Indiana Tribüne, Volume 29, Number 105, Indianapolis, Marion County, 26 December 1905 — Page 5

Jnvisna Tribüne, 20 Dezember 1903

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Aie junge Zrau Assessor. Erzählung -auZ dem Gesellschaftleben der Kleinstadt. Jen Käte Lubowstt. Als der Assessor Heinz Roten dem Vrauneberger Juristenkreis sein junges Weib zuführte, nxir des Staunens Um Ende. Sie hatten gerade bei diesem Löwen der Gesellschaft auf etwas ganz Besondere gerechnet. Und nun trat diese zierliche unscheinbare Frau, an der eigentlich nur die großen, nußbraunen Augen auffielen, in ihre Mitte. Es lag sonst nicht das geringste Vemerkenswertheste oder Hervorstechende in ihrer Erscheinung. Sie trug das Haar schlicht gescheitelt und eine Toileite mit dem untrüglichen Stempel der verrauschten Saison. Darum hatten sie sich nun aufgeregt und für den in wenigen Tagen stattfindenden Präsidentenball, der die Reihe der diesjährigen Gesellschaften

eröffnete, bestellt, welche an Eleganz und Eigenart die der Vorjahre bei weiten übertrafen. Lsber sie waren nicht die einzigen Enttäuschten. Auch Frau Anni Roten hatte sich von diesem Verkehr mehr versprochen. In der Einsamleit ihres elterlichenGutes aufgewachsen, träumte die Sehnsucht .ihres jungen Herzens von der Erfüllung durch die große Welt. Zu Haus hatte es 'stets so viel anderes zu thun gegeben. Ihr brennender Wissensdrang wurde darüber müde und wäre vielleicht gänzlich eingeschlafen, wenn der Zufall, unter ZuHilfenahme der Manöverzeit, nicht den Reserveleutnant Roten zu ihnen in Quartier gelegt hätte. Von diesem Augenblick an brannte das Feuer der Liebe in ihr, und entzündete auch die Menge der unbeantworteten Fragen auf's neue. . Der verwöhnte, elegante Roten unterlag dem Zauber ' ihrer stillen, verträumten Anbetung. Es war ihm, ls ob er durch sie inein anderes, besseres Streben hineingerissen wurde. Das Gewesene erschien ihm schal,' das Zukünftige um ihretwillen voll verborgener Schönheit. So waren denn die ersten Wochen ihrer jungen Ehe ciVi schillernder Regenbogen voll wechselnder Ueberraschungen, der am Himmel ihres Glückes stand, ohne daß vorher Thränen geflossen wären. Erst daheim, in dem alten Kreis. wurde er inne, wie wenig ste eigentlich seinem Zukunftsbild entsprach. Das rfüllte ihn, trotz der andauernden, starken Glücksempsindung mit Trauer. Und so kamen die unterbliebenen Thränen doch noch zum Vorschein. Frau Anni fehlte so ganz-, die Gabe der leichten Unterhaltung, und die kokett aufreizende Charme der andern Frauen. Sie war Weib. Nichts als das. Rein und, klar, bis auf den Grund ihrer"Seele; unfähig der kleinsten, gesellschaftlichen Lüge, die mit ehrlichen Augen gesprochen werden muß. um ihren Zweck zu erfüllen. Darllb'er kam es zu der ersten Scene zwischen ihnen. ' Die Frau Präsident war persönlich ZU ihr gekommen, um sie zu bitten, trotz des noch nicht erfolgten Gegenbefuches, ihren ersten Ball zu besuchen. Die übliche Visttenstunde war noch nicht erreicht gewesen, und Frau Anni Roten, nicht in der Lage, die Frau Präsident zu empfangen. Darüber empfand Assessor Roten keinen Zorn. Nur, daß sie klipp und klar durch das Mädchen heraussagen ließ, es wäre große Wäsche und die Frau Assessor helfe selbst mit. Darüber kam er nicht hinaus. So etwas thut man vielleicht, aber man spricht nicht darüber!" hatte er böse gesagt. Das verstand ste nicht. Willst du wirklich, daß ich lügen soll. Heinz? Krankheit oder Abwesenheit vorschützen?" fragte sie ihn angstvoll. Er zuckte die Achseln. Du bist immer schrecklich kraß. Anni. Es gehört nun einmal zum gesellschaftlichen Leben, daß man verhüllt und abschwächt. Wenn du es so weitertreibst, verdirbst du mir in deiner ländlichen Wahrhaftigkeit die ganze Carriere" Das kann dein Ernst nicht sein, Heinz. Wie soll man denn groß werden, wenn man sich selbst erniedrigt?" Lassen wir das Philosophircn, mein Kind. Ich wünsche, daß du dich mit den nun einmal festgelegten Gepflogenheiten abfindest; denn mir fehlt die Lust, meine Tage in einem kleinen Nest, dessen Namen man sich scheut, laut auszusprechen, hinzubringen." Ihre braunen Augen wurden schwarz vor innerer Erregung Daran liegt es also bei Euch? O Gott! Wenn das wirklich so wäre! Aber es kann und darf doch nicht der Fall sein ... ich werde bel dem nächsten Zusammentreffen die Frau Präsident befragen." - Wenn du das thust, dann sollst du mich kennen lernen! Mangelt dir denn jegliches Feingefühl jegliches Vorausahnen der richtigen Situation? Du thust mir so jrh!" sagte sie matt. Und dann nach einer Weile des Schweigens: Ich möchte nach Haus, Heinz, nur zwei Tage. Daheim werden sie sich auch nach mir sehnen. Aber er gab nicht seine Einwilligung zu diesem Besuch. - Er .fürchtete, die Frauen der älteren Juristen könnten sich noch mehr mit ihr beschäftigen.

So blieb ste denn Daretm und- wurve noch ein weniq schmaler und blasser.

, Seitdem Präsident von Langfurt an der Spitze des Brauneberger Land- und Amtsgerichts stand, war es Sitte geworden, daß er auf dem ersten Ball in der beginnenden Saison diejenige Dame zu Tische geleitete, die er zum erstenmal bei sich sah. Diesmal war es F?au Anni Roten. Er kannte sie noch gar nicht. Bei ihrem ersten Besuch war er nicht zu Hause gewesen, und sonst war die kleine Frau noch zu neu, um in die intimeren Cirkel gezogen zu werden. Nur allerhand Absonderliches hörte er schon von ihr. Die Damen gaben ihr den Namen die Nonne", und seine eigene Frau erzählte mit vielem Vergnllgen von dem Besuch, wo sie nicht angeommen fei. Das hatte ihn naturgemäß gegen sie verstimmt. Er zwang sich förmlich dazu, von seinem freundlichen Gesicht den Ausdruck des Wohlwollens derschwinden lassen, als Assessor Roten ihm seine Frau zuführte und ihre Augen einander begegneten. Frau Annis blasses Gesicht erhielt plötzlich einen Schimmer tiefen Rothes, und in ihren Augen stand ein verschämtes Lächeln. Auch der Präsident zeigte sich sonderbar überrascht und vergaß anfangs die übliche Begrüßungsrede, die sonst sofort jeder- Neuen" zutheil wurde. Später holte er sie freilich nach. Aber es war dabei ein eigenartig suchender Klang in seiner Stimme, der ihm die alte Sicherheit nahm. Assessor Roten entging diese Veränderung in dem Benehmen seines hohen Chefs nicht. Er liebte seine Frau von ganzem Herzen. Llber das hinderte ihn durchaus nicht, unablässig in dem Ges danken zu zittern, daß sie etwas Ungehöriges sagen oder thun könne. Der Strom der Gesellschaft lief in den Hafen der herrlich geschmückten Tasel ein. Der Präsident füllte Frau Annis Glas und sah sie aufmerksam an, als wolle er ein Bild in.seiner Er, innerung klarer machen. Sie sind Landkind, nicht wahr, gnädige Frau?" begann er endlich die Unterhaltung. Ja, Herr Präsident!" Darf ich fragen, wie das Gut Jhrer Eltern heißt?" Hermstetten, Herr Präsident. Es liegt in Oberschlesien." Der gespannte Ausdruck seines Gesichtes milderte sich. Also doch nicht! Ein Irrthum seinerseits. Eine frappante Aehnlichkeit, Und doch nicht ... die Augen waren ganz die nämlichen. Das verschwommene Bild in seinem Innern quälte ihn wieder. Er begann sie vorsichtig auszuforschen. Sie. kamen wohl niemals von Jhjrem Landsitz fort,. gnädige Frau.7 O doch!" sagte sie beinahe schelmisch. " Da wollen wir doch gemeinsame Anknüpfungspunkte heraussuchen, gnädige Frau. Mir fällt da gerade ein entzückend liebliches Stückchen Erde ein. Todtenrode ... im Harz! Kennen Sie das vielleicht? Mitten auf einer hellgrünen Wiese liegt die Oberförsterei mit dem Borkenschlöß chen ... der Treppe von Hirschstanaen ...und..." Mit dem Kopf des Edelhirsches über der Thür und dem alten Förster Krausbart gegenüber im Steinhauschen," vollendete sie. Gleich daraus wurde sie wieder blaß und still. Was hätte sie darum gegeben, wenn sie auf seine Frage mit ehrlichen Augen auch eine jener kleinen Lügen zur Hand gehabt hätte. Also doch!" sagte er, von dem Zwange der Ungewißheit befreit, in herzlicher Freude. Gnädige Frau wir sind ja alte Bekannte!" Sie hatte jetzt ganz helle, frohe Augen. Sein inniger Ton wärmte sie. Ich habe Sie sogleich wiedererkannt. Herr Präsident. Schon vor zwei Wochen, als mein Mann auf einem Vesorgungsgang sagte: Siehst du, da geht unser Präsident!" Er blickte sie voll ehrlicher Bewunderung an. Sie war geblieben, wie er sie in der Erinnerung hatte. Rein und hilfreich, wie ein frommes Kind, dtti eigenen Nutzen nicht wahrnehmend, scbweigsam über das, was sie Gutes that. t:&L Sie haben nicht mal Ihrem Herrn und Gebieter von diesem kleinen Abenteuer erzählt, gnädige Frau? Warum in aller Welt nicht? Hat er etwa Anläge zum nachträglichen Othello?" O nein! Ich hoffte, Sie würden mich gar nicht wiedererkennen, Herr Präsident." Und warum hofften Sie das?" Weil ich nichts so unerträglich finde als den Dank für etwas Selbstverständliches." .Erlauben Sie mal," meinte er väterlich und nahm ihre Hand, ich thue es doch! Und recht von Herzen. Herrgott, was wäre denn damals ohne Sie wohl aus mir geworden? Wissen Sie noch, wie Sie mich spät Abends ohnmächtig in dem dunkeln Tannengang vor der Todtenroder Forst auffanden und Krausbart mich nachher mit der Karre in sein Heim transportirte?" Sie nickte, unter dem Zauber der alten Erinnerungen siehend. , Ach . . . und ich sagte: wie schon ift es doch, daß Tante Hulda, die mh mitgenommen hatte, noch vier Tage

bei ihrer Freundin in Quedlinburg

bleibt und mich bei Vater Krausbart läßt." Und wie haben Sie mich m diesen Tagen gepflegt. Die Kopfwunde, die lch mir bei dem jchwenn Foll zugezogen hatte, wurde von Ihnen verbunden. Vorgelesen haben Sie mir und das Liedchen gesungen: Durch der Tannen leises Rauschen . Fliegt der Sonne goldig Lauschen . . Ich habe das Lied' so gern gehabt. Meine Frau bat es sich anschaffen mujjen. eyen feie, uno für all vas wollten Sie sich nicht danken lassen?!" O!" machte sie wieder ganz fchüchtern und ungelenk, das war doch so natürlich!" Er brachte seine Erinnerung unent-, wegt zu Ende. Und als ich eines Morgens mit dem Frohgefühl eines völlig Genesenen erwachte und mich bei Ihnen abfinden wollte, da sagte mir unser gemeinsamer Freund Krausbart: Tante Hulda hatte Sie in aller Frühe geholt und Sie ließen mich noch vielmals grüßen. Ihren Namen aber hat er mir nicht sagen wollen oder nicht sagen dürfen." . Sie lächelte mit großen, frohen Kinderaugen zu ihm empor. Jetzt bin ich doch von Herzen froh, Herr Präsident, daß Sie hier sind. Ich war immer so verwirrt, so eingenommen von all' ' dem Fremden und Ungewohnten der Verhältnisse. , Hab' auch wohl manches dumm und unge schickt angestellt. Aus reiner Angst, vor dem Falschmachen. Nun habe ich gar keine Angst mehr. Und wenn ich wieder etwas unrecht machen sollte, nicht wahr, Herr Präsident. Sie sind mir nicht böse?" , Nein!" sagte, er so laut und herzlich, daß dem jüngsten Nefendar vor Schreck das .Monocle entfällt, dankbar bin ich Ihnen für den neuen Ton, den Sie uns schenken. Tragen Sie ihn nur muthig in unsere neue Saison hinein, den Ozon der Frisch und Wahrhaftigkeit, und wenn Sie em mal etwas kränkt, dann kommen Sie zu uns. zu meiner Frau und mir, liebe Frau Roten!" Assessor Roten hat vor Staunen über die angeregte Unterhaltung seiner beiden ersten Vorgesetzten nichts essen können. Die ganze Gesellschaft regt stch mit ihm auf. . . Hat diese kleine Frau Roten etwa bis heute mit ihnen Versteck gespielt? Wie steht ste nur aus? So froh und Übermüthig. Sie ist ja schön zu nen nen! Und raffinirt hat sie Toilette gemacht. Das - schlichte' Weiß zu der knospenden Jugend ... mit einem Wort... sie hat sie dupirt. Sie sehen alle, wie ihr der Präsident mit feuchten Augen die Handküßt und nach der Tafel einen Galopp zweimal um den Saal mit ihr tanzt. Und dabei hat er im vorigen Winter bei der Damenwahl einmal ernsthaft den Werbenden erklärt: Ich habe nur einmal in meinem Leben getanzt und zwar mit i einer waschechten Fürstin. Seitdem nie wieder. Halten Sie mir also den Korb zu gut, meine verehrten Damen!" -v So kam's, daß Frau Anni Roten in der Vrauneberger Gesellig keit tonangebend wurde, und wahrlich nicht zu deren Schaden. Vom Slnnonciren.Z - Ein holländisches Blatt brachte ünlängst folgende Parabel: Ein Esel, der durch den Wald fies, fiel in eine tiefe Grube, und trotz aller semer Bemllhungen konnte er sich nicht herausarbeiten. Fast sterbend vor Hunger, sah er endlich einen Fuchs, den er dringend bat, ihm doch zu helfen. Ich bin zu klem, um zu helfen, sagte Rernecke, aber ich will dir einen guten Rath geben: hier in der Nähe befindet sich ent großer, starker Elefant. Rufe ihn, und er wird dich in einem Augenblick aus der Grube ziehen." Nachdem der Fuchs sich entfernt hatte, überlegte der Esel also bei stch .selbst: Ich bin sehr schwach durch Mangel an 'Nahrung. Jede Bewegung. ' die ich mache, ist so und so viel Verlust an Kraft. Wenn ich meine Stimme anstrenae. um den Elefanten zu, rufen, werde ich noch schwächer werden. Nein, so will lch meine Kräfte nicht verschwenden. Es ist die Pflicht des Elefanten, zu kommen, ohne daß ich ihn rufe." So dachte der Esel und starb infolgebessen den Hungertod. Lange danach kam der Fuchs an der Grube vorbei und sah darin das Gerippe des Esess. Wenn es wahr ist, daß die Seele der Thiere in den Menschen übergeht." so sagte er, wird die Seele dieses Esels ganz sicher in einen jener Kaufleute übergehen, die sich nie entschließen können, zu annonciren." Bescheiden. Hausherr? Ein Paar alte Stiefel wünschen Sie? Bedaure hob' keine!" Bettler: Nun, so sehr alt brauchen sie ja gerade nicht zusein!" V erdorben er Spatz. Wie war Ihr letztes Kaffeekränzchen?" Ach, die Rathm hat die ganze St:mmung verdorben! Mitten, in , ihrer Scheidung ist sie dabrgekommen!" Vergaloppirt. Er: Frau lein, ich liebe Sie!" Sie:. Wie.viel Mädchen mögen Sie - schon betrogen haben?!" Er. (begeistert): Fräulein, ich schwöre Ihnen: Sie sind die Erste!"

Ein gefälliger 3ttcnsdj. Humoreske von M. F. .

Ich lernte ihn kennen auf einerFahrt von Linz nach Wien, wo er. als ich mit meiner Frau einstieg, der' einzige Infasse eines Koupes war. Ein Gespräch war bald angeknüpft, und ehe der Schnellzug wieder hielt, hatte 'schon heraus, daß wir vom Besuch der Schwiegereltern kamen, unserer alten Magd kündigen wollten und eine größere Wohnung suchten zum nächsten Termin. Da zog er sein Notizbuch heraus und pries, uns ein Dutzend Wohnungen mit allen erdenklichen TuLenden und Bequemlichkeiten an. auch Dienstboten hatte er in Menge anzubieten ich war mir-vorläufig nicht recht klar, ob er Häuseradmimstrator oder Dienstvermittler sei. In Amstetten ließ er sich's nicht nehmen, uns Bier und Schinkensemmeln zu besorgen, nöthigte uns. daran anknüpfend, sofort die Adresse eines .wunderbaren Flaschenbieres" auf und versprach, uns einen Prager Schinken aus erster Quelle zu besorgen. Auch konnten wir billige Südfrüchte aus Trieft und Seefische aus Hamburg haben, oder allwöchentlich frische Butter aus Steiermark. Uns schwindelte vor so viel Gefälligkeit. wie kamen wir dazu und wie sollten wir uns revanchnen? Ich zog heimlich feine Karte hervor wer war der Mensch mit seinen Verbindungen in allen Gegenden unseres Erdtheiles? Aber die Karte verrieth nichts; bescheiden trug sie nur den seltenen Namen: Franz Xaver Schmied. In St. Polten erhielten wir weitere Gesellschaft; Ein Ehepaar mit einem schreienden Sprößling und eine ein-' zelne Damci. Da hatte der gute Herr Schmied alle Hanoe voll zu thun; der Dame nahm er diensteifrig Schirm und Boukett, dem Ehepaar den zappelnden Buben ab, der ihm dafür das Gesicht zerkratzte und seme kothigen Schuhe in den Magen stieß. Da gab er ihm zur Beruhigung den Rosenstrauß der Dame, den der boshafte Balg wie eine Peitsche schwang, daß die Rosen im Koupe herumflogen, wie bei einem Vlumenkorso. Die Dame fchrje Zeter und Mordio um ihre Blumen, Herr Schmied hatte Mühe, sie mit dem Versprechen zu beruhigen, ihr aus dem Garten feines Freundes Ersatz zu schaffen. Dann saß er echaüffirt und kleinlaut fünf Minuten lang still und wischte stch die Schweißperlen von der Stirn. Die Rosendame war mittlerweile mit dem Ehepaar in's Gespräch gekommen und bat um Empfehlung eines anständigen, Nicht zu theuren Hotels. Da war natürlich Herrn Schmieds Fach er erbot' stch, die Dame selbst zu begleiten,-. entwarf ihr ein Programm für i vierzehn Tage, versprach ihr Karten in alle Theater, notirte sich die Adresse des Ehepaares, das eine. Vor-, liebe für Krakauerwürste verrathen hatte,, die er natürlich billig zu besorgen wußte. , ' . .. Wir kamen allmä'lig in die Nähe unferes Reisezieles. Herr Schmied arbeitete wie ein Packträger, um die Gepäckstücke aus den Netzen zu heben, und nahm uns zum Schluß noch das Versprechen ab, alte Korke, Stanniol und Zündholzschachteln zu sammeln, er habe einem Freunde Beiträge für den Brockenverein zugesagt. Dann ein hastiger Abschied, und" bald ging die Erinnerung an ihn im Trubel der täglichen Geschäfte unter. Die Differenz mit unserer alten Magd war ausgeglichen, auch der Wohnungswechsel aus später Verschoben worden, wir hätten uns also einer ungestörten Ruhe erfreuen können, wenn nicht eben Herr Schmied gewesen wäre. Eines Tages brachte der Postpaketwagen eine Kiste an uns, zwölf Kilo schwer, Aufgabeort Prag, Nachnahme fünfunddreißig Kronen, Inhalt: Prager' Schinken. Die erste Erinnerung an Herrn Schmied. Wir zahlten in der ersten Verblüffung die fünfunddreißig Kronen Nachnahme, einmal ist keinmal, dachten wir und gegen Wiederholung wollten wir uns schon schützen. Aber das war nur der Anfang. In schöner Reihenfolge trafen dann, seine anderen Gefälligkeiten", ein: ein Kisichen Bücklinge, ein Fäßchen Butter, der Flaschenbieragent, gegen den ich mich nur unter Assistenz des Hausmeisters erwehren konnte, der Diener des Brockenvereins der einen Skandal improvisirte, weil wir außer zwei Schwedenschachteln und einer Sardinenbüchse nichts für seine edlen Zwecke vorräthig hatten. Dann begann der Friede mit unsrer alten Rest wieder zu wanken, als nachkinander etliche Mädchen, von Herrn Schmied direkt und indirekt geschickt,, sich als ihreNachfolgerinnenvorstellten; sie wurde renitent, stritt, randalirte und zog endlich beleidigt ab. Wir waren, dank der Gefälligkeit unseres guten Freundes Schmied wirklich zu einer neuen Magd gekommen; wie der Tausch war, das gehört nicht hierher, er entsprach dem Werth seiner sonstigen Freundschaftsdienste. Mittlerweile gab es Skandal mit dem Hausherrn, der erfahren hatte, daß wir unter der Hand eine neue Wohnung suchten und in acht Tagen hatten wii die Kündigung. Eines Tages machte ich ,nach Tisch' meinen halbstündigen Nicker, da läutete es mit Nachdruck. . Fremde Stimmen.

oit licy auch durch scyucyrerne Beschwichtigungsversuche meiner Frau nicht von der dringenden Wichtigkeit ihres Besuches abbringen ließen. Ich mußte , aus Schlafrock und' Pantoffeln heraus, in, den Salon hinein: Ein Herr Soundso, Freund des' Herrn 1 Schmied, mit zwei Söhnen. l:s sei nur eine Kleinigkeit, mit der sie belästigen müßten, aber Herr Schmied habe sie hierhergewiesen, da ich ja auch ein guter Freund von ihm sei und ihm gewiß gerne eine Gefälligkeit erweisen wolle. Ich könnte, als Beamter des Ministeriums, gewiß seine Söhne dort leicht unterbringen, oder sie sonst protegiren. Dem Unglücksmenschen hab' ich vorgerechnet, was mich Herrn Schmieds Gefälligkeiten bis dato kosteten, und mich feierlich verwahrt, zu den guten Freunden dieses Herrn gezählt zu werden. Dann vergingen einige ruhige Wochen, Herrn Schmieds Spuren begannen zu verwehen. Ich ging mit meiner Frau Einkäufe machen und wurde natürlich zur Besichtigung der Schaufenster angehalten. Da schob sich zaghaft eine Gestalt zwischen die drängende Menschenmasse: mit dem Hut in der Hand blieb sie freundlich, aber schüchtern vor uns stehen Herr Schmied; aber auf die Hälfte seiner früheren Behäbigkeit reduzirt, mit einem gewissen ängstlichen Blick um sich sehend, keine Spur mehr von seiner. einstigen Bew.eglichkeit. Alle Vorwürfe, die ich gefammelt und registrirt hatte, drängte ich zurück beim Anblick dieser Jammergestatt: hatten' ihn wohl einmal seine sämmtlichen Freunde" unter die Hände genommen? Jch habe mich gewiß etwas verändert," meinte er trüblächelnd, weil mich die Herrschaften gar nicht erkannt haben nein, krank war ich gerade nicht, einige Gemüthsaffektionen. veränderte Lebensweise ich bin nämlich derheirathet die Herrschaften kennen. glaube ich, sogar meine Frau nein, nein, ich danke vielmals, ich könnte jetzt wirklich nicht mithalten, hin nicht gewöhnt, um diese Zeit Bier zu trinken, muß auf meine Frau war-

ten, die hier Einkaufe macht. Meine Frau war mit einem verständnißinnigen Blick ebenfalls in dem lichtdurchflutheten Modesalon ' verschwunden und ich zog den Arm des XZchmied'schen Schattens in den meinen und brachte ihn wenigstens dazu. in einer Linie von zwanzig Schritten mit mir auf und ob zu gehen. Da erzählte er mir die Geschichte seiner Hei rath. Er hatte damals die Rosendame wirklich bis an das Hotel begleitet und ihr noch allerlei Gefälligkeiten erwiesen, war aber dann etwas zurückhaltender geworden, da er bei ihr ein lebhafteres Entgegenkommen bemerkte. als. ihm lieb war. Doch war ste ihm an Routine entschieden über und spann ihre ??aden heimlich zu einem Netze. dem der Gute umsonst zu entrinnen trachtete. Der entscheidende , Schlag r . f : rs . r . ! - ? r . Tici, U!ö er iiu prange jcuict uicuu, vielen Gef'älligkeitsgeschäste einem Freunde eine Tausgarnitur besorgen mußte und die unrichtige Adresse erwischte. Das spitzenbesetzte Wickelpolster kam in's Hotel, und thränenaufgelöst fand er die tiefgekränkte Dame darüber hingesunken. Sie sei zu tief kompromittirt m ihrer Madchenehre. um das überleben zu können, nur zwei Weae blieben' ihr offen. Na, daß Herr Schmied nie mehr im Leben eine Stunde ruhig geschlafen hätte, wenn er sich den Vorwurf ma chen müßte, jemand in den Tod getrieben zu haben, das war klar, also blieb nur der zweite Weg. Es kam mir zwar vor, als schliefe der Arme auch ohne den Vorwurf nicht sehr sorglos. Aber etwas Gutes hatte seine Heirath im Gefolge: Als er-seine Gattm stolz Tjerbeisegeln sah, da drückte er mir noch schnell die and und flüsterte mir be dauernd zu: Ich hätte Ihnen so gern wieder Verschiedenes besorgt, habe einige vorzügliche Quellen entdeckt, aber meine Frau steht das nicht gerne, sie ist leider etwas ungefällig!" Gott sei Dank!" dachte ich im stillen. Sehr oinkatir. 21.: Sagen Sie mir blos, wie kann der 3E. immer so schneidig einhergehen?" V.: Ja, sehen Sie, die Sache ist sehr einfach: Auf Theilzahlungen laßt der sich Nicht em. Entweder er bleibt Alles schuldig oder er bezahlt gar nichts." Freci?. Richter: Wie kamen Sie dazu, das Rad am Friedhofe zu stehlen?"Angeklagter: Es stand so vereinsamt an das Thor Lelehnt, und da dacht' ich: der Besitzer sei gestorben!" Honriscis gesagt. Er st Freundin: Was meinst Du, soll ich mit dem Assessor nach diesem Auftritt noch weiter verkehren?" Z weite Freundin: Von rechts wegen solltest Du ihn links liegen lassen." Ein Drittel aller Ver. brechen, di? stch jährlich in Großbritannien und Irland ereignen, werden in London begangen. Erfolgreiche Versuche sind in England gemacht worden, mit Hilfe von Acexylen auch während der Nachtdie Ernte einzuheimsen.

..Ayres Bulletin. Slippers für" Puppen

Kleine Mädchen, der Schuhmann auf dem 2ten Stock hat beinahe 500 Paar Slippers für Ausstattung der Puppen die nach diesem Departement am Mittwoch gebracht werden. Wenn Santa ClauS der Kleinen eine Puppe .rächte so schickt Ziese nach Ayres Laden für ein Paar hübsche Slippers. Diese sind frei. Die Slippers kommen in weiß, roth und hellblau, in zartem feinen Kid, haben zwei Riemen mit Gold Knöpfen. Sie könnten keine schöneren kaufen als die wir Ihnen schenken. Diese Slippers werden vielleicht nur einen Tag lang erhalten deßhalb kommen Sie morgen sehr zeitigst. L I Kl Das Einkaufs-Centrum der Stadt. Aon einem Baum erschlagen. Der 27jährige Graf Karl August von Schaumburg auf Lchrbach. Hessen, befand stch im Lehrbacher Schloßwalde und nahm dort das Fällen von Bäumen in Augenschein. Bei diesen Arbeiten stürzte ein gewaltiger Stamm in einer nicht erwarteten Richtung und schmetterte den Grafcn zu Boden. Als die entsetzten Augenzeugen herbeieilten, um den Verunglückten aus seiner furchtbaren Lage zu befreien, fanden sie, daß dieser bereits eine Leiche war. Der "ä ! t e st c b t it i s ch e Offizier. Oberstleutnant a. D. Philipp v. Franck in Charlottenburg bei Berlin, rollendste letzthin sein 100. Lebensjahr und war aus diesem Anlaß der Gegenstand ungezählter Glückwünsche und Aufmerksamkeiten. Der Jubilat erfreut st) noch immer einer vorzüglichen Frische des Geistes und Körpers. Er macht fast täglich seine Promenade und pflegt die Mahlzeiten außerhalb seines Heims in einem nahe gelegenen Restaurant einzunehmen. Wm. H. AdamS. Wm. E. Krieg. (ldamsöcRrieger ...Leichenbestatter.:. No. 159 Nord Illinois Stratz?. Ofsice Telephon 1154. WohnungS-Telephon l& Tamen-GebUkin. uroMykS DktmrtmnH Wechsel. Creditbricfc. Postanweisungen, auf alle Städte Europas. chiffsscheLNS von und nach Suropa. Sln- und Verkauf auelünsZl fchen Geldes. y F ? Ao. 35 Süd Meridian Str. Slercliants National Ban fc ie Jndiana Trust Company entbie tet all ihren Freunden und Gönnern die Glückwünsche der Saifo. Mit der .prächtigen GefchSftsauösicht für das kommende Jahr,. sollte Jedermann ein Spar-Conto anlegen. Diese starke Gesellschaft, mit ihren unübertrefflichen Facilitäten, kann' eö Ihnen leicht machen etwas jede Woche oder Monat zu sparen. Eine freundliche Einladung ergeht an Sie, ein SparConto zu eröffnen. Wir bewillkomm nen dasselbe, ob,groß oder klein. TUE MIM TRUST COMPANY, Kapital $1,000,000.00 Ueberschkß . 300,000.00 Lcke Washington Straß; und Virginia Ave. Verlangt - Anzeigen rged welcher rt wnden'i der jndiana IrttSne' mit Sc per Zeile für jede Jusertto berechnet. telleqksuch : in Mädche sucht tellna in nntvt Bäcker.Laden. Nachjusrckge in der Olftce d e. se vlattek. serlangt.-Ein utel OSdchea.unaelährKZalz. 9 um itzuhell eine vady tuuutotrten. Nachznfzen IM, OftUttveg, Ooofcrufl Platz.

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