Indiana Tribüne, Volume 29, Number 128, Indianapolis, Marion County, 23 January 1906 — Page 4
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jndiana Tribüne. Cttailataitea von der Sutendtkg Es. Indianapolis, Ind. Qaxxy O. Thudinm Präsident. SeschäftSloealt No, 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 269
Kitered rnt the Post Office oi Indianapolit as tccond clst matter. Aus der Bundeshauptstadt Im Senat ist e5 so weit gekommen, daß gegen jede Maßregel, welche vom Weißen Hause gewünscht oder sanktionixt ist, sofort Opposition sich bemerk bar macht. In manchen Füllen wer den Reden, in öffentlicher oder bäusiger noch in Ezekutivsitzung dagegen gehal ten; in anderen Fällen schiebt man die Empfehlungen und Wünsche des Präsidenten beiseite, man ignorirt diese! ben. TieZ ist eine Folge der vom Prä sidenten befolgten Politik, den Senat zu ignoriren, wenn er besser ohne die Nathschläge und Zustimmung- Kieser Körperschaft fertig zu werden glaubte. Der Senat neigt im Allgemeinen nicht zu sensationellen parlamentarischen Galavorstellungen hin. aber er besteht sehr nartnäckig auf den Prärogativen, welche die Verfassung dieser Körper schast gewährleistet, und je häufiger und nachhaltiger die Versuche gemacht werden, diese Prärogative zu schmälern, desto stanköpsiger wnd der Senat. Die Verstimmung im Hause M we sentlich darauf zurückzuführen, daß den Mtgliedern nach und nach die kleinen praktischen Vortheile, deren sie bedür fen,.um in ihren Distrikten ihr Prestige ausrecht zu erhalten, auf das geringste Maß beschnitten worden find. Patronage giebt eS für Kongreßmitglieder kaum. noch. Nur wenige Bevorzugte vermögen Konstituenten in den DepartementS unterzubringen und . der letzte Hort, die Ernennung der Postmeister, lg ihnen nun auch vom Generalpoftmelfter genommen worden. Ferner braucht die Administration hohe Bewilligungen für ihre Zwecke, Armee, Marine, Panamakanal etc., so daß ökonomisch in Bezug auf andere Dinge verfahren werden muß, um daZ finanzielle Gleichgewicht aufrecht zu er halten. Bewilligungen, auf welche die Kongreßmitglieder in früheren Jahren mit Sicherheit rechnen konnten, für die Errichtung eine öffentlichen Gebäudes in diesem Distrikt. Vertiefung eines Flußbette? oder Hafenbauten in einem anderen Distrikt, müssen unterbleiben, well da- Geld für sonstige Zwecke be nöthigt wird. Noch ein anderer Grund deS Mißver gnügenS kommt hinzu. Präsidentschaftspolitik für daZ Jahr 1903 be ginnt sich lebhast zu entwickeln. Auf daZ Wort des Präsidenten Roosevelt bauend, daß er in 1903 nicht wieder kandidiren wolle, haben sich verschie denerort- Aspiranten an die Arbeit be geben, einen Buhm" für sich ins Le ben zu rufen. Vizepräsident FalrbankZ in Jndiana, Senator Foraker in Ohio, Sekretär Shaw in Iowa und nicht zu vergessen, . Sprecher Cannon, als unab hängkgs Kandidaten, während auf der anderen Seite bald Sekretär Taft, bald Staatssekretär Root als eventuelle Kandidaten der Administration fungi ren.. Ob eZ begründet ist, daß Präsi dent Roosevelt den Staatssekretär Root oder den KriegSsekretär Tast als seinen eventuellen Nachfolger bevorzugt, ist bislang nicht authentisch festgestellt worden, und ob die Einmischung deZ Präsidenten in die Paiteiderhältniffe verschiedener Staaten, Jndiana, New York, Ohio, den Interessen deS Einen oder deS Anderen dienen sollte, erhellt nicht. Daß aber die Administration sich sehr kräftig eingemischt hat, in der offenbaren Absicht, eine Adminiftra tions'Partelmaschine hier und dort auf zubauen, ist unfraglich. Sprecher Eannon wird jedenfalls nicht verfehlen, die ihm zustehende Macht zu verwerthen, um die übrigen PräsidentfchaftZ-BuhmS möglichst zu zerschmettern und dann auf den Trümmern derselben den eigenen auszubauen. So wird hin und her gezerrt, intriguirt und. gehechelt, und eö ist begreiflich genug, daß alle diese Unzufriedenen in einem Punkte eine ge meinsame Basis finden können: in der Opposition gegen die Administration. Das Repräsentantenhaus hat. wie zu Anfang erwähnt, die Bill angenom men, welche verfügt, daß alle Waaren, die von den Philippinen nach den Ber einigten Staaten geschickt werden, hier zollfrei eingehen .sollen. .Nur Tabak, Zucker und Reis sollen 25 Procent deö
Werthes d?zahlen; aber auch diese Zölle sollen in drei Jahren fallen. Die Demokraten waren vernünftig genug, für die Bill zu stimmen, obgleich ein Theil von ihnen anfänglich die Absicht hatte, sich den republikanischen Gegnern der Vorlage anzuschließen um der Ad ministration Verlegenheiten zu bereiten. DaZ ist durch den demokratischen Füh rer Williams glücklich verhütet worden; denn es wäre sehr thöricht und Peanut Politik" der schlimmsten Sorte gewesen. Das Repräsentantenhaus hat damit nur einen Act der Gerechtigkeit began gen. Die zollfreie Zulassung der Pro ducte dcr Philippinen ist keine wilth schaftliche Frage, sondern eine Pflicht, die wir den Bewohnern deS Archipels schulden. Sie ist vom Hause erfüllt worden; leider ist aber so gut wie gar keine Aussicht vorhanden, daß die Bill im Senate passiren wird. Dort Herr schen die Trusts und die Hochzöllner absolut, und für diese sind Ehre, Pflicht und Menschlichkeit unbekannte Begriffe, wenn eS sich um ihren eigenen Vortheil handelt. Je näher der Zeitpunkt heranrückt, der über das Schicksal der Zweistaa tenBill" entscheiden wird, um so grö ßere Thätigkeit entwickelt die Lobby, welche namentlich von Arizona hierher entsendet worden ist, um dem Theil der Vorlage, durch den jenes Territorium mit New MtLico zu einem Staate ver schmolzen werden soll, zu opponiren. Die reichen Bergwerköbesiker haben bedeutende Geldsummen hergegeben, um die Ablehnung der Bill zu veranlassen. Womöglich soll die Bill im Hause ab geschlachtet werden; wenn das nicht ge lingt, so will man es im Senat fertig klingen. UebrigenS ist es nicht so sehr die Verschmelzung Arizona's mit dem Territorium New Mexico, welcher opponirt wird, als überhaupt die Er bebung Arizona'S zum Staat. Allen falls würde man sich Arizona als Staat für sich allein gefallen lassen, da die BergwerkSbesitzer glauben, daß sie im Stande sein würden, diesen Staat zu kontrolliren. Würde aber New Mexico mithereingezogen werden, so hätte letz tereS infolge der wesentlich größeren Stimmenzahl das Uebergewlcht und die GreaserS" in New Mexico würden re gieren. Das wollen die BergwerkSbe sitzer um jeden Preis vermieden sehen. Der Grund für die Opposition ist sehr klar. In Arizona existiren groß artige Gold und Kupferbergwerke. Senator Clark von Montana ist zum Beispiel der Haupteigenthümer der außerordentlich reichen United Verde Bergwerke, die Hunderte von Millionen werth sein sollen und zur Zeit zehn Millionen Dollars im Jahre an Rein gewinn einbringen. Dieses Eigenthum ist lächerlich niedrig besteuert; die alte Abschätzung, $78,000, vorgenommen zur Zeit, da die Gruben entdeckt wur den, besteht heute noch zu Recht. Fer ner sind die großen TombstoneBerg werke, an denen Senator Alger von Michigan, sowie andere Senatoren und auch Eongreßmitglieder finanziell in teressirt sind, ähnlich unzureichend besteuert; aber die reichen Corporationen befinden sich sehr wohl dabei und wün schen nicht, dies geändert zu sehen. So lange die territoriale Verwaltung bleibt, glauben sie, das jetzige System könne beibehalten werden, obschon Sprecher Cannon gedroht hat, daß der Congreß ein neues Steuergesetz für daS Territorium erlassen möge, wenn die Zweistaatenbill nicht zur Annahme gelangen sollte. Die BergwerkSbesitzer scheinen der Ansicht zu sein, daß ihr Einfluß hinreichen wird, um auch eine derartige Bill todt zu machen, wenn eS ihnen gelingt, die Zweiftaatcnbill, wie in früheren Congressen, in die Rumpel kammer zu befördern. ES ist seit Längerem davon gemunkelt worden, daß gewisse BergwerkSactlen in ganz ansehnlichen Beträgen fürDiejenigen zu haben seien, welche gegen die Staaten Bill stimmen wollten.
Thom aö P atton, 24 Jahre alt, 365 Lasayette Platz wohnhaft, ein würdiger Vertreter der schwarzen Rasse, wurde wegen brutaler Behandlung seiner Frau hinter schwedische Cardinen gebracht. Er hatte einen Streit mit seiner Ehehäfte, wobei der Wütherich der schwachen Frau die Kleider vom Körper riß, sie bei den Haaren erfaßte und von dem Lafayette Platz nach den Geleisen der Gürtelbahn schleppte, wo er sie mit einigen Faustfchlägen freiließ. Die Frau theilte diese brutale Hand lung der Polizei mit und die Polizisten Mefford und Hall verhafteten den Burschen.
Raucht die B0NANZA.
Grundeigenthums Uebertragungen.
Elizabeth Elliott an Frederick Are mer. ein Theil heS nordwestlichen Vier tels der Section 16, Township 15, Range 4, 15 Acres in Center Town ship. $3000. Marselius Guftin an Frank Pearsy, Lot 55 in Dorsey's Subd. eines Theils der Oak Hill Addition, 40 bei 140 Fuß, verbessert, Ostseite der Winter Avenue, südlich von Bloyd Avenue. $1200. Sophia Baker an EnoS A. Almond, südliche Hülste von Lot 39, MagulreS Erben Sud., Outlot 151, westliche Seite von Bright Str., südlich von Vermont Str., $800. Mary A. Archdeacon an R. R. MenS Building and Loan Association, Lots 7. 9. 10 und 11 De Wolfs Sub., Theil Oak Hill südliche Seite von Fernway, westlich von Winter Ave., $800. SilaS H. Elements an Forest G. Hoover, Theil nordöstliches Viertel, Township 16, Raiche 4. Center Tp.. $1,750. William F. Herrmann an Charles Czinczoll :c, Lot 21. McCarty'S Sub. division. Outlot 120. 30 bei 120 Fuß, verbessert, Ogseite von West Str.. nördlich von WilkinS Str., $1200. William H. Mauzy an James A. Brown, Lot 49, Browndale Additiön. 33 bei 123 Fuß. vac.. Westseite von Indianapolis Str., südlich von-24. Straße, $300. Derselbe an denselben, Lot 71, Rob' bins' zc. Hill Place Addition, 30 bei 113.18 Fuß. verbessert. Südfeite von BateS Str., nahe Detroit Str., $1250. Benjamin F. Cline an Louise G. Byfield, Lot 413, McCarty'S neunte Westseite.Addition, 39 bei 150 Fuß, verbessert, Ostseite von Bridge Str., südlich von Silver Ave., $950. William L. Hereth an John T. Ni chola?, Lot 18, Block 16, Lincoln Park Addition, 41 bei 132.60 Fuß, vacant. Ostseite der Delaware Str., südlich Von 25. Str. $1375. William C. English an George K. Frerzee, Lot 34, McKernan'Z Suddl. sion von Outlot 23, 30 bei 90 Fuß. verb., Westseite der Willard Str.. südlich von Henry Str. $725. Edward E. Fry an Willkam K. Mc Clain, LotS 5 und 6, Wallace'S 1. Add., Ortschaft Acton. $750. State Plaza Co. an Stell V. Ro gerö, Lot 68, State Plaza Add., 40 bei 100 Fuß. vacant, südöstliche Ecke Ohio Str. und Parkway Ave. $1,100. John M. Dalrymple an Jrving S. Gordon, Lot 6, Adamson'S Subd. Außenlot 4, 38.4 bei -140 Fuß, ver bessert Oftseite Pennsylvania Str. süd lich von Walnut Str. $33,000. Albert C. Kimberlin an Belle Scott, Lot 164 in Reagan Park Add.. 31 bei 140 Fuß, verbessert, Westseite der Cornell Avenue, nördlich von 2p. Str. $2000. John LazaruS an AugustuS Simon, Lot 91 in Avondale Addition. 40 Sei 132 Fuß, vacani, Nordost.EZe der Kenwood Avcnue und 35. Straße. $750. Mary E. Clark an George Quinn, ein Theil des nordöstlichen ViirtelS der Section 13, Tshp. 16, Range 3, 43.60 AcriZ in Pike Tshp. $6000. Jda FeeemanS an Henry M. Scott, ein Theil der Lot 4, Sq. 7 in Drake'S Add., 30.6 bei 103 Fuß, verbesseri, Westseite der Senate Ave., nördlich von 11. Str. $900. Thomas H. Dinsmore an Albert Smith, Theil von Lot 185. Clark's dritte West Indianapolis Add., 35 bei 42 Fuß, verbessert, südliche Seite der Henry Str., westlich von Drovir Str. $800. Bloomfield H. Moore an John Rau, östliche Hälfte von Lot 49, Hamway'S Oak Hill Add., vacant, südliche Seite der 25. Str., östlich von Keystone Ave. $5.000. -- R i ch m o n d, 22. Jan. Joseph H. Ramler, 75 Jahre alt, einer derBe gründe? dez Droguenfirma A. C. Lu ken & Co.. ist gestern gestorben. Brazil, 22. Jan. Einbrecher suchten gestern Nacht die Stadt Brazil heim, und brachen in verschiedene Lä den ein. Die betheiligten Firmen wa ren: Die Vrosi,,S Dry GoodS Company, die De HarkinS Company und der Ma nufakturwaarenladen von Lytel & Wilkin. Sie entwendeten Kleider und kleine Summen Geld aus den Kassen. Sämmtliche Lüden wurden durch die Hwtrrthüren betreten., indem sie die GlaSfüllungen der Thüren ausfchnitten. Man vermuthet, daß Einheimische die
Attentäter sind.
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Verdi'S Liebenswürdigkeit.
' Ein ergötzlicher Vorfall, der die Liebenswürdigkeit Verdi's tresslich illustrirt, wird gelegentlich, der 100. Aufführung von Aida", die jüngst im königlichen Opernhause zu Berlin vor sich ging, aufgefrischt: Einen diederen Einwohner von Reggio hatten überschwengliche Berichte über die wundervoll Aifca" zur Reise nach Parma verlockt, um im dortigen Theater das Werk zu hören. ' Was er gehofft, erfüllte sich nicht, und seine Erwartungen waren arg enttäuscht. Ein zweiter Besuch des Theaters, befriedigte ihn ebenso wenig wie der erste.' Mürrisch schrieb er an Verdi, daß er die Sänger und die Dekorativnen bewundert hätit. daß aber" die Musik matt klänge. Er hätte Ausgaben gehabt, die für ihn, den nicht begüterten Familienvater, zu bedeutend wären. Daher bäte er, ihm die Kosten für die zweimalige Eisenbahnfahrt hin und zurück, die zwei Ein tritts karten und zweimal schlechtes Abendbrod auf dem ' Bahnhofe mit 31.80 Lire zurückerstatten zu wollen. Verdi lachte über den unverschämt ten Kauz, ging aber auf die Bitte ein und beauftragte seinen Musikverleqer Ricordi in Mailand, dem MusikPessimisten in Rezgio 27 Lire und 80 Cts. zu senden. Vier Lire wären zu kürzen, da der Komponist an dem schlechten Abendörod keine Schuld trüge; der Mann hätte daheim essen sollen. m -m er , Die sechö Souö Boieldlens. . 'Der berühmt? französische Opernkomponist Adrian Franois Voieldieu. Verfasser unter Anderem von Die weiße Dame" und Johann von Paris", geboren 1775 in Rouen, gestorben 1834 zu Jarcy, war von frühester Iugend an überaus wohlthätig gesinnt. Sein Äater gab dem Knaben zur Vestreitung seiner kleinen persönlichen Bedürfnisse wöchentlich sechs Solls. Eines Sonntags nun traf Adrian Franois auf der alten Brücke in Nouen einen armen, erbarmungswürdig aussehenden Greis und gab ihm. ohne mit der Wimper zu zucken, alles, waS er an baarer Münze sein eigen nannte. Mein lieber, guter Junge," sprach da der Alte mit prophetischem Blick, was du mir heute Gutes gethan hQst, wird dir tausendfältig der gölten werden. Wenn es dir einst gut geht, dann denke an den heutizen Tag und den Greis auf der alten Brücke von Rouen." Und Boieldieu. als er zu Ruhm und Ehre gekommen war, erinnerte sich dessen, was er als Knabe gethan, und sedesmal, wenn eine neue Oper von ihm gespielt wurde und glücklichen Erfolg hatte, murmelte er mit inniger Dankbarkeit die Worte: Meine sechs 'Sous!" Der zärtliche Vater. Das erste Baby war erst wenige Wochen alt. Die junge Mutter kommt in's Zimmer und sieht, wie ihr Gatte an der Wiege steht und nachdenklich auf das Kind blickt. Für einen Augenblick steht sie still bei dem Anblick, 'der sie rührte, und sagte sich: Ach, wie der gute Mann das Kindchen liebt.". Ihr Arm legt sich leise um seinen Hals und liebkosend lehnt sie ihre Wange an seine Schulter. Der Gatte fuhr überrascht herum. Schah," sagte er träumerisch, ich kann wirklich nicht begreifen, wir. man solche Wiege für neunundneunzig Cents herstellen kam?." . E s gibt feuerlose LokoMotiven, denen der Dampf tosn einer stehenden Kesselanlage mit auf den Weg gegeben wird. Gastfreundschaft in Kaiser Wllhelmöland. Für unser Empfinden viel Komisches hat die Art und Weise, wie unsere braunen Landsleute in DeutschNeuguinea die Gastfreundschaft ausüben. Man hat bei den freundschaftlichen Besuchen der Stammesgenossen aus den Nachbardörfern den Eindruck, als ob der Gastgeber dem Gast nicht mehr als Unterkunft und Kost zu gewähren verpflichtet sei. Ohne besondere Begrüßung empfängt er die Gäste, die sich alsbald in das allgemein als Hotel" geltende Junggesellenhaus begeben. Dort hocken sie, das Gesicht nach einer Richtung, marionettenhaft nieder und verharren in Würde, bis man ihnen etwas zum Essen bringt. Aber nicht einer der Gastfreunde fühlt sich veranlaßt, den Fremden Gesellschaft zu leisten. Etwas höflicher ist man, scheint es,' gegen Europäer. Der Weiße wird genöthigt, Platz zu nehmen, zum Essen eingeladen und gegen Abend, was freilich mit unfern Höflichkeitsbegriffen nicht ganz Lbereinstimmt, dtrauf aufmerksam gemacht, daß es nun Zeit wäre nach Hause zu gehen. Bleibt man trotzdem zur Nacht, so erhält man ein brennendes Holzscheit fürdie Beleuchtung des oben genannten Hotels. Hat der papuanische Gastfreund den Eindruck, sein also behandelte? Gast scheide nicht ganz befriedigt von ihm, so überreicht er ihm beim ' Abschiede, um späteren Unannehmlichkeiten gleich vorzubeugen, ein in ein grünes Blatt , gewickeltes und mit Stricklein umschnürtes Tabaksblatt, also eine förmliche Friedensgarre. ,
In Budapest fand dieser Tage die Vermählung der im 80. Lebensjahr stehenden ehemaligen Schauspielerin des Nationaltheaters Kornelia Prielle mit einem 33jährig?n Manne. Namen Koloman Roßnyay, statt. Als Trauzeugen fungirten das Magnatenhausmitglied Eugen Rakossy und der Gutsbesitzer Desider Vottlik. Die greise Braut war. in weiße Seide gekleidet und hielt ein weißes Vlumenbouquet in der Hand. Sie sagte mit fester Stimme ihr Jawort. Diese Ehe wurde von den Verwandten der Künstlerin schon seit einem Jahre dadurch vereitelt, daß sie unter Kuratel gestellt wurde; es gelang ihr jedoch, durch ärztliche Feststellung dieses Hemmniß ihres Glückes zu beseitigen. Dies ist die dritte Ehe der Künstlerin, die sich zweimal hat schciden lassen. Im Jahre 1847 war sie die beste Freundin des Dichters Alexander Petösi. Profesor Emil Fischer, der durch seine großen, jetzt dem Museum für Völkerkunde in Berlin überlassenen Japan - Sammlungen sich einen bekannten Namen gemacht hat, ist zur Zeit im Auftrage der deutschen Regierung in Ostasien für die Bereicherung der deutschen Museen thätig. Soeben ist es ihm geglückt, ein sehr interessantes Stück in Japan zu erwerben. Es ist eine vom berühmtesten Holzbildhauer Japans, dem Meister Tanaka Monya, hergestellte genaue Kopie einer Tempeltrommel des 8. Jahrhunderts aus dem Kasugatempel in Nara, eines Dadakons. Das Instrument. das von in Wolken aufsteigenden Drachenfiguren umrahmt ist, mißt ohne Sockel 20 Fuß in der Höhe. Das Dadakon ist eine Erfindung Koreas. und das erste ist von dort im Jahre 453 nach Japan gelangt, wo es bei den Hoffestett gespielt wurde. Das herrlich ausgeführte Kunstwerk befindet sich auf dem Wege nach Berlin. Einen allzuschlauen Gemeindevorsteher hat die Gemeinde Ludwigshorst, Kreis Naugard i. P., aufzuweisen. Am 21. Januar v.- I. war in dem bis dahin zum Gute Maldewin gehörigen Ludwigshorst Gemeindevorsteherwahl. Der bisherige Gutsvorsteher Dähn wollte nun gern Gemeindevorsteher werden. Als Dähn, der schon 22 Jahre Gutsvorsteher war, bei der Wahl sah, daß er nicht die Stimmenmehrheit für sich hatte. fälschte er einige Wahlzettel undlas als Vorsitzender der Wahlkommission seinen Namen vor, auch pwn auf dem Stimmzettel andere Namen standen. Dähn wurde somit zum Gemeindevorsteher gewählt. Nunmehr beschäftigte sich aber das Gericht mit den betrügerischen Manipulationen des GemeindeVorstehers. In der Verhandlung vor der Strafkammer in Naugard wurde gegen den Angeklagten auf eine Gefängnißstrafe von sechs Wochen erkannt. Die Folge des Urtheils ist. daß der Herr .Gemeindevorsteher jetzt abdanken muß. Einefurchtbare Familientragödie hat sich in Altona in der Stiftsstraße abgespielt. Eine dort wohnende Wittwe und ihre 24jährize Tochter wurden todt in ihren Betten aufgefunden. Beide hatten urch Lysol gewaltsam ihrem Leben ein Ende gemacht. Die Frau, die mit ihrer Tochter sehr zurückgezogen lebte, hat ihr beträchtliches Vermögen, von dessen Zinsen sie bisher lebte, auf inständiges Bitten einem Verwandten anvertraut, der das ganze Geld leichtsinnigerweise an der Börse verspckulirte. Als ihnen diese Thatsache mitgetheilt wurde, beschlössen die beiden jetzt völlig verarmten Damen, gemeinsam in den Tod zu gehen, und haben dieses Vorhaben auch ausgeführt. Nachbarn fiel es auf, daß sie seit mehreren Tagen keine der Damen gesehen hatten und daßdie Thür ständig geschlossen war. Sie machten der Polizei und den Verwandten Mittheilung von ihren Wahrnehmungen, und als diese die Thür gewaltsam : brachen, fanden sie beide Damen in ihren Betten todt vor. Eine Lehrerin a n der Mädchenschule in Ottakring (Wien) Namens Albertine Peter begab sich Nachmittags aus dem Schulgebäude nach Hause. Auf dem Heimwege stieß sie auf freiem Felde auf eine Schaar von Schuljungen, von denen sich zwei in heftigster Weise balgten. Die Lehrerin suchte die Burschen, die im 14. Lebensjahre stehen 'mochten, zu trennen. Als ihr dies durch gütlichen Zuspruch aber nicht gelang und die Burschen Schimpfworte und Drohungen gegen sie ausstießen, - nahm sie einem der beiden Jungen den Hut weg, um die Raufer bei dem Schulvorjteher wiedererkennen zu können. Jmnächsten Moment stürzte sich eine größere Anzahl von Jungen auf die Dame, um ihr den Hut zu entreißen. Die Menge der sie verfolgenden und stoßenden Schulkinder wuchs binnen weniger Minuten auf mehrere hundert. Die Mädchen heulten und schrieen, die Jungen schlugen die Lehrerin, zttrissen ihre Jacke und ivarfen mit Steinen nach ihr. Ein Steinwurf traf die Dame empfindlich. Ein Bursche suchte eine todte Ratte, die er im Straßengraben gefunden hatte, der Lehrerin in's Gesicht zu schlagen. Frau Peter mußte sich in eine nahegelegene Tischlerwerkstätte flüchten. Ihrem Gatten, der Lehrer ist, und der zufällig aus der Schule kam, gelang es, seine Frau nach Hause zu bringen.
Gnropaisches Departtne '
Wechsel, Creditbricse, Postantveisuttgen, auf alle Städte Europas, chiffsscheins von und nach Europa. Ans und Verkauf auslänk schen Geldes. No. 35 Süd Meridian ' Str. Merchants National Bank. er verstorbene Marshall Field, der Kaufmanns-Prinz von Chicago, und einer dcr reichsten Männer der Welt, begann seine Geschaftslausbahn im Alter von siebenzehn Jahren als Ladengehilfe in einem Landstadtchen. In acht Jahren sparte er genügend Geld um einen Antheil in dem Schnittwaaren Geschäft von Pottcr Palmer zu kaufen. Dieses war das Fundament seines großen Vermögens, möglich gemacht durch die frühzeitige Gewohnheit des S'parens. Die Moral ist einfach : Jedermann sollte sparen. Diese starke Gesellschaft wird Sie untcrstühen. Beginnt heute. THE WM TRUST COMPANY, Kapital $1,000,000.00 Ueberschuß 300,000.00 DlchmQnn b5 Grabhorn, Ldrinte vo sei. ' Gchttn-Knfien. Ilnl Ladentische und Ciganen-TifS:'. 622 Oft Washington trk. Neuer Telephon B337 1AKE ER1E & VESTERII R.R. ...Fahrzeit der Züge.... 5Va$rt Untu rsledo. Tyicazo und Michiaan Si??eß.t 7.15 113.11 Toledo. ettoit und huago Lim...... 12. Ult ü2i$isanitfi,aJlancien.a!aDrtttCpLt 7.X0 tiM5 tZaUch fconnaal. iul2enor.n:n El n wüthender K a m p f zwischen Löwen, der mit dem Tode eines Löwen und einer Löwin endete, hat in Bostoäs Menagerie in Belfast stattgefunden. Der Stolz der Mcnagerie ist Duke, angeblich das größte Löwen - Exemplar in Gefangenschaft. Visher hatte er als Nachbarin die Lcwin Duchcß; vor einigen Tagen aber war sie ausquartiert worden, und ihren Käfig hatte etn anderes Löwenpaar bezogen. Duke war sehr erbost über die Trennung von seiner Freundin und sehr unruhig. In der Nachj steigerte sich feine Unruhe mehr und mehr, er lief brüllend im Käfig auf und ab und ging schließlich daran, die starke Bretterwand, die die beiden KLfige trennte, zu zertrümmern. Die übrigen Thiere der Menagerie merkten, daß der König der Thiere auf dem Kriegspsade war, und vereinigten ihr Gebrüll mit dem seinen. Die paar Wärter, die während der Nacht anwesend waren, weckten den. Besitzer Bostock und ihre Collegen. Als diese aber eintrafen, war das Unglück schon geschehen. Mit seinen Tatzen hatte Duke ein Loch in die Eichenbohlen gerissen, sich hindurchgezwängt und nach wüthendem Kampfe den Löwen erwürg?. Dann hatte er die Löwin am Nacken ergriffen und sie getödtet, wie ein Hund eine Katze. Er ließ sich dann ruhig in seinen Käfig zurücktreiben und war jetzt, nachdem er seine Nacht gekühlt hatte, Bostock gegenüber so folgsam wie sonst. Voreilig. - Ihr Bewerbungsschreiben um die Hand meiner Tochter hatte Zch.sofort einem Graphologen übersandt. Derselbe sprach sich..." Aber Herr Commercienrath, bei diesen Leuten trifft doch im me'r das Gegentheil zu!" So? Er sprach sich über Sie sehr günstig Auch ein Grund. Gefängnißdirektor: Wieder ein Jahr? Konnten Sie denn wirklich keine Arbeit sinden? In Ihr letzten zweijährigen Strafzeit haben wir Sie doch zum Buchbinder ausgebildet!" Sträfling: Ja, wissen S', Herr Direktor, man verlangt halt jetzt überall dreijährige Lehrzeit!" Ein guter Kerl. Vorsitzender: Haben Sie zur Rede Ihres Vertheidigers etwas zu bemerken?" Angeklagter (der einen sehr jungen Vertheidiger hat)': So viel ich weiß, war eS feine erste Vertheidigungsrede! Machen S' ihm halt die Freud', und sprechen S' mich' frei!"
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