Indiana Tribüne, Volume 29, Number 112, Indianapolis, Marion County, 4 January 1906 — Page 3
Jndlanü Tibüne, Januar 1906.
Marokko-Differenzen Schemen Mischen Deutschland nnd Frankreich wieder schärfer geworden zu sein. Sogar von Rüstungen wird gesprochen. Krawalle in verschiedenen Theilen Rußlands. Hnngerönoth in Japan. Revolution aus San Domingo.
Deutschland. Verhältniß zuFrankreich. Berlin, 3. Jan. In letzter Zeit niacht .sich wieder eine gewisse nervöse Spannung zwischen Frankreich und Deutschland bemerkbar. Die Befürchtungen in Frankreich find augenscheinlich auf die Wahrschein lichkeit zurückzuführen, daß Deutschland sich in Gegensatz zu der Stellung setzen wird, welche Frankreich ans der, von heute an nur noch 2 Wcchen ausstehen' den, Marolkokonferenz einnehmen wird. Und des weiteren auf die Erkenntniß, daß da? kürzlich veröffentlichte französt. sche Gelbbuch in der Beschuldigung, daß Deutschland eine herausfordernde Hal tung eingenommen habe und hinterrückS handle, zu weit gegangen sei. Die sranzöfische Regierung, so heißt eS hier, sei sich bewußt, daß diese Be. schuldigungen Deutschland in ein sehr schiefes Licht gestellt haben, daß die deutsche Regierung diese Beschuldigun gen zurückweisen und die Antwort in einem entschiedenen Ton gefaßt werden wird. Diese Entgegnung mag zu einer fort gesetzten Erörterung in der Presse und seitens der im öffentlichen Leben stehen den Persönlichkeiten führen. Englischer Einfluß, das weiß man in Berlin, schürt da? Gefühl des in Frankreich ge. gm Deutschland bestehenden Miß trauen?, besonders durch Geltendma chung außerordentlichen Einflusses, wie die kürzlichen Aeußerungen des militä rischen Korrespondenten der Londoner mt5 in der letzten Woche. Aber in allen hiesigen gutunterrichte ten Kreisen, diplomatischen, finanziellen und militärischen, wird die Anficht der treten, daß ein Krieg zwischen Deutsch land und Frankreich undenkbar sei, ausgenommen, Flankreich verfolge Zwecke, welche bisher noch nicht enthüllt sind. Bedenkliche An zeichen. Berlin. 3. Jan. Die Eisenbahnverwaltung hat angeblich bei Fabrikanten in sünf verschiedenen Ländern 20,000 Frachtwagen bestellt, die bis Mitte Februar abgeliefert werden sollen. Man znbricht sich nun den Kopf über diese Eile Und führt dieselbe auf mill tärische .Gründe zurück, in Anbetracht der kriegerischen Vorbereitungen in Frankreich. Washington. 3. Januar. Weder der amerikanische Botschafter in Frankreich, noch der in Berlin können sich in einem Berichte über daS Verhält niß zwischen beiden Ländern auLspre chen, der möglicherweise in die Dessen, lichkeit gelangte. Hier nimmt man an, daß die sran zösische Regierung, als im letzten Juli die Marokko.Angelegenheit ein emfteS Aussehen annahm, entdeckte, daß die französische Armee, speciell so weit daS Transportwesen in Betracht kam, eine aggressive Haltung seitens Frankreichs nicht rechtfertigte. So nahmen die Verhandlungen Plötz lich einen sehr milden Ton an und find dabei geblieben. Inzwischen hat jedoch der Generalftab fich mit größter Emfig keit bemüht, die beftehendm Mängel . abzuschaffen. So weit man es in hiesigen militäri schen Kreisen beurtheilen kann, ist man aber auf deutscher Seite nicht müßig ge blieben und hat speciell für die Mög. lichkeit rascher Mobilisation gesorgt. Hierauf beruht auch die große Befiel lung von Eisenbahnwagen. Daß solch große Bestellungen nicht verheimlich werden konnten, ist leicht ersichtlich.
oil ocmjcyci e..e iüuiuc auuj gut ern kein Versuch dazu gemacht, sondern die
n v ...if i rrii . x. Maßregel als Antwort auf das franzö fische, halbofficiell angekündigte Vor , haben erklärt.
Tu U n t e r d'eS Kaisers Pro.
ein, t e k t o r a t.
der B 1 1 1 i n, 3. Januar. DaS hohe
Interesse, welches der Kaiser dem Auto mobllsport entgegenbringt, hat eine 'neue Bethätigung gesunden. Der Kaiser hat vaS Protektorat über den
Lit Automodilclub übernommen und ihm
den Titel Kaiserlicher Automobilclub" verliehen. Die bisherige Protektorin des EludS, die Großherzogin.Mutter Anaftasia von Mecklenburg.Schwerin, wird ihm in Zukunft als EhrenPro tektorin angehören. Freie Hand für Linde q u i st. 'Berlin, 3. Jan. Außerordent. lich weltgehende Befugnisse find, soweit die civilrechtlichen Verhältnisse der Ein. geborenen in Betracht kommen, dem Gouverneur von Deutsch Südweft Afrika, von Lindequift, durch kaiser liche Verfügung ertheilt worden. Der
Gouverneur hat das Recht erhalten. daS Vermögen der Rebellen ganz oder heilweise einzuziehen, auch darf er nöthigenfallS daS StammeSvermögen onfisziren. Man erwartet, daß die Eingeborenen durch diese Machtvoll ommenheit dem Gouverneur gegen über vollständig gefügig gemacht wer den, müssen fie doch im Falle deS Ungehorsams den Verlust ihres BefitzthumS befürchten. Als Weinpantscher der urtheilt. Speyer, 3. Jan. Nach Ver. Handlungen von neun Tagen Dauer hat die Strafkammer zu Frankmthal n der Rheinpfalz den ReichstagS-Abge ordneten SartoriuS wegen fortgesetzter Weiufälschungen zu 3000 Mark Geld. strafe verurtheilt und ihm die Prozeß. often auferlegt. Bei Zumessung der Strafe erklärte der Gerichtshof in der hervorragenden Stellung sowie in der Bildung des Angeklagten und in der Thatsache, daß er aus seinen Fälschungen große Gewinne geschöpft hat, er chwerende Momente.' Oesterreich'Nngarn. Autonomer Tarif für Ungarn. Wien. 3. Jan. Einer Depesche aus Budapest zufolge meldet der dortige .Magyar Nemzet", daß die Regierung vorläufig ihre eigenen Wege zu wan deln beschlossen habe, soweit Ungarn'S handelspolitische Verhältnisse zum AuS land in Betracht kommen. Sie werde das -Inkrafttreten des autonomen Ta rifs der neuen Handelsverträge ver fügen, da das Parlament deren Rati fizirung unerledigt gelassen habe. Im Hinblick auf die ablehnende Haltung der Oppositionsparteien im Parlament fei eine andere Lösung unmöglich. Unruhen in Ungarn. Wien, 3. Jan. Letzte Nacht kam eS zu Debreczin, Ungarn, zu ern sten Demonstrationen gegen den neuen Präfekten KovacS, die wohl vorbereitet waren. Der Prüfekt reichte feine Ent lassung ein. Die Opposition war nicht persönlich gegen KovacS gerichtet, sondern nur gegen den von der Krone ernannten Präfekten. Italien. Ena von Battenberg. R o m,' 3. Jan. Gerüchte von Ver Handlungen bezüglich der bevorstehen den Vermählung des Königs von Spa nien mit der Prinzessin Ena von Bat tenberg im Vatikan sind ohne Begrün dung. Die Prinzessin wird' durch den Jesutt'enpater Bernard Vaughn, einen Bruder des verstorbenen Eardinal.Erz bischofs von Weftminfter in die Lehren der katholischen Kirche eingeweiht wer den und nach ihrer Bekehrung im Vati can einen Besuch abstatten. Rußland. Nationaler Trauertag. St. Petersburg, 3. Jan. Seit gestern Abend sind Delegaten der geheimen ArbeiterOrganifationen in Sitzung gewesen, um das künftige Programm festzustellen.. ES wurde beschlossen, den Jahrestag deS rothen SonntageS (22. Januar). als die Bittsteller, die vertrauensvoll zum Väterchen- gehen wollten, nieder gemetzelt wurden, zu einem Tage natio naler Trauer zu machen und Demon firätionen zum Andenken an die Mär tyrer zu machen. Alle Fabriken, Theater :c. werden
geschlossen fein, und auch der Bahnver kehr soll eingestellt werden. Weitere Revolten. St. Petersburg, 3. Jan.
Nachdem die Revolten in Moskau und Samara unterdrückt worden, ereigneten sich heute blutige Excesse in Twer und verschiedenen Orten deS DonGebietS. Die fremden Konsuln haben Windau, wo die Sachlage äußerst bedrohlich ist, verlassen. Zahlreiche Bahnstationen wurden geplündert und zerstört. Zwi chen Snamenka und Dnieprowak ereig nete sich in Folge falscher Weichenstel ung ein Zusammenstoß zweier Trup penzüge, bei welchem 20 Soldaten ge ödtet und' viele verletzt wurden. Der Generalgouverneur von Odessa ordert die Einwohner auf, fich mög ichst daheim aufzuhalten und ihre Häuser zu verschließen: HauZbefitzer werden für iealickeS Abfeuern von Schußwaffen aus Fenstern und Thü:tn zur Verantwortung gezogen. Eka erinoölaw und die ttrimEisenbahn befinden fich in Händen der Jnsurgen:en, die einen baldigen Waffentanz mit den ihnen entgegenrückenden Truppen erwarten. Ernste Ausschreitungen und Blutvergießen werden aus Eherson, Berdischeff. Odessa, Krementschug, AlexandrowSky und der Gegend zwi 'chen Moskau und Nischni-Nowgorod gemeldet. Die erwähnten Gebiete ste hen sämmtlich unter KriegSrecht. Die Zustünde längs der sibirischen Eisenbahn werden als geradezu entsetz ich geschildert. Bis EheliabinSk im Gouvernement Orenburg hinauf sind sämmtliche Stationen geplündert wor den, und in JrkutSk soll völlige Anar chie herrschen. England beleidigt. St. Petersburg. 3. Jan. Admiral RoieftvenSkv hat in einem Zeitungsartikel behauptet, eine englische Flotte habe in ostafiatischen Gewässern bereit gestanden, um die russische Flotte zu vernichten, falls dies dem japanl schen Admiral Togo mit seiner Flotte nicht gelungen wäre. Der britische Geschäftsträger Spring Rice verlangte sofort eine Erklärung von dem Minister des Aeußeren von Lamödorff über den Artikel deS Admi rals in der Novoe Vremya". Schlechte Aussichten für Ausländer. St. Petersburg, 3. Jan. Die Regierung wird es wahrscheinlich ablehnen für den Schaden, welchen Aus. länder bei den Krawallen zu Moskau erlitten. Ersatz au geben, wie sie eS auch bei den Strelkunruhen zu Baku gethan hat. Sie erklärt, es sei alles Mögliche zum Schutz des Eigenthums geschehen. darüber hinaus sei sie nicht verpflichtet. Streik verloren. Marsch au, 3. Jan. Der Streik hier ist verloren gegangen und der Versuch eines bewaffneten AufftandeS ist aufgegeben. San Domingo. Belagerung von Puerto P l a t a. Cape Haytien. Hayti. 3. Januar. Nachrichten, welche zu früher Morgenstunde von Puerto Plata an der Nordküste von San Domingo ein liefen, melden, daß die Truppen des flüchtigen Präsidenten MoraleS unter Kommando des Generals Demetrio iRodriguez Puerto Plata angriffen Der Kampf hielt fast den ganzen Tag an; erst gegen Abend zogen sich die be lagernden Truppen zurück. Auf bei den Seiten gab es Todte und Verwundete.' Etn TlM der Bevölkeruna von Puerto Plata hat fich für MoraleS er klärt. Grokbritannien. Chinas kühne Idee. London, 3. Jan. Man weiß, daß China in Kürze dem Beispiele Ja panS folgen und die Erhebung feiner Gesandtschaften in London, Berlin, Paris, St. Petersburg und Washing ton zu Botschaften betreiben wird. Frankreich. Amerikaner beim Prüft d e n t e n. Paris, 3. Jan. Präs. Loubet em pfing heute in freundlichster Weife Herrn Harry St. George Tucker, Prä fident der Jameötown Ausstellung und lauschte mit Interesse dessen Erklär gen. Japan. Hungersnot h. Victoria. B.C.. 3. Jan. Nach hier eingetrossenen Poftnachrichten find im nördlichen Theil von Japan Tau sende von Menschen dem Verhungern
nahe..
Philippinen. 23 m. I. B r y a n. Manila. 3. Jan. W. Morgan Schulst, Zolleinnehmer sür die Phl. lippinen, wird Wm. I. Bryan bei sei ner Reise durch den südlichen Theil deS Archipels begleiten. Cuba. Gelbes Fieber. H a v a n a, 3. Jan. Nach einem offiziellen Berichte ist der letzte Fall von gelbem Fieber aus Havana verfchwun den. S:it dem Auftreten der Seuche im Oktober find 69 Fülle vorgekommen von denen 23 tödtlich' verliefen, 46 wurden geheilt. Jamaika. W e i t e I a h r t. Kingston, 3. Jan. Der ameri kanifche Schleppdampfer UncaS" kam heute mit einem Hausboote im Schlepp, tau hier an. Nachdem er Kohlen eingenommen hat, wird er nach Colon weiterfahren.
Schiffsnachrichten. Sydney: PrevlouSly Aorangi" von Vancuuver via Honolulu und BriSbane. Shanghai : Winneoago" von San Iran. Hamburg: The Ben" nach San Iran. New tyottf Tagns" von Southamp. ton, Colon etc.; Nordam" nach Boulogne und Rotterdam. Rotterdam: Amsteldyl" von Newport News via Amsterdam. Glasgow: Astoria" von New York. London: Temple" von St. John, N. B., und Halifax für Ant. werpen. . Liverpool: Oceanic" von New York via QueenLtown; Laurentian" nach St. John, N. F., Halifax und Philadelphia. Antwerpen: Ftnlanb" von New York via Dover. , London: Sarmatian" nach Halifax und St. John, N. B., via Havre. Bremen: Main" von New York. Neapel: Prinz Adelbert" von New York für Genua. Hochflutlicn des Vangtsekiang. Wie aukerordentlick aroft die Unter schiede im Wasserstand von Chinas Riesenstrom, dem Yangtsekiang, sein können, das hat das Hochwaser vom letzten August wieder einmal bewiesen. Der North China Daily ews" wlrö darüber aus Suifu am Zusammenfluß des Min mit dem Yangtse (eine ziemliche Strecke oberhalb des Vertrags' Hafens Tschungnng m der Provinz Szetschuan) geschrieben: Nach den offiziellen Berichten in dem Hamen (Amtshause) , des ersten Mandarinen von Suifu war vor 40 Jahren eine Hochfluth, die alle anderen Uebersckwemmunaen der Iten 500 ?kahre übertraf. Aber die diesjährige Hochfluth war noch 13 Fuh hoher! Damit stimmt überein, was Kapitän Simson vom englischen Kanonenboot Wiogeon" darüber angegeben hat. Er sagte, einige Wochen vor der Ueberschwemmung habe er mit seinem Schiff unmittelbar neben einer Sandbank bei Suifu geankert. Als das Waffer dann nach der Hochfluth bereits acht Fuß gefallen war. maß er die Tiefe über der vorher freiliegenden Sandbank: sie betritt nicht weniger als 60 Fuß! Nach seinen Berechnungen ist der Yangtse im August :n kurzer Zeit um 87 Fuß gestiegen! Und dabei ist der mittlere Wasserstand im August ohnehin immer etwa 12 bis 20 Fuß höher als im Winter. Ein kluger Autler." Ein Automobilbesttzer in Appleton. 'WU., der stets darauf hinarbeitete, sich mit den Farmern auf guten Fuß zu stellen und auch seine Freunde veranlaßte, freundliche Beziehungen zu denselben zu pflegen, hat eine Methode ausgetüftelt, den Farmern, die mit ihren Gespannen zur Seite fahren, um seine Maschine vorbeizulassen, seinen Dank auszudrücken. Er führt nämlich ein großes Plakat mit sich, auf dem in Riesenlettern die Worte Thank you" gedruckt sind. Wenn er nun an einem ihm ausweichenden Wagen vorbeifahrt, hält er das Plakat in die Höhe und neunmal von zehn Malen wird sein Dank freundlich ausgenommen. Die Aählebigkeit der Schnecke ist überraschend groß. Eine, die auf eine Kqrte geklebt, vier Jahre lana in einem Museum aufbewahrt worden war. erwachte wieder zum Leben, als man sie in warmes Wasser getaucht hatte. Einige Exemplare aus der Sammlung eines Natursorschers erholten sich sogar noch, als sie scheinbar schon 13 Jahre todt gewesen waren. Ein erstauntes Kind ist der junge Kronprinz Norwegens, weil er seit der Thronbesteigung seines Va ters nicht mehr Alexander, sondern Ol?5 heißt, watz ibm noch nicht so recyr in oen zweijayttgen Kops rcv.-
Nikolaus II.
Inmitten des wilden Tobens, von dem das Zarenreich in seinen Grundfesten und allen Fugen erschüttert wird, halt sich ein Mann geflissentlich und ängstlich der Oeffentlichkeit ferne; und gerade dieser Mann nennt sich den Selbstherrscher aller Reußen, und gerade von ihm erwartet das RussenVolk und die ganze Mitwelt weise Worte und kräftige Thaten. Wie erklärt sich öiese hart an Theilnahmlosigkeit streifende Zurückhaltung? Nikolaus II. hat eine Erziehung erhalten, die besonders darauf gerich!et war, bei ihm eigene Gedanken, einen weiten Gesichtskreis und Willenskraft zu entwickeln. Im Jahre 1890 sandte ihn sein Vater auf eine weite Studienreise, die ihn nach Griechenland, 'Egypten, HindoPan, China ' und Japan führte. In dem letztgenannten Lande wurde er von fanatischen ehemaliaen Polizisten angegriffen und stellte bei der Vertheidigung seinen Mann. Persönliche Feigheit ist ihm somit nicht zum Vorwurfe zu machen. Nikolaus II. ist auch nach dem einstimmigen Zeugniß vorurteilsloser Männer, die sich in seinerUmg?bung bewegten, ein von Herzen guter htxi1 der das Wohl seines Volkes nach besten Kräften zu fördern trachtet. Er ist intelligent und geistig regsam, sehr sprachkundig, musikalisch und auch Meister in körperlichen Uebungen, wie Neiten, F.'chten, Eislauf u. s. w. Bei alledem aber steht er den Ereignissen gegenüber, die sich vor seinen Augen abspielen, so hülflos da wie ein Kind. Dem Zaren fehlt Charakterfestigkeit. Sein schwankender Wille unterwirft sich fast bedingungslos den Rathaebern, die Zeit und Gelegenheit in seine Nähe führen. Dabei ist er verschlössen,, und außerhalb seiner Familie, die er zärtlich liebt, in hohem Grade mißtraui. Wer andauernd auf ihn einwirken will, wird ihm verdächtig. Das mußte auch Witte erfahren, nachdem er der Krone und dem Lande sieben Jahre lang als Finanzminister die bestes Dienste geleistet hatte. Nikolaus II. verstand es nicht, wie WilHelm I., einen wirklich großm, geistig überlegenen Mann neben sich zu sehen. Es wr im August 1903. als Witte nach Zarskoje Selo kam, um seinen wöchmtlichen Vortrag zu halten. Nikolaus gab die erforderlichen Unterschriften und sagte dann: Herr Witte, ich habe Sie zum Dank sür Ihre vorzüglichen Dienste zum Präsidenten des' Mnistercomites ernannt." Damit war Rußlanös größter Staatsmann kalt gestellt, die sogenannte Kriegspartei kam an's Ruder und am 8. Februar 1904 fiel der erste Schuß, mit dem nicht nur der unglückliche Feldzug, sondern auch -Rußlands innere Wirren und Leiden begannen. Erst als in höchster Noth alle anderen Rathgeber des Zaren weder ein noch aus wußten. wurde Witte zurückgerufen, um zu reiten, was noch zu retten war. Der Zar ist streng religiös, aber im stockrussischen Sinne. Zu seinen Lehren gehört auch der blinde Glaube an die Autokratie und das Gottesgnaöenthum. Nur das kann den langjährigen Einfluß eines Mannes wie Pobjedonoszew auf kne Geschicke des Landes und des Zaren Neigung erklären, jedes Zugeständniß, das er dem Volke macht, nachtraglich so zu andern, daß es werth- und wirkungslos wird. Die schlimmste Eigenschaft Nikolaus II. ist aber sein Hang zum Mystizismus, der wiederholt notorische Schwindler an den Hof brachte und auf die Regierung verderblichen Einfluß gewinnen ließ. Unter diesen Umständen ist Ni!olaus II. trotz sorgfältiger Erziehung und vielseitiger natürlicher Begabung zum schwanken Rohr geworden, das sich zedem Winde beugt. Der Zar sieht die Welt durch die Brille seiner jeweiligen Nathgeber und den ' Nebel an, den Vorurtheile und Mystizismus um ihn bilden. Deshalb kennt er weder sein Land, noch versteht er sein Volk, und das ist ihr und sein eigenes schweres Unglück. Polen in Dänemark. Die Verwendung polnischer Mäd chen für die schwerere Landarbeit kommt auf den dänischenGütcrn mclir und mehr in Gebrauch, besonders auch bei dem Rübenbau, dessen mühsamer Wartung sich die dänischen Bauern mädchen nicht gern unterziehen. Die Polinnen werden neuerdings von Teutschland aus kirchlich pastorirt, was gewiß nur gelobt werden muß. Leider erliegen verhältnißmäßig häufig dem ungewohnten Klima und werden dazu vielfach ausgebeutet und betrogen. So hatten jetzt vom April bis Dezember zehn polnische Mädchen auf einem seeländischen Gut gearbeitct und mit beispielloser Genügsam keit in Kosd und Kleidung zusammen 1200 Kronen gespart, die sie durch einen männlichen Arbeits und Volks genossen nach Kopenbagen auf die Post sandten. Der Vertrauensmann verschwand aber mit der Summe und ist nicht wieder gesehen worden. Für die ohne Arbeitsverdienst und Reisegeld zurückgebliebenen Polinnen wer den jetzt in Dänemark Sammlungen veranstaltet. Die Kommission zum An-. schluß Hamburgs an das .deutsche Zollgebiet beantragte beim Senat ntod der Vurgerschaf die Bewilligung von 6.691,800 Mark für den Ausbau des FreiHafengebiets nach Osten zu.'.
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es M'f . . . .don. . . . Möbeln, Teppichen, Oefen .... und. . . . HaushaltungsGegenstände WIIXIQ'S 141 West Washington Str. kaufen Sie keinen fertig gemachten Anzug oder Ueberzieher wenn Sie solche auf Bestellung nach Maaß erhalten können so niedrig wie $15 und $2 Diese sehen schöner aus und tragen besser. IT. li. MM, 38 W. Monument. Neue Pullman Parlör Car Bedienung auf der' Big Four Route zwischen i$ lil km. 1. Die neuen Pullman Busset Parlor CarS treten in Dienst an den Zügm No. 11, welche Indianapolis für Peoria verlassen täglich um 11.60 Vorm. und No. 18 von Peoria nach Indianapolis, täglich um Mittag. Diese Waaaons bieten eme erstklassige Bedienung zwischen den genannten Srationen und ist eine Probe dem reisenden Publikum besten? zu empfehlen. H. I. Nbcw, Gm. Paff. Aat., Eincinnati, Ohi. Zuge ersten Ranges Schnelle Zeit! , Zu bequemen Stunden ! 14 12 6 6 Züge wischen Indianapolis und Cincinnati. Züge zwischen Indianapolis und Dayton. Züge zwischen Indianapolis und Toledo und Detroit. ' Züge zwischen Indianapolis uud Decatur, Illinois. 4 Züge zwischen Indianapolis und Sprmgsield, Illinois. ' Varlor Waggon an alle Tage uud Schlaf waggonk an allen Nacht-Zügea. Indianapolis Office : Union Bahnhof und 8 Nord Illinois St. N. P. Algeo, D. P. A. In Stücke gerissen. In der Oelanlage des Farmers Burkart, unweit Chanute, Start., ezp!odirte jüngst ein Kessel. Dabei wurden zwei Arbeiter, die mit Bohren nach einer Oelquelle beschäftigt waren, getödtet und ihre Leichen thatsächlich in Stücken über den Boden verstreut. Unerwartete Erbschaft. Ein Farmer Namens John I.' Rodeman in Jesferson City, Mo., erhielt dieser Tage die Nachricht, daß er der Erbe eines Gutes in Schottland sei, dessen Werth $5,000,000 beträgt. Seit neun Jahren suchte man die Erben und Rodeman wurde schließlich zufällig durch eine New Jorker Firma, mit der er in Geschäftsverbindung steht, ermittelt. . V tt h e e r e n d e r San dslu nx Von einem heftigen Sandsturn.)der in manchen Gegenden die Gewalt eines Orkans angenommen hatte, wurde unlängst daö südlicht üa lifornien heimgesucht. In der Urn?gend von Los Angeles wurden die Orangen- und Oliven-Anpflanzung:n schwer beschädigt. Lei Corona war t:r Sturm so heftig, daß kleinere Cebäude umg:w:ht und Bäume entn:u:lt nurden '
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