Indiana Tribüne, Volume 29, Number 108, Indianapolis, Marion County, 29 December 1905 — Page 5
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Die KorKlanne.
El tn Arizona bel,cinathct,r un n V, rp iHgesührter Baun,. In unserer Zeit, so schreibt ein Fachmann der Frankfurter Zeitung macht, man vielfach die traurige Veobachtunz. daß verschiedenartige Gehölze, namentlich aber Nadelbäume, nicht nur in den Städten der Jndustriecentren, Sendern auch im Innern der Großstädte nicht mehr fortkommen wollen. verkümmern und zu Grunde gehen. Es sind die Mineralsäuren, die der Rauch der Haus- und Fabrikschornsteine enthält, namentlich die Schwefelsäure, die auf die immergrünen Pflanzen gewiffe Aetzwirkungen und Vergiftungen ausüben, welche die ganzen Pflanzen über kurz oder lang abtödteu. Am reichsten sind diese Gifte in den Verbrennungsgasen jber Steinkohle enthalten. Die Erfahrung hat nun gelehrt, daß sich von den Nadelhölzern die silberund blaugrau gefärbten Varietäten gegenübcr diesen Giften am Widerstandsfähigsten erweisen. Solche Nadelhölzer sind in erster Linie verschiedene Fichten, wie Pica glauca argentea und P. Engelmanni, die bei Anpflanzung in den. Großstädten in erster Linie berücksichtizt werden sollten, während andere, so z. B. die bekannte WeymouthsKiefer, in städtischen Gärten bereits nach kurzer Zeit umkommen. Die roiderstandsfähigen blaugrauen NadelHölzer haben durch den deutschenPflan zensammler Prpus eine schätzen--werthe Bereicherung erfahren. Im Sommer des Jahres 1900 fand dieser Sammler in den Hochgebirgen des nördlichen Arizona die den dortigen Gebirgsbewohnern sängst bekannte und schon 1896 von Dr. Merriam auf einer wissenschaftlichen Tour aufgefundene sogenannte Korktanne. Abies arizonica. Er führte sie als erster in Europa ein. Im botanischen Garten zu Darmstadt sah ich jüngst das stärkste zur Zeit in Europa vorhandene Exemplar dieser Korktanne, das nur etwa 3 Fuß 3 Zoll hoch ist. - Der Baum wächst im rauhen Klima und hat sich deshalb auch in Deutschland als vollständig winterhart erwiesen, aber er hat den Fehler, im Verhältniß zu anderen Nadelbäumen im Frühling sehr früh auszutreiben, infolgedessen können bei eintretenden Spätfrösten die jungen Triebe nothleiden. Eigenthümlich ist dieser Tanne eine prächtige silberweiße dünnschalige, aber korkartige Rinde, die bereits importirt wird, um zur Herstellung verschiedenartigerSchmuckgegenstände VerWendung zu finden. Die Nadeln sind von prächtiger silbergrauer Farbe. Die Pflanze wird, wenn sie erst in stärkeren Exemplaren vorhanden ist. eine nicht zu unterschätzende Rivalin der bisher bekannten Silberfichten werden. Etrikende Dienstmädchen. . - Ich begleitete, so erzählt ein im Haag. Holland, weilender deutsche? Berichterstatter, unlängst einen Bekannten nach Hause, dessen Wohnung in dem reichen Viertel der Residenz liegt, wo Familien mit drei oder vier Dienstboten keine Seltenheit sind. Als wir in die Nähe seiner Wohnung gekommen waren, sahen wir ein schmuckes Mädchen, als Dame gekleider, mit einem Hut mit Straußenfedern, feinen Glaceehandschuhen und einem seidenen Entoutcas auf- und niedergehen, und da ich bereits am Morgen eine ähnliche Gestalt hier hatte flaniren sehen, fragte ich ihn, was das Schildern solcher gar nicht üblen Schildwache zu bedeuten habe. Mi: dem gleichgiltigsien Gesicht, als ob sich dies von selbst verstände, sagte er: Hier wird Posten gestanden,, und zwar bei Frau Bei diese.? war nämlich drei Tage vorher unter ihren drei diensthren weiblichen Geistern ein Ausstand ausgebrochen; alle drei hatten die Arbeit niedergelegt und waren dann spazieren gegangen. Als sie am folgenden Tag in ihren Dienst zurückkehren wollten, fanden sie berits eine Unterkriecherin und um nun dafür zu sorgen, daß deren sich nicht noch mehr anmeldeten, hielten sie abwechselnd die Wache vor dem Hause. Wurde hie? angeschellt, so .sah man das solidarnche- und klassenbewußte Fraulein Dienstbote im Galopp auf die Thüre zulaufen und mit der angehenden Unterkriecherin" ein Gespräch anknüpfen, wobei es manchmal zu einem lebhaften Gefecht mit der Zunge zu kommen pflegt. Die Polizei sieht sich in solchen Fällen außer Stande, einzuschreiten. Jrucktrestaurants. In Tottenham Court Road. einer belebten Straße des westlichen Londons. ist ein Restaurant eingerichtet worden, in oem nur Fruchte vorgeetzt werden.' Die Lunckeons dieses Restaurants scheinen eine große Anziehungskraft zu haben. Die Preise sur eine 5?ruÄtmablzeit belaufen sich auf 12 Cents. 18 Cents oder 24 Cents. Die Gäste fifeen an kleinen Tischen, von de nen jeder mit silbernen Fruchtgabeln und silbernen Fruchtmessern sowie mit Nunknackern. Tellern und Servietten ausgestattet ist. Das Menu des 24 l5ent-Lunckeons besteht aus arünen Feigen. Pfirsichen. Birnen. Pflaumen, Trauben. Bananen und, kentischen Nüssen. Die 3a&l der F i a k e r in Wien betrug im Jahre 1903 994. der Einspänner 1794. der oynmljcyer 1228.
. Chemie.
umoristisch-satyrische kizze von H. Maro. Na, an wen soll. dnn der Brandbrief ba wieder gehen?" fragte Studiosus Fellmer seinen Kommilitonen und Intimus Bauditz, der beim Eintritt des Besuches mit kummervoller Miene am Tisch saß und einen fertigen Brief noch einmal zu überlesen schien; er war augenscheinlich nicht in rosigster Laune. Wer sagt Dir denn, daß das hier ein Brandbrief ist?" knurrte er gereizt. Aber Bauditzchen," lachte Fellmer, um das zu errathen, bedarf es doch keiner großen Kombinationsgabe. Wir befinden uns im letzten Drittel des Monats!" Na ja, es ist ein Brandbrief. Nosine Lämmchen, eine schwerreiche alte Tante, wird die Ehre haben, ihn zu empfangen, und sich darauf hoffentlich mit ein paar blauen oder gar einem braunen Lappen löffeln". Denn sie hat's ja dazu, und ich habe in diesem Schreiben schweres Geschütz" aufgefahren." Und mit der Perspektive auf diesen Goldregen machst. Du solch' grämliches Gesicht?" Weil mir noch das Hauptmittel zur Erlangung dieses Goldregens fehlt. Ja, wenn die moderne Ehemie nicht wäre!" . Die modern Chemie?. . . Was hat die " Höre nur weiter. Tantchen Rosine muß man nämlich zu nehmen" wissen, wenn sie einem in Mammonsnöthen helfend unter die Arme greifen soll. Ihre Schwäche ist ihre große Empfänglichkeit für Sentimentalltaten. Wer diese ihre Achillesferse geschickt zu treffen nxiß, ist des Erfolges ziemlich sicher. Darum ist dieser Bnes hier ein gar rührselig Klagelied über meine ungünstige materielle Lage: daß mich die Geldnoth schwer bedrücke, mir die zu einem erfolgreichen Studium unbedingt nöthige Lebensfreude raube: daß ich möglichenfalls genothizt sein würde, früher oder später das beiNaeliebte Studium auszugeben, daß sich beim Gedanken an diese Eventualität mein Herz schmerzlich zusammenkrampfe usw. Mein Vater ist ja thatsächlich kein reicher Mann, was der Tante wohl bekannt ist. Zum Schlüsse kommt dann die Wendung, ich müsse nun mit Schreiben aufhören, da die rinnenden Thrä nen meinen Blick verdunkelten und die Schriftzüae zu verlöschen drohten. ThränensMren muß der Brief unbedingt aufweisen." Und auf dergleichen fallt die Tanie herein? Da scheint ihr geistiger Standard kein allzu hoher zu sein!" Ich wage Dir nicht zu widersprechn, doch,darp,.sie.auch nicht unterschätzt werden. Ihre zweite besonders ausgeprägte Charaktereigenschaft ist nämlich das Mißtrauen. Thränen wirken wohl bei ihr, aber nur, nachdem Tante die Ueberzeugung gewonnen, daß sie echt, kein Surrogat sind. Davon weiß mein Vetter Albert ein Lied zu singen; -der - schrieb ihr vor Jahr und Tag auch solchen ergreifenden Brief und am Schlüsse fehlten auch die Zähren nicht. Nach acht Tagen antwortete Täntchen, sie hätte die Thränenspuren von dem ihr befreundeten berühmten Chemieprofessor Dr. Schnüffelmann, ' einer Leuchte seines Faches, untersuchen lassen, und der hätte durch chemische Analyse festgestellt, daß es sich in dem Briefe nicht um Thränen-, sondern um ganz gewöhnliche Brunnenwasserflecke handle. Albert sei ein Lügner und Heuchler und möge nie wieder einen Versuch machen, nch der Tante zu nahern. Thatsächlich hatte der Unglückliche das Schreiben nur mit ein paar Tropfen aus seiner Wasserflasche benetzt." Donnerwetter," meinte Fellmer, so etwas kann also die Chemie?" Was glaubst Du wohl, was sollte die moderne Chemie Nicht können! Die kann ja auch Schweineblut von Menschenblut unterscheiden, was doch in manchen Fallen ganz außerordent lich schwer sein muß." Wieso gerade in manchen Fällen?' Na, bedenke doch,. wie viele Men schen umherlaufen, die den Namen der nutzlichen Borstenviecher verdienen! Höre 'mal, wenn Du noch faule Witze machen kannst Galgenhumor, Freundchen. Also, wie das Pech des Vetters Albert lehrt vestigia terrent! müssen wirkliche," echte Thränen den Brief befeuchten; die aber fehlen mir noch auf dem Papiere hier. Na, dann weine der alten Dame und ihrem Chemieprofessor doch in Gottes Namen ein paar Salzwasser tropfen auf den Brief." .Da hapert's ja eben," klagte Bauditz. Seit einer halben Stunde mühe ich mich schon ab, meinen Augen ein paar Tropfen zu entlocken, es geht nicht, ich kann Nickt weinen. Aber vielleicht versuchst Du es, Fellmer','" Will gleich 'mal sehen." fellmer beugte sich über den Brief und machte ein Gesicht, als ob er am Spieße steckte; seine Augen quollen ihm aus dem Kopfe sein Antlitz lief blauroth an vor Anstrengung, er drückte, quetschte vergebliche Mühe. Donnerwetter, es geht nicht. DaS willkürliche Weinen ist für einen ausgewachsenen Mann gar ke'ne so einfache Sache. Aber wende Dich doch an eme Frauensperson. Weiber und hin
Dtx können ja jederzeit die cy leus.cn ihrer Thränen öffnen." Du hast recht," meinte Bauditz. Ich will mein Heil sogleich bei meiner Wirthin versuchen." Frau Schulze machte ein erstauntes Gesicht, als ihr Baudi sein Anliegen vortrug. Weinen soll ich. Herr Doktor? Aber das geht doch nicht, so mir nichts, dir nichts!" Sie müssen, Frau Schulze, Sie müssen!... Wissen Sie was, denken Sie doch 'mal an meine Miethsschuld, an das Sümmchen, das Sie von mir zu kriegen hurra! Da sind ja schon die ersten Thränen!" Ja, sie waren da; kaum hatte Frau Schulze das Wort Miethsschuld" vernommen, als es in großen Perlen über iyre Wangen zu rinnen begann. Hier . hier! beugen Sie bitte den Kopf über den Brief!. . . Halt haalt! Das war ja fast zu -viel die Salzfluth hätte die Schriftzüge ja beinahe zur Unleserlichkeit verwischt." Ach, Herr Doktor," schluchzte Frau Schulze noch immer, wenn ich an Ihre Schulden denke, dann " Na, trösten Sie sich nur, Frau Schulze. Wenn dieser Brief Erfolg hat und mit diesen prachtvollen, echten Thränen muß er ja im erwünschten Sinne wirken dann sollen Sie anch Ihr Geld bekommen." Nach einer Woche erhielt Studiosus Bauditz einen Brief von der Tante. Auf's höchste gespannt, öffnete er das Couvert und las: Mein schlauer Neffe! . Auch Dir hat die Zauberin moder-
ne Chemie" die Maske der Lüge und Heuchelei vom Gesicht gerissen! Soeben ist mir das wissenschaftliche Gutachten deö Professors Dr. Schnüffelmann, des großen Chemikers, zugegangen; er bat die Thränenspuren auf Deinem Briefe mit gewohnter Gründlichkeit untersucht. Resultat: es sind wirklich Thränen, aber sie stammen aus dem Auge eines Weibes. Auch Du hast mich also schmählich belogen. Bemühe Dich nicht weiter, mir auch nur einen einzigen Thaler zu entlocken! Es grüßt den schlauen Neffen Tante Rosine". Da knickte Studiosus Bauditz erbleichend zusammen. Diese Chemie!" hauchte er tonlos, o, diese moderne yemie! Das norwegische Königöheim. Das neue Heim des norwegischen Königspaares wird wie folgt geschildert: Von der ' breiten Hauptstraße Christianias, der Karl Johann Straße, aus gesehen, steigt ein ungeheures Gebäude auf, eine Burg, die von einem Hügel aus die ganze Stadt beherrscht; ,m Vorhos steht eine Reiterstatue des ersten Bernadotte. Kommt man näher an das Schloß heran, dann verschwindet der imponirende Eindruck vor der Weitläufigkeit und Kälte dieser Mauermassen. So ausgedehnt sind bi Räume, daß man in kurzer Zeit nur einen einzigen Flügel für den König, die Königin und den jungenKronprinzen hat herrichten können.' Die Staatsräume in der Mitte des Gebäudes und der eine Flügel, der später für Gäste und Dienerschaft bestimmt sein soll, liegen noch verödet und unbewohnt. Die Räume des Königs liegen in südwestlichen Flügel des Schlosses; ganz südlich liegt sein Arbeitszimmer und das schön eingerichtete Billardzimmer, von dem eine Thür nach den Wohn- und Schlafgemächern des Königs führt. Diese Räume sind im zweiten Stock, von dem aus eine Treppe in mehreren Windungen in den ersten Stock herabführt,- in dem sich die Zimmer für das Gefolge und die nothwendige Bedienung befinden Die Räume des Kronprinzen Olaf liegen im westlichen Theil des Flügels. Es sind drei Gemächer, die der junge Kronprinz, der jetzt zu seinem eigenen großen Erstaunen nicht mehr Alexander heißt, bewohnt. Er spricht fließend Englisch und Dänisch und kann sich auch schon im Französischen ganz gut ausdrücken. Von. des Königs Arbeitszimmer führt ein Gang zu den Staatsräumcn in der Mitte des Schlosses. Dann, kommen einige Empfangszimmer und dann der groß: Krönungssaal, in dem der König die fremden Gesandten empfangen wird. Von dem Krönungssaal kommt man in eine kleinere Halle, von der aus ein: Thür nach dem Berathungszrmme: führt, das jetzt als königliche Vibliothek eingerichtet ist. Die sehr beträch!liche Sammlung ist von den Bernadottes eingerichtet und von König Oskar im Schloß belassen worden. - Je denfalls bleibt in diesen weiten Räu men dem feinen Geschmack der Königin, die sich auf eine künstlerische Einrichtung von Räumen wohl versteht, noch viel zu thun übrig. AuZ dem G e r i ch t s s a a l. Richter: Sie sagten, seit Arer letzten Bestrafung hatten Sie versucht, sich ehrlich durchzubringen!... Womit haben Sie es denn versucht?!" Angeklagter: Ich wollt' reich heirathen!" Gebildet. Junge frrau (beim .Mittagessen, für sich): Wie ungebildet mein Mann sich wieder bemmmt! Man mochte ihm den Kmg ge" an den Kopf werfen!" Unverbesserlich. Richter: Sind Sie derselbe Mayer, der vor zwei Jahren dem Bankier Kohn 50, 000 Kronen gestohlen hat?" Ange klagter: Vedaure sehr nein!" .
Meine golden'e Zr.
V Humoreske von Ernst Konrad. ' Ich werde Dich morgen Rachmittag aus dem Bureau abholen," erklärte mir sehr entschiedenen Tones meine Frau, übermorgen hast Du Deinen Geburtstag, Du wirst nun fünfundvierzig Jahre alt, und da mußt Du Dir was schenken. Alle Deine Kollegen besitzen goldene Remontoir - Doppelkapsel - Uhren, nur Du läufst noch mit Deiner silbernen Spindel - Uhr aus Urgroßvaters Zeiten umher. Das Geld ist da..., hier sind 320 Mark, die habe ich schon vor einem Vierteljahr auf der Sparlasse gekündigt und gestern abgeholt." Und dabei legte sie Xti blaue Sqeine und ein blankes Zwanzigmarkstück auf den Tisch. Eine solche Uhr hatte ich mir natürlich schon seit Jahren gewünscht, dennoch wagte ich einige schüchterne Einwendungen: Wenn uns nur daS Geld dann nicht fehlt. . ." Ach, hör' auf mit Deinen ewigen Wenns", unterbrach mich meine Frau, ich hole Dich ab. Du kaufst die Uhr und damit basta!" Und so geschah es. Wir gingen nach einem der ersten Uhrengeschäfte, und hier wußte meine Frau so trefflich Bescheid, daß ich annehmen mußte, sie habe das Terrain schon seit Wochen vorher rekognoszirt. Mit dem. Verläufer war sie derart vertraut, daß der sofort die Uhr herbeibachte, die ich mir zu meinem Geburtstag schenken sollte. Ernst, zahle", sagte sie zu mir, und ich legte stillschweigend die Scheine und das Goldstück auf den Tisch. Dann befestigte sie die Uhr an meiner Kette und verließ mit mir triumphirend den Laden. Kutscher", rief sie eine Droschke erster Klasse an. An der neuen Uhr hatte ich so recht meine Freude. Ich konnte eine ganze Weile still dasitzen und das glitzernde Gehäuse betrachten, dann ließ ich den Deckel aufspringen, drehte an der Aufziehvorrichtung und zermarterte mir die Fingernägel, um den Hinteren Gehäusedeckel in die Höhe zu kriegen. Die welterschlltternde Thatsache, daß ich eine 320 Mark - llfc besitze, hatte ich sogar" dern Bureaudiener und dem Laufburschen mitgetheilt und meine Frau hatte ihr Uebriges gethan, um dem Faktum die denkbar weiteste Verbreitung zu geben. Für meine Frau schien überhaupt eine neue Aera angebrochen ' zu sein. Am Monatsersten erheischte sie dringend eine Erhöhung des Wirthschaftsgeldes um vierzig Mark. Wir müssen jetzt etwas mehr standesgemäß leben," begründete sie ihr Ansuchen, wer qoldene Uhren trägt, der darf nicht dulden, daß seine Frau als Abendessen Kartoffelpuffer zu sich nimmt." Schweren Herzens gab ich. die vierzig mehr heraus. Im Bureau kam ein Kollege zu mir und legte mir eine Liste vor. Lieber Herr Konrad," meinte er, hier ist die übliche Sammelliste für unsere Ferientolonisten. Im vorigen Frühjahr haben Sie drei Mark gezeichnet, aber diesmal hab' ich für Sie gleich sechs Mark ylnelnaeschneoen denn, sehen Si'tnal, wer so kann. . ." und dabei tippte er mir auf jene Stelle der Westentasche, aus der sich das Gehäuse der neuen Gol'oenen Plastisch hervorhob. Ich blickte entsetzt empor. Dann zog ich mein Portemonnaie und entnahm demselben zwei Thalerstuae. Als ich aus dem Heimweg begriffen war, kam der Cigarrenfritze aus seinem Laden gestürzt. Der hatte Mich augenscheinlich erwartet. Lieber Herr Konrad," sage er und klopfte mir vertraulich auf die Schulter, mit der' Nummer 72, mit diesem acht Psenmg - Kraut geht's jetzt doch nicht mehr. Ich schicke zum Abend eine Kiste Sumatra - Deckblatt, Braul - Einlage hinüber. Im Uebn gen: Gratulor, ich gratulire Sie, geerbt, Loterie gewonnen? Wer da gleich 500 Mark für 'ne Uhr auf einem Brett bezahlen kann, der muß schon ein reicher Junge sein. Vcrständnißlos taumelte ich weiter, den Hausflur hatte ich schon erreicht. Wie ich nach meiner Wohnung ge kommen bin, weiß ich nicht mehr. Mei ne Frau meinte: Herrieh, Du siehst . I - tz. r rv f . rrs! ja eilvas oiaß aus. cy iaim oas alles nachfühlen. Du hast einen Stolz. Und Du kannst einen haben, henn Du hast Dich emporgearbeitet, Du wirst bald einen Silberschrank anschaffen müssen... Doch, was ich Dir noch sagen wollte, mit dem Dienstmädchen war's nichtsmehr, ich habe ihr gekündigt. Nach 'dem Miethskomptoir war ich auch schon und dort hatte ich Glück. Ich 'habe em Madchen gemiethet, das auch herrfchaftlich kochen kann. Aller dings'mußt Du ihr zwanzig Mark Monatslohn zahlen, aber das thut ja nichts. Ich kann mich doch nicht in der Küche abquälen, wenn Du hier sitzt dramsig, protzig, mit einer so kostdaren Uhr! Während des Essens stand die Kor ridorklingel nicht einen Augenblick still. Das Maochen olieo in ununter brochener Bewegung. Da kamen Preislisten der Weinhändler, Offerten der Seidenfabrikanten und was weiß ich alles. Der 5igarrenfrike schickte statt der einen angedrohten Kiste zwei, der Loosehändler ein Dutzend Loose zur Auswahl . Am nächsten Morgen erinnerte ich mich nur noch dunkel an all' die Auf regungen des vergangenen Tages. Als ich im Bureau meinen Schreibsessel erklommen hatte, wußte ich, daß ich wie-
der der alte Ernst Konrad war, wie vor dem Besitz dieses goldenen Spiel-
zeuges. Ich. legte es m den Kasten oes Pulten und faßte zugleich den Beschluß, die alte silberne Spindel wieder hervorzusuchen. "Das war ein Familienstück und . . . Der Herr Kommerzienrath lassen Herrn Konrad bitten", meldete der Bureaudiener. Na, .da, was hatte denn der Ehes Mir zu so unqewohnllcher Stunde zu sagen? Sollte etwa die Gehaltserhöhung schon jetzt. . .?" Erwartungsvoll trat ich in das Privatkomptolr. Geehrter Herr Konrad."- beaann der Herr Kommerzienrath, wir wollten Ihnen Ihr Gehalt um ein Beträchtliches erhöhen, Sie sind ja ein sehr verläßlicher Mann. Sie haben auch ein Herz für Ihre Mitmenschen, r r w . . 1 ' illlllicimiH sur unsere, Äroeiler. is muß heutzutage jeder an seinem Theil dazuthun, die sozialen Gegensätze auszugleichen. Ihre Gehaltserhöhung ist bewilligt, aber Sie sind ja mit irdiqtfi Gutern mehr .denn reichlich aesegnet. Wie ich höre, haben Sie Jhren Onkel beerbt, paarmal Hun derttausend, was? . aoldene Remontoir für einen grauen Tausender, das laß ich mir gefallen! Unter diesen Umstanden werden Sie wohl den Betrag der Gehaltserhöhung unr W-!l. Cn . f 'er-' lerer nrocucr Pennonsrae zuwenden, ich danke Ihnen dafür schon jetzt, Sie sind ein braver, .edler Mann!" Ein Wort hervorzubringen vermochte ich nicht, ein schwarzer Schleier breitete sich über meine Augen...' So tief ergreift Sie das." meinte wohlwollend der Herr Rath, Sie sind von bestem Schrot und Korn, ich wünschte. es träten all' unsere Beamten in Ihre Futzstapsen. Als. ich Abends nach Haus aekommen war, hakte ich die entsetzliche Uhr von der Kette los und legte sie still bei Seite. Meine Frau sah mich erstaunt an: Na nu?" Dabei hielt sie den Deckel an das Ohr, so,, so, Du hast vergessen, sie auszuziehen, die steht ja. Ich werde das Versäumte nachholen," dabei ergriff sie den goldenen Knopf und drehte darauf los. Schnarr, schnarr, schnarr, Klapp Klirr. . ließ sich da em scharfer Ton vernehmen und der Knopf drehte sich ohne Geräusch weiter und immer weiter. Da ist ein Unglück passirt." rief meine Frau ganz erschrocken. Sehr richtig , bemerkte ich mu grimmem Hohnlachen, die Feder ist kaput." Die wird wieder reparirt." sagte meine Frau in dem Ton, der jede Widerrede ausschloß. . Hier nebenan i ein billiger Uhrmacher. Du brauchst Dich gar nicht zu bemühen, ich trage die Uhr selbst hinüber." Ich war m der Stimmung, in welcher man zu allem Ja" sagt, ich litt unter einer physischen und moralischen Depression. Die verließ mich auch nicht, als meine Frau mich veranlaßte, sie zu, begleiten, als sie das goldene Ungeheuer wieder abholen wollte, 's ist gleich hier um dfc Ecke, siehst Du: Uhren - Fabrik, Reparatur - Werkstätte," triumphirte sie, der Eingang ist über den Stufen..." Da .hielt sie plötzlich inne. Sie drückte auf die Klinke, das Lokal war verschlossen. Die Rolljalousie des Auslagefensters war heruntergelassen, meine scharfen Augen erblickten einen blauen Kuckuck", der über das Schlüsselloch geklebt war, außerdem prankte ein Plakat am Thürpfosten: Dieser Laden ist sofort zu vermiethen!" Meine Frau stürzte einer Tigerin gleich, der man sämmtliche Jungen in eine Tiger - Klein - Kinder - Bewahranstalt gegeben hat, zum Portier. Gerückt", meinte der achselzuckend. Sie lief zum Hauswirth. Gerückt", murrte der und griff nach der Schnupftabakdose, Sie alarmirte die Polizei. Gerückt", . sagte der Wachtmeister, indem er ein mächtiges Protokoll aufnahm, wenn wir wüßten, wo er sich aufhält, wenn wir. ihn dort erwischen, wenn wir ihn zu einem Geständniß bringen können und wenn er bis dahin Ihre goldene ,Uhr nicht verkauft oder versetzt hat, dann schafft sie Ihnen die Polizei sicher zur Stelle." Meine Frau weinte fürchterlich. Ich athmete erleichtert auf. Die Uhr habe ich bis heute noch nicht wieder erhalten, und ich habe nur eme Bitte, iq will von ihr ver schont bleiben Zeit meines Lebens! 5luck, ein Vegetarianer. Die Herren vom Stammtische im Hirschenwirthshaus kamen eines Taaes auch auf den Vegetarismus zu sprechen. Ach lassen's mich aus mit der vegetabilischen Nahrungsweise," sagte Einer, als sich mehrere der Herren allzusehr dafür begeistert hatten, die Fleischkost ist doch immer die beste, sie allein giebt dem Menschen Kraft und Stärke!" O, da muß ich schon dagegen protestiren," erwiederte darauf. Herr Schmerling, ein Mann von colossalem Leibesumfang ich habe ein ganzes Jahr hindurch .nicht einend Bissen Fleisch genossen, und, wie Siesehen bin doch dick und stark. Allgemel nes Erstaunen. Endlich fräste Einer. in welchem Jahre dies gewesen sei. ,Jn meinem ersten Lebenswahre, gab
Herr Schmerling zur Antwort.
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Infolge von schrecklichen Verwundungen, die ihm von ernem wüthenden Schwein zugefügt wurden, ist in der Nähe von Richmond Center, Wis., Lycurgus Rscob gestorben. Der Mann kämpfte verzweifelt um sein sein Leben. Er vermochte sich endlich aus dem Pferch zu . retten und nach Hause zu schleppen. Doch kam ärztliche Hilse zu spat. In Helena. Mont., wurde ein Fall unter einem neuen Gesetz verhandelt, der als erster seiner Art dasteht, weil 12 Aerzte die Jury bildeten. Einem gewissen Dr. John T. Foley hatte die Staats-Prüfungsbehörde für Aerzte ein Certifikat für die Praxis verweigert, und es nahm nur eine kurze Berathung der Doktorjury, sich dem Gutachten der Behörde anzuschließen. Dr. Foley will nun an das'Obergericht appelliren. Woneinemmerkwürdigen Unfall wird aus dem Staate Nem Jersey berichtet: Edmund O. DaytonZ ein Reisender der Washburn - Crosby ) Co. von New Nork, liegt in ferner Wohnung in Middletowir und wird befürchtet, daß er vollständig erblindet, in Folge eines Unfalls, der ihn in der Stadt Newark befiel. Dayton übernachtete im Continental Hotel und lag' bereits :m Bett, als ein Theil der Decke einstürzte und im Fallen eine elektrische Glühlampe zerbrach. Ein Arzt wurde gerufen, doch konnte er keine Glasfplitter in den -Augen des Patienten entdecken und Dayton begab sich nach, Hause, doch wurde sein Auyenlichi immer schwächer, so daß man befürchtet, daß er erblindet. 248250 Virginia Ave. Neuer Phone., 2828. Alt, Main, 4762. Erstklassig Dampf - Färberei und chemische Neinigungsanflalt für Her? und Damen. Tarderode, sowie Tkp pichen, Portieren und SpitzenYardmen Alle rdeit abgehvtt uud abgeliefert Zusri? denheit garantirt. Zweig'. Geschäft : 25 W. fcio Str. Neuer Phone. 5638.
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