Indiana Tribüne, Volume 29, Number 119, Indianapolis, Marion County, 12 January 1906 — Page 5

Jndiana Tribüne, 12 Januar im 6

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i Die Leibrente XJXV, vWIVIWIIIW J 4 - rttll((HtC i I non Emma HaneKofer-Merk (Scklutz.) Er wollte ihr behilflich sein, ihr Eemälde wieder einzupacken, da sie sich zi?ni!ich ungeschickt anstellte, als zittericn ihr die Hände vor innerlicher Errezung. Tanke sehr, Herr Lenz ach. Sie sind so aut und freundlich! Sehen Sie. ich hab? mit Ihnen nun so hübsche Stunden verlebt, icfi habe wirklich in diesem poetischen Zimmer hier wieder Vertrauen ruf die Menschen gewonnen. Und deshalb deshalb bedrückt es mich, durch meinen rein aeschäftlichen ersten Vorschlag in Ihr Leben einzugreifen. Ich weiß nicht, ob Sie mi: das nachfühlen können. Sie sind eben für mich nicht ein Fremder wie die anderen " Es schien ihm wirklich, als habe sie feuchte Augen, und er war selbst ganz verwirrt, als sie in verlegener Hast da- , Dongeeilt war. Er stand am Fenster, sah ihr nach, wie sie durch den Garten schritt, und fühlte, wie ihm der Angstschweiß auf die Stirne trat. Also deshalb! Deshalb wollte sie von der Leibrente nicht mehr sprechen, deshalb schien sie sich in einen so wunderlichen Widerspruch zu verlieren! Sie meinte, er könnte noch heirathen. Sie hoffte, er würde ihr selbst seine Hand anbieten! Er noch heirathen! Es war ihm, 15 legten sich ihm weiche, warme H'ande schmeichelnd um den Hals. Die Berührung hatte ja etwas Angcnehmens, Liebes, aber sie raubte ihm doch den Athem, sie engte ihn ein. als müßte er ersticken. So warm, so treuherzig, so ergeben hatte sie ihn angeschaut, mit einem so guten, lieben Blick! Die arme Frau! Sie war so allein in der Welt, und sie sehnte sich nach einem Heim, nach einem Menschen, dem sie gut sein konnte! Daß sie ihm gut war er mußte es wohl glauben, wie seltsam es . auch schien. Er hatte in seiner Jugend kein Glück bei den Frauen gehabt. Er war immer zu scheu, zu schüchtern gewesen, die eine, die er am heißesten geliebt, hatte ihm ein andere? vor der Nase weggefischt, ehe sie nur eine Ahnung von seiner heimlichen Bewunderung gehabt. Daß ihm jetzt in seinen alten Tagen noch ein Frauenherz zufallen sollte, das war ja wirklich rührend. Ach, wenn sie es ihm noch einmal sagte, wenn sie am Ende gar weinte vor ihm, . dann war er machtlos, das wußte er; dann that er alles, was sie von ihm wollte! Thränen konnte er nicht widerstehen! Einem- lieben, zärtlichen Wort, einer sanften Bitte gar, hielt er nicht Sfon& dafür kannte er sich. Es war irn'ja schon jetzt so weich, so haltlos, so verworren zu Muthe diese feuchten Augen, dieser liebe Blick, dieses verlegene Gestammel hatten ihn völlig aus dem Gleichgewicht gebracht! Er ging ruhelos in seinem Zimmer auf und ab; er konnte nicht arbeiten, tz konnte nicht essen, er konnte auch in der Nacht nicht schlafen. Und immer stärker und beklemmender. wurde die Bangigkeit, die Furcht vor seiner eigenen, gutmüthigen Schwäche, die Angst vor der Zukunft. Der Gedanke, geliebt zu ' werden, hatte ja etwas Reizvolles, gewiß! Aber wenn er so überleate. dak er nie mebr allein sein sollte, daß ein fremder Wme, eine sremde Nahe ihn beherrschen würden, die er nie. nie mehr abschütteln könnte, daß es mit seinem stillen Vorsichhinträumen zu Ende wäre, dann packle ihn ein Entsetzen, als müßte er fliehen vor einer fürchterlichen Gefahr, als sollte ihm ein Strick um den Hals geworfen werden. Und das wußte er: wenn er Aline wiedersah, wenn sie ihm wirklich ihre Liebe bekannte, dann war er verloren. Die Kraft, sich gegen ihre Wünsche zu wehren, besaß er nicht. Er würde auch in alle Zukunft thun müssen, was sie wollte. Während er schlaflos in den Kissen lag, ward ihm dieser Gedanke so zur Folterqual, daß er wie ein Ertrinkender die Hände emporstrcckte nach einem rettenden Halt, daß er sich den Kopf zermarterte nach einer Erlösung. Und plötzlich sah er einen Ausweg, nach dem er wie ein Verzweifelter ariff. Bei Tagesgrauen schon stand er auf uno machte :q zum Ausgehen bereit. Es schien ihm endlos lang, bis es endlich neun Uhr war, und' die Bureaus geöffnet wurden. Wesentlich erleichtert, mit einem Schmunzeln um die Lippen kehrte er heim. Er erschrak allerdings, so oft es klingelte; mit dem Arbeiten ging es schlecht, denn seine Hände, die sonst mit solcher Sicherheit und Nuhe den Stift führten, waren nervös; doch es Überkam ifrn dock wieder ein aewisses I I - "V " i -- Gefühl der Geborgenheit, und er konnte auf Momente vergessen, daß ihm noch eine inhaltsschwere Unterredung bevorstand. Es vergingen Tage, ohne daß er etwas von seiner neuen Bekannten sah.

Er fing schon an zu glauben und zwar mit einem Gemisch von BeschäXI v m.r Kr. r

Schwerfälligkeit,' sie zu verstehen.' auf ihre zarten Andeutungen einzugeben.

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sie verletzt und auf immer von ihm zurückgeschreckt habe.' Endlich aber nach einer Wome kam sie doch wieder, ziemlich früh am Vormittag und mit erregter Miene. ete -muen cnticnmoigen, Herr Lenz, daß. ich Sie störe! Ich konnte mir nicht helfen, ich' mußte her und nach Ihnen sehen! Denken Sie, mir hatte geträumt, sie wären krank, und niemand wäre bei Ihnen! Ich kann gar nicht sagen, wie mir da wurde! Wirklich ganz weh um's Herz. Ich bin wie erlöst, daß Sie frisch wie immer an der Arbeit sitzen." Ja, es geht mir ganz ordentlich, sagte er mit einem verlegenen Lächeln, denn er fühlte instinktiv, daß seme Verehrerin heute in einer weichen Stimmung war, in einer Stimmung für Geständnisse. Ach Gott. ia man kann rn immer froh fein! Wer weiß, wie bald es einen trifft, wie bald man zu Hause sitzen und sich Pflegen oder gar zu Zette lieaen muß! Davor habe ich eine furchtbare Angst. Wenn man so allein ist, niemand hat, der aus Liebe am Krankenbett sitzt! Ist Ihnen das nicht auch ein schrecklicher Gedanke?" Ach nein, eigentlich nicht," meinte er. Ich glaube, ich bin ein wenig wie die Katzen, die sich gern verkriechen. wenn sie sich elend fühlen." Ich glaube. Herr Lenz, Sie haben nur noch nie erfahren, wie angenehm und beruhigend eine liebevolle Seele wirkt, dic man in der Nähe ha.V Dem armen alten Herrn stieg wieder der Angstschweiß auf die Stirne. Jetzt kam's, das Gefürchtete! Jetzt mußte er den Kops der Schlinge darbieten, wenn er sich nicht vorgesehen hätte. Aber peinlich, höchst peinlich blieb es doch, was er nun sagen mußte. Er durste auch nicht zogern, denn ihr lagen entschieden schon warme, viel wärmere Worte auf den Lippen, die e? sie aus Ritterlichkeit nicht aussprechen lassen konnte, ehe er sein Bekenntniß glücklich herausgedrückt hatte. Ach ja, Frau Stettenberg das mag schon sein. Sie haben gewiß ganz recht. Aber ich bin nun mal ein so eingefleischter Junggeselle, daß ich gar nicht weiß, wie viel ich in meinem Leben versäumt habe. Ein alter Egoist, nicht wahr? Und sehen Sie, deshalb, weil ich ein solch unverbesserlicher Egoist bin, darum hat mir auch Ihr Vorschlag mit der Leibrente so gut gefallen und deshalb deshalb Sie dürfen mir das nicht verübeln habe ich vor acht Tagen schon bei der hiesigen Rentenanstalt der Hypothekenbank mein Vermögen als Leibrente angelegt." Während er sprach, that es ihm wirklich von Herzen leid, daß er ihr diese Enttäuschung anthun mußte, und er dachte dabei: Wenn sie Dich wirklich lieb hat, so lieb, daß sie zufrieden wäre, die Jahre mit Dir zu theilen,' die Dir noch beschieden sind, auch ohne Hoffnung auf eine Erbschaft, dann nun, dann mußt Du ihr Deine Hand bieten, dann soll sie einen Platz an Deiner Seite haben, und Du mußt trachten, auf irgend eine Weise doch auch ein wenig für ihre Zukunft zu sorgen." Er sah jedoch bald, daß ihre Augen, die sich bisher so weich, so demüthig und zärtlich auf ihn gerichtet hatten, finster und drohend wurden. Ihr Ge sicht war so dunkel geröthet, daß er fürchtete, es könnte sie der Schlag trefsen. Es war mir nämlich doch lieber, mich tjiii am )r:e einzukaufen,- nam melte er schuldbewußt. Es ist auch so viel einfacher, da ick doch mein Tepot bei der Hnpothekenbank habe." Sie sagte immer noch nichts. . Sie sah nur immer zorniger aus. Ich möchte aber natürlich nicht, daß Sie dadurch um Ihre Provision kämen. Ihnen verdanke ich ja die ganze Idee, und ich. meine, wir behandeln die Sache ganz geschäftlich, und ich darf Ihnen für Ihre Bemühungen meine Schuld entrichten." Er schob ihr schüchtern ein Kouvert hin. . Sie lachte schrill auf. Es klang sehr unangenehm, gar nicht so sanft, wie si: sich bisher gezeigt hatte. Solch ein Blödsinn solch ein unglaublicher Unsinn!" stieß sie wüthend hervor. Aber, verzeihen Sie, Sie haben dccii selbst " Sie hörte gar nicht auf seine EinWendung. Wenn man ohnedies sein Auskommen hat, für was dann sein gutes Geld einer Bank hinwerfen? Nein, das ist doch wirklich eine Sünde! Für jemand, der nicht genug hat, der flott leben will, da hat eine Leibrente ja einen Sinn, aber zu der Wohnung da im Hinterhaus, in der Vorstadt, wo sich die Füchse gute Nacht sagen, und zu einem Kanarienvogel und ein paar Blumenstöcken, da hätt' es doch so wie so gelangt! Für einen Einsiedler, der nichts braucht und nichts ausgibt und nichts verlangt von all den schönen, lustigen Dingen auf der Welt, als seine Ruh', hätten Sie doch genug gehabt!"' Es klang so verächtlich, so boshaft, man hörte ordentlich aus den Worten heraus, daß sie sich schon die verschiedenen Veränderungen zurecht gelegt, die in diesem einfachen Leben Platz greifen müßten, wenn sie etwas darein zu reden hätte. Die Stimme, die AusdruCsweise hatte plötzlich etwas so Brutales, Herrisches. Dem stillen, feinfühligen Manne gruselte es. Er wußte, daß ihn ähnliche Zornesausbrüche in seiner Nähe einfach krank

machen, in's Grab bringen würden.

Er saß ganz in sich zusammengedrückt, blaß und verängstigt, wie bei einem Unwetter, das über ihn hinbrauste, und rieb sich verlegen die Hände voll heimlicher Dankbarkeit, daß der Blitz nicht zünden konnte, daß er einen Blitzableiter gefunden hatte. Nun, ich wünsche Ihnen nur, daß Sie bei Ihrem Alter doch noch etliche Jahre leben, damit die Bank nicht ein gar so glänzendes Geschäft macht!" sagte Frau Aline beim Abschiede recht gemüthsroh und mit einem boshaften Auflachen. Das Kouvert. nahm sie aber doch viit. Wie still, wie geborgen, wie fried-! lich eö dem alten Herrn in seinen vier Wänden erschien, als sie ihn verlas, en hatte. Er stand lange vor seinen Blumen, roch an den blühenden Rosen und schaute hinunter in das sonnige Gärtchen. Nun kam sie ncht wieder! O, diese gesegnete Leibrente! Als sein 'Gemüth sich ganz beruhigt hatte, mußte er wirtlich vor sich hinlachen. ES war doch eigentlich zu drollig.', daß die Gute ibm selbst den Schirm und Schild in die Hand geaeben. mit dem er sich vor ihr geschützt hatte! Belohnte FricdrnsnnttrhZndlcr. Zu der Verleihung des Grafentitels an Minister Witte, den russischen Hauptbevollmächtigten beim Friedensschlusse in Portsmouth. N. H.. schreibt' ein Petersburger Korrespondent: Während in Westeuropa diejenigen Diplomaten und Staatsmänner, die es verstehen, einem siegreichen Kriege einen vortheilhaften Friedenstraktat folgen zu lassen, mit Belohnm!5eN bedach! werden, läßt man gewöhnlich solche, denen diese Aufgabe nach einem unglücklichen Feldzuge aufgebürdet wird, nach vollendeter Verrichtung ohne Sang und Klang in irgend einer Versenkung verschwinden. Anders ist dies in Rußland. Hier scheint man sich nach dem russischen Sprichwort zu richten: Ein schlechter Frieden ist bes ser als eine gute Rauferei." und man belohnt auch dementsprechend jeden Staatsmann, der seinem 'Lande den goldenen Frieden wiedergegeben hat. Im Jahre 1711 wurde ein russisches Heer am Pru'ih von den Türken eingeschlossen, und der Zar . Peter der Große mußte den Frieden durch die Abtretung von Asow erkaufen. Der russische Friedensunterhändler Baron Schafirow wurde trotz des demüthigenden Friedensschlusses durch Verleihung des Andreasordens und den Rang eines Wirklichen Geheimrathes geehrt. Der Graf Aleris Feodorowitsch Qrlow, der den Pariser Friedenstraktat (1856) mit , seinen für Rußland demüthigenden Klauseln unterzeichnete, erhielt den Fürstentitel. Verständlicher sind die folgenden Auszeichnungen: Kutusow wurde 1812 für den Abschluß des sehr vortheilhaften Friedens von Bukarest, durch welchen alle Länderstrecken bis zum.Prutb an Rußland kamen, zum Fürsten gemacht. Nikolaus Muraniew empfing den Grafentitel und erhielt außerdem den Beinamen Amurskr," weil er mit China den außerordentlich vortheilhaften Vertrag von Aigun (1838) abgeschlössen hatte, durch welchen Rußland, ohne einen Tropfen Blutes zu vergießen, das Amurgebiet erhielt. Zlmsctirtcven. Der Meier ist wohl ein sehr eifriaer Sonntagsreiter?" Und ob! . . . Wissen Sie, freiwillig hat er den Sattel überhaupt noch me verlassen." (Bin Optimist. .Sie wurden ja kürzlich in einer der Hauptstraßen vom Pferde abgeworfen?" Ja aber alle, die es sahen, sagten, ich Ware elegant heruntergeflo gen!" (ux Z-lebrrkind. h 1 tara - jitKiJbtmm ii1 " TTi'lHl Willi: Kindergärten werden errichtet, Spielplätze werden eröffnet, Strandkolonien gegründet, WeihNachtsbescherungen veranstaltet, Märchenbücher werden vertheilt; aber alles nur für die armen, für die reichen Kinder cejchieht gar nichts!" Maststav. .Ist diese Strecke frequent?" .Ja, es werden jährlich so gegen fünfzig .Personen überfahren." . ..

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Generalmajor cutwein uns öen drik Witboi. .So bist du also dahin, mein alter Freund Witboi, der du mir so viele schwere Stunden, aber auch manche Freude bereitet hast, der du dem deutschen Vaterlande vielen Schaden verursacht, aber auch vielen Nutzen gebracht hast. Du bist zwar schon os! todtgesagt worden und immer wieder aufgestanden, aber diesmal scheinst du doch wirklich todt zu sein. Lebe wohl, du Mann mit den zwei Seelen in der Brust. Möge dir die Erde leicht sein! Ich freue mich, daß du noch einen ehrlichen Soldatentod gefunden hast und so dem Galgen entgangen bist, der dir, hätten wir dich in die Hände bekommen, sicher gewesen sein würde. Leider aber würden wir dich wohl nicht bckomm?n haben. Denn im Fortlaufen warst du ebenso geschickt, wie im Standhalten und der Durchführung von Gefechten," Dies waren ungefähr meine Gedanken, schreibt der ehemalige Gouverneur von Teutsch-Südwestasrika GeneralMajor a. D. Leutwein in der neuesten Nummer der Gegenwart, als die Zeihingen die Kunde vom Tode Hendrik

Witbois brachten. Er schildert dann zunächst die Schwierigkeiten, mit denen er vor zehn Jahren bei der Niederwerfung Hendriks zu kämpfen hatte. Welche Macht der Kapitän über seine Leute ausgeübt hat, möge folgende Anekdote beweisen. Der Kapitän hatte einst, im Felolager vor Okahandja, dem Hauptplay? der Herero. stehend, zweien seiner Leute befohlen: Setzt euch aufs Pferd und reitet im Schritt durch Maha-' hereros Residenz. Gott hat mir gesagt, euch wird nichts geschehen." Gott hatte durch den Herrscher gesprochen, also war der Todesritt ohne weiteres auszuführen. Der eine ,Mann nur kam zurück. Der andere war erschossen. Ihn hatte doch zuletzt die Angst ergriffen, und cr war inKarriere durch die feindliche Werft geritten, während der andere, dem Befehl gemäß im Schritt reitend, unangefochten den jenseitigen Ausganq erreichte. Schon die Art und Weise, wie Hendrik Witboi seine Kriegszüge gegen die Herero begonnen hatte, war etwas mystisch. Eines Nachts läutete er in seinem Wohnsitze Gibeon die Kirchenglocken. Das Volk strömte herbei und vernahm mit ehrfürchtigem Staunen, haß sein Herrscher von Gott den Befehl erhalten habe, die Herero Witboi nannte sie damals nicht anders als Amalekiter, welche vertilgt werden' müßten mit Krieg zu überziehen. Auf Gottes Geheiß wurden die Herero geschlagen und mußten ihre schönen ViehHerden in dem Lager der Witboi verschwinden sehen. Denn im Wegnehmen von Viehherden und in der Sicherung'ihres Transportes war der Kapitan geradezu Meister. Nach sorgsamer Erkundigung erschien er wie der Blitz auf den feindlichen Viehweiden, trieb die Herden ab und nahm zu deren Deckung eine Rückzugs stellung nach der anderen, bis sie einen hinlänglichen Vorsprung hatten. General Leutwein , schildert dann, mit welcher Treue Hendrik Witboi ihn bei der Unterwerfung de5 Aufstandcs der Bondelzwarts zur Seite stand. und mit welcher rührenden Ausmerksamkcit er um die Sicherheit des ihm befreundeten Bezirksamtmannes von Vurgsdorff besorgt war. Und diesen selbig?n Herrn von Burgsdorff haben die Witboi ein Jahr später meuchlings erschossen, als er zum Kapitän reiten wollte, um ihn von dem geplanten Aufstande abzubringen. Jchsage mit Absicht ..die Witboi". denn daß der Kapitän den direkten Befehl zu dem Morde gegeben, ist möglich, aber nicht erwiesen. Vielmehr ist auch denkbar. daß die Kriegspartei unter den Witboi das Zusammentreffen zwischen Herrn von Vurgsdorff und dem Kapitän hindern wollte, weil sie davon eine Störung ihrer Pläne befürchtete. Auch Frau von Vurgsdorff. welche ich danach gefragt habe, ist dieser Ansicht. Wie dem auch sei, verantwortlich bleib! der Kapitän für diesen Tod ebenso wie für die Ermordung tcr in seinem Lande wohnenden Weißen bei Beginn des Aufstandes. Denn bei seiner Autorität hätte er beides verhindern können, hätte er den Willen hierzu ernstlich gehabt. Und darum nannte ich ihn den Mann mit den zwei Seelen in der Brust". Die eine Seele war die christliche und anständige, die er während seiner 'zehnjährigen Friedcnszeit, unter unserer Herrschaft gezeigt hatte. Leben und Eigenthum der Weißen war damals in keinem Theile des Schutzgebietes sicherer als in seinem Lande. -Die andere Seele Witbois war die grausame und fanatische Hottcntottenseele, welche bei Beginn deZ Aufstands wieder zum Vorschein oekommen ist." Die Ursache dieser Schwierigkeit, sagt er, wird uns erst recht klar, wenn wir jetzt, elf Jahre später, nach Süd-West-Afrika hinüöersehen. Soviel aus Zeitungsnachrichten hervorging, sind im August d. I. gegen die Stellung Witbois im Zarrisgebirge, südlich der Naukluft, ',12 Kompagnien und 3 Batterien, in Summa etwa' 1200 Köpfe, in konzentrischen Vormarsch gesetzt worden; 1894 kämpften dagegen auf unserer Seite 300 Gewehre mit zwei Geschützen, von welchen die Hälfte zur Absperrung des Gebirges, die andere Hälfte zum di rekten Angriff verwendet war. Das

Ergebniß der beiden Kriegshandlun jen war 1894 nach einem neuntägigcn Äebirgskampfe Herauswerfen dcsGeg iers in die Ebene des Tsauchabthales, mo er durch die Absperrungsabtheilung gefaßt und wieder in das Gebirge zurückgetrieben wurde. 1905 verlustreiches Gefecht einer der Kolonnen gegen eine Abtheilung Witbois während die, Hauptmasse unter der Personlichen Führung des Kapitäns behufZ Wegnahme von Vieh undProviantwa gen in der Nähe von 5kcetmanshoop auftauchte, um dann wieder nach der Ostgrenze zu verschwinden. 1 Hendrik Witboi war von kleiner Statur und d-aher keine imponirende Erscheinung, aber er 'imponirte bei näherer Bekanntschaft doch durch seine auf unbeugsame Willenskraft gegründete Ruhe und Festigkeit. Langsam und sicher war seine Rede, kein unüberlegtes Wort kam auö seinem Munde. H'ei is en diegcn Kerl" (cr ist ein tüchtiger Kerl), sagte einst bewundernd ein alter Afrikaner zu dem Bezirksamtmann von Gibeon. Sein äußeres Auftreten war bescheiden, aber es war die Bescheidenheit des selbstbewußten Mannes. Ihm lag sowohl das Kriechende wie das vrotzenhait sich Ueberhebende der gewöhnlichen Hotientottenseele fern. Nachdem Witboi einmal für uns gewonnen war, hat er zehn Jahre lang in Gibeon sein Volk in Frieden regiert, inKriegszciten aber stets auf unserer Seite gestanden. Zum Beweise dasür, daß Witboi durch unbestimmte, religiös-mystische Beweggründe dazu bestimmt wurde, sich schließlich gegen die deutsche Herrschast aufzulehnen, gibt Leutwein einige Vriefstcllen wieder, in denen Hendrik in mehr oder minder dunklen Wendungen von einer Mission Gottes spricht. Der Abfall Witbois war zwar fraglos- ein böser 'Treubruch, aber allzu viel Steine sollten wir hierwegen doch nicht auf ihn werfen. Der

Kapitän hat in seinem hohen Alter ein bequemes Leben geopfert, um seine und seines Volkes Unabhängigkeit wieder herzustellen. Die in Folge des Herero-Aufstanoes drohende neueZeit. welche mit der noch gebliebenenSelost ständigkeit der Eingeborenenstämme aufräumen würde, war ihm nicht verborgen geblieben. Die Zeitungen und Privatgespräche hatten es ihm genug verrathen. Es wurde über die Absetzung der Kapitäne und über die Entwaffnung der Stämme geredet und geschrieben. Wer will ihm verarqen. wenn er diesem drohenden Unheil zuvorzukommen suchte? Solange wir den Eheruskerfürsten Armin für seinen Abfall von den Römern .als reibeitshelden preisen und ihm ein Denkmal setzen, so lange müssen wir auch Witboi mildernde Umstände zuerkennen. Dieser Gedankengan? schließt aber nicht aus. daß wirnach den Gesetzen der Staatsraison hätten bandeln müssen, wäre Witboi in unsere Hände gefallen. Sein Leben war verwirkt. Und darum ist die Kugel, die ibn jetzt getroffen bat. für ihn und für uns eine Erleichterung gewesen." Vrodttteuerung. In Berlin hat man in diesen Tagen versucht, die Brodbezahlung in den Gasthäusern einzuführen. Dieser Versuch kann, nach der Voss. Ztg.". als gescheitert gelten. Zahlreiche Gastwirthschaften, so die erstklassigen Restaurants. die Lokale mit einem Einheitspreis für Speisen (Aschinger). die Cafe-Restaurants. die meisten Vraverei-Ausschanklokale, die Studentenund Arbciterkneipen haben sich von vornherein von der Reform" ausgeschlössen. In vielen Restaurants, wo der Versuch gewagt wurde, haben die Stammgäste ihr Wegbleiben ang-kün digt und ausdrücklich erklärt, daß sie lieber cinenöberen Preis für's Essen zahlen, als lich der Brödchcnkcntrolle" unterwerfen wollen. Das ungewohnte und unbequeme Rechnen mit einzelnen Pfennigen man gab hier und da das erste Vrödchen umsonst, die weiteren für je 2 Pfennige war den Kellnern und Gästen gleich unbequem; auch kamen die Kellner vielfach infolge der Pfennigrechnung beim Trinkgeld zu kurz, während die Bäckermeister, von denen die Backwaare bezogen wird, den Gastwirthen erklärten, sie sähen nicht ein, weshalb sie eigentlich für die Fleischthcuerung büßen sollten, und ihnen bei einer wesentlichen Minderabnähme von Gebäck eine Kürzung des gewährten Rabatts ankündigten. Die Folge dieses allgemeinen Ansturms war. daß der Plan gänzlich in's Wasser fiel und nur noch in einzelnen Restaurants eine Bezahlung der Brödchen verlangt, wird. Dagegen sind verschiedentlick. ohne besondere Amkündigunz. die Preise sür Fleischspeisen neuerdings wieder um 5 bis 10 Pfennig ' erhöh! worden. D e r Londoner Mi l.ch mann legt feine Runde zu Fuß zurück; zur Beförderung feiner Kannen und Maaße bedient er sich eines dreiräderigen Karrens. Zu viel. Verlangt. Redakteur: Sie reimen da auf .einzig' ,geizig' Sas reht doch mcht!"-D i ch t e r (prüfend): .Cmzig geizig, hm, das ,n' bei einzig ist zu viel ja wenn Sie das so genau nchmen. dann hört sich das Dichten überhaupt auf!"

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