Indiana Tribüne, Volume 29, Number 124, Indianapolis, Marion County, 18 January 1906 — Page 5

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Von Hans Yirirg. ' N Mitternacht war schon lange vorüber, Und noch immer war es im Studirzirnmer des Professors Weigand Izell. Die Strahlen der mächtigen, das ganze Gemach durchleuchtenden Hängelarnpe sielen scharf aus das seingefchnittene Gelehrtenantlitz, in dessen leise zuckenden Mundwinkeln sich lebhafte geistige Arbeit und Erregung wider--spiegelte. Der große Arbeitstisch war mit einer Menge aufgeschlagener Äücher bedeckt, von denen einige monumentale Größe zeigten und dadurch ihr ehrwürdiges Alter verriethen. Auch "auf Stühlen und Seiientischen lag gelehrtes Material aufgehäuft Eben klappte der greise Gelehrte den Holzdecke! eines uralten Kodex zu, um sich einem anderen Zeugen der Bergangenheit zuzuwenden: da trat, etjne anzuklopfen, ein jungesMädchcn herein, das eine brennende Hcxt in der Hand hielt. Sie blieb stehen, und ein sctialkHaftes lächeln glitt über ihr AntliZ. als der Professor, ohne ihre Gegenwart zu bemerken, in seinnn Studium fortfuhr. Die Kerze übergoß ihr prachtrollesBlondhaar mit goldenen Richtern, und ihre klugen, lebhaften Augen überflogen verständnißinnig die gelehrte Unordnung in dein weiten Gemache. Cnne Weile verharrte sie noch, chne sich zu regen, fast einer Bildsäule gleich, der des Künstlers Genius warwen Ton und inneres eben verliehen. Endlich aber war sie des Wartens satt, stellte die Kerze aus den Boden, nahm von dem nächsten Stuhl ein gewichtiges Volumen und ließ es aus den Händen fallen. Der Professor fuhr nun dock, von dem polternden Geräusch erschreckt, von seinem Sitz empor. Als er das A!ädchen erblickte, hob er drohend seincn Finger. (53 ist Feierabend. nfel sagte sie kurz und bestimmt und schritt auf ihn zu. Und daraus machst u mich aufmerksam, Tora, indeui Du diesen Bücherireve! begehst?" erwiderte der Prozessor. Wenn auch dieser Borwurf scherzhaft aemeint war, so hatte doch seine stimme eine etwas gereizte Klangfärbung angenommen. Was soll ich thun, o Du mein übergelehrter Onkel?- säete Deta lachend. Es ist abgemacht werden, daß Tu spätestens um Mitternacht aushören sollst zu arbeiten, und der Arzt meint, es iräie das Bcsle, Du gingest dann gleich zu Äett. Wie soll ich aber Deine Aufmerksamkeit ren den entsetzllchen Büchern ablenken? Den dröhnenden schritt eines Grenadiers kann und mag ich weibliches Wesen nicht nachmachen. Sprechen und Rufen hilft erfahrungsgemäß nichts, und Dich anzufassen und zu rütteln und zu schütteln. verbietet mir Deine Stellung als ReIpellsperion. ös gibt immerhin noch sanftere Mittel," wandte der Professor ein. Aber keine wirksameren,- erwiderte Dora. Bei Euch Gelehrten muß man Gewalt und Zwang anwenden. Wäre ich nicht gekommen. Du hättest bis zum Morgengrauen studirt, lieber Onkel, und ich bin dafür verantwortlich, daß das nicht geschieht." Ich gebe zu, daß ich nicht erfreut bin, cic Arbeit jetzt abbrechen zu müs-sen-" Das sagt Ihr Gelehrten immer." antwortete Dora, gerade wenn Ihr Euch an den schwerwiegendsten Probtemen die Denkerstirnen zerbrecht, kommt die Prosa des Lebens und mahnt Euch an ihre Rechte." Mitten in gelehrter Arbeit abbrechen müssen kann einen unersetzlichen Verlust herbeiführen, liebes Kind," sagte der Professor, indem er einen Stuhl abräumte und Dora zum Sitzen einlud, unsere Forschung ist das Ergebniß einer Kette sich streng logisch aneinanderschließender Folgerungen: eine unvermuthete Unter brechung kann uns die Spur ver wischen, ein Glied in der Kette fehlt, und dreifache Zeit kostet es, um den abgebrochenen Gedankenfaden wieder herzustellen, und vielleicht ist die Frische der Nnmittelbarkeit der-Kom-bination mit all' ihren Konsequenzen für immer verloren gegangen." Und etwas dergleichen fürchtest Tu für heute?" O, Dora," sagte der Professor mit beinahe jugendlichem Feuer ich bin mit einem großartigen Problem beschäftigt und glaube die Lösung zu haben. Ich weiß, was ich behaupte, ist richtig und wirst ein neues Schlaglicht auf die Quellenkunde jenes Zeitalters; aber der Beweis fehlt mir, der strenge Beweis, der meine Aufstellung über die niedrige Sphäre des bloßen, wenn auch vielleicht mit voller Ueberzeugur.gskraft wirkenden Bermuthens heraushebt. So lange ich diesen Beweis nicht habe, habe ich auch keine Ruhe." Trotzdem wirst Du Dich zur Ruhe begeben müssen, lieber Onkel. Aber wenn es Dein Herz erleichtert, so sprich Dich nur darüber aus. Du weißt, auch ich werde an gelehrten Dingen warm." Ein freundliches Aufleuchten der ?lugen belohnte die Nichte für ihre letzte Bemerkung, die nicht etwa nur einer liebenswürdigen Regung entsprang. Ja," erwiderte der Professor stolz, das hast Du von Deinem Vater. Das war ein Gelehrter! Erhalte das Genie gelehrt zu sein und zugleich bei seinen Forschungen das Glück des Genien."

Seire Stimme nahm einen wen-

wüthigen Klang an. ," sügte er er freut hinzu, warum mutzte er tur nag und die Welt so früh dahinsterben!" Und für mich!" flüsterte Dora. Und für Dich. Dola," wiederholte der Profesjor, ich dachte an ihn nur als (5clelnter, und wir Gelehrte sind Egoisten." . Indem Ihr nie an uch selbst und liine persönlichen Beziehungen uno Verhältnisse denkt, sondern nur an (Suren gelehrten Kram," sagte Dora und nun, Onkel, wie steht es m:t Deinem Problem? Eine Viertelstunde gebe ich Dir noch Zeit. Vielleicht schläfst Du nachher besser, wenn Tu Dein Herz erleichtert hast." (5in dankbarer Blick und der Prosessor begann. In eingehender (Srörterung machte er sie mit seinen gelehrten Sorgen bekunnt, und mit gespannter Aufmerksamkeit hörte das Mädchen zu. Sie vernahm gar zu gern von jenen altersgrauen Dingen, deren Romantik so leicht das Gemüth zufesseln ver mochte; sie wußte wohl, daß das Mittelalter eine lange Nacht gewesen sei, aber ihr war es eine sterndurchleuchtete, ambrosische Nacht, in die sich zu versenken qeheimnißvolle Schauer weckt. Auch reizte die Gelchrtentochter das feine Spiel auf wissenschaftlicher Grundlage ruhender Kombinationen; und wenn sie auch die Basis nicht auf ihre Unanfechtbarkeit plüfen konnte und sich darin auf die Worte des Meisters verlassen iiußte, darauf verstand sie sich doch, die strenge ogit der Schlußfolgerungen zu kontrolliren und womöglich den Juden weiterzuspinnen. Xie (esta liuomabi, von denen ihr Cfieirn mit Wärme sprach, waren ihr bekannt. Der Professor ging auf ihre Ueberlieferung ein und ihren Zu sammenhang mit anderen gleichzeitigen Quellen. Da war es denn der Kodex 10, der ihm am meisten zuietzte. Koder 8 stimmt mit 7, 5 und 3, dozirte er, und Kodex 10 steht für sich allein. Crr macht gräßliche Schnitzer gegen die klassische Vatinität; Cicero würde sich bei der Lektüre im Grabe umdrehen." Und Du ziehst Kodex 10 vor?" warf Xera ein. Woraus schließest Du das?" Ich denke, das schauderhafteMönchs latein spricht für Kodex 10," sagte Dora, und seine JsolZrung gegenüber den anderen Kodices spricht an sich nicht gegen ihn " Dora!- rief der Professor bewun dcrnd. Z;ahre nur fort. Du kühne (Sedanlenleserln!"Ja, weißt Du, Onkel, " fuhr Dora fort, und ihr Gesicht nanni dabei einen l. , ... ftl : tVs . ..Vf. V nachoenulHen nusorua 'an, irayreno ihre Augen in -.ernstem Sitinen lang am Über die Büchc.rwett'UM sie herum schweiften-, also, die übrigen Codices stimmen überein, das heißt so viel als s,e iind alle abhängig von einer gemeinschastlichen 1 : inkorrekten - Hand schrist, und Kodex 10 mit seinem inkorrekten Latein ist die ungetrübteste Quelle für unsere Gcsta Cuonradt. Ganz meine Vermuthungen," rief der Professor begeistert, aber keine (ewlheit, Tora, lein schlagender Beweis!" Den kriegen wir schon, Onkel, sagte Dora, aber heute nicht mehr, letzt ,st wirklich Feierabend." Mit unerschütterlicher Entschlossen heit drehte sie die Lampe aus, gab dem Cijeirn die Kerze und bot ihm Gute nacht. )iothgedrungen hatte der Professor nachgeben muisen. Aber das schwer wiegende Problem beschäftigte ihn noch immer, auch als er schon im Bette lag. 2luf ivn Kodex 10 kommt es einzig und ausschließlich an, dachte er, und wi dankbar muß ich der Münchener Sta' 'bibliothek sein, daß sie mir das kostbar Werk hergeliehen. Lr grübelte werter nach, aber er bekam es nicht heraus, wo er den Hebel ansetzen sollte, um volle Sicherheit zu erlangen. Aber allmälig verwirrten sich seine Gedanken, und die Natur suchte zu ihrem deckte zu kommen. Sein schlaf war aber nicht traumlos. Die Kodices traten als Klosterbrüder verkleidet an ihn heran, blinzelten ihn verschmitzt an und führten vor ihm einen lustiaen Tan; auf. Am tollsten geberdete sich Kodex 10, der sich schließlich auf den Kops stellte und dann gegen die Decke fuhr. Unterwegs aber platzte er unter heftigem Prasseln auseinander. Der Professor wurde halb wach. Schrecklich, der Kodex 10 auseinandergeborsten wie eine simple Granate. Aber es war ja nur ein Traum. Das wunderbare Knistern und Prasseln dauerte jedoch fort. Was war denn das? Wiederum das-verdächtige Geräusch um Gottes willen, es brannte womöglich in sei ner Bibliothek, ,n der all' die werthvollen Bücher aufgestellt waren und sich die herrlichen Schätze der Berliner und Münchener Staatsbibliotheken be fanden, die man ihm, dem berühmten Gelehrten, ausnahmsweise überlassen Mit einem Satze fuhr er aus dem Bett. Zitternd kleidete er sich nothdürftig an. Wenn der Kodex 10 verbrannte! Das Unglück wäre nicht zu Ende zu denken! Seine Füße geriethen in einen verzweifelten Kamps mit den Pantoffeln, die ihnen hartnäckig den Eingang ver wehrten, aber er verzichtete auf den Sieg, er hatte keine Sekunde zu verlieren, denn schon erhellte sich da Fenster, das nach dem Flngel schaute, in dem das Aibüothekzimmer lag. Nun noch den Shlips umgebunden, der freilich am Nachthemd keinen rechten Halt finden konnte, und Weigand stürmte hinaus auf den Gang und auf j seine Bibliothek los. Meine Bücher,

meine Bücher! jammerte er, aber noch

schrecklicher schüttelte ihn der Gedanke, daß da fremde Schätze lagerten, die seiner Obhut anvertraut waren. Wenn die zu Grunde gingen ach, und ich habe meine ireillznolzliien vergeben, uno wollte umkehren. Aber es war schon im Hause leben big geworden; von oben stürzte Tora P n t . C1 . . yerao, oeren Icones ?irnn vor Aufregung erglühte. Onkel!" rief sie. Dora!" kam es von den Kippen deö Professors. Sr schämte sich fast, daß er bis dahin gar nickt un sie gedockt, und er hatte doch das liebe Kind in sein Herz geschlossen, aber die Bücher, die Kodices hatten aus,chliel;llch Zeine'erschreckten Gedanken ausgefüllt an Dora nicht zu denken, deren Schlafzimmer gerade über seiner Bibliothek lag. Jetzt kamen Weigands Diener und die Magd herbei nrrt alle Bier hasteten nach dem Bibliothekzimmer, aus dem ihnen brandiger Geruch und Rauch entgegen drang. Weigand zwang sich gleich einem öato zu stoischer Nuhe, obgleich ihm das Herz blutete. Sie traten in das Bibliothekzimmer. Erstickender Oualm schlug ihnen entgegen. Entsetzlich! Die Kodices! Es war den: Professor, als drehe sich Alles um ihn herum, und was nun kam, dessen wußte, er siry nicht mehr genüu zu erinnern. Draußen erscholl der Ruf Feuer," fremde Veule drangen herein und halsen. Einer von ihnen rettete eine Terrakottavase, das werthvolle Geschenk eines italienischen Herzogs, indem er sie zum sienster hinauswarf. Weigand wollte ihn daran hindern. aber er war wie gelähmt, die Füße versagten ihm den Dlenlt, und er hörte nur, wie das herrliche Stück draußen aus dem traszenpslaster zusammenkrachte. Er sah die Dinge nur noch wie durch einen Nebel, er sah, wie sich Dora entschlossen und rück sichtelos gegen sich selbst am Jkcttungswerke bethätigte. Und sie war so leicht angezogen in dieser kühlen Äcainacht, ja, ihn selber fröstelte, und zugleich zuckte n seinem Innern eine ver zehrend helsze Vorje gegen sein Herz. Er wollte helfen seine Bücher retten. die fremden Kodices, und er konnte nicht, er war wie angewurzelt. Er hörte noch die Feuerwehr heranrasieln. er sah neue fremde Gesichter, Jeuer wehrlcute, Studenten, Dora, die einen dicken Aand schleppte, und dann umfing ihn eine wohlthätige Ohnmacht. Als der alte Herr wieder aufwachte, befand tx sich im Bette, und mit be sorgtem Blicke beugte sich Dora über ihn. War cs denn wirklich Dcra? Ja, das. war ihr unmuthiges Gesicht, das den Professor stets an seine allzu früh dagingegangene Schwester gemahnte, aber in was für einem Kostüm war sie? Sie steckte in einem ch!afrock. dessen ölbgeschabtheit seinen langsäh rigen Gebrauch verrieth; auch die Quasten und die Troddelschnur waren da, es fehlte nur noch die lange Pfeife, und der Herr Studiosus war fertig. Eben wollte er sie verwundert fragen, da drängte sich doch die Erinnerung an den Brand und die Sorge um die Bücher in den Vordergrund. Was macht" begann er mit beben den Kippen. Deine Bibliothek ist gerettet, Onkel," unterbrach sie ihn und drückte einen Kuß auf seine Stirn. Die Kodices?" Alles, Alles ist gerettet." Gott sei Dank!" Nun berichtete Tora, wie Alle Hand angelegt hätten, um die Bibliothek des verehrten Pro fessors vor'm Untergang zu bewahren, und wie es ihren vereinten Anstrengun' gen gelungen wäre, den Feuerherd aus die Borrathskammer neben der Bibliothek zu beschränken; die Thür und das nächste Büchergestell hatten schon Feuer gefangen, aber die Bücher hatten sie schnell entfernen können. Ich war so lebhaft mit alledem beschäftigt," fuhr Tora fort, daß ich gar nicht an mich selbst dachte und das ziemlich fragwürdige Kostüm, in dem ich an die Brandstätte geeilt. Als der Feuerschrecken mich aus dem Bette jagte, hatte ich mir das Notdürftigste umgeworfen, selbst Ctrümpse anzuziehen hatte ich mir nicht die Zeit genommen und war so in die Pantoffeln gefahren, und als ich nun beim Brande geschäftig hin und her flog, dawaren mir die allzu weiten Dinger entglit ten, und ich rettete weiter, barfuß wie eine Stallmagd, slwcking, aber was half'S? Noth kennt kein Gebot, es war schließlich eine unfreiwilligeKneipkur. Da trat ein Studiosus, der ebenso wacker wle rch herumhantirte, an mich heran und stellte meine Pantoffeln vor mich hin." Ich glaube," sagte er mit höflicher Verbeugung, das gnadige Fraulein Aschenbrödel kann in diese Schuhe von märchenhafter Kleinheit hineinschlüpfen." Sie sind mir sogar zu groß gewesen," erwiderte ich und bückte mich. um meinen armen nackten Füßen zu helfen, sich möglichst schnell und sicher im Schuhwerr zu verbergen und einzurichten. Als ich mich wieder aufrichtete, da hatte der Studiosus sich seinen Schlafrock, in dem er zum Brandlöschen geeilt, ausgezigen und steckte mich ohne Weiteres hinein. Ein Sträuben wäre Zeitverlust gewesen. So habe ich denn in diesem herrlichen Kleidungsstück weiter geschafft, und als ich nachher meinem Wohlthäter sein Eigenthum zurückstellen wollte, war er verschwunden. Nun habe ich noch den Schlafrock an, um Dir zu zeigen, wie gut er mir steht. Und dem Herrn Studenten habe ich Nicht emmal gedankt. und er verdient eS doppelt, . denn er hat schützend seinen chlafrock um mich

geschlagen, und Dir hat er den Kodex i gerettet, der in äußerster Gefahr war." " Der brave, brave Aensch! Den Kodex 10 hat er gerettet! Wie heißt der'Student?" fragte der Professor. Keine Ahnung, Onkel. Ich kenne ihn nicht, und Niemand von denen,. die ich fragte, kannten ihn. Er kam, rettete und verschwand wie ein Engel aus Himmelshöhen, aber sein Schlafrock erinnert sehr an die Vergänglichkeit alles Jrdifchen. Der Herr Student scheint ein armer Schlucker zu sein, aber er sah so ritterlich aus und hatte so treuherzige Augen und war so artig und ehrfurchtsvoll, obgleich ich doch eher eine barfüßige Bauerndirne denn eine Professorennichte vorstellte." Er hat meinen Kodex 10 gerettet, ich muß wissen, wer er ist." Ich wußte oas auch zu gern," sagte Tora, und ihre Augen leuchteten dabei auf. Weißt Du, Onkel, ich will die Taschen untersuchen, das ist doch unter diesen Umständen erlaubt, vielleicht findet sich da etwas." Sie kramre in den Taschen des Schlafrockes herum und förderte dabei allerlei zu Tage: ein Päckchen holländischen Tabak, einen Hosenknopf, eine alte Zeitung. Enttäuscht legte das junge Mädchen die Fundobjekte aus den Tisch. Wir müssen ihn herauskriegen.," sagtesie. oll ich meinen Tank in die Zei tung setzen und dazu die Aufforderung, sich bei mir den Schlasrock wieder abzuholen?- fragte der Professor. Wir wollen noch einige Tage warten. vielleicht meldet er sich sreiwillig," erwiderte Dora. Aber die Tage verstrichen, ohne daß dr Ersehnte kam. Vielleicht schämte er sich, diesen Schlasrock als sein Eigen' thum zu beanspruchen, der wirklich baufällig und fadenscheinig geworden. Tora gerieth in einen Zustand von Unrast und Unruhe ; ihr wäre es ent-

jetzlich gewesen, wenn sie den artiger guten Menschen nie wiedersehen sollte : zugleich scheute sie etwas davor zurück wieder vor den zu treten, der sie im Aschenbrödelkostüm gesehen. Ach, das war nichts ihr reiner, kernhafter Sinn war von prüder Zimperlichkeit weit entfeint ; aber daß sie in eines Unbekannten Schuld war, ohne ihm danken zu können, das drückte sie. Aus der Straße musterte sie prüfend aile ihr begegnenden Musensöhne und ge rieth ,n Gefahr, für frei und eman zipirt angesehen zu werden. Mancher Student riß etwas svät seine Kappe ab, in dem Glauben, eine Dame auö der Professorendekanntschaft nicht recht zeitig erkannt zu haben. Aber Netter aus der 'Ziolh war nicht darun ter. Warum mußte auch der Schlafrock so wenig Anhaltungöpunlte geben Was besagte denn ein JZöllchen Tabak, eine Zeitung, ein Knopf! Dora unter warf das Kleidungsstück einer noch maligen eingehenden Untersuchung, damals an ihres Oheims Bette hatte sie doch nicht mit der nöthigen Grund lichk'it vorgehen können. Ihre Be muhungen waren nicht ganz vergeblich, denn aus einer Innentasche zog sie einen Zettel hervor, der in das zerrissene Futter gerathen und so bisher ihrem Spürsinn entgangen war. Dora entfaltete den Zettel, lief ihn schnell durch und erröthete, denn sie hatte sich unberufener Weise in Pnvatangelegen heiten gemischt, aber es handelte sich um einen Studenten, die sind in teile Dingen nicht so empfindlich. Daö Blatt enthielt eine nicht qui:tirtc Schneiderrechnung, aber sie gab nur den 'Namen der Firma an, der Name des Studiosus, von dem daö Gcschast gern sechzig Mark gehabt hätte, war aus diesem ominösen Aktenstück nicht zu ersehen. Also die Schlacht war noch nicht gewonnen, aber ein Fingerzeig war doch da vielleicht konnten Dora und ihr Oheim aber bei dem Gedanken mute sie lachen und wirbelte den Zettel um ihren Finger herum; da bemerkte sie, daß er auf dr Rückseite beschrieben war, und so setzte sie ihre Entdeckungsreisen fort. Es fanden sich Einige enq geschriebene Bleistiftnotizen vor, die mehrere lateinische Sätze ohne inneren Zusammenhang hinter ein ander brachten. Sie waren einem grö ßeren Ganzen entnommen. Der Wert laut kam Tora bekannt vor, gerade aus den letzten Zeiten he? vertraut. Was war es nur? Ah ja, da wsr von der zwiespältigen Pavstwahl die Rde und da der Studiosus hatte sich auch mit den Gesta Euonradi beschäftigt. Er ge hört doch wenigstens :u unserer iakul tät, sagte sich Tora mit aufkeimenden Stolze, und scheint ein fleißiger Bursche zu sein. Dom beherrschte die Anfangsgründe des ateinifchen, sie studirte den Zettel weiter. Dawar von der Berichwörum, die Rede, der Studiosus hatte den Text hinzeschricden: quia illa conspiratio roievato est, zu deutsch: weil jene Berfchwö rung erleichtert worden ist und daneben stand: warum nicht: quia illa conspiratio revelato est, zu deutsch : weil jene Verschwörung enthüllt worden ist. Die bis dahin schwere und dunkle Stelle wurde durch die UmstelIuug dieser zwei Buchstaben leicht ver ständlich und ungezwungen. Dora wunderte sich darüber, daß noch Niemand auf diese einfache Deutung gekommen war. Diese Konjektur war etwas für ihren Oheim, und sie eilte mit der Schneiderrechnung, deren Rückseite so gelehrte Notizen enthielt, zu dem Pro fesfor.

' (Schluß folgt.) ,, aucht die B0NANZA.

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