Indiana Tribüne, Volume 29, Number 119, Indianapolis, Marion County, 12 January 1906 — Page 1
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. j Erscheint seden Nachmittag. Jahrgang 29. . . Indianapolis, Ind., Freitag, 12. Januar 1906. No. 119.
Republikauische Primarwahlen. Heute Nachmittag von 4 bis 8 Uhr finden die Primärwahlen für die Dele gaten zu der am nächsten Dienstag ab zuhaltenden republikanischen District Convention statt.
Nahke stellt Bürgschaft. Der von den Großgeschworenen we Sen kriminellen Angriffs und wegen SittlichkeitSvergehenZ unter Anklage gestellte GuZ Rahke stellte Bürgschaft im Betrage von S2500. Der Tag der Verhandlung ist noch nicht festgesext. VcrhastSbefe erlassen. Der Sheriff erhielt die Anweisung, den früheren StaatZ.Auditor Sherrick auf Grund der erneuten Anklagen zu verhaften. Sherrick wird jedoch jeden falls nicht da5 Gefüngmb zu beziehen brauchen, da ihm die Stellung von Bürgschaft erlaubt wurde und seine früheren BondZleute sich bereit erklärt haben, von neuem Bürgschaft für ihn zu stellen. Colnmbia LogeNo.8, J.O.K.P. Act Donnerstag Abend fand in der Versammlung der Columbia Loge No. 3 de5 Verbesserten Orden der PythiaS' Ritter die Jnstallirung der neu erwähl' ten Beamten statt. GroßComman deur Henry F. Glaevecke und CrCom mandeur Carl Weder von Terre Haute waren anwesend, und SupremeSchrei der Ernst F. Knodel, Grob.Schreiber CharleZ I. Schmidt, sowie Diftrict Teputy John Thalmann asfistirten bei der Jnstallirung. Die neuen Beamten find: Er-Commandeur Wm. H. Hedrick. Commandeur F. S. Weber. ViceCommandeur Byron Horn. Prälat-J. H. Hoefer. Waffenmeister Harry Klein. Prot. und corresp. Secretär I. M. Bräutigam. Schatzmeister A. E. Jngersoll. Innere Woche Charles Schneider. Aeußere Wache Daniel Gingerich. Cassie im Zuchthaus. C l e v e l a n d, O., 12. Januar. Heute Morgen um 7 Uhr wurde die Schwindlerin Casfie L. Chadwick vom hiesigen Counly'Gesüngnik durch den Ver. Staaten Marschall in das Staats, zuchthau- überführt, wo sie ihrenStraf. termin von 10 Jahren absitzen soll. Cassie verbrachte vor ihrer Ueberfüh' rung eine schlaflose Nacht, nahm aber sonst die Sache ziemlich kühl. Skat-Tnrnier. Der Vorstand der SkatSection des Deutschen HauseS hat an die Mitglieder die Einladung ergehen lassen, an dem am 14. Januar Nachmittag? 2:30 Uhr beginnenden Pre!SSkatTurnier theil zunehmen. Die ausgesetzte. Preise sind.- wie natürlich nicht anders zu er warten, einfach großartig. Die Herren Ritter find freundlichst ermahnt, nicht zu viele ErandouvertS" zu spielen. Maskierte Räuber erleichtern I. L. AhreS. Ein frecher Raubanfall fand gestern Abend gegen 7 Uhr an Hillfide Avenue und der Belt R. R. statt. Zwei maS kierte Leu!: übersielen I. L. AvreS und nahmen ihn unter Drohungen eine goldene Taschenuhr ab. Auf der Jn feite der Uhr war der Name AyreS ein graviert. Der Beraubte fügte hinzu, daß er. als die maSkirten Spitzbuden Lände hoch kommandirten, $60 in Scheinen zur Erde fallen ließ. Diese 560 hätten die Räuber übersehen, die Uhr aber ge nommen. 4 Bauerlaubnißschein e William Dickerson. Veranda, 40 Tullp Ave., $50.2D. E. Cnglish, Repara turen am Hotel, Monument Place, 5300.
Schok vom Straßenbahnwagen ans Passanten.
Alö Walter Sutton von No. 3011 KenwoodAvenue gestern Abend um 7 Uhr 40 Minuten vor der Apotheke an der Ecke von 30. und JllinoiZ.Str. stand, fing ein Mann, der auf einem in südlicher Richtung fahrenden Stra' ßenbahnwagen fich befand, plötzlich mit einem Revolver aus verschiedene Jun gen an zu scbießen, die aus Plaisir" die Car mit Schneebällen bombardirten, und Sutton wurde von einer Kugel getroffen. Dr. O. N. Torian von No. 3009 Nord JllinoiZ-Straße, der Sutton untersuchte, sagte, daß e? eine Fleischwunde sei. Die sofort benachrichtigte Polizei konnte die Jungen, welche den Straßen bahnwagen mit Schneebällen bombar dirten, nicht ermitteln, noch gelang eS, den Schießbold dingfest zu machen. Die Nummer der Car ist 472, die des CouducteurS 170. Bernauer und flitz miller sind die Namen der Polizisten, die den Fall untersuchen. Neue Straßenbahn-Linie. Um dem wachstnden Verkehr Rech nung zu tragen, hat die Indianapolis Traction und Terminal Compagnie eine neue Bahnlinie ttr Couth West Straße eingerichtet. Der Anfangspunkt ist Ecke der Wash. ington und MeridianStr; von da fol gen die Wagen dann der bisherigen StockyardZ - Route zur. South West Straße. Passagiere brauchen also von jetzt ab an South und West Straße nicht mehr umzusteigen, wie bisher. Wollen Polizeibesugnisse haben Die Direktorialbehörde der Jndiana. poliS THIerfchutz.Gesellschaft beschloß, die SicherheitSbehörde darum zu er suchen, eiuigen Mitgliedern Polizeibefugnisse zu verleihen, damit die inspi zirenden Beamten Leute, die sich Miß Handlungen von Thieren zu Schulden kommen lassen, verhaften können. Jugendliche Ausreißer. Lillian Dorfey, 14, und Lucy White, 11, wurden heute Morgen in Brazil, Ind.. verhaftet. Sie waren dort ohne einen Cent zu besitzen angekommen und der Mavor veranlaßte ihre Festnahme. Die jugendlichen Ausreißer gaben an, in 640 Laurel Straße hier, zu oh nen, doch eine derartige Adresse ließ fich nicht ermitteln. Der ll.jührige JaS. Turnier, 232 Detroit Ave. uud der ll.jührige Wal. ter Manford. 240 S. Arsenal Str., die ihren Eltern hier entlaufen waren, wurden in Shelbyville, Ind., ver haftet. Commercial-Clnb. Präsident A. F. Potts ernannte fol. gende Herren als NominationS'Comite für die am 13. Februar stattfindende Directorenwahl: Major W. I. R! chardS, Vorsitzender; Richter Henry C. Allen, Thomas H. Spann, William L. Elder und E. I. Ritchie. Das Comite wird seinen Bericht. bis zum 15. Januar abgeben und Secretair McClure die Namensliste der Nominlrten bis zum 20. Januar bekannt geben. Bon Appellationögericht. Der Kontest über die väterlichen und mütterlichen Großeltern von Ruby und LenniS Miller, der darüber entstand, wer von beiden Partelen das Erzieh ungSrecht über Ruby und LenniS und die Kontrolle über deren Eigenthum ausüben soll, wurde vom Appellation? gericht zu Gunsten von Matilde Booth, der väterlichen Großmutter entschieden. C. 'H. I o h n st o n von No. 1134 Laurel Straße hat die Polizei benach sichtigt, Ausschau nach seiner 14jühr. Toqter Eunice zu haltm, die feit vor gestern vermißt wird.
Liegt Verbrechen vor? Am 27. Dezember v. I. starb, wie zur Zeit in unserem Blatte berichtet, in einem Hotel in Colorada SpringS, Colo., Herr Frank B. Schmid von hier; nach dem damals bekannt gegebenen Gutachten der Aerzte an einem Herzfchlage. Als die sterblichen Ueber
reste hier ankamen und von den Freunden des Verstorbenen vor der Bestattung ein letztes Mal in Augenschein genom' men wurden, zeigten fich am Hals und Kopf des Körpers frische Wunden, welche die Vermuthung nun laut werden lassen, baß der Verstorbene auf ge waltsame Weise um'S Leben gekom men ist. Nach de, den plötzlichen Tod beglei tenden Umstünden scheint die Annahme, daß ein Verbrechen begangen wurde, allerdings absolut ausgeschlossen zu sein. Herr Schmid hatte kurz vor feinem Tode einen Angestellten seines Colora do'er Geschäft? Unternehmen wegen begangener Unredlichkeiten entlasten müssen. Dieser Mann folgte ihm an dem verhängnißvollen Tage überall hin, bis demselben mit Verhaftung ge droht wurde. Der Verdacht aber scheint weit hergeholt, daß der Gemaßregelte, um sich an seinem früheren Arbeitgeber zu rächen, einen thätlichen Angriff auf denselben verübte, wenn auch nicht die Absicht vorlag, einen Mord zu begehen. Ein Raub war jedenfalls nicht beab sichtigt, da die Uhr und der Diamant Ring, sowie eine beträchtliche Menge Werth'Paplere an der Leiche vorgefunden wurden. Wenn sich nachweisen ließe, daß ein thätlicher Angriff auf den Verstorbenen stattgefunden hat, so würde das aller dingS immer noch nicht die Unrichtigkeit des ärztlichen Gutachtens bedeuten, da eine durch einen solchen Angriff her vorgerufene natürliche Erregung sehr wohl einen Herzschlag als unmittelbare Todesursache herbeiführen kann. Im Ganzen genommen scheint die von den Behörden in Colorado Springs vorgenommenen Untersuchung eine ziemliche oberflächliche gewesen zu fein. 30er Gegenseit. UnterfiutznngsBerein der deutschen Frauen No. l. In der Wohnung der Frau Borger, No. 1415 OrangeStraße, fand am Mittwoch die monatliche Versammlung des 30er Frauenvereins statt. Folgende Beamte wurden für daS Jahr 1906 erwählt: Präsidentin Louise SommerS. Vice.Präsidentin Minna Stoffke. Secretairin Minna Höltkemeier. Schatzmeifterin Louise Röpke. TrufteeZ Katharina Hambreith und Karoline Möller. Ferner wurde beschlossen, das 12. Stiftungsfest des Vereins am 7. Fe. bruar cr. bei Frau Louise Röpke, No. 1038 Virginia ' Avenue, abzu. halten. Coronerö-Osfice. Der Brief, der in französischer Sprache abgefaßt und unter den Sachendes verstorbenen Julius Kegler gefunden wurde, der Morphium in selbstmörderischer Absicht an Obio Str. in letzter Woche verschluckt hatte, ent. hielt nichts als eine Beschreibung In dianapoliS, die der Selbstmörder einige Tage vor seinem Tode abgefaßt hat. .Coroner Tuteweiler hatte angekün digt, daß wenn öiö heute Morgen die sterblichen Reste Keglers nicht von dessen Verwandten verlangt werden, dieselben einfach auf dem Mt. Jackson Kirchhof zur ewigen Ruhe bestattet würden. DaS zur Beerdigung nöthige Geld wurde durch eine Kollektion unter den weißen Kellnern der Stadt aufgebracht. Feuer. Im Laden des Schneidermeisters David Schneidermann, 303 Massachusetts Slve., brach ein Feuer au?, wel cheS jedoch bald gelöscht wurde.
Franklin-Mozart Feier. Eine wahrhaft erhebende Feier war eS, die gestern Abend im Auditorium des Deutschen HauseS vor einer recht zahlreich erschienenen Zuhörerschaft zum Andenken an die beiden Unsterblichen: Benjamin Franklin und Johann Mo-
zart stattfand. Die Einleitung bildete ein Piano Duett: Minuett und Allegro auS der dritten Symphonie, mit gewohnter Musterschaft von den Damen Fräulein Paula Kipp und Fräulein Amy Mar tin zu Gehör gebracht. Die vielen feinen Nüancen der Compofition kamen trefflich zur Geltung und die technischen Schwierigkeiten wurden spielend über wunden... Herr EvanS.Woollen hatte eS übernommen, den Zuhörern daS Leben und Wirken Benjamin Franklln'S in'S Ge dächtniß zurück zu rufen und entledigte er sich seiner Aufgabe in anerkennenS werther Weise. Er sagte u. A.: Benjamin Franklin, der als Sohn armer Eltern gebore wurde, dem in Folge dessen die Mitte! fehlten, sich eine umfassende Bildung anzueignen, brachte eS durch eisernen Fleib dahin, daß kein anderer Mensch der Welt den mit Bezug auf ihn gebrauchten Ausdruck der Vielseitige" mehr verdiente, als er Schriftsetzer und Herausgeber, Schrift fteller und Journalist. Wissenschaftler und Erfinder, Philosoph und Musiker, Philanthrop und Reformer, Weltmann und Höfling, Politiker und Diplomat. Alle das war er und mehr. Horace Greeley sagte von ihm: Ich liebe und achte ihn. als Schriftsetzer, der sein Brod sauer verdiinte; als Emporkömm ling, der, als er die Höhe erreicht hatte, der einfache Mensch blieb, als welcher er feinen Ausstieg begonnen hatte; als Staatsmann, der feine Mitmenschen nicht , durch langathmige Documente und Reden quälte; als Diplomat, der alle Intriguen haßte; als Philosoph, der nie liebte und als öffentlicher Beam ter, der nie stahl. In Philadelphia ging er seinem Handwerk als Schriftsetzer nach und bis an fein Lebensende war er stolz auf dieses sein Handwerk. Sein Tefta ment beginnt er mit den Worten: Ich. Benjamin Franklin, Schriftsetzer, spä ter bevollmächtigter Minister der Ver. Staaten von Amerika am französischen Hose und jetzt Präsident des Staates Pennsylvanien." Er gab die erste halbwöchentliche Zeitung in diesem Lande heraus, in welcher er zuerst gegen die Sklaverei zu Felde zog und in welcher die erste No velle erschien, die jemals in Amerika gedruckt wurde. Sein einziges Buch Pooi Richard'S Almanac" behauptete seinen Platz hundert Jahre hindurch in allen Häusern, in denen auf Bildung Anspruch erhoben wurde. In Father Abraham'5 Speach" lrhrte er der Mitwelt die Kunst, in der er selbst Meister war, die Kunst zu leben. Franklin war einer der Verfasser der UnabhängigkeitS'Erklärung. Im Alter von über siebzig Jahren wurde er in diplomatischer Mission nach Frankreich gesandt und George Bancroft sagt von ihm: Er war der größte Diplomat deS sechSzehnten Jahr Hunderts." Benjamin Franklin ist eines ehren den Gedenkens würdig, war er dooj Einer der Gründer unserer Nation, Einer unseres großen Triumvirats, ohne ihn wäre Washington nicht der Vater deS Landes geworden, welches Lincoln rettete. Herr Richard Lieber gab in seinem Vortrag über Mozart, der die Zuhörer von Anfang bis zu Ende fesselte, einen Kultur.Rückblick in solch' vollendeter Weise, daß eS wirklich bedauerlich ist. nicht mehr Raum zur Verfügung . zu haben, um den Vortrag in vollem Wortlaut wiederzugeben. Herr Lieber sagte u. A.: Der deutsche Genius sagte Ri chard Wagner scheint bestimmt zu sein, daS, was seinem Mutterlande nicht eingeboren ist, bei seinen Nach barn aufzusuchen, dies aber aus seinen
engen Grenzen zu erheben und somit etwas Allg e, mein e S für die ganze
Welt zu schaffen. So sehen wir denn, daß ein Deut scher eS war, der die italienische Oper zum vollkommenen Ideal erhob und sie auf diese Weise zur Universalität erweitert uny veredelt der Welt schenkte. Dieses deutsche, dieses größte und glücklichste Genie war M o z a r t." Mozart und Goethe, Beethoven und Schiller gehören zusammen. Ist doch die klassische Zeit der deutschen Dichtung auch die klassische Zeit der deutschen Musik. DieselbeGedanken' und Stimmung? wett, dieselbe gesteigerte GesühlSinner lichkeit, welche ihren dichterischen Ausdruck in Goethe und Schiller fand, fand ihren musikalischen Ausdruck in Mozart und Beethoven. Vor 150 Jahren, am 27. Januar 1756 wurde Mozart geboren und am 5. Dezember 1791 starb er, erst 35 Jahre alt. Staunend gehen wir vor der Fülle des Unvergänglichen und Außerordent lichen, das in diesen kurzen Erdentagen entstand, und um so unbegreiflicher ist die Thatsache, daß Mozart, der jüngste der sechs Großmeister, der deutschen GenieEpoche zugleich das Allumfas sendste, der Universal sie ist. Im Iah 1780 stand er mit 24 Jahren auf der Höhe seiner unvergleichlichen Meisterschaft. Als epischer, lyrisa)er und dramatischer Dichter hat er unS unvergängliche Meisterwerke, im Gan zen nicht weniger als 626 vollständige Tonwerke hlntcrlassen. Von seinen Liedern sang man heute Abend Goethe's Veilchen". Mit mei. sterhafter Kunst verkörpert Mozart in diesem Liede die a l l g e m e i n erst viel später gefundene Technik deS durchcomponirten LiedeS. Daß nach mehr als 100 Jahren fünf von Mozart'S Werken noch zu den LieblingS-Opern der gebildeten Welt gehören, ist gewiß ein glänzendes Zeug niß ihrer Lebenskraft. ES ist eine gar traurige Betrachtung, daß der Dichter der göttlichen Mel? dieen, daß der als Kind an Fürsten Höfen gefeierte Künstler trotz feines stetig wachsenden RuhmeS gänzlich mit telloS dastand, so daß er nur ein Armen begräbntß erhielt. Lauter Beifall dankte dem Redner. Fräulein Auguste Rentsch errang mit ihrem Sopran-Solo D5 Veilchen" nicht endenwollenden Beifall; sie verstand eS. daS schwierige musikalische Colorit deS TonwerkeS in nahezu künstlerischer Weise wiederzugeben. Hierauf folgte der. von Mitgliedern deS MusikvereinS in ausgezeichneter Weise zu Gehör gebrachte Priesterchor auS der auberflöte" und den Schluß der Feier bildete eine gesellige Unter Haltung im Kellersaal. Prügel für Kugeln Der gefährlichen Schußwunde nicht achtend, die ihm der 17 Jahre alte Sohn beigebracht hatte, prügelte ein Elmer E. Bush in Grand Rapids, Mich., den Jungen weidlich durch, ehe er infolge des Blutverlustes bewußtlos zusammenbrach. Zwischen Vater und Sohn war während des Frühstücks ein Streit entstanden, weil der Sohn sich geweigert hatte, zur Arbeit zu gehen, und schließlich zog der Sohn einen Revolver aus der Tasche und feuerte auf den Vater. Die Kugel drang in die linke Schulter und blieb im Rücken stecken. Trotz der schweren Verletzung verfolgte der Vater das Bürschlein in's obere Stockwerk, fing ihn und gab ihm eine tüchtige Tracht Vrügel. Blinder Veteran. In Wittenberg, Provinz Sachsen, starb der im 69. Lebensjahre stehende Kriegsinvalibe Weber. Er hatte in der Schlacht bei Königgratz 1866 infolge eines Schusses durch die' Schläfe das Augenlicht auf beiden Augen verloren. Weber hate sich bei Ausbruch des Krie. ges verheiraten wollen; seine Braut bewahrte ihm ihre Liebe und vermählte sich nach dem Feldzuge mit dem erblindeten Manne. Eine Menge Wohlthä ter fand sich bereit, das Schicksal We bers durch Spendung von Geldmitmiteln lindern zu helfen. Zu diesen Wohlthätern gehörte auch der verstorbene Reichskanzler Fürst Bismarck, der dem Unglücklichen eine bis an dessen Lebensende zahlbare Unterstützung von jährlich 300 Mark aus seinen Privat. Mitteln aussetzte.
Nachrichten aus Jndiana. Mari cn, II. Ion. Robt. Woods griff Charles Maggart in der White Swan Schankwirtbschaft an und brachte ihm mehrere Wunden bei. South B e n d, 11. Jan. Auf der Farm des Herrn Studebaker si nd 13 Kälber an einer Seuche plötzlich gestorben. Die Thierürzte haben die Art der Seuche noch nicht festkellen können. New A l b a n y, 11. Jan. In einem Sarge, der unter feiner' Anlei tung während seiner Krankheit herge stellt wurde, wurde John Wilson, ein exentrischer Charakter, cuf dem Kirch Hof in Buene Bista, 18 Meilen von hier begraben.
Richmond, 11. Jan. John Gregory, 71 Jahre alt, ein sehr be kannter Colonialwaaren - Händler in Richmond versuchte sich gestern zu er schießen. Trübsinn über eine Krank heit und Familienscenen sollen die Ursache sein. Die Aerzte bezweifeln seine Genesung. Gregory war kürzlich erst auf Grund seiner Famillenscenen vor Gericht gewesen. K o k o m o, 11. Januar. Frank Revolt. Angestellter der Papierfabrik in Kokomo, silnd gestern beim Leeren der Behälter, welche unbrauchbare? Pa Vier enthalten, eine Kette mit einem Medaillon im Werthe von S100. DaS Medaillon war in Diamanten und Perlen gefaßte Bor 2 Wochen wurde ein ähnlicher Fund gemacht, für wel chen ein Händler in Kokomo $125 6c zahlte. P o s e y v i l l e, 11. Jan. Joseph Nutrey, ein junger Sohn von William Nutrey, welcher in dem County westlich von Poseyville wohnt, ist gestern an Wunden gestorben, die er beim Spie len am WeihnachtZtage erhalten hatte. Nutrey spielte mit feinen Freunden Polizei". Er widersetzte sich seiner Verhaftung und wurde von dem Freunde, welcher als Sheriff funglrte, mit einer Platzpatrone angeschossen. Der Pfropfen der Patrone ging durch die Kleider des Nutrey und verletzte denselben am Rückgrat. Sensationelle E nZt h ü l l. ungen imEacock Prozeß. Lafayette, 11. Jan.FBei der Verhandlung des Prozesses gegen ' den Anwalt Joseph D. Eacock wegen Er Pressung kam eS heute zu jsensationellen Enthüllungen. Nachoem ihr Straflosigkeit zuge sichert worden war, sagte Frau Lul' Bessie GrimeS auf dem Zeugensta'aus, wie sie von dem Angeklagten ver anlaßt wurde, William E. ttessler, einen reichen Mann in ihren Netzen zu fangen und gab zugleich eine Dar ftellung aller ihrer Handlungen. Um einen öffentlichen Skandal zu. vermeiden, wurde der Düpirte später durch Drohbriefe veranlaßt, $250 W. Eacock zu blechen, wovon die GrimeS $75 als Sündenlohn erhielt. Einer anderen Zeugin, die ebenfalls gegen den sauberen Rechtsverdreher aussagen soll, hat man noch nicht hab hast werden können. I e f f e r s o n v i l l e, 11, Jan. Die Druckerei der Reformanstalt in Jeffersonville wird in aller nächster Zeit ein Verbrecheralbum herausgeben, welches 150 Photographien von flüch tigen und vorläufig freigelassenen Ge fangenen, welche fich jedoch unter poli zeilicher Aufsicht befinden, enthalten wird. Dies Album soll eine bessere Kontrolle über die freigelassenen Ge fangenen bezwecken. Kopien dieses Albums werden an Strafanstalten, Polizeihauptquartiere in größeren Städten und Gheimpoll zifteN'Agenwren geschickt werden. Die meisten Bilder find von der freigelas senen Klasse. Eine Belohnung für Festnahme dieser Gefangenen- ist gefetzt worden. 25c für diejenigen, welche ihre Freiheit übertreten und 50c für Flüchtlinge der Anpalt. Dieses Buch soll eine größere Wirksam keit in dem Zurückbringen von Cefan genen, welche das ihnen geschenkte trauen mißbrauchen, verursachn.
