Indiana Tribüne, Volume 29, Number 114, Indianapolis, Marion County, 6 January 1906 — Page 7
Jndkana Tribüne, 6. Januar 1906
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MürSzen.
Von Lconorc Brchmer. CZ ist ein altes Mörä-cn Lchthin in mir crirndit, Tas Märchen fcoin Zaudern und Suchen In dunkler glicht. Ich Kab' c3 einst gelesen So manches Mal; Heut weckt es nnr im Qerzen chnsücht'geu Widerhall. Wär' es seit tausend fahren Nicht tausendmal gesungen. Qcur hält' es sich mit schluchzen Äus meiner Brust gerungen. a-3 Märchen vom Suchen und Finden, Wer hat es wohl erdacht? cr erste, dem cin LicbcS Boranging in die Nacht. Zwischen Klippen. Novelle von Olaf Rau. Der Dampfer näherte sich der Insel. Die Passagiere drängten nach vorne. Auf allen Zügen lag eine fröhliche Spannung, eine sichtliche Befried!gung. nun dm Ziel der Reise so nahe zu sein. Ein wenig abgesondert von den übrigen stand eine Dame. Man hätte ihr Alter schwerlich bestimmen tönnen. Der dichte Schleirr über dem schlichten, weißen Strohhute verhüllte das Gesicht fast vollständig. Doch üppiges, blondes Haar drängte sich darunter hervor und die Gestalt in dem eleganten Reisekostüm war schön und edel. Auch sie blickte, wie alle' anderen, der Brücke entgegen. Plötzlich flog ein leises Lächeln über ihr Gesicht. Zugleich wedelte auf der Landungsbrücke ein weißer Strohhut mit schwarzem Band in lebhaftestem Tempo. Er hat' mich doch erkannt," murmelte die Dame, und das Lächeln vertiefte sich. Sie griff nach ihrem Handgepäck, wartete jedoch gelassen, bis der Letzte das Schiff verlassen hatte, während der junge Mann sich ungestüm durchgedrängt yitte bis zum äußersten Rand der Brücke. .Ully!" Richard!" Jfla. endlich!Er nahm ihr ohne weitere Umstände die Handtasche und das Plaid ab. Sie schritten nebeneinander die lan et Landungsbrücke entlang. w Ulrike lachte. Hast du es denn nicht mehr erwarten können?" fragte sie. Fast nicht!" Er sah sie mit seinen lachenden, blauen Augen an. Sechs Jahre aber auch das ist 'ne Zeit. Und du hast du dich denn gar nicht gefreut?" Ja, Richard, ich habe mich gefreut." ,. 'Mein V!ütterle, mein Gewissen, mein guter Geist." Er sah sie zärtlich an. Doch der Ausdruck seines Gesichtes wechselte sofort und & setzte lebhaft hinzu: Aber zu erzählen hab' ich dir!" Sie saßen jetzt in der Pferdebahn und fuhren an den hübschen Villen und Häuschen entlang. Plötzlich fprang Richard in die Höhe, den Strohhut schwenkend. Ein junges Mädchen, zwischen der grünen Umrandung einer Loggia stehend, neigte leicht den Kopf. Ulrike fiel das trotzige Profil und die energische, ein wenig hochmüthige Art des Grüßens cuf. Wer ist das?" fragte sie. Susanne Nientz du. mußt sie kennen lernen, Ully." Richard?" . - Sie fragte es mehr mit den Augen als mit dem Mund:, Er war äugenscheinlich verlegen. Sieh das ist dein Logis." lenkte er eifrig ab. Doch sein so ganz im Grünen! Habe ich nicht fein gewählt?" Ja. es ist reizend," stimmte Ully freudig zu. Ach Richard, wie ich mich auf diese Wochen freue nach all' dem Aerger und der Plage mit der Schule ach, ich bin manchmal recht müde!" Arme Ully." Er streichelte ihre Hand. Tu wirst schon wieder aufleben hier! Und nun zieh dich rasch um ich warte da im Garten. Dann gehen wir an den Strand." Ulrike und Richard saßen auf einem Hügel der Dünen, von Skabiosen, von wilden Stiefmütterchen und Helmgras umwuchert. Gleichmäßig ebbten die Wogen an den Strand an und zogen sich leise gurgelnd wieder zurück, einen Muschelregen auf dem feinen Sande zurücklassend. Eine Zeitlang saßen sie beide schwcigend. Dann sagte Ulrike: Und nun erzähle, Richard." Jetzt, ohne Sch'eier, wo der Wind mit ihren unterm Hut hervorgerissenen, blonden Haaren spielte, sah man, daß Ulrike Sjrenz nicht hübsch war. Sie besaß das versorgte Gesicht derer, die keine Jugend gehabt haben 5?rükneitiae Sorgen besitzen scharfe Griffel, zeichnen unbarmherzig die Faltchen um die Augen und Linien um den Mund. Und Ulrike Strenz hatte viele frühzeitigen Sorgen gehabt, as älteste Tochter einer kinderreichen, aber geldarmen Familie, vteltor (strenz mukte eintheilen und sparen an allen Enden, um ohne Vermögen seine acht 'Kinder zu ordenjlichen Menschen zu erneun. Ulrike machte das Lehrerinruneramen und praktizirte dann in
ihrer Vaterstadt. Sie war zwanzig Jahre alt, als Richard Nietmann in ihr Haus kam. Ein zarter, kleiner Knabe von zwölf Jahren, elternlos und ohne nähere Verwandte, der das Gymnasium besuchen sollte und trotz all seiner irdischen Verlassenheit stets strahlend vergnügt war. Das gewann ihm Ulrikens Herz. Sie nahm sich des Kleinen mütterlich an und r lohnte es ihr durch zärtliche Lieb?. Und so war es geblieben, auch als Richard absolvirie und auf die Universität kam. Mit der ganzen Kraft seines einsamen Kinderherzens hatte sich Richard an das Mädchen gehängt. Sie war sein Mütterchen, sein guter Geist, fein Gewissen und dabei blieb es für ihn. Ganz unmerklich aber wurde für Ulrike das Verhältniß zu etwas anderem. So lange sie zu Hause nöthig war, trat die Fürsorge für Richard in den Hintergrund. Doch die Mutter starb, die Geschwister wurden selbständig, der Vate folgte der Mutter ins Grab, und sie stand allein. Allein mit ihrem warmen Herzen, allein mit ihrer reichen Liebe, dieser Liebe, die niemand begehrte. Ulrike war nicht schön, sie war awq nicht, was man liebenswürdig nernt. Man fand sie langweilig in ihrer stetigen Ruhe, ihrer gleichmäßigen Gelassenheit und schob sie beiseite. Nur einer kannte sie, wie sie war, und einer verstand sie und liebte sie um ihrer selbst willen: Richard. . Sie war ihm etwas, sie war ihm sogar viel, beinahe unentbehrlich. Und ohne daß sie es merkte, schlich sich ein tieferes, innigeres Empfinden für ihn in ihr Herz, ohne daß sie es merkte, daß es ihr zum Bewußtsein kam, wurde der Briefwechsel mit ihm der Sonnenschein ihres an Freuden armen Daseins. Nie dachte sie daran, besitzen zu wollen, was ihr halb gehörte. Die VerHältnisse standen dem ja auch entgegen. Doch die Vorstellung, daß Richard einst einer anderen gehören würde, und sie dann die zweite Rolle übernehmen müßte, schob sie immer weit von sich. ' Vorläufig war Richard, von ein paar kleinen Schwärmereien, welche sie lächelnd mit ihm erlebte, abgesehen, unberührt geblieben von dem, was sie fürchtete, der ersten großen Liebe, Ulrike konnte den Blick nicht von dem hübschen, blühenden Gesichte, den ehrlichen, lachenden Argen abwenden. Wie hatte er sich verändert, ihr kleiner Richard, und doch war er noch so ganz der Alte! Richard spielte mit seinem Stocke in dem weichen Dünensand. Ja erzählen " sagte er dann. Eigentlich gibt es da gar nicht viel zu erzählen. Daß die Ferien auch für einen königlich bayrischen RechtsPraktikanten was Famoses sind das brauche ich dir ja wohl nicht zu berichten." Ulrike lachte. Und der königlich bayrische RechtsPraktikant hat sie, wie mir deucht, dazu benützt, wieder mal in Flammen aufzugehen. Ist's nicht so? Da war etwas mit meiner gewissen Susanne wie hieß sie doch? Das wolltest du mir ja wohl erzählen?" Susanne Nieritz. Ja gewiß." Er stützte das Kinn auf den Stock und blickte eine Zeitlang nachdenklich vor sich hin. Ja, sieh. Ully. Da gibt's eigentlich auch noch nichts zu erzählen. Veschreiben kann Ich dir Susanne Nieritz ebenfalls nicht. Du mußt sie eben kennen lernen. Aber Ully eine Schwärmerei ist das nicht diesmal. Sieh' ich glaube ich fühle der Gedanke, daß mich Susanne Nieritz nicht lieben könnte, würde mich für mein ganzes Leben unglücklich machen." Er sah sie nicht an bei diesem GeJändniß. er blickte über das leise gurgelnde Meer hinaus, auf welchem jetzt der Reflex einer rosa Abendwolke lag. So konnte Ulrike ihr tiefes Erblassen verbergen und das Zucken ihres Gesichts meistern. Fast ruhig sagte sie: .Weiß sie es?" Richard schüttelte den Kopf. Gesagt hab' ich es ihr noch nicht ich hab' auf dich gewartet, Müttercher. Du solltest sie erst sehen. Und dann m Ein glückliches Leuchten ging über sein Gesicht. Ulrike sah dieses Leuchten. Schneidender Schmerz durchzuckte sie. Sie mußte ihre ganze Selbsteherrschung aufbieten, um in ihrer gewohnten stillen Art zu erwidern: Mache mich mit ihr bekannt, Richard." Es gibt wenige Frauen, die unter der Einwirkung der Seelust hübsch bleiben. Die verbrannte Haut, wo sich besonders die Nase leuchtend roth abhebt, die von dem ständigen Wind stets wieder verwirrten Haare, welche keiner Lockscheere und keinem Kräuselelizir standkalten. tragen nicht zur Vermehrung der Schönheit bei. Susanne Nieritz machte darin eine Ausnahme. Ihrem lockigen Bubenkopf mit dem kecken Profil konnte keine Sonne und kein Wind etwas anhaben. Sie 'trag sich auch ihrer ganzen biegsamen, schlanken Knabengepalt angemessen. Fräulein Nieritz daö ist Fraulein Strenz." Mit einer ihrer flinken Beweounge?
wandte sich Susanne nach Ulrike um. Ah ihre . Pflegemutter ja, Sie erzählten davon." Sie gab Ulriken die kleine, sonnenverbrannte Hand. Meine Freundin," betonte Richard. Susanne blickte Ulrike mit ihren hellen Augen an. Es war, als ob sie sich in diesem Blick gleichsam ein Urtheil bildete. Und ich hoffe, es wird auch Ihre Freundin," setzte Richard hinzu. Seine Stimme zitterte etwas. Beide Frauen fühlten, daß es keine Redensart, sondern ein heißer Wunsch war, was er sagte. Da sah Ulrike etwas. Sie sah, daß der Blick aus den hellen Mädchenougen schärfer wurde, daß er langsam etwas Drohendes bekam, und' Ulrike fühlte, was dieser Blick sagte: Was ich mir errungen habe, halte ich fest. Hüte dich." Da wußte sie, sie stand einer Feindin gegenüber. Ganz langsam, mit einem Lachen auf den Lippen, welches die schönen Zähne sehen ließ, sprach Susanne: Ich besitze nur sehr wenig Talent zum Freundschafthalten, Herr Praktikant. Sie müssen schon Geduld mit mir haben, Fräulein Strenz." Betroffen schaute der junge Mann das Mädchen an. Doch Susanne hatte schon den Tennisschläger ergriffen und war wieder in das Spiel eingetreten. Was heißt das?" fragte er verwirrt. Eine Abfertigung," sagte Ulrike gelassen. Sie meint es nicht böse sicher nicht," vertheidigte Richard. Wenn sie dich erst näher kennen lernt dann : 'bann muß sie dich ja lieben." 5 5 Wiewohl Ulrike mit allen Fasern ihres Seins entgegenstrebte, konnte sie sich dem Zauber, den das junge Mädcren ausübte, nicht entziehen, konnte sie sich der Gewißheit, daß Susanne mit ihrem trotz aller Jugend schon festen. ausgeprägten Charakter, mit der Energie, die den Grundzug dieses Charakters bildete, die richtige Frau für den lenksamen, leitungsbedürftigen Richard war, nicht verschließen. Und sie liebte ihn offenbar.' Ulrike merkte es aus einem gelegentlich aufgefangenen. felbstvergesscnen Blick, aus der leichten, ungewollten Koketterie Richard gegenüber, an welcher kein anderer participirte an dem Leuchten ihrer Augen und der erhöhten Lebhaftigkeit. wenn er kam. Ihr gegenüber war Susanne stets freundlich, höflich, aber zurückhaltend. Und Ulrike fühlte es war die Stille vor dem Sturm. Sie fühlte auch, es lag nicht in ihrer Macht, in ihrem Recht, das zu verhindern, was unzweifelhaft kommen mußte, und ihr Gerechtigkeitsgefühl sträubte sich auch gegen eine Beeinflussung Richards, zu Unaunsten von Susanne. So kam das. was Ulrike gefürchtet, vor dem sie gebangt hatte in mancher schlaflosen Nacht, in mancher qualvollen Stunde. Richard Nietmann verlobte sich in aller Form mit Susanne Nieritz. Die Verlobung rief allgemeine Sensation unter den Badegästen hervor. Das junge Paar wurde von allen Seiten beglückwünscht, eine Jllumination der befreundeten Strandbürgen fand statt, Ulrike wurde überall mit eingeladen, als die Pflegemutter" des- Bräutigams. Und sie mußte lächeln und erzählen immer lachen. O diese martervollen Stunden, in denen auch Richard im Rausche seines jungen Glückes ihrer vergaß; o diese Stunden heimlicher Qual, brenncndster Eifersucht, schmerzlichsten Wehs, in welchen sie durch das hohe Gras der Dünen strich, ziellos, immer auf und ab, oder auf das weite Meer hinaussah von niemand vermißt von niemand gesucht Ueberzählig. Ja, nun war sie es wirklich. Nun hatte sie keinen Menschen mehr, der ihrer bedürfte. Nun stand sie wirklich allein und würde es bleiben. Immer. Das fühlte sie. Einmal äußerte sie etwas Derart!des Richard gegenüber. Er sah sie bestürzt an. Aber Ully. zwischen uns bleibt doch alles beim Alten. Susanne wird das ja auch einsehen mit der Zeit. Da kann sich doch nichts ändern, nach dem, was du mir gewesen bist all die langen Jahre hindurch. Nein. Ully, uns scheidet nichts als der Tod." Und in einem Gefühl fast demüthiger Dankbarkeit ergriff sie seine ihr impulsiv hingehaltene Hand und drückte sie. Seine Worte hatten ihr doch wohl gethan. Seit Tagen flog wieder ein mal ein Lächeln 'über ihr Gesicht. 5 Am Strande fand ein Kinderfest statt. Man hatte eine Kapelle vom Festlande kommen - lassen, die ihre munteren Weisen ertönen ließ. Die ganze Kurgesellschaft war in Bewegung. Ulrike saß in Richards Strandkorb und lieft das heitere Bild auf sich wirUn. Die Sonne lag blendend auf dem weißen Sand. Von dem leuchtend blauen Himmel hob sich das Meer schieferfarben ab. Es war Ebbe. Die weißlichen Wellen rollten mit sanftem Rauschen heran und flutheten leise gurgelnd wieder zurück. Ueberall bunte Fahnen, überall Kinderjubel und fröhliche Stimmen. Am Ufer lagen schon die Segelboote bereit, auf denen Abends das Feuerwerk abgebrannt werden sollte.
Ein Pastor aus der Mark hatte die Sache in die Hand genommen. Er veranstaltete jetzt, unterstütz! von verschiedenen Helfern und Helferinnen, Spiele mit den Kindern. Als erste boten sich Richard und Susanne an. Man hatte auch Ulrike aufgefordert, doch sie lehnte unter einem Vorwand ab. Sie verhielt sich bei derlei Sachen lieber passiv als aktiv. So saß sie nun in Richards Strandkorb und beobachtete die beiden. Mit welchem Eifer sie bei der Sache waren! Wie sie mit den Kindern liefen und spielten, allen voran Susanne, flink und gewandt wie keine zweite! Ja, sie paßten wirklich zusammen! Ulrike konnte es nicht hindern, daß ein Wohlgefallen an den beiden prächtigen Menschen als Paar sie beschlich und zugleich mit diesem Wohlgefallen schlich noch etwas anderes in ihre Seele: eine leise Hoffnung auf künftige, schöne Tage Nach dem Abendessen sollte die Jllumination der Burgen und das Feuerwerk beginnen. Alles stürmte in wilder Hast nach den Zimmern, um Tücher und Mäntel zu holen. Ulrike hatte ihre Sachen schon bei sich. Sie trat noch einen Moment ins Lesezimmer, um auf Richard und Susänne zu warten. Da hörte sie plötzlich seine Stimme. Er schien sie zu suchen. Er rief ihren Namen. Ulrike wollte gerade antworten. als sie Susannes Stimme vernahm. In gereiztem Ton sagte diese: So laß' doch, Richard, wenn sie nicht da ist. Sie wird schon kommen. Du bist wahrhaftig nicht Fräulein Strenz' Gouvernante." Aber Sufy wie kannst du nur so sprechen. Du weißt doch, Ully steht mir sehr nahe. Und warum nennst du sie immer Fräulein Strenz"? Sage doch Ulrike und du. Warum bist du immer so steif gegen sie?" Der Lärm, der durch die hin- und herlaufenden Badegäste verursacht war, verringerte sich mehr und mehr. Alles eilte dem Strande zu. Es wurde still im Hause. Ulrike konnte deutlich jedes Wort verstehen. Lieber Richard über mein Benehmen gegen irgendwen lasse ich mir keine Vorschriften machen, mich auch nicht zu irgendwelchen Intimitäten zwingen, die meiner Natur zuwider sind. Uebrigens, da wir gerade davon sprechen, möchte ich dir sagen, daß ich bestimmt von dir erwarte, daß dein Verhältniß zu Fräulein Strenz nach unserer Verheirathung eine Aenderung erfährt. Ich habe mich mit dir verlobt, nicht um dich halb, sondern um dich ganz für mich zu besitzen. Das ist wohl mein Recht. Und ich mache keine Zu-geständnisse.-Aber Susy um Gottes willen Ulrike nimmt dir doch nichts von deinen Rechten! Wie kannst du solch eine Forderung an mich stellen! Du weißt doch ich hänge sehr an Ully sie war mir so viel in all den Jahren eigentlich alles sie war wie eine Mutter gegen micb und sie liebt mich so sehr .iein, Susy, verlange das nicht von mir." So liebst du mich nicht," schrie Susanne auf, in einem solch wilden, leidenschaftlichen Ton, daß Ulrike bis ins Herz erschrak. So liebst du mich nicht. So liebst du sie mehr als mich. Nun gut, ich dulde keine Götter neben mir. Ich will dich allein besitzen, ganz allein, ohne Zugeständnisse an andere. Hörst du? Ach mein Gott, ich hab' dich ja so lieb, Richard! Siehst du denn nicht ein, daß es meine große Liebe zu dir ist. die sich gegen dieses Verhältniß aufbäumt?" Und plötzlich brach sie in einen Strom von Thränen aus. Richard stand bestürzt. A'lßer sich blickte er auf seine weinende Braut herab. Er griff nach ihrer Hand und gab ihr tausend zärtliche Schmeichelnamen. Susanne beruhigte sich allmählich. Also. Richard du siehst es ein?" fragte sie dann plötzlich mit einem Anfluq ihrer sonstigen Energie. Alles, alles, was du willst, Susy," entgegnete Richard gepreßt. Jedes Opfer aber das ", er machte eine Pause, dann setzte er fest hinzu: Das nicht." Einen Augenblick herrschte Stille. Darauf sprach Susanne ' ruhig, fast kalt: Nun gut ich lasse dir Bedenkzeit. Ich weiche nicht zurück. Entweder ganz oder gar nicht. Entweder ich oder sie. Wähle." ' Ein .Rauschen ihres Rockes ein schneller Schritt im nächsten Moment klappte die Thüre. Wieder war es still nebenan. Plötzlich hörte Ulrike Richard tief aufseufzen. Dann sagte er leise aber bestimmt: Nein, das kann sie nicht verlangen. So was gibt's ja gar nicht!" Lautlos war Ulrike durch eine andere Thüre ins Freie geeilt. Sie flog beinahe auf dem weißen Sand des Dünenwegs dahin. Er führte tief in Halmgras und Gebüsch. Dort setzte sie sich nieder. Am Strand tönte die heitere Musik in abgerissenen Lauten zu ihr herüber. Ueberall in den. Bergen flammten bunte Lampions auf. In der Luft schwammen, wie riesige Leuchtkäfer, fliegende Laternen, und die Segelbote leuchteten in grünem und rothem Licht. Jetzt zischte auch die erste Rakete in die Luft, schwankte einen Moment hin und her und ergoß dann prasselnd einen Regen phosphoreszirender Sternchen über daö schwarze Meer.
Ulrike saß bewegungslos und dachte nach. Sie überdachte all die Jahre daher die Jahre ihrer Sorge und ihrer Liebe zu Richard in diesem Augenblick fühlte sie erst deutlich, wie sie ihn liebte, aber sie fühlte auch, daß sie ihm alles opfern konnte. Und sie wollte es. Sie mußte es. Sie mußte seinem Glück ihre Freundschaft zum Opfer bringen. Auf den Knien hätte Ulrike noch eine halbe Stunde vorher Susanne um einen kleinen Antheil an Richard bitten können nun aber wollte sie nichts mehr. Sie hätte ja einfach vor ihn treten und sagen können: Ich habe euer Gespräch belauscht und ich gebe dich frei." Aber dagegen wüide er sich wehren, das wußte sie, er würde an ihr festhalten, Susanne würde nicht zurückweichen und es wäre vielleicht der erste Riß zum Bruche Nein das konnte, das durfte nicht sein. Richards junges Glück durfte nicht in Scherben gehen durch sie! Es mußte von i h r ausgehen durch absichtliches Nichtverstehen von ihrer Seite, durch absichtliches, wenn auch nicht bemerkbares Zurückziehen, durch ein ganz leises, aber intensives Loslösen von ihm, was einen direkten Bruch unnöthig machte, einen Bruch, in den Richard nie gewilligt hätte, und den zu begehren, Susanne doch ein Recht besaß.
Es ist eine Schickung, die über mich kommt," sagte Ulrike zu sich. Sie faltete die Hände und betete aus tiefstem Herzen: Lieber Gott, gib mir die Kraft, meine Rolle gut zu spielen." Und sie spielte sie ausgezeichnet. Gl-ich am nächsten Morgen fand sich Gelegenheit zu einer Meinungsverfchiedenheit mit Richard. Ein junger Mann reiste ab, der Komiker in der Gesellschaft, der viel mit Richard derkehrte. Richard bedauerte es. Wie schade, er war solch', ein netter Junge." Ich finde, es war ein ganz alberner Mensch." sagte Ulrike mit ungewohnter Schärfe. Er blickte sie überrascht an. Aber Ully wie kannst du so hart urtheilen! Wir hatten alle Spaß an ihm." Ich kann es nicht leiden, wenn sich ein Mensch zum Narren macht." Und ich finde es sehr anerkenncnswerth, wenn sich jemand wie Herr Stemmes, für feine lieben Mitbrüder aufopfert mit Hintansetzung seiner selbst. Du besitzest so wenig Sinn für Humor, Ully." Ja, der geht mir ab. Dafür hat mir das Leben auch fast nur Dornen gereicht." Er widersprach man dürfe sich darum doch nicht gegen jegliche harmlose Fröhlichkeit verschließen, das Leben wäre doch recht trist ohne solch bunte Frcudenblümchen. Es cntwickelte sich ein richtiger kleiner Streit, der mit einer leisen Verstimmung endete und sich in den nächsten Tagen bei den verschiedensten Anlässen wiederholte. Richard wunderte sich Anfangs darüber. Er suchte einen Grund zu Ulrikens sonderbarem Wesen und fand keinen. Sogar Susannen, die wieder ganz wie früher gegen ihren Verlobten war und mit keinem Wort auf die Entscheidung, an welcher sie jedoch mit ganzer Kraft festhielt, zurückkam, fiel es auf. Ja. Ully hat sich sehr verändert." sagte Richard seufzend. Mit der Zeit gab er es auf. irgend eine Verständigung mit Ulrike zu erlangen. Er vermied beinahe ein Zusammensein mit ihr, das zu Differenzen hätte führen können und widmete sich dafür ausschließlich Susanne. In vollem Bewußtsein ihrer Pflicht lebte sich Ulrike mit Richard auseinander. lebte sie sich von ihm fort und keiner der Beteiligten ahnte, daß da ein schweres Opfer mit eherner Stirne und ohne zu 'zucken vollbracht wurde. Ein Opfer, wie es nur ein Weib zu bringen vermag. Es schien beinah: als eine Erleichterung, als Ulrike erklärte, eher abreisen zu wollen. Richard besorgte ihr Billett und Gepäck, er sandte ihr am Morgen der Abreise ein herrliches Roscnbukett, er sprach von häufig Schreiben" und bald Wiedersehen". 'Doch zu einem richtigen Gefühl des Schmerzes, des Bedauerns, das mit seiner Freude bei ihrer Ankunft harmonirt hätte, brachte er es nicht. Ulrike fühlte es: Die Saite zwischen ihnen, die am besten geklungen, war zerrissen. Sie selbst hatte es gethan, mit Absicht und Bewußtsein zerrissen für immer. Susanne würde ihn nun für sich besitzen und er würde ihr allein angehören ungetheilt. Und sie würde ihn sehr glücklich machen. Sie hatte ihm ja viel zu geben, die kleine Susanne mit ihrem festen, zielbewußten Charakter und dem warmen Herzen. Er brauchte sie nicht mehr. Er würde sie auch nicht vermissen jetzt nicht mehr. linder konnte sein Glück nun mit reinem Ge wissen und ohne anklagende Gedanken genießen an die, die ihm einst nahe gestanden und sich nun von ihm entfernte, sich immer weiter entfernte, wie der Dampfer es vom Lande that, an dessen Brüstung Ulrike lehnte. . Drüben flatterten noch Richards und Susannens Tücher und sie winkte und lächelte , bis das Schiff in voller Fahrt war und der gelbe Sand dort verschwand. Da sank sie auf die Bank nieder, preßte die Rose vor ihr Gesicht und weinte bitterlich.
Feuer - Signale.
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U Miflcuri u Nkv Fort i Meridian u Wafh U Jllinoi und Ohw VJ Capitol Lv.u WaH It Stmean't Porkhau S CtreKmbahn Ställe W. 2LaHington.Stt Ro.io Cvritzenhau J::inoiöuWerrUl JUinou Ltstana li WestunSSouth II West und Rckarttz W Senat v. u Henry 17 eridian und Aay fto. 4 EpritzchH adisonrv.uRorriH U riadijon r. u Dunlop AoHakm LeiterhauH ecutynah Delawar U Pm.uVrÄ U tüaaaxt u. THSaxt ?ckvrty ;j New Jersq u. ifccria er vtrg.v.urkdshM, aa afl und Prosdect icking und High fl . 11 Spritzenhaus ir Zfce. ruh Hur, ;i aft und Georgia f 5 Leb und Cin Zi Davidson u Geyrgia ?k english Av.u Pin ?? Chkliy und Bäte Ro. 5 Cpritzenhau Prospekt nah Ehelly Fletcher 2v. u Sheldy 31 Markt u. Nek, Zersetz 22 Dlswa?e und Wash. ii S-ft u Washington A New Dork u. Davids 36 Taubstummen Anstalt i er. Staaten Arsenal Z7 Orient! und Wag. 39 FraukNlRksormat. l No. 13 Spritzenhaus ??srt?Itd nah Mer. jl TZeridian . Heoryia. 13 Meridian und Louth H PennsylJ u. Lo:siana Lnaini See u. 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Als Grund dieser merkwürdigen Erscheinung gibt znan an, daß die Thiere in der Gefangenschaft immer ihren Wärtern gegenüber etwas rnif trauisch H:ircn und daß sie das Verlangen nach Freiheit niemals verlieren. Der in Go de sberg v e r storbene srülier: Leiter des Cy:nnasiums zu ösch:reiler, Direktor Pkte? Liesen, ht der Anstalt eine Quuurt ton 24,000 Mark vermacht mit der Bestimmung, daß sie als Stiftung zil Stipendien für würdige und bediirftige Schüler diene. Liesen hat mehr als 40 Jahre an der Änstalt gewirkt und sie aus unscheinbaren Anfänger? zu kräftiger Blüthe emporgehoben.
