies doch leider Thatsache. Ja, Town Topicö" ist ein ganz ge meines Revolverblatt aber there are others. Richter Deuel Hat seinen Prozeß ver loten, weil der der Verleumdung be zichtigte Hapgood den Beweis der Wahrheit erfolgreich antrat. Interessant wäre es jedenfalls gewe fen, wenn die Town TopicS" in die Lage gebracht worden wäre, sich wegen Verleumdung in Fällen zu verantwor ten, wo ErpressungSversuche zu Wasser wurden. DaS dürfte aber, obwohl Material für solche Prozesse in Hülle und Fülle vorhanden ist, keinem der zur großen Familie der New Jorker 400 Gehörigen einfallen. Town TopicS" würden sich daun gezwungen sehen, ebenfalls den Beweis der Wahrheit anzutreten, und die Ge wissen sind jedenfalls nicht rein, sonst hätte das Revolverblatt nicht florircn können. Nun daS öffentliche Laster unter' drückt ist, machen sich private Laster breit. - Die republikanischen Redakteure haben Gouverneur Hanly geschnitten, daS beweift, daß sie die nöthige Schneid haben. Mayor Bidamann von Terre Haute, den die dortigen Mucker gerne los sein wollen, scheint ein echter Bie dermann zu sein. - Trotzdem unsere Zehige Polizei administrativ noch sehr jung ist, hat sie doch schon eine ganze Anzahl schwe rer Jungen dem Mtzger an'S Messer geliefert. l?-Die beste 5 Cmt Cigarre in der Stadt, Mucho'S Longfellos".
Zur Richtigstellung
In einer durch die deutschamerikani sche Presse laufenden Notiz über die Vorlage zur Jnkorporirung deS Deutsch Amerikanischen National'BundeS, die der Kongreß.Abgeordnete Richard Vartholdt eingebracht hat, heißt eS: Die Ziele und Bestrebungen desselben Wer den darin wie folgt angegeben: Loyale Unterstützung der Prinzipien der Admi nistration..." Dieser sich angeblich auf die loyale Unterstützung der Prinzipien der Aomlniftration beziehende Passus befindet sich nicht in der Vorlage. Sek. tion 3 der Vorlage besagt, daß der Na tional'Bund für die folgende Zwecke gegründet wurde: Erhalten der Prinzi pien repräsentativer Regierung, zum Schutze und Erhaltung aller bürger lichen und politischen Rechte; Beschützung deutscher Einwanderer gegen Be trug und Unrecht; Ermunterung zur Naturalisation; Studium amerikani scher Einrichtungen; amerikanische Ge schichtöforschung; Pflege der deutschen Sprache und Literatur und des deutschen Drama und Feier des Gedächi niffeZ der deutsch-amerikanischen Pio niere, deren Einfluß von unberechenba. ren Vortheil für die intellektuelle und ökonomische Entwicklung dieses Landes war und deren Loyalität in Zeiten der Bedrüngniß und Noth aus der Ge schichte hervorgeht. Mißbrauch des Frankatur' Privilegiums. . Der Deutsch'Amerikanische National Bund glaubt den Prohibitionistewoder deren Vertretern in Washington ein mal ganz gehörig auf die Finger klopfen zu können. Die Beamten des Bundes haben dem General Anwalt und dem GeneralPostmeifter Material unterbeitet, aus welchem eine offenbare Verletzung der GesetzeS'Bestimmungen über das FrankaturPrivilegiUM von KongreßMitgliedern hervorgeht. Auf den Mchdrauch der Frankatur und die Beraubung der Post wurde-bereitS vor zwei Jahren bei Gelegenheit deS Hep burn.Dolliver VerhörS aufmerksam ge macht. DaS Justiz.ttomite des Re präsentanten'HauseS betrachtete jedoch die damals von Major Duncan B. Harrison als nicht zu der dem Komite vorliegenden Sache gehörig und die An gaben wurden bedauerlicher Welse nicht einmal dem Protokoll einverleibt. Damals handelte eS sich um die Frankatur der ttongreßAbgeordneten Hepburn und Clayton. Der Beschul digte war Rev. Wilbur E. CraftS, das Haupt der prohibitioniftlschen Lobby in Washington und der eigentliche Urhe ber fast aller gegen den Handel in alko haltigen Getränken gerichteten Gesetz vorlagen. Der Herr ist auch Vorsteher eines sogen. International Reform BureauS". Jetzt handelt eS sich um die Frankatur des Bundes Senators Gallinger. Der Beschuldigte ist auch in diesem Falle Reverend" CraftS. Der Blade" von Toledo, O., dessen verstorbener Begründer, wie öffentlich behauptet wird, ein GewohnheitssSufer war und die seinerzelt berühm;en Pul verize he Rum Power"Artikel gewöhn lich in betrunkenem Zustande nieder schrieb, veranstaltete vor einer R:ihe von Jahren unter Toledo'er Aerzten eine Umfrage, um zu beweisen, daß die allgemeine Annahme, Bier sei daS am wenigsten gesundheitsschädliche unter den alkoholhaltigen Getränken, eine ganz irrige sei und daß das Bier that sächlich noch weit mehr Unheil anrichte als der Whiskey. Im Jahre 1701 hielt der Bundes senator Gallinger, der bekanntlich zu den reaktionärsten Mitgliedern des na tionalen Oberhauses gehört, eine Rede, in welche er die Ergebnisse der von dem Toledo Blade" veranstalteten Um frage einflocht. Vorgeblich wird jetzt dieser Theil der Galllnger'schen Rede unter seiner Frankatur in Form eines vierseitigen Pamphlets in vielen tau senden von Exemplaren über daS Land geschickt. Man ist sogar geschmacklos genug gewesen, auch den Bierbrauern, welche in dem Pamphlet als wahre Massenmörder hingestellt werden.Exem plare zuzustellen. Der Absender aöer ist kein anderer als der famose Rev. Wilbur E. CraftS. Vorgeblich, denn waS da unter der Frankatur deS Senators verschickt wird, ist nicht die Rede Gallinger'S oder ein Theil derselben, sondern, wie ein Ver gleichen deS Pamphlets mit dem Bericht über die Verhandlungen deS Repräfen tanten Hauses vom 8. Januar 1901 im Congresfional Record" ergab, der ZeitungS Artikel aus dem Toledo Blade"' Senator Gallinger hat, um
seiner Rede einen allgemeinen Anstrich zu geben, verschiedene Absätze aus dem Zeitungsartikel fortgelassen, darunter auch den, daß oledo eine biertrinkende Stadt mit einer großen .deutschen Be völkerung und fünf der größten Braue reien ist, wo jene Aerzte das beste Feld zum Nachweis der Schädlichkeit deS Bieres hatten. Reverend" CraftS hat diese Stellen des Zeitungsartikels flott mitdrucken lassen. Der Deutsch'Amerikanische National Bund betreibt keine Bierseidel Politik und hat seine Zuschriften an den Ge neral'Anwalt und den General Post meister streng sachlich gehalten. Die Beamten deS Bundes glaubten jedoch dem Mißbrauch des Frankatur Rechts angesichts des Defizits von nahezu 15 Millionen Dollars im Pclioffice.De partement und der Thatsache entgegen treten zu müssen, daß der größte Theil der geringen Beiträge, die der Natio nal'Bund erhält für Postgebühren ver wandt wird.
Tie beiden Könige von ?!otn c zen. Wie man weiß, hat Ajörnstjerne Ajörnsen, der ungekrönte Nonig von Norwegen, nahezu größeren Einfluß in seinem Heimathlände als der erwählte Hirrscher König Hakon. Von dieser .Thatsache ist Niemand mehr überzeugt, als Björnsen selbst, und es fehlt dem greisen Dichter durchaus nicht der Wille und die Fähigkeit, sein hohes Selbstbewußtsein zuweilen recht drastisch zum Ausdruck zu bringen. Eine Probe, von dieser unhöfischen OffenHerzigkeit giebt eine kleine Anekdote, die ein Korrespondent aus Christiania in öer Neuen Hamburger Zeitung" erzählt, die hier abgedruckt sein mag: Der urwüchsige Zwischenfall ereignete sich am Abend der ersten Festvorsiellung, die zu Ehren dos Königsein'zuges im Nztionaltbeater veranstaltet wurde.' und bei welcher Björnsons Sizurd Jorsalfar" zur Aufführung gelangte. Nach dem zweiten Akte ließ der König d:n anwesenden Dichter in die Hosloge bitten unö empfing ihn mit der höflichen Bemerkung: Des er et meaet smult stykke, kjarc Björnson!" (Ein sehr schönes Stück, lieber Björnson!"), wobei er; seiner dänischen Gewohnheit getreu, das Wort flieget" (sehr") in der breiten drucksweise de? Kopenhagener Jargons wie majet" aussprach. Björnson trat direkt an den König heran, klopfte ihm väterlich wohlwollend auf die Schulter und meinte in ermahnendem Tone: Sagen Kie nicht majet", Majestät sondern, mezet". wie es hierzulande üblich ist auf derlei Kleinigkeiten muß, man in Ihrer Stellung Acht geben!" König Hakon sah den mild auf ihn herniederblickenden Dichtersenior einen Moment höchst verdutzt an, , lachte ein wenig gezwungen und meinte dann, er werde sich die empfangene Mahnung hinter's Ohr schreiben. Recht so!" entgegnete Björnson. Wenn Sie meiner Bitte eingedenk bleiben, wird sich noch Manches zum Guten wenden!" Die letzte Bemerkung mit ihrer etwas orakelhaft klingenden Schlußwendunz schien den König doch etwas frappiert zu haben, denn als man wenige Tage später zu Ehren des Königspaares tU nen großen Bürgerball veranstaltete, fügte es sich, daß der König bei seinen Rundtouren die weiblichen Mitglieder der Familie Björnson in ostentativer Weise überging eine -Demonstration, die natürlich nicht verfehlte, auf allen Seiten ein bedenkliches Schütteln des Kopfes zu veranlassen. Eingeweihte Kenner der höfischen Verhältnisse sind allerdings der Ansicht, daß die hierdurch hervorgerufene Spannung keine weitergehenden Folgen nach sich 'ziehen werde..." - ?o nclc Fcicrscllvridzr. (Henne Geschichde aus der gud:n,alden Zcio.Z In Tunzelwidz gab's sogenannde .Freiwillige Feierweh?," wcnn's trannde, Und mildig, vigiland und sicher Ging die Kolonne, drufs wie Tlicher. Seid Fingsden war man im Besibze Von einer nagelneien Cchbridze, 5)ibsch angemald mid rod und grien, Mid änner Teichsel dran zum Ziehn. Zwar freilich Ferde gab's noch kecne, Te ganze Mannschafö lief per Beene, Mit diesem Brunk- und Gala-Schdicke, Da daden se sich mächdig dicke. Obwohl noch nie im Echdorm erbrobd, Vard diese Cchbridze sehr gclobd. , Nur schade! War der Lack ooch nei, Das Innere war nich einwandssrei, Indem de Krasd der Wasserquellen Nich hcher schdicg, wie fusfzehn Ellen. Froh war man, daß se soweid slog. Man dachde: Tas vcrrichdcd'L ooch! Ta rickd ämal der Läschzng aus. In Tunzelwidz im hcechsden au' War ufs'm Oberbvden Feier. Nu war der gude ad ja deier! Te Mannschafd bumbd und quäld sich ab, Doch der Erfolg war eißerschd knabb. Der Branddirckder kommd herbei: W$ is denn das für Eorkserei? Wenn ich nich alles selwer mache, Ihr kommd im Leben nich zu Fache! Endschnld'gen Se, Herr Branddirelder! Tie würd in eener Tour defekder; Und wenn mir uff'n Kobb uns schdellen, Jedz gchd's nich dichd'ger, wie zwölf Ellen!' .Ihr Bibbche toi&d Eich doch beim Schbrid zen Nich ans drei Birken raus zu fidzen. Gchd ooch der Cchdrahl drodz Glud und Rooch Nich !is zum vierden Cchdocke koch, . j Ta ward' doch hibsch zum Cackermend: 1811 das im ,wdcn Cödocke trennd!
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Schcidcn thut wrh Z Komödie aus der Srof.llaat 4 i $ i ; O i ; a und da sind Sie Hingegangen und haben dem Schicksal geflucht?" Noch mehr, gnäo:ge Frau. Ich habe oas As-sessor-Examen gemacht." . Aha -!" Und habe mich in dem Nest da oben in Schleswig begraben lassen. Ausgerechnet Tondern! Ich habe Prozesse entschieden zwischen SchornsteinfegerInnungen und Ackerbürgern und bin auf die Hühnerjagd gegangen und habe das ganze Jahr die Nase aus meinen Akten nicht herausgesteckt. Akten und immer wieder Akten! Ich wollte bergessen, mich betäuben " Und um sich zu betäuben, waren Sie auch nach 5iop:nhagen gegangen?" Na ja. die zwei Monate Urlaub! Ich wollte mich gewaltsam zerstreuen. Ich hätte es ja wissen können!" Er schüttelte melancholisch den bloyden Kopf. Als ob ich Sie je vergessen könnte Herrgott noch einmal! Wissen Sie noch, wo wir unö das letzte Mal ausgesprochen haben? Auf dem Ball in der Philharmonie. Sie gingen als Sizilianerin, alle Gluthen des Aetna schlugen einem aus Ihren Augen entgegen. Und dann dann kam das bittere Scheiden!" Pst! Nicht davon jetzt!" Sie erhob sich; ihr war doch schwül geworden. Und sie horchte nach der Flurthü? hin, ob die Klingel nicht ging. Es war die Stunde, wo ihr Mann nach Hause kommen mußte. Er war gleichfalls aufgestanden, trat langsam an's Fenster, ohne den Blick von ihr zu wenden. . Etwas von dem alten Werben, das ihn ein Jahr lang zu ihren Füßen festgehalten hatte, lag noch in diesem Blick. Die schlanke Gestalt mit dem blassen, nervösen Gesicht, dem dunklen Haar schien ihm verändert in dem Jahr, seit er sie nicht gesehen, seit sie den jungen Doktor Wernshoff. seinen besten Freund, ihm vorgezogen hatte. Frau Grete bot ihm etwas von den Süßigkeiten an. die auf dem Tischchen standen. Er dankte. immer mit einem Anflug von Elegie. . Es war doch hart damals, Frau Grete! Wenn ich an den letzten Nachmittag denke, an dem ich allein bei Ihrem Jour mit Ihnen saß. Sie boten mir wie jetzt Nußtörtchen" Sie nahmen sie auch damals nicht. Wissen Cie, mein Lieber-" Grete erhob etwas ihre Stimme ich habe stets gefunden, daß Ihre Stärke im Zuschauen lag! Ueber ein ganzes Jahr lang haben Sie mir zusammen mit Otto Wernshoff den, Hof gemacht, damals, als , ich als junge, unternehmungslustige Wittwe einen kleinen Kreis um mich gesammelt hatte'." Es war die schönste Zeit meines Lebens." Frau Grete nickte. "Das versicherten Sie mir schon damals. Sie redeten überhaupt sehr gescheite Dinge. Eigentlich viel gescheitere als Otto, der meistens schwieg und in seine Theetasse sah." Etwas anderes wurde ihm damals wohl auch nicht angeboten, Gnädigste von Ihnen wenigstens." Schließlich doch, mein vorlauter Herr! Aber das war nicht allein meine Schuld!" Mit gutgespielter Fassungslosigkeit starrte er sie an: Ja, mein Gott, Frau Grete, hatte ich denn irgend welche Aussichten, zu?" Draußen klang die Flurglocke. Frau Grete Wernshoff kam nicht mehr dazu, zu antworten. Otto Wernshoff trat ein. ein Dreißiger. mit blondem Spitzbart, übe? den müden Augen saß eine Brille. In langem schwarzem Gehrock ging er den Schritt eines Eilfertigen, und Unsicher ren, bei jedem Satz, den er sprach, schon an den nächsten noch ungesprochcnen denkend. Guten Tag. Schatz! Ah. do bist Du ja auch. Maz!" Er drückte seinem Freunde, den er schon vorher' wiedergesehen hatte, die Hand. Wie geht es Dir? Ist das ein Wetter jetzt! Und in so einer Stadt, wo alle Straßenbahnwagen qleich besetzt sind, sobald ein Tropfen "fällt. Da habt Jhr's in der Provinz doch nicht so schlimm!" Hast Du die Billetts von der Singakademie mitgebracht?" fragte sie. Kind, ich konnte wirklich nicht daran denken! Es war so spät geworden nach der Klinik und ich wollte rasch zu Dir nach Hause." Frau Gretes hübsches Gesicht verzog sich sehr ungnädig. Und ich hatte so darauf gerechnet! Wo Ansorge jetzt einmal da ist! Und wir gehen ohnehin schon so wenig aus." Aber, Kind " Ja, ja, ich hatte mich schon so gefreut." Sie wandte sich ab. Assessor Max starrte sie an. Anders kam sie ihm vor als früher nervös, überreizt. - Du glaubst nicht, was ich alles zu thun hatte." Otto versuchte sich zu rechtfertigen. Professor Hellmann hat mir die Sitzungsberichte aufgebürdet. Ganze Stöße von Broschüren und Scharteken habe ich mit nach Hause gebracht. Ich werde wieder heute Abend bis 12 zu thun haben." Das kommt ja jetzt ohnehin viermal die Woche bei Dir vor," sprach sie achselzuckend. .Na. ich konnte doch nicht nein saz
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gen. So als frischgebackener medizinischer Privatdozent ist man doch darauf angewiesen, iie Professoren zu hosiren. Sonst bringt man's zu gar nichts!" sprach er mit einem Auflachen, das überlegen klingen sollte, zu Max gewandt. Na, natürlich Gesch'äftssache," schnarrte dieser. Frau Grcte seufzte. Ach ja! Ich trage auch mein Theil daran. Unsere Diners, wo immer vier oder fünf Professoren mit Frauen und Töchtern anrücken. Wenn Tu meinst, daß das unterhaltend ist!" Professoren empfingen Sie früher allerdings kaum, gnädige Frau." Max lächelte, indem er Grete ansah, die seinen Blick vermied. Die Zeiten waren andere geworden offenbar. Es war früher sehr lustig bei ihr gewesen. Diese flotte Geselligkeit war es ja auch, die das Vermögen der jungen Wittwe bald bedenklich angegriffen hatte. So daß ihr der erste ernsthafte Freier, der sich einstellte. Otto Wernshoff. recht willkommen war ... Otto zog die Augenbrauen hoch. Nun, das sind tempi Passati. Hoffentlich überzeugst Du Dich bald einmal bei einem unserer nächsten Diners, daß es nicht ganz so schlimm ist, wie Grete meint." Der andere sagte zu, empfahl sich, seine Handschuhe ergreifend, Grete mit einem vielsagenden Blick die .Hand küssend einem Blick, der noch immer vom bitteren Scheiden sprach. Draußen im Flur zum Hausherrn, der ihm in den Paletot half: Sag' mal, Oto Du siehst nicht gut aus. Ich glaube. Du arbeitest zu viel?" Ein leichter Seufzer Ottos: Ich schreibe viel Populäres für Zeitschriften. Man muß doch verdienen. Der Haushalt, ihre Toiletten, das kostet auch allerhand. 'Kannst Du Dir ja denken!" Assessor Max nickte, ging langsam die Treppe hinab. Unten vor dem Spiegel im Treppenabsatz des ersten Stocks blieb er stehen, zog die Handschuhe über, prüfte gewissenhaft den Sitz. des Paletots, rückte den Cylinder. Und' dem Gehege seiner Zähne entrannen die Worte: Herrgott, habe ich einen Dusel gehabt!" Er trat auf den Platz hinaus, musterte die Litfaßsäulen. Die Welt lag auf ihnen ausgebreitet, klar, bunt, leicht wie der Schleier einer schönen Frau. Olympia-Theater, Metropole, Wintergarten wo ging man heute wohl hin? Tie Tculschetlkietzcr. In England wie in Teutschland sind einflußreiche Personen und Körperschaften bemüht, ein besseres Verhältniß zwischen den beiden Ländern herzustellen. Den geschworenen Deutschenhetzern in England paßt das gar nicht in den Kram, und sie suchen von der Germanophobie ihrer Landsleute zu retten, was zu retten ist. Charakteristisch ist ein Aufsatz des militärischenMitarbeiters der Time?" über den 'möglichen Verlauf eines deutsch-französischen Krieges. Die beiderseitigen Machtmittel werden erwogen, und der Schluß gezogen, daß hundert Jahre nach Jena und Auerstädt die Franzosen wohl kaum an eine Ueberlegenheit des deutschenHeeres glauben würden. Aber das Ausscheiden Rußlands aus der Betheiligung an einem europäischen Kriege ist nach Ansicht des Gewährmannes der Times" ein Umstand, der die deutschen Kriegsgelüste fördert, weil Frankreich dadurch geschwächt werde. Er schreibt nun wortlich: Ist es be! einer so kritischen Lage der geeignete Augenblick für britische Staatsänner, Menschenfreundc und Handelskammern, ernstlich daran zu glauben, daß sie der Sache des Friedens dienen, wenn sie sich Deutschland an den Hals werfen? Die Httstellung der Freundschaft 5wischen England und Deutschland ist in sich selbst ein höchst wünschenswerthes Werk, das aber nur dann genehmigt und verbürgt werden kann, wenn zwischen Deutschland und Frankreich geregelte Beziehungen hergestellt sind. Diese Wendung tritt erst dann in Sicht, wenn Deutschland auf der bevorstehenden Konferenz klare und überzeugende Beweise dafür gegeben hat. daß es keine AngriffsAbsichten hegt und die Festigkeit der Entente cordiale nicht dadurch crproben will, daß es mit einem vergifteten maurischen Pfeil uns zu treffen versucht. Betheuerungen unserer Hochachtung für Deutschland kommen besser erst später, wenn sie verdient worden sind. Zurzeit sind sie nicht zweckmäßig und sogar gefährlich, weil sie Frankreich schwächen und durch das Preßbureau des deutschen Auswärtigen Amts ausgesucht werden, um den deutschen Chauvinismus zu ermuthigen. Weit davon entfernt, die löblichen und edlenAbsichten ihrer britischen' Forderer zu erfüllen, geben sie eine indirekte Anweisung zum Kriege ab." Dazu bemerkt der Hannoversche Cou--rier": Das Deutschland an den Hals werfen", womit das große Cityblat! die Friedensbemühungen .in England verächtlich zu machen fucht, wird, wie wir bestimmt hoffen, auf die erfreuliche Verständigungsaktion nicht ungünstig wirken. Es erscheint uns trotzdem nützlich, daß wir das Vorhandenseinder deutschfeindlichenClique in England und : ihre unermüdliche Wühlarbeit nicht aus dem Auge verlieren. :
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