Indiana Tribüne, Volume 29, Number 113, Indianapolis, Marion County, 5 January 1906 — Page 7
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Der HattsWrsclMsscr.
amortskc von Amsnd fitnn. Adieu denn, mein Herzensweib, adieu." Ein zärtliche: Kuß. Es thut mir so leid, daß Elli heut Abend nicht bei Tir sein und Dir Gesellschaft leisten kann." Wieder einer. Du wirst Dich nicht zu sehr langweilen, versprich es mir. Herzchen." Zwei Küne. Kleine Pause; während wclcher sie sich umschlungen hielten. Li:S auch in dem hübschen Buch, das ich Dir brachte. Liebling." Freundliches Wanzenstreicheln. ein langer Kuß. Nun, was will man viel darüber reden? Es waren eben noch ganz jung verheirathete Leutchen, noch so ein bischen in der Flitterzeit. Es galt doch auch eine Abschied für einen ganzen Abend. Von der kleinen Paula war es schon immer sehr großmüthig, ihrem Manne jede Woche einmal seinen ftegelllub zu erlauben. Alles, wa recht ist. Das sah Hermann Nolte. der iunae Gatt?, vollkommen ein und war seinem lieben, kleinen Frauchen r r . s . f. . . ' I aucy o oanioar oasur. irrn tcoox, die ein paar Säuser die Strafe kiinauf wohnte, pflegte Paula gewöhnlich bis zehn Uhr Gesellschaft zr. leisten. Kam Herr Nolte so um zwölf aus seinem Klub beim, klatschte er ein vaarmal in die Hände. Die Hausthür ward Punk! zehn vom Hauswirth geschlossen und Noltes wohnten in der dritten Etage. Den Hausthürschlüssel gab Paulinchen nicht heraus. Wozu cruch? Er klatschte und dann ließ sie an einem Bande den Schlüssel binabaleiten. Das ging ja vorzüglich. So konnte er nicht nach zwölf Uhr nach Hause kommen, da er wußte, daß sie wartete. Und da er bereits um acht fortging, so war's doch am Ende Zeit, um zwölf zu Hause zu sein. Nein, das mit dem Schlüsselmitnehmen wollte sie gar nicht erst einführen. Hermann Nolte war damit zufrieden, das beikt er saate
nichts, da er sein Frauchen nicht krän- nicht an solch langes Ausbleiben geken wollte. Lieber freilich wäre es wähnen, das litt sie nicht. Um zwölf ' . . . r . r
Ihm schon gewesen, den Hausschlüssel bei sich zu haben, wie die andern Herren. Es gab ein sichereres Gefühl, Wenn sein: Freunde ncch ein Weilchen nach dem Keaeln beim schäumenden Glase Bier und einem kräftigen Wort zusammen blieben, munte er fort, Sonst konnte man sich, leicht verplaudern, und die Uhr war im Handumc . i v oreyen eins, 0 was rennt man. uno Vaula sak und wartete und weinte vielleicht über ihre Verlassenbeit. Nein, das durfte nicht sein. Es würde vielleicht eine Szene geben, eine Gardinenpredigt, und davor hatte er heillosen Respekt. Und er war ja auch erst bai Monate verheirathet. Freilich im Kluö sing man an, ihn zu hänseln. Sobald das Kegeln vorüber und man sich zur aemutblickeii Nunde Zusammen sehte, Äch es: .Der Nolte muß jetzt beim, sonst setzt es Keile." Oder: Der Nolte darf Muttern nicht warten lassen." Oder auch: Nolte, geh' schlafen, 's ist Zeit für kleine Kinder." Diese Hänseleien, so unanaenebm sie waren, ertrug er mit stiller Resignation. um deZ lieben Ehefriedens willen. Adieu, Hermannchen," sagte die kleine Frau mit klagender Stimme und hing an seinem Halse, als gelte es einen Abschied für mindestens na. sagen wir mal gering einen ganzen Monat. Amüsire Dich auch gut und denke an Deine einsame rau. Komm' auch nicht zu spät. Männchen, wenn . om. ' r oas caocyen ooen aus iore ammer gegangen ist. fürchte ich mich sehr." .Ich bin pünktlich zur Stelle." Noch ein Kuß. noch einer. Gewalt- ' riß er sich los. Die Uhr war g.... acht; es war die höchste Zeit. Sallob. da ist der Nolte!" .Strafe,
edler Nolte. fünfzig Pfennige in die Schlaf. Ja. gewiß, sie hatte geschlaKasse. Eine volle Viertelstunde zu fen. das Licht mußte heruntergebrannt
spät." War der Abschied von Muttern so schwer?" Da ging's Gehänsele schon wiede? los. Hermannchen wollte aufbrausen. oenn das sanstmutylgile amm rann die Geduld mal verlieren. Aber damit machte er die Sache nur noch schlimmer. Also ruma Brnt. .Heute kommen Sie aber nicht so früh heim, mein Bester; Eberhein hat Geburtstag und läßt ein Fäßchen springen " Hermann machte ein langes Gesicht, ' 1 ' Konnte, durfte er Paula so allein war,n inn.n? raJ pt 5 ;.s. mr Wr kti 4u ui . wviiii vfc tivv( - - Unfriede, das erste Zerwürfniß. das er fr afrn rrrtnpni predigt etcet'era pp. Konnte, durfte er lt.- r.: ... f UtCt CIUC UlCUllUC HUI V Hl,U; V4. W Crtv,f s..n Jnfvrn ?L rtnSfffiTnrr tfVV4i iivqvii, .-v v mit ihnen ein Gläschen auf des Ge-ZL-s zi, l?n? ui K iuuwHHww -- ..... Konnte, durfte er eingestehen, daß er ohne Hausschlüssel sei? Fatale Situation. Schließlich ärgert? er sich auch über Paula. So eine thörichte klein: Frau. Weshalb mußte er denn immer erst klatschen. Es war doch viel einfacher und anständiaer. wenn der hrfn T?itn N.ikf, zwölf beisammen san und nach dem Bier noch Grog getrunkm wurde, stieg sein Muib bis in's Unendliche. Wenn dieser nun auch gemV TitAt hT THna?r onvolttn würde, als bis vor seine Hausthür, er kostete tfm mnT dnrrfV fftn Pantoffelv.v.. r II" beld? Er? Nie und nimmer. c: vf, itWr SnnnmslTrn mflK, VUQ ..... beute nickt dabei sein konnte." sagt: das Geburtstaaskind bedauernd.
Hausherr einen Hausthürschlussel Ui z inw "u. sich hatte. Das mußte anders werden! Paula weinte laut: W:e konnten Und als man nun erst gar in der hei- Du Deme rau vergessen und Dich so
Einer muß immer fehlen. Stattn wir eben glücklich den Nolte unter uns, fehlt dieser lustige Weiberfeind." Hannemann war ein richtiger Weiberfeind. Er gab mit seinem Frauenhaß stets Anlaß zu lustigen Witzeleien und Allotria. Wo er Damen witterte, machte er sicher kehrt. Nun war er heute zu der Verlobungsfeier eines Freundes geladen. Er konnte nicht gut abschlagen; auf den Geschäftsfreund mußte Rücksicht genommen werden. Aber die ganze Festivität ist mir höchst langweilig, hatte er seinen Klubbrüdern versichert. Indeß auch ohne den lustigen, weiberfeindlichen Hannemann waren die Kegelfreunde riesig fidel. Und die Zelt eilte dahin. . Paula saß gemüthlich auf dem Sofa und las. Vor ihr standen in einem Glasschälchen Süßigkeiten zum Knabbern. Der Roman war spannend, flott geschrieben, mit allerliebsten kleinen humorvollen Szenen gewürzt. So
ward es zehn Uhr. Sie schickte das Mädchen zu Bett, verschloß gut die Korridorthür und begab sich wieder in's Zimmer zurück. Die große Hänge- .. . Y.ll.L- t . OT f JC.: lampe oercreueie einen geutn vsujcui und beleuchtete den sehr gemüthlichen. trauten Raum. Wie viele glücklicbe Stunden hatte sie hier verlebt! Wie sie ihren Mann liebte! aber er sie auch; o so sehr. Ueber Paulas Gesicht zog ein schelmisches Lächeln. Sie hatte ihn richtig so ein bischen unter dem Pantoffel. Er müsse kuschen!" behauptete ihre Freundin Elli. Ach nein, kusehen" ist doch ein häßliches Wort. Ihr fiel ein anderes ein. eben so häßlich: Die Frau hat die Hosen an!" Paula ließ sich in einen Fauteuil nieder und hing ein Weilchen ihren Gedanken nach. Nein, so war sie doch gar nicht. Nun ja. ihren Willen verstand sie durchzusetzen. Wie zum Beispiel mit dem Hausthürschlüssel. Wie hatte er sie gebeten, ihm den für den Kegelabend zu überlassen. Aber nein, sie wollte nicht. Er sollte sich erst gar Uhr mußte er zu yauie iem, uno oa konnte er klatschen. Eine kleine eigensinnige Falte zeigte sich zwischen den Brauen. Ja. er hatte nachgegeben aewiß. Im Bewußtsein ihrer Macht lächelte sie wieder, was ihr Gesichtchen sehr verschönte. ! Erst elf! Ich werde mich zu Bette legen," simulirte sie, und im Bett ger.r muiijuca iccuci iqcn. So löschte sie die Hängelampe, be gab sich in das nebenan liegende Schlanimmer. welches auch nach der Frontseite lag. entzündete ihr Licht auf dem Nachttischchen, es war schon gut zur Hälfte verbrannt, aber in einer halben Stunde würde Hermannchen ja heimkommen. Den Schwf,ei an lan gem Bande legte ,ie aus oas enuer brett. ein wollenes Tuch über eine Stuhllehne, damit sie sich in dem leich ten Nachtgewande beim Oeffnen bei Fensters nicht erkälte und so, keine Vorsichtsmaßregel außer acht gelassen, entkleidete sie sich und lag bald im mollig warmen Daunenbett. .Hatte es nicht geklatscht?" Voller Entsetzen fuhr Paula in die Höhe. Alles stockfinster um sie herum. Herrgott hatte sie denn geschlafen? Da wieder! Ja. es klatschte. Himmel, sie konnte aar nicht so schnell aus dem Bett kommen! Vielleicht hatte er schon lange auf der Straße gestanden und geklatscht. Klirr! da fiel der Vorzellanleuchter auf die Erde; sie hatte so I v. m jcii:r js. . ri-c eiiiz gegen vzu yiuu;uijuj gciuu. Ein Stuhl fiel um. da hatte sie so fürsorglich ihr Tuch übergehängt. Ach was. Tuch! Nur schnell das Fenster auf! Der Schlüssel glitt hinab. Die iimqe Frau taumelte zurück, noch ganz benommen vom ersten festen sein. Wie viel die Uhr wohl war? Keine Streichhölzer? Ach. die waren mit dem Leuchter aus die Erde gefallen. Paula war so erschrocken und derwirrt, daß ihr das Weinen naye war. Es mukte ia ent etzuch Ipat lein. Schnell eilte sie auf den Korridor, die Thür zu öffnen. .Manne, ach Manne! ast Du lange draußen gestanden?" Sie warf sich wie ?rost suchend an seme Brust. Gin furchtbarer Alkoholgeruch schlug ihr entgen. Schnell löste sie die Arme 4 A A Ul? 0 'CUlCiU ... We a as? Manne? Wer ist i . fvvi" nii r r v . . v err I Manne?" Lallend wurden die Worte heraus ge tonen. .O Gott " schluchzte das junge 2Beio. .Betrunken! Wie kannst Du nnlUou Niir oas antyun . r' r r ,.,"S'war fl-fi-fidel; machtig fidel. -ie sie war hübsch und na , , , cf. ff r ( ua - ne.t. Aber ich - hm sro.), wnkuch fr-froh daß ich nicht ververwrathei bin , Abgerissen und undeutlich kamen die Worte heraus. Kaum konnte Paula dieselben verstehen. Dabei torkelte er an verschiedenen Gegenstanden anschlatjt &rou? Wer ist ,u Frau?" lallte die Stimme. Q Gott o Himmel! Weißt Du denn Nicht, dan Du verheirathet bist?" .Verheirathet!" briillk Plötzlich der Ankömmling, daß die mnge Frau zu- " 1 1 1 . . y ' f i r rucktaumelte. Und gleich darauf xicina s IN weinerlichem Ton: Ver , . , helrarhet. Pauline zitterte wie Espenlaub.
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erstens war sie noch im dünnen Nachtgewand und dann war ihr der Schreck so in die Glieder gefahren. Ich werde Licht anzünden," sagte sie mit klappernden Zähnen und suchte nach den Streichhölzern. Da. horch! War das nicht ein Klatschen! Ja, wahrhaftig, das war Hermanns Klatschen. Und wer war denn das da! Ganz trostlos schlug es nochmals lallend an ihr Ohr! Ver hei ra thet!" Den Hausthürschlüssel!" herrschte sie in ihrer Angst. Wo ist der Haustbüncklüssel?" . u Schlüssel Schlüs Schlüs " Pauline riß in ihrer Angst das Fenster auf. Männe. bist Tu da? Ach Männe!" Sie wußte nicht, was sagen, was beginnen. Da fühlte sie eine tastende Hand auf ihrer Schulter. Wahr, es es ist wahr; ich ich bin rerh-irathet," jammerte es. Paulie stürzte in's andere Zimmer. Allein in der Wohnung mit einem Ve trunkenen, und ibr Mann konnte nicht herauf. Sie rang die Hände. Nicht einmal Streichhölzer konnte sie finden. Sie eilte nach der Küche. Aber wo, wo hatte Meta die Streichhölzer? Da gottlob, ein fester Schritt. Paula eilte an die Korridorthür und öffnete: O, Männe. Männe. wie gräßlich, o
wie schrecklich!" stieß sie erregt heraus. Nolte umfaßte die zitternde Gestalt, eine furchtbare Angst packte ihn; was konnte geschehen sein? Der Schlüssel mit dem langen Bande hatte von außen in der Hausthür gesteckt und diese bebende, nur im Nachtgewande bekleidete Frau in solcher Aufregung. Was ist geschehen, Herzenskind, sprich! O Männe. Hermannchen, ich kann's nicht sagen, es ist zu furchtbar." Hermann hatte einen Fünfminutenbrenner, die er immer bei sich trug, angezündet. Da stürzte polternd eine Männergestalt aus dem Schlafzimmer auf ihn zu. Paula verschwand mit einem Schrei in der Küche. Entsetzt sahen sich die beiden Manner an. )a wars ich ,oer mormgling an Noltes Brust: Mensch. Mensch, be be daure mich. Ich ich bin ja ver hei rathet." Hannemann, um Gottes willen, wo kommst Du her? Hierher in meine Wohnung?" Doch Hannemann horte mcht, er weinte und schluchzte. ..Beruhige Dich, Hannemann, komm', geh' schlafen. Nolte ergriff den heftig Taumelnden am Arm und führte ihn in sein Zimmer, woselbst er den total Betrunkenen aus die ChaiseIonaue niederdrückte. Dann begab er sich zu seiner Frau, endlich des Räthsels Losung zu fmden. Sie hockte auf dem hölzernen Kuchenstuhl. das Gesicht in den Händen vergraben. Als ihr Man zu ihr trat, rief sie unter fortwährendem Schluchzen: O Hermannchen, denke Nichts Böses von mir; ich bin unschuldig. Männe. gewiß und wahrhaftig. Der Anblick der zitternden, leicht oekleideten, auf dem Küchenstuhl hockenden Frauenqestalt wirkte so komisch. daß Herr Nolte laut lachen mußte. Das glaube ich Dir ?a gern, Herz chen, nur sage mir blos erst mal, wie kommt der Weiberfeind zu Dir in das Schlafzimmer? Weiberfeind?" rief Paula, erleichternd aufathmend. Ist er ein Weiberfeind? Und Du kennst ihn? O Männe. komm', ich will Dir alles erzählen." Aber erst marsch in's Bett. Tu wirst Dir einen tüchtigen Schnupfen geholt haben." Ach. was war alles Erdenleid im Vergleich zu dem eben Erlebten. Paula beichtete alles. Hermann wollte sich ausschütten vor Lachen. Na, das ist gut!" rief er einmal über's andere. Hannemann muß sich in der Straße geirrt haben, und was mich am meisten tröstet, ist, daß es mehr Leute gibt, die da klatschen, wenn sie keinen Hausschlüssel haben. Am andern Morgen gelobten die beiden Freunde tiefstes Schweigen über diese dunkle Angelegenheit. Paula aber saß in den nächsten Tagen über einer zierlichen Handarbeit. Es war ein Täschchen aus grünem Tuche, auf welchem sie mit gelber Seide das bedeutungsvolle Wort stickte: Hausthürschlüssel!" Dieses Täschchen wollte sie mit einem funkelnagelneuem Schlüssel Ihrem Manne beim nächsten Kegelabend huldvollst überreichen. Großvater als Examinand. i Der französische Senator Lintilhac, so schreibt ein Pariser Berichterstatter, ist ein sehr ernster, sehr würdevoller Herr, über den man aber trotzdem herzlich lacht. Lintilhac ist Professor an der Sorbonne, Mitglied des Senats. Doktor der Philosophie, Automobilist, Bicyclist, Vater emer zahlreichen Familie und sogar Großvater. Er ist auch ein übersprudelnder Redner, ergreift bei jeder Gelegenheit das Wort und so oft dies geschieht. h:itern sich die ernsten Mienen der Mitglieder des hohen Hauses aus. Herr Lintilhac prägt nämlich köstliche Wippchen," beweist mit profundem Tiefsinn, daß zweimal zwei vier ist, und ist durch seine ungewollte Komik der Spaß macher des Hauses geworden, den man gern hänselt. So wurde ihm eines Tages nahegelegt, daß er eine schwere Unterlassungssünde dadurch begangen, daß er zu seinen vielen Titeln und akademischen Graden nicht auch den eines Lizentiaten der Rechte erworben habe. Gut, ich werde auch Lizentiat
der Rechte werden," erklärte Herr Lintilhac. Der grauköpfige, 55 ' Jahre
alte Mann begann wirklich Jus zu studiren. stellte sich, zur Prüfung und fiel glänzend durch. Das war cm Hallo im Senat, als der durchgefallene Kandidat, gedruckt und geouat. im Hause erschien.- Sein Mißgeschick war das Tagesereign.iß im Senat. Ich werde dieien Makel tilgen." erklärte Herr Lintilhac. ..ich stelle mich in einigen Monaten nochmals zur Prüfung und dann werde ich lach:n. Er begann auch wieder zu busseln. ungsthln stieg er neuerdings in's Examen! Man erwartete einen zweiten Durchfall. Die journalistischen Berichterstatter im Senat , hatten bereits für diese Eventualität eine kalligraphisch ausgeführte und in Hexamctern abgefaßte Veileidsadresse verfertigt, die Herrn Lintilhac unmittelbar nach seiner Heimsuchung überreicht werden sollte und die mit der Mahnunz schloß, das; er sich in 'sein unabänderlichcs Schick,al mit Grazie und Würde fügen möge. Aber es kam an ders als man geyont. gewünscht. Tie Professoren hatten ein menschliches Rühren und ließen den Senator durchschlüpfen. Ich habe gesteg!! Mit diesem Freudenrufe stürzte er in die Journalistentnbune. Er hatte wirklich gesiegt, gesiegt in Gegenwart seiner Enkelkinder, die dem Examen beigewohnt hatten. Gcyukr dcr Eisenbahn. Der zu Vreitenbach in "Hessen geborene russische Finanzminister Graf Kankrin war ein Gegner der Eisenbahnen. Er befürchtete, daß diese mit der Jeit den Ausbruch einer Revolution in Rußland befördern könnten. Würden doch in diesem Lande der Riesen-Ent-fernungen die verschiedenen, weitab von einander gelegenen Revolutionsherde näher aneinandergebracht werden. In einem der Reisetagbücher Kankrins findet man unter dem Datum des 15. Juni 1840 die folgende Stelle: Die Eisenbahnen werden den Nationen schwere Nachlesen zurücklassen, da sie nur exceptionel'en Werth haben. Die allzu große Kcmmunikabilität, welche ohnedies die jetzige, nicht genug state Bevölkerung noch unstäter macht und oft nur zum Luxus geHort, ist im Grunde mehr ein Uebel als ein Glück. Aber wer kann gegen die Strömungen der Zeit ankämpfen?" Ebenso wie Kankrm dachte sein Gebieter Nikolaus der Erste. Die Eisenbahnen erschienen ihm als eine verdächtige, revolutionäre Neuerung, und nur nach langem Zaudern gestattete er den Bau einer ganz unbedeutenden Li nie von Petersburg nach Zarskce-Selo im Jahre 1836. Die erste Eisenbahn. welche für Rußland eure wirthschaft liehe Bedeutung besaß, wurde 1851 eröffnet. Es ist die sogenannte Nikolaibahn, welche Petersburg mit Moskau verbindet. Der weitere Ausbau des russischen Eisenbahnnetzes wurde 2857 m Angriff genommen, aber erst End der siebziger Jahre erreichte es eine Ausdehnung, welche es zu einem HilfsMittel der Revolution machen konnte. Aus der Geschichte 'der terroristischen Bewegung, welche mit der Ermordung Alexanders des Zweiten tm Jahre 1881 endigte, ist bekannt, wie ausgie big eine kleine Schaar tollkühner Leute das russische Eisenbahnnetz benutzte, um bald dort, bald da unvermuthet zu erscheinen und ihre Schreckensthaten zu verrichten, die sich theilweise gegen eben dasselbe Eisenbahnnetz richteten. Sclzlan. 5 a u s i r e r (zum älteren Fräu lein): Was gefällig?" A e l t e r e s Ktsluletn: Ich gebrauche nichts. SS a u s i r e r : ..Kaufen Sie mir doch wenigstens diese schone Schnurrbartbinde für stiren Herrn bemahl ab, gnädige Frau! A e I t e r e s F r a u I er n : ..Die werde :ch Ihnen abnehmen. ?kn eisiaen Fluthen. 5m Loaansvort. 5nd.. ertranken iüngst zwei Kinder beim Schlittschuhl.fen. Bier andere Knaben, welche Mit ibncn durch das dünne Eis brachen, konnten erst gerettet werden, nachdem sie nahezu eine Stund? lang m den eiligen mu then gewesen waren. Sie vcroanien ... - . ihre Rettun: einem ibrer freunde. Ra mens EbarleZ Bemice. der bei seinem Rettungswcrle um ein Haar selbst er trunken Ware. Duell zwischen Farm e r n. 3wer tn Der Nahe von Elarksburg. Mo., ansässige Farmer Namens Auaust Dünner und Peter Dick fochten jüngst ein Duell mit Aex Zen aus, wocei Dunner seinem Gegner einen Arm abschlug. Zwischen den Beiden herrschte seit längerer Zeit eine erbitterte Feindschaft. . Verplaudertes l'ltten t a t. Ein junger Berliner Vnlier. der dieser Tage seine Hoc.ur tcicctc, wußte, daß seine frühere Geliebte am Taae der Trauung ern Attentat au ibn beaeben wollte. Auf eine ganz eigene Art wußte er. sich davor zu be wahren. Ein Detektivinstitut hatte dafür oesorat. daß sich eme semer An gestellten mit dem Mädchen befreundete. das den Angriff auf den Bankier bei seiner Trauung mit einer anderen plante. Die Detektivin besuchte nun die gefürchtete Attentäterin in dem Augenblick, als sie sich zum Gang nach der Kirche anschickte, mit einem jungen Manne, den sie als ihren Vräutigäm vorstellte, und verplauderte mit ihr die kritische Zeit. So ging die kirchliche Einsegnung ungestört vor sich.
Hoch klingt das ici . . . ." . In seiner vorletzten Sitzung erließ
der Kongreß ein Gesetz, welches den Präsidenten ermächtigt, solchen Personen, welche ihr eigenes Leben in die Schanze schlagen, um ihre Mltmenschen aus Todesgefahr zu erretten, als Beweis besonderer Ehrung eine Medaille zu verleihen. Der erfte Mann, welcher einer solchen Auszeichnung theilhaftig wurdewar der Lokomotiöheizer Georg Poell in Grand Island. Neb. Er rettete das Leben eines Kindes, welches er von den Schienen riß, als ein Eisenbahnzug heranbrauste und verlor dabei ein Bein. Der tapfere Mann fand das Ehrenzeichen als eine passende Gabe auf, dem Weihnacqtstilch und. dazu den folgenden Brief des Präsidenten: Mein lieber Herr Poell: Hiermit sende ich Ihnen die Ehrenmedaille, deren Verleihung der Kongreß verfügte. Sie haben mit großer Kühnheit, ihr eigenes Leben hintenansetzcnd, das Leben eines Kindes gerettet und sind dabei zum Krüppel geworden. Der eingefügte Bericht bringt darüber die Einzelheiten. Kein Mensch hatte qroßere Kaltblütigkeit und Gcschicklichkeit. oder eine größere heldenmutyigeGleichgültlgkeit für sein eigenes Leben zngen können. Es steht nicht in meiner Macht, Ihnen eine materielle Belohnung für Ihre Heldenthat zu geben. doch diese Medaille wird hnen wenigstens den Beweis dasür liefern, daß Ihre Mitbürger Ihre edle Hingabe anerkennen und sie als ein der Nachahmung würdiges Beispiel ansehen." Mit Recht bedauert es der Prästdent. daß er nicht auch die Macht hat. dem edlen Lebensretter eine materielle Anerkennung zukommen zu lassen. Eine Medaille ist eme schone Ennnerung, aber man kann nicht davon leben. Sollte ein so reiches Land, wie Amerika, welches für seine Veteranen, worunter auch solche, die me in Gefahr schwebten, Millionen hergiebt, nicht auch ein Scherflein für solche Leute, wie Poell, übrig haben? Es müßte doch mit merkwürdigen Dingen zugehen, wenn das Gesetz zur Ertheilung vonLebensrettungsmedaillen nicht erweitert und eine inDollars undEents ausgedrückte Verbesserung erfahren konnte, die besonders dann sehr angcbracht wäre, wenn, wie in dem vorliegenden Falle, der Rette? nicht nur ein armer Mensch ist, sondern infolge seiner edlen That auch noch seine gcsunden Glieder einbüßt. Hoffentlich hat die Eisenbahngesellschaft, in deren Dienst Poell verunglückte, es nicht unterlassen, dem einbeinigen Helden einen. Posten zu geben, der ihn auch in Zukunft gegen Manael schützt. Angesichts des von dem Präsidenten Roosevelt ausgedrückten Bedauerns klingt die Nachricht fast komisch, daß in Oregon eine Bewegung in's Leben gerufen wurde, welche eine Sammlung im ganzen Lande bezweckt, deren Ertrag Frl. Alice Roosevelt an ihrem Hochzeitstage als Geschenk überreicht werden soll. Die Befürworter dieses Plans werden wohl einige Streber sein, welche mit der Wurst nach der Speckseite werfen und es steht kaum zu erwarten, daß die Sammlung, wenn sie wirklich in Scene gesetzt werden sollte, besonderen Erfolg haben wird. Fr!. Roosevelt ist nicht arm, ihr Zukünftiger ist reich und da sie außer dem, daß sie die Tochter ihres Vaters ist, auf keine besondere Verdienste hinweisen kann, wird sich kein vernünftiger Mensch für ein solches Geschenk begeistern. Außerdem darf man fest davon überzeugt sein, daß ihr Vater, wenn die westlichen Streber wirklich Ernst machen sollten, ganz energisch abwinken wird. Für solche Augendienereien ist er nicht zu haben. König Hakon uns die Presse. Es scheint, als sei das neubegrundete Königreich Norwegen bestimmt, der Welt darzuthun, daß sich heutigen Tages das monarchische System und freiheitliche Institutionen recht gut miteinander vertragen. König Hakon. der sich als ein rech! aufgeklärter und modern denkender Fürst zeigt, hat jetzt, wie gemeldet wird, die Herausgeber sämmtlicher in Ehristiania er scheinenden Zeitungen zu sich in's Königsschloß entboten, sie sehr freundlich empfangen, ihnen für die St?m pathien gedankt, die sie ihm bei seiner Wahl und seiner Thronbesteigung cntgegenbrachten, und sie gebeten, ihm auch fernerhin wohlwollend gesinnt zu bleiben. Wenn man weiß, welche Rolle die norwegische Tagespressc spielt und daß es thatsächlich die ersten Geister des Landes sind, deren Mcinung in ihr zum Ausdruck gelangt, so wird man diesen sehr erfreulichen Schritt auch vom politischen Standpunkte aus einen sehr klugen nennen müssen. Aus Flensburg kommt die nachstehende, recht befremdliche Meldung: Dem Wortführer der Süd-Jüten". Reichstagsabgeordneten Jessen. ist auf eine telegraphische Beglückwünschung zum Einzug König Haakons VII. in Ehristiania folgendes Danktelegramm, unterzeichnet von dem Adjutanten des Königs, zugegangen: Seine Majestät der König hüben mich beauftragt, Ihnen und den übrigen Süd-Jüten (?) für Ihr freundliches Telegramm den herzlichsten Dank auszusprechen." (Süd-Jüten nennen sich bekanntlich die nordschleäwigschen Protestler.)
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I tt l n ll d j. iv"II IIri!4!":JI!'"!,t H! D i e zweite silberne Hochzeit feierte jüngst in Philadelphia ein gewisser EharleS Bruene mit seiner Gattin. Schon im Jahre 1879 hatte Brucne mit seiner ersten , Gattin die silberne Hochzeit begangen; die Früu war einen Monat nach der Feier gestorben. Vruene ist ein Vetcran deS Bürgerkrieges. Hund rettete seinen Herrn. Der G5 Jahre alte Farmer David Pennisler in Argylc. Wiö.. wurde nur durch die Treue und dcn Muth seines Hundes bor einem schrecklichen Tode bewahrt. Ein loüthendcr Stier grisf den Mann an. und dcr Hund warf sich dazwischen, wobei er fast in Stücke zerrissen wurde. Der Farmer selbst trug schwere Vcrlctzungen davon. Ganze Familie verb r a n n t. In Red Lale Falls, Minn., ist die ganze Familie des Grobschmieds Pcter Martcll, aus ihm. seiner Frau, zwei Söhnen und einer Tochter bestehend, durch einen Brand, der das Haus zerstörte, um's Lelcn gekommen. Nachbarn hatten gesehen, wie Martell. auf einer Leiter stehend, den Versuch gemacht hatte, ein Fenster des zweiten Stockwerkes einzuschlagen, in welchem seine Angehörigen schliefen, aber gerade als ihm das gelungen war, stürzte das Haus ein, die Unglücklichen begrabend. Im Schlafe zum Morder. In Louisville. Kn., wurde dcr farbige Droschkenkutscher Archie Härris von einem Ziameraden Ramrns Louis Whitney erschossen. Allem Anschein nach hat Whitney die That im Schlaf begangen. Dieser Tage wurde Whitney mit einem Revolver beschenkt und er brachte stundenlang mit Bcsichtigunq desselben zu. Der Besitz der Waffe scheint seine Gedanken vollständig eingenommen zu haben, so daß cr die ganze Nacht davon träumte. Man nimmt an, daß der Mann im Schlase aufstand, und in der Meinung, daß ein Angriff auf ihn gemacht werde, auf seinen vermeintlichen Angreifer mehrere Schusse abgab. In effigie" gehängt. Erbittert über einen Zeitungsartikel in dem Lokalblatt Sentinel." hielten neulich mehrere hundert Bewohner in Hyde Park. Mass., eine JndignationsVersamlung ab ,io faßten den Beschluß, daß dcr Redakteur des Sentinel," Victor Weill, seinen Wohnsitz nach einem anderen Orte verlegen solle. Während der Versammlung kam Zufällig der in Acht und Bann erklärte Zeitungsmann des Weges und eine wüthende Schaar stürzte sich auf ihn, zu. Durch die Straßen ging die wilde Jagd, doch Weill erreichte einen gerade abfahrenden Vahnzug nach Boston und enteilte den Verfolgern. Später machten sich die Leute das Vergnügen, den Redakteur in effigie" aufzuknüpfen. Unwirksame Negerbleiche. Ein Neger beschwerte sich neulich bei der Postbehörde in Bloomington, Jll.. daß eine Firma in Ohio ihn beschwindelte. Dieselbe erbot sich, ein Mittel zu liefern, durch welches Neger in Weiße verwandelt werden k'önnten. Der vertrauensselige Schwarze kaufte mehrere Flaschen der Präparate an und begann nun mit Aufgebot aller Kräfte mit der Miztur seinen Körper einzureiben. Als aber trotz Wochenlangem Gebrauch die schwarze Farbe seines Gesichtes dem sehnlichst erwünschten kaukasischen Teint nicht weichen wollte, begann endlich die Ueberzeugung in ihm aufzudämmern, daß er das Opfer eines schändlichen Betrugs geworden war. Fabrik in die Luft gesprengt. In Eltton. Ky., wurde die Tabakfabrik, welche die American Snuff Eo. für den Tabaktrust betrieb, durch Dynamit zerstört. Vor Kurzem hatte die Versicherungs-Gesellschaft die Feuerversicherung zurückgezogen, so daß der Verlust vollständig ist. Wehrere Häuser in der Nachbarschaft und das Bahnhofsgebäude wurden stark beschädigt. Man glaubt, daß Mitglieder oder Freunde der Dark Tabacco Growers Association" die That vollführten. Es herrscht heftige Erbitterung der Pflanzervereinigung gegen den Tabaktrust, die American Tabacco Eo.," und obwohl die Beamten der Vereinigung jede Gewaltthat verdämmen, lassen die Leute sich von solchen doch nicht abhalten. Stummer 'geheilt. d':xn 15jähr!ger Junge Namens Norman Williams in Wilkesbarre, Pa.. welcher , vor IS Jahren nach schwerer Krankheit den Gebrauch der Stimme vollständig verloren hatte, erlangte denselben dieser Tage ganz unverhofft und wie durch ein Wunder wieder, nachdem die berühmtesten Aerzte ihre ganze Kunst und all ihr Wissen in dem Bemühen, dem Jungen zu helfen, vergeblich ausgeboten hatten. Wie der Knabe selbst erzählte, überkam ihn plötzlich ein solch unwiderstehlicher Wunsch und Drang, zu sprechen, daß er seine ganze Willenskraft ausbot, und siehe da, ehe er sich's versah, kam ihm nicht nur die längst entschwundene Stimme wieder, sondern die Worte sprudelten ihm nur so über die Lippen. Er sprach mit seiner Schwester, die. als sie da plötzlich die Stimme des bisher stummen Bruders vernahm, , vor freudigem Schreck selbst fast sprachlos wurde.
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