Indiana Tribüne, Volume 29, Number 122, Indianapolis, Marion County, 16 January 1906 — Page 6

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ndlich hatte der Rentier Plümer die ideale Sommerfrische gefunden, nach der er monatelang vergebens gepicht hatte. Nach den üblen Erfahrungen der beiden letzten Jahre war er zu dem felsenfesten Entschluß gekommen, die sommerlich? Erholung für sich und die Seinen nie wieder in einem jener Bäder oder sögenannten Luftkurorte zu suchen, wo es ür ihn nichts anderes zu thun gab, lZ Augen und Ohren offen zu halten. damit sein Töchterchen vor den Zudringlickkeiten der unausstehlichen Lasen bewahrt bleibe, die es entweder auf hr hübsches Gesicht oder auf ihre zu erhoffende Mitgift oder auf beides abgeseben hatten. Ländliche Ruhe und Einsamkeit wollte er weiter nichts. das Behagen ungestörter Ruhe und die wohlige Gewißheit. keineUeberraschung durch ein bekanntes Gesicht fürchten zu müssen. Es war nicht leicht gewesen. einen solchen Ort zu finden, aber mit Hilfe des freundlichen Zufalls war es dennoch gelungen. Ein unscheinbares Zeitungsinserat hatt: ihn auf die richtige Spur geführt: Griepenhagen idyllische Sommerrische für wirklich ruhebedürftige Gäste. Wald und See. Ländliche Verhältnisse. Einfache kräftige VerpflezunZ. Angemessene Preise." So hatte die verlockende Anzeige geautet, und auf seine nach Griepenhagen gerichtete Anfrage hatte Herr Plümer in einem Briefe, der ihm schon durch sein schlechtes Papier und seine mangelhafte Orthographie das größte Vertrauen einflößte, die erfreuliche Betatrgung erhalten, daß vorlaufig noch leine weiteren Sommergäste angemel det seien, und daß eine Ueberfülluna des einstweilen noch im Aufblühen-be-griffenen Badeorte- wohl nicht zu beurchten stehe. Herr Plümer war also sogleich entschlossen gewesen, und die unmuthige Erklärung seiner Gattin, daß sie trotz aller Erkundigungen noch keinen Menschen habe ausfindig machen können, der jemals etwas von Griepenhagen gehört habe, hatte ihn nur noch mehr in seinem Vorhaben betärkt. 2)as ist es ja gerade, was wir brauchen. Ein Ort. den noch niemand kennt, ist das wahre Ideal einer Sommerfrische. Wir werden unter den unverdorbenen Eingeborenen wie im Paradiese leben und werden nicht auf Schnitt und Tritt hinter Paula her sein müssen, wie in Schreiberhau oder in Misdroy." Frau' Plümer brummte. Aber es half nichts. Die hübsche kleine Paula dagegen sagte gar nichts. Sie war allem Anschein nach vollkommen zufrieden und blickte, wenn die Rede auf Griepenhagen käm. aus ihren achtzehnjährigen braunen Augen so unbefangen fröhlich in die Welt, als wäre sie durchaus mit ihrem Vater einverstan den. An einem heißen Augusttage machte man sich nach den üblichen umstandlichen Vorbereitungen auf die Reise, die in dem Briefe des Griepenhagener Gastwirths, bei dem man auf sechs Wochen Quartier bestellt hatte, als die einfachste und bequemste Sache von der Welt geschildert worden war. Gar so einfach und bequem war sie nun freilich nicht. Man mußte zweimal umsteigen und die letzten fünf oder sechs Meilen auf einer Klingelbahn zurucklegen, bei der auf fünf Minuten Fahrzeit jedesmal zehn Minuten Aufenthalt kamen. Auf der letzten Station wurde man dann von einem recht zweifelhaft aussehenden Gefährt erwartet, das ein lebensuberdrussiger, klapperdürrer Gaul mühselig änderthalb Stunden weit bald durch tiefen Sand, bald über holperige Feldwege schleppte. Der schmierige Kutscher erwies sich als der Griepenhagener Hotelwirth" in höchsteigener Person, und obwohl die Unterhaltung mit ihm einige Schwierigkeiten hatte, weil er erstens dreiviertel taub war und zweitens kein Wort Hochdeutsch verstand. so brachte Herr Plümer nach und nach doch wenigstens so viel aus ihm heraus. daß weitere Sommergäste noch Nicht da seien einen Maler ausge nommen, der bereits vor vierzehn 2a gen angekommen sei. Aber das wäre em sehr ruhiger und arbeitsamer Mensch, den man den ganzen Tag ükr nicht zu Gesicht bekäme, und dir schon iuen ganzen Haufen Zeug zusammengepinselt habe. Na, den wollen wir schon wegekeln." meinte Herr Plümer zu seiner Gattin. Das laßt nur meine Sorge sein.Frau Plümer seufzte, und Fräulein Paula sagte gar nichts, sondern blickte aus ihren blanken Augen unbefangen fröhlich wie zuvor m die zwar etwas eintönige, aber immerhin 'leidlich grüne Gegend. Das Griepenhagener Hotel war kein Monumentalbau, und mit einer jener modernen Karawansereien, vor denen Herr Plümer einen so unüberwind lichen Abscheu hegte, hatte es wirklich nicht die mindeste Ähnlichkeit. l Di: beiden den Sommergasten emgeraum

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Z5 t !fij Sttinoreslio von Lothar ?rcn!:cndorf :tt: ,i nemacyer erwiesen sich als die einzigen überhaupt vorhandenen Logierzimmer, und ihre ländliche Schmücklosigkeit konnte in der That selbst der weitestgehenden Anspruchslosigkeit genügen. Frau Plümer war außer sich über die .umutbuna. sechs Wochen lana in diesen muffigen, unsauberen Löchern zu Haufen. Ihr Gatte aber murmelte allerlei von heilsamer Rückkehr zur Natur. und Fräulein Paula sagte gar nichts. Nachdem man sich nothdürftig ein gerichtet hatte, kletterte man die halsbrecherische, leiterartige Stiege wieder mnad. um im ..Spei! ei aal" das Abendessen einzunehmen, dem ??rau Plümer auf Grund gewisser dc-s Haus erfüllender brenzlicher Gerüche mit mebr Mißtrauen als freudiaer Erwarung entgegensah. Der Spei,esaal gab den Logierzimmern durchaus nichts nach, aber der Duft schalen Biers und schlechten Tabaks verlieh ihm doch einen gewinen eiaenartiaen Ekaratter. und timat hundert Fliegen bildeten eine ebenso evhaste wie anmutbi Stanaae des wahrhaft ländlichen Eesammtbildes. Ueorigens waren sie Nicht das einzig Lebendiae in dem Raume, denn an einem der beiden Tische saß ein hübscher junger Mann, der sich beim Einzuge der Familie Plümer zu artigem Gruße erhob. Aha. der Maler!" dacote der Rentier und sah an dem jungen Manne vorbey wie wenn er mckts als leere Luft gewesen wäre. Es war ein Glück, daß man nicht an demselben Tische mit oem ausorlnglichen Menschen speisen brauchte, denn für die Familie war an der anderen Seite des Zimmers gedeckt, soweit man das Belegen der Tischplatte mit einem seit mindestens vier Wochen in Gebrauch befindlichen rothgewürfelten Tischtuche so bezeichnen konnte. Die brenzlichen Gerüche waren inzwischen noch stärker geworden, und alsbald erschien die Frau des Wirths mit einer Schussel gebratener Fische, die sie nebst einem Laib schwärzlichen Brotes und einem Stück Käse, dessen würziger Duft sich lieblich mit dem der Fische mischte, vor den neu angekommenen Gästen niedersetzte. Herr Plumer, der nach der Rene einen Bärenhunger verspürte, beeilte sich, seinen Teller zu füllen. Aber schon nach dem ersten Bissen verzog er aus eine sehr wunderliche Weise das Gesicht. Pfui Deibel! Das kann doch kein Mensch genießen. Die Fische schmecken ja, als ob sie ihr ganzes Leben in einem Petroleumfaß zugebracht hätten." Außerdem sind sie in ranzigem Fett gebraten," fügte Frau Plümer hinzu. Die Kost in dem von Dir entdeckten Badeort scheint wirklich sehr kräftig zu sein, lieber Wilhelm!" Dem Rentier stieg das Blut in's Gesicht. O, das wollen wir gleich krieqen." rief er und donnerte mit der Faust auf den Tisch, daß es sogar der Wirth trotz seiner Taubheit hörte. Na, was denn?" fragte er treuher- . r tä Zig. Woll'n (sie noch mehr tfischr Schaffen Sie uns das Zeug aus den Augen!" schrie ihn Herr Plümer an. rinaen i-ie uns cymlen uns Eier!" Schinken? Nee, Schinken gibt's nich. Und unsre Eier hat der Maler gekauft." Aber der Herr ißt ja auch Schinken." Ja, er hat sich eben einen mitgebracht, 'nen ganz großen." Und Sie können uns wirklich nichts vorsetzen außer diesen entsetzlichen Petrolcumfischen?" Nee." Das scheint ja ein netter Schwindel zu sein mit Ihrer einfachen und kräftigen Verpflegung." In diesem Augenblick erhob sich der Herr am anderen Tische und verließ das Zimmer. Herr Plümer war noch mitten in seiner Auseinandersetzung mit dem unerschütterlich gleichmüthigen Wirth, als er wieder eintrat, einen mit dicken appetitlichen Schinkenschnitten belegten Teller in der Hand. In ebenso freimüthiger wie artiger Haltung näherte er sich der Familie Plümer und sagte mit höflicher Verbeuqung: Die Herrschaften wollen meine Dreistigkeit entschuldigen. Aber da es mir sehr begreiflich erscheint, daß die Damen diese Fische nicht essen können, und da ich die Griepenhagener Kochkunst auL eigener Erfahrung kenne, darf ich vielleicht bitten, sich einstweilen mit einer Portion von meinem Schinken zu behelfen. Hier auf dem Lande nimmt man's mit den Förmlichkeiten nicht so genau." Herrn Plümers erste Eingebung war natürlich gewesen, die Zudringlichkeit dieses jungen Menschen mit unzweideutigster Entschiedenheit zurück zuweisen. Aber der Schinken sah gar so verlockend aus, und so meinte er denn etwas unsicher: Aber das kö'nnen wir doch unmöglich annehmen, mein Herr. Es wäre denn, daß Sie

rnZr gestatten wollen, Jh.en den Schinken zu bezahlen." Warum nicht? Wir werden uns darüber schon verständigen. Vorläufiz thun Sie mir einen großen Gefallen, wenn Sie mir bei seiner Vertilgung ein wenig behilflich sind. Ich allein könnte selbst bei meinem gescgneten Appetit mit dem mächtigen Schinken unmöglich fertig werden. Außerdem verfüge ich noch über zwei Mandeln frischer Eier, von denen ich Ihnen mit dem größten Vergnügen die Hälfte 'zum Selbstkostenpreis abtrete. Sie baben wohl die Güte, sich mit der Wirthin wegen der Zubereitung zu verständigen." Es war etwas in der frischen Art des jungen Mannes, das Herrn' Plümer nicht übel gefiel, und überdies fühlte er sich bei aller Festigkeit seiner Grundsätze doch nicht genug als alter Spartaner, um der stummen Beredsamkeit der purpurnen Schinkenscheiben zu widerstehen. Wenn Sie denn schon so freundlich sein wollen, mein Herr, nehmen wir dankbar an. Aber dann werden Sie uns natürlich auch das Vergnügen machen, mit uns zu speisen." Ich bin Ihnen für Ihre gütige Einladung sehr verbunden, allein ich habe meine Mahlzeit bereits beendet und möchte die Abendstimmung am Strande gern noch, zu einer kleinen Skizze benutzen. Uebrigens bitte ich um Entschuldigung, daß ich mich Ihnen noch gar nicht vorgestellt habe.

Ewald Heinsius Maler." - Plümer nebst Frau und Tochter. Aber Ihr Name kommt mir so bekannt vor. Herr Heinsius. Sind Sie vielleicht derselbe, der die Frau meines Freundes Krauthammer gemalt hat?" Allerdings ich hatte die Ehre!" Ein gutes Bild alles was recht ist. Das Ula Seidenkleid ist geradezu täuschend ähnlich. Die Krauthammers haben ja auch förmlich von Ihnen geschwärmt. Aber wenn Sie noch arbeiten wollen, dürfen wir Sie wohl nicht aufhalten. Wegen des Schinkens werden wir also morgen miteinander abrechnen, Herr Heinsius." Der Maler verbeugte sich gegen den Rentier und seine Damen, wobei Fräulein Paula beharrlich auf einen Fettfleck in dem rothgewürfelten Tischtuch blickte, und schritt elastisch hinaus. Ein netter junger Mann," sagte Frau Plümer. Wir wollen doch lieber erst abwarten, wie er sich weiter entwickelt. Daß er sich .so bescheiden zurückgezogen hat, gefällt mir ja auch ganz gut. Aber wer weiß, ob das nicht am Ende blos eine Finte gewesen ist. Trau der Henker diesen Künstlern!" ' Dabei warf er einen mißtrauischen Blick auf fein Töchterchen, um zu ergründen, ob der hübsche junge Maler nicht am Ende gar schon einen Eindruck auf sie gemacht habe. Aber man konnte nicht harmloser aussehen als Fräulein Paula. Auch das weitere Benehmen ' des Künstlers gab Plümer keinen Anlaß zur Beschwerde. Ewald Heinsius wohnte nicht im Hause, sondern in einer Fischerhütte am anderen Ende des Dorfes, und er pflegte nur seine Abendmahlzeiten 'in dem fliegenbelebten Speisesaal einzunehmen. Da hatte man eine gar zu intime Berührung also kaum zu fürchten, und Herr Plümer kam zu dem Schluß, daß es am Ende gar nicht nöthig sein würde, ihn aus Griepenhagen wegzuekeln," zumal man ihm doch für feine Freundlichkeit - immerhin ein wenig zu Dank verpflichtet war. Denn er hatte den Herrfchaften auch die Benutzung seiner bei dem Wirth aufgestapelten Gemüsekonserven anbieten lassen für den Fall, daß ihnen der Speisezettel etwas zu eintönig sein sollte. Der junge Mensch hat sich ja großartig vorgesehen." meinte Plümer, während er mit Behagen den Inhalt einer Spargeldose verzehrte. Wir werden uns natürlich auch gleich eine Kiste von solchem Zeug kommen lassen und ihm dann alles zurückgeben. Aber ich bin sicher, daß wir inzwischen vor Hunger gestorben wären, wenn dieser Maler nicht den- guten Einfall gehabt hatte, sich wie zu einer Nordpolfahrt auszurüsten." Jedenfalls hat' er das Zeug, einmal ein guter Haushalter und fürsorglicher Familienvater zu werden," sagte die Gattin. Er wird Frau und Kinder wahrscheinlich niemals auf's Gerathewohl an einen Ort schleppen, wo sie sich nicht einmal satt essen können." Auf diese anzügliche Bemerkung hatte Herr Plümer weiter keine. Erwiderung. Aber am nächsten Vormittag ereignete sich etwas, das Herrn Ewald Heinsius trotz seiner bescheidenen ZurückHaltung um ein Haar alle kaum gewonnenen Sympathien des Ehepaares gekostet hätte. An diesem Tage gedachten nämlich die beiden Damen ihr erstes Seebad zu nehmen, und auf die Frage nach der Lage des Badestrandes hatte der Wirth zwar anfanglich erklärt, - hier gehe jeder in's Wasser, wo es ihm gefalle, aber er hatte sich schließlich doch daran erinnert, daß hinter der großen Düne ein Badehäuschen stehe, von dem freilich schon lange niemand mehr Ge brauch gemacht habe. Nach einigem Suchen hatte man die kleine morsche Kabine denn auch Glücklich gefunden. und während Herr Plümer oben auf dem Gipfel der Dune Posten .stand, um jede unerwünschte Störung fern zu halten, waren die beiden Damen drinnen in ihre Badeanzüge geschlupft.

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uni stch dann sorglos und heiter den heilkräftigen Fluthen des Meeres anzuvertranen. Plötzlich gewahrte Frau Plümer. daß ihr Gatte wie verzweifelt mit seinem Regenschirm Zu telegraphiren begann. Ihr erster Gedanke war die entsetzliche Befürchtung, daß Plümer von seinem erhöhten Standpunkt aus die Annäherung eines Haifisches bemerkt haben könnte, und angstvoll ließ sie ihre Blicke über die Wasserfläche schweifen. Was sie da erspähte, war nun zwar nicht die schreckliche Rückenflösse eines Hais, aber es erfüllte ihr mütterliches Herz darum doch mit kaum geringerer Bestürzung. Tenw es war ohne allen Zweifelnder Kopf eines dem Lande zuschwimmenden Mannes, und das dunkle Schnurrbärtchen machte es ihr alöbald zur Gewißheit. daß es nur der Kopf des jungen Malers sein konnte. Tauch unter. Paula!" rief -sie ihrer ahnungslosen Tochter zu, ohne zu bedenken, daß sie das arme Kind damit zu sicherem Erstickungstode rerurtheilt hätte, wenn Paula wirklich gehorsam genug gewesen wäre, bis nach erfolgte: Landung des Schtoimmers unter Wasser zn bleiben. ?o weit aber ging ihre Unterordnung . unter die mütterliche Antorität denn doch glücklicherweise nicht. In der Meinung, daß die Mutter sich nur einen kleinen Spaß gemacht habe, plätscherte sie vielmehr lustig weiter, und die drohende Gefahr

ging denn auch ohne die Anwendung so heroischer Mittel vorüber. Der Schwimmer machte namnch plötzlich eine Wendung gegen die vorgeschobene Landzunge zur Rechten hin und war nach wenigen Minuten hin ter derselben verschwunden. Auf Grund dieses aufregenden Vorfalls hatten Herr und Frau Plümer später unter vier Augen eine sehr ernste und sorgenvolle Unterhaltung. Die würdige Dame war zwar geneigt, an einen unbeabsichtigten Zufall zu glauben, aber schließlich mußte sie doch ihrem Gatten zustimmen, als er erklärte: Wenn sich das noch einmal wiederholt, werde ich den unverschämten Menschen sehr energisch zur Rede stellen oder mich bei der Polizei beschweren." An diesem Abend wurde Ewald Heinsius troh all seiner Wobltbaten an Schinken, Eiern, Spargeln und grunen Erbsen vom anderen Tische hc? sehr kühl behandelt, und wer weiß, ob es jemals wieder zu einer Anbahnung freundlicherer Beziehungen gekommen wäre, wenn er nicht mit dem ihm eigenen liebenswürdigen Freimuth furchtlos den Stier bei den Hörnern gepackt hätte. Als die beiden Damen das Zimmer verlassen wollten, trat er nämlich auf Herrn Plümer zu. um seine Entschuldigung vorzubringen. Er habe natürlich keine Ahnung gehabt, daß die Damen gerade diese Stelle des Strandes für ihr Bad wählen würden. Er erlaube sich aber, um einer Wiederholung solcher Zufälle vorzubeugen und in Anbetracht der besonderen,- noch etwas urwüchsigen Verhältnisse von Griepenhagen den ergebenen Vorschlag, daß man sich für die Folge über die beiderseitige Badezeit verständige, so daß für die Herrschaften keinerlei Anlaß zur Beunruhigung mehr gegeben sei. , Das klang so verständig und manierlich, daß Herr Plümer sich entwaffnet fühlte und daß er es sogar über sich gewann, mit einem ganz freundschaftlichen Händedruck von dem jungen Maler zu scheiden. Am nächsten Morgen war denn auch weder am Strande noch im Wasser etwas von einem indiskreten männlichen Wesen zu erblicken, und Herr Ewald Heinsius blieb für die ganze Dauer des Tages unsichtbar. Darüber, daß Griepenhagen im großen 'und ganzen eine schmerzliche Enttäuschuna bedeute, machte sich Herr Plümer freilich schon am vierten Tage r ' -i cw r i : n . i k . ! . cvrs..n. seines ÄUscniyalies nie uuiuucii mehr, wie eifrig er auch noch immer bemüht war. der unzufriedenen Gattin gegenüber die landschaftlichen Vorzüge des Ortes, seine nervenstärkende Stille und seinen unverfälscht landlichen Charakter, herauszustreichen. Er selbst nämlich war dieser Stille und Ländlichkeit bereits von ganzem Herzen überdrüssig, denn er empfand die allerschrecklichste Langeweile. Vom Spazierengehen war er niemals ein großer Freund gewesen, und sein Bedürfniß nach anregender Lektüre war mit dem Studium der Lokalnachrichten seines Leibblattes vollkommen befriedigt. Sein sehnlicher Wunsch, endlich einmal sechs Wochen lang vor seder Ueber raschung durch bekannte Gesichter gesichert zu sein, hatte hier m Gnepen haaen allerdings volle Erfüllung gefunden, allein er würde sehr zufrieden gewesen sem, wenn plötzlich eines dieser bekannten Gesichter vor ihm aufaetaucht Ware. Die Versuche, seine Zeit durch ein Geplauder mit dem Wirth oder mit anderen Dorfbewohnern todtzuschla gen, hatte er wegen der unüberwind lichen Schwierigkeiten der. Verständi qung sehr bald aufgeben müssen, und es bereitete ihm unter diesen Umständen geradezu eine freudige Ueber raschung, als er. am fünften Vormittag bei einem Spaziergang -in den Dünen auf Ewald Heinsius stieß, der unter einem großen Schirm vor seiner Stafseiet saß und mit Eifer an einer Landschaft malte. (Cchlub folgt.)

(Europäische Nachrichten.

Provinz Schresien. V r e s l a u. Der hiesige Turnleh rerverein feierte das 25jährige Amtsjubiläum des Dirigenten des städtischen Turnwesens, Oberturnlehrers Krampe, zugleich mit dem 25. Stiftungsfeste des Vereins durch einen Commers im Saale bei Schlöffe! an der Promenade. Altwasser. 3Vr Sohn STnft der Frau FuhrwerZsbesitzerin Huhndorf wurde von einem Pferde mit dem geschärften Hufeisen des einen Hinterfuße ins Gesicht geschlagen, daß -er unter dem linken Auge und am Kinn eine mehrere Centimeter lange, klaffende Wunde davontrug. Eine weitere schwere Wunde erhielt er am rechten Arm. Aerztlrche Hilfe mußte alsbald herzugezogen werden. B laden. Einen schweren Unfall erlitt der Gärtner Olschinke. Er fiel von einer Leiter, schlug mit dem Hmterkopf auf die harte Tenne, wo er bewußtlos liegen blieb. Der sofort herbeigerufene Arzt stellte schwere Schädelverletzung fest. Obwohl das Bewußtsein noch einmal für kurze Zeit zurückkehrte, starb der Bedauernswerthe bald darauf infolge der erlittenen schweren Verletzung. Freiwaldau. Letztens fiel das in der Stube spielende Zjährige Söhnchen des Thonschachtarbeiters Lange rücklings in einen großen, mit kochendem Wasser gefüllten Topf, den die Mutter für wenige Augenblicke auf den Fußboden gestellt hatte. Das am Unlerleib und den Oberschenkeln stark verbrühte Kind starb nach kurzer Zeit unter unsäglichen Schmerzen. Hirschberg. Wiederum hat der Tod eine von den wenigen Tirolerinnen, die im Jahre 1833 in Zillerthal als Kind mit ihren Eltern ewwanderten, abgerufen. Im Alter von 78 Jahren verstarb die Wittwe des im Frühjähr d. Js. verstorbenen sogenannten Tirolerschmiedes Hechenleitner. Als zehnjähriges Mädchen hatte sie ihre Heimath in Tirol verlassen. Die Verstorbene fand auf dem Tirolerfriedhof in Erdmannsdorf ihre ' letzte Ruhestätte. Ober - G l o g au. Dieser Tage beging unser Ehrenbürger, der Beigeordnete Heinrich Müller, der seit 43 Jahren in den verschiedensten Ehrenämtern der Stadt die werthvollsten Dienste gewidmet hat, das 50jährige Bürger - Jubiläum. S ch ö n w a l d e. Der Gutsherr des hiesigen Dominiums fand, als er seinen Kutscher Josef Christ wecken wollte, diesen im Bette todt und dessen Frau noch röchelnd vor. Ehe noch weitere'Hilfe herbeikam, starb auch die Frau. Die Ursache des Todes des EhePaares ist nicht bekannt. T h i e m e n b o r f. Ein schreckliches Brandunglück mit Verlust eines Men schenlebens ereignete sich kürzlich hier. Die geistesschwache Frau des Gutsbesitzers Börner hatte, während ihr Mann im Hofe beschäftigt war, einen Korb mit Heu in den Keller getragen, das Heu mit Petroleum Übergossen und angezündet. Bald stand die Frau mit ihren Kleidern in hellen Flaminen, und als der Mann, durch den Rauch aufmerksam gemacht, herbeieilte, fand er seine Frau schon halb verkohlt vor. Frovinz Fosen. Posen. Einer unserer bekanntesten Mitbürger, der Postsekretär Huch, ist plötzlich an einem Gehirnschlage verschieden. Der Verstorbene hatte ein Alter von 60M: Jahren erreicht. Huch war ein Schüler des Musikdirektors Stukenschmiedt in Neiße, bei dem er eine gediegene theoretische Ausbildung genoß, während er seine praktische Ausbildung als Militärmusiker erhielt. Als solcher hatte er die Prüfung zum Kapellmeister bestanden, aber keinen Gebrauch davon gemacht. In Neiße hatte er mehrere Jahre hindurch Operettenaufführungen geleitet. Hier hat er jahrelang den Landwehrgefangverein, die Volkliedertafel und den Liederkranz als Direktor geleitet und zur Verbreitung des deutschen Mannergesangswesens sehr viel beigetragCH. B r 0 m b e r g. Kürzlich tödäete sich der StaatsanwaltschaftssekretärBurgWedel in seiner Wohnung durch einen Schuß in die rechte Schläfe. Der Grund zu der That ist unbekannt. C h w a l i m. Vor Kurzem konnten die AuZgedinger Swadeschen Eheleute das Fest der goldenen Hochzeit feiern. Beide Eheleute haben ein Alter von nahezu 80 Jahren erreicht. Gnesen. Die Arbeiterfrau RychWalski von hier hatte große Sehnsucht, mit ihren Kindern nach Amerika zu wandern, wo bereits ihre Verwandten sind. Die Frau verkaufte alles, was sie hatte, und fuhr nach Hamburg. Dort stellte der Arzt bei ihr ein ansteckendes Augenleiden fest. Die Frau mußte daher mit ihren Kindern nach hier zurückkebren. wo sie von Qab und Gut entblößt dasteht. K 0 s ch m i n. Der Spitalpächter Giba, welcher sich in schlechten Verm'ö aensverhältnissen befand, hatte infoll gedessen gehofft, in der Pacht ermäßigt J . c rr . p cm r r . zu weroen. iua seinem uunscye nicyl entsprochen werden konnte,' legte er verschiedene Rechnungen und Briefe vor die Thür des 'Propstes, stürzte sich in deffen Brunnen und ertrank.

XfntnUn : I lll 13 Uhr a. ; III lt.