Indiana Tribüne, Volume 29, Number 109, Indianapolis, Marion County, 30 December 1905 — Page 7

,Mnigm Marie".

thmteS Eskimoweib. VZarie iSöö ein Engel der Tturmbe hängten. Erfolgreiche Rennthier iüchtcrin und Tchulgründerin. Ihre I thranenvolle Kinder und Jugend i ueoe'age. VTausende von Männern und Frauen VA unserer Pacifictüste, vom nördlichstni Alaska bis herunter nach Südcclifoinien, und ebenso drüben am a7:atischen Gestade des Stillen Meeres. haben bei der einen oder anderen Ge- -legenheit von der merkwürdigen Frau, I die in obiqer Aufschrift bezeichnetest, und ihren edlen Rettungsthaten gehör:; aber nur Wenige kennen ihren Lebenslauf, eine pathetische Geschichte von rauhen Stürmen und von verlorener Liebe, aus welcher, gleich der sagenhaften rothen Winterrose, die unvergängliche Blume der edelsten Liebe für die ganze hilfsbedürftige Menschheit erblühte! So ist ein armes, unwissendes Eskimomädchen, das mit der Un- , M, r i . gunst der kummerucysten etnaumrje zu kämpfen hatte und schon früh eine Waise war, schließlich zu einer Bedeutung gelangt, wie nur Wenige ihres Stammes, und Eskimos und Weiße segnen sie und ihre Werke. . EZ sind jetzt dreißig Jahre her, daß Marie Makridow. die Tochter eines Eskimoweibes und eines Russenmischlings, noch mit ihrem Vater an der Mündung des Sinrock - Flusses lebte, welcher sich in die Veringssee ergießt; ihre Mutter war bereits dahingeschicden. Die Familie war tief arm, wie alle in der Nachbarschaft. Marie unterschied sich äußerlich in keiner Weise von den übrigen Bewohnern des schmutzigen Dorfes von Jnnuit (oder Eskimo-) Eingeborenen. Obwohl kaum vierzehn Jahre alt, mußte sie die ganze Haushaltung führen, und der Vater hielt mit Mühe den Wolf des Hungers von der Thüre fern. Doch schon damals blickten die schlichten Bewohner der Nachbarschaft zu Marie wie zu einem höherstehenden Wesen auf. Das biscben größerer Sprach- und sonstiger Kenntniß, welches ihr halb russischer Vater ihr beigebracht hatte, gab ihr einen gewissen Vorrang über ihre Stammesgenossen; "auch war sie ein ungewöhnlich ausgewecktes Kind. Die entscheidende Wendung' in ihrem Lebensgeschick aber kam in einem schrecklichen nächtlichen Sturm zur Zeit der Herbst - Nachtgleiche. Marie war gerade vierzehn Jahre alt geworden, als ihr geliebter Vater die Fahrt antrat, von der er nicht mehr zurückkehren sollte! Weit über Sledge Island hinaus, welches diesem öden Gelände vorgelagert ist und es vor der offenen See schützt, wurde ein Walfänger - Boot in ärgster Bedrängniß entdeckt, schon dem Scheitern nahe. Iwan Makridow und ein Dutzend der übrigen Dörfler fuhren in einer leichten Bidarka" hinaus, ohne zu warten, bis d'e See ruhiger geworden war. Arme Frauen und Kinder dieser dreizehn Männer! Am Morgen, als es etwas stiller geworden, fuhr ein anderes Boot hinaus, aber das Makridow'sche tauchte nie wieder auf. und die Suchenden fanden kein Lebenszeichen von diesem oder vom Walfänger - Boot, ausgenommen einen halbtodten, bewußtlosen Matrosenjungen. dessen zerschundener, blutender Korper in der Brandung zwischen den Leichen einiger seinex Gefährten hin und her geworfen wurde. Das war ein Jammern und Wehklagen, als die SuchPartie heimkam! Die Trauer um die entrissenen Lie ben weckte aber erst recht die thätige Theilnahme für den einzigen Lebenden, wrlcher aus diesem Sturme aerettet 1 worden war. Der Schiffsjunge wurde in die Hütte der herzgebrochenen Marie gebracht, die ihn, unterstützt von den Frauen des Dorfes, auf das Eifrigste pflegte. Ralph Woodburn hieß das Bürschlein; er war ein junger Engländer und der Sohn eines Geistlichen. " Auf seine Bewußtlosiakeit folate ein langes Fieber, die natürliche Folge der Erfahrungen in jener schreckensvollen Nacht. In diesem Zustande phantasirte er viel von semem rebenuberzogenen Heim, seinen ehrwürdigen Vater, seiner neben Mutter und semen wer nenden Schwestern, wie sie ihm Lebe wohl sagten. Als er dann spater zu klarem Vewußtfein kam, erzählte er von allen diesen Dingen zusammenhängend, und Marie, die meistens ferne einzige Ge fährtin und Pflegerin war denn das ganze Dorf mußte schwer arbeiten, um sich vor dem Verhungern zu schützen interessirte sich mehr und mehr für ihn. Fast immer war sie an seiner Seite, außer wenn sie die auserlesenen Stückchen der PtarmiganVogel, welche die Jungen des Dorfes für sie erlangt hatten, oder die zartesien frischen Fische aus Eislöchern gefangen und dann und wann ein Gericht schmackhafter arktischer Beeren für ihn bereitete, die im vorigen Sommer getroanet worden waren. Ralph wollte sich nur sehr langsam erholen, und Marie fühlte es nicht nur als eine heilige, ihr sozusagen von rhrem Vater übertragene Ausgabe, ihn zärtlich zu pflegen, sondern mehr und mehr fand sie auch ein verhelßunos volles Glück darin. Alle ihre 'Liebe, die sie noch auf dieser Welt zu geben battt. ubertrua sie auf Raltch. Aon

ihm lernte sie auch ziemlich vollkommen englisch sprechen; und er weihte sie zum ersten Mal. in die christlichen Lehren ein. Bald sangen sie gemeinschaftlich viele der religiösen Hymnen, die .jetzt zu seinen theuersten Kindheitserinnerungen gehörten: ost auch saßen sie -siunoeniang cyweigeno neoenemanoer, und Eines las die Gedanken des Anderen in den Augen .... Die langen Nächte wurden kürzer, der Schnee begann, von den Bergrücken zu weichen, und Blumen sproßten auf der Tundra in vielen hellen Farben. Aber Ralph war immer noch Invalide. Marie brachte viele Sträuße Veilchen, wilde Rosen, Vergißmeinnicht und

Margarlten an seine pelzbedeate ia gerstatt. Im Herzen des jungen Engländers entwickelte sich ein Zwiespalt. EinesHeils wartete er stets auf den Tag, da er, wohl genug geworden, bei günstiger Gelegenheit nach ferner Hnmath zu rückkehren könnte, anderntheils war hm vor diesem Tage bange. Noch viel banger aber war es Marie, deren ganzes Sinnen und Denken in Ralph aufgegangen war! Von solchen. Gefühlen bewegt,. saßen die Beiden gar manches Mal, als das Wetter wärmer geworden war, am Seestrande und blickten tlll fragend in die Ferne. Oder auch. die Zunge löste sich, und Marie erfuhr mehr und mehr von der großen Welt außerhalb ihres bisherigen Gesichtsreiz es. Das Schiff, welches Ralph nach England zurückbringen sollte, kam mcht, statt dessen aber kam der Todesengel! Als die winterliche Zeit wiederkehrte, konnte Ralph sein Lager nicht mehr verlassen; sein Husten wurde häufiger, sein Antlitz blasser, und endlich wurden die letzten Blumen des Sommers neben seinen kalten stillen Körper in dem verdunkelten Jgloo" gelegt! Das ganze Dorf weinte mit Marie, welche abttmals Allee- verloren hatte, was ihr auf dieser Welt theuer war. Noch heute fällt dem Schiffahrer, wenn er in den dortigen Hafen kommt, als eines der ersten Wahrzeichen e:n kleines weißes Segeltuchzelt auf, das auf einem Hügel sieht, über dem Grabe von Ralph Woodburn. Die Eingeborenen zeigen dem Fremden mit Stolz diese Stätte, und obwohl die meisten. welche den Dulder noch gekannt; ebenfalls seiner Wege gegangen sind, wird das Zelt auf dem Grabe so oft, wie nöthig, erneuert, und sein Andenken wird nicht grün, aber so weiß wie der Schnee erhalten. Totems" um das Grab herum erzählen von der Geschichte, die das kleinste Kind des Dorfes kennt und bewahrt. Bittere Nothtage folgten dem Tode Ralph's, und in dieser schweren Zeit wurde Marie Makridow der gute Engel ihres Volkes; sein blutendes Herz, das einst an ihr eine Trösterin und Helferin fand! In ausopsernder Hingäbe Pflegte, sie die Kranken und Schwachen und bemutterte die kleinen Kmder. Damals erhielt sie ihren Bei namen onigin der Jnnuit , und wohl me war ein Ehrenname besser verdient, als dieser. Jahr um Jahr rollte dahin, und beim Aelterwerden fühlte Marie denn doch, daß sie in die Fußstapfen aller Frauen ihres Stammes treten müßte. wenn auch ihr erster. Liebesfrühling erstorben war. So heirathete sie denr eines Tages Charlie Augensook, einen der frohsinnigsten, wackersten und vielversprechendsten Burschen des Dorfes. Das bedeutete aber für sie kemeswea ein Aufgeben ihrer Ideale und ein Aufgehen in die alltaglichen Stammesgepflogenheiten, vielmehr flößte sie ihren hohen Geist zum guten Theil auch ihrem Gatten em, und diese: wurde ihr getreuester Mitarbeiter in dem Hilfs- und Erziehungswerk für ihr Volk und im Rettungswerk für alle Bedrängten, welche nach diesem Gestade kamen. In diesem Liebeswerk fand Marie reichen und unvergänglichen Ersatz für Alles, was sie verloren. Mancher Goldsucher oder Walfän ger, ob selber in Noth oder nicht, hat dieses edle Paar kennen gelernt und sein Wirken bewundut. Je mehr man davon erfuhr, desto mehr Unterstützung fand dieses Wirken auch von anderer Seite, und so konnte der Wirkungskreis immer weiter ausgedehnt werden, sogar nach der asiatischen Seite der Pacificküste. Versorgungs - Stativnen. Schulen, Sonntagsschulen und Waisenasyle wurden in den rauhen und entlegenen Küstenregionen immer mehr gegründet. Und noch immer ist diese segensreiche Arbeit im Gange. Auch Charlie Augensook ist schon sei einigen Jahren zu seinen Vätern versammelt, aber Marie Makridow unter diesem Namen ist sie nun einmal am bekanntesten geworden, und dem Andenken ihres Vaters zuliebe zieh! sie ihn auch vor herrscht noch immer ali Königin im besten Sinne des Wortes über das kleine Dorf am Ausstrom des Sinrock - Flusses, an jener einsamen Küste von Alaska, während der Kreis ihrer Thätigkeit, wie gesagt, weit über diese Stätte hinausgeht. Ihres Vaters ' ärmliches Jafoo" früherer Jahre ist längst in ein geräumiges und behagliches modernes Haus verwandelt, welches beinahe einen Acre Boden bedeckt, und in diesem Hause allein sind mehr als hundert Jnnuitlinder untergebracht, Waisenkinder, welche sie wie ihre eigenen behandelt. Sie selber ist weitaus die gebildetste

Frauensperson in diesem 2.t)cue von Alaska, und sie möchte diesen Kindern wenigstens soviel wie möglich von den Dingen beibringen, welche sie mit so großem Interesse und mit oen Ohren der Lirbe in sich aufgenommen hgtte.

Zum Theil giebt sie den unterricht selbst; theilweife aber hat sie den Beistand guter Lehrkräfte, welche, sie mit der Zeit gewonnen oder aus Eingebo renen herangezogen hat. Da sie noch viele andere derartige Plätze zu leiten hat und ihr ganzes großes Arbeitsfeld unter persönlicher vlttssZlbt Kalten 'will, so ist sie öfitr nui Reisen. Sie hat Hundert, jon Metten owohl an der amerikanischen Küste wie drüben an der nord - sibirischen Küste bereist, und bei den Tschuktschis st sie Nicht 'Minder bekannt als m Alaska. Auch für die Kinder der Tschuktschis hat sie Schulen, Sonnagsschulen, Jgloos für Waisen und andere Hilfsanstalten geschaffen, und o ist sie eine Humanitatsvermittlerm für die entlegensten Regionen zweier Welttheile geworden.' Ihre religiöse Thätigkeit ist keine engherzige und wird auch von den Angehörigen anderer . Bekenntnisse wohlwollend ' beurheilt. . Am berühmtesten ist aber doch Marie's ursprüngliches Jgloo" zu Sinrock. Auf der ganzen Halbinsel Seward wird kein Platz so viel genannt, wie dieser; und jeder, vom Sturm überwältigte Reisende weiß, daß, wenn er nur diese gastliche Thür erreichen kam?, ihm Hilfe in jeder Beziehung zu Theil werden wird, ohne Geld und ohne Preis! Bald wird .sie Königin Marie" bald Sinrock Marie , bald auch ganz einfach Marie" genannt; aber unter allen diesen Namen ist die edle Menschenfreundin von Alt und Jung hoch verehrt. Als die wichtige Rennthierzucht in Alaska von Regierungswegen verbrn tet wurde, nahm auchMane Makridow sie mit Elfer und der Geschicklichkeit auf. womit sie jedes. Werk anfaßt, und sie ist heute eine der größten Rennthierzllchterinnen des Territoriums, was ihrem Hilfs- und Rettungswerk sehr wesentlichen Vorschub leistet. Schon in dem denkwürdigen Winter von 1898. als Capt. Jarvis und Dr. Call, Freiwillige der Bundesregierung. welche den abgesperrten, hungernden Walsangern zu Point Barrow Nahrungsmittel zuführen sollten, auf ihrer langen und strapaziösen Reise von Kuskokwim Alles verloren, gab Marie Makridow ihnen 500 lebende .Rennthiere, ohne nach der Bezahlung zu fragen, und diese trieben sie nach Point Barrow und retteten damit das Leben von 200 Menschen! In Anerkennung dieses Edelmuthcs gab ih? die Regierung für jedes Rennthier, das sie für die hungernden Walfänger aeliefert hatte, zwei andere, und jetzt stellt sie ihr jeden Winter große Borräthe Nahrungsmittel und Kleider zu Gebote, mit denen sie gestrandeteGoldsucher, die in ihre Nachbarschaft kom men. unterstützt. Obwohl ihre Juqendiahre länast hinter ihr liegen, fährt sie nock in mancher bitterlich kalten Nacht, wenn v.!- rnr: u - i uic Zllzzaros am argiren wulyen, in ihrem Rennthiergespann, nur von einem verläßlichen Eingeborenen Begleitet, auf ein Rettungswerk aus! . Vadische Schildbürger. Ein Schildbüraerstreick wird aus Hohenhurst im badifchen Hanauerland bekannt. Dort sollte ein junger Gemeindestier in Amt und Wllrd eingeführt werden und seinen Ring durch die Nase aezoaen bekommen. Dem angehenden Veredler der Hanauer RindViehzucht patzte nun die Prozedur absolut nicht und er bäumte sich gewaltig in die fiöbe. Da Kien es dann: ...fiel tene fescht!" und jeder hielt den Wiverspenstigen fest, daß er nachgab und der Rina scklieklick befeitiat werden konnte. Mittlerweile war aber der Stier an den unaestümen Umbaliun gen erstickt und maustodt. Die Geschichte bildet ein Gegenstück zu dem Streich der Büraer von Scbilda. fck eine Kuh mit einer Schlinge um den als aus die Stadtmauer mnauno gen. damit sie dort das Gras abweide. Die Kuh brachten sie hinauf, aber nicht mehr lebend. ' m m m Berechtig terWunsch. Student (nach einem Pump): , Wie hübsch ist es doch, wenn ein Freund dem andern aushilft. Freund:. . . Ganz recht - nur möcht' ich nicht immer der Eine sein! Raffi n i r t. Fremder: Don nerwetter! Euer Straßenpslaster ist aber hundemiserabel, das könnte auch mal erneuert werden! Einheimischer: Ja, wissen Sie, unser GemeindeSchulze ist Hühneraugenoperateur.und der läßt's nicht zu. , DerQberlehreranfder Jagd. Sie .haben ja heule ihren neuen Hund nicht mit! Erstens ist es neHundm, zweitens gehört er mer .nem Schwager, drittens hat er Junge und viertens h?b ich ihn gestern aus Versehen erschossen!" Unerwartet. Dieser Pflaumenkuchen erinnert mich an den. den meine Mutter machte. Endlich! immer hast Du mir bisher vorgehalten, wie vorzüglich Deine Mutter kochte Gewiß kochte sie vorzuglich nur eines aelana ihn nie." Und was war das?" .Pslaumcnluchen."

Der Feigling.

Von Maurice Level. , Ich hatte eben Papiere geordnet, so erzählte der Staatscmwalt Bordier - die sich auf einen ziemlich verWickelten Glftmcherprozeß bezogen, einen Fall Hertier, der seiner Zeit große Aufsehen erregte, als der Dr. Lamer zu mir ins Bureau trat. Es war ein eigenthümlicher, kleiner V!ann, äußerst thätig und gutmüthig. Es mochte sein, welches Wetter es wollte, man sah ihn immer die Hände in den Taschen durch die Straßen der Stadt wandern, und sprach man ihn zufällig an, so zuckte er stets beim Stchenbleiben heftig zusammen, wie ein Mensch, den man seinen Träumen entrissen. Abgesehen von seinen Kranken und den Leuten, mit denen er infolge seines Berufes nothgedrungen in Beziehung treten mußte, verkehrte er mit Niemand, lebte zurückgezogen, sozusagen außerhalb der Stadt, in einem traurigen, kalten Hause. Bei ieder anderen Gelegenheit Ware ich über seinen Besuch überrascht gewesen, da er aber in seiner Eigenschaft als' Gerichtsarzt gerad: wegen des Falls, mit dem ich mich beschäftigte. vorgeladen war. so wunderte ich Mich nicht weiter darüber. -Ich reichte ihm die Hand, er drückte sie mir kaum mit denFingerspitzen und fragte mich, ohne mich anzusehen, mit gesenkten Augen: Ich störe Sie doch nicht etwa?" 'Absolut nicht. Bitte, setzen Sie sich doch." Ich bemerkte nun, daß er vielleicht etwas blasser als gewöhnlich war' und zitterte. Wir befanden uns ,m November. Seit dem vorigen Abend fiel ein heftiger Regen, jener langsame, stille Herostregen, der einem bis auf dieHaut dringt und die Glieder erstarren macht. Ich fragte ihn, ob er friere, doch er antwortete zerstreut, mit stockender Stimme: Durchaus nicht durchaus nicht." Es muß wohl," sagte ich. erst in dem Departement ein Mord begangen werden, damit man das Vergnügen hat, Sie zu sehen. Jedenfalls verschafft mir wohl der Fall Hertler heute die Ehre?" Allerdings." Er biß sich auf die Lippen, schüttelte zwei- oder dreimal den Kopf und fuhr fort: Allerdings .... Ich mochte Sie nämlich bitten, mich von meiner Funktion als Gerichtsarzt zu entheben." Ich machte eine Bewegung mit der Hand, und eine Frage trat mir auf die Lippen. Er unterbrach meine Bewegung und ließ mir keine Zeit, eine Frage zu stellen. Fragen Sie mich, bitte, nichts . . . Sie werden selbst in einem Augenblick beurtheilen können, ob ich dieFunktion, zu der ich berufen bin, erfüllen kann: ich habe Ihnen merkwürdige, entsetzliche Dinge zu enthüllen. Während er zu mir sprach, hatte er den Kops erhoben, und zum ersten Mal sah ich seine Augen, seine gewöhnlich scheu blickenden Augen, die mich in dieser Minute mit wahrhaft uberra schender Sturheit anblickten. Also, mi kennt mich in dieser Stadt eigentlich überhaupt gar nicht. Man weiß nichts von meiner Veraan genbeil, und gerade von dieser Vergangenheit will ich mit Ihnen sprechen. Ich war nicht für das eintönige und graue Lcben eines Provmzarztes geschaffen dieses Leben, das keinen Ehrgeiz, keine Hoffnung kennt, das ei nen bis zum Tode an das Pflaster einer kleinen Unterpräfektur fesselt und zu dem der Lärm von Paris nur langsam, wie ein verschwommenes, dumpses Echo dringt. In Paris habe ich angefangen, ich .habe hier zwei Jahre gelebt und Mich verheirathet. Wieder einmal unterbrach er meine Frage durch ein Kopfschutteln. - Ich bin Wittwer. Andere hätten in meiner Lage eine Vernunft- oder Jnteressenheirath amacht und in er ster Reihe auf Geld gesehen, ich aber verhurathete mich us Liebe. Mehrere Monate war ich verheira thet, als in dem Gesundheitszustande meiner Frau, die sich bis dahin sehr wohl befunden hatte, eine Veränderung eintrat. Nicht etwa, daß sie krank war oder über irgend etwas klagte. . . . Nein, aber sie magerte ab und schien abgespannt, ohne daß mir irgend etwas in ihrem Zustande auch nur die geringste, selbst schwächste An gabe hatte liefern können. Eines Nachts, in der ich nicht einschlafen konnte,' während meine Frau bereits seit längerer Zeit dem Schlummer ,in die Arme gesunken war, hörte f. C P IP - icn einen on, oer wie em sellsames Murmeln klang. Ich lauschte auf dieses taktmäßige Geräusch: ein rauher Athem, in den sich andere Tone mischten, wie man etwa vernimmt, wenn man in regel mäßigen Zwischenräumen den Deckel eines Topfes mit kochendem Wasser in die Höhe hebt. Es ist ja nicht möglich." sagte ich mlr, du horst schlecht . . . wenn es so Ware, dann Ware es ja entsetzlich . . Die Schwindsucht! . . . Nein, nein, es ist nur eine Sinnestäilschung; du bist toll." Leise und langsam rückte ich näher und legte mein Ohr an. Leider hatte ich mich nicht getäuscht. ' Ein entsetzlier Schreck bemächtigte sich nun mti

ner. und dieses Entsetzen war o

furchtbar, daß ich noch heute, nach so -11 -

vielen ayren, mcyl oaran venien kann, ohne zu erbeben. Dem Schmerze vor dem unheilbaren Leiden gesellte sich eine gräßliche, egoistische und feige Furcht zu die Furcht, ich könnte angesteckt werden. - Hätte man mir eine Pistole auf me Brust gesetzt und ' zu mir gesagt: Wenn du einen Schritt weiter gehst. o bist du ern todter Mann, so hätte ch vielleicht den Muth gehabt, vorwärts zu schreiten. Aber fühlen zu müssen, daß man Schritt für Schritt, mit jedem Athemzuge den Keim dieser entsetzlichen Krankheit in sich aufmmmt! Zu wissen, was kommen Wird: der langsame, verhängnißvolle, unentrinnbare Todeskampf . . die Augen zu schließen und sich einzubilden, daß man bald dasselbe Schicksal erleiden wird wie das Wesen, das neben einem lebt und das langsam dem Tode entgegengeht .... Schritt für Schritt, Minute für Minute dieser Zerstörung des menschlichen Lebens zu folgen das ist das Gräßlichste, was finem Menschen vorbehalten sein kann! Es verflossen ewige Tage. Tage der Qual, in denen ich mich bemühte, ruhig zu bleiben und sogar noch zu lächeln. Dabei liebte sch diese Frau, ich liebte sie und vergoß bittere Thränen über sie. Doch alles war umsonst, ich sah sie letzt nur noch mit den entsetzlichen Augen meines Berufes, ich sah sie jetzt nur noch als Arzt. Ihr Zustand blieb stationär. Ich sagte mir, in einem Monat, in sechs Monaten, vielleicht in zwei Jahren wird sie sterben, und wahrend , Dieser Zeit bedroht dich dieselbe Gefahr. Ich ging sogar so weit, und das ist das entsetzlichste daß ich leise denWunsch aussprach, ein heftiger Anfall möge sie dahinraffen, um mir diese Qual aus dem Herzen zu reißen und meinem CZ,r(rnri Mllrth 31t ithniifiYf suuivtgi "jjtug So weit war ich gekommen, als ich zum Verbrechen überging. Sie glauben nicht, mit welcher Leichtiakeit sich ein solcher Gedanke, bei dessen Namen man schon erbebt, in ein gequältes Herz einpflanzt. Kaum war der Gedanke in mir ausgetaucht, als alle anderen wie mit einem Zauberschlage verschwanden. Ich glaube, die Kraft dieser Qual, dieser .fixen Idee erstickt sogar die Gewissensbisse und lähmt das Gewissen. Diese Frau, meine Frau, die ich aus Liebe geheirathet, flößte mirAngst ein. Ich konnte nicht mehr an ihrer Seite leben. Die Scheidung, die Trennung erschien mir als etwas Ungeheures, an das ich nicht denken durste. Dagegen empörte mich der Mord keineswegs Todten! Ich sollte also tödten aber wie? Die Gifte, welche keine Spuren hinterlassen, sind sehr selten. Ein teuflischer Gedanke bemächtigte sich meiner. Ich besaß in meinem Uaboratorium Mikroben in ziemlich bedeutende? Quantität so daß ich ein ganzes Pariser Stadtviertel hätte anstecken können. Ich hätte Cholttubazillen nehmen können, deren Wirkung gleichzeitig schnell und sicher war; doch ich zog den Typhusbazillus vor, weti diese Krankheit, die fast immer im endemischen Zustande ezistirt, die Aufmerksamkeit nicht erregen würde. Ich mischte dann eines Tages ruhig und kaltblütig den Inhalt einer solchen Tube in die Suppe meiner Frau . . . . und wartete das Weitere ab. Es dauerte nicht lange .... nach Verlauf einer Woche zeigten sich die ersten Symptome. Für jeden anderen wären sie unklar und ungewiß gewesen, für mich waren sie ausschlaggebend. Hier begann nun die . entsetzlichste Phase meines Verbrechens. Ich kämpfte nicht nur nicht gegen die Krankheit an, sondern um auch sicher zu sein, daß mein teuflischer Mord gelingen würde, half ich den Fortschritten der Krankheit nach. Ich ebnete ihr den Weg, damit sie in aller Gemüthsruhe sich aus, breiten und ihr Zerstörungswerk fortsetzen konnte. Der erste beste Student wird Ihnen sagen, daß man bei einem Fieberkranken jede feste Nahrung ausscheiden muß. Ich that das nicht, im Gegentheil, und nach Verlauf von zwölf Tagen starb meine Frau. Dann aber traten mit der Zeit die Gewissenbisse auf, die bohrenden GeWissensbisse, mit denen ich einschlafe und mit denen ich aufwache, die mir wie eine wilde Bestie auf die Brust springen, mir das Fleisch zerreißen und mich ersticken. Wohl hundertmal wollte ich mich tödten, doch ich war stets zu feige, es zuthun. Ich bin ein Feigling in der schmachvollsten Bedeutung desWortes; ti gibt für meine Handlungsweise keinen anderen Bewczgrund als die Furcht, und es hat nie einen anderen gegeben. . Passen Sie auf, ich habe aus Furcht getödtet. Ich habe mit meinem entsetzlichen Geheimniß gelebt, während es mir doch 'ein Leichtes gewesen wäre, mich von dem Leben zu befreien, und warum habe ich das nicht gethan? Aus Furcht. Heute aber habe ich genug, ich kann nicht mehr ... ich ersticke ich muß verschwinden. . . . Trotzdem hatte ich, bevor ich hier eintrat, nicht den Muth, mich zu todten.' Jetzt., wo ich zu Ihnen gesprochen, wo ich Ihnen mein Verbrechen gebeichtet habe, könnte ich Ihnen sagen: Ich fühle mich er. leichtert .... aber nichts dergleichen, mein Austand ist derselbe wie zuvor. Nur ein Bild bleibt in mir bestehen

und verdrängt alles andere, daö Bild des Schasotts, das.mich.rMtet,und

davor habe ich eine noch entsetzlichere,

eine noch grauenhaftere Furcht als vor allem anderen. Äver geraoe oie,e Furcht wird mir die Energie verleihen, das zu thun, was ich bisher nie gewagt habe." Mit einer so raschen Bewegung, daß ich nicht einmal die Zeit hatte, einen Schrei auszustoßen, schlug er sich heflig mit der Faust gegen die Schläfe. Ein dumpfes Geräusch, als ob eine Ader platzte, der Körper rollte auf den Teppich. Es war aus. Es wurde eine Untersuchung über diesen Selbstmord angestellt, doch wir erfuhren nichts. Man hielt in seiner Wohnung Haussuchung, und in Ermangelung anderer Papiere fand man in der Schublade eines alten Schreibtisches einen Stoß alter, vergilbterBeileidsbriefe, die einige Tage nach dem Tode feiner Frau datirt waren. Anzüglich. Ein Professor gab sich beständig Mühe, den Studenten .begreiflich zu machen, daß sie vor Allem klar und gemeinverständlich schreiben sollten. Eines schönen Tages bringt ihm ein Student eine Abhandlung, die er auch aufmerksam durchliest. Als der Student wiederkommt, sagt er ihm: Eine gute Arbeit. Gute Gedanken, aber Sie sollten immer so schreiben, daß Sie sich auch den simpelsten Menschen verständlich machen." Was ist Ihnen noch unklar geblieben, Herr Professor?" lautete die naive Antwort. Das ttunftbewutztsein. In einer Malschule bittet ein junger Mann, der einer von den Vierhundert Familien angehört, um ein Zeitungsblatt, um eine Zeichnung einzurollen. die er nach Hause mitnehmen will. Sie begreifen," sagt er näselnden Tones zum Vorsteher der Malklasse, daß ich nicht für einen Künstler gehalten werden will." Wenn das so ist." antwortete der Meister, kann ich Ihnen nur einen guten Rath geben: Tragen Sie Ihre Zeichnung ganz offen." Im Eifer. Chef (der eine Todesanzeige erhält): .Na, die Frau kann froh sein, daß sie endlich den Lüderiabn und Säufer los ist!... (Jum Kommis) Drücken Sie ihr 'mal unser berzlichstes Beileid aus, Müller! Die serbisSe KLniaZ. jacht Draga" wuide von der rumänichen Neaieruna für 75.000 Frank angekauft. Die Jacht hatte oftmals König Alexander und Draga zu Lustfahrten getragen und war ein Geschenk der Stadt Belgrad. Grausam. Baron: etzt werden Sie aber bald Ihr Geld kriegen! Nächsten Monat heirathe ich die Bankierstockter!" Gläubiaer: Eildlich:. .. Na, me bat uns aber la zappeln lassen. Herr Baron!" . S u f d e r S t a a. t S u n'i v e r tet ton 55owa itudiren dieses Saht

1729 Studenten, oder 244 mehr als im Vorjahre. Bericht eines Auskunftsbureaus. Herr Brem. ser erfreut sich allgemein guten Rufes. Er ist Cchnellzugsmaschinenfllhrer doch kommt er wegen seiner vielen Kinder nur langsam vorwärts, weshalb von einer Creditgewährung abgerathen werden muß." Gut gegeben. Ach. Herr Doktor, kommen 'Sie doch zu meinem Mann, er ist kranZ.. . .es ist mir zwar ein Räthsel.. . . ich lasse ihn nicht trinken,. . . nicht rauchen.. . : nicht ausgehen!" Doktor: Nun ja, meine litt Frau, schauen's, da würde ich halt auch krank werden! Die Bemühungen der Behörden von Black River Falls, Wis., Trunkenheit unter den WinnebagoJndianern zu unterdrücken und zu verfolgen, haben Aufsehen erregt. Distriktsanwalt Reichenbach, hat die Sache in die Hand genommen und hat alle Indianer, !die die Angewohnheit haben, sich zu bekneipen, wenn die Iahreszahlungen erfolgen, auf eine schwarze Liste gestellt. Gleichzeitig hat er bekannt gegeben, daß alle Personen, die ' den Indianern Spiritussen verkaufen oder liefern, angeklagt werden würden. Die Folge .ist, daß in diesem Jahre wenig berauschte Rothhäute zu finden sind. ES wurde vor einiger Zeit die Nachricht verbreitet, daß das Oberbundesgericht in einer kürzlichen Entscheidung gesagt habe, die Minnebago - Indianer seien Bürger von Wisconsin und als solche zu allen Pridilegien der weißen. Rasse berechtigt,' also auch nach Belieben sich bekneipen zu dürfen, und infolgedessen wurde ihnen in verschiedenen Wirthschaften Feuerwasser" verkauft. Der Di-striktsanw-alt beschloß aber, diesem Treiben zu steuern, und wies den Sheriff ext, 2titt zu ernennen, die alle Uebertretungen des Verbots melden sollten. - Einige der Wirthe trugen sich zuerst mit der Absicht, sich an das Verbot nicht zu kehren irod die Sache in den. Gerichten auszufechten; sie beruhigten sich schließlich aber und ließen sich !i keine Ucbertretungen mehr zu Schulden kommen Zwei Männer jedoch, ein Farmer und em anderer, die Indianern zu Schnaps verhalfen, wurden dabei erwischt' -und zu einer Geldbuße verurtheilt, damit ein Erempel Zjatuirt werde, wie der Anwalt sagte.

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