Indiana Tribüne, Volume 29, Number 117, Indianapolis, Marion County, 10 January 1906 — Page 6

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ZZlumenregen. Skizze von H. 21. Neval. Sie wohnte im Keller mit ihre: Mutter. Die abaehärmte, vergrämte Frau, die selten sprach, .vertrat ,die Portierstelle in tem Hause.

Das Zimmer war ja ganz schon, Iaa wie in einer misgebauchten Nische und war oben mit einem Gitter bedeckt, das flach mit der Pflasterung des Würgersteiges lag. Ob die Eisenstäbe oben horizontal abschlössen oder das 55enster vertikal verbauten so oder so glich es einem Gefängniß. Doch was wußte das nmb vom Ge fängniß! Trotzdem es nichts hatte. w5.s sein kleines Herz hätte erfreuen können, erschien thm doch die Welt voll Glanz und Licht, eine Welt ungeahnter, unausgesetzter Geheimnisse. Was hatte dtnn die Kleine bls ?ekt gesehen? Durch das Gitterdach des Fensters ein tuckchin Himmel, das meist trub, grcru, dunkel oder regnerisch aussah.' oder den engen, stickigen Hof, in dem die Mutter zusammenfegte. um 'den Staub rn w hohen Mullkästen zu werfen, welche zweimal so hoch waren, wie Lottchen selbst. O, wie viel Geheimnisvolles bürg. doch solch ein Müllkasten! Wie schön wäre es qewcien, den auszuleeren, die einzelnen Sachen zu sortiren und Päckwen mit egalen Gattungsstuaen zu machen: hier ein Päckchen mit Holz, dort eins mit Schachteln, dort wieder eins mit Papier und dort in. der Ecke die aebrauchten Konserven büchsen aufzustellen in Reih' und Glied! Neulich neulich da sah oben, da der Müllkastendeckel nicht ganz zuging, eine lolcye blanke Ztonservenbuchse crus gelbem Mull heroor. Lottchen 'mochte sich so hoch stellen, wie sie wollte, sie erreichte das Ersehnte nicht. Und als die Mutter bemerkte. was sie wollte, erhielt sie einen Klaps und die Worte zugerufen: Laß doch det dreckige Zeugs!" Und 's wäre och so schön gewesen, wenn sie hätte ein Bandchen daran binden können. um damit als Kutscher und Wägelchen im Hof herumzurattern! ' Ab und zu durfte sie auch Mit Muttern vor's Haus, wenn dort gefegt wurde. Ah, da war's schön! Erstens die dielen Wagen, die vorbeifuhren die hastenden Menschen, die freie Aussicht die grünenden Bäume und Büsche der Mittelpromenade! Gott, was gab's danicht alles zu seben! Und 'das Schönste das Schönste war vom das Blumengeschäft vorn! Was gab's da nicht für schöne Blumen und Topfe hinter dem Schaufenster, die alle auf grünem Sammet standen und lagen! Da konnte Lottchen immerzu stehen und hineingucken, besonders wenn Abends die glänzenden flammen angesteckt waren und sich m den Seitenspiegeln abspiegelten! Wie die Pflanzen und Blumen hießen, natürlich das blasse, schmächtige, kaum fünfjährige Kind nicht. Wer sollte es ihm denn auch gesagt haben?! Einmal ,m Ho? send sich em verwelkter kleiner Strauß, der vom aufgehäuften Mull herabgefallen war. Heimlich hatte ihn Lottchen an sich genommen und unterm Schurzchen versteckt. Unten in der Kellerstube dann, als Mutter weg war und sie eingeschlössen hatte holte sie die trockenen Blumen hervor, löste das sie umwindende Band, legte leye Blume einzeln und beaann B lumenverkaufen" zu spielen. Das war ein schöner Tag! Wie einen Schatz verwahrte sie die immer mehr dertrotnenden Blumen, damit sie ihr von der Mutter ja nicht weggenommen wurden. Aber ein noch schönerer Tag kam. Der Gärtner oben hatte wohl die Vor liebe des Kindes für Blumen entdeckt und ihr einmal, als sie gerade sehnsüchtigen Blickes vor der Uuslge die Blumentöpfe betrachtete, v?ei gelbe, große Margueriten geschenkt ganz frische Margueriten, keine verwelkten. Die schönen, schönen Blumen! Weniastens zehnmal am Tage gab sie ihnen frisches Wasser, damit sie nur ja frisch vlieven. Der Frühling kam, und Lottchen wurde Tmmer kränker und kränker. Die kleine Brust quälte sich mit ras selndem Athem Schwindsucht! Der Vater lag schon längst in einer Heilanstalt für Schwindsüchtige, ohne daß er sterben konnte. Sein Kind sollte ihm folgen. Wohl merkte die Mutter, daß ihr Kind immer kränklicher urfd schwächer wurde; doch glaubte sie, daß es mit der schönen Witterung wieder besser würde. und hielt es deshalb nicht für nöthia den Arzt zu fragen. Ja, so 'ne Kellerwohnung da rs .det immer so Na und die Dokters die können einem ooch nischt ändert sagen. Die lockende Sonne erforderte, daß die Blumentöpfe hinausaestellt wurden. sowohl in den kleinen Vorgarten als auch auf -das breite Bord, das sich längs des Schaufensters dahinzog und das gerade über dem Gitter laa. das das Kellersenster abschloß. Sehnsüchtig cruckte Lottchen nach oben, um die über dem Bororett her überhängenden Fuchsien oder Pelargo nienblüthen zu erschauen. Stunden lang konnte sie unten am offenen Fen ster liegen oder in die kleine Nische krie chen, die vo? dem Fenster lag und als Decke das Eisengitter hatte. Qhre

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Haschen faßten in die Luft, als ob j Staaten befinde so mußte StaDt einen Extra - Genu unentes die .Blüthen erhäschen wollte, indem der Abstecher nach der Stadt m Texas geltlich zu bieten. .Freilich." so hieß sie. dabei leise lächelnd vor sich bin mur- ha f den gefeiertsten es in der Mittheilung, .habe sich auch melte: ..Blumen! Blumen!" ' li!0r Amerikas doch immerhin m Mr. Webster die Gewinnung des beAnd "wenn der Wind ging, wehte er schönes Summchen kosten. m ! rühmten Gastes eine Riesensumme

wohl ab und zu eine Blüthe hinab ' . ' ' 7 rw n wv vtutijw titttuv durch das Gitter, ohne zu wissen, welrf tmt kmii Wm im n m " U v...... vvit miHl, UVI41VM Menschenkinde da unten bereitete. Auch j . ' ihr ssp2 nnf, v,rS, ss,2

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?""5 & vuw fr,imSpn r.;n oie 10 Ivar nen tarnen zu a-mmen; kaput ginge", aber sie konnte nichts da- freunden sein Mittagessen einnahm, ü Juweliere der S adt besäen tbun. ' .sagte einer der Herren, aussen bedie-

Des Abends vor dem Hineinneh"i

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Moment; da pflegte derGärtner oben die welken Blüthen der Töpfe abzuzupfen und einfach fallen zu lassen. Sie fielen dann durch das Gitter hinab Zn die Fensternische der Portierwohnung. chon lange vorher stand Lotte auf der Lauer, bangen, 'erwartungsvollen Blickes nach oben starrend, wann das Wunder wohl beginnen mochte. Sobald die Blüthen anfingen, herabzuschweben. bekam die Kleine einen rothen Kopf, ihre Lippen öffneten sich, die Finger spreizten sich auseinander so stand sie wie faszinirt, regungslos. Allmählich verklärte sich ihr Gesichtchen, und ihre Lippen murmelten mit seligem Ausdruck: Der liebe Gott hat Blumen geregnet!" Denn anders konnte sie sichren Bl!ithenfall nicht erklären. Das waren die Sonnenblicke ihres Lebens, das so rasch erlosch, trotz der siegreichen Sonne. ,Balo darauf . als Lottchen gestorben war lauerte die Mutier angstvoll, den Blick von Thränen versch'leiert nach oben gerichtet, vor dem Fenster aus den Blumenregen. Hatte sie auch früher auf das 'Sichhaben" des Kindes gescholten, jetzt brannte die Sehnsucht in ihrem Herzen nach der Kleinen. Wie glücklich wäre sie gewesen, wenn Lotte noch dastände, nach oben starrend und auf den Blumenregen hoffend. Doch heute kamen nur wenige Bluhen herab. Sorgsam las sie sie auf und streute sie über dj? kleine Leiche, während ihr Thränen über die vergrämten Wangen rollten. Abends fand sie der Gärtner immer um den Vorgarten herumgehen, oder vor dem Fenster stehen. Sie wagte nicht zu reden. Endlich nahm sie sich ein Herz und fragte: Meester, haben Sie heute keene olle Blumen nich? Und wenn's nur etwas Meine Kleene na, Sie kennen ihr Za.ooch is i jestorben." Der Gärtner war kein Mensch, der gern eine Rührung verrieth. Drum erwiderte er in seiner trockenen Ma nier: Na, 's is.ja gleich neune. Nehmen Sie mal den sanzen Schnittkram mit so! Die losen Blumen. Morgen, kann man sie doch nicht mehr verkaufen. Ick schick' Ihnen denn einen Kranz herunter!" Die Frau wollte dem Zungen Menschen dankend die Hand küssen, die er ihr unwillig, beinahe barsch entriß. um hinter sich die Thür klirrend in's Schloß zu wersen. Und wahrend er oben den Kranzbuqel machte und hn mit Tanne unterband, schüttete das arme Weib unten einen wahren Blumenregen, über die Todte. Es war ihr, als hätte .das Kind gelächelt. Per falsche ZN rl: Twain. Cine lustige Gauneraeschichte von Eugen Jsolani. Die lustige Gaunergeschichte, die ich berichten will, ereignete sich vor ein vaar ftafaen in einer Stadt im Staate Texas. Das Interesse für die Literatur ist in dem Orte ein reges, und e:n lite rarischer Verein hat zahlreiche Theilnehmer, die den Vorträgen, welche daselbst gehalten werden, aerne lauschen. Man kann sich daher leicht die freudrge Aufregung in nem Vereine vor stellen, welche ein Mitglied desselben. Mr. Webster, durch die Nachricht her vorrief, daß er auf seine eigenen Kosten Mark Twain, den berühmten amerikaNischen Humoristen, kommen lassen wolle, damit er im Verein ein paar seiner Humoresken vorlese. Mr. Webster war ein reicher Kaufmann des Ortes, der durch den Verkauf von Baumwolle nach t?ngland sich I t - i i ? y. i rn i iurzer eii ein lucyirges vermögen erworben hatte. Er hatte den Ehrgeiz, eine Rolle zu spielen, aber weniger geistige Befähigung dazu. Im 111 lr f (Ort V . - rni l mccuciimen verein, oern ai& aiii glied angehörte, sah man ihn stets über die Achseln an. Das geulrte ihn aber nicht, auch dort daS große Wort zu führen und Anträge zu stellen, die meist abgelehnt wurden. Nun aber mußte man ihn endlich auch im Verein anerkennen, da es ihm gelungen war, den berühmten Mark Twain für einen Vortrag zu gewinnen, und dazu konnte er noch als Macen sich feiern lassen, denn er war es ja, der ganz allein die Kosten für den großen Genuß, den er den Bewohnern des Ortes bieten wollte, zu tragen sich erboten hatte. Die UneigennlltzigZeZt Mr. Websiers hatte eigentlich am meisten Staunen hervorgerufen, denn derselbe war nicht nur als reicher Kaufmann, sondern auch als ein sehr geiziger Mann im Orte bekannt, und wenn man auch durch Mr. - Webster vernahm, daß Mark Twain sich ruf einer Reise durch

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ryvY rv, cr i Mari Twam-Vortrag gekommen war, wußten freilich feine Mitbürger mcht. . . jri war eine ganz eigenthümliche Gerrvt(t jfrtn MIInrf ivvtv vT luiu41.. vi.uv ujvuyt viivu uuumu, " "7. l5lU tt."4"11""" uno als zi unlermeas Mil ne Malisenden Kellner weisend: Donnerwe,-, Aehnlchkeit mit Mark Twain! Das ist mir schon oftmals gesagt worden!" rief der Kellner aus, der jene Worte gehört hatte. Das hatte nun in dem Kopfe des schlauen Mr. Webster gewirkt. Er nahm sich, als er allein war, den Kellner, der dem Mark Twain ähnlich war, vor, fragte ihn, ob er gut lesen könne und ob er sich einen guten Extraverdienst machen wolle. Das erste bqahie der Kellner, und auch die zweite Frage verneinte er nicht. Und so rückte denn der smarte Mr. Webster mit dem Vorschlage heraus, daß der Kellner als Mark Twain auftreten solle. Da er ja nur aus den Büchern Mark Twains etwas vorzulesen brauche, sei die Aufgabe nicht sehr schwer, die er zu lösen habe. Na, der Kellner ließ sich nicht lange bitten. Mr. Webster ließ sich noch vorslchtshaloer von ihm aus einem Mark Twain'schen Buche, das er kaufte, etwas vorlesen, und als der smarte Kaufmann sah, daß fein falscher Mark Twarn so gut lesen konnte, wie ern echter, wurde man handelseinig. Ueber den Tag. da die Vorlesuna in dem Orte stattfinden sollte, wollte ihm Mr. Webster noch Mittheilung machen. So war man auseinander aeaanaen. nachdem noch Mr. Webster den Kellner genau instruirt hatte, daß er den Leuten fagen müsse, er erhalte von Mr. Webster baare 500 Dollars und dazu die Reisekosten ersetzt. Unter dem würde er nicht nach Texas gekommen sein. Kaum aber war Mr. Webster fort. da überlegte sich der falsche Mark Twain die Angelegenheit noch einmal ganz allein. Er fagte sich, wenn er für den reichen Kaufmann den Mark Twain spielen solle, so müsse sich der auch die Sache etwas mehr kosten lassen. als nur zehn Dollars, die ihm versprochen worden waren. 'Und demgemäß trat er denn auch auf, als der große Tag seiner Vorlesung herangebrochen ton. Mit Mr. Webster hatte er verabreder, daß er so spät wie möglich eintreffen würde und sofort nach dem Vortrage wieder abreisen müßte. Von diesen Programmnummern führte er nur die erste aus. Als nun der Vorsitzende des literarischen Vereins den illustren Gast in einer feierlichen Ansprache begrüßte und sein Bedauern darüber aus sprach, daß sich der 'berühmte Schriftsteller nur so kurze Zeit in der Stadt aufhalten konnte, .und daß der Verem da her leider nicht rn der xaat sei, zu Ehren eines so hervorragenden Gastes ein: Festsitzung zu veranstalten, da überlegte sich der falsche Mark Twain, der etwas berauscht von dem ihm entgegentönenden Jubel war, den er er regt hatte, und sagte zum Schrecken des Mr. Webster, daß er, durch den unerwartet freundlichen Empfang bewogen. doch noch die Nacht über und oen nach sien Tag bleiben wolle, was ungeheure Freude bei allen Bewobnern der Stadt erregte. Die Vorlesung ging denn auch so ziemlich gut vonstatten. Als immer wieder Beifall aeklatsch wurde und Mark Twain" immer noch etwas zugeben sollte, entschuldigte er sich schließlich, daß er nun doch müde sei und sich in's Hotel begeben müßte natürlich hatte er das beste Hotel des Ortes gewählt . daß er aber verspreche, bei einem zwanglos gemüthli chen Aben, zu dem sie morgen zusammen kommen sollten, seinen begeisterten Verehrern noch mehr zu bieten. Jetzt müßte er unbedingt das Nachtlager aussuchen. Mit einem jubelnd aufgenommenen Guten Tag! Auf moraen denn! schied er aus dem Kreise seiner begei sterten Verehrer, nur begleitet von Mr. Webster, der dem Kellner nicht geringe Vorwürfe machte, dan er so unprogrammmäßig sich .benommen habe. Er wollte ihn nun überreden, gleichwohl sofort abzureisen, doch wußte ihn der Kellner sehr leicht 'davon zu überzeugen, daß das unmöglich sei, denn er könne nicht auf Kosten des echten Mark Twain sich so verdächtig benehmen. Da würde man ja sofort den Betrug entdecken. Na, das sah-denn auch Mr. Webster ein und machte gute Miene zum bösen Spiel, indem er ihn für den anderen Tag zum Mittagessen einlud. Habe ich ihn unter meinen Fittichen, dann kann er wenigstens keine Dummheiten machen !" so mochte er licy oenlen. Der falsche Mark Twain aber las am anderen Moraen die begeistertsten Berichte über seine Vorlesung in der Zeitung, in der natürlich auch nicht die freudige Mittheilung fehlte, daß sich der 'kochyerzige, berühmte Schriftsteller freundlichst herbeigelassen habe, . noch mn selben Abend den Bürgern der

ew losten lassen.' ....

Als der falsche Mark Twain die letzten Zeilen las, schmunzelte er ganz y. jv..vir . WtilHtlV V besonders, denn nun konnte ihm die 1 . ' VTitgF hrirnrr i np3 nrf.ifunS ftnr sten Geschäften der 5tflM h sanft. .T" ; " l' Besu. Uebll erzählte er, daß er Mittags bei Mr. Webster zu Gast sei, da würde er sein Honorar empfangen. augenblicklich habe er nicht genügend Geld bei sich er würde den Betrag am Nachmittag senden. ' Wer würde einem Mark Twain nicht trauen, in allen Läden war sein Porträt ausgestellt, dazu waren die Kaufleute sämmtlich in der gestrigen Vorlesung gewesen und wollen dem heutigen Abend beiwohnen, zu oem noch eine besondere Ehrung des berühmten Schriftstellers vermuyet war. So suhlte sich zeder geschmeichelt, daß Mark Twain bei ihm kaufte, und mit der geringsten Muhe scharrte der Kellner für einige tausend Dollars Kostbarkeiten zusammen. Mittags aber, als Mr. Webster seinen Gast erwartete, kam ein Briefchen, das etwa den folgenden Inhalt hatte: Verehrter Mr. Webster! Ich habe soeben ein Telegramm erhalten, das mich schleunigst zur Abreise zwang. In den nachfolgend benannten Geschäften yaoe ich einige Einkaufe gemacht: die Rechnungen, bitte ich Sie sofort von meinem Honorar zu begleichen. Im literarischen Verein übernehmen Sie . s es 1001)1, Tnict) ver meinen zaktreicken Verehrern zu entschuldigen und ihnen meine Grüße zu überbringen. Mark Twain." Was sollte Mr. Webster thun? Er mußte zahlen, sonst war er bei seinen Mitbürgern fernerhin unmöglich. Dito Eine hübsche Anekdote über das Wörtchen Dito" wird neuerdings von deutschen Blattern wieder in Erinnerung gebracht: In den sechziger Jahren wohnte in Nordhausen ein Bäckermeister, der nicht gerade zu den Intelligentesten gehorte. Er erhielt wie üblich zu Neujähr seine Rechnungen. Zunächst kam eine Rechnung über verschiedene Lieferungen Weizenmehl. Bei den Wiederhoiungen hatte ,der Mehlhändler auch die Wörtchen dito dito" angewandt. Der Bäckermeister, der von der Bedeutung der Wörtchen keine Ahnung hatte, schrie den Boten an. Jch habe doch von Ihrem Herrn kein dito gekauft , nahm die Rechnung und eilte wuthentbrannt zum Mehlhändler, um ihn zur Rede zu stellen. Nachdem der ihn aufgeklärt hatte, ging er nach Hause. Kaum war er dort angekommen, so bringt ein Schlosserlehrling eine Rechnung über gleichlautende Lieferungen, bei der der Meister auch das Wörtchen dito" gebraucht hatte. Der Bäckermeister, der nun stolz auf sein Wissen vom dito" war, schrie den Lehrling an: Was, dito? Dein Meister weiß wohl nicht, was dito heißt? ' Dito heißt Weizenmehl!" Offenbar das Verlangen, die Dampfspritzen Ler Feuerwehr wieder einmal in Thätigkeit zu sehen, trieb einige Jungen, in der Wirthschaft des William Hoffmann in Newark, N.J., zweimal Fuer anzulegen. Hoffmann entdeckte das erste Feuer im Hausgang und löschte es mit einigen Eimern Wasser. Etwa drei Stunden später sah man Rauch aus dem Hausgang dnnaen und fand einen Haufen Papier in hellen Flammen. Auch dieses wurde rasch und ohne Hüse der Feuerwehr gelöscht. Beide Male machte sich ein starker Vetroleumqeruch bemerkbar. und bei näherer Untersuchung gewahrte man eine kleine Flasche, die noch etwas von dieser Flüssigkeit enthielt; auch stellte sich heraus, daß die ersten vier Stufen der Treppe mit Petroleum getränkt waren. Die jugendlichen Brandstifter wurden verhaftet, kamen jedoch diesmal noch mit einer Verwarnung davon. Dieser Tage sollte in der Bundeshauptstadt die feierliche Trau ung von Frl. Stella Baker mit Herrn Alphonso Zelaya, Sohn des .Präsiden ten der Republik Nikaragua, stattfinden, doch die Braut wartete vergebens auf den Bräutigam, welcher auf An ordnung des gestrengen Herrn Papa gewaltsam durch Geheimpolizisten entführt wurde und sich jetzt schon auf der Heimreise befindet. Der junge Zelaya war zwei Jahre als Kadett aus der Militärschule zu West Point gewesen. hatte dann die Ackerbauschalle von Maryland besucht und stand unter der Obhut des Senor Don Louis F. Eorea, Gesandter von Nicaragua in Washington, welcher dem Präsidenten Zelaya Mittheilm?g über das LiebesVerhältniß des zungen Studenten gemacht hatte, worauf die Polizei er sucht wurde, ernste Schritte zu thun, um die Trauung zu verhindern. Frl. Baker glaubt, daß ihr Geliebter sie nicht verlassen, sondern bald zurückkehren wird, um sie zu heirathen, so bald er die Einwilligung des Vaters dazu hat.

Die japanische Presse. Knslsge nd Herstellung dcr größten Jeitnn gen in, Mikadoreichc. Ueber die japanische Presse veröffent lichte der Redakteur der Hochi Schimbun," Jschikawa, während seiner neulichen Anwesenheit in London einige' interessante Taten: Die größte Auflage von allen japa-nisch-:n Blättern, nämlich 220.000 Exemplare pro Tag. hat die Osaka Meinichi," und dicht hinter ihr kommt die Asahi" in derselben Stadt. In Tokio sind die gelesensien Blätter daS große Oppositionsblatt. das Organ des früheren Premier, d:s Grafen Okuma, Hoch! Schimbun" (200.000); dann die Jiji Schimpo," die dem Schwiegersohn des japanischen Gesandten in London gehört und von ihm redigirt wird; die Nicht Nicht," das Eigenthum des früheren Gesandten in London, Kato, und redigirt von Jokoi, einem Christen und Abgeordneten; das offizielle Organ Kokumin" und die Asahi." Diese Blätter haben alle eine Auflage zwischen 50.000 und 180.000 Exemplaren. Die japanischen Blätter haben, wie die deutschen, das Abonnementsystem und kosten in vielen Fällen nur 2 Pfennig pro Tag und in keinem mehr als 4 Pfennig. - Auch die Annoncen sind sehr billig. Die japanischen Zeitungen ver-

öffentlichen, wie die deutschen, Romane in Abschnitten und wenden dieses Sy stem auch auf Reden von Staatsmannern und Leitartikel an. Eine Hauptschwierigkett. Mit der die japanische Presse zu kämpfen hat, ist der Charakter der Schriftsprache. Sie kann keine Setzmaschinen verwenden, sondern alles muß mit der Hand gesetzt werden. Da die zapanljche Sprache einige 50.000 verschiedene Schriftlichen hat, wovon 28.000 im täglichen Gebrauch sind, ist das Loos des, lapanischen Setzers kein beneid:ns'werthes. Er hat beständig in einem großen Raum herumzurennen und die Typen, die er braucht, aus taufenden von kleinen Schubladen, die ringsherum an der Wand angebracht ' sind, aufzupicken. Der Stab der Hochi," die Jschikawa redigirt. besteht aus 63 Redakteuren, Unterredakteuren und Reportern. Er ist in sieben oder acht Departements eingetheilt, nämlich Armee. Flotte. Politik. Finanzen. Volkswirthschaft. Lokales. Kunst und Uebersetzuna. Die Arbeit hat viel früher zu beginnen, als in England, denn die japanische Zeitung kann Rachrichten nicht innerhalb weniger Minuten nach ihrem Einlaufen drucken. Von dem Augenblick, in dem ein Artikel mittleren Umfang niedergeschrieben ist. bis zu seinem Erscheinen im Druck, verstreichen zwei bis drei Stunden. Alle die genannten Zeltungen haben eigene Korrespondenten in Peking, Söul. Shanghai. Dschifu. Ticntsin. Hongkong. Singapore. San Francisco. New York, Washington, Berlin. Paris und London. Merkwürdiges Heirathöangebot. Laut einer Meldung aus Paris geht die französische Regierung mit dem Plan um, ihren Telephondienst umzuwandeln und das automatische System einzuführen, wodurch viele Telephonistinnen stellungslos würden. Um nun Beschäftigung für diese jungen Mädchen zu finden, hat N. D. Neill. der Direktor einer automatischen TelePhongesellschaft, dcr französischen PostVerwaltung den Vorschlag gemacyt, für 000 Telephontsttnnen Manner zu besorgen. Wörtlich äußert sich Neill, der ' Kanadier von Geburt ist, wie folgt: Ich will, wenn die franzostsche Regierung ' unser System annimmt, in Paris ein Bureau einrichten und bis zu 2000 im Telephondienst beschäftigte junge Madchen nach Kanada schicken. Im Nordwesten Kanadas gibt es genug junge Leute, die so viel Geld erspart haben, um einen Hausstand begründen zu können, und die' gern heirathen wollen.' Für jedes Mädchen, das nach Kanada gehen will, werden -wir die Kosten für Wohnung und Beköstigung bezahlen, außerdem geben wir auch Tafchengeld für sechs Monate." Schrotschntz auf fünf Menschen. . Gelegentlich einer Treibjagd bei Annaberg. Sachsen, hat ein Jagdtheilnehmer zwei Frauen, einen Mann und zwei Kinder angeschossen. Die beiden Arbeiterfrauen Kühnrich und Jlling aus Sehma führten an der Waldlisiere ihre Kinder spazieren, als der verhängnißvolle Schuß fiel. Die Schrotkörner drangen ihnen in Kopf. Arme. Brust und Beine. Das jüngste, etwa ein Jahr alte Kind wurde' in dem Moment des Unfalles von der Mutter auf dem Arme getragen. Außerdem wurde ein Bruder des unvorsichtigen Schützen verwundet. Während die Verletzungen der Frauen, des Mannes, sowie des einen Kindes nur leichter Natur waren, stellte sich die Verwundung bei dem kleinen Kinde als lebensgefährlich heraus. Ter Urheber des Unglücks hat sich sofort der Behörde gestellt. Ein heiteres Detail von der Volkszählung Zn Deutschland wird aus Glückstadt. Schleswig-Hol-stein, mitgclheilt: Ein dortiger Einwohner hat die Frage der Zählkarte nach dem Hauptberuf mit dem Worte Korbmacher" beantwortet. Hinter der Frage Stellung im Hauptbeiuf"' stand als Antwort: Wir sitzen bei der Arbeit."

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