Indiana Tribüne, Volume 29, Number 112, Indianapolis, Marion County, 4 January 1906 — Page 7

Jndiana Tribüne, & Januar iSVlZ.

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Von GT. v. Ctjnattcn. Ich war damals zwar schon ein recht reifer Bursch, auch ein ziemlich ersahrener, aber ein so liebliches Gesichlchen, wie mir jetzt aus einer Art WittwenHaube entgegenschaute, hatte ich nie zuvor gesehen. Es lag etwas Engelhaftes darin, rührende Unschuld und Verwirrung. Dabei machte das reizende Weib aber doch den Eindruck einer Weltdame, und zwar einer sehr eleganten. Einige Augenblicke zuvor hatte man mir eine von breitem Trauerrande umfaßte Visitenkarte überbracht', die den Namen Alice Rehard" trug. Frau oder Fräulein? Ich war im Zweifel. Womit kann ich dienen, gnädige Frau!" fragte ich geschäftsmäßig-hof-lich, wie es sich für einen Bankier in feiner Berufsthätigkeit schickt. Ach, Herr Brückn, Verzeihung" Ein eisschmelzender Blick, und aus der Dame weitem Sammetärmel glitt ein länglich gefaltetes Papier heraus, das sie mir mit zager Eeberde überreichte. Es war eine Sammelliste zu Gunsien verlassener Kinder, für die in irgend einem unbekannten Nestchen an der Ostsee von barmherzigen' Schwestern ein Asyl gegründet werden sollte. An der Spitze der Wohlthäter standen die Namen Alice und Hedwig Rehard mit tausend und fünfhundert Mark. Dann folgte eine lange Reihe anderer Namen, unter denen sich viele mir bekannte befanden. Alle hatten bedeutendere Summen gezeichnet. Nicht wahr, Herr Vrückner, Sie schicken mich nicht ohne jeden kleinen Beitrag weg!" klingelte das Silberglöckchen in mein Ohr. Und sie schaute mich aus ihren großen, braunen Augen so flehend an. Über ihrem ganzen entzückenden Personcyen lag eine so rührende Hilflosigkeit ausgegossen, daß eine Weigerung gewissermaßenzurllnmöglichkeit wurde. In mir war aber das Verlangen erwacht, ihrem Besuch eine gewisse Ausdehnunz zu geben, etwas Näheres über sie zu erfahren, und so machte ich einige Umstände. Ich würde mit Vergnügen etliche Vlauscheine in die Ovferschale legen, mit doppeltem Vergnügen, wenn es durch Ihre Vermittlung geschehen könnte, 'meine gnädige Frau " Ach, dann bitte, thun Sie es doch! Sie können sich gewiß nicht vorstellen, wie schrecklich es ist, welche SelbstüberWindung dazu gehört, bittend von Thüre zu Thüre zu gehen, verdrießliche Mienen zu sehen, harte Worte zu hören!" Des reizenden Weibes Hände erhoben sich wie in stummer Bitte, wobei der zurückfallende Aermel den Anfang . 3 -4 - rt . .:c-n cis.a nuc iuuiiiiuuu ycuici geilen .uuc sehen ließ,- ihre Blicke wickelten mich ein wie eine Liebkosung. Aber, meine verehrte, gnädige Frau," fragte ich so sanft,. wie nur möglich, warum quälen Sie sich so! Lassen Sie doch andere sammeln, das ist ohnehin eine Aufgabe, die sich für ältere Damen besser eignet!" Mich verpflichtet ein Gelübde, das mir heilig ist." Ein Gelübde V Ich beugte mich näher zu ihr. Ich gelobte, die sechzigtausend Mark zu erbitten, deren Schwester Jsidora und Venedikte bedürfen, um den Grund zu legen zu ihrem gottgesälligen Werke. Sie haben niemand als mich, leben inmitten einer bitter armen Fischerbevölkerung, die so reich ach, so reich! an verlassenen Kleinen ist." War sie toll? Oder machte sie sich einen schlechten Spaßmit mir! Das ist ja rein unmöglich!" entfuhr es mir. Ein fcheues, ich möchte sagen überirdisches Lächeln ging in ihrem Gesichtchen auf. Die Hälfte habe ich schon, sogar darüber!" sagte sie. Wie ist das möglich?" Mutter und ich reisen seit einem ,Jahre von Stadt zu Stadt, und ich 'habe noch an wenige Herzen gepocht, 'die mich ohne jedes Scherflein gehen hießen. Selbst die Harten und Kargen, die Ungläubigen gaben mir, wenn auch nur spärlich." Kein Wunder," dachte ich, wer widersteht diesem Gesichtchen, so lieben Augen!" Laut aber sagte ich: Die beiden Barmherzigen sind Ihnen wohl verwandt?" Die junge Dame schüttelte den Kopf. Es war bei meiner Frage eine jähe Veränderung mit ihr vorgegangen, ihre Augen hatten einen starren, trostlosen Ausdruck angenommen. Sie pflegten . . m t i . T. meinen Aerzooien ivaurcno i,cuici i monatelangen Krankheit bis zu seinem letzten Athemzuge mit unermüdlicher 'Hingebung " Verzeihung, gnädiges Fräulein, . daß ich ohne es zu ahnen, so traurige Erinnerungen geweckt habe!" Sie sind immer wach, immer' ich sehe ihn stets, meinen Albert, er begleitet mich, wohin ich gehe, und kann er auch nicht zu mir sprechen, an meiner Seite ist er doch und bedeutet mir durch Zeichen, was ich thun soll." Sie stand auf, bog den Kopf hintenüber und schaute wie in Verzückung zur Decke hinauf. Dann mit der einen Hand in die Höhe zeigend, legte sie die andere auf meine Schulter, mir zuflüsternd: Sehen Sie ihn, fehen Sie! Ja, Albert, ich werde mich nicht beirren lassen, nicht wanken und weichen, bis das Haus vollendet dasteht, das Deinen Namen tragen soll, in dem Dein Geist weilen wird, die armen tteinen schützend, die Du so sehr, ge-

liebt hast! Älbert! o Albert, o nur hinauf zu Dir, zu Dir!" Alice war von wunderbarer, berückender Schönheit in diesen Augenblicken der Ekstase, die prachtvollen Augen unnatürlich weit offen, strahlend, die fein modellirten NasenHüael in leise zitternder Bewegung, der ganze schlanke und doch volle Körper ein rundweichcs Leben. Und in der Stimme, die sich bald hob, bald zu hauchendem Flüstern hinabsank, welche Beseligung, aber auch welche Energie und Leidenschaft! Nichts entging mir und doch war mir so unheimlich zu Muthe wie vielleicht noch nie in meinem Leben, und zugleich erfaßte mich ein nnendliches Mitleid mit der Unglücklichen. Sie sprach nicht mehr, der Glanz ihres Blickes war erloschen, aber sie stand noch immer regungslos in der gleichen Haltung, starr in die Höhe schauend. Fräulein Rehard." sagte ich. ihre Hand ergreifend, wollen Sie mir nicht Ihre Adresse sagen? Ich würde mir erlauben, Sie nach Hause zu bringen." Zusammenschreckend hatte sie sich mir zugewandt und schaute mich nun groß und fragend an, als wisse Sie nicht, was sie aus mir machen solle. Endlich fragte sie tonlos: Was?" Ich wiederholte Frage und Anerbieten von vorhin, und sie nannte, noch immer wie eine Geistesabwesende, eine elegante und mir wohlbekannte Familienpension. Ihr den Arm bietend, führte ich sie zu einem Diwan, der in meinem Kontor stand, rief dann den alten Bernhard, unseren Diener, und beorderte ihn, schleunigst eine Droschke herbeizuholen. Mit fliegender Hand schrieb ich meinen Namen in die Sammelliste, setzte die Zahl 200 daneben, versah mich mit Geld und widmete mich wieder meinem schönen und so bedauernswerthen Gaste. Die unnatürliche Spannung und Verklärung von vorhin, war jetzt aus ihren Zügen gewichen, sie hatten den natürlichen Ausdruck zurückgewonnen. nur sah sie sehr niedergeschlagen und erschöpft aus. Würden Sie wohl die Güte haben, mir einen Wagen holen zu lassen, ich fühle mich nicht ganz wohl!" sagte sie: Natürlich war ich mit Vergnügen dazu bereit,, und zehn Minuten später saß ich neben Alice in einer Droschke. Sie hatte meine Begleitung schweigend geduldet, sprach aber unterwegs sehr wenig und berührte mit keinem Worte ihren visionären Zustand von vorhin. Schwand mit der Vision selbst auch die Erinnerung an sie? Wie trostlos, dachte ich, daß eine solche Liebe einem Todten gilt! Armes Kind, sie könnte so glücklich sein! In der Fremdenpension, in der sie wohnte ich war ihr die Treppe hinaufgefolgt, ohne vorher die Erlaubniß dazu einzuholen wurden wir von einer recht würdig aussehenden älteren Dame empfangen. Sie schien zu erschrecken, als sie Alice in meiner Begleitung ankommen sah und ließ einen prüfenden Blick über sie hingleiten. Dann sagte sie halblaut zu mir: Bitte. nehmen Sie Platz, mein Herr, ich werde gleich wieder zurück sein," faßte des schönen Mädchens Hand und verschwand mit ihr in ein Nebenzimmer. Ich war aber zu erregt zu ruhigem Sitzen und betrachtete die im Zimmer hängenden Bilder. Schauderhaft! dieses züchtige Weib war sie war sie wahnsinnig? f Endlich kam die ältere Dame' zurück und sagte, mich abermals -zum Sitzen einladend: Meine Tochter hat Sie wohl aufgesucht, um Sie für das geplante Kinderasyl an der Ostsee zu interessiren. nicht wahr?" Ich bejahte, Frau Rehard die Sammelliste in Begleitung von zweihundert Mark einhändigend. Bankier Brückner, gnädige Frau," sagte ich, mich vorstellend. Und Alice hat einen nervösen Anfall gehabt, ihren verstorbenen Bräutigam zu sehen geglaubt!" Wieder bejahte ich. ..Ach. es ist trostlos!" seufzte Frau Rehard mit dem Taschentuch ihre Augen betupfend. Seit ihres Verlobten Tode ist meine Tochter recht leidend, so oft sie an ihn erinnert wird, stellt sich solch ein Anfall ein, der freilich nie lange anhält." Und gibt es kein Mittel dagegen?" fragte ich. Das Uebel wurzelt im Gemüthe, dagegen gibt es keine Arzenei," erwiitxk Frau Rehard wehmüthig. In der Apotheke nicht, das glaube ich. aber Zerstreuung. Aufbeiterung " Meine Tochter will sich nicht zerstreuen." Wenn gnädige Frau ihr vielleicht die Gesellschaft Fremder aufdringen würden, dann wäre die junge Dame doch gezwungen, sich wenigstens zeitweilig zusammenzunehmen." Das wäre äußerst schwierig, denn Alice flieht die Menschen, sofern sie ihrer nicht für das Kinderasyl bedarf. Aber zu Professor Börner will ich mit ihr gehen; wie mir hier gesagt wurde, gilt er für eine Autorität ersten Ranges auf dem Gebiet der NervenHeilkunde." Ich bestätigte diese Versicherung, dann nahm ich Abschied, die Erlaubniß erbittend, mich nach Fräulein RehardS Befinden erkundigen zu dürfen. Drei Monate fpäter war ich mit Alice verlobt! . Wie es gekommen? Wie derlei Dinge eben kommen. Interesse, Bedauern, geistige Beschäftigung mit ihr, häufiges anregendes Beisammensein mit ihr, der Einfluß, den Schönheit, Jugend frisch: und Seltsanl-

rett aus jedes Menschengemüth üben! Professor Börners Behandlung, welche die Damen veranlaßte, ihren Aufenthalt sehr wesentlich zu verlängern, trug die besten Früchte. Alice wurde froher, freier, sie blühte in .dem gleichen Maße auf, wie die sie so schwächenden visionären Zustände sich seltener und seltener einstellten und die Aussichten für das Kinderasyl sich besserten Nicht ohne meine Mitwirkung, wie ich ohne unbescheiden zu sein, versichern darf. Unserer Verlobung Jritn köstliche Mocben traumbft still, aber von unbeschreibücyem Zauber durchweht. Ich

war so alucklich. wie man nur sem kann, trotzdem ich damals bereits zwischen Acht- und Neununddreißig schwebte, über die Jahre überschäumenden Gluasempflndens also schon seit geraumer Zeit hinaus war. Daß Alice so qut WH kein Vermögen besaß. o?e Damen von einer Rente lebten, die ihr Tod wie ihre Verheirathung zum Erloschen brachte, was machte das mir aus! Ich hatte gemg für uns beide und noch für einige mehr, und das sagte ich auch, als sie mir ihre Ar muth" entgegenhielt. Im Ernverstandniß mit Professor Börner, hatten wir den Oktober für unsere Verbindung ausersehen. Um die Monatsmttte etwa sollte die Hochzeit gehalten werden, dann wollte ich meine junge Frau nach Italien und Egypten führen, um erst Ende April wieder heimzukehren. Seit fünfzehn Jahren hatte ich mir keine längere Erholung mehr gegönnt, folglich durfte ich mir mit gutem Gewissen endlich einmal einen halbjährlichen Urlaub nehmen, umsomehr, als ich in meinem um sechs Jahre jüngeren Bruder einen tüchtigen Vertreter besaß. bereit, die ihm zugedachte Last aus sich zu nehmen. Mitte September- erklärte Alice plötzlich, nochmals nach Kiel, ihrer Heimath, zurückkehren zu wollen, um ihre Angelegenheiten zu ordnen und sich während etwa vierzehn Tagen in strengster Zurückgezogenheit auf ihren künftigen Beruf seelisch vorzubereiten. In dieser Zeit hörst Du keine Silbe von mir. liebster Robert!" sagte sie. Daß ich mit 'diesem Plan keineswegs einverstanden war. wird jeder begreifen, ich widerstrebte ihm auch mit aller Kraft, meine Braut bestand aber in ihrer zwar sanften, doch zähen Weise auf ihrem Willen, und da sie Professor Börner auf ihrer Seite hatte, mußte ich schließlich nachgeben, so ungern ich es auch that. Unser Abschied war ein sehr bewegter, ich konnte mich nichö trennen von meinem Lieb. Nach der Damen Abreise nahm die Zeit für mich einen bleiernen Gang an, trotzdem bisher noch kein Tag vergangen war. ohne mir wenigstens einige liebe Worte von der Hand meiner Braut zu bringen. Eines Morgens aber blieb der gewohnte Gruß aus, dafür aber ließ sich der Pensionswirth gegen Mittag bei mir melden, um mir mitzutheilen, daß ein Geheimpolizist nach den Damen Rehard gefragt hätte. die verdächtig wären, allerlei Schwindeleien größeren Stiles verübt zu haben. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich. daß meine künftige Schwiegermama ihre letzte Rechnung mit 1117 Mark nicht bezahlt hatte, da sie ja im Oktober wiederkommen wollte und den größten Theil ihres Gepäckes, etwa zehn Koffer und Körbe, zurückgelassen hatte. ' Aber, Herr Brückner," sagte der Mann kleinlaut, es kommt mich hart an. es zu sagen: in den Koffern und Körben, die ich auf den Besuch des Polizisten hin aufschließen ließ, ist nichts als alte Bücher. Zeitungen und Steine, die mit ein paar Kleidern zugedeckt waren. Sie kennen sich selbst davon überzeugen." Hätte man mich unversehens in die Hölle hinabgestoßen, es wäre mir wohl kaum schlechter zu Muthe gewesen, als bei diesen Erzählungen. Meine vergötterte Braut und ihre Mutter rafft nirte Schwindlerinnen? Mit mir drehte sich alles im Kreise. Ich bezahlte den Wirth und bat ihn, über das Borkommniß, welches sich bald befriedigend aufklären würde, Schweigen zu bewahren, das er mir bereitwillig versprach. Dann fuhr ich nach der Polizei und hörte vom Kommissär, den ich in meine Beziehungen zu Alice einweihte, es bestehe starker Verdacht, daß sie in die eigene Tasche gesammelt habe und die Geschichte vom Kinderasyl pure? Schwindel sei. Einen Ort, wie sie genannt, gebe es an der Ostsee überhiupt nicht, und dann hatte sie den angebettelten Personen weit über hunöcrtfünfzig hatten ihr mehr oder minder beträchtliche Beiträge gegeben verschiedene, nicht gleichlautende Sam mellisten vorgelegt, die theilweise gefälscht sein dürften. Fern:r erfuhr ich. daß sie ihre Sammelgänge bis in die letzte Woche hinein fortgesetzt, trotzdem sie mir deren Einstellung schon lange vor unserer Verlobung zugesagt hatte. Wünschen Sie sich Glück zu diesem Ausgang, Herr Vrückner." sagte der Mann, mir die Hand drückend. ..Sie sind mit einem blauen Auge davongekommen. Wer weiß, watz Sie noch erlebt hätten, wenn eS den Frauen nicht heiß unter den Füßen geworden wäre! Sie müssen gemerkt haben, daß wir ihnen auf den Hacken sind." Ich war vernichtet. Bei der Heimkehr fand ich einen von zärtlicher Schwärmerei überfließenden Brief von Alice, worin sie mir mittheilte, daß nunmehr Retraite" beginne, und ich in den nächsten .vierzehn Taaen nichts von ihr hören würde.

Es ist wohl überflüssig zu sagen, daß ich überhaupt keine Nachricht mehr von ihr bekam und überdies' das Vergnügen hatte, Professor Börners Rechnung zu bezahlen. Was weiter aus den Damen wurde, weiß ich nicht. Die Polizei fand glücklicherweise keine Spur von ihnen und vermuthet, daß sie sich mit ihrer Beute nach Amerika geflüchtet haben. Ich aber bin Junggeselle geblieben. Nerven von Eisen scheint ein gewisser William Wainwright in Philadelphia zu besitzen. Derselbe war als Wagenputzer im Reading-Bahn-Hofe angestellt. Kürzlich war er auf der Plattform eines Waggons beschäftigt. als derselbe von der RangirMaschine einen plötzlichen Ruck erhielt, der ihn hinuter auf die Schienen schleuderte. Die -Räder gingen ihm über beide Füße und trennten dieselben vom Körper. Wainwright verlor trotz der fürchterlichen Verletzung nicht einen Moment die Besinnung. Als die Aerzte im Hospital ihm erklärten, daß es nöthig sei, eine Operation vorzunehmen, bat er sie, sogleich damit zu beginnen und wollt: nicht einmal zugeben, daß man ihn chlorosormire. Die Aerzte bestanden aber darauf, ihn zu citherisiren. Wainwright hat die Ope ration aut überstanden. Der schönen weißen Wasche wegen sind- Holland und Belgien bekannt. Die Wäscherinnen dort gebrauchen statt des Sodas gereinigten Borax als Waschpulver und zwar eine starke Hand voll auf 30 bis 40 Quarts Wasser. Sie ersparen hierdurch fast die Hälfte der Seife. Alle großen Wäschereien in Holland wenden dieses Verfahren an. Für spitzen und andere feine Stoffe setzt man mehr Borax zu, der, weil er ein neutrales Salz ist. die Wäsche nicht im geringsten angreift. Er macht das härteste Wasser weich. Manche im Handel vorkommenden Schönheitsmittel enthalten schwache Auslösungen von Borax mit einem Zusatz von Glycerin oder Benzoe. Das Strumpfband ist infolge des Druckes, den es dauernd auf die Gewebe ausübt, recht gesundheitsschädlich; hierbei kommt besonders in Betracht, daß das Band nur eine schmale Zone einschnürt. Jedenfalls tritt an dieser Stelle eine Störung in der .Ernährung, der Muskeln ein. Diese macht sich nun um so nachtheiliger geltend, je mehr sich die betreffenden Personen in der Wachsthumsperiode befinden; bei Kindern können also Entwicklungshemmungen des ganzen Körpers die Folge sein. Eine bedenkliche Wirkung wird auch auf die Vlutcirkulation ausgeübt, so sind Krampfadern, Fußgeschwüre. offene Füße meist Folgen eines verhinderten Abflusses verbrauchten Blutes. Ob das Stumpfband elastisch ist oder nicht, bleibt sich ziemlich gleich. n 5D e u 1 1 ß) l a n D werden 80 und in Oesterreich 60 Prozent alles erzeugten Alkohols aus Kartoffeln geWonnen. Rußland produzirt 50 und Frankreich 20 Prozent davon aus derselben Knollenfrucht; 73 Prozent des französischen Alkohols rühren von Zuckersaft und Zuckerrüben her, die noch übrigen 5 Prozent aus Wein und Obst. In Großbritannien, Spanien und Italien erzeugt man den Alkohol ausschließlich aus Getreide. GräßlichesEnde. In Racine. Wis., ist ein Arbeiter Namens Louis Oesterreich in der dortigen Eisengießerei auf schreckliche Weise um's Leben gcLinmen. ' Er arbeitete an einem Rammblock und um eine Verbindung herzustellen, brachte er seinen Kopf gerade unter den Hammer. Dabei berührte er mit seinem Fuße unglücklicherweise die Rammkette, so daß der Hammer sich löste und ihm auf den Kovf fiel, .er zu Brei zermalmt wurde. Dtr am 2 3. November zum sächsischen Generalstabschef ernannte Generalmajor Freiherr v. Wagner ist in Dresden plötzlich gestorben. Der Profeskor Christian Hülsen, der zweite Sekretär des Kaiserlichen archäologikchen Instituts zu Rom. imnoc zum Mitglied der Accademia dei Lincei ernannt, ein BcweiS. daß man dort beginnt, die bisher beobachtete chauvinistische Haltung gegenüber der deutschen Forschung aufzugeben. Mttttscis.

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Gauner (sich in dem gestohlenen Anzug betrachtend): Herrschaft! Bin ich aber jetzt a nobler Herr . . . Schad', daß ich mir nicht auch ein andres G'sicht stehlen kann!"

Bei den Hofjagden des Herzogs Ernst Günther in Primkenau ereignete sich ein schweres Unglück. Ein Hilfsjäger des Herzogs, der auf dem Bock des Wagens Platz genommen hatte, wurde dadurch fchwer verletzt, daß sich eine im Wagen stehende Flinte entlud. Der Verletzte wurde nach Glogau gebracht, starb aber unterwegs. DasDenkmalFritz Reuters in Jena, das vor dem großherzoglichen Schloß steht, soll einen anderen Standort erhalten. Da das Schloß niedergerissen wird und dem Universi-täts-Neubau Platz machen muß, wird auch die Umgebung verändert. Die von Paul geschaffene Marmorbüste Reuters muß ebenso wie die Bronzebüste des Professors F.G. Schulze auswandern. Man hat dem alten Burschenschafter einen Platz in der Nähe des Burgkellers, der Ärminen - Kneipe, ausgesucht. Hinter der Kirche auf dem Platze vor der alten Schule wird die Büste mit dem Blick nach dem neuen Universitätsgebäude aufgestellt werden. Ein arger Studententumult, der vor einiger Zeit in Heidelberg verübt worden war, hat jetzt sein Sühne gefunden. In einer Sonnabendnacht drang eine größere Anzahl Studenten, die voi? einem Kneipgelage kamen, in eine Bäckerei ein und belä-

stigte den Meister und die Gesellen derart, daß diese die Polizei herbeirufen mußten. Den Beamten gelang eS nach vieler Mühe, drei der Ruhestörer zu verhaften und zur Feststellung ihrer Personalien nach der Wache zu sistiren. Die übrigen Musensöhne erklärten sich mit den verhafteten Corpsbrüdern solidarisch und begleiteten die Sistirten zum Rathhause, wo sie einen solchen Höllenlärm machten, daß trotz der Nachtzeit binnen Kurzem ein Auflaus von etwa 300 Personen entstand. Mit vieler Anstrengung gelang es der Polizei, nachdem sie acht Akademikern eine vorzügliche Unterkunft im Amtsgerichtsgefänniß verschafft hatte, die Ruhe wiederherzustellen. Das Großbrzogl. Bezirksamt in Heidelberg verhängte gegen die jungen Leute Haftstrafen von je 6, 10, 12 und 20 Tagen, während einige von ihnen mit Karzerstrafen davonkamen. Nächster Tage w ird der berühmte norwegische Novellist Jonas Lie sein letztes Buch versenden, d. h. sein letztes Buch aus Paris. Im Frühjahr gedenkt er nach Norwegen zurückzukehren, nachdem er 22 Jahre hindurch im Winter in dem Seinebabel und im Sommer in dem bayerischen Berchtesgaden gelebt hat. Sein etwas älterer Zeitgenosse. Björnstjerne Björnson, theilte, beiläufig bemerkt, dieselbe Gewohnheit, nur alternirte bei ihm mit Paris statt Berchtesgaden das nordtyrolische Schwaz, wohin er noch immer Sommers auf einige Wochen geht. Wie dieser und wie Henrik Ibsen hat sich auch Lie seinerzeit freiwillig aus Norwegen verbannt, jetzt aber nach Vollendung des 72. Lebensjahres gedenkt er wieder in die Heimath zurllzukehren und die letzten ihm vergönnten Tage dort zu verleben. Seit Jahren lebt er allein mit seiner fast gleichalterigen Gemahlin, von seinen Söhnen ist einer der als.k. norwegischer i Geschäftsträger in Berlin beglaubigte Hauptmann Michael Lie. Der Dichter war nach seinem eigenen Geständniß früher ein leidenschaftlicher Bücherwurm, jetzt hat er, halb erblindet, die Lektüre aufgeben müssen. Ueber die Schreckens thaten eines Rasenden, der in der Stadt Abdella im mazedonischen Wilajet Monastir ungeheuren Schaden angerichtet, wird berichtet: Ein Grieche namens Garanassios kehrte vor einigen Wochen aus Amerika nach Abdellos zurück, wo er eine Frau und drei Kinder während fünfJahren ohne jedwede Unterstützung zurückgelassen hatte. Bald nach seiner Heimkehr begann er seine Ehesrau aufs brutalste zu tyrannisiren. Er verlangte außerdem, daß sie ihm von ihrem Vater 15 türkische Liras verschaffte. Als ihre wiederholten Versuche, seinemWunsche nachzukommen, fruchtlos geblieben waren, beschloß Garanassios, sich zu rächen. Er erfüllte seinen Beschluß auf die grausamste Weise. Eines Nachts begab er sich, mit Zündstoff und Axt versehen, in den Stall seines Schwiegervaters und schlachtete alle Kühe und Schafe ab, die sich darin befanden. Dann steckte er den Stall und das Haus des Schwiegervaters in Brand. Begleitet war er auf seiner mörderisehen Unternehmung von einigen Banditen, die mit dem Metropoliten des Bezirkes höchst unzufrieden waren. Diesen befahl er, sein eigenes Haus sowie die Wohnung des Kirchenhauptes von Abdella in Brand zu stecken. Er selbst lief wie ein Wahnsinniger in den Straßen- der Stadt herum und zündete mit einer brennenden Fackel die Strohdächer mehrerer Wohnungen an. Da die meisten Häuser der Stadt aus Holz gebaut sind, befand sich Salb der größte Theil von Abdella in Flammen. Im Verlauf von zwei Stunden wurden somit 154 Häuser ein Raub des Brandes, sowie auch eine Schule, eine mehrere Jahrhunderte alte Kirche und das Karawanserei. Der Schaden beläuft sich auf mehr als 20.000 türkische Pfund. Die Bevölkerung von Abdella befindet sich nunmehr in großeNoth. Den Behörden ist es bis jetzt noch nicht gelungen, den rasenden Brandstifter und seine Helfer zu ver-

Anfovfernd.

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Herr: Nimmt denn der Schimmel die Medizin auch, die ihm der Thierarzt verschrieben hat?" Kutscher: .La aber immer erst, wenn ich selbst einen Gössel voll genommen hab'!" o Tie Begrüßung. Täuscht mich mein luge? Bist Du's oder bist Du's net? Stizenbrun-ner-Franzl? Monte della Crocc, Custozza, 5. Compagnie ? " Meiner Scel! Kramersdorser-Pc-perl. Du bist es? Alter Kriegskamerad, Schlachtendippler!" Jr"" -J-fc' .In meine Arme, altes Haus!" ,An mein Herz!" . Pech. Heut' hab' ii) mit meinem Auto Pech g'habt!" Wieso? Haben Sie umgeworfen,' Herr Siif ferl?" Dös net aber beim ersten Wirthshaus hab' ich net halten könna und beim nächsten bin i'. nimmer weite? 'komma!" Wie die Alten sungcn usw. Haben Euch Eure Eltern nicht ver boten, mit Zündhölzchen zu spielen?" A' na der Vater is ja versi chertr . Schlimme rsayrungen machten drei Baltimore? ' Nimrode, John Groß und John und Henry Kohner, auf. den Patapsco - Ilatö, südlich von der Lightstraßen - Brücke, zwischen den Ufern von Anne Arundel und Baltimore County. Die drei Männer mietheten zu Ferry Bar ein Boot und fuhren auf die bewußten Flats" hinaus, woselbst sie auf einem Sandhügel aufliefen und nicht mehr imstande warerr sich von der Stelle zu entfernen. Unter dem Gewicht der Männer sank daS Boot immer tiefer und tiefer, und bald sahen sie ein. daß ihnen die Aussicht bevorstand, Stunden lang bei der bitteren Kälte dem Sturniwind ausgesetzt zu sein. Sie wußten, daß ein Versuch, nach der Light Str. - Brücke zu waten, höchst gefahrvoll sei. und schrieen daher derzweifelt um Hilfe. Ihre Hilferufe derhallten jedoch in dem Sturm, und in der VerMeifluna beMossen .tarn Kohner und Groß, einen Verfuch zu machen, nach der Brücke zu gelangen, während John Kohner in dem Bocte verweilen sollte. Groß schritt voran und gelangte bis zu einem 50 Fuß von der Brücke entfernten Punkte, als er plötzlich bis an die Hüfte im Schlamm versank und nicht mehr weiter tonnte. Kohner, welcher ihm zu Hilfe zu eilen versuchte, wurde vom s nämlichen Schicksal ereilt. Dem alten Manne im Boote wurde bei dem Anblick seiner Kameraden beinahe noch schlimmer zu Muthe, wie den Letzteren. ' Alle Drei schrieen mm rus Leibeskräften um Hilfe, -doch dauerte eS eine volle halbe Stunde, welche dem Trio eine Ewigkeit schien, bis der Brückenauffeher Charles I. Johnston sie erblickte. Mit einem Strick ausgerüstet, gelanF eö diesem. t drei Bedrängten zu rettend

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