Indiana Tribüne, Volume 29, Number 128, Indianapolis, Marion County, 23 January 1906 — Page 5

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l Eine lustig? Geschichte, uon Alwin Whmv. Toktor Hans Baumgarten saß auf dem Parkettsitz, zu dem ihm sein Freund Theodor Hering, als Tramendichter: Theo Ring, das Freibillet geschickt halse und that seine Pflicht. Tas heißt: er belachte die scherzhaften öinfälle Theo Rings, von dem heute zum ersten Mal ein kleines Zchauspie! über die Bretter ging, so ansteckend wie möglich, obwohl er die meisten dieser Pointen ans dem Umgang mit dem jungen Dichter schon kannte; er sah höchst genihrt aus, wenn irgend ein Wort, das zu Herzen gehen sollte, Kerunterschallte und er klatschte nach den großen- Szenen frenetisch Äeifall, wozu er sich gegen seine sonstige Gewohnheit sogar die Handschuhe auögezogen hatte. Reicht wurde ihm die Durchführung dieser Thätigkeit gerade nicht; denn erstens imponirlen ihm die .Feurige'.! Kohlen," wie Theo tting seinen Dreiakter getauft hatte, nicht übermäßig: zweitens hatte er jene teuflische Eefiihl, das sogar Helden windelweich macht, in einer alten, lange vergessenen Zahnwurzel, durch das diese sich wieder in'S Gedächtniß zurückzurufen versteht und in seiner langsam anwachsenden Innigkeit jenen Superlativ von Schmerz zu erreichen verspricht, der einen den Willen zum Leben am liebsten verneinen lassen möchte; drittens aber hatte er einen Nachbar zu. seiner Linken, der es mit treffsicherer Kunst fertig bekam, an allen den Stellen der Aufführung zu Küster, wo Hans Baumgarten gerade 'mal die Anwandlung verspürte, ein bischen gewissenhafter zuzuhören. Es war ein alter Herr, der von der störenden Wirkung seiner kleinen Krächzereien nicht die geringste Borstellung zu hal-en schien; für die entfernter Sitzen den mochte die Sache auch gar nicht so lästig sein; Hans Baumgarten jedoch, durch den wühlenden Schmerz in seinem Kiefer von gesteigerter Reizbarkeit, empfand jeden neuen kratzenden Kehllaut seines offenbar katarrhalischen Nebenmannes mit immer schärferer Pein, bis er zuletzt auch noch den fürn merlichen Rest von Geduld verlor und, als ihm wieder einmal eine Pointe seines Freundes Theodor in den Respirationsgeräuschen des Nachbars zum Teufel ging, diesen verärgert anzischte: Herr, warum gehen Sie nicht in ein Krankenhaus statt in das Theater?" Der Alte sah ihn höchst überrascht und natürlich nicht etwa freundlich von der Seite an, ehe er sagte: Tanken Sie Gott, junger Mann, wenn Sie gesund sind!Ich habe vielleicht schlimmere Schmerzen als Sie!" flüsterte Dr. Hans empört, worauf ihn der Nachbar mit der Bemerkung abspeiste, daß ihn daö. gar nicht int'eressire. Selbstverstündlich fingen jetzt auch die Nmsitzenden, von dem anschwellenden Wort Wechsel gestört, an, durch Zischen um Ruhe zu mahnen, das wiederum die kleine gegnerische Klique des armen Verfassers der Feurigen. Kohlenschnöde zu einer flolien Demonstration gegen das Stück benutzte, indem sie den unangenehmen Ton verstärkte. Es war wirklich eine scheußliche Situation und Haus Baumgarten, gequält von seinem Zahnschmerz, geärgert von seinem Nachbar, unzufrieden mit sich selbst, weil er unbewußter Weise die Ursache zu dieser für seinen Freund Theo fo entmuthigenden Kundgebung geworden war, hätte sichern liebsten in einem kleinen Berserkeranfall Luft gemacht. Doch bezwäng er sich glücklich und als beim Llktschluß die Anhänger des Dichters durch gehörigen Beifallslärm alle Oppositionsgelüste siegreich niederkämpfen konnten, gab er sogar den vorher festgefaßten öntfchluß, das Theater vor Beginn des dritten Aktes zu verlassen, wieder auf. Und er war nachher nicht böse darüber, geblieben zu sein. Denn der hustende Nachbar hatte seinen Platz mit dem eines jungen, bezaubernd frischen Mädels gewechselt, das dadurch dicht an seine Seite gekommen war. Es war ein ganz entzückendes Profil, was er da ab und zu mit einem raschen Seitenblick streifen durfte: nicht gerade klassisch" in der Linienführung von der Stirn zur Nase; aber das liebte er nicht einmal sonderlich ; nein, diese kleinen Abweichungen vom griechischen Schönheitsideal waren ihm gerade recht, sowohl oben an der Nasenwurzel wie an der allerliebst gestumpften Spitze, die alsbald zu jener leicht nach innen gewölbten, kurzen Oberlippe hinüberleitete, die dem Gesicht den Charakter reiner, süßer Kindlichkeit verleiht. Auch das Kinn zeigte eine Nundung, die seinem schönheitötrun tenen Auge wohlthat. Wenn sie lachte, bebte ihm vor trunkener Wonne das Her; im Leibe, so frisch und natürlich klang es. Und dabei nickten die lustig durcheinander arrangirten, ührenblon den Stirnlöckchen so neckisch dazu, daß er mitunter ganz vergaß, wozu er eigentlich im Theater faß und durch das Aeifallklalschen der Anderen erst aufgemuntert werden mußte, seinen Freundespflichten zu genügen. Ihre Augen hatte er freilich noch nicht prüfen können. Sie vermied es zweifellos absichtlich, if,m auch nur den geringsten Blick zu schenken. Ach, und er hätte sich so gern einmal von ihr anschauen lassen, um sestzustell-en, ob die Augen dieser reizenden Person ihren übrigen Vorzügen entsprächen. Und wenn sie ihn. auch tot eine zürnende Göttin angestarrt 1)1 lie ! Denn allzu freundliche Gesüdle mochte sie ja vorläuna

svr inn mazr hegen, oer lyren alter Laier oder Onkel vorhin so schwer ge ärgert hatte, daß ihm seitdem sogar der so liebevoll und nachgiebig behandelte Husten geradezu abhanden gekommen war. UebrigenS mußte bei ihm die Freude über die unmuthige neue Nach barsckal't eine äknlicke Wirkuna aus: geübt baben : seil einer ganz geraumen Weile schon spürte er nämlich auch nicht die Spur mehr von seiner braven, alten Zahnwurzel, und die Sympathie für das schöne Mädchen an seiner linken Seite entflammt: sich nach dieser Wahrnehmung zur Schwärmerei mit einem köstlichen Stich Aberglauben: ihr Anblick hatte ihn geheilt! (5s war ein richtiges kleines Privatwunder! Schade, daß er sie nicht anreden durfte! Aber der Alte hätte ihn sicher zehn Klafter tief in die (5icc gehustet, wenn er das gewagt hätte! Und sie? Na, wer weiß, ganz glimpflich hätte sie solche Kühnheit wohl auch nicht hingenommen, obwohl es ja der reinste Her zensdrang- bei ihm war. Boraussichtlich hätte er etwas von Unverschämtheil" zu hören bekommen ! Aber selbst dieses Wort mochte von ihren frischen Kippen ganz entzückend klingen! Nur hatte er-nicht Neigung, eine Probe darauf zu machen. (5s hätte ihm den sanften Eindruck dieser lieblichen (5rscheinung gestört ! So schlich er denn, als die Jeurigen Kohlen- vom Helden des Stückes endlich sämmtlich aus das Haupt seiner künftigen Schwiegermutter gesammelt worden war, aus der Paikettreihe, dem ungleichen Paare nach, beobachtete von Weitem, wie sie dem Alten in den Paletot half uno den gestrickten weißen Shawl mit kindlicher Zärtlichkeit um seinen Störenfried von Hals knüpfte, während der etwas mürrische Papa ihr zum Tank nicht einmal an das schlichte Winterjäckchen faßte, das sie darauf anzog; und wie sie nun das Theater verließen, schritt er unauffällig hinter ihnen drein, um zu erfahren, wer sie wohl sein möchten. Natürlich schob sich das brutale Schicksal in Gestalt einer bis auf zwei Plätze besetzten Pferde bahn dazwischen, die den alten Griesgram und die junge enzfreude aufnahm, ihn aber schnöde. auf dem Stra ßenpslaster stehen ließ. Sollte er nebenher traben, wie ein übermüthiger Bello oder Karo? Das kam ihm denn doch gar zu lächerlich vor. Daher wandte er sich mit einem letzten Blick ab und schritt dem Restaurant zu, wc sich die Freunde Theo Rings versammeln sollten, um. den Erfolg der Feurigen Kohlen" bei etlichen Flaschen Rüdeöhcimer zu feiern! Wie ihn die Freunde lärmend empfingen, sagte ihm auch seine Zahnwurzcl wieder Guten Abend!" Mindestenö eine seltsame Sache! (5r halte Gelegenheit genug, das immer wieder von ?euem zu konstatiren; denn seine Nacht war durch die unbarmherzigen Qnalen im Kiefer gc radezu trostlos, obwohl er aus Anratheu der Freunde mit allen möglichen Sxirituosen Betäubungsversuche angestellt hatte. Ganz zerschlagen begab er sich am nächsten Morgen in's Amt zu sei nen dreißig Knaben, die die harten Bänke der Quinta des städtischen Gymnasiums drückten. Gott sei Dank, um zehn Uhr war er dort fertig. Im Sturmschritt fast eilte er zum Zahna.zt, nm den schlimmen Gast cxmittiren zu lassen. Das Wartezimmer saß voller Lei densgencssen, die seine Schmerzen theilten, ohne sie, wie cö schön, aber in diesem Falle unpassend heißt, zu Halbiren. Im Gegentheil, ihm wurde beim Anblick von so viel dickbäckigem Elend nur noch übler zu Muth. Die Welt war wahrhaftig ein Jammerthal ! Nur, daß zuweilen plötzlich ein Engel fareintritt, um alle Schmerzen zu stillen! Einen ähnlichen Gedanken konnte er just noch koustatiren, ehe ihn der Freu dentaumel ganz gefangen nahm, der ihn überfluthcte, als nach wenigen Minuten des Wartens die Thür zum Sprcch, richtiger: Schrei Zimmer aufging und geleitet vom Zahndoktor seine holde Nachbarin von gestern Abend sichtbar wu-de. Es war wie ein eleklriscker Schlag, der ihn durchzuckte und natürlich waren auch die Schmerzen sofort wieder weg. Elektrizität ist wirklich ein großartiges Mittel. Adieu, Fräulein Müller!" sagte der Kieferbohrer mit einer überaus höflichen Verbeugung, die dem Doktor Baumgarten ordentlich das Blut in Wallung brachte. Grüßen Sie, bitte, den Herrn Papa! Ist sein Katarrh wieder besser? Ja? Wer ist der Nächste von den Herrschasten?" Hans Baumgarten wartete es kaum ab, bis sich die Thür hinter der dicken Fleischersgattin geschlossen hatte, die dem Operateur jetzt zum Opfer fiel. Was sollte er hier augenblicklich, da seine Wurzel Waffenstillstand angesagt hatte?. Sich womöglich einen falschen Zahn ziehen lassen, wie das häusig genug vorkommen sollte? Er dankte schön ! Da war es doch gescheiter, Frau lein Müller mit dem katarrhalischen Papa schnell noch auf der Treppe ein zuholeu. Mit drei Sprüngen war er hinaus. Der hat die Kourag' verloren!" meinte schmerzlich lächelnd ein' alter Herr. .)ann Izat er das Elend noch nicht lange!" urtheilte seufzend ein Anderer. Bei mir ist's heute der fünfte Tag! Jetzt mnß er raus und wenn der ganze Kopf auseinanderplatzt!" Doktor Baumgarten hastete während dessen die Treppen hinab wie ein Spitzbube,-der bei e'iem Einbruch ge-

Jndiana Tribüne,

stört ist. Unten im Hausflur erreichte er das Fräulein und da die'massive Hausthür ziemlich schwer zu öffnen ging, sprang er hilfsbereit hinzu und sagte: Erlauben ie, gnädiges Fräulein, das ist wirklich zu viel für so zarte Kräfte!" Danke !" erwiderte sie einfach und warf ihm einen freundlichen Blick zu. Dann aber ging es über ihr Antlitz wie Gcwitterwolkensctiatten. Sie hat mich erkannt ! durchfnhr cö ihn und er wurde roth. Nun traten sie über die Schwelle auf die Straße. Sie sind mir böse! Ich sehe es!" fing er mit dem Aufgebot seines ganzen Muthes au. Ich kenne Sie gar nicht!" erklärte sie eifrig. Darum muß ich auch bitten, mich jetzt allein gehen zu lassen!" Aber er wich zunächst nicht von ihrer Seite. Noch ein Wort nur!" bat r. Glauben Sie mir, gnädiges Fräulein, wenn ich. gestern Abend im Thea ter nicht so wahnsinnige Zahnschmerzen gehabt hätte" Dann hätten Sie zum Zahnarzt gehen sollen statt in's Theater !" quittirte sie ihm den Ausfall von gestern Abend gegen ihren Erzeuger. Ja, ja, Sie haben nicht unrecht! Aber trotzdem danke ich der Lorsehung, daß sie mich in's Theater geführt hat, weil ich ein Wesen da kennen gelernt habe" . Waren Sie nicht eben auch im Wartezimmer Doktor Montags?" , Allerdings!" stotterte er, etwas aus dem Konzept gekonunen. ' So thun Sie gut, wieder hinauf zu gehen, damit Sie da sind, wenn , die Reihe an Sie kommt. Es thut noth, Sie reden schon ganz merkwürdig !" bemerkte sie boshaft. Aber schnell gefaßt, attackirte er sie mit der Thatsache: Seit ich Sie wiedergesehen habe, sind meine Schmerzen wie weggedlascn! Gestern Abend auch schon!" Herr Gott, wie fade!" murmelte sie seufzend, aber so, daß er es hören mußte.Sie denken, ich schwatze Unsinn! Nein, nein, wie weggeblasen!" betheuerte er. Darauf blieb sie stehen und salz ihn von oben bis unten an. Es war ihr zu arg. Der war ja wie eine Klette. Ich wollte, Sie wären's auch!" sagte sie schneidend und schritt dann quer über den Iahrdamm nach der ande ren Seite der Straße. Ganz verdutzt blieb Doktor Haus zurück. Himmel, ha! die mich abgeführt !" dachteer. So ein Racker! Aber was für ein fabelhaft hübscher Nackcr! Na. ich weiß jetzt wenigstens, wie sie heißt: Müller, Fräulein Müller! Allerdings kein ganz seltener Name in Deutschland; immerhin aber ein Anhaltspunkt!" Er ging in das nächste. Kafe und schlug daö Adreßbuchauf. Es zeigte ihm hundertachtundvierzig Träger diescö edlen Namens. Eine erhebende Wahrnchmung! Aber der Zahnarzt wußte ja Näheres wissen ! Äoll Todesverachtung kletterte er die zwei Treppen wieder hinauf, wo ihn die Zurückgebliebenen mit wehmüthigem Kopfnicken abermals willkommen hießen. Sie kauuten dies Aufreißen und Wiederkommen! Dies Hangen und Bangen in schwe bender Pein, was nnverständige ?eute auf die Viefce gemünzt wissen wollen! Glücklich allein ist die Seele, die keine Zahnschmerzen hat! Ohne Widerrede! Endlich, endlich kam auch die Reihe an Hans Baumgarten. Tapfer hielt er Stand, als der Zahnarzt, eifrig wie Sckliemann, seine Ausgrabung begann, obwohl sich der Schmerz na& feiner zweiten Begegnung mit Fräulein Müller nicht wieder eingestellt hatte Natürlich meldete er sich jetzt wieder und bildete sich im Handumdrehen die Hand drehte ' Doktor Montag um U'.'.d hatte niederträchtiger und heimtückischer Wci'se eine verborgen gehallene Zange darin! zu einem Fortissimo Furioso aus. Dann gab es ein Gekrach in dem armen Kopfe, wie wenn ein ganzes Schock Wallnüsse auf einmal aufgeknackt würden nun noch ein Ruck und triumphirend zeigte der Gewaltmensch seinem Opfer die glücklich erwischte Wurzel Noch unter dem Gurgeln und Spülen fragte Hans Baumgarten, obgleich crdasfelbst nicht für jehr fein hielt, nach dem Fräulein Müller. Ach ja," erklärte der Arzt, Fräu lein Müller! Eine sehr tapfere Patientin! Keinen Vani beim Plombiien! Se'r Later macht viel mehr Spektakel! Ein alter geplagter Herr, wissen Sie, mit einem ewigen Katarrh! Aber was er ist, kann ich wahrhaftig nicht sagen ! Wenn er was hat. bringt er immer daö Fräulein mit! Fast so als Trost! Sie kommen schon, so lange ich hier wohne, bezahlen aber immer gleich, wie fast alle meine Kun oen na, uno oa iragr man oenn nicht weiter, nicht wahr?" Was bin ich schuldig?" erkundigte sich Hans Baumgarten auf diesen Wink hin, erlegte daö Honorar und verschwand, um eine Zahnwurzel und einen Thaler ärmer, aber um die erhoffte Auskunft nicht reicher geworden. In der Folgezeit zeigte er beängstigende Amagen zum Straßenbummeln. Ueberall war er zu sehen, immer in der gespannten Erwartung, sie" wiederzutreffen. Er las alle Klingelschilder der Stadt und bekam Herzklopfen, wenn er den Namen Müller darauf fand ohne hinterher seinen Müllers" auf die Sp.'r zu kommen: er fragte seine Be-

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kannten aus nach den MUllers unter ihrer' Belanntschast! Vergebens! Er hatte auch in seiner Quinta ein Gewächö dieses Namens, einen dreisten Bengcl voll naseweiser Einfälle! Di Möglichkeit war iinmerhin vorhanden, daß er ihr" Bruder war ! Er wollte schon rainnter kommen! Bei Gelegen hcit! So von hinten herum! ' Da seine Aligcn just an einem nur noch lose an Müllers Jacke hänaenden Knopfe haften blieben, sagte erväterlich tadelnd: Sieh 'mal. Müller, wie unordentlich Du gehst ! Der Knopf tni Deinem Nocke wird sehr bald abreißen! So was läßt man doch ausbessern! Hast Du denn keine Schwester?" 0 ja!" erklärte zerknirscht der Schlingel. So bitte sie doch, das in Ordnung zu bringen!" Die thut es nicht!" O weh," dachte der Doktor, sollte sie nicht haushälterisch sein?" Warum?" fragte er laut. Die ist erst zwei Jahre!" trumpfte der Böscwicht unter dem schallenden Gelächter seiner Mitschüler. Dem Doktor stieg das Blut in's Gesicht uud er beschloß, in der Schule seine Nachforschungen aufzugeben. Und so hörte uud sah er durch volle vierzehn Tage nichts von seinen" Müllers. Es war ihm wie eine Ewigkeit in der Verdammniß. Sie sehen nicht gut aus, lieber Kollege!", sagte der Direktor zu ihm. Es thut mir leid, daß ich Ihnen trotzdem mit einer größeren Arbeitslast kommen muß. Aber ich habe niemand Anders, der unseren Doktor Wille in den Mathematik- und Naturwissenschaftsstunden in der Tertiq vertreten könnte. So gut es geht, will ich Sie dafür in der Quinta entlasten, bis die dumme Neserveübung vorüber ist!" O, bitte!" enkgegnete . ' Hans Baumgarten darauf höflich und bereitwillig und rückte in die 'Tertia ein. Es war doch eine Abwechselung in der mißmuthigen Periode, die er jetzt durchlebte. Da Doktor Wilke ein sehr pedantischer Herr war, der den Herren Tertianern gegenüber nie ein Scherzwort gebrauchte, vor der Klasse nichts kannte, als seine trockenen Lehrsätze und seine inne'schen und de Eandolle'schen Systeme, wurden sie zu dem fröhliche ren, trotz der Müllerschatten" noch genießbarcn jüngeren Lehrer, bald zutraulich, wie zu einem älteren-Bruder, kamen erst schüchtern, nach und nach aber ohne jeden Zwang zu ihm, wenn ihnen etwas dunkel oder unklar geblieben 1?ar, nnd arbeiteten zu Hause natürlich mit verdoppeltem Eifer rnd Erfolg. So gewann HansBanmgarten auch Freunde unter den Vätern und Müttern, ohne es zu wissen. Aber den stillen, sanftigenden Segen unverdrosjener Thätigkeit spürte er verwundert undsdie nette Art der Jungen that ihm wohl Fast stolz fühlte er sich eines.Tages, als 'einer sogar zu ihm kam und halb verlegen, halb zuversichtlich bat, ihm doch zwanzig Pfennige zu leihen, damit er sich in der Pause noch schnell ein Zeichenheft kaufen könne. Der Herr Professor sei immer gleich so böse, wenn 'mal einer was vergessen habe und schreibe gleich einen Tadel dafür in'S Klassenbuch ! Das aber möchte er gern vermeiden! Ja, Pahlmann, eigentlich bestärke ick) Dich da in Deiner Bummelei! Äber weil Tu sonst ein ordentlicher Kerl bist: hier hast Du die zwei Nickel!" Ich danke herzlich, Herr Doktor. Und morgen früh bringe ich sie wieder!" Es eilt nicht !" lächclle'Baumgarten und sah dem 'erleichtert Davonspringenden nach. Einen kleinen Stich gab es, ihm freilich doch, als Georg Pahlmann ihm am anderen Morgen das ausgelegte Geld nicht wieder cr stattete. Er hatte den Jungen für zuverlässiger gehalten und ihm daher ein wenig gegen sein pädagogisches Gewissen ausgeholfen. Aber eine Bemerkung machte er zunächst nicht darüber. Mitten in der Stunde klopfte es an seine Klasscnlhür. Er sprang aus nnd trat hinaus. Und )vie er, durch das Halbdunkel des Korridors spähend, plötzlich das Gesicht'der jungen Dame erkannte, die da vzr.ihm stand, hätte er am liebsten einen mächtigen Juchzer ausgestoßeu, wenn daS nicht . seiner Würde der hellhörigen Tertia gegenüber untilgbaren Schaden gethan hätte. Nein, so ein Glückssall: sie war es! Herr Doktor Baumgarten?" fragte sie leise nnd roth wie Himbeerpudding. Zu dienen! jagte er vergnügt. Ich komme wegen meines Kousins," hauchte sie, Georg Pahlmann. Der freiste Junge hat Jhnen.gestern zwanzig Pfennige abgeborgt. Papa war außer sich und läßt vielmals um Entschuldigung bitten!" O nicht doch, ich habe es sehr gern gethan!" 'Hier, '.bitte, ist das Geld zurück!" Sie sind sehr liebenswürdig, mir das selbst zu bringen!" Ach, wir .haben auch nocff'.ein Anliegen!" So, so!" Ja, darf denn Georg heute Nach mittag einmal fehlen? Seine Mutter kommt auf ein paar Stunden von Gerbau herüber" Hm da müßten Sie allerdings zum Herrn Direktor!"' Ich dachte, weil Sie selbst die Stunden hätten und Georg sagte, wie wie wie aut Sie seien" ' (Schluß folgt.)

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