Indiana Tribüne, Volume 29, Number 121, Indianapolis, Marion County, 15 January 1906 — Page 5

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u!)milla: Tie Geschichte einer Jugendliebe ron ) Ärwr Stehler. Es war immer so gewesen: wer sie zum erstenmal sah, dem war ihr ganzes Wesen unerklärlich ein Räthsel. Ihr Anblick beschäftigte die Phantasie; ihre Weiche, eindringliche Stimme mit den seltsamen. unmotivirtenUebergänaen zu stahlharier, eisiger Schärfe tlan noch nach Monaten im Ohr wider. Daß sie einmal eine hervorraende Schönheit gewesen sein mußte. sah wohl auch der, den zunächst die Herbheit ihrer Erscheinung zu auf-. merksamem Betrachten veranlaßt hatte. Das überreiche, blauschwarze Haar fiel zuerst auf. dann das Profil in wahr haft - klassischer Linienführung, die überraschend lebhaften Augen, der alabasterbleiche Teint, die ftolze Haltung der hohen Gestalt, der zu idealer Weibesschöne nichts zu fehlen schien, die nie der Mode huldigende und doch stets anmuthiae Kleidung. Wer ist sie? Welches Schicksal hat mit schwarzer Hand in ihr Leben gegriffen? dachte jeder, der sie sah. Direkte Fragen an sie waren zwecklos da schien sofort alles Leben aus ihr zu weichen; ihre Lippen blieben geschlössen ein Marmorbild, dessen Schleier nicht zu heben war. Auch die russische Dienerin Maluschka, mit der sie seit Jahren in derselben Wohnung in einem Villenviertel der Weltstadt hauste, war schweigsam. Sie lief auf alle nach dem Schicksale ihrer Herrin zielenden Erkundigungen in ihre Küche, bekreuzte sich vor dem Heiligenbilde, an dem stets . ein Licht brannte, und flüsterte: Heilige Mutter Gattes von Kasan, strafe Sascha Kiriewskij!" Ludmilla würde sie unbarmherzig davon gejagt haben, wenn sie die ergreifende Geschichte ihrer Jugendliebe, die sie miterlebte, erzählt hätte. Maruschka, schließe 5ie Läden!" klang es aus dem Zimmer der Herrin; der scharfe russische Acccnt gab allen ihren Anordnungen den Charakter strengster Befehle. Das kleine, häßliche Weiö lies den einem Fenster zum anderen. Es war nicht heiß draußen; es wehte auch kein kalter Wind. Nein, nein, sie wußte es genau: die Herrin wollte nichts sehen von den Spaziergängern 'auf der Straße vor dem Hause. Der grenzenlose Haß, die leidenschaftliche Verachtung aller Menschen war mit 'der Erinnerung an jene Begebenheiten, die ihr Schicksal bestimmten, wieder einmal über sie gekommen In dem nur von einigen Sonnenstrahlen durchbrochenen Halbdunkel machte Ludmillas Wohnraum erst recht den Eindruck des Geheimnißvollen. Ein kleines Zimmer nach den Begriffen einer deutschen Hausfrau nicht eben sehr sorgsam in Ordnnug gehalten au allen Wänden Jagdtrophäen kostbare Felle auf dem Fußboden und sogar über die Sitzmöbel gebreit :t verstäubte Gewehre an den Wänden Porträts in fremdartigen russischen Uniformen. Sie haßte alle Illusionen, liebte keine Kunst; sie wollte immer klar, kühl verstandesmäßig, nie Phantasievoll denken und doch, welch eine Energie des Temperaments verriethen ihre Bewegungen, welch Feuer der Empfindung blitzte zuweilen aus ihren Augen! Dann wieder schien alleerlöschen zu sein. Was kann interessanter sein als der Kampfstarker Seelen mit dem herzlosen Schicksal! Was ist rührender. als das wahnwitzige Auflachen der Enttäuschung über die Launen des Glückes! In den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts lebte Ludmilla mit ihren Eltern auf einer im Gouvernement Kiew gelegenen fürstlichen Herrschaft, deren großen Waldbestand ihr Vater als Forstmeister verwaltete. Er entstammte einer alten, deutschen Adelsfamilie und hatte gehofft, die lhm sehlenden Reichthümer in Rußland erwerben zu können. Ludmilla war seine einzige Tochter: mit ihr war zugleich der Sonnenschein des Glückes und der tiefste Gram in das Forsthaus gezogen. Schon während ihrer Kinderzeit interessirte ihr eigenartiges Wesen alle, die sie kannten. Vor Jahr zu Jahr mehr ent wickelte sie sich zu einem Mädchen von bezaubernder Anmuth, die durch das heiße' von ihrer russischen Mutter ererbte Temperament doppelt , anziehend wirkte. - Als' sie achtzehn Jahre zählte, war der Ruf ihrer Schönheit in der ganzen Umgebung bekannt; alt und jung ließ die Augen auf ihr ruhen, wenn sie an der Seite des Vaters, der als deutscher Adliger Verkehr in den vornehmsten Famillen genoß, auf einen der umneenden großen Gutshofe kam. Es gab keinen jungen Russen, der mcht sem Herz an die schone Ludmilla verloren hätte es yab keine junge Rusnn, die nicht mit Neid an die Gra zie, die schönen Augen, das lebhafte Geplauder, das helle Lachen der ForstMeisters - Tochter oachte. Manch einer der russischen Großgrundbesitzer, der mit seiner H. d ihr all seinen fürstlichen Reichthur. zu Füßen legen wollte, erschien als Freier auf der Forstmeisterei, aber all? gingen enttauscht davon keinen erHorte sie. wie sehr er sich auch um die Gunst deS schonen Madchens bemuhu. Da kam Sascha Kiriewskij in's Haus, nicht reich, nicht adligen Ge-

blüteZ. auch zunächst nicht . sonderlich verliebt in Ludmilla aber ein eleganter. lebenslustiger junger Offizier, dem die Uniform der russischen Leib-

gardehusaren zu einer Erscheinung verhalf, die tn allen weiblichen Herzen ein gefährliches Feuer entflammte. .Und als Ludmilla sah, wie seine Huldigungen mehr ihrer Jugendfreundin. der reichen, aber , nicht schonen ona Daschkowa aalten, da erwachte in dem temperamentvollen- Mädchen eine heiße Liebe; und es dauerte auch nicht lange, so vergaß Sascha die reiche Sonia und wurde der Bräutigam der schönen ludmilla, die ihn mit jen Gluth der Leidenschaft liebte, der eben nur sie fähig war. Mit je wuthenderen Blicken Sonia Daschkowa den bräutlichen Verkehr des Paares betrachtete, um so zärtlicher schritt Ludmilla an seiner Seite und küßte ihren Sascha sogar, wenn es die. aus dem Felde geschlagene Nebenbuhlerm sah. Und Sascha Kiriewskij ebenso heißblütig wie Ludmilla, aber viel, viel oberflächlicher in seinen Gefühlen ab sich seinem Glücke mit Eifer hm, genoß es in vollen Zügen, weil er heimlich fühlte, daß es doch nicht von Bestand sei. Seine früh verstorbene Mutter war eine Polin gewesen, die alles Russische im Grunde ihrer Seele haßte, und sie hatte nie eingewilligt, daß ihr Sohn auf das Betreiben seiner PathlN, cnier Hosame am Jarenhose, in das russliche Lelbhusarenregiment eintrat. In Sascha schien das polniiche Nationalgesuhl noch mcht erwacht zu sein; er trug die prächtige Uniform, ohne zu bemerken, wie sehr ihn seine polnischen Stammesgenossen darum über die Achsel ansahen. Sowie es lern Dienst erlaubte und das war während des Herbstes mehrere Monate eilte Sascha hei.a und gab sich in den Armen seiner Braut dem Glücke der Liebe hin. . Ludmilla gehörte zu jenen Mädchen, deren ganze Seele durch die Liebe zu dem Manne ausgefüllt wird. Ich liebe Sascha ohne ihn müßte ich sterben." war die einzige Entgegnung, die sie auf die warnenden EinWendungen ihres Vaters hatte. Da Bild Saschas hing über ihrem Bett. Sie küßte, alle kleinen Geschenke, die sie von ihm erhielt. In stummer, zitternder Sehnsucht - verzehrte sie sich während der Trennungszeit, bis mit seiner Airlunft ihre Seele aufblühte, wie eine wundersame Rose aus dem Süden. Ta zog der Winter des Jahres 1863 in's Land.' Tie polnischen Unterthanen Alexanders II. von Rußland ließen sich in jenen unseligen Freischarenkrieg ein, durch den sie ihre nationale Selbständigkeit zu erringen hofften. Russische Beamte wurden verjagt, lassen weggenommen, der Eisenbahn- und der Telegraphenverkehr unterbrochen. Und als der Aufstand auch auf die Provinzen Kiew und Volhynien übergriff, befand sich unter den polnischen Insurgenten auch Sascha Kiriewskij. Er brach den Treueid, den er als russischer Offizier dem Zarenbefreier geleistet hatte. Es war eine Scene von herzzerreißender Rührung, als er in nächtlicher Stunde aus die Forstmeistern kam und seiner Braut ' den verhängnißvollen Entschluß mittheilte. ' Sascha, Sascha bei unserer Liebe, leg das Gewehr' weg! Zieh die Uniform wieder an!" beschwor ihn die schöne Ludmilla; sie weinte und jammerte; aber es half nichts. Es kam. wie es kommen Nlllßte: den aufständischen Schaaren fehlte es an festen Stützpunkten, und als die rufstsche Regierung größere Truppenmassen in's Land zog. waren sie bald zerstreut. Unter jenen, die mit der Waffe in der Hand gefangen, in hartes Gefängnißgesetzt und zum Tode verurtheilt wurden. war auch Sascha Kiriewskij. Ludmillas Jammer war grenzenlos; sie warf sich vor dem Vater auf die Knie und bat in herzbrechenden Worten. er solle den Geliebten reiten. Sie ging zu Sonja Daschkowa, deren Verwandte am Zarenhofe Einfluß hatten, und bat die ehemalige Nebenbuhlerin um Gottes willen um Hilfe für Sascha. "Er hat es verdient," sagte Sonja Daschkowa kühl und , zuckte die Achseln. Einige. Tage verbrachte Ludmilla in Thränen und gab sich ganz ihrem heißen, unendlichen Schmerz hin.' Die Bewohner des Forsthauses fuhren aus dem Schlafe auf, wenn sie die unglllcklichc Braut um Mitternacht aufschreien hörten: Rettet Sascha! Rettet Sascha! Er darf nicht sterben!" Als sie eines Morgens, nachdem sie in der Nacht abermals laut um Hilfe und Rettung für den Geliebten gerufen hatte, ihr Schlafzimmer verließ, waren ihre Augen thränenlos; ihre Lippen zuckten; sie sprach kein Wort; über ihre Seele schien eine wilde Entschlossenheil gekommen zu sein. Alle schauten sie verwundert an, der Vater strich besorgt über ihr Haar am Abend desselben Tages war sie verschwunden. Mit dem heimlichen Gebete, daß es doch vergeblich sein möchte, ließ der Forstmeister alle Teiche und Seen der Umgebung durchsuchen man fand den Leichnam nicht. Einige Wochen vergingen. Die Trauer um die schöne Ludmilla, -die Theilnahme an ihrem Schicksale war allgemein. Das Haus des Forstmeisters wurde nicht leer von Besuchern. die ihm ihr Mitleid ausspra chen und mancher ältere Großorundbe-

sißer auS der Umgegend gestand mit

Thränenschimmer im Auge, daß auch er sie gebliebt und ihr an seiner Seite ungestörtes Glück hätte erblühen können. Was half, das dem gebeugten Vater? Da geschah das Wunderbare von emem voruoersayrenoen Zsuhrwerle sprang Ludmilla eilte wie ein Sturmwind über den Hof, riß die Thür auf und fiel in grenzenloser Freude dem alten Vater' zu Füßen: Sascha ist frei! Mein Sascha! Ich habe ihn gerettet!" Die Bewohnerschaft de5 Forsthauses lief zusammen; alles drängte und wollte wissen, was fit aethan"und wie das Unmögliche, möglich geworden sei. Bald ward Ludmillas Lob in aller Munde. Das entschlossene Mädchen hatte ihren Plan auf das milde Herz der Zarin Marie Alexandrowna gebaut. Sie hatte die Reise von Olwigorodka nach Zllew aus dem Wagen eines Tschumak unternommen und dann die weite, weite Fahrt, von ),Kiew nach Petersburg, wo ein Bruder ihres Batcrs wohnte.Dort hatte sie erfahren, daß die Zarin zu jener, Zeit in Gatschina lebe. war hinausgefahren und hatte sich während einer Schlittenfahrt vor das kaiserliche Gefährt geworfen. Der Kutscher hatte die Pferde hastig auf die Seite gerissen, das Gespann war in Unordnung , gekommen, das Joch der Troika zerbrochen, und die Zarin war genöthigt gewesen auszusteigen und in einem kleinen Blockhause an der Straße auf einen Ersatz des Schlittens zu warten. Sie ließ sich das unglückliche Madchen vorführen und erfuhr ihr Schicksal. ' Gnädigsie Zarin! Sascha ist das Glück meines Lebens! Mein Herz springt bei dem Gedanken, daß er sterben soll!" hatte sie mit allen Zeichen höchster seelischer Erreaunq ausaerufen. Q, er ist gut, und ich will über sein Leben wachen, daß er nie, nie mehr seine Pflicht verletzt! Mächtigste Fürstin! Eine Verzweifelte bittet für das Glück ihrer Liebe!" Maria Alexandrowna sie kannte die Leiden unglücklicher Liebe nur zu gut war durch den namenlosen Jammer und die eindringlichen Bitten des schönen Mädchens zu Thränen gerührt, hatte schließlich ihre Mitwirkung bei der Rettung zugesagt und Wirklich einige Tage darauf ihren Gemahl dem das strenge Vorgehen gegen die unglücklichenPolenjüngllnge schwer wurde, zu der Bestimmung überredet, daß Sascha Kiriewskij gegen das -Ver-sprechen innerhalb zwanzig Tagen Rußland für immer zu verlassen, aus dem Gefängniß befreit werden sollte. Ludmilla hatte ihren Bräutigam noch nicht wiedergesehen, nur erfahren, daß er die kurze Frist, die er noch in Rußland verweilen durste, zum Abschied von der ' Heimath verwenden wolle. Sie war entschlossen,' als sein Weib mit ihm zu gehen wohin es auch sei. Die näcksten Tage verbrachte, sie in fieberhafter Spannung. Sie schaute hinaus auf die Straße jeder? Wagen, dessen Rollen sie vernahm, mußte den Geliebten bringen jedes trabende Pferd mußte 'ihn tragen; aber es wurde Morgen und Abend, es verging mehr denn eine Woche. Sascha Kiriewskij erschien nicht! Das 'Herz des liebenden Mädchens, das nach solchen Geschehnissen nach seinen heißen Küssen verlangte, zitterte. Ludmillas Augen glänzten in dem Bewußtsein eine solche That gethan zu haben. Und Sascha kam nicht! Wie ein zuckender Blitz . fuhr die Nachricht, die eines Abends, da es schon dunkelte, ein Waldhüter des Vaters brachte, in ihre Seele: Saschg Kiriewij sei seit einigen Tagen drüben auf dem Herrschastshofe, er habe ihn mit Sonja Daschkowa durch den Garten gehen sehen. Ludmilla fuhr in krampfhaftem Schmerz mit den Händen nach dem Herzen. Mit Sonja Daschkowa? Du lügst!" ries sie und eilte davon. Auf dem Hofe der Daschkowa stand ein beladen Reisewagen, und sie sah sah mit eigenen Augen wie Sascha Kiriewskij inmitten der Familie zärtlichen Abschied nahm -von Sonja, wie er sie küßte und wie Sascha im Reiseanzuge den Wagen bestieg. Sascha! Sascha, das thust du mir an!" rief sie, lief hinzu und hielt die Pferde auf. die der Kutscher bereits zur Abfahrt aytrieb. Beim Klänge dieser Stimme wurde Sascha bleich wie der Schnee und stieg aus dem Wagen. ; "Ludmilla. sei vernünftig," raunte er ihr zu, ich bin arm auch du wovon sollen wir leben im fremden Land?" Er wußte nicht, daß er ihr seine Freiheit, sein Leben verdankte; aber seine Liebe war zu schwach gewesen, als daß er ihretwegen Noth und Entbehrungen hätte auf sich nehmen mögen. Elender! Ja, (Sonja Daschkowa ist reich!" rief Ludmilla , dem Wahnsinn nahe. Dann sank sie ohnmächtig nieder, während der Wagen mit dem Ungetreuen davonfuhr. Er mußte bis zum kommenden Morgen weit, weit weg sein, sonst drohte ihm auf's neue Verhaftung. Als Ludmilla nach langen Monaten vom Nervensieber geheilt das Krankenlager verließ, war jenes seltsame, für alle, die ihre Erlebnisse nicht kannten.

rathselhafte Wesen über sie gekommen.

vcaä) dem nicht lange darauf erfolgten Tod ihres Vaters , zog sie mit Maruschka nach Deutschland. Vierzig Jahre waren darüber hin-' gegangen, und noch immer glühte Haß auf Souja Daschkowa und Sascha Kiriewskij in ihr. Lange hatte sie im Halbdunkel gesessen, und die Bilderaus der Jugend waren in ihrer Phantaste vorübergezogen. Sie sprang aus und krampfte hastig die Hände zusammen. O, sie hätte die Gedanken und Erinnerungen aus ihrer Seele schneiden mögen, die ihr den verlorenen Geliebten und die verhaßte Nebenbuhlerin als glückliches Paar auf den Stätten der Heimath wandeln ließen. Denn Sascha war heimgekehrt. Unter- Alexander III. war ihm die Rückkehr gestattet worden, und ' nun gehörte ihm die Herrschaft Daschkowa. Ludmillas Herz blieb still stehen, wenn sie daran dachte, daß Sonja an seiner Seite das Haus umwandele, in dem sie ihr heißes, großes Liebesglück mit Sascha erlebt hatte. Leise, zaghaft, ängstlich klopste Maruschka an die Thür: Herrin, der Briefträger!" Ludmilla ließ sich die russischen Zei tungcn hereingeben, die sie seit Jahren las und in den letzten Monaten doppelt eifrig stüdirt hatte, da jeder Tag Neues, Ueberraschendes aus Rußland brachte. Sie stieß hastig den Laden auf; die hell einfallende Sonne sollte die Gestalten aus der Jugend verbannen. Sie stand am Fenster und las, erst gleichgültige Meldungen, dann aber stieß sie aus folgende Nachricht: Im Gouvernement Kiew wurden durch aufständische Bauern die Gebäude der Herrschaft Daschkowa verbrannt und zerstört. Der Besitzer Alexander Kiriewskij wurde getödtet; seine Gattin war vorher geflohen. Wie ein Feuerbrand flammte ihre Seele auf. Todt! Todt!" schrie sie, und ihr Lachen gellte durch das Zimmer, daß Maruschka zitternd von der Thür schlich. Run hat auch sie ihn .nicht mehr, die elende Sonja Daschkowa! Ah, zerstört und verbrannt, alles, was sie besaß! Gerechtigkeit des Schicksals!" Todt, todt," murmelten ihre Lippen. Dann eilte sie zu der kleinen Schatulle, die auf einem der Schränkchen stand, schloß sie aus, riß den Inhalt durcheinander und holte ein in vergilbtes Papier gehülltes kleines Medaillonbild hervor.. Ein junger, schöner russischer Offizier Sascha 'Kiriewskij als Bräutigam! All die vielen Jahre hatte es still in seinem Verschlüsse gelegen. Jetzt erst sah sie es wieder, sah seine hellen Augen. seine blühende Gestalt lange, lange . blickte sie darauf und . hielt stumme Zwiesprache mit dem Geliebten ihrer Jugend. , Dann nahmen ihre Züge eine ganz meikwürdige Weichheit an. Die einzelnen weißen' Silberfäden jn ihrem Haar glänzten in der Sonne, als ste sich niederbeugte um das Bild zu küssen. Aber dann flammte doch wieder der Haß auf, und sie rief voll Grimm: Mt ist vierzig Jahre sein Weib gewesen Sonja Daschkowa nun hat sie ihn verlassen im Tode! O, stöhnte ste, ich war ein ganzes Leben lang einsam voller Seligkeit wäre ich an seiner Seite gestorben." Sie, ging an ihren Schreibtisch, zog mit zitternder Hand ein schwarzes Kreuz über die Glasdecke des Bildchens und flüsterte: Du bist todt! Nicht mehr ihr Gatte! Mein Sascha! Ich darf dich wieder lieben!" Heiße Thränen rannen über die marmorbleichen Wangen der gealterten Ludmilla. Der Tod hatte allen Haß ausgelöscht und die Liebe auf's neue erweckt die Liebe zu einem Unwürdigen. In Eile. Glückliche Seelenruhe und herzliche Gastfreundlichkeit sind in England noch vielfach zu Hause, aber einen Ort, wo diese Eigenschaften so gut zu Hause sind, wie in dem biederen Oertchen Mushton, dürfte es auf der Welt noch einmal nicht geben. Da kommt eines Morgens der Farmer Jones zu dem Farmer Reynolds. Guten Tag, Tom," begrüßt ihn der herzlich, komm' 'rein und setz' Dich." Und Farmer Jones sagt: Eigentlich wollt' ich mich nicht lange aufhalten," aber setzt sich doch und plaudert ein Viertelstllndchen über Vz Ernte. Da zeigt ein angenehme: Geruch aus der Küche, daß dort Speck gebraten wird; bald ist auch das Frühstück fertia und Tom erbebt sich. .Ach. -bleib' sitzen und iß'n Bissen mit uns.r im. c . itrijt lag! nennoios gemulyncu. Nein. Farmer, ich dank' Dir," erwidert Jones. 's ist so gut, als ob ich's annähme, weißt Du, aber ich will Dir nämlich sagen, mein Dach brennt und da bin ich zu Dir gekommen, weil ich Dich um eine Leiter bitten wollte." Schwierige Aufgabe. Junger Arzt, eine alte grillige Patientin besuchend: Nun, wie haben Sie die letzte Nacht geschlafen?" Patientin: Sehr schön. Herr Doktor; bitte, verschreiben S' m'r wieder so einen schönen Traum."

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