Indiana Tribüne, Volume 29, Number 115, Indianapolis, Marion County, 8 January 1906 — Page 6

Jttdeana Tribütte S. Januar 1906. 6

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Europäische Nachrichten. Provinz Wranden0urg. Berlin. Der Seniorchef der Dis kontogesellschast Adolf Salomonsohn begründete mit einem Kapital' don 5000 Mark eine Stiftung, welche bezweckt, hervorragenden Kräften BeiHilfen zu gewähren, behufs Förderung wicktiaer Arbeiten auf dem Gebiete

der Naturwissenschaften, einschließlich : Biologie und Medizin. Todtgesahren wurde der 57 Jahre alte Maurergeselle Gottfried Pankrath aus der Jasmunderstraße No.- 2. Er fuhr mit seinem Schwiegersohn, einem FleischWaarenhändler, von der CentralMarkthalle nach Hause. An der Ecke der Linien- und Gormannstraße wollten beide noch ein Glas Bier trinken. Beim Abspringen vom Wagen fiel Pankrath auf dem schlüpfrigen Pslaster hin. Gleich darauf gingen ihm die Räder des leeren Wagens einer Möbelfabrik in der Ruppmerstraße über Kops und Leid. :f(i gelttger Um nachtung erschoß sich in einem hiesigen Hotel der 38 Jahre alte Kunttmaler und Lithograph Fritz Delakon aus der Feurigstraße 56 zu Schöneberg. Delakon lebte seit 13 Jahren mit der Tochter eines Rechnungsrathes aus Schöneberq in qlllcklicher Ehe. Der Ober - Montagemeister Schulze, Voltastraße 14, feierte das Jubiläum sei" uer 25jährigen Thätigkeit in der Ma scblnenfabrik Carl Jlohr, Chaussee-. straße 28. Potsdam. Dieser Tage feierte der Stellmachermeister Wilhelm Schmidt mit feiner Frau Pauline, geb. Radtke, Packhofstraße 1, das Fest der diamantenen Hochzeit. Der Bräutigam steht im 86. und die Braut im 78. Lebensjahre. Von den zwölf Kindern des Ehepaares leben nur noch vier, die mit zehn Enkelkindern das Jubelpaar an seinem Ehrentage beglückwünschten. Brandenburg. Kürzlich waren es 100 Jahre, daß die Bäckerei des Bäckermeisters PaulHartmann. Mühlenthorstraße 55, in die Hände des Großvaters des jetzigen Inhabers, einer, älteren hiesigen Bürgern noch wohlbekannten Persönlichkeit, überging. Auf dem Grundstuck wurde schon mindestens 100 Jahre vorher Bäckerei betrieben; Hartmann kaufte es 1805 von einem Bäckermeister Lietzmann. Frankfurt. Auf dem biesiqen Bahnhofe schoß sich in einem Abtheil 2. Klasse des Schnellzuges Berlin-Bres-lau die Gattin des Direktors der Allgemeinen Elektricitäts - Gesellschaft in Brüssel, Frau Dr. Hamburger mittels eines Revolvers eine Kugel in die Schläfe. Die Schwerverletzte wurde in das städtische Krankenhaus gebracht, wo sie gestorben ist. Das Motw zur That ist unbekannt. L r ch t e n b e r a. Vom eigenen Zuge überfahren und schwer verletzt wurde der hier wohnende Zugführer Wilhelm Wedel auf der Straße zwischen Baumschulenweg und Treptow. Der Zug mußte, weil das Elnfahrtssignal noch nicht gegeben worden war, auf freiem Felde halten und Wedel begab sich nach der Lokomotive. Als nach einiger Zeit die Einfahrt frei war, setzte sich der Zug in Bewegung und Wedel wartete, bis sein Dienstkupee heranfuhr. Da brauste plötzlich ein Perfonenzug von Königswusterhausen heran, Wedel wollte ausweichen, fiel hin, yerieth mit der linken Hand unter die Räder. Die Finger wurden abgequetscht und der Kopf schwer verletzt. Besinnungslos brachte man ihn nach der Unfallstation am Grünen Weg und von dort nach dem Krankenhause. Frovinz Hstprcuhen. Königsberg. Letztens spielte der vierjährige Knabe des in der Sackheimer Gartenstraße No. 10 wohnenden Faktors Schröder am Fenster der Wohnung und stürzte dabei auf den Hof hinaus, wobei er sich einen Schädelbruch zuzog. Das schwer verletzte Kind wurde nach der chirurgischen Klinik gebracht. Braunsberg. Das Lehrer emer. Hintzmannsche Ehepaar (früher längere Jahre in Mertensdorf) hierselbst feierte das Fest der goldenen Hochzeit. Aus diesem Anlaß hat der Kaiser dem Paar die Ehejubiläumsmedaille verliehen. Groß - Kellen. Erschossen hat sich hier der Kaufmann Paul Neumann. Man fand ihn vor dem Spiegel in knieender Stellung mit durchschossener Schläfe als Leiche vor; der Revolver lag neben ihm. Johannisburg. Letzthin brannte die Haasesche Holzwollfabrik in dem nahen Carlsmühle nieder. Vor Kurzem feierten die Lehrer Siebertschen. Eheleute das Fest der golde mn Hochzeit. Kauschen. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich auf der hiesigen Kleinbahnhaltestelle. Der Besitzer Hundertmark, der den Zug noch während dcr Einfahrt verlassen wollte, sUirzte vom .Trittbrett ab und kam unter die Räder, wobei ein Bein unterhalb des Kmes überfahren wurde. P i l l a u. Erhängt hat sich in der Plantage der Arbeiter Möhrke. Bei einer dort abgehaltenen Jagd fand man die Leiche an einem Baum hängen. Der Grund zu dem Selbstmorde lag für den etwa 60iahrlgen Mann m un heilbarer Krankheit. Sie lacken. Besitzer Lohrenz be, ging vor Kurzem sein 25jähriges

Diensijubiläum als Bezirkscommissar der ostpreußischen Feüersozietät. S ch ö n f 1 1 d. Der Jnstmann Fuhrmann kehrte nach der ReichstagsWahl in ein Gasthaus ein, wo er mehr, als ihm bekömmlich war, genoß. Auf dem Heimwege fiel er in den mit Wasser gefüllten Chauss:egraben; bald darauf wurde er als Leiche aufgefunden. W i l l e n b e r g. Von einem unbekannten Fuhrwerk -auf der Straße überfahren wurde der Arbeiter Goetza von hier. Er erhielt mit der Deichsel einen Stoß in den Rucken und fiel zu Boden, worauf ihm die Räder des Wagens über die Brust gingen. Er wurde lebensgefährlich verletzt. 'Arovinz WestpreuFen. D a n z i g. Vor Kurzem wurde der Bahnarbeiter Kusch aus Ohra auf dem Olivaer Thorbahnhof von einem einfahrenden Personenzuge erfaßt, zur Seite geschleudert und schwer verletzt, u. a. erlitt Kusch einen Schädelbruch. Briefen. Im hiesigen Kranken-

Hause starb Besitzer Plötz aus Hohentlrch an den Folgen innerer Berletzungen, die er sich durch Heben schwerer Lasten zugezogen hatte. Plötz genoß in t 1 !it.fxIi!x r r. iai;iuuiiiqiu.jauicx;:n reißen große Werthschätzung. G r u n a u. Als Leiche wurde auf der Eiftnbahnstrecke nach Altfelde der Bahnwärter Lorkowski . aufgefunden Anscheinend ist Lotkowski auf einer (-trcaenbegeyung von einem Zuge erfaßt und getödtet worden. Littschen. Unlängst starb am Herzschlag Lehrer Wodäge im 65. Lebensjahr nach 41jähriger Dienstzeit, von welcher fast 40 Jahre auf die hiesige Gemeinde entfallen. Strasburg. Bor einiger Zeit wurde auf dem Niskobrodnoer Weae der Architekt Krüger von hier todt ausgesunden. Es scheint Selbstmord durch Vergiftung vorzuliegen. Wlesenwald. Der 24 Jahre alte Landwirth Pollmann, einziger Sohn des Besitzers Pollmann von hier, war mit einer kleinen Wunde am Daumen im Begriff, ein Stück Land umzupflügen. Der Vflug gerieth auf einen Stern, setzte aus und riß oabei die Wunde weiter auf. Pollmann achtete darauf aber nicht, sondern ging seiner Beschäftigung weiter nach. In kurzer 3eit schwoll 'die Hand so stark an, daß Pollmann in das Krankenhaus Pelplin eingeliefert werden mußte. Jetzt war es schon zu spät. Er starb infolge von Blutvergiftung. Provinz Folnmern. Stettin. Der hiesige Rechtsanwalt Eikhoff wurde in Berlin verhaftet. Er foll einer Hamburger Bank eine größere Summe veruntreut haben. ? der Verhaftung gibt die Hamburger Hypothekenbank bekannt, daß die Höhe der ihr unterschlagenen Gelder 150,000 Mark betragt und die Unterschlagungen zwei Jahre zurückliegen. Eikhoff hat die Bank durch Bürgschaft vermögender Verwandten sichergestellt, die sich zur Zahlung von Kapital und Zinsen verpflichtet haben. Ein Verlust für die Hamburger Hypothekenbank ist nicht zu befürchten. Grerfswald. Nach kurzem Krankenlager verstarb hier im Alter von 54 Jahren der außerordentliche Professor der orientalischen Sprache an der Universität Dr. Georg Edm. Keßler. Seit dem Jahre 1885 war der Verstorbene hier thätig. Kolberg. Aus dem Graben m der Nähe des Eisenbahn - FamilienHauses wurde die Wittwe Friedrich von hier als Leiche gezogen. Sie wurde nach dem alten Krankenhause gebracht. L u p o w. Letztens brach in der Mühle des Majoratsherrn v. Bonin Feuer aus, welches die Mühle mit dem dazu gehörigen Wohnhaus bis auf die Umfassungsmauern in Asche legte. Swinemünde. Beim Rangiren auf dem Hafenbahnhof wurde dem Bahnarbeiter Müller aus Garz der rechte Arm und das rechte Bein abgefahren. Er ist bald darauf seinen Verletzungen erlegen. Müller hinterläßt vier Kinder. S t r a l s u n d. Vor kurzem kam der etwa 60 Jahre alte Arbeiter Hübner aus Kaschow nach hier, um seine hier wohnhaften Kinder zu besuchen. Hllbner wollte in einem Hause in der Frankenstraße die Treppe hinaufsteigen, fiel aber die Treppe wieder herunter. Die Bewohner des Hauses, welche den Fall hörten, sahen nach und fanden Hübner bewußtlos auf dem Hausflur liegen. Die Polizei wurde benachrichtigt, welche sich seiner vorläufig annahm und auch einen Arzt hinzuzog. Dieser ordnete die Ueberführung in das Krankenhaus an. Hübner ist an den schweren inneren Verletzungen gestorben. Wleckrenvurg. Schwerin. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten der Schleusenmeister a. D. Schröder und Frau hierselbst. Der Ehemann steht im 81. Lebensjahre, war Theilnehmer der Feldzüge 1848 49, später Postcondukteur in Rostock und. dann 33 Jahre Schleusenmeister in Friedrichsmoor; die Frau ist 73 Jahre alt. B ü l o w. Vor Kurzem beging der Knecht Joachim Sattler den Tag, an dem er vor 25 Jahren beim Erbpächter I. Ditz Hierselbst in Dienst trat. Der Jubilar wurde durch mancherlei AusZeichnungen erfreut. Die hiesige Stadtkapelle erfreute ihn durch ein Ständchen und Freunde und Nachbarn erwiesen ihm ihre Aufmerksamkeiten.

Zalomo dcr Zweite.

Skizze von Leonore Nießen-Deiters. Kreuzverflucht und zugenäht! Das ist denn doch eine Schweinebande! Sie meinen vielleicht, Sie ständen , auf einem königlich preußischen Käsernenhof? Gott bewahre! Der fo fluchte, war allerdings ein Deutscher. Aber die Szenerie war alles eher als ein preußischer Kasernenhof. Der fluchende Deutsche ging über die Plaza Nueva von Granada und es geschah ihm für fein lästerliches Schimpfen schon ganz recht, daß er gegen 'wei langgehörnte Zugochsen anrannte, die gemächlich aus der Calle.de Comeres hervortrotteten. Andere Menschen kommen von Gott weiß woher, um über das Pflaster von Granada zu wandeln, sich am Anblick der Sierra Nevada zu beraufchen und sich von der Alhambra, diefem maurischen Wunder, je nach ihrer Nationalität zu einem Gedicht, einer kunsthistorischen Abhandlung oder einem v(mdeifiill indeed! hinreißen zu lassen. Sie kommen mit rothen Büchern 'in den Händen, sperren Augen, Ohren, Mund und Nasen auf, um möglichst viel von dieser sagenumwobenen Stadt mit dem wohlklingenden Namen zu hören und zu sehen, und es kann ihnen in der Begeisterung schon passiren, gegen ein paar Ochsen anzurennen. Sennor I. F. Schmitz von der Firma Schmih sel. Wwe. war nach Granada gekommen, um der Firma Schmitz ein neues Feld der Thätigkeit zu eröffnen. Er war schon drei Jahre lang da und fand es nicht mehr merkwürdig, daß der Himmel sich so wunderbar tiefblau über das Thal des Darro spannte, daß, die zerklüftete Sierra entlang die Orangen glühten und die Mandeln blühten, während der Schnee hoch oben in grellem Weiß leuchtete, und daß die Mauren es verstanden haben, ein Haus wie aus zarten Spitzengeweben zu bauen denn der Mensch gewöhnt sich an alles. Bei ihm kam also die Begeisterung nicht in Betracht, und wenn er gegen die Ochsen rannte, so kam es nur, weil er inwendig fortfuhr, zu fluchen, und dabei ganz und gar nicht aufgepaßt hatte. Aber was war es denn, was Herrn I. F. Schmitz von der Firma Schmitz sel. Wwe. so aufbrachte und in Wuth versetzte? Oh! Es war wirklich eine Gemeinheit! Wenn man sein bierehrliches deutsches Vaterland verläßt, muß man vieles aufgeben. Zum Beispiel die Freuden eines vernünftigen Stammtisches und last not least fein gewohntes Bier. Als Geschäftsmann und Mensch von weiterem Blick verzichtet man aber stillschweigend auf vieles und gewohnt sich, wenn Nicht an die Gesetze, so doch an die Getränke des Landes. Herr I. F. Schmitz hatte sich m diesem Falle stillschweigend an Valdepennas gewöhnt, den er von Sennor Pedro Peres, einem ehrsamen Weinhändler, bezog. , Die Sache lief ganz ordentlich: zu bestimmten Zeiten erschien der Bote des Herrn Peres, lieferte den Wein ab, erhielt für seinen Herrn die entsprechellde Anzahl don Peseten, und Sennor Schmitz hatte keine weiteren Schwierigkeiten, als den leckeren Valdepennas in den regelmäßigen Zwischenpausen wegzutrinken. Und nun jetzt nach drei Friedensjähren des besten Einvernehmens zwischen Verbraucher und Lieferanten, jetzt erklärte Pedro Peres. er hätte das letzte Mal sein Geld nicht bekom men! Er würde Klage erheben müssen, wenn er seine Peseten nicht erhielte! Ist so was erhört, wenn man dem Voten baare 50 Peseten in die Hand gegeben hat? Wenn der sie nicht ablieferte, was ging denn das ihn, I. F. Schmitz von 'der Firma Schmitz sel. Wwe.. cm? Soll doch Pedro Peres sich ehrliche Leute halten! Klage erheben. Klage erheben! Man weiß ja, wie es Einem in diesem elenden Auslande überall ergeht; der Fremde kriegt unrecht! Baare 50 Peseten! So 'ne UnVerschämtheit! Und Sennor Schmitz schimpfte weiter. Abe? He Sacke war nnt Schimpfen nicht gethan. Pedro Peres erklärte wiederholt, daß er seinen Wein nicht bezahlt bekommen hätte. Bon dem Boten, der ein armer Teufel war. wollte er nichts hören; er hielt sich an seinen Kunden, mahnte und mahnte, und schließlich gmg er hin und that nach seiner Drobung: er erhob Klage bei Juan Mora, dem Richter. Juan Mora hatte eine große Familie, die sich mit so absoluter Beständigkeit vermehrst, daß sein Vermögen sich bei seinem ohnehin sehr schwankenden Einkommen in entsprechendem Maße verminderte. Man muß bedenken, daß hier nicht etwa von einem festen Staatseinkommen die Rede sein kann; Juan Mora mußte wie seine Kollegen von seinen Sporteln leben. . Juan Mora hatte den Schnupfen, oder das Zipperlein, oder Gott weiß was für eine Krankheit; jedenfalls machte sie es ihm unbequem, das Gerichtsgebäude aufzusuchen. Er bestellte also die streitenden Parteien in seine Wohnung und neß mit großer Gewissenhaftigkeit beide zu Worte kommen. Peres erzählte mit großer Zungen fertigkeit, wie er diesem Herrn da seit drer Jahren den Wein liefere. Jedes mal habe sein Bote ihm dann das Geld getreulich abgeliefert, nur das letzte Mal nicht; da habe der Herr das Aezayeen vergessen!

Herr I. F. Schmik verschwor üo

hingegen, den Wein dieses wie alle Male bezahlt zu haben, allerdings dem Boten, nicht dem Sennor Veres selbst. aber das hätte er auch früher nicht gethan! Hm! sagte Juan Mora. Hm! Ein schwieriger Fall! Ein höchst schwieriger Fall! -und bestellte sie ein zweites Mal in seine Wohnung. Auch ein drittes Mal brachte keine Klarheit in diese 'Angelegenheit, die Juan Mora ohne Zweifel äußerst gewissenhaft bearbeitete. Erst ein viertes Mal genügte. Dieses Mal verkündete er ihnen das Urtheil. Er sagte: Pedro Perss hat die Waare geliefert; Sennor Schmitz hat sie erhalten. Das ist bewiesen. Sennor Peres ist aber in'keiner Weise entschädigt worden. Das ist auch bewiesen. Also muß Sennor Schmitz die 50 Peseten bezahlen, da er nickt verlangen rann, daß Sennor i Peres seinetwegen Schaden leide! Sennor, belieben Sie, dem Sennor Peres die 50 Peseten auszuzahlen! Kreuzverflucht und zugenäht! Ich wußte es ja! knirschte der, als er die schönen, blanken Peseten auf den Tisch des Hauses legte. Weiter! Sennor Schmitz behauptet, er hätte das fragliche Geld dem Voten gegeben. Er hat das bisher immer gethan. Er handte also , in gutem Glauben. Er hatte nicht die Absicht, den Pedro Peres zu schädigen kurz, er ist an diesem Rechtsstreit unschuldig. Wir können ihm also nicht die Kosten aufbürden. Die Kosten deö Rechtsstreites hat mithin der Kläger zu tragen. Sie betragen in diesem ?salle 49 Peseten und 40 Centimos. Haben bie die Gute. Sennor Peres! Ich bin nicht so bewandert im Wörterbuch d spanischen Flüche und kann deshalb nicht genau wiedergeben, was Pedro Peres dachte.' als er die eben errungenen Peseten wieder auspackte und auf den nämlichen Tisch niederlegte. Juan Mora steckte sie mit verbindlichem Lächeln ein. Dann verbeugte er sich händereibend: die Parteien waren entlassen. Kreuzverflucht und -na, was gibt's denn nun noch? Pedro Peres hatte die Hand' auf den Arm seines Gegners gelegt, der wüthend davonlaufen wollte. Sennor Schmitz! Hören Sie. Sennor! Nä was wollen Sie denn noch? Ach, Sennor, sagte Peres und trippelte nebenher. Könnten wir hm, hm könnte denn nun nicht alles beim Alten bleiben? Wenn ich Ihnen so ein kleines Probefäßchen beipackte gratis Gehen Sie zum Henker mit Ihrem Probefäßchen! Und Sie bezahlen in Zukunft an mich direkt! Wir haben uns doch sonst immer vertragen, und wir kriegen keinen Streit wieder, wir nicht! Der Valdepennas war doch immer so gut! Ja, ja, der Wein war gut. I. F. Schmitz verlangsamte unwillkürlich seinen Schritt. Gott! sagte Pedro Peres. Sie haben 50 Peseten verloren, ja! Ich habe aber auch 50 verloren. Der Mora hat den Schaden gerecht vertheilt, das muß man ihm lassen! Bis auf die lumpigen 60 Centimos. Da, ich gebe sie vor Ihren Augen dem Bettelweib da! Nun stehen wir wieder ganz gleich! Wann darf ich Ihnen wieder was schicken? Hm! Na! Eigentlich aber dann dann schicken Sie in Gottes Namen! Aber vergessen Sie nicht das Probefäßchen! Juan Mora aber stand am Fenster und freute'sich, natürlich nur darüber, daß die beiden so einträchtig und zufrieden zusammen fortgingen! W Kinderspie. Eine Puppengeschichte aus dem Französischen. Die kleine Simone besaß zwKiPuppen zwei Töchterchen sagte sie. Sie gab keiner den Vorzug vor der anderen, weil sie gehört hatte, daß girte Mütter ihren Kindern mit derselben. Lebe zugethan sein müssen. . Die eine Puppe, die ältereTochter", hieß Anne-Marie und war eine kleine Bäuerin aus der Bretagne. Sie trug einen Miederrock und war frisirt wie die jungen Mädchen auf dem Lande. Diese Puppe hatte Simone einst von der Mutter geschenkt erhalten. Die zweite Puppe, Ivette, hatte ganz das Aussehen einer Pariserin. Und sie war auch wirklich in Paris geboren, wo sie der Vater in einem großen Spielwaarenladen erstanden hatte. Ein ständiges Lächeln lag auf den Porzellanlippen von Avette, die in ihrem seidenen Kleide mit kostbarenSpitzen und Bändern und ihrer schicken Frisur wie eine große Pariser Dame ausschaute. Aber seltsamerweise kannten sich die beiden Töchter der kleinen Simone gar nicht. Andere Puppen schlafen Seite an Seite in derselben Wiege, hinter denselben weißen Gardinen, und dieselbe Hand der Puppenmutter liebkolt sie. Und wenn die kleine Mutter am Abend mit leiser und sanfter Stimme sagt: Schlaf mein Kind!", so gilt das für die eine Puppe ebensogut wie für die' andere. Aber Fvette hatte AnneMarie noch niemals gesehen. Avette lag in Paris, in dem Arbeitszimmer von Simone's Papa, unter lauter Büchern, Broschüren und Zeitungen, wo sie sich doch sehr langweilen mußte. Und Anne-Marie befand sich in einem

Landhause bei Paris, wo die Mutter von Simone lebte. Denn Mama und Papa hatten sich während ihrer Ehe ebensowenig ver-. standen und gesehen wie die Puppen der kleinen Simone. Simone aber wurde in einer Pension in der Provinz bei frommen Schwestern erzogen. An dem einen Sonntag brachte die Schwester Judith . Simone nach Paris zum Papa. Dann fuhr man mit Pvette und dem Papa spazieren, ging ins Theater, besuchte' den Circus und frisirteZ)vette und ordnete ihre Toilette. Am anderen Sonntaa wurde Simone von derselben Schwester nach dem Landhaus geleitet, wo Mama und Anne-Marie wohnten. Hier gingen alle spazieren, pflückten Blumen und aßen von den Früchten der Bäume und Sträucher in dem großen Garten. ' Wenn Simone- von Mama Abschied nehmen mußte, dann legte sie traurig die Puppe in die Kommode zurück, um sie erst nach vierzehn Tagen wieder zu neuem Spiel hervorholen zu können. Simone wuchs und ward verständiger. Wenn Besuchstag in der Pension war, und Simone sah, wie die Eltern ihrer Mitschülerinnen kamen und freudig und glückstrahlend mit ihren, Kindern im Garten der Anstalt auf- und abgingen und" sich beim Abschied zuriefen: Auf Wiedersehen am nächsten Sonntag!" dann wurde Simone sehr, trauriq. Sie dachte daran, daß Papa und Mama niemals zu ihr kamen und baß sich ihre beiden Puppen Fvette und Anne - Marie niemals sehen konnten. Als sie nun an einem Sonntage wieder mit Papa und Fvette in Paris zusammen war, da hielt sie es vor Sehnsucht nicht mehr aus, und plötzlich sagte sie zu Papa: Weißt du, Väterchen Avette sehnt sich so sehr nach Anne - Marie! Komm, wir wollen zur Anne - Marie fahren." Da aber wurde der Vater sehr böse und entgegnete kurz und hart: Ach Unsinn, wir fahren nachher in's Bois spazieren." Simone erschrak sehr und schwieg still. Aber der Gedanke an die Vereinigung der beiden Puppen beschäftigte und quälte sie immer mehr und mehr. End lich glaubte sie einen guten Ausweg gefunden zu haben, um dieses Zusammentreffen in die Wege zu leiten. Sie setzte sich hin und verfaßte einen Brief. Ivette schrieb an Anne - Marie, er zählte ihr, daß sie sich so sehr nach ihr sehne, und bat, auf das- Land eingeladen zu werden. Den Brief adressirte Simone an ihre Mama. Als sie nun am nächsten Sonntag zur Mama kam, da sagte diese mit leichten Thränen in den Augen: Mein Kind, verlange alles von mir. -nur das nicht." Nun schwieg Simone von diesem Thema still, denn "sie war em artiges Kind. Aber sie wurde immer traunger und trauriger. Anfangs suchte sie Beruhigung und Befriedigung w derSchule und freute 'sick. wenn sie eine besonders gute Censur erhalten hatte; doch diese Freude hielt nicht lange vor. Dann beschlich sie wieder tiefe Trauer, daß sich Ävette und Anne - Marie niemals sehen sollten, und sie mußte sich damit begnügen, daß e .einer von der anderen unendlich viel erzählte, so daß sich die Puppen wenigstens in Gedanken kennen lernten. Und sie ließ den beiden Puppen im Gespräche auch eine verschiedene Erziehung angedeiheiu Sieh mal," sagte sie zu Anne - Marie, wenn ich beim Papa bin, dann hindert mich Niemand daran, mit Avette aus dem Fenster der dritten Etage zu sehen. Und beim Essen brauche ich mir auch keine Serviette vorzubinden." Und zu Jvette dozirte sie: Siehst du, wenn ich bei Anne - Marie bin, dann darf ich sie nicht so viel frisiren wie dich. Denn Mama sagt: Wenn man sich so viel mit sich selbst beschäftigt, wird man eitel!" Eines Tages wurde Simone krank. Sie verfiel in ein hitziges Fieber, phantasirte viel von Fvette und AnneMarie und verlangte immer wieder, beide vereint zu sehen. Als die Krisis glücklich überwunden war, da wachte Simone eines Morgens auf und erblickte ein seltsames und Mnes Bild. An ihrem Bett saßen Hand m Hand, mit Thränen in den Augen, Papa und Mama, und vor ihr auf der Bettdecke lagen zusammen und vereint ?)vette und Anne - Marie. Simone lächelte dankbar und zufrieden und dann kam wieder ein Roth in die blassen Wan gen, das Roth der baldigen Genesung. So hatten sich die beiden vereint und wiedergefunden für immer.

L solid. L: Wann fährst Du weg?" II.: Morgen- früh einhalb acht Uhr." I.: Einhalb acht Uhr! Schade, hatte Dir gerne noch das Geleite gegeben, aber einhalb acht Uhr ist es zu spät, da bin ich nicht mehr auf!"

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