Indiana Tribüne, Volume 29, Number 121, Indianapolis, Marion County, 15 January 1906 — Page 6

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Jndzana Tribüne 15. Januar 1906 G

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Europäische Nachrichten.

Provinz Hstpreutzcn. Königsberg. Das 25jährige Jubiläum seiner Thätigkeit bei der Firma E. Glück Nachfolge? beging der Agent Wzldemar Horn hierselbst. In der Leiche, die letztens in der,Lindenstraße ciufgefunden wurde, ist der Faktor Georg Hochleitner, wohnhaft Weidendamm 33. erkannt worden. Er hinterläßt außer seiner Wittwe drei Kinder im Alter von sechs, sieben und neun Jahren. Arionischken. Letztens benutz te der in der hiesigen Schneidemühle beschäftigte Arbeiter Jakob Storost aus Szieße zum Ueberletzen von Ruß nach Atmath wie gewöhnlich einen kleinen Handkahn. Plötzlich hörte man einen Hilferuf vom Strome her und fand, als derselbe von mehreren Schiffern abgesucht wurde, den leeren Kahn treiben. Die Leiche wurde nach einiger Zeit gefunden und geborgen. Darkehnen. Dieser Tage feierte das Grundbesitzer Carl Kratzersche Ehepaar das seltene Fest seiner goldenen Hochzeit. Der Gatte zählt über 86 Jahre und ist zur' Zeit schon sehr hinfällig. F i s ch h a u s e n. Die Wittwe Puschke wollte die Treppe hinuntergehen und fiel dabei so unglücklich hinab, daß sie sich nicht mehr erheben konnte und nach ihrer Wohnung geschafft werden mußte. Der hinzugerufene Arzt constatirte schwere Verletzung am Kreuz, Kopf und Armen. Königs dorf. Ein betrübender Brandunfall, dem das Leben eines Kindes zum Opfer fiel, ereignete sich kürzlich hier. Der hiesige Besitzer Richard Strauß rüstete sich, um mit den Seinen zum Mohrunger Jahrmarkte zu fahren, als die 16jährige Schwägerin plötzlich einen vom Bodenraum her kommenden Feuerschein bemerkte. Als sie die Thüre öffnete, schlugen ihr bereits die Flammen entgegen. Bei dem Versuche, das Feuer zu dämpfen, zog sie sich erhebliche Brandwunden zu. Es wird vermuthet, daß der fast fünfjährige Knabe auf dem Bodenraum mit Streichhölzchen gespielt hat und so das Feuer verursachte, dem er nicht entrinnen konnte. Er fand in den 'Flammen seinen Tod. P o d s z o h n e n. In . große Vetrübniß ist die Gutsbesitzer Mathias Ehmersche Familie versetzt worden. Ein hoffnungsvoller Sohn, der vor Kurzem erst als Rekrut nach Tilsit kam, starb dieser Tage infolge eines Unglücksfalles im dortigen' Garnisonlazaret.h. Der älteste Sohn starb vor etwa fünf Jahren infolge Vergiftung durch Kohlengas. Sensburg. Ertrunken ist der Eigenthümer Bräutigam im großen Stadtsee. Bräutigam wohnte auf der Insel des Sees und wollte mit dem Kahn nach der Stadt Herübersahren. Hierbei schlug das Boot um und Bräutigam fand den Tod in den Wellen. Wartenbura. Vlattbindermeister Friedrich feierte mit seiner. Ehefrau das Fest der goldenen Hochzeit. Dem Jubelpaare wurde das übliche Gnadengeschenk von 50 Mark durch Domherrn Hirschberg eingehändigt. Die Tischlerinnung brachte dem Paare durch eine Deputation ihre Wünsche dar und überreichte ein Geldgeschenk. "AroVinz Westpreußen. D a n z i g. Eine 25jährige Wirksamkeit im hiesigen Communaldienste vollendete kürzlich Bürgermeister Trampe. Er wurde damals Regierungsassessor in Stralsund am 19. Oktober 1880, und zwar zugleich mit dem jetzigen Landeshauptmann Hinze, von der Stadtverordnetenversammlung zum besoldeten Stadtrath gewählt und im December 1880 erfolgte durch Oberbürgermeister von Winter die Einführung und Verpflichtung beider neuen Stadtr'äthe, womit Trampe seine communale Wirksamkeit hier begann, die er seitdem ununterbrochen mit voller Hingabe und gewissenhafter Treue ausgeübt hat. Anfangs 1891 zum zweiten Bürgermeister und Beigeordneten gewählt, trat Trampe am 12. Februar 1893 in dieses leitende Amt über, in welchem er zweimal während eingetretener Vakanz längere Zeit auch die Geschäfte des Ersten Bürgermeisters geführt hat. Briefen. Als der städtische Nachtwächter Jeschke in seine Wohnung zurückkehrte, traf er seine Frau nicht an. Wie er von den Kindern erfuhr, war die Mutter vor einiger Zeit aufgestanden, hatte von ihnen Abschied genommen und war fortgegangen. Die unglückliche Frau wurde in einem nahen Torfbruch todt aufgefunden. Körperliche Leiden, insbesondere drohende Erblindung, drängten ihr schon seit längerer Zeit die Befürchtung auf, daß sie später ganzbilflos werden und ihrem Mann zutLaft fallen werde. In einem Anfall von Schwcrmuth ging sie in den Tod. F l a t o w. Der Besitzer Mrella von Abbau Flatow kehrte von einer Hochzeit aus Gromaden heim. Bis zur Stadt fuhren mit i.hm zweiFrauen mit. Nachdem diese vom Wagen gestiegen waren, setzte er seine Reise fort, kam aber zu Hause nicht an, vielmehr fand man ihn kurz vor seinem Gehöft w t c t auf oem Auagen iooi uegen. Hochstüblan. Dieser Tage besing der Arbeiter Gottfried Rosinke

das Fest der goldenen Hochzeit. Nach der kirchlichen Einsegnung durch

Pfarrer Veyer - Bordzichow 'wurde dem Jubelpaare ttn Gnadengeschenk von 50 Mark überreicht. M a r i e n a u. Hier brannte die Besitzung des Hofbesitzers Gustav Enß vollständig nieder. Es verbrannten äußer vi'lem Getreide zwei Kühe und dreizehn Schweine, darunter die diesjährigen Schlachtschweine. Enß drosch mit dem Dampfdreschapparat und es ist das Feuer wahrscheinlich durch Funkenauswurf bei sehr starkem Winde entstanden. Rathsdorf. Auf seinem Rittergute ist im 78. Lebensjahre der Rittergutsbesitzer Heinrich Grams, der Senior der größeren Besitzer im Kreise Pr.-Stargard, gestorben. Er hat nicht nur in seinem landwirthschaftlichen Berufe mit hervorragendem Erfolge vorbildlich gewirkt, fondern hat auch in vielen Ehrenämtern seine Kräfte dem öffentlichen Dienst gewidmet. Z o p p o t. Bürgermeister Dr. jur. v. Wurmb, der unlängst wegen andauernder Krankheit in den Ruhestand trat, ist plötzlich gestorben. Frovinz Sommern. Stettin. Selbstmord verübte ein junger Mann, der in einem HerrenConfektionsgeschäft in der Schulzenstraße beschäftigte Kaufmann Walter Schünemann. Er tödtete sich im Geschäst durch einen Schuß in die Stirn. B e l g a r d. EisenbahnarbeiterPohl aus Rogzow wurde auf dem hiesigen Bahnhof von einer Lokomotive überfahren und getödtet. Kempen. Einen plötzlichen Tod fand der Oberleutnant Daum vom 2. Westpreußischen Feldartillerie - Regiment Nr. 36. Er hatte sich zur Theil, nähme an einer Treibjagd nach hier begeben. Während die Jagdgesellschaft in der Freister Brennerei beim Frühstück saß, sank er plötzlich von einem Herzschlage getroffen todt zu Boden. U h l i n g e n. Letztens brannte in der Nähe von hier die im Walde bei Gr.-Borkow belegene Dampfsägemühle der Firma Göttger, Berlin, vollständig nieder. Das Gebäude war mit 34.000 Mark versichert. UnHeim. Vor Kurzem ereignete sich hier bet der Fasanenjagd ein trauriger Unglücksfall. Der Arbeiter Michaelis aus Labes, der neben dem Förster stand, wurde von einer Schrotladung aus dessen Gewehr in den Hals getroffen. Das Gewehr des Försters, das dieser umgehängt hatte, entlud sich dadurch, daß ein Jagdhund an dem Förster emporsprang und mit dem Fuß in den Abzugsbügel gerieth. Michaelis wurde zunächst in aller Eile nach hier zu einem Arzte und dann in das Krankenhaus Bethanien zu Stettin verbracht. W a r s o w. Als der Vauerhofsbesitzer Hermann Tillack aus einem Lokal nach seinem Hofe " zurückkehrte, wurde aus seiner eigenen Wohnung auf ihn geschossen. Von den Schüssen hat einer ihn getroffen, so daß er schwer verletzt in das JohanniterKrankenhaus nach Züllchow gebracht werden mußte. Man nimmt an, daß der Thäter ein Einbrecher war, der es auf eine größere Geldsumme, die Tillack im Hause verwahrte, abgesehen hatte. Provinz Schkeswig-KoMein. Schleswig. Dieser Tage feierten die Bewohner des Grauklosters, der frühere Schlachter Carl Josten und Frau, das Fest der goldenen Hochzeit. A l t o n a. In der Nähe des Lindenparks zu Lokstedt wurde ein Mann von der elektrischen Straßenbahn angefahren und umgestoßen. Bei dem Fall stürzte der Mann so unglücklich. daß seine Wirbelsäule gebrochen wurde und er sofort todt liegen blieb. In seinem Besitz fand man eine Brieftasche. in der der Name August Boller, Alsterdorferstraße 65, verzeichnet stand. G r o ß e n a s p e. Der achtjährige Sohn des Landmannes Gripp spielte mit anderen Kindern auf dem Heuboden. Hierbei fiel er durch die Luke auf die Tenne. Besinnungslos wurde er aufgehoben. Er hat schwere innere Verletzungen erlitten. Halstenbek. Kürzlich' wurde der bei seinen Eltern wohnende 20 Jahre alte Arbeiter Köller, als er sich mit seinem Bruder auf dem Heimwege befand, in der Nähe der Arbeiterwohnungen der Firma I. H. Pein von einem anderen Arbeite: überfallen und durch 5 Messerstiche am Kopf, am Rücken und an der Seite so schwer verletzt, daß er im Pinneberger Krankenhause, wohin man ihn schleunigst brachte, seinen Verletzungen erlegen ist. Der Thäter wurde verhaftet. Kiel. Die diamantene Hochzei: feierten der frühere Gastwirth Joh. Meyer und Ehefrau. Obermaat Krause vom Linienschiff 2Bettin" hat sich, erschossen. K u d e n. Das Wohnhaus des Maurermeisters Wilhelm Kruse ist gänzlich niedergebrannt, während die Eheleute in der Nachbarschaft auf Besuch weilten. Ihr einziges dreijähriges Kind kam in den Kämmen um. Nörreby. Hier brannte das Gehöft des Hufners Woltert bis auf die Grundmauern nieder. Der Knecht war eben mit Füttern des Viehes fertig, als er das Feuer bemerkte. Vieh und Pferde konnten gerettet werden. Das Mobiliar verbrannte meistentkiisr

Eine nach der andern.

Eine Volkszählungs-öumoreske von Eugen Jsolani. Daß Erich ja den Besuch bei meiner Freundin, der verwittweten Regierungsräthin Maxen macht, wenn er in die Hauptstadt kommt. Ich habe s mir nun einmal in den Kopf gesetzt, aus ihm und dem Töchterchen meiner Freundin mochte ein Paar werden. Ich hatte das liebe Kind vier Wochen lang hier zu Besuch; sie ist ein reizendes Ding, bildhübsch und vortrefflich erzogen, so wie ich mir für meinen lieben Neffen und Pathen Erich eine Frau wünschen kann." So hatte Tante Amalie an Erichs Mutter, Frau Bertha Sauer, geschrieben, und der Regierungsassessor Erich Sauer hatte daher, nachdem er in die Hauptstadt versetzt worden war, nichts Eiligeres zu thun gehabt, als bei der verwittweten Regierungsräthin Maren eine Antrittsvisite zu machen, um die Gruße semer Tante Amalie zu überbringen. Frau Näthin Maxen kam auch dem neuen Bekannten ungemein liebenswürdig entgegen, denn erstens war sie eine Dame, die von Natur und Charakter - Veranlagung licbenswürdiig war; dann aber freute sie sich, von ihrer alten Freundin wieder einmal etwas zu hören, und drittens und wohl hauptsächlich ist jede Mutter einer erwachsenen Tochter der ein fescher, flotter und hoffnungsvoller Regierungsassessor in's Haus hereinschneit, immer liebenswürdig gegen einen solchen, denn man kann ja nie Wissen, in welche Beziehungen dieser junge Herr einmal zu ihr treten kann. Und als daher Herr Regierungsassessor Erich Sauer, wie das bei einer Antrittsvisite üblich ist, nach zehn Minuten aufbrechen wollte, da sagte die liebenswürdige Räthin Maxen: Nein. Herr Assessor, so schnell dürfen Sie noch nicht fort; erst muß ich Sie mit meinem Töchterchen bekannt machen!" :j?;:ti Allerdings, das ist die Hauptfache!" dachte sich Erich, wegen des Töchterchens bin ich ja eigentlich nur hergekommen!" Laut aber 'sagte er: Wird mir eine besondere Ehre sein, gnädigste Frau Räthin, meine Tante hat uns schon sehr viel Liebes von Ihrem Fräulein Tochter berichtet!" So, so! Hat das die gute Amalie?" sagte die Frau Räthin Maxen, dann klingelte sie dem Dienstmädchen, und als dieses eintritt, befahl sie: Fräulein Laura möchte hereinkommen!" Ein reizendes Ding, bildhübsch und vortrefflich erzogen!" wiederholte Herr Erich in den Minuten, da man auf Fräulein Laura wartete, und die Frau Räthin mochte vielleicht denken: das wäre ein Mann, wie ich ihn mir als Gatten für meine Laura wünschen möchte! Und während sie beide noch, ohne ein Wort 'zu sprechen, so schwerwiegende. Gedanken in ihren Hirnen wälzten, trat das Fräulein ein und Frau Räthin Maxen stellte vor: Her: Regierungsassessor Erich Sauer, ein Neffe meiner lieben Freundin Amalie! Mein Tochterchen Laura!" Nun, was der Gast in den nächsten fünf Minuten dachte, das werden wir gleich aus einem Briefe vernehmen, den er am Nachmittage desselben Tages an seine Mutter schrieb. Gesagt hat er eben nur das, was man bei solchen Antrittsvisiten zu sagen pslegt, und nicht mehr und nicht weniger hat auch Fräulein Laura bei dieser Gelegenheit gesprochen. Beide Damen drückten, als sich der Herr Regierungsassessor nach fünf Minuten empfahl, die Hoffnung aus, ihn recht bald wder zu sehen.' Erich aber kehrte in sein Junggesellehneim zurück, setzte sich nieder und schrieb an seine Mutter einen langen Brief, in welchem es unter anderem hieß: Die gute Tante Amalie hat einen sonderbaren Geschmack. Laura Maxen ist eine hochaufgeschossene Hopfen stange, und von bildhübsch kann nicht die Rede sein. Vortrefflich erzogen mag sie vielleicht sein; das kann ich natürlich nach einem so kurzen Besuche nicht entscheiden. So viel aber weiß ich, daß sie mein Geschmack nicht ist. Offen gestanden, liebe Mama. thut es mir leid, daß ich diesen Besuch bei Maxens gemacht habe, denn die Frau Räthin war gegen mich von jener bezaubernden Liebenswürdigkeit. der man sich nur schwer zu entziehen vermag und durch die sich ein junger Mann nur zu sehr engagirt fühlt." Nun, die Mutter hatte auf diesen Brief die einzig richtige Antwort: der Sohn möge nicht vorschnell sein, in fünf Minuten könne man nichl über einen Menschen urtheilen, man dürfe nicht allzuviel auf äußere Erscheinung geben, und wenn die Tante Amalie so entzückt von der Tochter der Frau Räthin geschrieben habe, so könne das Mädchen vielleicht große innere Vor züge besitzen, die sich erst bei gmsuerer Bekanntschaft offenbaren. Mer schließlich verpflichte ja ein Besuch zu nichts, und selbst, wenn er, Erich, von der Räthin zu einem Butterbrote oder einem Löffel Suppe eingeladen würde. so übernähme er dadurch, daß er der Einladung Folge leiste, noch nicht die Verpflichtung, Fräulein Laura zu fcnatfal

9ra, gegen diese durchaus vernünftigcn Ansichten -der Mutter konnte auch Erich nichts einwenden, und als daher vierzehn Tage später eine Einladung der Räthin Maxen kam, ganz' gemüthlich mit ihr und ihrem Töchterchen allein einen Löffel Supve bei ihr einzunehmen." antwortete er. daß er sehr erfreut über die freundliche Einladung, derselben gern Folge leisten werde," und trat zur festgesetzten Zeit mit zwei Sträußen für die beiden Damen an. Und als er dann nach diesem Mit tagessen in seine Klause heimgekehrt war, setzte er sich wieder nieder und schrieb an seine Mutter einen Brief, in welchem die Stelle vorkam: Nein, liebe Mama, ich bin auch jetzt noch nicht von den Reizen des Fräulein Laura Maxen eingenommen. Daß sie vortrefflich erzogen sei. nun ja, das mag wohl sein; sie hat eine Unmenge gelernt und sprach von Schopenhauer und Hartmann und von vielen anderen gelehrten Dingen; das mag vielleicht der Tante imponirt haben. Aber Du weißt ja, daß ich die gelehrten Frauenzimmer nicht leiden kann. Jedenfalls ist das Fräulein nicht so geartet, wie ich mir meine zukünftige Frau vorstelle und wünsche, und ich werde daher vorsichtig fein, um nicht durch zu regen Verkehr mit den Damen Maxen mich in irgend einer Weise zu verpflichten." Diese Vorsicht übte denn auch Herr Regierungsassessor Sauer in nur zu deutlicher Weise. Als ,er ein zweites Mal zur Räthin Maxen eingeladen war, mußte er bedauern, wegen dienstlicher Geschäfte leider verhindert zu sein", eine zweite Aufforderung lehnte er ab, weil er zufälliger Weise für den Tag schon eine andere Einladung angenommen hatte, und die Vifiten, welche er nach diesen verfehlten Einladungen machte, um sich noch persönlich zu bedanken." verstand er geschickt auf eine Zeit zu verlegen, wo er die Damen nicht zu Hause wußte. So war der Verkehr zwischen ihm und dem Hause Maxen so gut wie abgebrochen; er hatte zum Beginn der Wintersaison nicht wieder Besuch dort gemacht, und so durfte er kaum erwarten, wieder eine Einladung der Räthin zu erhalten. Da wurde er durch eine Laune des Zufalls wieder in das Haus geführt; er hatte sich, als die Volkszählung bevorstand, als Helfer bei diesem großen wissenschaftlichen Unternehmen gemeldet, er erhielt eine Anzahl Volkszählungsformulare zugewiesen, und als er zu Hause die Adressen der betreffenden Familien durchsah, welche er am 1. December in seiner Eigenschaft als Volkszähler zu besuchen hatte, fand er auch darunter den Namen der verwittweten Regierungs räthin Maxen Das war dem Herrn Regierungsassessor Sauer freilich nicht angenehm, doch fand sich kein schicklicher Grund, gerade die Zählung dieses einen Hausstandes abzulehnen, und so mußte er denn, ob er wollte oder nicht, noch einmal einen Besuch bei der Frau Räthin machen. Aber das Herz klopfte ihm doch ein wenig, als er am Volkszählungstage bei Maxens anklingelte, und als das Dienstmädchen dann sagte: Die Frau Räthin ur.d Fräulein Laura seien nicht daheim." da war er ordentlich erfreut darüber. Ich komme wegen der Volkszählung! Hat die Frau Räthin die Zählkarten herausgegeben?" Jawohl, Herr Assessor, hier sind sie!" Damit reichte das Mädchen die Formulare dem Volkszähler hin. Herr Assessor Sauer war im ersten Augenblick frappirt; das waren ja eine ganze Hand voll Formulare, viel zu viel für drei Personen, die Rathin. Laura und das Mädchen. Er warf zunächst einen flüchtigen Blick auf die Gesammtaufstellung der Familienmitglieder. Was sah er denn da? Außer Fräulein Laura waren da noch drei andere Töchter der Räthin aufgezählt: Ella, die siebzehn Jahre alt, eine fünfzehnjährige Gerda und vierzehnjährige Clara. Von solchem Töchterreichthum hatte er ja keine Ahnung gehabt. Diese Töchker hatte ihm die Räthin unterschlagen. Sollte etwa Ella das reizende, bildhübsche Ding" sein, das ihm Tante Amalie bestimmt hatte? Darüber mußte er Klarheit haben. Und diese konnte er sich verschaffen, ohne indiskret zu sein. Er hatte ja sogar als Volkszähler die Pflicht dazu, denn in den Formularen bedurften einige Angaben der Ergänzung; da mußte er sich erkundigen. Ist Fräulein Ella zu Hause?" fragte er das Mädchen. Gewiß, aber ich weiß nicht, ob ich sie rufen darf," sagte das Mädchen lachend, die darf noch nicht vorkommen, wenn Besuch da ist!" Ja, ja,. Sie dürfen! Siesollen sogar, denn ich muß das Fräulein um Auskunft bittenüber einiges! Da die Frau Räthin nicht da ist, muß ich mit Fräulein Ella sprechen." Ach, das ist aber fein!" sagte in diesem Augenblick ein bildhübsches junges Mädchen, das augenscheinlich die Unterredung des Assessors rait dem Dienstmädchen hinter der Thür belauscht hatte, da lern' ich doch auch einmal einen Menschen kennen! Darf ich bitten. Herr Assessor!" Mit diesen Worten bat Ella Maxen den Assessor näber. - und dier folgte

entzückt dem Mädchen,, das eben dem Vackfischalter entwachsen war, und dem auch Erich in seinen Gedanken die Bezeichnung reizend und bildhübsch" beilegen mußte, und das aus solcher ungezwungenen Liebenswürdigkeit in den Assessor gleich hineinplauderte, daß beide in wenigen Minuten im lebhaftesten Gespräch waren. Aber warum, gnädigstes Fräulein, habe ich Sie denn" nie bisher bei meinen Besuchen hier in Ihrem Hause angetroffen?" fragte der Assessor. - Weil ich mit meinen Schwestern in der Kinderstube bleiben mußte! Ist das nicht schrecklich, Herr Assessor? Ich, ein erwachsenes Mädchen, in der Kinderstube! Aber meine Mama ist darin so eigen! Sie sagt immer: Ein: nach der andern! Wenn Laura verheirathet ist, , werde ich vorgeführt, und wenn ich'verheirathet bin, dann soll Gerda erst daran kommen. Denken Sie nur, Herr Assessor, isddas nicht grausam von der Mama? Darüber kann ich doch alt und grau werdcn! Im vorigen Jahr hat sie mich während der Tanzsaison eigens deswegen nach einem kleinen Nest geschickt zu einer alten Freundin von ihr!" Ach, dann sind Sie also die junge Dame, die bei meiner Tante Amalie zu Besuch war, von der mir die gute Tante so viel vorschwärmte!" Hat sie das, die gute Frau Sondermann? Ach. sie war so nett und gut zu mir. Aber denken Sie, in dem kleinen Nest findet kein einziger Ball statt, zu dem man gehen könnte, und dennoch' will mich meine Mutter wieder hinschicken, damit ich der Laura nicht im Wege bin. Ich will aber nicht hin " Nein, das sollen Sie auch nicht, Fräulein Ella!" stimmte Herr Regierungsassessor Sauer zu. Ich werde Ihre Frau Mama selbst bitten, daß sie Sie hier läßt, und wenn sie unsern Wunsch nicht erfüllt, dann verloben wir uns und' heirathen gleich auf der Stelle. Und wenn Sie erst meine Frau sind, dann darf Ihre Frau Mama " mich nicht mehr in die Kindersiuöe sperren!" ergänzte Ella. Ach, das ist famos! Aber wird's denn Muttchen erlauben, daß wir uns heirathen? Sie fagt doch immer: eine nach der andern! Es klingelt, da kommt sie, ich habe ordentlich Angst!" Da gibt es nur einen Ausweg, Fräulein Ella! Schnell geben Sie mir den Verlobungskuß. ehe sie eintritt!" Und als Frau Räthin Maxen mit ihrer Tochter Laura in's Zimmer trat, und als sie die beiden in, zärtlichster Umarmung fand, und als ihr der Regierungsassessor erklärte, daß er eigentlich nur, sozusagen, in amtlicher Eigenschaft eingedrungen sei, daß er aber Ella liebe und um deren Hand bitte, da vermochte die erstaunte R'athin nur die Worte vorzubringen: Aber, Ella, Du kennst doch meinen Wahlspruch: eine nach der andern!" Worauf Ella erwiderte: Ja, Muttchen, dann hilft's nichts, dann muß schon Laura die andere sein; ich bin doch nun mal verlobt!" Laura aber faßte sich zuerst und umschloß mit Glückwünschen die Schwester und deren Bräutigam. Dann aber mußte sich Herr Regierungsassessor Sauer empfehlen, denn er hatte noch Pflichten als Volkszähler. Abends erst sollte officiell die Verlobung gefeiert werden; zunächst aber eilte er auf's Telegraphenamt, um seiner Mutter die Meldung zu machen: Habe mich soeben mit der reizenden, bildhübschen Tochter der Räthin Maxen verlobt!"

König Alfonso'S Takt. Ueber den jungen König von Spanien werden so viel wilde Sachen verbreietet, daß es nur gerecht ist, auch über einen hübschen Zug seines im Grunde liebenswürdigen Charakters zu berichten. Bei einer Rundreise durch des Land kam der König in ein allermeist von Weinbauern bewohntes Landstädtchen. Der Alcalde sollte eine vomOrtsgeistlichen geschriebene und fleißig auswendig gelernte Begrüßungsansprache halten, war aber in der aufregenden Erwartung des großen Ereignisses des schweren Weines etwas voll geworden und stammelte: Majestät. . .erhabener Gebieter . . Majestät . . .erhabe . . J4 und sah sich hülfesuchend nach dem Priester um. Der König )var ersichtlich amllsirt, reichte aber dem Alcalden die Hand und sagte: Senor Alcalde, Sie sind anscheinend noch kein geübter Redner und neu in ihrem Geschäft. So geht's mir in meinem Berufe als König. Wir wollen also Freunde bleiben und Sie können Ihre Rede halten, wenn ich wieder komme. Und nun lasfen Sie mich den heimischen Wein kosten." Wre zuerwatiung o er englischen Stadt Hull hat dem größten Theater dieser Stadt die Erlaubniß ertheilt, daß im Zuschauerraum des Theaters geraucht werden dürfe. Das Theater in Hull ist das erste Theater in England, für welches das Rauchverbot aufgehoben wird. Vorgeschrieben ist. daß in dem Theater für genügende Ventilation gesorgt und die Rücklehne jeden Stuhles, mit eines Aschenbecher versehen wird.

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