Indiana Tribüne, Volume 29, Number 105, Indianapolis, Marion County, 26 December 1905 — Page 7

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Durch Zufall.

Crledni!; nars jtrinnalbcaniini, ton Psnl Anörcc. J?r der Dämmerstunde eines langreeiligen Winterabends, während brau ßen heftiges Schneetreiben die Flur in eine dichte, weiße Decke hüllte, saßen die. Glieder der Familie des ehemalizen Geheimpolizisten Schmidt traulich im mollig durchwärmten Wohnzimmer ihrer etwas außerhalb der Stadt gelegenen Villa. Während die weiblichen Familienangehörigen die Zeit mit Stricken und Häkeln verbrachten, bemüht: sich der behaglich im Polsterstuhle zurückgclehnte alte Herr, die lang: Pfeife gemächlich rauchend, durch intereizante Erzählungen aus seiner früheren, oft nicht ungefährlichen Kriminalpraxis die Langeweile zu verkürzen. Herr Schmidt war ein kleiner, untersetzte? Mann, dessen unansehnliches Aeußere wenig die Intelligenz und den Scharfsinn verrieth, der zeitweise aus den blitzartig aufleuchtenden, scharfen Augen unter den weißen breitenAugenbrauen hervorschoß. Mir ist thatsächlich in vielen Fällen, die dem Laien unerklärlich erschie'nen, der Zufall der beste Wegweiser gewesen," begann Herr Schmidt, der einstmalige wegen seiner Kaltblütigkeit, Verwegenheit und Schlauheit berühmte Justizbeamte, die Unterhaltung. Ja, der Zufall, sage ich, lenkte mich des Oefteren auf die verborgensten Spuren des Verbrechens und die endliche Ueberführung des Thäters an Ort und Stelle." Ella, seine älteste Tochter, ließ das Strickzeug sinken und schaute den Sprecher mit weit geöffneten, furcht'samen Augen an. Aber nicht wahr, Papa, Du erzählst nicht wieder so schauerliche Dinge, wie kürzlich? Mir wird seitdem in den Dämmerstunden so unheimlich zu Muthe!" Ich glaube auch, es ist besser, das Licht anzuzünden. Wenigstens dec Kinder wegen!" sekundirte ihr Frau Schmidt, legte die Näharbeit bei Seite und ließ den Worten die That folgen. So bei Licht zuhörend, nehmen sich die Abenteuer weniger gruselig aus." Ob dieser allgemein bekundeten Schüchternheit und Furchtsamkeit seiner Umgebung, lächelte der alte Herr und beruhigte sie mit dem tröstlichen Hinweise, daß der zu erzählende Fall doch wohl nicht allzu gefährlicher Natur gewesen sein könne, dieweil sie sich ja alle noch zur Stunde seines Daseins erfreuen dürften. Nun, so hört mich an. Eines Ta ges, es war im Frühjahr 187., als ich mich in früher Morgenstunde auf dem Bureau meines Chefs, des Kriminaldirektors H., meldete, kam mir derselbe mit dem überraschenden Auftrage entgegen: ,Hier, eine Depesche aus der Provinzialstadt B. Unter geheimnißvollen Umständen ist gestern daselbst ein Mord an einem alten, wohlhabenden Manne, vielleicht einem Geizhals, Namens Seewolf, begangen worden. Man hat einige verdächtige Individuen verhaftet, aber natürlich wegen mangelnder Beweise laufen lassen. Ich betraue Sie mit der Aufgabe, uns des Räthsels Lösung zu bringen. In einer Stunde sind Sie reisefertig.' " . So schnell, Papa?" unterbrach der jüngere Kurt erstaunt: denn aus spannender Neugier pausirte er längst bei Erledigung seiner lateinischen Exerzitien. Ein ernster Blick strafte den vorlauten Sprecher, und unbeirrt fuhr Herr Schmidt in seiner Erz'ahlunq fort: Ich ordnete daheim unverweilt meine Obliegenheiten und kehrte in kürzester Zeit zum Kriminalburcau zurück. Hier ließ ich mir die erforderlichen Legitimationen und Vollmachten ausstellen, prüfte vorsichtshalber auch den kleinen Revolver in meiner verborgenen Seitentasche auf seine Zuverlässigkeit, orientirte mich in dem Fahrplane über die schnellsten Anschlüsse und eilte zur Bahn. Mit knapper Noth kam ich zum Zuge zurecht, löste den Fahrschein, und warf . mich in ein vom Schaffner noch offen gehaltenes Wagenabtheil; hinter mir schlug die Thür zu und fort dampfte ich meinem neuen, noch unbekannten Arbeitsfelde entgegen. Die Langeweile der Eisenbahnfahr! verkürzte ich, unbekümmert um die Mitreisenden, durch Schlaf oder zeitweiliges interesseloses Betrachten der einförmigen Landschaft, welche wir durcheilten. Nach mehrstündiger Fahrt am Bestimmungsorte endlich angelangt, meldete ich mich unverzüglich auf dem Dienstzimmer der Polizei des Städtchens B. Ein alter wackeliger Polizist, dem der viel genossene ,Geist' schon malerisch die Nasenspitze verklärte, berichtete mit großer Umständlichkeit dje Einzelheiten des Thatbestandes, so weit er ihn befunden und wies mir unter genauer Beschreibung das Haus der Mordthat an Seewolf, welche die gewohnte Ruhe und Eintönigkeit des Landstädtchens in außergewöhnlichen Aufruhr versetzte. Seine angebotene Begleitung lehnte ich vorsichtshalber entschieden ab, drückte ihm vielmehr ein Geldstück in die Hand, damit er auch weiterhin die äußeren Symbole seiner .Geistesgaben' in noch hellerem Lichte leuchten lassen könne. Langsam, wie ein gewöhnlicher Spazierg'änger, gleichgiltig, wie ein theilnahmsloser Phlegmatiker, schritt ich

durch die wenigen, engen und fast unbelebten Straßen des Städtchens dahin und gelangte endlich außerhalb desselben zu einigen von schmucken Gärten umgebenen einzelstehenden Gebäuden. Eines derselben war nach der mir gewordenenBcschreibung das durch den Mrd verrufene Unalückshaus. 5ün Wahrheit waren es zwei, die so eng neben einander gebaut und in ihrem Aeußeren sich so ähnlich sahen, daß ein flüchtig darüber hinschauender Mensch, beide nur als -eins aufzufassen, sich täuschen lassen konnte. Sie trugen gleich große Fenster, die gleiche Fas sade und dieselbe Bedachung; nur die Rolljalousien des einen und die alterthumlichen großen Schalterladen des anderen, sowie die an der mittleren Scheidewand abwärts führende Dachgusse, deuteten auf einen äußerlichen Unterschied. Ich betrat den Vorplatz des mir am nächsten gelegenen Hauses; ein breiter Gang führte an wenig gepflegten Blumenbeeten und blühendem, duftenden Strauchwerk entlang zu einer. Treppe, die an der Giebelseite in'S Haus führte. Unauffällig schlenderte ich in den Hofräum, wo ein Kehrichthaufen unweit des Brunnens lag. Den Hintergrund des Hofes schloß ein niedriges Gebäude ab, dessen unterer Theil als Wagenremise diente und in dessen oberern1 Dachgeschoß zwei kleine Stübchen als Wohnung für einen dem Trunke ergebenenSchuhmachereingerichtetwaren. dem zugleich die Pflege des Gartens oblag. Die Fenster eines Stübchens zeigten auf den Hof. Diese unauffällig angestellten Untersuchungen boten mir natürlich wenig oder gar keine Anknüpfungspunkte und dienten vielmehr zur vorbereitenden Orientirung. Ich machte Kehrt und schritt nachdenklich, die Hände auf dem Rücken, dem Gartenthore zu; mein Spürsinn und meine berechtigte Wißbegierde ließen dem grübelnden Geiste aber keine Ruhe. Ich blieb stehen, sah an der Seite des zweistöckigen Hauses empor, überlegte und wendete mich zum zweiten Male um. ,Du kannst ja sagte ich mir, ,das Haus auch einmal von Innen besehen.' Vorsichtig stieg ich die steinernen Treppenstufen hinan, klingelte; eine alte, verweinte Frau öffnete zögernd und ließ mich eintreten. In gelassenem Tone fragte ich, ob die Hauswirthin Marianne zu sprechen sei. Erschrocken und furchtsam gab sie Bescheid, sie sei selbst die gesucht:Haushälterin. Freundlich bat ich weiter, mir, falls ich nicht ungelegen erscheine, die Zimmer und Räumlichkeiten des Hauses zu zeigen, da ich nicht abgeneigt wäre, hier zu miethen. ,Oh, oh!' jammerte die schwächliche

Person plötzlich und ihr kümmernißdurchfurchtes Gesicht 'benetzten einige Thränen. ,Hier, in dem Hause des Schreckens, wollten Sie wohnen? Hier, wo der Mord geschehen? Unmöglich, undenkbar!' .Wie? Ein Mord?' fragte ich mit der unschuldigsten, zugleich aber bestürztesten Miene von der Welt, als höre ich das erste Mal in meinem Leben von einem Verbrechen. ,Hier, hier sehen Sie, neben diesem Treppengeländer fand ich die Leiche früh morgens, als ich durch ein Geräusch erweckt, nach der Ursache desselben nachsehen wollte. Das Gesicht auf dem Fußboden, die Arme schlaff ausgebreitet, lag der Ermordete, - mein Hauswirth Seewolf, vor mir.' ,Liebe Frau, den Schmerz theile ich vollkommen; der Vorfall darf uns aber nicht beunruhigen oder erschrecken. Die Todten kehren mmmer wieder! ,O nicht doch; wenn das Verbrechen ungesühnt, der Thäter unentdeckt bleibt, dann kehrt der ruhelose Geist bestimmt aus seinem Grabe wieder. .Seien Sie darüber ohne Sorge. Lange wird jener Schuft die Justiz Nicht tauschen. In Folge dieser meiner tröstlichen Zusage, welche aber augenblicklich bei mir noch ganz hypothetisch und ohne zeglichen . realen Hintergrund tn der Luft hing, schien sie sich in's Unvermeidliche zu fügen und bald öffnete sie die Schleußen ihrer Beredtsamkeit, um so mehr, als ich sogar darum bat, mir den Schauplatz der That zu zeigen. Nebenher zog ich Erkundigungen über die übrigen Bewohner des Hauscs ein und erfuhr dabei, daß es feit Langem außer ihr und dem Ermordeten ganzlich unbewohnt sei; nur im Hin terhause lebe ein Schuhmacher, Na mens Zobel, ein dem Trunke ergebener, übelbeleumdeter und streitsüchtiger Mensch, der sich jedoch seit dem Tage des Verbrechens, am Montag, nur sei ten sehen lasse. Still dachte ich, diese nebenbei hingeworfene Bemerkung will ich festhal ten. Indessen traten wir in das Zimmer. Ringsum herrschte peinliche Ordnung und Sauberkeit. Die Dielen waren alänzend rein und verriethen dem un geübten Auge nirgend ein Fleckchen. Oder nein, befanden sich nicht dort neben Tisch und Stuhl einige Spuren von einer Farbe, die trotz angewendeter Mühe nicht völlig ungeschehen gemacht werden konnten? Einstweilen prüfte ich weiter. Das geräumige Wohnzimmer wurde von einem auf den Hof hinausführenden Fenster erhellt. Gerad: neben demselben stand ein eichener Tisch und Stuhl davor. An der Wand entlang hatte, eine alterthümliche Kommode ihren Platz; darauf ruhte eine kunstvolle, auf vier weißen MarmorZaulcken scbwebende Uhr. die, unbeküm-

rnert um die wechselnden Dinge der Zeit, ihr einförmiges Ticktack weite? pendelte. Gegenüber führte eine Tapetenthür in die Alkove, den ehemaligen Schlafraum Seewolfs. In der rechten Ecke stand ein Kachelofen. ,Jst in diesem Zimmer Alles noch so unberührt gehlieben, wie am Tage des Verbrechens?' ,Nichts ist' verändert! Selbst dort nicht die Wasserflasche vom Tisch entfernt.' antwortete die alte Marianne schluchzend und hob ihren SchürzenZipfel an die Augen. ,Ach Gott, er war ein guter Mann, wenn ihn auch die anderen Menschen als geizig versckirien. Er lebte eben in leinen l?-n-thümlichkeilen fort, wie manch' Anderer seinesgleichen. Er hielt sein Geld zusammen; man mußte ihn nur verstehen lernen. Er war gewiß nicht geizig. Manch' bedürftiger Wittwe, manch' . armen Waisenkindern und manch' hungernder Arbeiterfamilie sandte er durch mich im kalten Winter Geldspenden, Kleidung und reichliche Kost, ohne seinen Namen verrathen zu dürfen.'

,Er Pflegte wemg Verkehr?' ,Daß ich nicht wüßte, mit wem er überhaupt Umgang hätte halten sollen; er war menschenscheu. Vor einem Vierteljahr besuchte ihn sein kleiner Neffe. Da schien er wie umgewandelt. Er unternahm täglich Spazicrgange mit ihm, lachte, scherzte, freute sich der lustigen Streiche, kurz, ich kannte den stillen Herrn nicht wieder. Hin und wieder mußte auch der Schuhmacher Zobel von drüben herüberkommen, wenn er neue Anordnungen im Garten treffen wollte. Sonst aber lebte er still für sich.' .Sobel? Zobel?' ,Ja, Zobel, derselbe, den ich bald nach der That zur Polizei jäjicne, des Vorfalles wegen.' .War der gleich zur Stelle?' ,Ach nein, er schlief, und es dauerte geraume Zeit, bis ich den Träumer aus seinem Rausch erweckte.' .Wann besuchte denn der Zobel seinen Hauswirth das letzte Mal?' fragte ich so beiläufig, als erwarte ich hierfür keine besondere Antwort und fügte sogleich hinzu: ,Auch der kleine Neffe ist fort und nicht wieder gekommen?' ,Der Neffe nein! Aber Zobel? Warten Sie 'mal, ja, als er die letzte Miethe bezahlte, das geschah am Sonntag Abend.' - .Und das Geld bewahrte Seewolf, hier in diesem Tischschub?' .Ja. für gewöhnlich!' Währenddessen trat ich wie von ohngefäh? an das hohe, weite Fenster, das, niedrig gelegen, bequem mit der klcinen Gartenlciter zu ersteigen war. Die gegenüber befindlichen Fenster des Hintergebaudes lagen meiner Währnehmung nach thatsächlich höber und ließen bei der geringen Entfernung die Möglichkeit zu. alle Vorgänge im Zimmer genau zu übersehen. .Fanden Sie die Scheiben nach der Mordthat zerbrochen?' .Nein, nein, und dann hätte ich sie auch sofort wieder ergänzen lassen,' gab die propere Frau eilfertig zur Antwort. ,Die Wohnung ist doch gesund? Seewolf bedürfte wohl bei Lebzeiten selten eines Arztes?' ,J wo hätte der!' fuhr sie rasch dazwischen. ,Der Naturmensch, der Feind von Arzt und Apotheke!' Diese Antworten befriedigten mich. Nachdem ich genau den Ort der That in Augenschein genommen und mich die Frau zum Ueberslusse noch in an dere Zimmer umhergeführt hatte, verabschiedete ich mich mit dem Versprcchen, morgen früh sie ein zweites Mal zu besuchen. m Was hatte ich erreicht? Die Glieder meiner Jdeenkette schlössen sich immer enger um den Einen zusammen und doch hinwiederum gähnten mir in derselben eine Menge Lücken entgegen. War der Verbrecher durch's Fenster gelanat? Leider plagte mich die Un gewißheit, ob es geschlossen oder offen gestanden hatte in jener Nacht. Hinwiederum konnte es wohl ver der scho nen. warmen Witterung geöffnet ae Wesen fein; der alte Seewolf war doch Naturfreund; er schlief m Nebenum mer. Warum fand man den Todten mcht im Zimmer, sondern im Hausflur am Treppenaufgang? Weshalb vermißte man Blutspuren? Wie war es möglich, daß die Frau keinen Lärm vernommen, vielmehr erst dann etwas Veroächtiges vernahm, als der Todte da umen im Flur wg? Schwierig: Fragen zermarterten mem Gehirn. Indessen, mein Magen verlangte energisch nach einer stärkenden Veschäftigung, was man auf Deutsch ,Essen und Trinken nennt; denn seit dem Morgenkaffee war ihm noch nichts zugekommen. Deshalb lenkte ich meine Schritte in's Städtchen zurück, gewmt, den am Markte gelegenen GastHof aufzusuchen, welcher, seinem pro pere'i' Aussehen nach zu schließen, der besscre und von den Honoratioren der Stadt wohl besuchteste sein mochte. Vor dem breiten Portale blieb ich stehen, unschlussiq, unentschieden. Eine sonderbare Ahnung beschlich mich, em gewilies Etwas rief m mctnem Innern: geh' nicht hinein! Was thun? Sollte ich einen anderen GastHof aufsuchen, wo mir Essen und Trm ken und Ruhe ward? Dieser letztere Gedanke siegte. Wirk lich bog ich um, in eine längere Quersiraße und fand wirklich am Ende derselben einen gewöhnlichen Gasthof, eme sogenannte Kutscherkneipe, in vi ich kurz entschlossen eintrat. . Schon vor der Gaststube tönte mir

ein wüstes, wirres Getöse, wie von dielen Stimmen, Gläseranschlagen 'und Stühlerücken, entgegen. Beim Ein tritt in die niedrige, tiefe Stube vermochte man kaum die .Gesichter der nächststehenden' Gestalten zu erkennen, so dicht strömte der Tabaksqualm ent-

gegen. Das Städtchen stand am Vorabend: des Jahrmarktes, welcher viele Krämer und Handelswaqenführer, SchwarzViehhändler und anderes reisendes Geschaftsvolk bunt zusammenwürfelte. Fast unbemerkt wand ich mich durch die stauende Menge und erspähte glücklich an einem der Hinteren Tische einen freien Stuhl, auf dem ich mich sofort niederließ, müde und matt. Es dauerte eine Weile, bevor ein dienstbarer Geist meiner aufmerkfam' wurde; deshalb ließ ich prüfende Blicke über die Gaste an den Nachbarlichen schweifen. Das ichien wahrhaftig eine nette Ge-, sellschaft, in die irfi Kineingerathen war; ihr Lärmen, dazu der Dunst und Rauch von verschiedenen Tabakssorten, die man aus kleinen Holzpfeifchen qualmte, hätte mich nervös machen können, wäre ich mcht von Mutter Natur mit einer starken, abaefeiten Konstitution ausgestattet worden. Deshalb hielt ich es em Weilchen aus. Da saß schrägüber ein verwegen dreinschauender schwarzbärtiger Mann, mit rothem ez auf dem Kopfe; ein Marltbuden-Ausschreier oder Aänkellanger schloß ich. Daneben erblickte ich das runzelige, wetterzerzauste, braune Gesicht eines Scherenschleifers ; an seinem Ledergurt trug er Scheeren, Klingen und anderlei Metallwaaren. Diesem zur Rechten hockte ein Dritter, mit aufgedunsenem Kopf, kurzem struppigen Haar und abstehenden Ohren. Er stützte sich auf die Arme, stierte stumm und sinnend in's Menschengewühl hinein und sprach von Zeit zu Zeit der vor ihm stehenden BranntWeinflasche emsig zu, so daß sie immer wieder von Neuem gefüllt werden mußte. Ein kleines, verschmitzt aussehendes Männchen, das nur eine Hand, die linke, zur Bewegung frei hatte, während der rechte Arm scheinbar verstümmelt in einer Binde hing, stieß ihn hin und wieder an, sprach verstohlen, aber doch noch so laut, daß ich's hörte, auf ihn ein und ermunterte den Träumer wiederholt zu rascherer geistiger Stärkung. ,He, Schuster, trink lieber. Studir' nett die Predigt! Du bist doch sonst nicht so schweigsam!' ,Laß mich!' antwortete der Andere kurz und gaH den erhaltenen Rippenstoß zurück. Doch, dieser, dem Aussehen nach, ein Professionsbummler, ließ nicht locker. .Geht Dir Dein Seewolf zu Herzen?'. .Was? Mein Seewolf?' Betroffen wandte im selben Augenblick der als Schuster angeredeteMensch den Kopf, so daß ich nun ein breites, verstörtes, vom Fusel geröthetcs Antlitz in seiner ganzen Deutlichkeit betrachten konnte. Wahrlich, keine vertrauenerweckende Erscheinung! Ein halb schielender, halb blitzender, kurzer und unsicherer Blick streifte feinen Nachbar und ein verlegenes, mühsam erzwungen gleichgiltigcs Lächeln verzog seine Lippen. .Thut Dir das viele Geld vom Seewolf leid?' höhnte der Bummler. ,Hab' keins!' gab er barsch zur Antwort, kaute an seinem Cigarrenstummel und blickte in die andere Ecke. Ich wurde aufmerksam. Hatte mich der Zufall in die Nähe jenes Schuhmachers geführt, welcher das Hinterhaus des ermordeten Seewolf bewohnte? Sollte mir ein unerkannt belauschtes Gespräch in der Wirthsstube etwa die fehlenden Indizien zur Aufklärung des Verbrechens herbeischaffen helfen? Das wäre em seltsames Spiel des Zufalles. ,Hab' Dich nicht gefragt, ob Du's jetzt verwaltest!' sprach der Invalide halb beleidigt. (Schluß folgt.) - , llodj f4jlimrncr. Zu dumme Geschichte das! Habe ich da neulich einer Dame aus Galanterie meinen Schirm geliehen und nicht wie der zurückerhalten!" Ach, beruhigen Sie sich doch! Ich habe auch 'mal einer Dame aus Galanterie meinen Schirm angeboten; die hatte ihn auch behalten (seufzend) . . . und mich dazu!" jgdjixtcvc yjalji. K a r l ch e n : Endlich habe ich eine neue Peitsche, wen haue ich nun zuerst damit durch, meine eieine Schwester oder den Moppel von meiner ante." D i e serbische K o n i g s iackt Draaa" wurde von der rumä nischen Regierung für 75,000 Frarlk angekauft. Die Jacht hatte oftmals Koma Alerander uns Draga zu Xut fahrten getragen und war em G $cnl der Stadt Belgrao.

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