Indiana Tribüne, Volume 29, Number 111, Indianapolis, Marion County, 3 January 1906 — Page 5
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Die eitrige Zvittwe. Humoreske von Wilhelm Herbert. Der Guldenbauer war begraben und die Anverwandten, Gevattern und Freunde, gingen zum Leichentrunk ins Wirthshaus hinüber. Nur die Bäuerin war heimzugeschritten allein. Sie wolle Niemnden sehen und hören und um sich haben sagte sie überhaupt nie mehr von jetzt an. So a Unglück!" meinte die Spitzlbach - Moni, während sie mit den Basen über den Kirchplatz ging. Ewig Wittwe will f bleiben." Ewig Wittwe Dummheit!" lachte die Müllerin, eine lebenslustige junge Frau. Dös gibt's net bei ei'm Weiö mit neunundzwanzig Jahr'!" Achtundzwanzig is f erst!" fiel ihr die Schustertraudl ins Wort. Selber hat s' mir's gestanden!" Nachher is s' sicher zweiunddrei ßig!" brummte im' Vorbeigehen der Obermeier Hannes, ein boshafte: Mensch, der gerne seine Nase in fremde Angelegenheiten steckte. Inzwischen hatte sich die SpitzlbachMoni von dem ersten Aerger über den Widerspruch erholt, der ihrer Behauptung von der ewigen Wittwe" begegnet war. Jawohl!" rief sie, als die Frauen zur Wirthin. in die Küche traten. Fest und steif is 's wahr: Heut' hat s' mir's anvertraut, die Guldenbäuerin ewig Wittwe will s' bleiben. Und wann die was sagt, nachher is 's g'sagt und wird schon so aa'." , Die Müllerin antwortete nichts mehr, sondern verzog nur ihren hübschen Mund etwas spöttisch und lugte in die Gaststube hinaus, die sich inzwlschen mit den Mannsleuten füllte. Sie hatte einen Gedanken. Die Frauen freuten sich insgeheim auf den schönen Trauerkuchen, den die Wirthin gebacken, und auf den guten Kaffee, der schon einen würzigenWoh!geruch verbreitete. Laut aber jammerten sie über das Unglück der armen jungen Guldenbäuerin, d'-e jetzt so einsam durch's lustige Leben stelzen sollte, weil sie sich's zugesagt hatte, ewigWittwe zu bleiben. Holen sollt' man s'!" meinte die Müllerin sehr nachdrücklich, dabei wieder verstohlen in die "Stube hinausschielend. Die Pflicht is ei'm auferlegt, das arm' einsam.' Weib ein bißl zu trösten, daß s' wenigstens wann f schon nimmer heiraih't a Tass' Kaffee kriegt und ein Stückl Kuchen in ihrer Verlassenheit!" Außerordentlich gefiel -diese Rede. Nur die Moni schüttelte wehmüthig den Kopf, verdrehte die Augen und seufzte: Alles umsunst rein alleZ umsunst keine sechs Ross' bringen f her mx mehr will s' wissen von der Welt!" -Du, dacht' i halt," sagte die schlaue Müllerin, wenn's du Probiren thatst mit de''n? guten Mundstück!, Moni du kannst ei'm ja's Herz umwenden im Leib sicher brächt'st du s' her, die Bäuerin wär' ja wahrhafti' a gut's Werk!" Dös wär's!" meinten die anderen und redeten der Moni zu, die ohnehin schon über dem gespendeten Lob den Mund nicht mehr schießen konnte. Tief seufzte sie auf. Wenn ihr's alle haben wollte," sagte sie, nachher versuch' i's halt. Aber allein komm' i wieder. Dös weiß i schon!" Man schob, sie mit gutem Zuspruch vor die Thüre und ging dann zu den Männern. Die ewige Wittwe" bildete schnell das Gesprächsthema. Die Sache wurde eifrig erörtert. So, wie man die Guldenbäuerin .kannte un) ihre Energie und ihre Willenssestigkeil ihrem Seligen gegenüber, so war alles überzeugt, daß sie ihr Wort einlösen und nie wieder mit einem Manne die Kirchenschwelle überschreiten würde. Nur die Müllerin ließ der Schelm nicht ruhen. Sie-saß zwar auch am Weibertisch, wie sich's gehörte, aber in der engen Stube nahe genug beim Bäckerlenz, um ihn mit dem Ellenbogen heimlich in die Seite stoßen und ihm zuwispern zu können: Du was meinst', Lenz, ts dir kein ewiger Wittwer bekannt für die ewigeWittwe. he?" -.Er lachte ob der Narretei, stieß sie aber doch wieder ein bißl an, zwirbelte sein Schnurrbartl auf und blinzelte nach dem matten kleinen Spiegel. Ein hübscher, schneidiger Bursche war der Lenz. Er hätte die Müllerin gern gefreit vor zwei Jahren, ehe sie den Müller genommen. Sie wäre ihm auch gar nicht gram gewesen. Aber den Geldsack des Müllers hatte das pfiffige Dirndl doch höher eingeschätzt als das fesche Schnurrbartl des Bäckers. Indessen ging ihr sein Ledigsein seitdem im Kopf herum, wie wenn sie's auf dem Gewissen hätte. Die Guldenbäuerin, die ihren Namen nicht umsonst trug, die freilich könnte sich's leisten, zu wählen, wen si:
wollte übel wär' sie auch gar nicht! Narretei!" brummte der Lenz und machte sich von dem einschmeichelnden Gedanken los. Sie koill ja ewig Wittwe bleiben und die hat an harten Kopf!" Inzwischen war der Moni aber doch das Unmögliche gelungen. Zwar saß die Guldcnbäuerin in ihrem ganzen Staat daheim, just, wie wenn sie aufs Abholen gewartet hatte. Aber ein gewaltiges Ueberreden kostete es, bis sie nun Schritt für Schritt mit ihrer Begleiterin, immer wieder sich sträubend, dem Wirthshaus zukam. Auf einmal jedoch sie wußte selbst nicht, wie
stand sie mitten in derStube, gleicy mit oh allerseits umringt, und dann fat Ze plötzlich neben der Müllerin, der Moni gegenüber gerade so, daß sie den Lcnz und der Lenz sie sehen konnte, wenn sie überhaupt noch Augen gehabt hätte für ein Mannsbild auf dieser Welt. Aber warum sollte sie denn eigentlich nicht zu ihm hinschauenwenn er zu ihr herschaute? That das nicht jeder höfljche Mensch? Und war sie nicht die Sicherste von allen im Kreis, der keiner mehr was anhaben konnte? Förmlich 'stolz und gehoben fühlte sie sich in ihrer gefeiten Stellung als ewige Wittwe". Mitleidig, ja fast mit e:ner Art von Uebermuth schaute sie auf alle ihre Genossinnen herab, von denen die Ledigen sich schier die Augen herausdrehten nach denBurschen und auch die Verheirateten das Hinüberäugeln nach den Männcrtischen nicht immer ganz unterlassen konnten. Besond-rs der Lenz wurde scharf ins Kreuzfeuer genommen das merkte sie wohl trotz aller Trauer und Weltabgeschiedenheit. War ja auch ein sauberer Bursch' ein paar Augen wie Feue.: das fesche Schnauzbartl ja, wenn die Ewigkeit nur nicht gar so lang wäre! Der eigene Seufzer schreckte sie auf da sah sie die Augen der Moni und der Müllerin auf sich gerichtet. Die letztere schmunzelte. Die andere aber hatte gerade selber zum Lenz hinübersielen wollen und entrüstet bemerkt, wie er nach der Wittwe und die nach ihm ausäugte. So was! Empört uno strafend sah sie die Missethäterin an. Der jedoch stieg derLorn in den Kopf über die Weibör alle zwei. Was brauchten die zu schmunzeln und zu trutzen! Konnte sie nicht thun, was sie wollte sie, die Freieste von allea in ihre: selbstgesetzten Entsagung die ewige Wittwe? Nun erst recht sah sie zum Lenz hinüber und gab ihm sogar auf Fragen Antwort, wie sich's ja auch gehörte. Und erst recht blieb sie, als etliche aufbrachen, und setzte sich, wie man nun zusammenrückte, der Einladung folgend an seine Seite und that ihm Bescheid mit dem süßen Wein, der indessen den Kaffee abgelöst hatte. Ja, wenn man vollkommen frei ist! Unwillkürlich lachte sie und er lachtZ auch. Ein heißer Dunst und Rauch lag über der Stube wie Nebel. Ziemlich spät war's, als man ging. Und recht gut hat sie sich tröfft!'' sagte die Kellnerin beim. Ausräumen der Weinseidel spitz zur Küchendirn'. Fünf Viertel Süßen hat' s' g'habt!" I muß dir was G'spaßig's andertrau'n!" wisperte die Bäuerin auf dem Heimweg ihrer Freundin zu. Mit'm Lenz hab' i mi' versprochen ganz insgeheim nur dir sag' i's!" Was?" schrie die Moni auf. Und dein Vorhab'?" In ei'm Jahr heirath'n wir aber erst!" wisperte die andere. Was?" rief die Freundin wieder ganz desperat vor Zorn. Und die ewige Wittwe"?" Ja, schau schau " stotterte die Bäuerin verlegen, wenn der mir aa' wieder stirbt, nachher ber nachher, dös schwör' i dir, Moni nachher bleib i ewig' Vittwe!"
Relnfall, Ein schönes Hotel haben Sie", sagte der freundliche. Fremde. Freut mich, daß es Ihnen gefällt", antwortete der Wirth. Geht das Geschäft gut?" Glänzend." Wird die erst Viertelmillion bald voll sein?" Oh ja. 'vielleicht auch die zweite." Freut mich zu hören", bemerkte der Fremde lächelnd. Nach einiger Zeit fragte der Wirth einen Zandern Gast, einen Geschäfts reisenden, ob er wisse, wer der Herr sei. Selbstverständlich", erwiderte der der Reisende, das ist der neue SteuerEinschätze?." Zützlung und Zahlung. Von der Volkszählung in Grötzingen bei Karlsruhe wird eine ergötzliche Geschichte berichtet. Kam da der Zähler in die Wohnung eines alten, schwerhörigen Mütterchens und wollte ihr das Zählformular übergeben. Die Frau aber nslßtraute dem seingckleideten. fremden Herrn und dem präsentirten Schein. Sie wies das Formular mit dem Bemerken zurück: Als ab. i zahl nix." Ter Zähler suchte ihr nun begreiflich zu machen, daß es sich nicht ums Bezahlen handle; die Frau aber schnitt jede Erklärung mit den Worten ab: I hab Jhne schon e mol g'sagt, daß i nix zahl. Als ab." Eine hinzugekommene Hausbewohnerin erhielt NUN den Auftrag, das Formular an die Angehörigen abzuliefern. Die gute Frau cerieth darüber erst recht aus dem Häuschen und rief der Hausbe wohnerin zu: I had doch dem schon e paar mol gsagt, daß i nix zahl. I zahl ni." Den ganzen Nachmittag befand sie sich in höchster Erregung we gen des vermeintlich unheilvollen Zettels und erst am Abend, als ihr Sohn von der Arbeit nach Hause kam und ihr die Bedeutung des Formulars erklärte, gab sie sich zufrieden. Die gute Alte hatte eben die Zählung mit einer Zahlung verwechselt und zahlen thut sie nicht gern.
ZNeik Zjabcrsack's Schreibebrief.
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zsmft ittlZX-'M. x&Tm Geöhrter Mister Edithor! Well, mein Vargain mit den Mister Adelstein is flätt gefalle; wie er ausgefunne Hot, daß er nur Eckspenzes hätt, wann er nach die alte Kontrie mache deht, do is er off Kohrs ausgebäckt un Hot gesagt, er wär verdollt froh, daß er sei gutes Bißnes hätt un deht jetzt nit dran denke, auszuverkaufe. Well, ich kann ihn nit for blehme, bikahs ich hätt's ecksäcktlie grad so gemacht. Well, ei dont kehr; ich hen ja en gute Schapp un was die Hauptsach is, ich hen nit viel for zu schaffe, in säest ich schaffe gar nicks un das bische loß ich mich von annere Leut duhn. Sell is off Kohrs nur bittwien uns un Se brauche .das nit in den, Pehper zu Printe... Mit den Christ is es puttinier das nämliche, blos daß der Lftersch iwwer die Kohle gezoge werd, so was mer uff deitsch sage duht, gerohstet werd. Der Fehler is biserds das noch bei den Christ, daß er immetschinne duht, daß er en ganze Peil schaffe duht un daß die Zittie zu die Dahks gehn 'deht, wenn er seine Ressingnehschen feile deht. Was Hot sich der Feller geärgert, wie das schöne neue Lied uffkomme is: Ewwribaddie Works bott Fater." Wer. ich weiß, wie er emol heim komme is un Hot grad damit geblökt, was er so viel schaffe müßt un daß er in Fäckt der einzige Mensch - in die Zittiehahl wär, wo ebbes duhn deht. wie ' dann sein kleiner Bub uff seine Mausohrgen das Lied gespielt Hot. Schiewiß, was Hot er den arme Bub versckmisse! Er Hot gesagt, das dehte die Leut immer an Pörpes singe, wann er an die Stritt gehn deht oddn wann er heim komme deht un er könnt das nit mehr stende. Ich hen ihn dann ecksplehnt, daß er do anz mißtehken wär; so en Sang deht seine Eppierienz mache un wann die Worts odder der Tuhn ketschinz wäre, dann wär so e Lied reiteweg pappjuler UN deht pappjuler bleiwe, bis Widder e neues komme deht. Ich könnt iwwerhaupt nit sehn, wie er sich do getröffe deht fühle, bikahs die ganze Zittie wußt doch, daß er en hartworkinq Mann wär. Do Hot er Widder besser gefühlt. Ich hen auch noch, zu ihn gesagt, ich meiselbst deht das Lied arig gut gleiche un hött selbst en Bersch zu gemacht. Der Bersch wär awwer in plattdeitsch, bikahs do hätt ich die Reims besser sinne könne. Do,is er interestet geworide un Hot gesagt, er könnt nit sehn, wie ich 'dichte konnt; ich hätt doch gar nicks poetisches an mich. Sag mich emol den Bersch, Hot er gesagt, un do hen ich gesagt: Nau lissen: Der Bersch, wo ich gemacht hen, is blos e Translehfchen un heißt: Mutting geiht zun Waschen us -So deit Swester Ann, Allens skasft in unser Hus Blos .den ollen Mann. Do Hot der Christ gesagt: Meik, du bist e P-ietsch, ich hätt nie nit ge--denkt, daß du so ebbes in dich hättst; wer, du duhst ia den Schiller un den Mozart biete. Da misse mer eins druff nemme." ' Schurr genug is er 'in den Keller gange un Hot e Battel Wein geholt. Wie mer allein wäre, Hot er gesagt: ,Seh, Meik, ich hen do so en Eidie un du könnst mich helfe. Ich hen auch so ebbes wie dichte in mich, eckzept, daß ich kein Reim sinne kann un wann du mich e wenig helfe dehtst, dann bett ich dich einiges, ich könnt e Pies e Poehtrie do hin lege, das deht einiges biete. Luckehier, es is meine Intenschen. die Selma so c Berschche for ihren Börhdeh zu mache, un ich will sie dann en Pelzmoff for e Pressen! mache. Wann ich jetzt den Moff so in das Gedicht enei wickele könnt, daß sich's reime deht, dann wär ich arig froh, bikahs ich weiß, daß die Selma daZ arig epprieschjiehte deht. Weißt du. ich hen schon for t ganze Zeit zurück driwwer nachqedenkt un hen auch sck on t ganz schöne Start, awwer dann Hot mich uff eemol mein Verstehstemich im Stich gelosse un ich hen nit mehr weiter gekönnt." Well," hen ich gesagt, loß mich emol höre, was du' schon gemacht Host, mehbie ich kann dich dann helfe." Do Hot er e Stund lang in seine Packets erum gekramt, bis er schließlich e Schicht erausgeholt Hot, wo groß genug war, for das Lied von die Glocke druff zu schreiwe. Er Hot gestart zu lese: Selma, ich weiß ganz gewiß " Dann Hot er gestappt. Well, hen ich gesagt, go ehett. Das is all,-was ich hen, Hot der Christ gesagt un do hen ich wenigstens drei Woche dran geschafft. Du bist e 5kalb," hen ich gesagt, for das uffzuschreiwe braucht mer doch keine drei Mirniitts; so t Wersch'che das schüttele ich mich aus mein Schörtschlief in leß denn no term." Do Hot der Christ gesagt, ich bette dich e zehn Dahler Bild, daß du noch nit in e halwe Stund mit den Poehm fertig bist. Vutt obb," hen ich gesagt, .ei goh juh." Do Hot dn
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Christ sei zehn Dahler Bild hin gelcgt un Hot dabei geschmeilt, als wann er 'chon die zwanzig Dahler in sei Packet ühle deht. Ich hen mich hingehockt un n zehn Minnitts war das Poehm sei tig. Es is den Weg gange: Selma, ich 'weiß ganz gewiß. Daß heut dein Geburtsdag is. ' An ich weiß es gan genau. Daß du bist mei liewe Frau. Drum bring ich dir dies Präsent, . En'wnme Moff for deine Händ; Steck se ner bis an die Koffs, Dafor juhst mer ja die Moffs. An so oft du guckst ihn an, Denk auch an dein Christian." Der Christ is ganz außer sich gewese for lauter Freud un Hot mich die zehn Dahler gewwe; die hen ich gercomme un dann wollt er mich auch noch en Kiß gewwe un den hen ich n i t genomme. Den Weg sin ich. Mit beste Riegards Juhrs trulie Meik Habersack, Eskweier un Scheriff von Appel Jack, Holie Terrer Kauntie. Das Deutschthum in Chile. Die Geschickte der deutschen Colonisation in Chile zeigt, daß in diesem Lande an Sitten und Gebräuchen der alten Heimath mit einer zäheren Ausdauer festgehalten wird, als es sonst in den amerikanifchen Staaten die Regel ist. Konnten sich in den Vereinigten Staaten Nordamerikas die Deutschen mit anderen Völkern zu einem einheitlichenGanzen mit sehr charakteristischen Zügen verschmelzen, so haben sich bis jetzt in Chiele die Ehen mit Chilenen, d. h. Spaniern mit einem starken Prozentsatz Jndiancrbluts, in den allermeisten Fällen als unheilvoll erwiesen. Den aus solcher Vereinigung entsprossenen Kindern wird nachgesagt, daß sie als Erbtheil nur die schlimmen Eigenschaften dreier Völker erhalten haben. Eine Vermischung der Deutschen Chiles mit den noch in recht schwacher Zabl eingewanderten Euro päern, Franzosen, Italienern, Engländern fand in einem Gebiet, das an Flächengröße Deutschland übertrifft und doch nur Sy2 Millionen Einwohner zählt, nur selten statt. Das Gesetz der Selbsterhaltung gebot von Anfang an dem Deutschthum einen engen Zusammenschluß der einzelnen Kräfte. Zwar ist chilenisches Wesen schon in manche deutsche Familie zersehend eingedrungen. Aber sonohl im Norden und in der Mitte des Landes,' wo bleibende deutsche Niederlassungen auS dem Anfang des ver gangenen Jahrhunderts stammen, als auch im Süden, wo 'Deutsche sich 50 Jahre später angesiedelt haben, ist Schule. Kirche und das stark entwickelte Vereinsleben im Grunde deutsch bis zum heutigen Tage geblieben. Kaum trifft man eine Ortschaft bis zum Fuß der schneebedeckten Cordilleren, die bei nur spärlicher deutschsprechender Bevölkerung nicht ihre eigene Schule, ihren Gesang-, ihren Turnverein besäße. Besonders hat die Turnerei ihren specifisch deutschen Charakter bewahrt. Ein deutsches ' Turnfest in Chile schildert ein dortiger Correspondent wie folgt: Vom 17. bis 19. September wohnte ich dem Turnfest der deutschen Turnvereine Südchiles in Osorno bei, einer zehn Wegstunden von der Küste entfernten, im reichsten Ackerbaubezirke . des Landes gelegenen Stadt, in der. die Deutschen die führende Rolle haben. Da die vom Norden nach dem Süden führende Bahn noch nicht ganz fahrbar ist und da bei den schlechten Verkehrsverhältnissen allein das Pferd und der Ochse dem Menschen zur Reise dienen, mußten die räumlich weit entfernten Turner in Santiago, Valparaiso und anderen Städten sich begnügen, dem Osornoer Turnverein telegraphisch ein Gut Heil zu senden. Auch von dem deutschen Gesandten in Santiago, Baron Franz v. Reichenau, der vor zwei Jahren die deutschen Colonien Süd-Chiles eingehend besichtigte und den die Osornoer Turner zu ihrem Ehrenmitglied ernannt haben, war eine in herzlichen Worten gehaltene Depesche eingetrofsen. Die Betheiligung der aktiven Turner der südlichen Städte Osorno, Valdivia, La Union, Puerto Monnt, Riobueno und anderen mehr war äußerst rege. Was während der, Turntage des 17. und 18. in der festlich geschmückten Turnhalle von einzelnen im Preisturnen. von Musterriegen und in Gesammtübungen geleistet worden ist, hätte selbst das kritische Auge eines Preisrichters in Deutschland befried!gen können. Man merkte, daß die Turner tüchtige Schulung hinter sich hatten und mit Lust und Liebe der Turnerei ergeben waren. Trotzdem der Chilene den 18. September als sein Nationalfest, den Tag politischer Unabh'ängigkeit von spanischem Druck. feiert, und zwar nicht minder lärmend als der Jankee 'seinen Fourth of July, stand das Publikum dichtgedrängt in der Turnhalle und auf dem Turnhose. Recht beifällig wurden besonders die Aufführungen der .Knaben und Mädchenriege des Deutschen Instituts-, der ältesten deutschen Schule Chiles und der Zweitältesten Südamerikas überhaupt, aufgenommen. Das Fest', das ohne jeden Mißklang, auch beim Commers und Ball, verlief, war für die Osonwer Turner besonders bedeutungsvoll, da deren schön gestickte, in rothen und weißen Farben gehaltene Fahne eingeweiht wurde.
Der Graf von fflandern, der kürzlich zur cwigcn Ruhc bcigesetzt wurde, war außerhalb seine? Vaterlandes nur wonig bekannt und hat in seinem ganzen Leben auch nichts Besonderes gethan, um die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkoit vuf sich zu lenken. Dafür war er aber in Brüssel, wo man ihm täglich in den Straßen begegnen konnte, ein-? sehr bekannte igur. und sein Verschwinden wird von den Mouarchist','.'-: um so eifriger beklagt werden, a! seine Volkstlnimlichkeit ein für sie nützliches Gegengewicht gegen dir. die Unpopularität seines Bruders des Königs Leopold II., bildete. Du beiden Brüder waren sich in occ That wenig ähnlich, weder in ihren Lcbcnsgewohnheitcn noch in den Nei gungen und Interessen, von denen sie. sich bestimmen ließen. Fülirt der König bis auf den heutigen Tag die Existenz eines sehr genußfrohen Junggesellen selbst während seiner Ehe hat er sich kaum viel anders gefühlt und ist er trotz seiner siebzig ahrc noch imwcr bei. seinen vielen Besuchen in Paris der Stammgast jener eleganten VcrcprügungÄl'. kale, wo man sich mehr oder weniger ungeniert amüsieren kann, so hat dr Graf von Flandern an der Seite seiner Gattin, der Prinzessin Maris von Hohenzollcrn, stets das Bild eines musterhaften Ehemannes und Vaters geboten. Für Politik hat er sich nienials intercssirr, und wenn er auch ein guter Haushälter war, der den Werth des Geldes wohl zu sckä tzen verstand, so besaß er doch mcht eine Spur von jenem Geschäfts und Spekulationötalente, das den König Leopold in so hervorragender Weise auszeichnet. Man weiß auch, daß er stets seinen Einfluß auf . seinen Sohn, den Thronerben Prinzen ?(l bert, geltend gemacht hat, um auch ihn von der Berührung mit der Ta gespolitik möglichst fern zu halten, und ihn darauf hingewiesen hat, sich mehr mit philanthropischen Fragen zu beschäftigen, die ihn nie in den Kampf der Parteien hinabzichcn sonnte. Auch zu seinen Töchtern, von denen die eine nach Frankreich an den Herzog von Vendome, einen Orleans, die andere nach Teutsch land, an den Prinzen Karl Anton von Hohenzollcrn, den Kommandeur des ersten Gardedragoner-Negirnents. verheirathet ist, stand er im herzlich steil Einvernehmen, und es ist schwer anzunehmen, daß er das lieblose Ver halten Leopolds II. gegen feine XMy ter gebilligt hak. Ncbrigens war der Graf von Flandern was er wohl nie erfahren hat die unschuldige Ursache davon, daß der kleine Roman seiner Nichte Klcrncniinc mit dem Prinzen Viktor Napoleon öffentlich bekannt wurde. Ter Graf war närn lich seit vielen Jahren stocktaub, ein Erbtheil seines Großvaters, des Kö ngö Ludwig Philipp, und seiner Mutter, der Königin Louise. Als Knabe nach den Anleitungen des Ba rons Stockmar. des bekannten Arztes, Tiplornatei. und Verrauensrna'.;nes der Koburger, in strenger ?lb Härtung erzogen, behielt er Zeit sei nes Lebens die Gewohnheit bei, nicht nur um sechs Uhr Morgens aufzusteheu und sich mit eiskaltem Wasser behandeln zu lassen, fondern auch die Fenster in seinen Wohnräumen immer ganz wett aufzulassen. Nun liegt es aber das Palais Flandern" im belebtesten Theile von Brüssel, nur wenig von dem königlichen Schlosse entfernt. Die Brüsseler wunderten sich daher schon lange nicht mehr darüber, die Stimme des Grafen oft bis auf die Straße herunter zu vernehmen. Auf diese Weise wurde eines Tages ganz zufällig irgend ein Reporter Ohrenzeuge einer Konversation zwischen dem Grafen und seiner Gemahlin einer Konversation, die, wie üblich, laut aenug yejührl wurde, um das Rollen einesMeeressturmes zu übertönen, und die sich um das Für und Wider einer Verheirathung der Prinzessin Klementine mit einem Bonaparte drehte. So stand die ganze Geschichte am Abend in der Zeitung. Die Hauptliebhaberi des Grafen von Flandern war das Sammeln alter und werthvoller Bücher und Stiche. Auf diesem Gebiete war er ein Vorzuglicher Kenner, der sich Von dem gewiegtesten Händler nicht so leicht ubervortheilen liefe. Baron 'Stockmar's Einfluß war es ebenfalls zuzuschreiben. daß der König und sein Bruder llZ Knaben jeder in einem Handwerke un terrichtet wurden, eine Citte, die ja bekanntlich auch am preußischen Hose besteht. Der Graf vizn Flandern tltte das Buchbinden gelernt und es darin sogar zu einiger Meisterschaft gebrach:. Viele Bücher der sehr kostspieligen Vi-. bliothek, die er jetzt zurückläßt, rerdanken ihren gediegenen Einband ihrrm Eigenthümer selbst. Hat der Prinz somit für sein Land und die Allzemeinheit, seiner Liebe zur Zurückgezogenheit entsprechend, kaum irgend etwas Bleibendes gechaffen, so wir! man ihm in Belgien doch als einem braven und edel gesinnten Manne ein freundliches Andenken bewahren.
Von allen Berufen ist der der Bergleute in den Quecksilbergruben für die Zähne am schädlichsten. Die Zähne fallen den Arbeitern in solchen einfach aus, infolge des durch die Queclstlberdämpfe erzeugten Speichelflusses, und der ganze Organismus der Leute wird allmälig durch das Metall vergiftet.
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L IMIUJLU11M V XJlßt Das Einkaufs'Centrum der Stadt. Eine pathetische Scene ereignete sich im Gericht zu Sioux City, Ja., als der wegen Betrug angeklagte frühere Bankier Fred. H. Cutting von der vor drei Jahren in Oto, Ja., verkrachten Bank, in einem 5rankcnstuhl in den Gerichtssaal getragen wurde, begleitet von seinen zwei kleinen in Calico gekleideten Töchterchen. Der Vertheidiger hielt eine zweistündige Rührungsrede, so daß die Jury, Zeugen und Zuschauer in Thränen zerflossen. Der Staatsanwalt that das beste, was er thun konnte, er ließ den Prozeß niederschlagen. Zu bemerken ist, daß die Depositoren von ihrem Geld -nie einen Tollar zurückerhielten. ' Zurüsichtsvll.So, so. Du gehst ohne Deine Frau auf den Maskenball?" Aber ich bitte Dich bei diesem schrecklichen Trubel und Gedränge, wer da seine Frau lieb hat, der läßt sie zu Hause!" j , Fatal. Junger Arzt (während der Sprechstunde zu den Patienten im Vorzimmer): Wer wartet denn am längsten?" Schneider: Ich, Herr Doktor! Ich hab' Ihnen den Anzug schsn vor einem Jahr geliefert!" -D M M Störn (Glablirt 1853.) . .Jndiana'S größter Laden. ...Putz-Waaren... Große Ersparnisse. Jetzt ist die Gelegenheit da mit einem neuen weißen Filz-Hut mit Flügeln, Vogelbruft oder Sammet garnirt die Saison zu beenden; Saison Preis 53.45, nur 50 c Seiden Sammet Hüte in allen neuen Winter Farben und wünschenswer then Facons, waren $2.45 ; jetzt 95 besetzte Hüte auS einem Muste'rlagervon 100, waren früher $3 50 bis 55.00; jetzt $1.00 Zweiter Stock. PMS M G00DS C0. LjlnropäischeS DHepartrkS AV-SSiS rn4 WeM, Kreditbriefe, Postantveisuugeu, auf alle Städte EurovaZ. chiffsschei vorl und nach Europa nd Verkauf au?&$rä schert Geldes. , No. 35 Süd Meridian Su. Itfe?c2iant8 National; Bank. Verlangt - Anzeigen rgend welcher rt werden in itx jndiana Irtlönt1 mit 5c pet Stile ftt lebe Jnstrttvn berechnet. 3n dermiethen : Ein arten.ffarm von 15 Scton. Rach,ufrage det Lonise Pernhart. R R.o. 71, SotlZport,Jd.
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